Die verfickte zweite Chance

“Sicherlich ist es wichtig, dass wir einander Chancen geben auf dieser Welt. Jeder hat die Chance auf einen Neuanfang in unserer Gesellschaft. Das finde ich völlig korrekt. Aber was ich nicht korrekt finde ist, so wenige Jahre, nachdem ein Musiker frauenfeindliche Texte und schwulenfeindliche Texte und im Endeffekt menschenverachtende Texte veröffentlicht hat, so einen Musiker hier heute Abend auszuzeichnen, finde ich nicht korrekt. Danke schön!”

Mit diesen Worten hat Peter Plate von Rosenstolz bei der Bambiverleihung am 10. November 2011 völlig korrekt die katastrophale Fehlentscheidung des Burda-Verlags kommentiert, einem Mann das Bambi für Integration zu verleihen, der Menschen Gewalt androht mit dem läppischen Kommentar “Ist gute PR und mehr als 600 Euro Schmerzensgeld bekommst du eh nicht!”

Weitere Texte von Bushido klingen wie folgt:

Zeig mit dem Finger auf mich! Wer ist die Schwuchtel? Wer von euch Spasten reißt jetzt noch sein Maul auf? Wo sind die Cowboys? Kommt und ich hau drauf! Ganz egal was du denkst, du bist nur schwul!”

Ich hab gehört ich soll die Frauen akzeptieren, ich bin ein Mann und hab nichts zu verlieren, du willst Respekt halt den Mund und hör zu! Dein Silikon gehört mir und meiner Crew, nur weil ich Rap bin bläst du meinen Schwanz – doch wieso weil du ohne einen Mann nichts kannst, du willst von uns dass wir dich auf Händen tragen? Mit der rechten werd ich wichsen mit der linken dich schlagen.”

Ich lach dich aus, du Gangster auf ‘ner Hantelbank. Ich komm zu dir und zünde deinen schwulen Ledermantel an.”

“Ihr Tunten werden vergast!”

Jetzt ist es offiziell, wer Schwule vergasen will ist laut Burda Verlag ein gelungenen Beispiel für Integration in Deutschland.

Nun kann betont werden, dass Bushido sich gebessert und diese Aussprüche und Ansichten vor über fünf Jahren von sich gegeben hat. Es kann auch betont werden, dass Bushido nur in einer Demoversion seines Liedes Tunten vergasen wollte, das heißt jedoch, dass der Burda-Verlag davon überzeugt ist, dass man erst dann ein gutes Beispiel für Integration und somit ein wahrer Deutscher ist, wenn man in der Vergangenheit ein begeisterter Anhänger der Vergasung von Menschen war, dann eines Besseren belehrt wurde und nun aus dieser Geschichte etwas gelernt hat. Was Bushido aus seiner Vergangenheitsbewältigung gelernt hat, gibt er in seiner Dankesrede zum besten:

„Viele Punkte sprechen dafür und viele dagegen. Das was ich gemacht habe, war falsch. Aber die Art der Kritik ist erbärmlich und interessiert mich nicht, weil meine Mutter weiß, dass alles okay ist.“

Ein komisches Bild eines Deutschen verbreitet der Burda-Verlag mit dieser Ehrung. Aber was soll man auch von einem Verlag erwarten, der das erste Bambi der Geschichte an Marika (“Wenn ich Sie, mein Führer, für ein paar Augenblicke erheitern und von Ihrer verantwortungsvollen Arbeit ein wenig ablenken konnte, so bin ich darüber unendlich stolz und glücklich.”) Rökk und die meisten Ehrenbambis an Johannes (“Hitler war ein toller Kerl!”) Heesters verliehen hat.

Wenn der Burda-Verlag nichts dabei empfindet, Menschen Bambis zu verleihen, die mit den echten Nazis kollaboriert haben, dann wird er auch nicht davor zurück schrecken, einen Mann auszuzeichnen, der im 21. Jahrhundert mit der Ideologie der Nazis kokettierte.

Peter Plate hat Recht, jeder Mensch hat ein Recht auf eine zweite Chance: Marika Rökk, Johannes Heesters und Bushido. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass diese zweite Chance auch eine hohe Auszeichnung beinhalten muss.

Die Verleihung des Bambis für Integration an Bushido als Zeichen der Anerkennung seines zweiten Versuchs ist ein Schlag ins Gesicht all jener Menschen, die es schon beim ersten Mal richtig gemacht haben!

Hätte der Burda-Verlag auch nur ansatzweise alle Sinne beisammen, so hätte er einem Menschen das Bambi verliehen, der von Anfang an wusste, dass das Vergasen von Menschen keine so tolle Sache ist, statt jemandem, der davon erst einmal umständlich überzeugt werden musste.

Wenn ich dann auch noch höre, wie der geläuterte einst Nazisprüche kloppender Bushido, der für nichts und niemanden Respekt hatte, heute bei seiner Dankesrede Respekt für sich einfordert und berechtigte Kritik als respektlos bezeichnet, da könnte ich nur noch kotzen über diese verfickte zweite Chance!

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14 Antworten zu Die verfickte zweite Chance

  1. Cajus Pupus schreibt:

    Diese BAMBI Verleihung an Bushido ist genau so eine Farce wie die Verleihung des Friedensnobelpreises an OBAMA!

  2. 6kraska6 schreibt:

    Noch besser hätt ichs gefunden, wenn Peter Plate und Rosenstolz den Preis nicht angenommen hätten…

    • David Serebrjanik schreibt:

      Völlig einverstanden. Aber es war auch in dieser Form eine mutiger Schritt.

    • Mme. Haram schreibt:

      das sinnlose gefasel von bushido war hoffentlich wenigstens der jury peinlich.
      aber plate ist ein waschlappen. diesen preis überhaupt noch anzunehmen zeigt, was für rückgratlose nutten rosen”stolz” sind. der bambi ist doch eh nichts wert, er ist wohl inzwischen eine deklaration dreister dummheit. “courage bambi”! ich lach mich scheckig.
      ich habe deren musik nicht gehört und werde sie in zukunft nicht hören, jetzt weiss ich, warum.

      • Chartrottelchen schreibt:

        wie nennst du denn dann die anderen preisträger und preisträgerinnen, die freudestrahlend ihr tier entgegen genommen haben, wenn du den einzigen, der überhaupt die eier hatte, dazu was dazu zu sagen, als rückgratlose nutte bezeichnest? dass dieser preis sowiesos nix wert ist, ist eine andere sache.

  3. zrwd schreibt:

    @6kraska6. genau das ist von diesen Steigbügelhaltern der PC eben nicht zu erwarten.

    • 6kraska6 schreibt:

      Stimmt. Und das ist das Irre in der Burda-Welt: Man hangelt sich von Fake zu Fake zu Fake. Bushido: Gangsta-Fake. Burda: Medien-Fake. Bambi: Katzengold-Fake. Peter Plate: Correctness-Fake, halbgarer Matrosenstolz, ein bisschen dagegen, aber nicht so dolle, dass man Gegenwind kriegt. – Seit dem zivilcouragierten Chef-Scientologen Graf von Cruise wächst mit die Bambi-Sache immer mehr ans Herz…

  4. Nicklay schreibt:

    von bushido stammt nur das erste der drei zitate, wie dem artikel zu entnehmen ist

  5. Pingback: Gebt den Bambi zurück! | Tapfer im Nirgendwo

  6. Pingback: Bushido, | Tapfer im Nirgendwo

  7. Jacob P. schreibt:

    Ich habe die Preisverleihung nicht gesehen und interessiere mich im Normalfall nicht dafür, wenn die Medienindustrie sich selbst abfeiert. In diesem Fall finde ich es aber doch recht interessant.

    Wenn ein frauen- und schwulenfeindliches Muttersöhnchen wie Bushido als Musterbeispiel für gelungene “Integration” herhalten muss, dann ist das Realsatire pur! Hätte das Kerlchen wirklich Eier in der Hose, hätte er die peinliche Auszeichnung abgelehnt. So hat er sich nun selbst zum Kasper der Nation gemacht.

    Was mich am meisten ärgert: Die Verleihung ist eine schallende Ohrfeige für all die zahllosen Menschen in Deutschland, für die “Integration” eine Selbstverständlichkeit und gar nicht erst der Rede wert ist – Menschen, die nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, die fleißig Steuern zahlen, ihre Kinder zu anständigen Menschen erziehen und nie im Traum auf die Idee kämen, irgendeine Extrawurst (wie z.B. Gebetsräume in Schulen oder nach Geschlechtern getrennten Schwimmunterricht) von der Gesellschaft zu verlangen. DAS sind die Helden der Intergration!

    Und nicht diese Witzfigur!

  8. Pingback: Sehr geehrte Mutter von Bushido, | Tapfer im Nirgendwo

  9. Pingback: Nach Bushido-`Ehrung´: Gebt den Bambi zurück! « kopten ohne grenzen

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