Frauen des Arabischen Frühlings,

“Frauen,”

es ist eine Französin des 18. Jahrhunderts, die zu Euch spricht: Olympe de Gouges. Sie hat erlebt, wie eine Revolution der Menschen zu einer Revolution der Männer verkommt, die am Ende sogar Frauen in eine schlechtere Situation entlässt.

“Die Sturmglocke der Vernunft ist im ganzen Universum zu hören; erkennt eure Rechte! Das gewaltige Reich der Natur ist nicht mehr umlagert von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglaube und Lügen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und Anmaßung zerstreut. Der versklavte Mann hat zwar seine Kräfte vervielfacht, aber er hat der eurigen bedurft, um seine Ketten zu sprengen. Kaum in Freiheit versetzt, ist er nun selbst ungerecht geworden gegen seine Gefährtin. O Frauen! Frauen, wann wird eure Verblendung ein Ende haben? Was sind denn die Vorteile, die euch aus der Revolution erwachsen sind? Ihr werdet noch mehr verachtet, noch offener verhöhnt.”

Erklärte noch im 17. Jahrhundert die Philosophin Marie les Jars de Gournay die Gleichheit von Männern und Frauen (1622), erklärten die Sieger der Französischen Revolution kurzerhand die Männer- und Bürgerrechte (1789), oft fälschlicherweise als Menschen- und Bürgerrechte übersetzt, obwohl Frauen dezidiert nicht mit “des hommes” gemeint waren, was Oylmpe de Gouges in ihrer Antwort “Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” auch kritisierte.

“Fürchtet ihr, dass unsere französischen Gesetzgeber – Richter über jene Moral, die sich lange Zeit in der Politik eingenistet hat, nun aber überlebt ist – es euch wiederholen: „Frauen, was habt ihr mit uns gemein?“ „Alles“, werdet ihr zu entgegnen haben. Und wenn sie sich in ihrer Schwäche darauf versteifen, mit ihren eigenen Prinzipien in Widerspruch zu geraten, dann setzt beherzt die Macht der Vernunft ihren eitlen Anmaßungen entgegen, euch überlegen zu sein.”

Frauen des Arabischen Frühlings, haut den Kerlen ihre eigenen Widersprüche um die Ohren. “Mehr Stolz, Ihr Frauen,” wie Hedwig Dohm es einst sagte, “der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn!”

Frauen des Arabischen Frühlings, hört auf Olympe de Gouges, denn sie hat erlebt, was Euch droht: eine Revolution, die im Terror endet. Während Olympe de Gouges für die Menschenrechte stritt und das Recht eines jeden Menschen auf einen fairen Prozeß verteidigte, erklärten die männlichen Sieger der Revolution den Terror. Obwohl Olympe de Gouges eine blühende Republikanerin war und in dem König einen Feind der Demokratie sah, kämpfte sie für einen fairen Prozeß des Königs, weil für sie Menschenrechte unveräußerlich waren, selbst für den größten Feind. Für Olympe de Gouges sollte die Vernunft herrschen. Die Sieger der Revolution sahen das anders. Am 17. Januar 1794 erklärte Maximilien Robespierre den Sieg der “Natur” über die Vernunft:

“Wenn man vorschlägt, Ludwig XVI. den Prozeß zu machen, so stellt man die Revolution in Frage. Kann er gerichtet werden, so kann er freigesprochen werden, kann er freigesprochen werden, so kann er unschuldig sein. Ist er aber unschuldig, was wird aus der Revolution? (…) Wie könnte der Tyrann den gesellschaftlichen Pakt für sich anrufen? Er hat ihn vernichtet! Welche Gesetze sind an seine Stelle getreten? Die Gesetze der Natur: das Volkswohl.”

Olympe de Gouges jedoch verteidigte die Gesetze der Vernunft und landete dafür auf dem Schafott. Am 3. November 1793 wurde sie hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatte sich den “Gesetzen der Natur” widersetzt. Sie wusste warum.

Wenn die Mächtigen zur Natur greifen, so meinen sie damit immer nur ihr Recht auf Macht. Wenn die Mächtigen krank werden, dann wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern rufen nach der Vernunft der Ärztin, wenn ihnen Unrecht geschieht, dann möchten sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern hoffen auf die Vernunft der Richterin, nur wenn es darum geht, andere Menschen zu unterdrücken, dann wird eiligst die Natur aus der Kiste gezogen. Hedwig Dohm sagte einst:

“Wie der Mensch sich seinen Gott nach seinem Ebenbild schafft, so legt ein jeder seine Anschauungen der Natur in den Mund. Eine Byzantinerin ist die Natur, redet dem, der gerade die Macht hat, zu Munde, oder gibt wenigstens immer die Antwort, die der Fragende erwartet. Was ist natürlich, was unnatürlich? Die meisten geistigen Errungenschaften sind Einbrüche in vermeintliche Naturgesetze.”

Frauen des Arabischen Frühlings, hört auch Olympe de Gouges, die einmal sagte: “Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermassen das Recht haben, die Tribüne zu besteigen!”

Überlasst die Tribüne nicht allein den Männern. Die Französische Revolution ließ die Frauen auch hinter sich und sprach von den “Gesetzen der Natur”, aus denen sich allerdings schnell der pure Terror entwickelte, der gleichberechtigt neben der “Tugend der Vernunft” herrschen sollte. Am 7. Februar 1794 erklärte Maximilien Robespierre die Notwendigkeit des Terrors!

“Wir wollen den Forderungen der Natur nachkommen, die Gesetze der Humanität und die Versprechen der Philosophie erfüllen und den Götzen der langen Gewalt- und Verbrechensherrschaft zum Teufel jagen. (…) Welche Form der Regierung kann diese Wunder wahr machen? Allein die demokratische oder republikanische Regierung. Diese beiden Worte sind gleichwertig, wenn auch die Umgangssprache sie mißbraucht; denn eine Aristokratie ist ebensowenig Republik wie die Monarchie. (…) Aber um unsere Demokratie zu gründen und zu festigen, um zu einer friedlichen Herrschaft verfassungsmäßiger Gesetze zu gelangen, müssen wir den Kampf der Freiheit gegen die Tyrannei beenden und die Unwetter der Revolution glücklich hinter uns bringen. Das ist das Ziel des revolutionären Systems, das ihr errichtet habt. (…) Was ist nun der erste Grundsatz der Demokratie oder Volksherrschaft, das heißt, welche wesentliche Triebkraft bringt sie in Gang und bewegt sie? Es ist die Tugend. (…) Wenn der Geist der Regierung im Frieden die Tugend ist, so ist er während der Revolution Tugend und Terror zugleich: Tugend, ohne die der Terror verderblich ist, Terror, ohne den die Tugend ohnmächtig ist. Terror ist nichts anderes als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Er ist eine Offenbarung der Tugend. Der Terror ist nicht ein besonderes Prinzip der Demokratie, sondern er ergibt sich aus ihren Grundsätzen, welche dem Vaterland als dringendste Sorge am Herzen liegen müssen.”

Frauen der Arabischen Revolution, hier beginnt die Verhüllung des Grausigen durch wohl klingende Worte, wie wir sie aus allen Gewaltregimen kennen. Sie reden von schnellen Prozessen, aber meinen den kurzen Prozeß! Sie reden von Tugend, aber meinen das Schafott! Sie reden von Demokratie, aber meinen den Terror. Auf die Französische Revolution folgte eine Schreckensherrschaft wie auf die Iranische Revolution Ende des 20. Jahrhunderts die Islamische Dikatur folgte.

Robespierre verpackte seine Grausamkeiten in schöne Worte. Die Schreckensherrschaften Eurer Revolution süßen ihre Grausamkeiten mit der Natur und Allah. Sie verhüllen Ihre Absichten, so wie sie Euch unter Stoff zu verhüllen suchen.

Frauen des Arabischen Frühlings, lasst Euch nicht verhüllen!

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48 Antworten zu Frauen des Arabischen Frühlings,

  1. Aristobulus schreibt:

    …Im Zitat Robespierres muss Ludwig XVI stehen, er war ja die numéro seize, nicht quatorze, und in der Zeile davor sind bei 1793 zwei Zahlen zuviel.

    “Olympe de Gouges jedoch verteidigte die Gesetze der Vernunft und landete dafür auf dem Schafott.” Nein, wer definiert Vernunft?, die Jakobiner taten es anders, und so landete sie auf dem Schafott, weil sie Girondistin (also gemäßigt) war und es gewagt hatte, Robenspierre zu kritisieren.

    P.S.
    - Danke für “Natur und Vernunft”!, da treffen Du und die Hedwig Dohm alle Näge auf noch mehr Köpfe.

  2. amualibaba schreibt:

    Ein wunderbarer Beitrag, die eigentlich im 21. Jahrhundert nicht “Notwendig” und dessen Inhalt selbstverständlich seien sollte.
    Man Müsste doch eigentlich davon ausgehen können, dass die Menschheit durch die Geschichte klüger geworden ist und damit meine ich nicht nur die Frauen sondern auch und eher die männliche Seite, die sich leider immer noch der Religion und Tradition als Waffe gegen Frauen bedient.

    Welche Rolle haben denn die Iranischen Frauen in der Revolution 1979 gehabt, welches Opfer haben sie erbracht, welche Hoffnungen haben sie gehabt und was haben sie als Dankeschön bekommen?
    Frauen, die größtenteils vor der Revolution als die freisten und modernsten Frauen auf der ganzen Welt galten, haben als Dankeschön eine “Tschador” verpasst bekommen und mussten sich dem Islamischen Recht und Scharia unterwerfen und sich verhüllen.

    Im Persischen gibt es ein Sprichwort, das besagt: “Was habe ich gedacht, was ist geworden”, das sagt man, wenn man das gegenteilige dessen bekommt was man gehofft hat.

    Die Früchte der Revolutionen sei es im Iran oder im Arabischen Raum kann NICHTS ANDERS SEIN ALS DIE VERSCHÄRFUNG DER UNTERDRÜCKUNG DER FRAUEN, denn solange eine Revolution unter dem Banner der Religion geführt wird, bleibt von Gerechtigkeit und Vernunft und Gleichberechtigung Nichts mehr übrig.
    Hier geht es um Islam und Islamisten, sowohl Männliche als Auch Weibliche, deren Macht durch Tradition und Angst gespeist und gestärkt wird.
    Wie sonst ist es zu erklären, dass nach dem Tod des libyschen Diktators Gaddafi der Nationale Übergangsrat die Befreiung von der jahrzehntelangen autoritären Herrschaft offiziell verkündet und gleichzeitig die islamische Scharia als neues Rechtssystem einführt, wonach die Banken nach islamischen Prinzipien arbeiten müssen, Polygamie mit bis zu vier Frauen ohne Einschränkungen erlaubt sei und Ehescheidung für die Frau nur noch bei Krankheit oder Unfruchtbarkeit des Partners möglich sein soll oder wenn dieser sie nicht versorgen kann.
    Der Mann dagegen soll sich nach Gutdünken scheiden lassen können und muss seinen Wunsch nur “””dreimal””” aussprechen.
    Unter der autoritären Herrschaft Gaddafi’s konnten Männer eine zweite Frau nur dann heiraten, wenn die erste ihr Plazet gab und das Scheidungsrecht erkannte eine Vielzahl von Gründen an, wonach sich auch die Frau scheiden lassen konnte.
    Und das schlimmste ist, dass Dies vor den Augen der Frauen passiert und von denen sich keine dagegen wehrt, obwohl sie unter anderem auch gegen solche patriarchische Gesetze auf die Strassen gingen und auch ihr Blut eben jene Strassen getränkt hat.
    Das Übel sehe ich in der Religion und bin der Meinung, dass solange die Religion das Sagen und was zu bestimmen hat, werden Frauen leiden müssen und eine echte Gleichberechtigung werden solche Länder, die ein religiöses Rechtssystem haben, nie erreichen.

    Also es lebe Säkularität und säkulare Demokratie.

  3. BoardCore schreibt:

    Ergänzung:

    Liebe Frauen des arabischen Frühlings. Bitte entscheidet selbst was ihr wollt und wie ihr es durchsetzt. Orientiert euch um Himmels Willen nicht am fortschrittichen und aufgeklärten Westen. Am Ende kommt noch so etwas dabei heraus:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811195,00.html

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Ich zitiere aus dem Artikel:

      “Die Stadt, 25 Autominuten von Jerusalem entfernt, war im Dezember zum Symbol für den Streit geworden: Ein achtjähriges Mädchen war auf seinem Schulweg von Radikalen verfolgt worden, weil sie nach deren Sicht nicht angemessen gekleidet war. Daraufhin demonstrierten Tausende Israelis.”

      Ich wiederhole: “Daraufhin demonstrierten Tausende Israelis.”

      Frauen des Arabischen Frühlings, nehmt Euch ein Beispiel an diese Tausende Israelis!

      • Aristobulus schreibt:

        Treffer, versenkt.

        Und FordCore, Sie Goof, der Sie sich mit dem verlikten Artikel selbst ins Bein geschossen haben, was sind Sie doch für ein Eintengesäß. Sogar um Israel mal einfach draußen zu lassen sind Sie zu belämmert, Sie müssen’s tun, halt Flitzpiepe, der Sie sind.
        Eumel.

      • BoardCore schreibt:

        Das Problem mit den Fundamentalisten beschränkt sich aber nicht nur auf besagte Stadt. Vielmehr gibt es eine Art von No-Go-Areas in Jerusalem. Hinzu kommen zehntausende Siedler -vielleicht sogar hunderttausende- die so radikal denken wie man es von Fundamentalisten erwartet (Großisrael, Judäa und Samaria als Teil Israels, usw.). Ein paar Tausend demonstrieren dagegen und schon soll sich die Welt an ihnen ein Beispiel nehmen…

        Dass solche Fundamentalisten offensichtlich einen großen Einfluss haben, sagt mir hingegegen: Liebe arabische Frauen, sucht euch Vorbilder die dazu auch taugen.

        • tapferimnirgendwo schreibt:

          Ihre Zahlen sind reine Mutmaßungen, Vorurteile, um nicht so sagen: böswillige Übertreibungen. Ihr Bild von Israel ist sehr schlecht. Auch in Dänemark und Deutschland gibt es No Go Areas, schlimm genug, dennoch ist für mich Dänemark mehr ein Beispiel als der Iran und Israel mehr als die Türkei, um mal einfach so zwei Vergleiche zu wagen. Es ist ein Unterschied, ob Fundamentalisten mit ihren Fundamentalismen geltendes Recht brechen (wie in Israel) oder ob sie damit Gesetze halten (Iran).

          • Yael schreibt:

            Bezeichnender Weise kommen solche Typen reaktionsmäßig sofort mit Israel und/oder Juden an, obwohl es in dem Artikel nicht einmal im Ansatz darum geht. Ein deutscher Zwang der sich leider auch immer hier ausleben muss. Dann werden Ultraorthodoxe mit Siedlern in ein Topf geschmissen, obwohl das zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Die Unwissenheit ist – wieder bezeichenend – ist frappierend.
            Lass solche Trolls doch einfach nicht mehr durch. Es nervt einfach.

        • Jacob P. schreibt:

          Wie kommt BoardCore eigentlich auf das Thema Israel und Juden???
          Auch in meinem Stammforum gibt es so einen Typen, bei dem jede, wirklich jede Diskussion früher oder später bei diesem Thema landet. Ist das irgend so eine ansteckende Krankheit? Gibt es ein wirksames Gegenmittel?

  4. Naomi schreibt:

    Sehr schöner Kommentar, Gerd Buurmann.

    Und für so jemanden wie * hüstel* – “Boardcore” noch ein paar aktuelle Infos über islamische Fundamentalisten:
    Einer der bekanntesten ägyptischen Schauspieler/Komiker – Adel Imam – wurde jetzt in Abwesenheit zu drei Monaten Haft verurteilt – weil er den Islam beleidigt und verleumdet hatte.

    http://www.egyptindependent.com/node/634751

    Ach, und die taz hat vor einer Woche in einem ausführlichen Interview darüber informiert, dass in Deutschland jetzt der Geschäftsmann Selim Reid eine muslimische Mitfahrzentrale gegründet hat – inklusive garantierter Geschlechtertrennung!
    Dieser Fundamentalist meint es sehr ernst mit der Geschlechterapartheid mitten in Deutschland.
    “So schützen wir auch die Ehen”, behauptet Selim Reid. “Ich habe schon oft gehört, dass Verheiratete bei Mitfahrgelegenheiten einen Seitensprung kennengelernt haben und ihre Partnerschaft daran zerbrach, Familien daran kaputt gegangen sind.”

    Und weiter O-Ton: “Ich bin davon überzeugt, dass der Islam alle Religionen verbindet und es nur einen wahren Gott gibt. Immer mehr Menschen konvertieren zum Islam, der große Teil davon ist weiblich. Diese tragen das Kopftuch freiwillig, niemand unterdrückt sie. Die Geschlechtertrennung ist Teil unseres Glaubens und der Islam ist ein Teil von Deutschland – diese Frage erübrigt sich also. …
    Der Islam wird sich nicht ändern, die Prinzipien werden bleiben, die Frauen werden auch in 1.000 Jahren ihr Kopftuch noch behalten wollen.”

    http://taz.de/Gruender-ueber-islamische-Mitfahrzentrale/!86202/

    Sehr merkwürdig fand ich dabei, dass die taz sich noch drei Wochen zuvor über die durchgeknallten Haredim in Israel so heftig entrüstete und nun plötzlich den identisch durchgeknallten muslimischen Reid mit seinen extremistischen Vorstellungen so wohlwollend abnickt und ihm völlig kritiklos ein Podium zur Verfügung stellt.
    Tja, Deutschlands Medien sind immer wieder sehr verwunderlich …

    • Silke schreibt:

      Also die Vorstellung Bad-Hair-Days mittels Kopftuch entgehen zu können, hat schon was, besonders für jemanden, der derart mit Flusehärchen “gesegnet” ist wie ich, nur wie kratzt man sich mit dem Teil am Kopf, wenn der Gedankenfluß der Stimulation bedarf?

      Und unter dem Teil muß es doch ganz schön warm werden, sterben die Hirnzellen da nicht eines vorzeitigen Tod?

      • quisa schreibt:

        Nun, was die Kleiderordnung angeht, sollte man auch mit den Ländern des Westens kritisch sein. In einigen muslimischen Ländern ist das Kopftuch Pflicht (Iran, Saudi Arabien), in anderen muslimischen Ländern entsteht innerhalb gewisser Bevölkerungsschichten der Zwang, das Kopftuch zu tragen durch sozialen Druck aus dem sozialen Umfeld, obwohl das Kopftuch von offizieller Seite eher stigmatisiert ist und keine offizielle Kleiderordnung vorherrscht (wie es z. B. lange Zeit in TUnesien der Fall war).
        Ähnlich ist es auch in Deutschland und anderen westlichen Staaten: Gesetzlich gibt es zwar Kleidungsfreiheit, dennoch wird in vielen Kreisen der gesellschaftlichen Mitte einer Kleiderordnung mittels sozialem Druck aufgestellt.
        Mädchen, die in deutschen Schulen nicht einen für die Rolle als Mädchen typischen Kleidungsstil (figurbetonende Kleidung, sexy) und Verhaltenscode (betont feminin, mädchenhaft kickern, auf sexy art und weise Haare aus dem Gesicht streichen, next-top-modelartiges behaviour, vor allem über “Mädchenthemen” reden etc) zeigen, werden von den MitschülerInnen meist gnadenlos gemobbt, teils sogar in den Selbstmord getrieben. Man denke beispielsweise an ein eher unauffälliges Mädchen, das Wollpullies trägt, die bis zur Hüfte hängen und von der FIgur nichts durchblicken lassen, ungeschmint ist etc.) HOhn und SPott sind garantiert. Sie wird wohl allenfalls in der Nische der Ökos Freunde finden, sofern sie an einem Ort leben, an denen diese existieren.
        Auch im Berufsleben ist es ähnlich: Frauen, die Karriere in großen Unternehmen machen, müssen hier im Regelfall vor allem einen Kleidungsstil und Verhaltenscodex an den Tag, der typisch für die Rolle der Frau ist. Also auch hier: Rock tragen, zwar dezent, aber trotzdem figurbetont, charmant sein. High-Heels tragen. EIn wenig auf süß machen, die Haare auf sexy Art und Weise aus dem Gesicht streichen, dezentes Make-UP auftragen. Also quasi Eigenschaften zeigen, die typisch für die ROlle der Frau sind. EIne Frau im Stil und Verhalten von Renate Künast, die nicht unbedingt dem typischen traditionell “femininen Frauenbild” entspricht, hätte da kaum eine Chance. Folgt frau nicht diesem Ideal, hat sie vor allem noch in der Nische der NGO-Szene, SOzialarbeit oder eben der Politik (Grüne, Linke, vielleicht noch SPD) eine Chance.
        Zusammengefasst: In vielen muslimischen Ländern gibt es zwar offziell Kleidungsfreiheit und Gleichberechtigung, dennoch sind viele Frauen durch sozialen Druck aus dem Umfeld gezwungen, das Kopftuch zu tragen. (trifft z. B. auf Türkei oder derzeit noch Tunesien zu)
        In westlichen Ländern können gibt es offziell Kleidungsfreiheit und Gleichberechtigung, dennoch sind viele Frauen durch sozialen Druck aus ihrem Umfeld gezwungen, ein typisch feminines Verhalten und eher dezent reizende Kleidung zu tragen.
        Sowohl in einigen Ländern der muslimischen Welt und den westlichen Länder haben Frauen die Möglichkeit, Karriere zu machen. Dann müssen sie sich allerdings in der Regel den aus westlicher SIchtweise typisch femininen Kleidungsstil und Verhaltenskodex aneigenen. Das ist auch in der Türkei nicht anders, an der Uni, Schulen uind Behörden sind dort Kopftücher beispielsweise verboten.

        • Aristobulus schreibt:

          Hi Quisa (antworte mal lieber ich Dir, sonst macht’s Martin Lüßen auf die Strenge oder gar Andreh auf die Eiserne!), Du stellst Beides also als ziemlich gleich oder ähnlich hin, zwar immer so a bissele differenziert, aber doch gleich, nicht?, hie gibt es sozialen Kleidungsdruck und dorten auch, hie Gleichberechtigung, da ja auch zum Teil, usf.

          Mir ist jedoch nicht bekannt, dass hier einer Angestellten, die sich nicht konform verhält, Säure ins Gesicht geschüttet würde. Oder hab ich was übersehen? Du überschätzt auch die Sexyness in den Schulen und in den Büros. Es geht da nicht um alles oder nichts, frau kannn schon ziemlich rumlaufen wie sie will, sie muss ganz sicher nicht albern kichern!, Mann muss z.T. einen Schlippes tragen, muss aber nicht wie früher mausgrau sein. Falls eine Angestellte hier etwa keinen engen Rock anzieht, kommt nicht etwa ihr Ehemann und sperrt sie ein. Hier gibt es auch keine Pasdaran oder sonstige Tugendwächter, die Frauen geduckt halten.

          Und in der Türkei trägt Frau Erdogan öffentlich ein Kopftuch, bricht also die (säkularen) Gesetze.

        • Silke schreibt:

          iss ja allens ganz nett, aber was den Beruf anlangt, gilt das allens ganz genauso für die Männekens.

  5. quisa schreibt:

    Hi Aristobulus! Danke für Deine wie immer sehr sachliche Antwort:) Selbstverständlich bin ich auch auf teils aggressive Antworten von anderen Personen vorbereitet, komme aber damit klar;)

    Natürlich habe ich mich bzgl. meines Vergleiches zum Kleidungszwang, der zum einen durch sozialen Druck und zum anderen durch Gesetze erzeugt wird, bewusst etwas überspitzt ausgedrückt. Es ging mir aber vor allem um den Kleidungsdruck und um Geschlechtsrollenbilder, nicht so sehr um Gleichberechtigung im Allgemeinen. Es geht mir darum aufzuzeigen, dass auch im Westen Frauen sich gewissen Geschlechtsrollenbildern zu unterwerfen haben, und zwar in sehr vielen gesellschaftlichen Bereichen. In großen Wirtschaftsunternehmen ist das beispielsweise der Fall, Banken ebenfalls etc. Die große Mehrheit der Frauen dort erfüllen nun mal gewissen Geschlechtsrollenbilder. Ich habe während des Studiums hin- und wieder an der Frankfurter Messe gejobbt, da sieht man das beispielsweise sehr deutlich.
    Natürlich ist sozialer Druck anders zu bewerten als staatliche Repressalien. Dennoch: Wenn es beispielsweise um die Forderung nach einem Kopftuchverbot in Schulen geht, wird immer wieder das Argument gebracht, hierdurch könne man dem sozialen Druck entgegentreten, durch den muslimische Mädchen zum Tragen des Kopftuches gezwungen werden. Warum soll man diesezüglich eben nicht den sozialen Druck ansprechen, der ansonsten so auf den Mädchen der Schulen lastet: Nämlich möglichst sexy zu wirken und nicht wie das hässliche Entlein rumzulaufen. Und das diesbezügliche Mobbing kann äußerst brutal sein. Ich war ehrenamtlich in der Jugendarbeit aktiv und da hat man so einiges an grausamen Fällen mitbekommen. Psychologische Gewalt kann sehr grausam sein und beispielsweise zur Selbstverstümmelung führen.
    Und natürlich kann ich mich bzgl. des Kledigungszwanges gegenüber Mädchen auch auf ERfahrungen aus meiner eigenen Schulzeit im Köln/Bonner Raum beziehen. SO lang ist sie ja nun auch noch nicht her….
    Natürlich gibt es hier Unterschiede, sowohl regional als auch vom Schultyp, an manchen intensiver, an manchen weniger intensiv.
    Generell sollten wir auch nicht alle islamischen Länder über einen Kamm scheren. AUch hinsichtlich der Gleichberechtigung. Beispielsweise riskiere ich zu sagen, dass die Türkei oder Tunesien (zumindest noch) bzgl. der Gleichberechtigung und Geschlechtsrollenvorstellungen den meisten westeuropäischen Ländern nähersteht als beispielsweise Saudi-Arabien, Pakistan oder Afghanistan. Im >Fall der Türkei natürlich mit einem starken Ost-West-Gefälle sowie einem Gefälle von Stadt zu Land. Obwohl da natürlich auch noch einiges im Argen liegt, ganz klar. Und selbstverständlich sehr vieles an der türkischen Politik zu kritiiesieren ist…

    • Silke schreibt:

      apropos Messe:

      einen meiner Chefs habe ich immer bekniet, daß ich gern mit zur Hannover Messe wollte, Standdienst auch wenn’s nur Kaffeekochen gewesen wäre (die Reisekosten hätten mein Budget belebt und ich hatte schon immer Neigung zu Barfrauentätigkeiten) Nein hat er gesagt, unter keinen Umständen, niemals eine Frau aus dem eigenen Haus.

      Er war ein sehr kluger Mann und ein guter Chef.

      Übersetzung für quisa: Was Du auf Messen beobachtest, ist nicht Alltag.

      Und noch einmal Geschlechtsrollenbilder zu genügen, wird Männern genauso abverlangt. Die dürfen z.B. im Sommer nich mit Sandalen kommen ;-)

      Also quisa insgesamt fände ich Deinen Beitrag interessanter, wenn Du Dich auch dem Leiden von Männern an der Gesellschaft widmen würdest. Meines Wissens liegt Ihr doch bei Herzinfarkten immer noch vorn und sterbt immer noch früher als wir.

      Vielleicht habt Ihr’s nicht so mit dem Selbstverstümmeln aber das mit der impliziten Drohung von Keile gibt’s doch wohl noch?

      • Aristobulus schreibt:

        Drohung von Keile, Anschwärzen, Claims Abstecken, Protzerei usf., und bei Mangel von Wissen der Rückzug auf die eigene vermeintlich höhere Position…
        Hach, in der Literatur gibt’s das Alles nicht ;), da gibt’s nur ein ganz subtiles einander Ausstechen, bei dem man selbst nichtmal mitmischen muss, und man darf sogar mit Sandalen im Mund erscheinen.

      • quisa schreibt:

        @Silke: Aber hallo, gehe ich auf die Leiden der Männer ein, könnte ich Seiten füllen;)
        Klar, die Geschlechterrollen betreffen auch Männer. Nach den Geschlechtsrollenvorstellungen im Westen wie auch in der muslimischen Welt hat der Mann eben der harte, starke zu sein, der Macher. Die Frau hat die gefühlvolle, sanfte, die Untergeordnete zu sein. Natürlich sind diese Bilder in der muslimischen Welt oder auch den meisten anderen Staaten des globalen Südens (man denke an die katholisch geprägten Länder Lateinamerikas) noch ausgeprägter als in den meisten westlichen Industrienationen. AUch in einem muslimischen Land ist ebenso der Mann Opfer solcher Geschlechtsrollenbilder, verlangen diese doch von ihm die Rolle als harter Macho zu erfüllen. Man denke beispielsweise an den eher feminin wirkenden “Frauenversteher” oder gar homosexuellen Mann. Dennoch prägen diese Geschlechtsrollenverständnisse auch das Leben in den Gesellschaften der westlichen Industrienationen mehr als vielen Menschen bewusst ist.
        Eine große Benachteiligung von Männern hierzulande ergibt sich meines Erachtens auch durch Frauenquoten im öffentlichen Dienst. Sorry, aber diesbezüglich bin ich gänzlich anderer Meinung als die Mehrheit der Leute, die man meinem politische Lager zuordnen würde.
        Wenn Stellenausschreibungen im Universitätsbereich (Verwaltung und akademischer Bereich) mit der Bemerkung versehen sind, dass Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt werden, ist dies klar eine Diskriminierung gegen Männer, denn von diesem wird dann erwartet, BESSER zu sein als die Frau (skurrilerweise entspricht dies dann wieder genau dem traditionellen Geschlechtsrollenklischee), um diese Stelle zu besetzen. Männer haben es im Hochschulbereich dadurch allgemein bedeutend schwerer, weil sie jetzt kaum noch eingestellt werden. Natürlich ist bisher ein Großteil, insbesondere des akademischen Personals männlich, was auf ein strukturelles Probelm hinweist. Dies aber durch Quoten zu regeln und gegenüber Männern zu diskriminieren und es nun äußerst schwierig zu machen, in verschiedene Bereiche der Universität zu kommen, halte ich für den falschen Weg
        Ich bin absolut für Frauenförderung wie auch für Minderheitenförderung, aber diese sollte früher ansetzen. Nicht dadurch, anhand von Einstellungsquoten vorher gemachte Fehler quasi auf letzter Instanz geradezubügeln. Das gilt übrigens nicht nur für Frauenquoten, sonder auch für Migrantenquoten, über die ja gerade nachgedacht wird…

        • Silke schreibt:

          also quisa mit Deinen Kenntnissen von allüberall auf der Welt kann ich nicht mithalten. Meine Kenntnisse sind eher von der St. Mary Mead Art.

          Und was Frauenbevorzugung bei gleicher Qualifikation angeht: voll dafür, so lange derartige Gremien noch mehrheitlich von Männern besetzt sein sollten.

          Es gab Zeiten, da dachte ich dieses Frauen sprachlich immerzu einbeziehen, was ja auf Deutsch zu ziemlichen Verrenkungen führt, könne a bisserl peinlich werden. Die Zeiten haben mich eines Besseren belehrt. Wenn man/frau drauf vertraut, daß Männer es von alleine tun, wird es nie was.

          Andererseits habe ich kürzlich eine Doku gehört, die verkündete Gertrude Bell habe T.E. Lawrence rumkommandiert, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich und eine wie Gertrude Bell hat es wirklich nicht verdient, daß so ein vermutlich akademischer Frischling ihr derartig unwahrscheinliche Meriten andichtet. Bell ist ganz für sich betrachtet eindrucksvoll genug.

          (meines Wissens haben sie und Lawrence sich gezofft, daß die Fetzen flogen, mal gewann einer mal die andere)

          • quisa schreibt:

            @Silke:
            es kommt drauf an, aber diese Gremien sind nicht mehr immer mit Männern besetzt. In den Auswahlgesprächen wird ja meist versucht, mindestens ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu haben, nicht selten auch ein zahlenmäßig von Frauen dominiertes.
            Ein gutes Beispiel sind Auswahlgespräche in akademischen Auslandsämtern an Hochschulen. EIne Freundin von mir arbeitet in diesem Bereich:
            Tatsächlich sind Frauen insbesondere an Fachhochschulen immer noch unterrepräsentiert, daher heißt es dort auch, dass gerade die Bewerbungen von Frauen begrüßt werden.
            Allerdings ballen sich die Frauen dort dann in “typischen Frauenbereichen” wie den akademischen Auslandsämter, in denen nur sehr wenige Männer arbeiten. Ob es dann in solchen Bereichen immer noch sinnvoll ist, Frauen generell per Quote zu bevorzugen, halte ich für fragwürdig. In den Auswahlgesprächen in diesem Bereich findet man in der Regel:
            Die Leitung des Akad. Auslandsamtes (meist eine Frau)
            Der/Die PersonalreferentIn (meist eine Frau, Human Ressources ist ein klassischer “Frauenbereich”)
            Die Frauenbeauftragte der Hochschule
            Eine/n ProjektmitarbeiterIn des akademischen Auslandsamtes (meist eine Frau)
            Eine Person vom Betriebsrat (i. d. R. dann bei der oben genannten Konstellation der einzige Mann)
            Ist ja auch vollkommen ok, dass es so ist, aber ich denke in solchen Arbeitsbereichen ist keine spezielle Bevorzugung von Frauen mehr notwendig. Förderungen sollte dann eher in den technischen Bereichen einsetzen, die noch immer sehr stark von Männern dominiert sind.

        • Aristobulus schreibt:

          … ich glaube ja nicht, dass der Machismo in Südamerika auch nur irgendwie mit der Männerrolle in arabischen Gegenden von ferne vergleichbar ist. Lateinischer Machismo irgendwo in Buenos Aires oder viel milder in Rio, oder in Neapel!, alles wie im Theater, die Frauen naturgemäß mittendrin. Ich hab zwar nie in Nahost gelebt, aber gibt’s das da? Nie davon gehört. Es geht lethargischer zu, geschlossen, unkatholisch, unantikisch

          Ferner ist da der Unterschied zwischen Schuld- und Schamkulturen. Der sich auf traditionelles Geschlechterverhalten besonders auswirken müsste, sofern er überhaupt existiert. Ist ja umstritten, ob das überhaupt so ist…

          • quisa schreibt:

            @Aristobulus
            Klar, ich kenne jetzt auch keine direkten Vergleichsstudien zum Machismo in Lateinamerika und in den muslimischen Ländern bzw. ich weiß jetzt auch nicht genau, was den Machismo auslöst, ob es jetzt wirklich nur kulturelle, traditionelle EInflüsse sind, oder ob evtl auch ökonomische Gründe da mit reinspielen oder ob es ein Zusammenspiel aus alledem ist…..ratlos
            Nun ja, um die Gründe soll es hier nun auch gar nicht gehen. Genau wie im muslimischen Kulturkreis kommt es auch im Lateinamerikanischen sehr auf die auf die Region oder auf das Land an. Die Situation in Buenos Aires ist sicher ganz anders als in den zentralamerikanischen Staaten Honduras, Guatemala oder El Salvador. Ich war dort selbst noch nicht, aber was ich so aus verschiedenen Quellen, Erfahrungsberichten etc. weiß ist, dass die Situation für Frauen, vor allem abseits der großen Städte extrem hart, sowohl was ihre allgemeine gesellschaftliche Stellung angeht als auch häufige Gewalttaten. Neben dem Studium habe ich an einem Projekt mitgearbeitet, bei dem es um die Vermarktung einer FairTrade Kaffesorte ging, die von einer Frauenkooperative in Honduras hergestellt wird. (http://www.elisabethkaffee.de/index.php/comucap/)
            Diese Kooperative stieß vor allem in der Anfangsphase auf alles andere als Gegenliebe in ihrer Heimatregion, insbesondere weil es in der von Männer dominierten Gesellschaft als bedrohlich galt, dass Frauen unabhängig eine solche Unternehmung aufziehen. Sabotage und teils überaus gewalttätige Repressalien waren die Folge.
            Inwieweit Machismo eine Rolle im sehr gewalttätigen Alltag in den zentralamerikanischen Staaten spielt, weiß ich nicht, sicherlich aber wird auch dieser einen Einfluss darstellen. Bandenkriege in Honduras, Guatemala, El Salvador und einigen Regionen Mexikos produzieren derzeit Mordraten, die sogar jene in Kriegsgebieten wie Afghanistan oder dem Irak in den Schatten stellen.
            Auch in der islamischen Welt gibt es Unterschiede hinsichtlich der Frauenrechte. Die Situation in Zentralamerika wird sich ganz sicher nicht mit der in Pakistan, Jemen oder Afghanistan verlgleichen lassen. Andererseits sind Frauen in Städten wie Tunis oder Istanbul ebenso Teil des öffentlichen Lebens wie sicher auch im schönen Buenos Aires.
            Auch im christlich geprägten südlichen Afrika gibt es extreme Gewalt gegen Frauen. Ich habe einige Zeit in Johannesburg gearbeitet und die Gewaltintensität gegen Frauen in dortigen Townships ist extrem (hab nicht zu dem Thema gearbeitet btw). Ich frage mich wirklich, ob es in muslimischen Ländern noch sehr viel extremer sein kann…Corrective rape gegenüber homosexuellen Frauen zwecks Heilung der sexuellen Orientierung sind dort derzeit weit verbreitet. Gewalt gegen Frauen ist übrigens in Südafrika in der Region des südlichen Afrika am ausgeprägtesten, obwohl es das reichste Land der Region ist. Dennoch ich liebe dieses Land und will es daher auch nicht in einseitigen Farben stehen lassen. Gleichzeitig sieht man dort nämlich sowohl homosexuelle Frauen als Männer im Kaffee sitzen und öffentlich Zärtlichkeiten austauschen und niemand regt sich drüber auf, eine Toleranz die man nur in sehr wenigen Staaten findet. Das eine Extrem existiert eben nicht selten neben dem anderen. In Istanbul wird das wohl ähnlich sein….
            So, jetzt hab ich mir scheinbar selber ne Gute Nacht-Geschichte geschrieben und ganz schön weit ausgeholt;)
            Gute Nacht

          • Aristobulus schreibt:

            Quisa,
            danke für Deinen Verweiss auf die Scheußlichkeiten in anderen Weltgegenden als immer bloß in Nahost… ich verwette glatt meine Heizung darauf, dass all jene Scharen ‘Israelkritiker’ und Nahostexperten weder etwas von dem Quasikrieg in Mittelamerika gehört haben, noch etwas darüber hören wollen.
            Wer interessiert sichüberhaupt für Afrika… wegen des andauernden Völkermords in Darfur (durch den von den Chinesen unterstützten supermoslemischen sudanesischen Präsidenten et al.) gab es meines Wissens noch keine einzige UNO-Resolution jemals, aber wegen Israel wie viele, fünfzig?

            Afrika interessiert keinen. Nordkorea nur, Falls wieder hunderttausend verhungern müssen, dann steht drei Tage was in paar Zeitungen.
            Wohingegen die taz neulich über die Einführung eines neuen Hamburger Rabbiners titelte: “RELIGIÖSE AUF DEM VORMARSCH”. Die fühlen sich also von einem einzigen Rabbiner gleich im Plural übermarschiert, und dann steht sofort etwas von “umstrittener Chabad-Bewegung”. Was daran denn bloß umstritten sei oder wer überhaupt umstreitet (weshalb Chabad?), wissen dann auch nur die.

            Wirklichkeit ist das, was wirkt, nein? Mit Realität hat’s trotzdem nichts zu tun.

    • Aristobulus schreibt:

      … dann schreibst Du über Konformismus (anderes Wort als sozialer Druck), ja, der nervt allerdings sehr. Wie Silke schon schrieb, sind dem die Männeken genauso unterworfen. Sollen die nicht allesamt wie Kai Pflaume aussehen müssen, und sollen die nict allesamt so scheußlich viril sein wie Herr Bohlen? Geschlechterrollen (sei’s in der Religion, sei’s nur in der Reklame) sind ohnehin Nötigung, Falls mich einer früge (tut aber keiner, hélas).

      Die Menschenrechte sind unteilbar, egal, welches Geschlecht einer nun hat oder keins, und egal, ob er nun eine Religion oder eben keine hat – die Einzigen, die das jedoch anders sehen, sind Muslime (nicht alle, aber mit schöner Regelmäßigkeit immer die, die am Drücker sitzen).

      Jetzt zu verlinken wäre ein Youtube-Song von einer, die übrigens haargenau so aussieht und sich so gibt, wie Du es karikiert hast, eine gazellige Blondine aus Berlin mit Piercings und Modetätowierungen, die sich punkig-lasziv in einem Boot räkelt und einen Song darüber schmettert, wie geleckt alle doch sein müssten. Die Pose ist ebenso dumm wie unglückselig – also pardon, wenn ich’s nun doch nicht verlinke.

      • Aristobulus schreibt:

        P.S.
        pardon, bezog sich noch auf Quisa

      • Silke schreibt:

        aber da Du schon ans Laszive im Boot denkst, hier ist, was mir dazu einfiel

        (irgendwie dachte ich, sie singt den Song beim Räkeln in nem Boot, aber falsch, sie erzählt nur was von nem Boot)

        • Aristobulus schreibt:

          … fettt, einfach fetttt :D

          So weit zu Kopftuchträgerinnen & Kultur. Ich werd mir jezze den Film The Sheik ansehen, er kam heut mit der Post, yepp mit dem Gotte Rudolph Valentino, der die dortig Wüstenbekopftuchte erst enthost, dann entschleiert, während sie ihn erst verflucht, und dann doch nicht.
          Was ist eigentlich im Islam immer los, dass sie sowas dorten als Lästerung, Blasphemie, Unanständigkeit, gar als Ehegefährdung sehen? Und warum steinigen sie da gar so gern?

          • Silke schreibt:

            Du guckst the Sheik auf DVD, nicht the son of the sheik?
            Ich gucke gerade synchron zum Buch the sheik online und habe den Sohn gerade bestellt, er kommt zum irren Preis von $ 7,99 incl. Versand aus Hongkong – das Irre der modernen Welt hat zweifellos auch seine guten Seiten.

            Die Story ist super, doch was nur was fanden unsere Omas und oder Ur-Omas an Rudolph Valentino. (Der Mann meiner Träume ist Rhett Butler=Clark Gable wie er Scarlett O’Hara=Vivien Leigh die Treppe hoch trägt.)

            http://www.gutenberg.org/cache/epub/7031/pg7031.txt
            http://www.archive.org/details/TheSheik

          • Aristobulus schreibt:

            Des Sheikes Son ist noch nicht die Treppe aus Marseille zu mir hochgestöckelt (naht aber).

            - Hach, sowas Clarkgabeliges geht nur mit schimmernden Kandelabern und mit ‘ner Treppenflucht, die im Dunkel verdämmert, indem ihr Kleid in genau den richtigen Falten schwingt, und das obige Außeratemsein und Rücken-Aua schneidet man dann raus aus’m real life.

            Und bezüglich des Gooottes Valentino: Nope! Du hast grad Deine Uroma in voller Verschwitztheit vor Dir! :D
            *moi weiter the Sheik ankooking*

      • quisa schreibt:

        Klar, solche Modestile wie jener der beschriebenen gazelligen Blondine erfüllen ja absolut die Geschlechtsrollenbilder. Das Punkige ist ja längst zu einem Modestil geworden, der eben auch die typisch weiblichen Geschlechtsrollenbilder anspricht (Sexy, figurbetont etc.)
        Derartige Subkulturen sind doch längst vom Mainstream aufgefressen. Viele Jugendsubkulturen erheben zwar immer noch den Anspruch, vom gesellschaftlichen Mainstream abzuweichen, tatsächlich aber tun sie dies doch überhaupt nicht. Gerade in diesen Subkulturen wird sich doch nicht selten sehr intensiv über Kleidung definiert, also über Äußerlichkeiten definiert. Und das ist im gesellschaftlichen “Mainstream” (ich hasse dieses WOrt eigentlich..), von dem man sich abzugrenzen versucht, ganz genauso. Und wie wird sich abgegrenzt? Zu einem nicht unwesentlichen Anteil über den Kleidungsstil…..irgendwie schräg

        • Silke schreibt:

          quisa
          was findest Du so beunruhigend an figurbetont? Wenn Männer sich mit gespreizten Beinen auf Bänken fläzen und ihr Gemächte präsentieren, wie nennst Du das?

          • Aristobulus schreibt:

            … also das find ich beunruhigend, Rudolph Valentino hätt das nie gemacht, nichtmal als Scheich himself. Nu, der war ja ein Herr.

            Quisa, ich meinte den Widerspruch jener Quasigazelle, scheints den Konformismus zu kritisieren, ihn aber selber zu überspitzen. Sie will wirken wie Lady Gaga (ich weiß wirklich nicht mehr, wie die nun heißt, jedenfalls völlig unarabisch, auch un-frühlingsch), will scharf sein auf Teufel komm raus. Ob das guttut? Ach wo ist sie geblieben, die Anmut?

          • quisa schreibt:

            @Silke:
            ich persönlich habe gar nix gegen figurbetonende Kleidungsstile, ganz im Gegenteil. Es ging mir in dem Beitrag lediglich darum zu sagen, dass eben auch solche sich als alternative präsentierenden Stile bereits die typischen Merkmale aufweisen, die die sehr stark von Geschlechtsrollenerwartungen geprägten “normalen” Modestile aufweisen. Und klar sind die bei Männern teils auch sehr figurbetonend. Frauen haben allerdings meines Erachtens weit weniger die Wahl, stark figurbetonende Stile zu umgehen, sofern sie keine Lust haben, diese zu tragen oder sich aus Figurgründen auch einfach nicht wohl darin fühlen….
            Auch bei offiziellen SPortuniformen sind Profisportlerinnen meist mehr als ihre männlichen Kollegen gezwungen, ihren Körper zur Schau zu stellen. Man denke nur an Beachvolleyballerinnen, die gezwungen sind, stets kürzere Höschen zu tragen.
            Hier ein interessanter Artikel zum zunehmenden Sexismus im Frauensport:
            http://diestandard.at/1319182234050/Frauen-und-Sport-Mit-Rock-im-Ring

          • Aristobulus schreibt:

            Quisa, aber Dir ist bewusst, dass Du damit den ev. mitlesenden Scharen von arabischen Frühlingsfrauen, die Angst vor des Westens blasphemisch entfesselter Sexualisiertheit haben (oder sie oktroyiert bekommen haben), ‘nen Grund gibst, um diese ganze würdelose, antikoranische usf. Zuschaustellung zu fürchten usf.?

            Ich glaube ja, dass diese Debatten einen ganz anderen Grund haben. Sportfunktionäre (wofür gibt’s die bloß?) wollen ihre Jobs behalten, und so erfinden sie weiter Ämter, Ausschüsse und Vorstände, produzieren Papier und Scheindebatten. Journalisten und ~istinnen, die unbedingt Artikel schreiben wollen, erfinden Probleme, die sie dann mit Soziologensprech kritisieren. Und Sportlerinnen lassen sich von einem “sogenannten Männermagazin” (Deine Quelle moralisierend) gegen Geld fotografieren und kritisieren’s dann, um so oder so im Gespräch zu bleiben…
            Ach Untiefen des Diskurses ;)

          • Silke schreibt:

            Aristobulus

            es gibt echte zum Himmel schreiende Mißstände, mit denen sich zumindest in der Industrie angestellte Frauen rumschlagen müssen (mehr oder weniger haben sie alle was damit zu tun, daß wir schwanger werden oder werden können oder könnten), angesichts derer mir eine Diskussion um die Leiden, die figurbetonte Kleidung verursacht, reichlich frivol erscheint.

            Ja in Sachen Styling gibt es, abhängig davon wo man arbeitet, welchen Publikumsverkehr man hat, welchen Stil die Abteilung oder der Arbeitgeber pflegt, lästige bis sehr lästige (und auch kostspielige) Regeln und vielleicht sind die für Frauen a bisserl härter (außer bei Sommerhitze) so nach dem Motto, aber Ginger Rogers did it all on high heels and backwards. Aber haben solche Leute, die auf so nem Niveau jammern, sich schon mal näher angeguckt, wie z.B. der Maurerberuf die Hände des Mannes zurichtet?

            Es gibt ne Art von Weibergejauner, bei dem ich einfach bissig werde.

            In den frühen 70ern verließen anscheinend ganze Scharen von materiell gut verheirateten Frauen ihre Ehemänner, weil die einer Sache namens Selbstverwirklichung hinderlich waren. So wie der Arbeitsmarkt war, liefen die als Leihkräfte bei mir im Büro auf. Ich habe nie entschieden, wer arbeitsmäßig gesehen nutzloser war, die oder die frauenbewegten Studentinnen. Nicht mal zu nem ordentlichen Schwatz taugten die dämlichen Tussen. Immerzu ging’s ihnen um unausgegorenstes gesellschaftlich Relevantes.

          • Aristobulus schreibt:

            Silke
            Yep, Weibergejaune und männliche Regelsucht auf hohem Niveau, und jene damals wussten wahrscheinlich nicht, was sie wollten, nicht wissend, dass sie’s nicht wussten.
            Ich verstehe Kleidungsregeln einfach nicht (schick is’ nicht übel, beileibe nicht, aber Regeln?) Hab mir mal jenes durch und durch entsetzliche Buch von Erika Pappritz “Etikette” extra dafür zugelegt, um die Notwendigkeit zu begreifen, allein ich las nur ihren Stolz, die Regeln zu kennen und neue erfunden zu haben.
            Vielleicht haben die einfach nischt Anderes zu tun?

            P.S.
            Geh heut Nacht bloß nicht mehr raus, es ist sowas von eiseskallllt, dass einen die Schweine beißen, Leib & Säääle gefrieren von Grund auf. Kein Anflug von Arabien oder Frühling, von Frauen ganz zu schweigen

  6. powled schreibt:

    achjo: zu der oben genannten Olympe de Gouges gibts einen Beitrag beim NDR zu finden… Ordnet deren Biografie auch zeitlich nochmal ein, aber mit dem hier gelegten aktuelleren Fokus hat es leider nichts zu tun.
    Liebe Grüße.

  7. amualibaba schreibt:

    Um wieder das eigentliche Thema anzusprechen:
    lieber Gerd, dein Appell an “Frauen des Arabischen Frühlings” verpufft leider lautlos, denn ohne die Unterstützung durch die so genannte FREIE WELT, demokratische Länder, sind die Frauen, übrigens auch die Männer, in Syrien Machtlos gegenüber dem Schlächter aus Damaskus.
    Die Menschen in Syrien leiden, werden gefoltert und gezielt umgebracht aber unsere oberster Vertreter beim Sicherheitsrat können sich nicht einigen, weil den 2 Ländern, die Profiteure der Unruhen, Profit mehr WERT ist als das Menschenleben.

    Also Leute lehnen wir zurück und schauen wir uns den WAHREN Film ” Massaker in der arabischen Welt Teil 2″ an.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/reaktionen-das-ist-eine-schreiende-schande-1.1275629

    • Aristobulus schreibt:

      Die UNO, Farce die sie immer war, hat sich wieder als die Farce hrausgestellt, die sie ist.

      • Silke schreibt:

        Claire Berlinski hat ne Serie von Posts mit Videos von ihrem ausführlichen Gespräch mit einem türkischen Journalisten, der da war. Ich weiß noch nicht, ob ich’s mir reinziehe oder ob ich ihr einfach das hier (4. Link von oben) glaube. Ich habe ein paar von den Transkripthappen gelesen und die sind schon alptraumträchtig genug:

        After a day of trying to upload the rest of the videos and thinking about what I can do to present what limited information I have in some journalistically responsible way, I’ve reached my limit.

        Let me put this to you simply. Assad is a monster. He is evil beyond comprehension. No one is going to stop him until he and everyone around him is dead. But you’re out of your minds if you convince yourself the FSA is comprised of potentially friendly, liberal democrats. There’s not a liberal democrat between here and the Horn of Africa, just trust me on this; they don’t even know what those words mean, they just know that you have to say them if you want to have any hope of being saved by those weird but freakishly powerful Americans for whom the words “liberal democrats” are the magic elixer. There will be no friendly, moderate, secular regime in Syria, ever, and the first thing the FSA will do if anyone helps them is slaughter Alawites and Christians. Everyone knows it, and at this point, who could possibly be surprised and who could blame them. They hate the world in this descending order, with allowances for overlap: Shia, Jews, Christians, Iran, America, Israel, Russia, Turkey. They’ll probably hate each other, too, soon enough.

        The only options here are unbearably awful and unspeakably awful. There’s no happy outcome.

        http://ricochet.com/main-feed/The-Evil-Regime-A-Report-From-Syria

        http://ricochet.com/main-feed/What-Ilhan-Tanir-Saw-in-Syria-Part-I

        http://ricochet.com/main-feed/What-Ilhan-Tanir-Saw-in-Syria-Part-II

        http://ricochet.com/main-feed/Let-Me-Save-You-Time-on-Syria

        • Silke schreibt:

          ich bin in der Moderation, dabei habe ich nix Schlimmes gesagt, ehrlich!

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Liebe Silke,

            es gibt Buzzwords, die nicht unbedingt schlimm sein müssen, aber von freaks, die hier immer mal wieder auftauchen, benutzt werden. Keine Sorge. Die Freischaltung kommt immer so schnell wie möglich.

          • Silke schreibt:

            Lieber Gert,
            ich war gar nicht ängstlich
            irgendein Blogautor hat gesagt, es erleichtert ihm/ihr das Rausfischen aus’m Spamfilter, wenn man drauf aufmerksam macht und seitdem tue ich es (meistens).

          • Aristobulus schreibt:

            Claire Berlinski macht sich keine Illusionen – sie trifft den Nagel mitten drauf… dort gilt das, was man mit immer gleichem Grauen Die Regeln von Hama nennt, vielleicht war Saladin eine Ausnahme, sonst gibt es keine, aus.

            Ban Ki Moon sollte zurücktreten, einfach so.

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