Der ewige Besatzer

Neutralität ist nicht nur ein Fremdwort im Diskurs rund um den Nahostkonflikt, sie ist sogar zu so einer Minderheitensprache geworden, dass nicht einmal mehr die Helden der Feder, ganz gleich welchen Ranges und welcher Partei auch immer, es merken, wenn ihre Berichterstattungen nur so vor Einseitigkeiten strotzen.

Exemplarisch für die Einseitigkeit, die nicht mehr als solche wahrgenommen wird, möchte ich einen Begriff anführen, der im Diskurs des Nahostkonfliktes mittlerweile als neutrale Vokabel benutzt wird: „Besatzer“. Ich werde zeigen, dass dieser Begriff nur dann benutzt werden kann, wenn der einen Seite etwas zugestanden wird, das der anderen Seite verwehrt wird. Die Frage lautet nämlich:

Warum sprechen so viele Menschen von Gebieten, die angeblich von Israel besetzt sind? Warum spricht niemand davon, dass der selben Logik folgend der Gaza-Streifen und die Westbank von Palästinensern besetzt sind?

Der Begriff “besetzte Gebiete” ist mittlerweile zur Standardvokabel in fast jedem Bericht zum Nahostkonflikt geworden, obwohl dieser Ausdruck nachweislich nichts anderes ist als Teil einer klaren und vor allem einseitigen Propaganda. Mittlerweile sind Millionen selbsternannte Nahostexperten fest davon überzeugt, dass es immer schon einen palästinensischen Staat gab und Israel gleich nach der Staatsgründung seine Nachbarn überfallen hat und diese Unsitte seither zur Routine geworden ist.

Eine Technik der Propaganda besteht darin, eine Lüge immer und immer wieder zu wiederholen, damit am Ende etwas hängen bleibt. Im Fall Palästinas ist dies gelungen. Kaum ein Zeitungsschreiber macht sich heute noch die Mühe, ein Geschichtsbuch aus dem Regal zu räumen, um nachzuschauen, von wann bis wann es denn ein Palästina gegeben hat. Die Antwort wäre auch nur zu ernüchternd: Es gab niemals ein selbstständiges Palästina!

Wie aber ist es nun möglich, dass Israel ein Land besetzt halten soll, das niemals existiert hat?

Schauen wir uns dazu mal die West Bank an, also den Ort, von dem behauptet wird, Israel halte es seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt oder würde dort “illegale Siedlungen” bauen. In der deutschen Sprache wird dieses Gebiet auch Westjordanland bezeichnet, was schon zeigt, wer bis 1967 die Hoheit über dieses Land hatte: Jordanien! Im Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 wurde es von Jordanien besetzt und 1949 völkerrechtswidrig annektiert. Nur Großbritannien und Pakistan haben die jordanische Hoheit über das Westjordanland jemals anerkannt. Von diesem Gebiet aus wurde Israel 1967 angegriffen, und kein Recht der Welt kann dem Staate Israel ernsthaft sein Recht auf Verteidigung absprechen.

Bevor die West Bank im Jahr 1949 von Jordanien annektiert wurde, war sie allgemein als Palästina bekannt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass es eine palästinensische Regierung und Verwaltung gab. Es gab schließlich nicht einmal den Ausdruck “palästinensisches Volk”. Dieser Begriff hielt erst sehr viel später Einzug in den Nahostdiskurs und gehört ebenfalls zu den vielen angeblich neutralen, aber in Wahrheit sehr einseitigen Propagandavokabeln.

Palästina war der Begriff, mit dem der Völkerbund, der seit 1922 das Gebiet verwaltete, das Land und alle dort leben Menschen, ob christlich, muslimisch, jüdisch oder heidnisch, beschrieb. Auf der Konferenz von Sanremo im Jahr 1920 wurde das Gebiet an Großbritannien übertragen mit dem Auftrag zur Realisierung des Völkerbundmandat für Palästina. Auftrag des Mandats, das am 24. Juli 1922 ratifiziert wurde, war die Hilfe zur „Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“. Zu dieser Entscheidung kam es, nachdem das Reich, das vorher über das Gebiet geherrscht hatte, untergegangen war. War es Palästina? Nein! Es war das Osmanischen Reich. Im Ersten Weltkrieg unterlag das Osmanische Reich den alliierten Mächten, was dazu führte, dass im Namen des Völkerbundes das Osmanische Reich aufgeteilt wurde, um neue unabhängige Länder zu etablieren. Selbstverständlich konnte bei dieser Entscheidung nicht der jüdische Teil der Bevölkerung übergangen werden, der schon seit biblischen Zeiten in dem Gebiet lebt. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung und der Diskriminierung, besonders auch durch muslimische Machthaber (die bekanntesten Pogrome an Juden durch Muslime in der Zeit sind die Nabi-Musa-Unruhen, die Unruhen in Jaffa und das Massaker von Hebron), forderten viele Juden unter dem Begriff Zionismus schließlich nichts weiter ein, als das Recht, das für alle anderen Menschen der Welt selbstverständlich war und ist: Sie beanspruchten Sicherheit in den Grenzen einer selbstverfassten Nation. Sie beanspruchten Unabhängigkeit. Sie beanspruchten Land!

Der damalige britische Außenminister Arthur James Balfour unterstütze den Wunsch der Zionisten und schrieb einen Brief, der als Balfour-Deklaration in die Geschichte einging:

Verehrter Lord Rothschild,
ich bin sehr erfreut, Ihnen im Namen der Regierung Seiner Majestät die folgende Erklärung der Sympathie mit den jüdisch-zionistischen Bestrebungen übermitteln zu können, die dem Kabinett vorgelegt und gebilligt worden ist:
Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diese Erklärung zur Kenntnis der Zionistischen Weltorganisation bringen würden.
Ihr ergebener Arthur Balfour

Der Völkerbund nahm sich dieses Ansinnens an und wählte ein Gebiet, in dem diese “nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina” entstehen sollte. Das Gebiet umfasste dabei nicht einmal 0,5% des ganzen arabischen Raums.

Im Jahr 1947, also nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem sich die Situation von Juden im Nahen Osten noch mehr verschlechtert hatte (unter anderem verbündete sich der Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, mit Adolf Hitler im gemeinsamen Anstrengen, alle Juden der Welt zu vernichten), wurde ein Teilungsplan der Vereinten Nationen, der Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, vorgelegt, in dem sich die jüdische Seite schließlich sogar mit nur einem Viertel des eh schon kleinen Gebiets zufrieden gab:

Die restlichen drei Viertel gingen zu zwei Dritteln an das halbautonome Emirat Transjordanien, aus dem später das heutige Land Jordanien wurde. Der Rest sollte zu einem weiteren arabischen Staat werden. Wenn es also eine Partei innerhalb des Konfliktes gibt, die zu extremen Kompromissen bereit war, dann die jüdische Seite!

Als schließlich am 29. November 1947 im Namen der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit sowohl der israelischen als auch der arabischen Seite die Gründung jeweils eines unabhängigen Staates angeboten wurde, nahm die israelische Seite dieses Angebot an, obwohl es nicht einmal 20% des anfänglich in Aussicht gestellten Landes war. Die arabische Seite jedoch verweigerte die Annahme ihres unabhängigen Landes. Stattdessen engagierte sie sich zusammen mit Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien in einem gemeinsamen Krieg zur Vernichtung des neu gegründeten Israels.

Im Zuge dieses Krieges kam es zu zwei Flüchtlingsströmen. Der eine Strom bestand aus 500.000 arabischen Flüchtlingen, der andere aus 850.000 jüdischen Flüchtlingen. Interessanterweise ist im heutigen Diskurs rund um den Nahostkonflikt meistens nur noch von den 500.000 arabischen Flüchtlingen die Rede, was ebenfalls zeigt, dass es mit dem Neutralitätsgebot im Nahostkonflikt nicht so weit her ist. Dieses Phänomen habe ich in meinem Artikel “Der ewige Flüchtling” beschrieben.

Als somit im Jahre 1948 Israel gegründet wurde, erklärte die arabische Welt Israel den Vernichtungskrieg. In dieser Zeit fanden auch viele schreckliche Pogrome in muslimischen Ländern gegen Juden statt, u.a. die Pogrome von Aleppo, Kairo und Aden. Viele Angriffe auf Israel wurden auch von der durch Jordanien extra zur Vernichtung Israel annektierten West Bank unternommen. Im Sechstagekrieg 1967 brachte Israel dieses Gebiet unter Kontrolle und konnte so die Angriffe aus dieser Region beenden. Seitdem hält sich das Gerücht, Israel hielte dieses Land besetzt, ein Gebiet, das vorher von Jordanien in der Absicht, Israel zu vernichten, annektiert worden war und das in der Zeit des Mandats durch den Völkerbund für eine jüdische Nation vorgesehen war.

Wenn wir uns also die Geschichte der Region anschauen, so sehen wir, dass dort erst das Osmanische Reich geherrscht, dann der Völkerbund verwaltet, dann Jordanien annektiert und dann Israel das Gebiet unter Kontrolle geholt hat. Wie kann man da guten Gewissens von “besetzten Gebieten” sprechen? Von wem hält Israel das Land besetzt? Von Jordanien, das es zur Vernichtung Israel annektiert hat? Vom Osmanischen Reich, das es nicht mehr gibt? Von wem also? Erst 1988 hat Jordanien seinen Anspruch auf das Gebiet aufgegeben, und erst seit 1993 werden Teile des Gebiets von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet ohne gültige Erklärung, die Existenz Israels anzuerkennen. Von wem also hält Israel das Gebiet besetzt?

Die Antwort ist schlicht: Von niemandem! Im Gegenteil sogar. Während es nie eine völkerrechtliche Anerkennung der Annexion des Gebietes durch Jordanien gab, die arabische Seite das Angebot der Vereinten Nationen von 1947 abgelehnt hat und das Osmanische Reich nicht mehr existiert, gibt es eigentlich nur einen Vertrag, der die Situation regelt: Das Völkerbundmandat.

Wenn es also Besatzer in diesem Konflikt gibt, dann Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde!

Warum aber spricht im Falle Jordaniens und der Palästinensischen Autonomiebehörde niemand von Besatzern? Weil wir es mit der typischen Doppelmoral zu tun haben, die von der israelischen Seite etwas erwartet, was sie von den anderen Parteien nicht erwartet.

Es ist einfach pure Logik, dass es sich bei den Gebieten nicht um “besetzte Gebiete” handeln kann, da es im Vorfeld keine souveräne Regierung gegeben hatte, von der Israel etwas hätte besetzen können. Es sind “umstrittene Gebiete”! Wer also wahrhaft Neutralität einfordert, der muss die einseitige Vokabel “besetzte Gebiete” eintauschen gegen “umstrittene Gebiete”, denn um nichts anderes handelt es sich. Wer Israel als Besatzer bezeichnen will, der muss auch Palästinenser und Jordanier als Besatzer bezeichnen, denn ihr Recht, dort zu siedeln, ist genauso berechtigt oder umstritten wie das Recht jedes Menschen, dort zu siedeln.

Wer behauptet, die jüdischen Siedlungen seien illegal, muss auch die palästinensischen Siedlungen als illegal bezeichnen!

Warum haben sich dennoch die einseitigen Vokabeln von den “besetzten Gebieten” und den “illegalen jüdischen Siedlungen” sogar bis in die höchsten Ebenen ernstzunehmender Zeitungen eingeschlichen? Kann es vielleicht sein, dass zweitausend Jahre Judenhass eben doch Spuren bis in die heutige Zeit hinterlassen haben? Ist es möglich, dass sogar heute für viele Menschen Juden nichts weiter sind als Fremdkörper, etwas, das nicht dazu gehört, etwas, das von ganz woanders herkommt und niemals Wurzeln schlagen kann? Es scheint, als hätte noch manch aufgeklärter Mensch das Vorurteil des ewigen Juden im Kopf, oder, um es politisch korrekt auszudrücken: des ewigen Besatzers!

***

Mein besonderer Dank gilt Matthias Stöhr für das Korrekturlesen.

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48 Antworten zu Der ewige Besatzer

  1. Karl A. Böttger schreibt:

    Die Karte des Britischen Mandatsgebietes ist mißverständlich: 1920 war das gesamte Mandatsgebiet Palästina und nicht nur der Streifen westlich des Jordan, das Gebiet hieß bei den Briten Cisjordan und nicht Palestine.
    Bleibt in diesem Zusammenhang die Frage, warum (mit welcher Berechtigung) Großbritannien 78 Prozent des ihnen zur Treuhand gegebenen Gebietes an einen Haschemitenfürst aus Saudi-Arabien verschenkte, also an eine Gruppe, die von allen beteiligten am Wenigsten in dieser Gegend zu suchen hatte.

    • peter schreibt:

      Der Haschemitenfuerst war aus dem Hedjaz, einem Gebiet das damals noch nicht zu Saudi-Arabien gehoerte. Und da die Haschemiten als Verbuendete der Briten Amman im Ersten Weltkrieg von den Osmanen erobert hatten, war die die britische Entscheidung kein Geschenk, sondern vielmehr eine Anerkennung der Realitaet. Worueber sich uebrigens meines Wissens nach die spaeter als “Palaestinenser” bekannten lokalen Araber niemals beschwert haben…

  2. Anna P. schreibt:

    Es geht noch schlimmer: Zu dem Vorwurf des „Besatzers” kommt der, dass Israel ein Apartheids-Staat sei. Veröffentlicht auf einer deutschen (!) Seite – inklusive dem Aufruf: „Kauft nicht bei Juden!”

    http://www.ipk-bonn.de/politik/news/2012020500.html

  3. heplev schreibt:

    Was ist eigentlich aus dem Begriff “Vollversammlung” geworden? WIeso schreibt heute Hinz und Kunz “Generalversammlung”? Und Herr Buurmann ist auch einer, der sich hier Hinz und Kunz anschließt… ;)

    • Paul schreibt:

      Heplev,
      verstehe ich nicht.
      Habe rumgegooglet. Überall wird geschrieben, dass die Un-Resolution 181 von der Generalversammlung beschlossen wurde.
      z.B. auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/UN-Teilungsplan_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina
      Aber auch anderswo, selbst im Blog der Botschaft Israels:

      http://www.botschaftisrael.de/2011/11/29/64-jahre-nach-dem-un-teilungsplan/

      Oder habe ich Dich falsch verstanden?

      • peter schreibt:

        Das ist vielmehr ein Anzeichen fuer den Niveauverlust deutscher Uebersetzer.
        Die korrekte Uebersetzung von “general assembly” lautet nun mal “Vollversammlung”, mit Generaelen hat das nix zu tun. Aber man vernimmt ja auch immer oefter den Begriff “Mittlerer Osten”, wenn im Original “Middle East” steht. Was nun mal “Naher Osten” ist…

        • Paul schreibt:

          Peter,
          vielen Dank, es fällt mir aber schwer es zu glauben. Falsche Übersetzung?
          Im Blog der Botschaft Israels?

          Im Verzeichnis bei Google gibt es sowohl die Vollversammlung, als auch die Generalversammlung.
          Auch bei Wiki werden beide Bezeichnungen als Synonyme verwendet:

          http://de.wikipedia.org/wiki/Generalversammlung_der_Vereinten_Nationen

          Beachte auch die Fotos die zu sehen sind. Die stützen diese Feststellung noch.

          • Silke schreibt:

            Mein Eindruck ist, daß die Übersetzungen der israelischen Botschaft oft Schnellschüsse sind und das Einwandern von englischen Ausdrücken ins Deutsche ist ja eigentlich voll cool (sic). Wo wären wir heute hätte das Ausland uns nicht Trottoir und Fenster beschert, von Fisimatenten ganz zu schweigen.

            General ist ein mildes Beispiel und wenn es einem Deutsch-Muttersprachler widerfährt, der ständig in 2 oder 3 Sprachen lebt und dessen Hauptberuf vielleicht nicht Übersetzen ist, neige ich zur Großzügigkeit.

            Wenn aber Profijournalisten sich aus dem englischen Vokabular lateinischen Ursprungs bedienen und 1 zu 1 übertragen damit auf Deutsch rumprotzen, als hätten sie anno dunnemals das volle humanistische Schulprogramm absolviert, dann werde ich giftig.

            Mein Lieblingslehrbeispiel hierzu hat zwar schon Moos angesetzt, ist aber immer noch gut.

            Progressiv unterscheidet nicht zwischen fortschrittlich und fortschreitend, aber es macht sich natürlich viel besser gebüldeter und unverstaubter. Immer noch sehr beliebt ist auch dialektisch wo zwiespältig gemeint ist. Empirisch wo in der Wirklichkeit überprüft heißen sollte usw. usw.

            In der ARD kriegte sich vor kurzem einer überhaupt nicht mehr ein, so gut gefiel es ihm Kakophonie zu sagen, als er Vielstimmigkeit und Widersprüchliches meinte. Beides wäre, jeweils im richtigen Zusammenhang, genauer gewesen als Schlecht/Übeltönigkeit.

          • peter schreibt:

            Nun, schludrige Uebersetzungen greifen halt um sich. Und wenn die Journallie und “professionelle” Uebersetzer solche Fehluebersetzung oft genug gebrauchen, dann greifen sie haltum sich. Und Wikipedia ist ja keine Enzyklopedie im eigentlichen Sinne (d.h. mit streng wissenschaftlicher Redaktion), sondern wird von den Nutzern gepflegt und bietet daher auch in gewisser Hinsicht ein Abbild des allgemeinen Bildungsniveau. Und die israelische Botschaft kocht halt auch nur mit Wasser und stellt fuer Blogs in der Sprache des Gastlands wahrscheinlich (wie andere Botschaften auch) lokale Referenten als Uebersetzer ein.

          • peter schreibt:

            Silke, noch ein paaar Beispiele:

            “Sensitivitaetsanalyse” (gibt’s auch bei Wikipedia und anscheinend sogar in deutscher Fachliteratur – dabei muesste es Sensibilitaetsanalyse sein)
            “Sinn machen” (von “make sense”, also “Sinn ergeben”)

            Und mein Liebling:
            “nicht wirklich” (“not really”, also “eigentlich nicht”). Dazu gibt’s naemlich ein schoenes Schmankerl: Als ich noch in Deutschland arbeitete, hat die ganze Abteilung mal an einem Kommunikationsseminar teilnehmen duerfen / muessen. Die Referentin meinte, man solle niemals das Wort “eigentlich” benutzen, man solle z.B. wenn man gerade beschaeftigt ist, nicht sagen, dass man die zusaetzliche Aufgabe EIGENTLICH NICHT uebernehmen koenne. Der Gebrauch dieser Formulierung sei naemlich NICHT WIRKLICH gut. Aua!

          • Silke schreibt:

            peter
            ich habe nix gegen Sprachvermischung, ganz und gar nichts. Ich selber bin bei entsprechenden GesprächspartnerInnen ne hemmungslose Mixerin, aber ich tue nie nimmer und nirgendwo (hoffentlich!) so als könne ich Latein, in dem ich Englisches einfach eindeutsch-verfremdwörtere.

            Als ich noch in sprachgemischten Kreisen verkehrte, war mir jedes Kauderwelsch gut, richtig und willkommen, so es denn die gewünschte message (sic) rüberbrachte und da habe ich nicht mal bei deutsch-deutschen nen Sprachmonitor im Hinterkopf mitlaufen. Hauptsache es iss verständlich.

            Mein Zorn richtet sich auf Leute, die mit (angeblich) Sprache Können ihr Geld verdienen. Wenn die verhunzen, ist das Verrat an dem Berufsstolz, den sie doch haben sollten. Und da sie sich gern aufführen, als wüßten sie mehr als unsereiner, empfinde ich das als verlogen.

            Was die israelische Botschaft anlangt, die erliegen anscheinend dem Irrtum, daß wenn eineR zweisprachig ist, er/sie auch übersetzen können müsse. Stimmt nicht. Übersetzen ist ne Kunst für sich und es sollen ja sogar manchmal Leute richtig gut können, die es schwierig fänden, in der Ausgangssprache locker zu plaudern oder aus der la meng nen Brief zu schreiben.

          • Silke schreibt:

            PS: ich vergaß Dein Schmankerl – wunderschön – es ist natürlich Blödsinn, den Gebrauch von eigentlich zu verteufeln, es wäre viel besser zu lehren, daß man/frau mit dem Gebrauch von nix zum Sinn beitragenden Füllwörtern zurückhaltend zu sein.

            “nicht gut” wäre nämlich in Deinem Beispiel vollkommen ausreichend gewesen. Aber ich kenne Seminare (leidvolle Erinnerung), die lehren nur allzu gern irgendwelche Gimmicks anstatt was zum Kern zu sagen.

            Aber, böser Gedanke, würden sie gleich die Grundregel lehren, wie könnten sie dann die Notwendigkeit von Folgeseminaren begründen?

          • Aristobulus schreibt:

            [ Yep, zu translatieren vom Einen in's Aliud macht einklich nich' Sinn, weil, oj man denkt in a Loschn und a andere Loschn ist so anderscht sensitivisiert!, und die Enantiodromie kommt da so à propos, et puis la Enchiennité (Verhunzung) is gripping and dripping, und vom Empyräum bleibt nur wieder bissele Empirie ]

          • peter schreibt:

            Silke, da bin ich voellig d’accord :-)

          • Silke schreibt:

            Aristobulus

            LOL – kannste de das übersetzen oder muß ich das allens googeln?

            Hab Erbarmen – es giggelt mich so sehr, daß ich befürchte, schlaflos zu werden.

          • Silke schreibt:

            peter
            ca me fait beaucoup de plaisir

            (für alle, die mich anmeckern wollen, mein Französisch rostet seit mehr als 40 Jahren vor sich hin, benutzen tu ich’s dennoch wenn mich der kefi (neugriechisch für ne Art Lust) packt, also nur zu)

          • Silke schreibt:

            ich bin in der Moderation gelandet – nur um’s auszuprobieren, kann es sein, daß “Lust” das böse Wort ist?

          • Aristobulus schreibt:

            Liebe Silke, ‘s heißt eigentlich nur, dass Übersetzen so schwierig wie Enantiodromie oder wie Lust is’, und überhaupt das Ganze, so global gesehen, bis der Moschiach kommt, und das Empyräum ist le ciel au delà du ciel. :)
            A gite lajle, wie die Franzmannen sagen, aber die sagen nur Tel Aviv und meinen vielleicht Kfiya, oder sonst böse Worte

        • A.mOr schreibt:

          peter, das kann Paul vermutlich nicht wissen, sein Englisch ist nicht von „erster Güte“ (oder hat sich da was getan? ;) ). Aber gut Dein Hinweis.

      • Philipp schreibt:

        Naja…mit “Generälen” hat der Begriff “Generalversammlung” nichts zu tun. Dann wär’s nämlich eine “GeneralSversammlung”. Ich halte die Übersetzung durchaus für legitim, da sie genau beschreibt, worum es sich handelt. Es könnte genausogut “Hauptversammlung” genannt werden – oder eben “Vollversammlung” – also eine Vesammlung, wo alle Mitglieder zusammenkommen – um gemeinschaftlich Israel an den Pranger zu stellen (einige löbliche Ausnahmen gibt es). Würde die Legislativsitzung der letzten (68.) Generalversammlung/Vollversammlung als Maßstab herhalten müssen, müsste Israel für 88,88% der politischen Probleme der Welt im Jahre 2013 verantwortlich sein…27:4 “für” Israel, was politische Resolutionen angeht).

        General-/Hauptversammlungen gibt es auch bei Vereinen…und als ein solcher kann auch die UNO bezeichnet werden: Ein Bürokratenverein. Und aus diesem Grund lässt sich auch nicht in Zweifel ziehen, dass die UNO darüber hinaus auch ein Verein der Antisemiten ist – da sie ihre diesbezüglichen Vergehen so penibel dokumentiert…

    • Silke schreibt:

      vielleicht erschienen die zu oft “voll” zur Versammlung und es wurde das Wort ausgegeben, daß man selbiges nun nicht mehr öffentlich bekannt tun solle, denn auch einige dem Alkoholverbot unterliegenden hätten mitgeschluckt und das seien ja die Moderaten usw. usf. oder auch so ähnlich.

      • Aristobulus schreibt:

        vielleicht sounded Vollversammlung über die Zeiten zu universitär, denn da gab es über Jahrzehnte Vollversammlungen mit fast leerem Zuschauerraum. Kommst das nicht ohnehin von Volksversammlung? Die so nach Spartakusbund und Wilhelm Liebknecht sounded. Ähm. Wohingegen Generalversammlung, die hat dann was von Offizium, Rängen und den wirklich Wichtigen? Die UNO mag die.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Ich habe nachgedacht, gebe heplev recht, und habe den Begriff nun auf Vollversammlung korrigiert.

  4. Paul schreibt:

    Ein klares Wort zur rechten Zeit. Nur leider wird es keine Wirkung haben, sondern ungehört verhallen.
    Israel hat alle militärischen Krige gewonnen, aber den Propagandakrieg verloren. Es ist an der Zeit etwas dagegen zu unternehmen. Einkalkulieren muss man aber, dass die weltweite Wirkung nur sehr schwer und sehr langsam eintreten wird.
    Dieser Artikel leistet einen Beitrag.
    Dafür mein Dankeschön.

  5. peter schreibt:

    Ausserdem bringen nur die Israelis das Kunststueck fertig, in einer Gegend (naemlich dem Gazastreifen) weiterhin als Besatzer zu gelten, auch wenn der letzte Israelische Soldat laengst abgezogen ist. Jedenfalls wenn es nach der Ansicht antisemitischer Hackfes… ooops, wollte natuerlich sagen: kritischer Freunde Israels geht.

  6. A.mOr schreibt:

    Vielen Dank tapferimnirgendwo für diese neutral-historische Darstellung des „Nahost-Szenarios“! Dein blog wird von vielen Leuten unterschiedlichster Coleur gelesen, nehme ich an, Du leistest wirklich einen guten Beitrag!

    Das „Problem“, welches viele Menschen in Deutschland (zB) haben, ist ihr „blindes Vertrauen“ in die „Objektivität“ ihrer Berichterstatter. Ein fataler Irrtum, und sicher haben sehr viele Menschen dabei nicht einmal eine Ahnung davon, daß sie letztlich hintergangen, ja betrogen werden.

    Was hier also passiert läßt sich meines Erachtens mit dem Begriff „Agitation“ zusammenbringen, und in Deutschland sollte man niemals vergessen, daß das Nazi-Grauen mit der Agitation begann.
    Zunächst war es der Haß weniger böser Menschen, der laut hervorgebracht wurde…

    Danke nochmals!

  7. Holterdiepolter schreibt:

    Sind zugezogene Siedler gleichzusetzen mit Familien, die in Palästina seit Generationen leben? Ich für meinen Teil, behaupte mal keck: Nein.

    Schade, dass der Blogger nichts über die Rolle des Jordanischen Königs zur Zeit der Israelischen Staatsgründung zu schreiben weiß.
    Außerdem schade, dass Ben Gurions “Kriegstagebücher” und dessen Inhalt unerwähnt bleiben.
    Ebenfalls sehr schade, dass die Erwähnung fehlt warum Israel bis heute seine Grenzen geografisch nicht festgelegt hat.
    Und natürlich es es auch schade, dass der Blogger nicht erwähnt dass die Araber im Jahre 1948 nur einen Bruchteil ihrer ohnehin sehr schwachen Armeen in den Vernichtungskrieg gegen Israel schickten.

    Aber ansonsten ein durch und durch gelungener und neutraler Meinungsbeitrag.

  8. Pingback: Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev

  9. Silke schreibt:

    Wenn das Thema Besatzung aufkommt, sollte ich wohl mal wieder erwähnen, daß mit das Beste was mir in meiner Kindheit widerfuhr, von Besatzern kam.

    Amis in Riesenschlitten, die durch die Innenstadt fuhren, hielten an, wenn sie ein Kind am Straßenrand sahen, das gern auf die andere Seite wollte, lächelten freundlich und baten es winkend, die Straße zu überqueren.

    Ein Erwachsener ließ einem Kind den Vortritt???????

  10. Kanalratte schreibt:

    Alle Achtung für den Artikel! Hier wird aufgezeigt wie erschreckend EINSEITIG Pro-Arabisch der Konflikt eingentlich gesehen wird.

  11. Pingback: Nahostpolitik ist Solidarität mit Israel

  12. Pingback: Deutschland lieben | Tapfer im Nirgendwo

  13. Anthony Anywar schreibt:

    Selten habe ich so ein Menschenverachtendes Kolonialherren Pamphlet gelesen. Ihnen und 99% aller Kommentatoren wünsche ich von ganzem Herzen mal eine Woche unter der Besatzung der Israelis in der Westbank leiden.

    Wenn das nicht Apardheit ist. Was ist es dann?

  14. Pingback: Die Siedlungen sind nicht das Problem! | Tapfer im Nirgendwo

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