Was ist schlimmer als Verlieren?

Am 10. Mai 2012 war ich auf dem Rudolfplatz in Köln und feierte den Israel Tag.

Es war ein buntes Fest mit viel Musik, Tanz, Spaß und einer gehörigen Prise Kritik an die Regierung des Staates Israels durch die Kölner Oberbürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes. Es gab koscheren Kuchen, schwul-lesbische Israelfahnen, Hella von Sinnen und Cornelia Scheel im Publikum und eine gehörige Kritik an die Siedlungspolitik der israelischen Regierung durch die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes. An diesem Tag zeigte sich Israel wieder als das, was es ist: Die einzige Demokratie im Nahen Osten, in der es vollkommen natürlich ist, dass Meinungsfreiheit herrscht, so dass eine Frau ihre politische Kritik an Israel selbstverständlich und gefahrenlos äußern kann, während im Publikum Homosexualität als normal gefeiert wird. Es war wieder einmal ein wunderbar buntes und vielfältiges Treiben. Niemand wurde zum Grass gemacht, weil sich niemand wie Günter Grass im Prozellanladen benahm – nicht mal Elfi Scho-Antwerpes.

So wie ProNRW am 8. Mai 2012 vor der Moschee in Köln testen wollte, ob dort die harmlose Mohammed-Karikatur von Kurt Westergaard gezeigt werden kann, so testete Elfi Scho-Antwerpes von der SPD auf dem Israel Tag in Köln, ob sie Israels Siedlungspolitik kritisieren kann. Und siehe da: Sie konnte. Ihre Kritik wurde nicht nur friedlich angehört, sie bekam sogar Applaus. Niemand rastete deswegen aus und stach erst einmal ein paar Beamte nieder, wie in Bonn, als dort die Mohammed-Karikatur gezeigt wurde.

Zwei Tage später am 12. Mai war Israel Tag in Siegen. Auch dort sollte die Aufgeschlossenheit, Freiheit und Toleranz Israels als einzige Demokratie im Nahen Osten gefeiert werden. Es kam dann leider ganz anders: Eine Gruppe vermummter Angreifer attackierte den Israel Tag in Siegen. Laut Polizei rannten vier bis fünf Vermummte plötzlich auf den Info-Stand des Israel Tags zu und stießen ihn um. Dabei wurde eine 51-jährige Frau leicht verletzt. Als die Angreifer die Flucht ergreifen wollten, stellte sich ihnen eine 48-Jährige in den Weg und wurde dabei umgerannt. Auch sie zog sich eine leichte Verletzung zu.

Am 12. Mai 2012 wurden in Deutschland Menschen, wegen ihrer Solidirität mit dem Staat Israel angegriffen.

Als am 8. Mai ein paar Leute von ProNRW vor der Moschee in Köln eine Mohammedkarikatur zeigen wollten, da sammelten sich direkt hunderte von Gegendemonstranten, um gegen diese “Provokation” zu demonstrieren. Ich hoffe, dass jene, die das Zeigen einer Karikatur als Provokation ansehen, auch den physischen Angriff auf Info-Stände und Menschen als Provokation ansehen und mit der gleichen Vehemenz tätig werden.

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8 Antworten zu Was ist schlimmer als Verlieren?

  1. Alexander Beck schreibt:

    Selbstverständlich wird niemand auch nur im Geringsten tätig werden, denn israelische Infostände sind einfach nicht provokativ genug… ;-)

  2. anti3anti schreibt:

    Kritik an die Siedlungspolitik Israels kann gefahrlos geäußert werde, obwohl der Anlass unpässlich ist. Ich betrete auch nicht den Kölner Dom, um das widernatürliche sexuelle Verhalten der Kirche zu beschreien, oder ein Bordell, um …
    O tempora, o mores!

  3. aron2201sperber schreibt:

    Der arme Elsässer musste sich selbst zensieren, weil sein “Vergaser-Scherz” für manche Leute “mißverständlich” gewesen wäre:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/05/05/misverstandener-vergaser-humor/

    Manche Leute haben einfach keinen Sinn für braunen Humor…

  4. Eliyah schreibt:

    Die Kritik an der Siedlungspolitik Israels ist unreflektiert und unsäglich. Juden dürfen in Judäa nicht siedeln? Es wird hingenommen, dass die PLO einen “judenreinen” Staat bauen will? Der Jerusalemer Stadtteil Gilo wird mit religiös-nationalistisch motivierten illegalen Siedlungsprojekten gleichgestellt?
    So lange die Palästinenser nicht die Sicherheit der Juden in ihrem angestrebten Staatsgebiet garantieren können, brauchen Sie nicht darüber nachdenken, einen Staat zu gründen. Die körperliche Unversehrtheit seiner Bürger zu garantieren ist die Hauptaufgabe eines Staates.
    Umgekehrt ist es ja auch kein Problem: Arabische Dörfer in Israel spielen sogar erfolgreich in der ersten Israelischen Fussball Liga, ohne dass Spieler und Fans um ihre Gesundheit oder gar ihr Leben fürchten müssen. Dabei sind Fussballfans nirgends auf der Welt bekannt für gewaltfreien Umgang mit dem Gegner.
    Dass Bürgermeisterin Elfi ausgerechnet auf dem Israel-Tag auch noch Applaus bekommen hat, zeigt wie sehr selbst Juden und “Freunde Israels” auf diese antiisraelische Antisiedlungspropaganda reingefallen sind. Wer Gilo als Siedlung begreift, für den ist auch Tel Aviv eine Siedlung.

  5. Inbal schreibt:

    Was mich derzeit wesentlich mehr in Rage bringt als das “Rumgehacke” auf der – rechtlich gesehen – völlig legalen Siedlungspolitik ist, dass es in Deutschland, und nicht nur hier, Mode ist, Netanyahu zu deligitimieren. Man muss den Mann nicht mögen, aber er ist ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt! Und das ist mehr, als alle anderen Staatsführer drumherum von sich behaupten können. Kein Politiker in Europa oder Amerika hat in der letzten Zeit mal die Palästinenser gefragt, wann sie denn das letzte Mal ihren Vertreter in einer geheimen und fairen Wahl festlegen durften. Mich wundert, dass sich aus Israel noch niemand lauthals gegen diese Anwürfe gegen die gewählte Regierung geäußert hat.

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