Titten der Vernunft

Es gibt Worte, die sorgen dafür, dass die Zugriffzahlen eines Blogs in die Höhe schnellen. Vernunft gehört nicht dazu. Titten schon! Man möge mir daher den reißerischen Titel verzeihen, aber die folgende Widerstandsgruppe hat eine große Aufmerksamkeit verdient. Die Gruppe heißt Femen (Frauen).

Femen sind Frauen rund um die Gründerin Anna Hustol, die sich erstmals im April 2008 in Kiew zusammengeschlossen haben. Femen sind Feministinnen, die durch mutige Aktionen des Widerstannds internationale Beachtung gewonnen haben. Sie treten für die Selbstbestimmung des Menschen, insbesondere der Frauen ein und haben schon gegen Sextourismus und Sexismus demonstriert, aber auch gegen Wahlfälschung, Kinderhandel und die geplanten staatlichen Verhaltensvorschriften während der Fußball-Europameisterschaft 2012. Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine Auswahl ihrer bekanntesten Aktionen:

Februar 2011: Femen demonstrieren vor der italienischen Botschaft in Kiew gegen das von Silvio Berlusconi vermittelte Frauenbild in Italien.

Oktober 2011: Drei Femen demonstrieren als Hausmädchen verkleidet in Paris vor dem Haus von Dominique Strauss-Kahn, um ihn als Sexisten zu brandmarken.

Dezember 2011: Femen demonstrieren in der weißrussischen Hauptstadt Minsk bei einem Protest gegen Präsident Aljaksandr Lukaschenka. Drei Femen wurden daraufhin von Geheimdienstleuten entführt und in einem Wald nackt ausgesetzt.

Januar 2012: Femen demonstrieren in Davos gegen das Weltwirtschaftsforum.

März 2012: Femen denonstrieren in Istanbul gegen häusliche Gewalt in der Türkei und werden festgenommen.

Heute musste ich wieder an Femen denken, als ich las, dass Frau Kraft, ihres Zeichens Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Mitgliedern von ProNRW das öffentliche Zeigen von Mohammedkarikaturen verbieten will. Nun haben ProNRW und Femen so gut wie nichts gemein, Femen ist eine Gruppe kluger und schöner Frauen und ProNRW eine Gruppe mit viel zu vielen dummen und häßlichen Männern, aber das angestrebte Verbot von Frau Kraft, mit einer Karikatur zu demonstrieren, ist mindestens genauso fragwürdig wie das Verbot von Herrn Lukaschenka, mit blanken Brüsten zu demonstrieren.

Frau Kraft will das Zeigen von Karikaturen vor einer Moschee verbieten, weil es Muslime gibt, die sich davon provoziert fühlen. In dieser Logik kann Frau Kraft auch gleich das Tragen von Miniröcken mit der Begründung verbieten, es gäbe Männer, die sich dadurch so provoziert fühlen, dass ihnen gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als Frauen zu vergewaltigen. Wenn ein Minirockverbot dann eines Tages nicht mehr reicht, kann Frau Kraft ja zur Sicherheit der Frauen in NRW ein lokal beschränktes Burkagebot erlassen, als Deeskalationsstrategie quasi.

Vor ein paar Tagen wurde in Siegen der Israeltag angegriffen. Ein paar Randalierer fühlten sich von dem Anblick eines Israelstandes so provoziert, dass sie es angriffen und zerstörten. Wie wäre es also in Zukunft mit einem Verbot von Israeltagen in NRW, Frau Kraft? In Ihrem Bundesland wurde ja schon öfter mal das Zeigen von Israelfahne verboten. In Bochum zum Beispiel wurde das Zeigen einer Israelfahne mit einer Geldbuße von dreihundert Euro bestraft und in Duisburg hat sogar einmal die Polizei eine Privatwohnung gestürmt, um dort eine Israelfahne zu entfernen, da ein radikaler Mob von Fundamentalisten auf der Straße den Anblick des Sterns nicht ertragen konnte.

Mit ihrer Forderung nach einem lokalen Verbot von Mohammedkarikaturen vor Moscheen rät Frau Kraft im Grunde jenen Christen, die sich von tanzenden Demonstranten vor kirchlichen Einrichtungen an Karfreitag provoziert fühlen, zur Gewalt zu greifen, da dies zum gewünschten Ziel führt, auch im weltlichen Umfeld eines Gotteshauses, die religiösen Gesetze zur Staatsräson zu erklären.

Es wird offenkundig langsam Zeit, dass Femen auch in Deutschland demonstrieren. Ich schlage vor, sie demonstrieren mit Mohammed auf den blanken Brüsten vor einer Moschee, mit Jesus auf den nackten Brüsten vor einem Dom und mit Abraham auf den entblößten Brüsten vor einer Synagoge. Und dann schauen wir mal, was passiert.

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44 Antworten zu Titten der Vernunft

  1. BillBrook schreibt:

    Ich will jetzt wirklich in keiner Weise irgendwie das chronische gewalttätige Beleidigtsein von Muslimen relativieren, aber bei der Aktion vor einem katholischem Dom ist es durchaus möglich, dass da Leute mit Krückstöcken u.ä. auf die Frauen losgehen.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Ich fordere ein Krückstockverbot!

    • Bärli schreibt:

      Doch genau das tun Sie. Sie relativieren. Sie stellen gewaltaffine Islamisten auf die gleiche Stufe, mit imaginären krückstocktragenden Katholiken.

      Was haben Leute von “Pro NRW” eigentlich gemacht? Sie haben nur religionskritische Plakate öffentlich gezeigt. Völlig legal und Teil der Meinungsfreiheit. Was haben Salafisten gemacht? Reporter bedroht, zur Gewalt aufgerufen, und Polizisten lebensgefährlich verletzt.

      Einige Dutzend bis hundert stehen scheinbar unter dringendem Terrorverdacht. Wie kann man diesen brandgefährlichen Haufen mit friedlichen Demonstranten gleichsetzen?

  2. Dante schreibt:

    Ich schlage vor, sie demonstrieren mit Mohammed auf den Brüsten vor einer Moschee,…

    Femen sind mutig, aber nicht lebensmüde. :mrgreen:

    • Aristobulus schreibt:

      …mit Jesus auf den nackten Brüsten vor einem Dom und mit Abraham auf den entblößten Brüsten vor einer Synagoge. Und dann schauen wir mal, was passiert.

      – Also, vor dem Dom würden wohl dreieinhalb Christen mit dem Krückstock drohen, aber die Meisten würden sich kaum was dabei denken, weil da drüben wohl wieder was für’s Fernsehen gemacht wird. Nur die Stillgruppe wäre geteilter Meinung. Und der Pfarrer würde rüberfragen, ob die Damen wohl sehr helle Afrikanerinnen sind, und ob sie einen Eine-Welt-Tee wollen.

      – Vor der Synagoge würden sich ein paar Juden wegdrehen, andere würden rüberrufen “wir sind hier doch nicht am Strand von Tel Aviv!”, andere würden rätseln, wieso die Antisemiten heut so schön sind. Der Rabbiner (orthodox) würde mit abgewandeten oder (progressiv) zugewandten Augen rüberfragen, ob’s denen nicht zu kalt sei, oder ob sie nicht reinkommen wollten.

      – Vor der Moschee. Also vor der Moschee… nein darüber sag ich nix, ich schließe ich mich dem Dante an.

  3. Paul schreibt:

    Gerd, was würde “Hänschen” zu Deinem Artikel sagen?
    “Der ist Spitze!!!”

  4. Andreas Moser schreibt:

    Hier sind noch ein paar Fotos mehr: http://andreasmoser.wordpress.com/2012/01/28/ukrainian-girls-show-us-how-to-protest/
    Hoffentlich werden die Ladies bei der Fußball-EM in der Ukraine aktiv sein!

  5. Kehrhelm Kröger schreibt:

    Wenn Mohammedkarikaturen verboten werden, übernehmen wir orientalische Sitten. Sollen wir Deutsche dazu erzogen werden, Anstoß zu nehmen, wenn der olle Kameltreiber Mohammed gezeigt wird? Genau diese Empfindung zeichnet die islamischen Orientalen ja aus. Es gibt so eine Art inneren Kompass für Gut und Böse, Richtig und Falsch. Ein moralisches Grundempfinden dafür, was geht und was nicht. Jede Kultur hat so einen Kompass, auch die Deutschen.
    Hannelore Kraft et. al. wollen, dass dieser innere Kompass unter Hinzunahme mohammedanischer Wertvorstellungen neu geeicht wird. Die Deutschen sollen dazu erzogen werden, die Verunglimpfung “des Propheten” mit Unanständigkeit und Anstößigkeit zu assoziieren und schamvoll davor zurückschrecken, ihn respektlos abzubilden. Das ist Islamisierung des Denkens im höchsten Grade und damit Islamisierung unserer Kultur. Gehirnwäsche, die schlimmer, weil subtiler wirkt, als ein Großmoscheebauprojekt.

  6. Kassandra schreibt:

    Da braucht eine Gruppe also nur aggressiv aufzutreten, schon wird, um des lieben Friedens willen, ihren Wünschen nachgegeben, obgleich damit geltendes Recht ausgehöhlt wird.
    Unsere Gesellschaft verändert sich schleichend zum Unguten. Politiker geben zugunsten von Extremisten nach und beschneiden so langsam und allmählich die Meinungsfreiheit, die das Zeichen der Freiheit ist!!! Als nächstes ist dann die Kunstfreiheit dran. Selbst Medien passen sich schon an und zensieren Foristen besonders streng bei islamischen und feministischen Themen.

    An Ostern hat die ZEIT einen Artikel mit dem leicht verächtlichen Titel : “Wer glaubt schon an die Auferstehung” gebracht. Da habe ich mich gefragt, ob sie auch den Mut hätten, am Ramadan einen Artikel mit dem Titel: “Wer glaubt schon an die 72 Jungfrauen des Paradieses” zu bringen.
    Das Christentum zu beleidigen ist leicht und bleibt meist ohne Folgen.
    Vielleicht wäre es einmal wieder Zeit, das Stück von Max Frisch mit dem Titel: “Biedermann und die Brandstifter” zu spielen. Der Inhalt zeigt eine Geisteshaltung, die einen Erfolg des Totalitären erst garantiert und war ursprünglich gegen die Ideologie des Nationalsozialismus gerichtet, aber er passt auch gut gegen die Salafisten. Inhalt: Brandstifter gehen um in der Stadt und stecken Häuser in Brand. Eines Tages klingeln sie auch bei Herrn Biedermann. Biedermann erkennt sie, lässt sie aber trotzdem in sein Haus ein. Er denkt: “Wenn ich nett zu ihnen bin, tun sie mir nichts.” Die Brandstifter deponieren Fässer voll Benzin, Dynamit und Zündschnüre auf seinem Dachboden. Biedermann denkt bei sich: “Ich habe sie doch aufgenommen und zu meinen Freunden gemacht. Ich tu alles, was sie wollen, also müssen sie mich doch mögen und mein Haus verschonen.” Und er macht gute Miene zum bösen Spiel, biedert sich den Verbrechern an, statt dass er handelt und Position bezieht. Es kommt wie es kommen muss. Die Brandstifter jagen sein Haus in die Luft.
    So mancher Politiker verhält sich wie dieser Biedermann, er biedert sich den Islamisten an. Es wäre an der Zeit, dieses Stück einmal wieder zu spielen.

  7. RichardT schreibt:

    Bei all den Diskussionen fällt immer wieder die Aussage: Die von Pro NRW wollten ja nur provozieren, oder es heißt es gibt Meinungsfreiheit selbst dann, wenn damit nur provoziert werden soll.
    Ja verdammt nochmal, wofür gibts die Meinungsfreiheit denn sonst! Nichtprovokante Meinungen zu äussern ist nicht schwierig und braucht keine Freiheit. Mut und die entsprechenden Freiheitsrechte brauch ich für anstößige und provokante Meinungen.

  8. Pingback: Titten der Vernunft

  9. A.mOr schreibt:

    „Titten und Vernunft“ macht Sinn, zumindest da, wo’s keine Flaschen für Flaschenkinder gibt.
    Nu, weiß nicht genau, was die ‘Femen’ davon halten, aber Flaschen gibt’s wohl überall, auch ohne Glas oder Plastik oder Ton usw.
    Dann wiederum habe ich den Eindruck, daß sie gerade deshalb auf „die Straße“ gehen, weil’s die Flaschen nicht tun.
    Hm, kann eine Flasche „dumm rumstehen“? Zumindest solange, wie sie keiner umtritt?

    Aber ein wenig ernster, als der Anblick wohlgeformter Busen, ist’s wohl doch, wie zB folgende Geschichte aufzeigt.
    (Oksana ist inzwischen verstorben. E M R)

    Insofern, an Dante (levante ;) ):
    „lebensmüde“ mögen sie wohl nicht sein, aber „lebensgefährlich“ ist wohl das, was sie antreibt. Letztlich mit der Auswahl zu leiden (und sterben) alles im Stummen, oder aber barbusig, laut und öffentlich. Ich würde sagen, diese Frauen haben großen Mut, und es gehört hierzu wohl mehr, als „nur“ ein Mut der Verzweiflung.
    Wir sprechen hier von der Ukraina, und wir sprechen vom „Wilden Osten“, wir sprechen von Menschenhandel, Menschenraub, Zwangsprostitution, Mord, Vergewaltigung…, beileibe nicht auf Ukraina begrenzt, beileibe nicht dort weitweit im Osten irgendwo!

    Also auch an Andreas Moser:
    in Deinem Artikel, den Du verlinkst, in dem Du ach so gespielt verschämt die Brüste „nichtsiehstsiehst“ -und wir sind Männer, Hölle Pech und Schwefel! So schlimm ist das nicht!- schrammst Du meilenweit am eigentlichen Thema vorbei.
    Aber, die ‘Femen’ sind wohl selbst schuld daran, welcher Mann kann an weiblicher Brust vorbeisehen bzw daraufsehen oder irgendwas dazwischen und dann auch noch Verstand und Vernunft behalten!
    Verrückte Weiber und arme arme Männer…
    (Di welt is a drejdl!)

    Gerd,
    mal zu Deinem Artikel direkt.
    Wie wäre es denn mal mit einem Verbot von Frau Kraft an verantwortlich-politischer Stelle? Moslems könnten sich durch Frauen im Amt provoziert fühlen?
    Eines nach dem anderen…?
    (Andererseits, so sehr mancher Mann auch meinen oder fürchten mag, so sehr sind die Frauen allgemein wohl nicht der Feind der Moslems, unabhängig, wie jene „theologisch-fleischlich“ zur Frau stehen oder hängen…)

    Du schreibst:
    „…provoziert fühlen, zur Gewalt zu greifen, da dies zum gewünschten Ziel führt,…“

    Dies wird immer öfter These/Forderung. Und bei Deinem Artikel ‘Schlagen und Ficken’ kam mir ein beinahe abwegiger Gedanke.
    Die These nämlich, daß eine Frau einem (Ehe)mann wie Aziz Osmanoglu mal ordentlich die Fresse polieren könnte in Reaktion zu solchen Aussagen, wie der Titel des Artikels es anspricht, erinnerte mich ein wenig an die Situation in der Weimarer Republik, wo sich Kommunisten und Nazis ihre Straßenschlachten lieferten, bevor es dann zum Jahr 1933 (Machtübernahme) kam.
    Gebe zu, ein oder zwei Brücken muß man schon einbauen, nur überqueren wir hier keine Flüsse oder Schluchten, sondern fein säuberlich angelegte „Schlachtlinien“.
    Und ein Schlachtfeld, das kommt sowieso -und stets- hinzu, Pat Benatar singt es an.

    Ein moralisches Dilemma spreche ich natürlich auch an, nicht nur für Pazififistivistinnen mit oder ohne Brüsten: wenn man dem Bösen böse begegnet, wer hat dann gewonnen?
    Andererseits, wer sagte es so?
    „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“
    (Diese These ist übrigens tiefsinnig, an der Oberfläche würde ich beinahe dagegen stimmen, weil sich daraus allzuleicht ein Strick für die Opfer von Gewalt drehen läßt: sie haben schließlich die Gewalt an sich „zugelassen“; mal unabhängig davon ob sie so wollten…)
    Und, frei wie anscheinend ‘Fokus’ neulich titelte: „Israel droht mit Selbstverteidigung!“, wieviel Achtung und Respekt hat man vor dem Leben, wenn man nichteinmal das eigene verteidigen wollte?

    Nur mal so gedacht…

    Achso, noch etwas zu ‘Femen': Titten.
    Erinnert mich an die Geschichte, die C.J.Ceasar aus Gallien erzählt, als er Alesia belagert, und die Frauen an den Palisaden ihre nackten Brüste zeigen, um den Kampfesmut der Krieger wider die Römer zu steigern. Nu, wo sind sie hin, die Gallier?

    Sind deutsche Humanisten nicht so stolz auf „ihre griechische Kultur“?
    Jene Beziehung von Hephaistos Ehefrau Aphrodite (‘die Liebe) zum Ares (‘dem Krieg’). Was bedeutet das?

    (M)eine Antwort: ahawat jisrael!

    Das kann man übersetzen als: „Liebe Deinen Nächsten“ oder „Liebe Deine/n Mitmenschen“…
    Für die Christen unter den Lesern: vergeßt nicht, Jesus ist ein Jude, ein frommer Jude.
    Für euch aber wage ich mir eine Interpretation von „haltet die andere Wange auch hin“.
    Was bedeutet das? Es bedeutet, daß ihr Leben sollt und für das Leben (auch anderer) kämpfen sollt, denn es ist heilig, und ihr sollt es mit „Heiligkeit“ erfüllen. Handelt nicht schmutzig und böse, Orientierung bieten zB die „Noachidischen Gebote“, sie sind zu befolgen, und, ganz im Sinne des oben aufgeführten Zitats, laßt nicht das böse zu, folgt ihm nicht nach und unterwerft euch dem nicht.
    Wenn Verachter menschlichen Lebens rufen, daß sie es im Namen von einem Gott (wie auch immer sie das nennen) oder Religion täten, laßt euch nicht verirren, ihr erkennt den (Neben-)Menschen an ihren Worten und ihrem Handeln.

    In Wahrheit ist das Gewissen beim Menschen „von Natur aus“ angelegt, so steht es auch schon in der Torah beschrieben, bei jedem Menschen, Jude oder nicht. Wer es in den Wind schlägt, der schlägt seinen Kompaß für „richtig oder falsch“ in den Wind.

    Es gibt auch nichtjüdische Weise, zB der zu früh verstorbene Antoine de Saint-Exupéry (obwohl, ich glaube, er ist doch Jude! ;) ), so sagt also „der kleine Prinz“: „nur mit dem Herzen sieht der Mensch gut.“

    Ein älterer und weiser Mann, ein Freund und Seelenbruder von mir, sagte: Liebe ist nicht die „frische Liebe“, wenn nur das zählt und sonst garnichts, sondern Liebe ist das, woran und womit man arbeiten muß, ein Leben lang.
    Ein langes, erfülltes und glückliches Leben wünsche ich euch allen.

    ~ * ~
    Seligen Angedenkens:
    Arno Lustiger.

    • Dante schreibt:

      Aber ein wenig ernster, als der Anblick wohlgeformter Busen ist’s wohl doch, wie zB folgende Geschichte aufzeigt(Oksana ist inzwischen verstorben. E M R)
      Ich habe nie gedacht, es sei nicht ernst. Bitterernst. Die Geschichte habe ich gelesen, und ich muss sagen, dass ich die diesbezügliche Forderung von Femen sehr gut nachvollziehen kann. Moralische Vorhaltungen von wegen, dass sie barbarisch sei, werden an mir abprallen; wenn es “zivilisiert” ist, keine oder läppische Strafen für solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit (denn das haben diese Männer begangen) zu verhängen, bin ich liebend gern Barbar. Unversöhnlich bin ich nicht, auch so ein Verbrecher mag Vergebung erlangen, wenn er den Rest seines Lebens in den Dienst der Hilfe für misshandelte Frauen stellt…

  10. quisa schreibt:

    Warum die Femen so viele Klicks im Internet haben und so bekannt sind, liegt ja wohl auf der Hand: sehr attraktive Mädels, die ihre Titten zeigen. Die Zurschaustellung von Titten löst im männlichen Betrachter zunächst mal eines aus: Gedanken an Sex!! Die Frauen müssen sich also bewusst sein, dass sie mit ihren Aktionen sich vor allem als eines zeigen: Sexobjekte!

    EIn Ziel des Femismus ist es auch, von der Rolle der Frau als reines Sexobjekt wegzukommen. Wenn man sich dabei, wie es die Femen tun, als Sexobjekt stilisiert (ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt), tut man dem Feminismus eher einen Bärendienst an.

    Und hübsche Frauen, die mit dem Zeigen von Titten gegen das Frauenbild Berlusconis demonstrieren wollen, ist wohl höchst kontraproduktiv.
    Schließlich sehen sie den vielen Frauen im Berlusconifernsehen und somit Berlusconis Frauenbild nicht unähnlich.

    Mit Feminismus haben die Femen also meines Erachtens nicht viel zu tun. Dennoch finde ich ihre Aktionen höchst interessant. Und zwar aus dem gleichen Grund, aus dem ich mir nun mal ihr Blog anschauen werde: Wegen der Titten!!!

    • Dante schreibt:

      Sie irren! Natürlich erregen Femen Aufmerksamkeit und wollen dies auch. Dass ihre Selbstdarstellung etwas mit Berlusconis Frauenbild zu tun hätte, ist ein Trugschluss, der entstehen kann, wenn man sich vom äußeren Schein blenden lässt. Berlusconis Frauenbild entsprechende Frauen protestieren gegen nichts und sind verfügbar.
      Das ein männlicher Betrachter (nicht jeder, unser Außenminister z.B. nicht ;) ) als erstes an Sex denkt, wenn er attraktive (halb)nackte Frauen sieht, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber ob es dabei bleibt, hängt m.E. von der “Evolutionsstufe” ab, auf der er steht bzw. davon, ob sein Denken vollständig sexualisiert ist (z.B. weil er dank offizieller Prüderie den Anblick hübscher leicht bekleideter Frauen nicht gewohnt ist).
      Ist das nicht der Fall, wird er selbst eine nackte Frau nicht für ein reines Sexualobjekt halten.

    • A.mOr schreibt:

      „…aus dem ich mir nun mal ihr Blog anschauen werde: Wegen der Titten!!!“
      Armer Tropf, jämmerlich.

      • Aristobulus schreibt:

        …das hat er doch ironisch gemeint, A.mOr.

        • A.mOr schreibt:

          Nu, Aristobulus, wenn Du meinst…
          Kann schon sein (für meine zitierte Zeile), aber Dante gibt eben zu den ‘Rückschlüssen’ eines quisa eine passende Antwort. Ich hatte ebenso bereits geantwortet.
          Letztlich ist es gleich, ob die von mir hervorgehobene Zeile nun Ironie oder nicht darstellen soll.

          Dem ersten Absatz von quisa kann ich noch zustimmen. Schreibe ich weiter unten bereits, nur in vielleicht etwas anderen Worten. Nu, ich würde allerdings nicht behaupten, daß der Anblick von Barbusigkeit einer Frau bei mir den ersten Gedanken „Sex!“ auslöst, trotz allem. (handelt es sich um einen unbedingten oder doch bedingten Reflex?…)
          Aber gut, der eine so, der andere so, auf verschlungenen Wegen oder ganz direkt mögen Frauen und Männer gern zusammen sein, jeder nach gusto.
          Oder noch eine Überlegung: ein ‘Schönheitschirurg’ zB mag den ersten Gedanken haben, „habe ich die Brüste gemacht“?

          Der zweite Absatz aber zeigt dann auf, wie’s mit dem Verstehen eines quisa aussieht; in dieser Sache der Femen: „niente!“ (…nu, was meinst Du?)
          Im Prinzip prangert er die Femen an für das Zeigen ihrer Weiblichkeit, das sei nämlich ein „Bärendienst“.
          Somit bringt er also die Frauen in die gleiche Zwickmühle, die sie vor Gericht haben, wenn sie zB einem Vergewaltiger auf der Anklagebank vor sich haben. Der Verteidiger wird fragen: „Liebe Frau, waren sie nicht einfach zu sexy? Was erwarten sie denn von dem armen Mann?“

          Nu, genau diese Frage könnte man mir jetzt auch stellen, nur eben „lieber Mann…“
          Aber die Antwort darauf, denke ich, gab ich bereits.

          • Dante schreibt:

            Somit bringt er also die Frauen in die gleiche Zwickmühle, die sie vor Gericht haben, wenn sie zB einem Vergewaltiger auf der Anklagebank vor sich haben.

            An die Parallele habe ich auch gedacht, eben weil @quisa von einer gewollten oder ungewollten Stilisierung als Sexobjekt geschreiben hat, was schon sachlich falsch ist. Wie Objekte überhaupt haben “reine Sexobjekte” weder eine Botschaft noch einen Willen, sondern sind verfügbar – und zwar jedermann – anderenfalls sind sie keine Objekte und wären es auch dann nicht, wenn ihre Präsentation kein Protest, sondern eine Art Balz wäre.

            Der Verteidiger wird fragen: „Liebe Frau, waren sie nicht einfach zu sexy? Was erwarten sie denn von dem armen Mann?“

            Dazu kann man gleich Mehreres antworten:
            – Ein Räuber bzw. sein Verteidiger könnte ebenso argumentieren. Wenn einem Passanten die Auslage eines Juweliers so herrlich entgegenglitzert, wenn jemand schicke Anzüge trägt und schicke Autos fährt, was erwartet man dann von dem armen Kerl? Weckt nun mal Begehrlichkeiten, ist doch ganz natürlich, oder?
            – Wenn jemand so triebgesteuert ist, dass er nicht für einen gewaltsamen Übergriff verantwortlich gemacht werden kann, kann er nicht gleichzeitig den Anspruch erheben, als Vernunftwesen jederzeit ernst genommen zu werden, geschweige denn lässt sich dann rechtfertigen, dass seinem Wort mehr Gewicht beigemessen wird als einer Frau (etwa wegen deren angeblich emotionalerer Natur), wie das gerade in patriatrchalischen Kulturen üblich ist.
            Man kann es auch etwas drastischer ausdrücken: Knast oder Zoo. :mrgreen:
            – Je nach Tathergang müsste sich der Verteidiger die Rückfrage gefallen lassen, in wieweit “Sexiness” ein “Grund” dafür sei, jemandem mutwillig Schmerzen und Verletzungen zuzufügen. Manche Tathergänge lassen eher Hass als “männlich verständliches” Begehren vermuten.

          • A.mOr schreibt:

            Dante, so gelungen finde ich den „Räubervergleich“ nicht.
            Klar, manche Männer betrachten Frauen als Objekte, daß ist schlimm, aber die Auslage eines Juweliers dürfte tatsächlich einfach nur aus Objekten bestehen.

            Und abgesehen davon, das Seelenheil eines zutiefst verletzten Menschen wird von keiner Versicherung abgedeckt.

      • Dante schreibt:

        „…aus dem ich mir nun mal ihr Blog anschauen werde: Wegen der Titten!!!“
        Armer Tropf, jämmerlich.

        Ich ziehe es vor, nicht primär Personen zu kritisieren, sondern Äußerungen.
        Die letzte Äußerung habe ich nicht kritisiert, weil ich sie an sich nicht für besonders kritikwürdig halte. Dass insbesondere die Brüste der Femen @quisas besonderes Interesse wecken, weil sich ein heterosexueller Mann (wie vermutlich auch eine lesbische Frau) nun mal gern wohlgeformte Brüste anschaut, ist nicht verwerflich. Tatsächlich haben Femen gerade deshalb zu der ihnen eigenen Form des Protestes gegriffen, weil andere Formen keine Beachtung mehr fanden. Dass jemand nur die Titten sieht, ohne die Protestbotschaften überhaupt wahrzunehmen, halte ich für unwahrscheinlich; dazu gehörte doch eine gewaltige Portion Ignoranz.

        Für kritikwürdig hielt und halte ich es, Menschen überhaupt, egal in welchem (Bekleidungs-)Zustand, für Sexualobjekte zu halten. Sie sind gar keine Objekte, sondern Personen. Immer. Auch übrigens, wenn sie von Beruf Huren sind, das muss auch mal deutlich gesagt werden.

    • Silke schreibt:

      quisa

      seit Germaine Greer, Kate Millett, Betty Friedan und andere ihren Platz in meinem Bücherregal bekamen, Simone de Beauvoir nicht zu vergessen, bin ich mir nur eines Zieles des Feminismus sicher, des Wunsches nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit und gleiche Aufstiegschancen. Bei beidem hat es Fortschritte gegeben. Doch die einst kühn entsorgten BHs sind heute monströsere Geräte als es Odette inform seligen Angedenkens war und sogar Alice Schwarzer trägt Pumps, und was waren die erst verfemt als eine mildere Form der chinesischen Sitte des Füßebindens war die PC-Ansicht der Zeit.

      Das mit der angeblich ach so kühnen Entkleiderei kam meiner Erinnerung nach auf der Theaterbühne und vor Gericht gleichzeitig in Mode. Zu einer Zeit in der anders als seinerzeit jedes seriöse Magazin nicht mehr auf Entblößtes auf dem Titel verzichten mag, kann ich mir schlecht vorstellen, daß es die darob Schockierten noch in gleicher Weise lächerlich macht, wie es das damals tat. Damals wurde uns (Männlein und Weiblein) versprochen, daß sei der Sexus erst einmal von seinen Beschränkungen befreit, würde es auch mit dem Rest so sein. Ich war damals nicht schockiert und bin es heute nicht, fand aber das Befreiungsargument nicht überzeugend.

      Würde es etwas für oder gegen Feminismus sein, dann wäre es die Venus von Milo auch. Doch ich kann beim besten Willen nicht sehen, daß die Frau mehr oder weniger als SexOBJEKT eignet als es der Hermes des Praxiteles tut. Beide finde ich weder sexuell erregend noch erotisch.

      Ob die Entblößerei der Femen was bewirkt, vermag ich nicht zu sagen, hoffe aber wider bessere Befürchtungen, daß es das tut. Doch so lange es Männer gibt, die sich erfreut vom Anblick nackter Brüste dazu bewegen lassen, Frauen zu helfen, ihre Forderungen durchzusetzen, soll es mir als ein Mittel unter vielen recht sein und zumindest scheinen die Mädels ihren Spaß dabei zu haben.

      Als es für Männer in Büros noch viel akzeptabler war anzunehmen, daß ihre Avancen erwünscht sind, fand ich die, die offensiv (nicht bedrohend) damit rauskamen, entschieden denjenigen vorzuziehen, die einen jedes mal, wenn man ihr Büro betrat, in Gedanken auszogen und sich ansonsten hochkorrekt benahmen. Am nettesten waren die, die einen wissen ließen, explizit oder implizit, daß sie gern würden und bei denen es sich wie ein Kompliment anfühlte.

      Eins spricht allerdings für die Taktik, frau schafft es damit in die Nachrichten und vielleicht hat mir in meinen jungen Jahren das Wissen, daß es effektiv ist, sich in ner korrekt geknöpften Hemdbluse so über den Schreibtisch des Herrn zu beugen, daß er einen Einblick tun konnte, manchen dazu veranlaßt, mich länger in seinem Büro zu behalten und mir mehr zu den Sachverhalten zu erklären, die er mir in den Block diktierte, als er es ohne getan hätte.

      Männlein und Weiblein haben nun mal viel Freude aneinander. Vieles dieser Freude artet in Unappetitliches aus, doch das sollte kein Grund sein, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

    • Dante schreibt:

      EIn Ziel des Femismus ist es auch, von der Rolle der Frau als reines Sexobjekt wegzukommen.

      Das hieße, die Frau habe sich vor dem Feminismus in der Rolle eines reinen Sexualobjekts befunden, und diese Auffassung teile ich nicht. Sie mögen als Menschen zweiter Klasse gegolten haben, aber auch Menschen zweiter Klasse sind immer noch Menschen und keine Objekte.

      • A.mOr schreibt:

        Nu, ist ja nicht so sehr das Gewicht auf „Objekt“ bei dieser Sache, sondern auf „Sex=Geschlecht“, und die „Frau als Mensch zweiter Klasse“ ist/war/wird noch immer als „Mensch zweiter Klasse“ warum?

    • A.mOr schreibt:

      Aristobulus/quisa
      Meine Aussage „jämmerlicher Tropf“ oder so ist wohl ein wenig hart, bezieht sich allerdings nicht auf die Ironie oder doch nicht. Diese Ironie entsprach eben -meiner Ansicht nach- ganz unironisch dem Rest des Schreibens. Oder anders, die Ironie zum Witz zu einer komplett unwitzigen Sache.
      Aber wenigstens, trotz dem Vergleichen, wollte ich nun quisa nicht unterstellen, daß er ein potentieller Gewalttäter sei, woher sollte ich das schon wissen? Andererseits ist solcher komplett bagatellisierende und letztlich spöttisch wirkende Umgang mit der Ernsthaftigkeit des Themas nicht gerade gute Hilfe. So hoffe ich also einen befruchtenden Denkanstoß bewirkt zu haben.
      Gut Nacht.

  11. quisa schreibt:

    Würden die Femen mehr öffentliche AKtionen durchführen, würde der Umsatz des Playboy wohl steil nach unten gehen.

    • Aristobulus schreibt:

      Nein, die Gleichsetzung stimmt hinten und vorne nicht…. Die haben ein politisches Anliegen (ob einem das gefällt oder nicht), aber der Playboy hat nun mal keins.

      • Dante schreibt:

        Das kann man so und so sehen: Offen gezeigte und nicht unbedingt eheliche Sexualität ist den den USA durchaus politisch. Der Unterschied ist der, dass Femen kein kommerzielles Interesse haben.

  12. Rainer schreibt:

    Das grotesk Üble an dieser absurden Farce ist meines Erachtens nach, dass man sich im Sinne der Meinungsfreiheit mit einer Gruppierung wie Pro-NRW solidarisch zeigen muss, obwohl man deren Positionen in keiner Weise teilt oder gar unterstützt. Herzlichen Dank an die politisch korrekten PolitikerInnen und Medien. Die Werte der Aufklärung sind ja auch so was von voll out …

    • Aristobulus schreibt:

      Zustimmung – jedoch grad das ist ja die besondere Würze der Meinungsfreiheit: Dass man jemandem wirklich nicht in der Sache zustimmen muss, nur darin, dass er das verdammte Recht hat, sie auszudrücken.
      So wie ausgerechnet Rosa Luxemburg sagte: Freiheit ist zunächst die Freiheit des Andersdenkenden.

      • Dante schreibt:

        Freiheit ist zunächst die Freiheit des Andersdenkenden

        Im Lichte der Political Correctness, die das Wort “blind” (als wenn’s ein Schimpft wär’) durch “anders sehend” ersetzt hat, bekommt Luxemburgs Spruch eine ganz neue Bedeutung. :mrgreen:
        Manche scheinen genau diese Interpretation zu bevorzugen und Meinungsfreiheit als Privileg derer reklamieren zu wollen, die unseren Artnamen als Ironie erscheinen lassen und verwechseln überdies Widerspruch mit “Zensur”.

  13. A.mOr schreibt:

    An Dante Mai 20, 2012 um 11:49 vormittags

    Dante, hast schon recht. Allerdings fällt mir auf, daß unsere von Natur aus gegebene Erregbarkeit an der Stelle tatsächlich Sinn der Sache ist, Sinn der Botschaft der Femen.
    Gewalt gegen Frauen wird eben in aller Brutalität so häufig in sexualisierter Handlung ausgeübt, und das ist eine Art von „Geschlechterkampf“.

    Deine Überlegung also ist, wie Du eben sagst, erst der zweite Schritt („Evolutionsstufe“ oder auch einfach Ehrlichkeit mit sich selbst.), denn wir -Männer oder Frauen als Menschen- haben die Möglichkeit zu reflektieren, das ist unsere Fähigkeit.
    Ich glaube nicht an das „Tier-Mensch“, welches mit solcher Brutalität gegen andere vorgeht, ohne sich dabei bewußt zu sein, daß es falsch und schändlich ist. Nein, hier wird vor der Tat bewußt die Entscheidung gefällt, daß das Verbrechen ausgeführt wird. Alles ausreden dient nur dem Rausreden, dem Ablenken von der Selbstverantwortlichkeit, mit dem ein Täter sein Verbrechen begeht.
    In den meisten Gesellschaften/Staaten dieser Erde wird es diesen Unholden nur allzuleicht gemacht.

    Jeder Mann und jede Frau weiß, wie schwer es ist hin und wieder seinem natürlichen Drang zu widerstehen, aber wieviele Frauen vergewaltigen? Sie verspüren den Drang nach sexueller Handlung weniger als Männer?

    Quatsch!
    Männer, allzuviele, jedoch erleben sich als kleine, selbstgefällige „Fürsten“, die sich quasi „gottgegeben“ nehmen, wonach ihnen gelüstet. Dabei geht es vielmehr um diese Gier, die Kontrolle und das Machtgefühl, verbunden eben mit der Freude an Sexualität. Nur „Freude“, wenn sie einseitig ist? Nein, die „Freude“ kommt hier im Erleben der eigenen Macht- und Gewaltphantasien, es ist eigentlich nur ein Egotrip.

    Die provokant erscheinende Form der eigenen Darstellung der Femen ist letztlich nur konsequent, es geht eben genau darum.
    Vielleicht könnte man doch sagen, daß sie sich lieber selbst das Hemd vom Leib reißen, und das noch für eine gute Sache, anstatt es sich von menschlichen Monstern in irgend Hinterzimmer oder mitten auf der Straße vom Leib reißen zu lassen?

    Ja, man könnte tatsächlich diese ganze Bewegung als „letzte Konsequenz“ (sozusagen ein Schritt vor dem bewaffneten Widerstand) betrachten, als Verzweiflungstaten, denn hier werden Menschen -die Frauen (…) insgesamt- unannehmbaren Ängsten und Nöten ausgesetzt.

    Wie’s aussieht, es juckt die meisten Männer nicht sonderlich, und allzuviele Frauen ebenfalls nicht.
    Dagegen kann man ersteinmal kaum was unternehmen, aber Bewußtsein schaffen (so, wie eben die Femen) und ansonsten sich wirklich an die eigenen Nase fassen…

    Die Alternative auf lange Sicht:
    die Gewalt der Unholde verschwindet nicht, sie verdirbt Menschen, vernichtet Seelen, die Opfer und deren Angehörigen, ganze Gesellschaften usw, und in der Tat, es gibt -jetzt- einen „politisch motivierten“ Kampf -etwa von „Radikalmoslems“- gegen Frauen und Kinder als Glied in der Kette von feindlich betrachteter Zivilisation, so wie also „Westliche Zivilisation“ und Judentum (zB) den „Islamfaschisten“ als feindliche gilt.
    Frauen und Kinder, auch Männer, werden in dem Fall nicht „nur“ der Gier selbstherrlicher Unholde zum Opfer, sondern es ist „verbrannte Erde“ mit einkalkuliert. Nicht nur das Opfer selbst wird zutiefst verletzt mit der Gefahr, niemals mehr zu genesen, sondern auch die unmittelbaren Angehörigen, Freunde…
    Das wird einkalkuliert.

    Und, wenn ich auch „politisch“ schreibe, das erscheint allzu verharmlosend, dient eher den Unholden. Richtiger ist, es handelt sich um üble Verbrecherbanden, es handelt sich um Schwerstkriminelle, das sind Feinde der Menschen und des Lebens, auch wenn sie meinen, es zu ihrem „Wohl“ zu tun; es sind ordinäre und sehr üble Verbrecher.
    Die Eigenbezeichnung „Politik“ ist letztlich auch nur ein Rausreden aus der Eigenverantwortlichkeit.

    Die Gewalt von regierungsnahen Unholden an Kindern, Frauen und Männern in der Ukraina wiederum ist ein Spiegel der höhnischen Selbstherrlichkeit dieser Menschen, die dort ihre Macht so hemmungslos ausleben können.
    Wir reden zwar von einer Gesellschaft, die offiziell in Frieden lebt, tatsächlich aber wird Krieg geführt, gegen „Untertanen“, gegen Kinder und Frauen, usw.

    Wohin hat Gewalt jemals geführt?
    Und doch, die Selbstverteidigung, je nach Lage mit allen verfügbaren Mitteln und Brutalität, ist Pflicht angesichts der Heiligkeit von Leben. Es ist sehr hoch zu werten, daß die Femen einen zivilen und friedlichen Protest üben.

  14. Dante schreibt:

    @A.mOR, ein Vergleich hat fast immer eine begrenzte Gültigkeit und sollte nicht überstrapaziert werden.

    Den Räubervergleich habe ich deshalb gebracht, weil ich nicht annehme, dass jemand (insbesondere wohl kein Jurist) auf den Gedanken käme, einen bewaffneten Raubüberfall mit “ganz natürlichen” Begehrlichkeiten ganz oder teilweise zu rechtfertigen, denn Delikte gegen das Eigentum werden hierzulande schon traditionell schärfer beurteilt als solche z.B. gegen die physische oder psychische Unversehrtheit. Keiner würde von einem wohlhabenden Mann erwarten, wie ein Penner herumzulaufen, auf dass sein Wohlstand keine Begehrlichkeiten wecke und niemanden in Versuchung führe, ihn zu berauben.
    Im Falle des Juweliers ist die Lage eine etwas andere, er will seine Ware ja sogar loswerden, aber natürlich nicht an einen Räuber, sondern an Kunden; er will eine Gegenleistung in Form des Kaufpreises, wie jeder Geschäftsmann. Auch dieser Vergleich sollte nicht überstrapaziert werden: Die Versicherung bleibt erst mal außen vor, und der Kaufpreis, den der Kunde entrichtet, der Räuber aber natürlich nicht, steht nicht nur für Geld (Prostituierte hat man freilich auch nicht zu vergewaltigen), sondern dafür, dass auch eine Frau, die tatsächlich Sex will, etwas davon haben will, und zwar Lust und keine physischen und psychischen Verletzungen.
    Übrigens käme auch niemand auf die absurde Idee, einem ausgeraubten Geschäftsmann (Versicherungsleistung außen vor) zu bescheinigen, er habe einen erfolgreichen Geschäftsabschluss gehabt, wenn auch wider Willen.
    Wie viel absurder ist es, einer vergewaltigten Frau zu bescheinigen, sie habe, wenngleich wider Willen, Sex gehabt! Sex hatte allenfalls der Täter, und zwar nicht mit ihr, sondern “auf ihre Kosten” bzw. gegen sie.
    Das Wort “Seelenheil” ist übrigens nicht ganz glücklich gewählt, auch wenn ich natürlich weiß, was gemeint ist. Im üblichen Sinne jedoch bringt ein Vergewaltiger allenfalls sein eigenes in Gefahr.

    • A.mOr schreibt:

      Dante, „…denn Delikte gegen das Eigentum werden hierzulande schon traditionell schärfer beurteilt als solche z.B. gegen die physische oder psychische Unversehrtheit.“
      Da ist leider etwas dran.
      „Im Falle des Juweliers ist die Lage eine etwas andere, er will seine Ware ja sogar loswerden,…“
      Nu, da ist auch was dran, aber ich habe hier etwas den Eindruck, daß nicht Vergleiche überstrapaziert werden, sondern gewendet, wie’s paßt? Kann man machen, alleine für’s intellektuelle Vergnügen… :roll:
      „…auch eine Frau, die tatsächlich Sex will, etwas davon haben will, und zwar Lust und keine physischen und psychischen Verletzungen.“
      Hm, ich wette um hundert Taler, daß eine Frau, die keinen Sex haben will, auch keine Lust verspürt auf physische und psychische Verletzung. ;)

      Das Wort ‘Seelenheil’, bin zufrieden, daß ich trotzdem verstanden werde. Ansonsten, ich vermute Du spielst auf die „christliche“ Rezeption des Wortes an, das ist aber üblicherweise nicht meine Welt.

      • Dante schreibt:

        Hm, ich wette um hundert Taler, daß eine Frau, die keinen Sex haben will, auch keine Lust verspürt auf physische und psychische Verletzung.

        Das ist wahr aber nicht der Punkt, denn es steht nicht zur Debatte. Das Argument richtet sich gegen eine eventuelle Verteidigung mit dem Hinweis, es habe gar keine Vergewaltigung stattgefunden, da das mutmaßliche Opfer ja signalisiert habe, dass es Sex wolle.

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