Solidarität mit Shahin Najafi!

Wenn ein Künstler verfolgt wird, weil er Künstler ist, dann werde auch ich verfolgt! Daher hoffe ich, dass viele Künstlerinnen und Künstler es mir gleich tun werden!

Kennen Sie Shahin Najafi? Ich kannte ihn bisher nicht, obwohl er ein Kollege von mir ist und in Köln lebt. Ich habe es nun einem Artikel von Matthias Küntzel zu verdanken, von Shahin Nadjafi erfahren zu haben.

Shahin Nadjafi ist ein Dichter und Sänger der persischen Sprache und lebt zur Zeit in Köln. Ich weiß nicht wo, da er sich versteckt halten muss. Über Shahin Nadjafi wurde nämlich eine Fatwa gesprochen, ein Todesurteil. Der wunderbare Günter Wallraff hat ihm geholfen, ein sicheres Versteck in Köln zu finden. Was ist geschehen?

Anfang Mai dieses Jahres hatte Shahin Nasjafi ein Lied im Internet veröffentlicht, in dem das lyrische Ich den 10. Imam anbetet, er möge zur Erde zurückkehren, um die Missstände im heutigen Iran beseitigen. Bei den Schiiten gilt der 10. Iman als Heiliger. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung begannen die staatlich kontrollierten Medien Irans einen Tötungsbefehl gegen den Künstler zu verbreiten, da laut dem “Rechtsgutachten” eines Großayatolla, jede “Schmähung” des 10. Imam als Religionsbeleidigung und als Abfall vom Glauben definiert werden müsse; ein Delikt, auf das im Iran die Todesstrafe steht.

Seitdem wird vom Iran aus eine Menschenjagd organisiert, die an Widerwärtigkeit kaum noch zu überbieten ist. Vom Regime werden Fotos des Sängers ins Netz gestellt, auf denen sein Kopf in einem Fadenkreuz zu sehen ist. Nicht selten weißt sein Kopf sogar Einschusslöcher auf. Gleichzeitig werden Demonstrationen für die Ermordung Shahins organisiert. In Deutschland sollen iranische Stellen das Todesdekret gezielt an hier lebende Iraner weitergeleitet haben. Kölner Islamisten prahlen auf Facebook damit, Shahin in Kürze aufzuspüren und abzustechen.

Lieber Shahin Najafi,

wenn Sie diesen Zeilen lesen, dann erlauben Sie es mir, Ihnen meine ganze Hochachtung vor Ihrer Kunst und meine aufrichtige Solidarität auszusprechen. Sie werden von gewalttätigen Häschern verfolgt und mit dem Tode bedroht, nur weil Sie es wagen, ein Künstler zu sein. Ihr Leben ist in Gefahr, genauso wie das Leben des Schriftstellers Salman Rushdie und das Leben des Zeichners Kurt Westergaard. Sie sind zudem noch mein Nachbar und leben in meiner Stadt. Daher spreche ich Sie persönlich an.

Sie sind ein Künstler und ich bin ein Künstler. Wenn ein Künstler verfolgt wird, weil er Künstler ist, dann werde auch ich verfolgt! Daher hoffe ich, dass viele Künstlerinnen und Künstler es mir gleich tun werden und sich ein Beispiel an Ihnen nehmen und folgendes öffentlich kund tun:

“Lieber 10. Imam, mein Name ist Gerd Buurmann und ich bitte Dich, kehre zur Erde zurück und beende die Missstände im heutigen Iran!”

ای امام دهم عزیز خواهش میکنم لطفا ظهور کن و به نابسامانی های حاکم در ایران امروز پایان ببخش.

Lieber Shahin Najafi, Sie müssen nun im Versteck leben. Unglaublich! In meiner Stadt muss sich ein Künstler verstecken, weil er verfolgt wird. Das geschah hier das letzte Mal in der Zeit der Nationalsozialisten. Damals gab es mich noch nicht. Heute schon!

Wenn Sie wollen, Herr Najafi, dann melden Sie sich einfach bei mir. Ich zeige Ihnen gerne mal meine Lieblingsplätze in dieser Stadt und wenn Sie möchten, dann fühle ich mich sogar geehrt, Sie mal in meiner Show “Kunst gegen Bares” begrüßen zu dürfen. Das Schöne an der Show ist, dass niemand weiß, wer an einem Abend auftritt und dass es die Show in den Städten Köln, Bonn, Leverkusen, Lübeck, Hamburg, Halle, Essen, Düsseldorf, Mannheim, Heidelberg, Trier, Palma und Stuttgart gibt. Wir können also einen Ort und eine Zeit für einen Überraschungsauftritt verabreden, damit Sie einfach das sein können, was Sie sein wollen: ein freier Künstler.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

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60 Antworten zu Solidarität mit Shahin Najafi!

  1. Eliyah schreibt:

    Mutig. Respekt.

  2. Isabel schreibt:

    Es ist schön, auch von Ihnen etwas zu Sahin Najafi zu hören.
    Ich fragte mich schon, was die Ursache des fehlenden Kommentars sein könnte, ist doch Nadschafi ebenfalls Kölner und sogar unsere Tageszeitung hat darüber schon mehrfach und vor Wochen berichtet….

  3. Burmann schreibt:

    bissl verspätet, die Geschichte ist bereits 2 Wochen alt und ging durch alle Zeitungen

  4. anti3anti schreibt:

    Lieber Gerd,
    Shahin Najafi ist gefährlich, weil er die Sprache spricht, die die Unterdrückten im Iran verstehen. Ein Gerd Buurmann ist ungefährlich.
    Shahin Najafi soll nicht umgebracht werden, weil er den Propheten oder seine Nachfolger, gar Allah selbst beleidigt hat. Seine Bitte an den 10. Imam, die Missstände im heutigen Iran zu beseitigen, entsprechen dem schiitischem Glauben. Die Islamofaschisten werden sehr bald verschwinden, der 10. Imam soll bald helfen.
    Shahin Najafi soll umgebracht werden, weil er die iranischen Diktatoren angreift. Diese haben in Deutschland Freunde, in Köln unter den Arbeiterfotografen. Deshalb bitte keine Details veröffentlichen! Die deutschen Diktatorenfreunde werden Shahin Najafi verraten!
    LG NW

  5. Pingback: Mordaufruf gegen den exil-iranischen Rapper Shahin

  6. Paul schreibt:

    Habe das gerade bei Dir erfahren. Es ist schier unglaublich, dass es derartiges hier und heute mitten in Deutschland gibt.
    Was unternehmen eigentlich unsere zuständigen Behörden zum Schutz von Shahin Najafin?

    • anti3anti schreibt:

      Die deutschen Behörden sind erst nach einer Straftat zuständig. Wir leben nicht in einer wehrhaften vorausschauenden Demokratie, s. Domplatte.

      • Paul schreibt:

        Anti, bist Du Dir wirklich sicher, dass die Behörden bei Androhung einer Straftat noch nicht tätig werden müssen.
        Wenn jemand Morddrohungen bekommt, z.B. per E-Mail oder Brief, dann wird, soweit ich weiß, schon etwas unternommen.
        Auch der Fall (Ankündigung einer Tötung über Facebook) in Hamburg hat zu einer Verurteilung geführt.
        Allerdings liegt hier vielleicht die Sachlage anders: Ein Staat, eine Religionsgemeinschaft, fordert die Tötung eines bestimmten Menschen. Was soll man gegen diese allgemeine Drohung unternehmen?
        Ich meine, dass zumindest die versteckte sichere Unterbringung nicht Privatpersonen überlassen werden dürfte. Hier ist m.E. staatliches Handeln dringend erforderlich. Auch die Einbestellung des Botschafters und ein geharnischter Protest und zwar ein öffentlicher, wären angebracht.
        Ist das geschehen?
        Wenn Nein, warum nicht?

        • tapferimnirgendwo schreibt:

          Androhung eines Kapitalverbrechens ist strafbar! Bei Androhung von Mord kann man nicht mal mehr mit einer Bewährung wegkommen, sondern 3 Jahre in den Bau wandern. Paragraf 126 StGB.

          • Paul schreibt:

            Danke, Tapferer!
            Deshalb noch einmal meine Frage. Was haben unsere Behörden unternommen?
            Mir ist nicht’s bekannt. Vielleicht ist doch etwas getan worden?
            Die Pflicht zum Handeln ist m.E. jedenfalls gegeben.

          • anti3anti schreibt:

            Paul,
            Iran ist nicht berechenbar, verfügt über begehrtes Öl, baut Atombomben.
            Was erwartest Du denn?

          • Paul schreibt:

            Gerd, danke für diesen Hinweis. Wenigstens zwei “Rufer in der Wüste”.

            @Anti, ich erwarte von meinem Staat, den ich trotz seiner Schweächen liebe, dass er sich vorbehaltlos schützend vor jeden stellt, der hier in Deutschland ernsthaft bedroht wird.
            Außerdem bin ich der Meinung, dass wir nicht nur das Öl vom Iran brauchen, sondern er uns auch als Käufer braucht.
            Hier stehen dazu ganz interessante Gedanken:http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/embargo-europaeer-kaufen-weniger-iranisches-oel-1.1255977
            Wenn Du ganz unten dann schaust, gibt es unter “Andere Artikel” noch zwei weitere Hinweise.
            Die Abhängigkeit vom iranischen Öl halte ich nicht für so groß, dass wir uns keine Kritik gegenüber diesem Land erlauben dürfen. Gebe allerdings zu, dass ich auf diesem Gebiet keinFachmann bin.
            Allerdings hat der Iran auch einen Schwachpunkt an dem angesetzt werden kann. Wegen mangelnder Raffineriekapazität muß der Iran 40% seines Benzinbedarfs importieren.

          • K.Voss schreibt:

            “dass er sich vorbehaltlos schützend vor jeden stellt, der hier in Deutschland ernsthaft bedroht wird.”
            Dann, werter Paul, laufen Sie blind durch unser Land. Bspw. müssen wehrhafte Opfer von Raubüberfällen ihren Wohnort, ihr Heim, aufgeben, um nicht der Lynchjustiz anheim zu fallen. Kritiker einer bestimmten Religion leben seit Jahren ein anonymes Vagabundenleben, christliche Asylanten haben es mitunter schwer, ihre religiös bedingte Verfolgung anerkannt zu bekommen (bspw. Nigerianer, Iraker, Ägypter), die Polizei in den meisten Regionen, besonders in der Region Bonn ist überarbeitet, unterbesetzt und überaltert, Einsätze im Umland sind mit einer Anfahrtszeit von bis zu 50 min. verbunden.
            Andersherum gibt es sofort und zu Recht einen Prozeß, wenn ein junger Mann im Internet dazu aufruft einen sich später als unschuldig herausstellenden Verdächtigen des Kindesmißbrauches zu ermorden.
            Recht und Gerechtigkeit waren ja noch nie identisch, Verbrechen konnten immer geschehen, aber momentan ist es geradezu lächerlich, was unser Staat da leistet. In meiner Strasse hat mittlerweile jedes Haus eine Alarmanlage, und weil die bereits nicht mehr abschrecken nimmt die Zahl an Hunden drastisch zu. Außerdem berichtet unser örtlicher Schützenverein von überraschendem Zulauf und mein Nachbar, pensionierter Jäger, sagte mir vor kurzem bei einem Kaffee offen, das er nun drei Einbrüche hatte, zwei Mal während seine Frau und er daheim war. Beim nächsten Mal, dies hatte er auch den Beamten vermeldet, werde er von der Schusswaffe gebrauch machen.
            Maßnahmen gegen die Gewaltakte an Berliner S-Bahnhöfen habe ich bisher auch noch nicht zu lesen bekommen…
            Kurzum, man muss auf keiner Todesliste stehen, um zu merken, dass der Staat seiner Schutzaufgabe nicht mehr nachkommt.

          • Paul schreibt:

            Hallo Herr Voss,
            darf ich jetzt, weil alles so ist wie Sie es beschreiben, das bestreite ich auch nicht, nun nicht mehr von meinem Staat erwarten,
            “dass er sich vorbehaltlos schützend vor jeden stellt, der hier in Deutschland ernsthaft bedroht wird.”?

            In der Diskussion hier geht es um einen ganz bestimmten Sachverhalt:
            Die Fatwa, das Todesurteil, gegen einen Künstler aus dem Iran, der hier in Deutschland lebt, ich vermute mal, weil ihm Asyl gewährt wurde.
            Nur darum ging es.

            Die Ausweitung der Diskussion führt zwangsläufig zu einer Relativierung dieses Einzelfalls, die ich für nicht gut halte.
            Die anderen von Ihnen benannten Probleme sollte man an anderer Stelle diskutieren.

            Ich bleibe dabei. Der deutsche Staat, die deutschen Behörden, sollten vorbehaltlos für den Schutz von Sahin Najafi sorgen und gegen den Iran das “volle diplomatische Programm fahren”.

          • K.Voss schreibt:

            Werter Paul, selbstredend dürfen Sie dies erwarten, ich könnte es Ihnen ja auch nicht verwehren, selbst wenn ich es wöllte. Ich selbst sehe Ihre Erwartung als Teil der Staatsaufgabe und finde den unseren darum umso entäuschender.
            Und sicher sollte man nun nicht beginnen Einzelfälle zu diskutieren, in denen sich jener der Fatwa verliert, von einer Relativierung nur aufgrund einer Kontextualisierung würde ich aber nicht sprechen. Die Bedrohung von Najafi wird nicht geringer, wenn man darauf verweist, dass auch andere Künstler das exakt gleiche Schicksal erleiden, selbst und gerade in Deutschland. Sie wird auch nicht geringer wenn man dem Staat Unfähigkeit vorwirft und diese in eine ganze Reihe exerziert sieht.
            Im Gegenteil, durch den Beleg, dass es sich um keine Ausnahme sondern eine ganze Reihe handelt wird das Ausmaß der dahinter stehenden Probleme wie Ignoranz und Verleugnung m.E. erst deutlich.
            Es gibt auch religiöse Urteile, die Ehrenmorde an Töchtern oder Ehefrauen rechtfertigen. Wenn nun also ein Künstler bedroht wird ist dies für mich nicht weniger bedrückend und nicht bedeutender als der Terror, dem junge Frauen in Deutschland heute jeden Tag ausgesetzt sind.

          • Silke schreibt:

            Wenn ein Ehrenmord geschieht, dann kann man annehmen, es mit einem definierbaren Täterkreis zu tun zu haben wie in jedem anderen konkreten Verbrechen.

            Wenn ein Künstler ne Fatwa kriegt, dann kann die Straße explodieren, wie es wohl bei Salman Rushdie der Fall war und die potentiellen Mörder können überall und nirgends sein.

            Das eine ist also ein Verbrechen, das eine funktionierende Gemeinschaft in den Griff kriegen könnte, das andere hat die Zutaten zu nem (Teil)Volksaufstand mit entsprechender Gegenwehr.

            http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/magazine/7883308.stm

            Ehrenmorde gefährden mein ganz persönliches Leben nicht unmittelbar, Fatwas wider die Kunstfreiheit schon.

          • K.Voss schreibt:

            Liebe Silke,
            wenn ein Ehrenmord geschieht, so ist dies Ausdruck einer Sichtweise auf das Zusammenleben, die wir mitunter unter “Machohaft” zusammenfassen. Es geht hier z.B. darum, dass Frauen ihre eigene Wahl bezüglich ihres Partners und Sexuallebens treffen. Angesichts unserer letzten Diskussion hatte ich gedacht, dass Dich dies nicht weniger trifft und betrifft als die Beschneidung deiner Meinungsfreiheit und der Ausdrucksfreiheit.
            Wenn Ehrenmorde für etwas stehen, dann für die Einengung der Selbstbestimmung. Nicht nur der von Frauen, aber doch in der Mehrheit. Eine Unterscheidung zu treffen die einer Bedrohung mehr Bedeutung zukommen lässt als dutzenden Morden ist für mich nicht nachvollziehbar.
            Was den definierbaren Täterkreis angeht: eben nicht. Die Mörder von Arzu galten als Musterbeispiele gelungener Integration, bei der Mutter in Berlin, deren Kopf unter Allahu Akhbar und den Blicken und Entsetzen der eigenen Kinder sowie der Nachbarn auf der Strasse landete versuchen jetzt Islamvertreter und Politiker einen Wahnsinnigen aus ihm zu machen. Die gleiche Strasse, die bei einer Fatwa explodiert ging bereits über Priester, jüdische und christliche Gemeinden im ganzen Orient und einigen Städten Europas nieder. Mit und ohne Fatwa. Ich erinnere an den ermordeten deutschen Priester und seine zwei (oder sogar drei?) Mitarbeiter in der Türkei, den von seinem Leibwächter erschossenen Minister in Pakistan, dem von seinen Fahrer erstochenen Bischof in der Türkei usw.
            Da wenden sich Menschen plötzlich, weil sie es geboten sehen, im Namen ihrer Religion gegen einen Menschen und trachten nach seinem Leben.
            Vilks und Westergaard, van Gogh und Irshid Manji haben den Zorn der Strasse nicht minder zu spüren bekommen, wie die in Frankreich und der Ukraine von einem Mob gesteinigten Mädchen.
            Vorher konnte niemand sagen, wer zu den jeweiligen Tätern gehören wird.

        • Aristobulus schreibt:

          Fragen zu stellen, was der Staat unternehme, ob der iranische Botschafter einbestellt sei usf., nützen einen feuchten Flusen, wenn man nicht beim Staat, im Außenministerium, im Bundeskanzleramt nachfragt.

          Wohnt hier nicht jemand in Berlin? Termin vereinbaren, hingehen, nachfragen. Bin man jemanden Verantwortlichen vor sich hat.
          Ich würde es selber tun – bin aber nicht in Berlin, und Briefe, hélas, landen meist auf irgend einem Briefestapel irgendeines Schreibtisches.

          • anti3anti schreibt:

            Ich bin davon überzeugt, dass der deutsche Staat offiziell und offen, am liebsten gar nichts unternehmen will. Pessimistischer Realismus.

          • Silke schreibt:

            ich glaube, daß der deutsche Staat immer noch glaubt, daß wenn er was macht, er schlafende Hunde weckt.

            Vielleicht hat er, der Staat, Erkenntnisse, die ihm suggerieren, daß beten und hoffen, daß es sich von alleine tot läuft, das Beste ist?

        • Silke schreibt:

          Lieber Voss,

          wenn es gelingt, den Mann zu einem Wahnsinnigen zu machen, hat man zumindest ne reelle Chance ihn für den Rest seines Lebens wegzuschließen, jedenfalls ne viel reellere, als wenn man ihn ins Gefängnis steckt.

          Man muß nur aufpassen, daß man ihn in ne Klinik stecken, die bei profilierungssüchtigen Psychos unbeliebt ist. Ich glaube das Maximum für das die Norweger nen geistig gesunden Breivik wegschließen können, ist 17 Jahre und bei uns sieht’s nicht besser aus. Psychiatrie ist bis zur Gesundung und offenbar kein bißchen angenehmer und falls nötig auch ohne Freigang und sonstige Wiedereingliederungshilfen.

  7. Amuali schreibt:

    @anti3anti,
    Shahin beleidigt nicht nur die Religiösen Führer des Iran sondern greift direkt den 10. und auch den 12. Imam des schiitischen Islam an, indem er erstens den 10. Imam mit beleidigenden Beschwörungen ruft und den 12. Imam als Verschlafener darstellt, was für die Islamisten und HIRNVERBRANNTEN natürlich Angriff au das Heiligste wahrgenommen wird.

    Wie ich über unsere gemeinsame Freunde erfahren habe, steht Shahin Najafi unter Polizeischutz.
    Dies habe ich auch in den Nachrichten gehört.
    Sollte es euch interessieren, poste ich Hier den englischen Text des Liedes.
    Bedenkt aber bitte, dass einige Sätze und Zusammenhänge nur im Persischen die gewollte Bedeutung haben und bei der Übersetzung Dies leider entweder verloren geht oder abgeschwächt wird, weil einige Sachen angesprochen werden, die nur Jemand verstehen kann, der sich mit der Iranischen Geschichte der letzten 2-3 Jahre auskennt:

    text:
    Naqi! for sake of your sense of humor
    For sake of this deportee man out of ring
    For sake of the threatening life’s big penis sitting back to us
    Naqi! For sake of the width and lengths of sanction and uprising dollar and the sense of humiliation
    Naqi! For sake of paper made Imam
    For sake of Ya Ali saying infant trapping in the womb
    For sake of jurisprudence lesoon in the nose operation’s room
    For sake of Agha* [the leader] and prayer bead and rug made in china
    Naqi!for sake of Sheith Rezaeie’s* thumb[an Iranian football player who fingered his playmate in live broadcasting match]
    For sake of the missed out religion and the religious football
    Chorus:
    Hey Naqi! Now that Mahdi has slept, we are calling you:hey naqi!
    We are ready wearing our shrouds, hey naqi! Rise up! (2)
    Naqi! For sake of love and Viagra
    For sake of legs up in the air and chakra
    For sake of bread, chicken, meat and fish
    And Silicon breast and striped virginity
    Naqi! For sake of Golshifte’s* tits [an Iranian actress who pose nude for Cezar film prize trailer]

    For sake of our lost prestige which was taken
    Naqi! For sake of Aryan’s race
    And the plaques overhang the neck
    Naqi! Please for sake of Farnood’s* dick [an Iranian child who goofed in a live TV show]
    And three thousand billion* under the sapphire sky [the amount of government embezzlement from Iran's Saderat Bank]
    Persian Gulf and Uromieh Lake were fictional
    By the way! What was the Green Movement leader’s name?!
    Chorus (2)
    Hey Naqi, hey Naqi, hey Naqi!
    For sake of fart-rending* demise of nation’s Imam [it points to a goof from an Iranian TV's host, who used fart-rending instead of the word "Heart-rending"]
    For sake of fossilized political commentators far from homeland
    For sake of high class widows roaming in discos
    For intellectual discussions in chartrooms
    For sake of notorious men’s order
    For sake of female men rights’ supporters
    For sake of colored revolution on TV
    For sake of 3 percent book readers of people
    For sake of fake & hollow poets
    For sake of this fickle crowd
    Who say “viva” in the morning & “down with” in the evening
    For sake of fantasy fiction’s hero
    Chorus (2)
    Hey Naqi, hey Naqi, hey Naqi!
    * Naqi: also known as ‘Alī an-Naqī was the tenth of the Twelve Imams. His full name is ‘Alī ibn Muhammad ibn ‘Alī. The exact date of his birth and death are unknown, but it is generally accepted that he was born between 827–830 CE(Wikipedia)translation by aftab.nfill in by ali.d

    • Aristobulus schreibt:

      …und der hofft doch verzweifelt und mit zynischer Fassade auf den Naqi. Das steht da drin.
      Der Text ist freilich kein konventionell religiöser Gesang, sondern ein wilder Ruf nach dem zehnten Imam, der sich reichlich verspätet. Warum soll er als beleidigende Beschwörungen gelten? Es ist doch ein Stoßgebet.
      (Ich bleibe innerhalb der religiösen Argumentation, weil es bei dem Todesurteil allein um den Primat des Religiösen geht)

      • Amuali schreibt:

        @ Aristobulus ,
        der 10. Imam hat nicht zu erscheinen sondern sein Enkel, der 12. imam, und da die Machthaber im Iran immer sagen, dass sie den Weg ebnen wollen, damit der 12. imam (wieder)erscheint und Nichts passiert, ist Shahin den Kragen geplatzt und beschwört dessen Opa, damit zumindest Er erscheint. Man muss aber wissen, dass zwar alle Imame sehr wichtig und Heilige sind, es gibt aber einige, die ein tick wichtiger und populärer sind. Der 10. gehört nicht gerade zu den TOP 4.
        Der 1. / 3. / 8. und eben der 12. sind die Imame, die einen besonderen Platz im Herzen der Persischen Schiiten haben und der 12. ist halt der Heiligste.

        Stossgebete, die auf Brüste und Geschlechtsteile basieren, sind nicht gerade die Häufigsten.:-))

        Das, was zu der Aufregung der Hirnverbrannten führte, sind Sachen worauf die Beschwörungen basieren:
        -Brüste der verstossenen Persischen Künstlerin und Schauspielerin Golshifteh Farahani,
        ( http://bikyamasr.com/54208/irans-nude-actress-golshifteh-farahani-sparks-anger-banned-from-country/ )
        -Penis des Lebens
        -Penis eines Kindes
        .
        .
        .
        Shahin’s Gegner im Iran haben auch einige Lieder gedichtet, die den Shahin als Abtrünnige/ Judenfreund darstellen und zum dessen Mord aufrufen:

        • tapferimnirgendwo schreibt:

          Darf ich als Kölner fragen, wie der 11. Imam so ist?

        • Aristobulus schreibt:

          Amuali,
          danke, jetzt versteh ich etwas besser, glaub’s zumindest ;). Es ist schwer zu verstehen, worin dann die Beleidigung liegen soll. Wenn der zehnte Imam eh nicht beliebt ist im Schiitentum, warum soll er nicht so etwas rau und deftig angesungen werden?
          Man kann den Text auch als Aufzählung aller Laster (grad im Sinne des Schiitentums) verstehen, nicht?

          Dieses Gegen-Lied wirkt ekelhaft (verstehe natürlich kein Wort, aber diese samtweiche, verschlichene Popstimme mit lebloser Popbegleitung, irgendwie frömmelnd, und diese dämonisierenden, gewaltgeilen Bilder)

        • K.Voss schreibt:

          Mit Salman Rushdie wird er verglichen. Das ist mal ein Kompliment ersten Ranges. Wenn wohl vermutlich ungewollt.

      • Silke schreibt:

        OT für Amuali

        “Penis des Lebens” habe ich noch nie gelesen, aber es gefällt mir, gefällt mir richtig gut. Nun müßte man nur noch statt Penis ein ebenso wertschätzendes aber weniger technisches Wort finden. (auch nicht in all den Romanen über China von diesem James Clavell)

        • Aristobulus schreibt:

          Silke,
          das ist schwierig. Es gibt kein alltägliches Wort für Penis, nicht?, Schwanz ist vulgär, Gonaden medizinisch. “Sperma des Lebens” ist abgebraucht
          dick of life
          il cazzo di vita (könnte von Pasolini sein, auch zu vulgär)
          Metaphern, also mit denen bin ich vorsichtig, sie wirken meist leer und kommen gern als Aufforderung daher, um das, was gemeint ist, auszupacken. Besser, man schreibt’s gleich so hin, wie es gedacht ist.

          • K.Voss schreibt:

            Hosenschlange wäre wohl auch zu vulgär. Freudenspender vermutlich zu einseiitg bis euphemistisch. Schniedel oder Schniepel? Phallus, Lingam, Takeo klingt schon wieder zu fachlich. Schwer, schwer.

          • Eliyah schreibt:

            Willy, Zentralorgan, (Hosen)Mast, Piepmatz, Eier-Stock (haha), Luststock, Lümmel, etc… Kein Körperteil hat mehr Namen, wette ich. Da sollte sich schon was passendes finden lassen.

          • Silke schreibt:

            auf Neugriechisch heißen die Körperteile, Deins und mein, psoli und muni (Betonung auf der ersten Silbe gefolgt von leicht verlängertem “i”) und fügen sich ohne Holper und, bei gegebenem Kontext ohne KicherKicher, in die Sprachmelodie ein.

            Wer hat unserer Sprache diesen Mangel angetan?

          • Eliyah schreibt:

            vertrockneter Lebenssaft

    • Isabel schreibt:

      Statt Video ist ein Bild:
      eine nackte weibliche Brust als Moschee, mit der Regenbogenfahne der Schwulenbewegung obenauf.

  8. Amuali schreibt:

    Lieber Gerd Hier hast die gewünschte Übersetzung im Persischen:
    ای امام دهم عزیز خواهش میکنم لطفا ظهور کن و به نابسامانی های حاکم در ایران امروز پایان ببخش.

  9. Amuali schreibt:

    Shahin schrieb auf Facebook:

    Jeder Mensch hat einen eigenen Weg. Ich habe über meinen persönlichen Weg nachgedacht und bin mir sicher, dass ich ihn gefunden habe. Ich kann jetzt nicht mehr aufgeben. Meine Fans und mein Volk sind hinter mir und sie schauen auf mich. Ich muss weitermachen.

  10. Amuali schreibt:

    Hier seine Facebookseite, natürlich auf Persisch:-)

    https://www.facebook.com/shahinnajafi666

  11. Malte S. Sembten schreibt:

    @ Amuali: Auf seiner Facebook-Seite waren auch schon deutschsprachige Einträge. Einen davon hast Du ja selbst zitiert.

    Es ist bemerkenswert, dass Shahin Nadschafi nur ganz wenig Unterstützung von (deutschen) Künstlern bekommt. Gerd Buurmann zählt zu den Ausnahmen. Wäre schön, wenn GB sein Angebot via FB-Nachricht direkt an Shahin Nadschafi richten könnte, dann würde Nadschafi das auch mitbekommen. Aber Gerd Buurmann ist wahrscheinlich nicht bei FB registriert.

  12. Isabel schreibt:

    Dieser Link führt zu Funkhaus Europa. Der Sender berichtet seit dem 11.05. in regelmäßigen Abständen zu Sahin Najafi.

    http://funkhauseuropa.de/themen/2012_05/shahin_najafi_themenseite.phtml

    Funkhaus Europa hatte Sahin am 14.05 im Interview, auch das findet man hier.
    Des weiteren gibt es den Link zu freemuse.org, die sich um Künstler mit solchen Problemen kümmern.
    Alles in Allem eine informative und umfassende Zusammenstellung.

  13. Zorro schreibt:

    Wen’s interessiert, die Homepage des Künstlers.

    http://www.shahinnajafimusic.com/

    Außerdem (bei Matthias Küntzel auch herauszufinden) Shahin hat ein „Antwortlied“ an die „Todesbefehl-Leute“ geschrieben.

    Übersetzung des Liedinhalts auf Englisch
    (Translation by EA’s Ms Zahra )

    A cut off head in your hands,
    My look at a rotten clock.
    With sad, rebellious poems,
    And a tired wolf that fears no gun.
    With me doubting the essence of being,
    With your lonely sorrow when you’re drunk.
    My desire for you and smelling you,
    And utter tragedy for not seeing you.
    A vein destined to be locked up,
    Your crime being a scream in the wind.
    The story has always a bitter end
    For a poet condemned for heresy.
    The God of sweet dreams in my book,
    And dried sperm on my bed.
    Good God of wrath, murder and fatwa,
    When for plundered poems I cry.
    Call on me to remain a cactus,
    Stay with me for singing songs,
    Beside you I’ll be a vow to the desert
    Because our code word is dying upright.
    Tell them our verses were made of blood,
    A savagery born of madness.
    Tell them that we didn’t surrender,
    Tell them that we died upright.
    The God of sweet dreams in my book,
    And dried sperm on my bed.
    Good God of wrath, murder and fatwa,
    When for plundered poems I cry.
    Call on me to remain a cactus,
    Stay with me for singing songs,
    Beside you I’ll be a vow to the desert
    Because our code word is dying upright.

    (Quelle: http://www.enduringamerica.com/home/2012/6/5/iran-music-feature-rapper-shahin-najafi-responds-to-death-th.html )

    Shahins Engagement gilt dem Leben der Iraner und damit dem Leben der Menschen.
    Dieser Aufruf zum Mord gegen ihn ist die Antwort der Ayatollas.
    Es ist ein Aufruf gegen das Leben, es ist ein Todesbefehl gegen die Menschen.

    • Zorro schreibt:

      Danke, Gerd Buurmann, für das mutige Engagement!

      Die Mörder nennen ihres “Religion”, doch wer ‘Religion’ im Herzen trägt, der weiß, daß die Mörder nicht im Namen von ‘Religion’ handeln.

  14. Zorro schreibt:

    Gerd Buurmann verweist über einen Link auf den Artikel von Matthias Küntzel, der über die Angelegenheit berichtet.
    Ich möchte mir erlauben (mit Dank vorab an Gerd Buurmann und Matthias Küntzel) nochmal ausdrücklich auf das Nachwort zum Artikel von Matthias Küntzel hinzuweisen, indem ich es zum Nachlesen ablege.

    MERKWÜRDIGKEITEN
    Eine Nachbemerkung

    von Matthias Küntzel
    Zur Vorbereitung des oben dokumentierten Radiokommentars wandte ich mich mit folgenden zwei Fragen an das Pressereferat des Auswärtigen Amts:
    „1) Wie bewertet das Auswärtige Amt den Mordaufruf gegen Najafi? 2) Welche Schritte unternahm das Auswärtige Amt, um Iran zu einer Einstellung jener Mordkampagne zu veranlassen?“
    Außerdem bat ich für den Fall, dass „der Außenminister oder eine andere Stelle Ihres Hauses eine öffentliche Erklärung zu Najafi abgegeben haben sollte“, um deren Zusendung.
    Das Pressereferat beantwortete meinen Brief am 24. Mai 2012 wie folgt (ich zitiere den gesamten Wortlaut): „Aus dem AA hieß es, man nehme die gegen Shahin Najafi gerichteten Drohungen sehr ernst. Die zuständigen Sicherheitsbehörden seien eingeschaltet. Man sei zu dem Fall auch in Kontakt mit der iranischen Botschaft in Berlin.“
    Was heißt das? Auf der einen Seite nimmt die Bundesregierung die Morddrohungen „sehr ernst“. Es geht, dies ist hier offiziell bestätigt, um Leben oder Tod.
    Auf der anderen Seite hat sich die Bundesregierung in den ersten zwei (mittlerweile drei!) Wochen seit Beginn der Mordkampagne öffentlich nicht hierzu geäußert. Man sei aber, so versichert uns das Pressereferat, mit dem iranischen Botschafter „in Kontakt“.
    Wiegt sich diese riesige Behörde mit ihren unzähligen Abteilungen und Spezialisten tatsächlich in dem kindlichen Glauben, man könne durch stille Kontakte mit den Repräsentanten des Regime die – mit der Billigung jenes Regimes verbreitete! – Fatwa wieder rückgängig machen? Hat diese Regierung immer noch nicht verstanden, dass Teheran die Leisetreterei als Zeichen von Schwäche interpretiert und somit als Ermutigung, bei den Provokationen zuzulegen? Deutschland ist kein Zwergstaat und kann dem Iran gegenüber Einfluss geltend machen. Warum wird dies in einer Frage von Leben oder Tod unterlassen?
    Natürlich geht es nicht um Schahin allein: Unter Iranerinnen und Iranern ist dieser Musiker ungemein populär. Er verkörpert den Aufbruch und Veränderungswillen der iranischen Jugend, die sich von den Mullahs emanzipiert haben. Wie kann die deutsche Regierung vom arabischen Frühling schwärmen und andrerseits, wenn es konkret wird, den iranischen Freiheitswillen derart schmählich verraten?
    Und der Bundestag, dessen Aufgabe darin besteht, die Regierung kontrollieren und ihr, falls nötig, Feuer unterm Hintern zu machen? Dessen Shahin-Engagement illustriert eine Episode, über die einzig und allein die Berliner Zeitung schrieb.
    Letzte Woche, am 24. Mai 2012, war für den frühen Morgen eine Sitzung des Menschenrechtsausschusses des Bundestages angesetzt. Wichtigstes Thema der Tagesordnung war die Lage der Menschenrechte in Iran – ein Thema, dessen dramatische Aktualität am 14. Tag der Fatwa gegen Shahin jedem der 18 Bundestagsabgeordneten dieses Ausschusses offenkundig sein musste.
    Für diese Diskussion wurden nach iranischen Quellen zehn Vertreter der iranischen Opposition ins Bundeshaus eingeladen, darunter Prinz Reza Pahlavi, der 51-jährige Sohn des letzten Schah, der dafür eintritt, die Theokratie durch eine säkulare Demokratie zu ersetzen.
    Wenige Stunden vor Sitzungsbeginn, am Mittag des 23. Mai 2012, zog jedoch der von dem Grünen Tom Koenigs angeführte Menschenrechtsausschuss seine Einladung an die iranischen Oppositionellen zurück.
    „Das war für mich verwunderlich, der Ausschuss gab mir auch keinerlei Erklärung“ – beschwerte sich Reza Pahlavi in einem Gespräch mit der BZ. Auf Nachfrage der BZ erklärte eine Sprecherin des Parlaments: „Das Gespräch wurde aus terminlichen Gründen abgesagt. Derzeit ist offen, ob es nachgeholt wird.“ („Irans Opposition braucht die Hilfe des Westens“, in: Berliner Zeitung, 25. Mai 2012)
    Diesen Vorfall als „Brüskierung“ zu bezeichnen, wäre wohl eine Verniedlichung. Eher war dies ein (abschließendes?) Statement über den Stellenwert, den der Deutsche Bundestag der Demokratiebewegung innerhalb und außerhalb des Iran beimisst.
    Hatte zuvor die Exekutive in Gestalt des Bundesaußenministers bei den Parlamentariern interveniert und eingedenk der am selben Tage stattfindenden Atomgespräche von Bagdad um jene Ausladung ersucht? Oder waren es die unmittelbaren „Kontakte mit der iranischen Botschaft in Berlin“, die für diesen Affront in letzter Minute sorgten?
    Vielleicht sollten sich die Abgeordneten mal die Bundestagsdrucksache 11/4057 vom 22. Februar 1989 besorgen. Damals war die Fatwa gegen Salman Rushdie aktuell. Die Drucksache dokumentiert eine gemeinsame Erklärung der Bundestagsfraktionen der CDU/CSU, der SPD und der FDP.
    Darin wird die Todesfatwa gegen Rushdie als „eine Kriegserklärung gegen unser Rechts- und Wertesystem, gegen das Völkerrecht und gegen die universellen Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen“ bezeichnet. Khomeini müsse seine Fatwa „für null und nichtig“ erklären: „Der freiheitliche Geist unserer Verfassung erlaubt kein Zurückweichen vor solchen Drohungen.“
    Zutreffende Worte, die, wenn wir sie heute ernstnehmen, nur zwei Möglichkeiten lassen: Entweder es gibt heute jenen „freiheitlichen Geist“ der Verfassung nicht mehr oder der Bundestag weicht „unerlaubterweise“ vor den Mullahs zurück.
    Ich kenne derzeit nur drei Abgeordnete, die sich individuell zur Fatwa gegen Najafi geäußert haben: Volker Beck, Omid Nouripour und Ruprecht Polenz. Demgegenüber schwiegen die Gremien des Bundestages ebenso wie die im Bundestag vertretenen Parteien: Auf ihren Homepages findet sich zu Shahin Najafi kein Wort.
    Und die zahllosen Musiker, Dichter, Intellektuellen und Friedensbewegte, die Shahin seinem Schicksal überlassen? Über sie schweigt des Sängers Höflichkeit.

    (Quelle wie oben in Gerd Buurmanns Artikel angegeben.
    http://www.matthiaskuentzel.de/contents/beschaemendes-schweigen )

    Der deutsch-israelische Nachrichten-blog ‘Hagalil.com’ weist ebenso auf die Thematik hin, Autor jeweils Matthias Küntzel.

    http://www.hagalil.com/archiv/2012/05/31/beschaemendes-schweigen/

    http://www.hagalil.com/archiv/2012/06/06/kein-schrei-im-wind/

    bzw. Matthias Küntzel Homepage (für den zweiten Artikel)

    http://www.matthiaskuentzel.de/contents/kein-schrei-im-wind

    Wenn sich hier in Deutschland ein Widerstand bildet wider diesen schändlichen Aufruf zum Mord gegen einen Künstler, der sich für das Leben der Menschen (insbesondere im Iran) einsetzt, auf dessen Tod die Kopfprämie von 100000€ in Deutschland (!) ausgelobt wurde, als suchte ‘AktenzeichenXY’ einen Schwerverbrecher, dann ist das ein Widerstand gegen die offizielle Regierung des heutigen Irans.

    Und es ist auch Widerstand gegen eine bundesdeutsche Regierung, die zu dieser Sache sich ausschweigt.

    Man mag fragen, ob die Bundesregierung bereits die „Todesblume“ (wegen des „Promibonus“ des Künstlers?) zum Abwurf in der Hand hält?
    Gerade so, wie sie nicht bereitgestellt ist für so viele Opfer der ‘Mordlust’ einer iranischen Regierung, die gute Geschäftsbeziehungen mit „den Deutschen“ pflegt?

    Man mag fragen: was ist den „Offiziellen“ und den Bossen der Wirtschaft wichtiger?
    Das Leben, dessen Unversehrtheit und die freie Selbstbestimmung der Menschen (so wie es der „Liberalismus“ wider der eigentlichen Bedeutung anscheinend nicht vorsieht), oder aber der Geldbeutel derjenigen, die sich sprichwörtlich über Leichen gehend bereichern?

    Das Leben von Shahin Najafi zu verteidigen muß ein Anliegen aller Menschen sein, die das Leben selbst wertschätzen.

    Um es nochmal bewußt zu machen, worum es eigentlich geht, zitiere ich jene bekannte Aussage von Martin Niemöller.

    Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
    Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.
    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

  15. Pingback: Gesicht zeigen! | Jihad Watch Deutschland

  16. Isabel schreibt:

    Akademie der Künste Berlin erklärt sich solidarisch mit Shahin Najafi

    http://www.adk.de/de/projekte/2012/Appell_15.06.12/

    Bundestagsabgeordnete solidarisch mit Shahin Najafi

    http://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2012/pm_1206151.html

  17. Pingback: reliwatch.net » Blog Archive » Solidarität für Shahin Najafi

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