Jakob Augstein, der Lügner

“Ich persönlich lebe lieber in einem Land, in dem die Nationalflagge, die Verfassung und Bücher verbrannt werden dürfen, aber es kaum jemand macht, als in einem Land, in dem sich die Unterdrückten danach sehnen, die Nationalflagge, die diktatorische Verfassung oder die Schriften der Unterdrückung zu verbrennen, sie es aber nicht dürfen.”

Diesen Satz habe ich vor einiger Zeit in meinem Artikel “Wo das Verbrennen von Büchern ist” geschrieben. Leider lebe ich in einem solchen Land nicht. Laut Paragraf 90a StGB ist das Verbrennen und Verunglimpfen der deutschen Fahne verboten!

Jakob Augstein wird das nicht gewusst haben, als er in der phoenix-Sendung Jetzt aber wirklich – Endspiel um den Euroaus der Reihe “Augstein und Blome” eine Deutschlandfahne genommen hatte, um sich damit die Nase zu putzen allerlei anderen Unfug damit anzustellen.

Ich hätte über diese Aktion nichts geschrieben, hätte Jakob Augstein als überzeugter Antiamerikanist nicht auch noch eine dreiste Lüge dazu verbreitet. Zu seiner Aktion sagte er nämlich, dass er in Guantanamo landen würde, wenn er dies in Amerika täte. Das ist eine Lüge! Was er getan hat, ist in Amerika erlaubt. In Deutschland ist es verboten! Jeder Journalist kann und muss das wissen, jedenfalls, wenn er darüber berichtet. Ich habe daher im Anschluss der Sendung direkt den Artikel “Jakob Augstein weiß es nicht besser” verfasst.

Was mich nämlich an Jakob Augsteins Haltung besonders aufregt ist seine ganz besondere Form des deutschen Nationalstolz’, der sich daraus speist, dass die USA schlecht gemacht wird, damit “Deutschland, Deutschland über alles” besser im “Glanze des Glückes” der Amerikakritik blühen kann. Jakob Augstein verbreitet Lügen über die USA, indem er behauptet, dort sei etwas verboten, was in Deutschland erlaubt sei, was ebenfalls eine Lüge ist, da es hier verboten ist.

Lieber Jakob Augstein,

wie sage ich es Ihnen möglichst höflich? Das Erhöhen Deutschlands durch das Verbreiten von Lügen über Amerika ist, wie soll ich sagen, schon voll Nazi! Und wissen Sie, was noch irgendwie Nazi ist? Die kritische Haltung vor der schwarz-rot-goldenen Fahne. Die Nazis mochten diese Fahne auch nicht. Sie haben schwarz-rot-gold schnell abgeschafft und durch schwarz-weiß-rot ersetzt. Kann es daher sein, lieber Herr Augstein, dass Ihre politische Haltung schon so weit links ist, dass sie anfängt rechts zu sein? In meinen Augen jedenfalls scheinen Sie ein stolzer Deutscher zu sein, dessen Stolz vor keiner Lüge zurückschreckt, um Deutschland besser und Amerika schlechter zu machen.

***

Nachtrag: Warum Jakob Augsteins Aktion antiamerikanistisch ist, hat K.Voss auf den Punkt gebracht:

“1. Antiamerikanisch weil er nicht den Iran, Saudi-Arabien, Nordkorea, China oder Ägypten nahm, wo das verbrennen, beschmutzen und verunglimpfen bestimmter Symbole sogar mit dem Tode oder lebenslanger Haft bestraft werden kann, sondern das Land, welches er selbst neben Israel am meisten unter seinen Länderberichten (negativ) beachtet.
2. Antiamerikanisch, weil er sich nicht kundig gemacht hat, bevor er einen, und nur diesen einen Staat im ÖR-TV beschuldigte.
3. Antiamerikanisch, weil er es hätte besser wissen müssen, gerade wenn er so eine Aktion abzieht.”

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47 Antworten zu Jakob Augstein, der Lügner

  1. Andreas Moser schreibt:

    Diese ständige deutsche Tendenz, zu versuchen, Amerika schlecht zu reden, sieht für mich immer nach einem Minderwertigkeitskomplex aus.

  2. Silke schreibt:

    ganz so unumstritten, wie es die hiesigen Mitglieder, der “bei den Amis ist alles besser” Propagandisten gern hätten, ist das Erlaubtsein in den USA aber wohl nicht.

    Ganz erstaunlich wie eng die Abstimmungen doch ausgingen.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Flag_Desecration_Amendment
    ———
    Der Auffassung, daß Augstein einen an der Schüssel hat und seinen Rotz lieber hochziehen sollte, damit sein Hirn wenigstens etwas Nährstoff bekommt, schließe ich mich jedoch vollinhaltlich an.

  3. American Viewer schreibt:

    Was mich nämlich an Jakob Augsteins Haltung besonders aufregt ist seine ganz besondere Form des deutschen Nationalstolz’, der sich daraus speißt, dass die USA schlecht gemacht wird, damit “Deutschland, Deutschland über alles” besser im “Glanze des Glückes” der Amerikakritik blühen kann. Jakob Augstein verbreitet Lügen über die USA, indem er behauptet, dort sei etwas verboten, was in Deutschland erlaubt sei, was ebenfalls eine Lüge ist, da es hier verboten ist.

    Sehr schön auf den Punkt gebracht. Das ist eine Methode, die ich sehr häufig erlebe. Zuletzt immer wieder im Fall Trayvon Martin, wenn deutsche Anti-Amerikaner sich unwissend zum Thema Notwehr auslassen.

  4. zweitesselbst schreibt:

    hm, soll also, wer keine Ahnung hat, besser die Klappe halten??? auch Falsches und Unsinnige muss gesagt werden dürfen. Das gilt natürlich auch für mich selbst. (H)

    • Aristobulus schreibt:

      …muss gesagt werden dürfen, das schon!, und daraufhin bekommt der, der sich mit Lügen Verbreiten bis auf die Knochen blamiert (und der auf die Farben des deutschen Rechtsstaats rotzt) eben eine verpasst oder zwei.

  5. anti3anti schreibt:

    Jakob Augstein mag Deutschland nicht. Er sieht in D einen US-Anhängsel. Kleiner Satan und großer Satan.

    Die USA mag er schon gar nicht. Deshalb ist in den USA alles verboten, sogar das, was erlaubt ist.

    Jakob Augstein lügt nicht. Ein Psychopath lügt nicht. Er verfügt über die Gabe, die Welt anders als die Normalos zu sehen.

    Davon ist nicht nur die Welt voll, auch dieser Blog.

  6. zrwd schreibt:

    @Andreas Moser. Richtig, es ist ein Minderwertigkeitskomplex. Auch der deutsche Neid getriebene Antisemitismus war und ist ein solcher: http://newdeal.feri.org/nation/na3656.htm

  7. Bug-Alljoh schreibt:

    abcdefghijklmnopqual des hirngespinsts: stets wiederzugehen
    nun ist aber auch der feinstenst hirngesponnene Faden oft jener der seidene Züge hat, indem an ihm das hängt, was da wohl hängen soll und oft zu lang da hängt.
    Es bleibt da dann hängen.

    “bei den Amis ist alles besser” französischerweise möglicherweise, jedoch in minuskeln, transatlantischerweise nein, es sei denn, Ihr Faden sei seiden.

    • Aristobulus schreibt:

      Herr, lass Hirn raa.

      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        Bei aller Zustimmung für Ihre bisherigen Kommentare, erscheint mir Ihr Stoßgebet zu optimistisch.
        Was lässt Sie hoffen, dass dieses Hirn tatsächlich zum Denken verwendet würde, statt in der Bratpfanne zu landen?
        Immerhin sind solche Probleme nicht neu:
        “Wenn sie den Stein der Weisen hätten,
        Der Weise mangelte dem Stein.”
        J. W. v. Goethe

        • Silke schreibt:

          wo gibt es noch Hirn zu essen? Ich seh’s auf keiner Speisekarte mehr und vermisse es schmerzlich. Soweit ich mich erinnere verschwand Hirn im Zuge des BSE Malheurs.

        • Aristobulus schreibt:

          …immerhin sagte die Dämonin in Army of Darkness, als sie sich ‘ne Minute vor Schluss auf Ashe (“groovy!”) stürzte, lauthals: “I’m gonna devour thine soulll!!” Kann man ja noch verstehen (wenngleich nicht grad gutheißen im liberalen Staate).
          Aber Hirn essen, wirklich ESSEN?, ui, Silke, hast Du das nicht nur mit schärftst-ster Senfsoße und kurz vorm Verhungern runtergekriegt?
          À propos, gibt es seit BSE eigentlich noch Cervelatwurst? In der soll früher Hirn enthalten gewesen sein. Sagt man.

          • Bug-Alljoh schreibt:

            CH CH CH
            Halbharter Hirngreis? Bist du es? Bist du dankbar? Kann ich dich den Kaninchen zeigen?
            Begleichst du meine Schulden? Kann ich mit dir nach Oben gehen, auch wenn Unten auch ginge?
            Würdest du sagen, dass in gewissen Randgebieten Europas die Multikultikultur zu einer Art Kult sich entwickelt? Könnte man das so sagen?
            Bleibst du noch ein bisschen, wenn ich auch noch ein Bisschen bleibe?
            Kann ich dir noch etwas ausrichten? Ich poste was das Zeug hält, was hält denn das Zeug?
            Bist du mein Kampfgefährte? Kann es sein, dass wir uns schon mal getroffen haben? Kann es sein, dass wir uns nie treffen? Was bedeutet das?
            Hilft es, sich vorzustellen, dass alles nicht so ist, wie es ist, sondern, dass alles ganz anders ist als es den Anschein hat? Was machen wir jetzt?

          • Aristobulus schreibt:

            Bist Du der Hitler, böser Onkel?

  8. Waldemar Pabst schreibt:

    Augstein ist ein nicht einmal begabter Wichtigtuer, der durch primitive Provokation sich müht, ein Held des Mainstream zu werden und dem dabei nichts zu unterirdisch oder geschmacklos ist. Dabei sei angemerkt, dass sein vulgärantisemitischer U-Bootkommentar seine Flaggenaktion an Widerlichkeit bei weitem übertraf.
    http://schwarzoderweiss.wordpress.com/2012/06/16/die-studie-der-katalysator-der-musterschuler-und-die-20/

    • Aristobulus schreibt:

      Danke, guter Artikel, der fasst alles nochmal zusammen, besonders das gespenstische Hand-in-Hand- und Ton-in-Ton-Sein von GraSS’ Gedicht und Augsteins U-Boot-Feindlichkeit.
      In seinem miesen, dummen, hetzerischen sog. Artikel muss man eigentlich bloß diese eine Zwischenüberschrift lesen, um prompt wieder aufzuhören zu dürfen:
      “Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin”
      So retro. In den frühen Siebzigern raunte man auf der Straße: Wenn Golda Meir anruft, beugt man sich in Bonn. Leider bleibt’s nicht bloß harmloses Seventies-Retro, sondern marschiert fein in Richtung der Vierziger.
      Die Ken Jebsenisierung des Augsteins ist unaufhaltsam fortgeschritten.

      • Waldemar Pabst schreibt:

        Auch Jebsen sollte man ernster nehmen, als er scheint, denn er repräsentiert diesen unglaublichen Mix an rechtem und linken Antisemitismus verrührt mit Verschwörungstheorien aller Art, bei dem man nicht einmal mehr weiß, ob das nun eigentlich aus der linken oder rechten Ecke kommt. Elsässer ist auch so ein Kandidat. Ganz furchtbar. Wie eben auch die Offenheit, in der sich ein Augstein traut, alte antisemitische Stereotype im Spiegel zu verwenden. Die Zwischenüberschrift sagt in der Tat alles aus. Ich sehe wirklich mit Grass das Einläuten einer neuen Phase, in der die Hemmungen fallen, in die “linke” Israelkritik alte rechte Phrasen einzubauen. Das bewog mich auch, dies selbst in der Länge einmal nieder zu schreiben.
        Schöne neue deutsche Welt. Was mir, wie meinem Text fehlt, ist irgendeine Perspektive, wie das zu ändern wäre.

        • Aristobulus schreibt:

          Waldemar,
          …zu ändern wäre. Seufz. Du kannst darauf hinweisen wie in Deinem Artikel, kannst zwei und zwei zusammenzählen und weiter Artikel schreiben, das ist alles, und Du kannst Manchem eine reinwürgen!, tja, was mehr?

          - Ist diese einschlägige Verbindung zwischen alt und neu, rechts und links gegen die Juden nicht viel älter? Als 1976 in dem entführten Flugzeug in Entebbe (Uganda) durch Deutsche erstmalig wieder Juden selektiert wurden, und als die Linken hierzulande plötzlich alles abstritten, nein, mit jenen gegen Israel stritten. Das perfekte Crossover von alten rechten Phrasen mit altneulinken Daseinsweisen

  9. Ryder schreibt:

    Wie stehen die Linken eigentlich zu Lokalpatriotismus, besonders auch im Sport? Und wie ist es mit Familie? Ist das auch verwerflich? Und rotzen französiche und italienische Linke auch in ihre Flaggen und finden sich toll dabei?

    Generell scheinen unsere Neosozialisten – im Eigeninteresse und leider mit Erfolg – die Verbrechen des 3. Reiches ausschliesslich auf den ersten Teil des Wortes ‘Nationalsozialismus’ projiziert zu haben. Die Frage ob der zweite Teil des Worts ein möglicherweise sogar wichtigerer Baustein für politische Verbrechen darstellt, wird natürlich nach Kräften vermieden, wenn auch die Geschichte schon eine klare Antwort bereithält. Lassen wir das ‘national’ von Sozialismus mal weg, führt es am Ende nur dazu, dass nicht mehr das ‘jüdische Grosskapital’ enteignet und gedemütigt wird, sondern nur noch das ‘Grosskapital’ Ein toller Erfolg! Eine wirre kollektivistische Idee für die Menschenleben nicht eben viel zählen hat die andere abgelöst. Das natürliche Gegenmittel des …(Inter- oder Sonstwas-) Nationalsozialismus wäre einfach der Liberalismus!

    Generell es eben so, dass Gemeinwesen national organisiert sind. Sowas kann auch im positiven Sinne identitätsstiftend sein, indem es ein Bewusstsein dafür weckt, dass man im selben Boot sitzt und fürs Gemeinwohl auch ram muss oder mal unangenehme Entscheidungen mitträgt. Wenn die Grenzen der Gemeinschaft aber nicht mehr definiert werden können oder einem zu fern liegen, sinkt auch die Bereitschaft für Entbehrungen oder dafür sich einzubringen.

    Wären wir also statt ‘Deutschland’ die hypothetische ‘EU-Unterverwaltungseinheit Mitte’, würde dies vom Namen her sicher keine grosse Identität mehr stiften. Das Ergebnis für den Einzelnen wäre, dass kleinere Einheiten wie die Familie wichtiger werden oder man in Fatalismus verfällt. Für die – möglicherweise irgendeinem kollektivistischem Grössenwahn anhängenden – Regierenden wäre das Ergebnis jedoch ein praktischerweise viel widerstandloseres Durchgreifen. Im Stalinismus wurden ja auch die Völker Russlands bewusst rücksichtslos zerstreut. Dass nach dem Zerfall solcher Grossgebilde jedoch sofort wieder Länder in den Grenzen alter Volksidentitäten entstehen, zeigt aber doch schon, dass solche Einheiten keine zufälligen Schöpfungen sind.

    Statt die eigene Fahne etwas unreif zu berotzen (wohl um zu zeigen dass man aus Mangel an Realismus und Phantasie dem immer mit grossem Leid geendetem Internationalsozialismus nahe steht)… kann es helfen, sich den Unvermeidlichkeiten des Lebens wie Familie und Nation irgendwann zu stellen und dann die Konsequenzen zu ziehen: Auswandern oder helfen, das Beste aus dem eigenen Land zu machen.

  10. aron2201sperber schreibt:

    Dank Klein-Augstein weiß ich wenigstens, warum ich “im Zweifel nicht mehr links” sein will:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/09/16/klein-augsteins-linke-welt/

  11. Silke schreibt:

    ich habe gerade was zu Slavoj Zizek von John Gray gelesen – warum nur habe ich da zwischendurch immer wieder an anti gedacht. Kann es sein, daß die Pataphysiciens jetzt in Academia wohlangesehen sind? Das wäre, meine ich, eine furchtbare Niederlage, die sie nicht verdient haben. Das Lesen lohnt sich übrigens nur für an John Gray Interessierte, doch das Foto am Anfang lohnt das Anschauen allemal.

    Achieving a deceptive substance by endlessly reiterating an essentially empty vision, Žižek’s work—nicely illustrating the principles of paraconsistent logic—amounts in the end to less than nothing.

    http://www.nybooks.com/articles/archives/2012/jul/12/violent-visions-slavoj-zizek/

    • Aristobulus schreibt:

      Slavoj Zizek, au danke für den Namen!, der lag mir seit Tagen auf der Zunge (die nun brach). Der schreibt ein Nichts über alles, und alles wird ihm zum Nichts. Deswegen isser auch so antizionistisch, denn an ihrem Nichts sollen wir sie erkennen.

      Dieser Pseudo-Holländer ist auch so. Komme grad nicht auf den Namen. Ist deutsch, betitelt sich als Philosoph, hat schüttere rote Haare, die ihm in die Schläfen hängen, sieht aus wie auf einem Gemälde von Rembrandt, den der aber wirklich nicht so meinte (holländischer Name mit ij oder so), spricht Endlossätze voll pataphysicalement gespiegelter Leere. Jessas.

      • Aristobulus schreibt:

        Sloterdijk, Peter (Jessas nochamol)

      • Silke schreibt:

        mich stört an den Haaren, daß sie – medial vermittelt – immer so ungewaschen aussehen wie im übrigen der ganze Mann. Guckt der sich nie auf Fotos an?

        Ich habe in der Schule genau 2 Stunden Philosophie gelernt (unser Lateinlehrer in Vertretungsstunden). Die erste war Sokrates ich weiß, daß ich nichts weiß, illustriert mit Hilfe eines Kreises, drinnen das Gewußte und draußen das Ungewußte und je größer das Drinnen wird, desto länger wird die Grenze zum Nichtgewußten und folglich des Gewahrseins dieses Nichtgewußten (Sisyphos iss nix dagegen, denke ich gerade). Die zweite war Platon’s Höhlengleichnis und dem konnte ich schon damals nicht viel abgewinnen.

        Jedenfalls war die Erinnerung an jene 2 glückseligen je 45 Minuten so stark, daß ich Rentnerin geworden, endlich was über Philosophie lernen wollte und was geschah? Ich landete bei den Engländern, bei Philosophy Bites http://www.philosophybites.com/ und von dort aus bei Leuten, die ich verstehe, denen ich geistig folgen kann.

        Irgendwann verliebte ich mich in Quentin Skinner, doch “erlaubt” er mir in offener Ehe mit ihm zu leben.

        z.B. http://sms.cam.ac.uk/media/508596

        Aufregendes findet sich auch hier und da bei diesem australischen Plauderer

        http://www.abc.net.au/radionational/programs/philosopherszone/

        Und warum habe ich vergleichbar Spannendes und Verständliches auf Deutsch noch nicht gefunden?

        Irgendwo bei dradio gibt’s was Philosophisches, doch 2 Hörversuche habe ich abgebrochen. Irgendwas kann mit unserer deutschen Philosophiererei nicht richtig sein, wenn ich die Leutchen in meiner Muttersprache schlechter bis gar nicht verstehe, in einer Fremdsprache sie aber reinen Genuss finde.

        • dieter schreibt:

          Zizek mangelt es jedenfalls nicht an schönen Frauen. Warum sollter er also sich unnötig um sein Äußeres kümmern?

          Eigentlich wird Philosophie im angelsächsischen Raum gering geschätzt. Gerade aus diesem Grund gibt es dort gute Materialien, die sich an Erwachsene richten. Ich bin auch über das Englische auf die Philosophie gekommen, nachdem sich mein Philosophieunterricht in der Schule eher auf gedankenloses Abspulen des Lehrbuchs beschränkte.
          Franzosen lernen Philosophie schon von der Grundschule an. Kein Wunder, dass das der Hort des Postmodernismus ist, da klassische Philosophie irgendwann einmal öd wird.

          Zizek ist so eine Jazz-Musiker der Philosophie. Er improvisiert seine hegel’sche Dialektik über vielfältigen Themen.
          Es gibt zwei Sorten von Leuten, die ihn falsch verstehen:
          .) Einerseits ein Teil seines Publikums, bestehend aus jungen Linken, die sich in ihm einen marxistischen Propheten erwarten. Im Gegensatz zu Chomsky werden sie bei ihm aber mit einer gewaltigen Portion Kritik am eigenen Weltbild konfrontiert.
          .) Andererseits wird er von Leuten wie John Gray falsch verstanden, die großartig das Offensichtliche feststellen, nämlich, dass Slavoj Zizek keine Theorie hat. Das wäre vergleichbar mit einem Musikkritiker, der einem Jazzer vorwirft, sich nicht an die klassischen Regeln der Komposition zu halten.

          Früher hätte ich Zizek auch für einen unlogischen Dampfplauderer gehalten. Wenn man eine gewisse philosophische Basis hat, kann man aber echte, transgressive Philosophen wie Zizek und Sloterdijk von Nicht-Philosophen wie Bernard-Henri Lévy unterscheiden.

          • Silke schreibt:

            So liebe ich meine Logik. Die Wassergeschichte ist so oft in Stücke geschossen worden, drum hier nur ein Beispiel wo einer nachgerechnet hat. Zizek ist ein eitler Fatzke, aber “it is a truth universally acknowledged”, daß sich über rumnebelnde Schwadroneure am Stammtisch umso besser schwafeln läßt, je höher der Alkoholspiegel ist.

            und hier ist noch einmal Zizek – End of Times, wie wahr das ist, besonders wenn er in den Spiegel schaut.

            Quentin Skinner hat nicht so schöne Haare, dafür ist er zwischen den Ohren ausgesprochen sexy.

            Und hier ist mein Liebling von John Gray:

            http://nationalinterest.org/bookreview/what-rawls-hath-wrought-4570

            Und ja, ich versteh’s schon, daß man sich von den Engländern abwendet, so viel Kontakt zur Wirklichkeit ist beim Rum-Bramarbasieren wirklich hinderlich.

          • Aristobulus schreibt:

            Silke,
            Quentin Skinner ist eine Erscheinung, hager auch, das steht ihm überaus (Ehe mit ihm, ob offen ob wild oder sonst, oj, yepp!), und er ist kein Falschmünzer, das würde ihm im Leben nicht einfallen, nicht? (habe zwar nur ‘ne halbe Stunde mit ihm gesehen, ehe nicht seinetwegen hier alles abstürzte, habe besonders seinen völlig genialen Schlips gesehen, aber es scheint klar, dass er selbst Unwissen noch spannend ausdeutet und nichts herbeifantasiert, und for president hätt ich den auch ganz gerne, by the way).

            Zizek’n hatte ich noch nie gesehen (Danke für das scheußliche Spinnenvideo!), der ist ja noch scheußlicher als seine Aussagen, und das Gefuchtel, hat der was an den Nerven oder an der Waffel?
            Ah ja, daher kommt also wohl die Tendenz vieler Antizionisten seit einiger Zeit, dass sie so gern am Anfang einen seriösen Politiker, eine seriöse Zeitung nennen, um dann in dieser Verknüpfung die grässlichsten Dinge über Israel zu verbreiten.

            - Mein Vater hätte Zizek’n nicht gegrüßt, ja nich’ im Traum. Und der war wirklich freundlich zu jedem

        • Silke schreibt:

          ich kannte Quentin Skinner bisher nur audio-mäßig – ich habe da Abos ohne Ende für Podcasts auf iTunes und sobald der Name Skinner auftaucht kriege ich gierige Ohren.

          Aber auch vom Aussehen her hätte ich einen solchen Mann (lang ist’s her) gern zum Frühstück dabehalten ;-)

          Zur Verteidigung der Ojmel muß man natürlich anführen, daß Skinner historian iss, ein unschlagbarer Vorteil wie er so schön am Anfang der Lecture betont.

          Hier ist er übrigens 2 x nicht als Lecturer sondern im Gespräch zu Macchiavelli und zu Hobbes und beide Male sogar mit Transkript. Ich habe ein Macchiavelli-Buch von ihm und muß gestehen, vorgetragen verstehe ich ihn leichter.

          http://itunes.apple.com/us/itunes-u/reading-political-philosophy/id380223603

          • Aristobulus schreibt:

            zum Frühstück
            Es gibt ja solche, die weder Kaffee kochen, noch ihn dann eingießen.
            Der würde ihn kochen, scheint mir – hm, und er würde zuvor fragen, wie man ihn denn will

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