Während sich der persische Dichter und Sänger Shahin Najafi in Köln verstecken muss, weil unter anderem Großayatollah Lotfollah Safi Golpayegani eine Fatwa, ein Todesurteil, über ihn gesprochen hat, schreibt Martin Mosebach von der Frankfurter Rundschau:
“Es ist wahrscheinlich hoffnungslos, in der Gegenwart an den Geschmack von Künstlern zu appellieren, die es nach Blasphemie gelüstet: an die instinktive Abneigung, Wehrlose zu verletzen, durch weit geöffnete Türen zu rennen und dabei ein Siegesgeheul auszustoßen, sich in einer abgestumpften und gelangweilten Umgebung aufzuführen, als habe man soeben den Scheiterhaufen der Inquisition riskiert. In diesem Zusammenhang will ich nicht verhehlen, dass ich unfähig bin, mich zu empören, wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern – wenn wir sie einmal so nennen wollen – einen gewaltigen Schrecken einjagen. Ich begrüße es, wenn es in unserer Welt wieder Menschen wie Jean Jacques Rousseau gibt, für die Gott anwesend ist. Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird. (…) Die Risiken, die er mit seinem Regelverstoß eingeht, werden ihn aber zugleich vor der Leichtfertigkeit im Umgang mit ihm bewahren. Er wird sich bei seiner Arbeit fragen: Ist diese blasphemische Passage, dies blasphemische Element wirklich notwendig, ist es ein unersetzbarer Teil meines Werks – oder nur Schnörkel, Laune oder Ungezogenheit? Muss ich dieses Wagnis eingehen, wenn ich mich weiter im Spiegel anschauen können will? Und diese Fragen werden dem Werk zugute kommen. Und einem auf diese Weise zustande gekommenen Werk werden ernsthafte Gläubige einen vielleicht widerwilligen Respekt nicht versagen.”
Mit diesen Worten hat sich Martin Mosebach in meinen Augen definitiv den Titel Ayatollah von Frankfurt verdient! Mosebach singt ein Loblied auf jene, die blasphemischen Künstlern “einen Schrecken” einjagen, während sich zu gleicher Zeit ein persischer Dichter in Deutschland verstecken muss, weil er in einem Lied die Blasphemie begangen hat, den 10. Imam höchstpersönlich um Beistand für seinen Kampf für Frauen- und Männerrechte, für die sexuelle und politische Befreiung, für Lust, Freiheit und Geilheit zu beten. Seit dem Lied verbreiten die staatlich kontrollierten Medien Irans einen Tötungsbefehl gegen Shahin Najafi. Vom Regime werden Fotos ins Netz gestellt, auf denen sein Kopf in einem Fadenkreuz zu sehen ist. Nicht selten weißt sein Kopf sogar Einschusslöcher auf. Gleichzeitig werden Demonstrationen für die Ermordung Shahins organisiert. In Deutschland sollen iranische Stellen das Todesdekret gezielt an hier lebende Iraner weitergeleitet haben. Kölner Islamisten prahlen sogar auf Facebook damit, Shahin in Kürze aufzuspüren und abzustechen. Und was sagt Ayatollah Martin Mosebach dazu?
“Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird.”
Ich bin fassungslos!
Pingback: Der Ayatollah von Frankfurt | Jihad Watch Deutschland
Fazil Say, Herr Buurmann, bitte ebenfalls beachten, auch dieser in Deutschland lange sehr aktive und beliebte Künstler wird nunmehr verfolgt. Diesmal aber aus der Türkei, seiner Heimat.
Orhan Pamuk hat man dorten zur persona non grata erklärt, weil er so ehrlich war, über die Armenier zu schreiben.
Und Hrant Dink, ein großer Journalist, der kein Blatt vor den Mund nahm, ist von einem radikalmoslemischen Apologeten umgebracht worden…
Wohl wahr, nicht zu vergessen den staatlich von ERDOGAN, dem gedachten Träger eines Preises für Toleranz!, angeordneten Abriß seiner versöhnlichen Statue an der Grenze zu Armenien. Wenn Deutschland die Symbole der Versöhnung und Schuldanerkennung der letzten Kriege und Massaker abreißen würde oder sich nach der Aufdeckung der Dönermorde ein “das hat nichts mit Deutschland zu tun” erlaubt hätte, da wär was los.
Und so, so darf man Kunst und Meinung in der Türkei mittlerweile nur noch staatlich gelenkt produzieren und die EU nickt freundlich dazu.
Und selbst beim Iran wird alles halb so heiß gegessen…s. die letzten Konferenzen.
Wen überrascht es, dass diese Position in der SPD-nahen FR verbreitet wird ?
Pussy Riot sitzen in Moskau seit Mitte März in U-Haft weil sie in einer Kirche ein Punk-Gebet gegen Putin gesprochen haben.
Sie haben damit auf die Verflechtung von Kirche und Kremel aufmerksam machen wollen.
Das Verfahren wird herausgezögert.
Ein nicht muslimisches Beispiel.
Zitat aus o.g. FR Artikel:
“Entgegen der Forderung nach unbedingter Freiheit, die Künstler gern beanspruchen, ist in der Geschichte der Kunst die Beschränkung dieser Freiheit der Entstehung von Kunst höchst förderlich gewesen.”
UUUaaaahhhh’!!!
Sorry, das bekomm ich in Schriftdeutch nicht unmissverständlich hin!
Ein iranischer Sänger, Hamed Zamani, hat auf Shahin Najafi ein Kopfgeld ausgesetzt.
Ein Künstler auf den anderen?
Beide aus demselben Land?
Ist das weil die Beschränkung der Kunst höchst förderlich auf selbige wirkt?
Schmerzhaft dieser Artikel.
Absolut schmerzhaft!
ich hab mal, oh Schreck oh Graus, ne stinglingpief Pauschal-Reise durch die Kunst-Highlights von Florenz und Umland gemacht. Ich habe da so ne dunkle Erinnerung, einiges an Kunst gesehen zu haben, das unter “beschränkenden” Bedingungen entstand.
Dauerhaft lieb wurden mir aus dem überwältigenden Angebot: Donatello und Giotto und Fra Angelico und Botticelli
mmmmh????????!!!!
Liebe Silke, der Stendhal hat in Florenz daraufhin das Florenz-Syndrom gekriegt, er musste sich apathisch hinkauern, die Donatellos erschlugen ihn einfach.
Wenn Kunst nicht erschlagen darf, stimmt etwas nicht. Beschränkende Bedingungen sind dafür da, dass man sie bekämpft… das Schönreden besorgen dann Andere.
Schönredner waren die Académiciens wie der Groß-Maler Ingres (der Vergötterer zartesten Fleisches), die fest im Sattel saßen und den Anderen, Wilderen, Ehrlicheren die Ausstellungen verwehrten. Ein Hass-Schönredner ist auch dieser iranische sog. Künstler, der seinerseits ein Kopfgeld auf Shahin Najafi ausgesetzt hat.
Beschränkende Bedingungen. Okay, Nackerte auf der Bühne finde auch ich geschmacklos, unnötig, zwanghaft. Keiner muss die sich jedoch ansehen.
À propos: Zwischen Muss und Kann vermag Mosebach anscheinend nicht zu unterscheiden. Was nützte es der Kunst, indem Kaiser Wilhelm II schlechthin alles, das seinem merkwürdigen Geschmack widersprach, ex Kathedra als “Gossenkunst” bezeichnete und behinderte, wo es nur ging?
Was haben die beschränkenden Bedingungen im Frankreich des achtzehnten Jhs. gebracht: Nur, dass etwa Fragonard (den ich sehr liebe) nicht zur Moderne vorstoßen durfte. Er hätte es gewollt und gekonnt. Sein Spätwerk löst sich in Farben und impressions auf, aber egal, wer es ihm auch begeistert abkaufen wollte: Der Fortschritt wurde ihm offiziös unmöglich gemacht.
Was kam dann: Lebloser Klassizismus. Als viel später Delacroix das Floß der Medusa malte: Wie hat man ihn offiziell angehasst. Auch Monet, der 1877 den Sonnenaufgang in den Nebeln des Hafens von Le Havre (?) malte: Beschränkungen derer, die sich lieber einen zart gemalten röhrenden Hirschen hinhingen, haben ihn ex Kathedra lächerlich gemacht.
Jaja, beschränkende Bedingungen… als ob’s nicht schon mühselig genug wäre, zu machen, was einer machen muss.
ich wußte nicht, daß Monet “beschränkt” wurde, doch habe ich ein halbes Jahr lang fast jeden Donnerstag (freier Eintritt) die “drei” dames à l’ombrelle im Jeu de Paume besucht. Sie hingen in nem engen Korridor so saublöd, daß man Genickstarre vom Hochgucken kriegte und dennoch, gäbst Du mir die Wahl zwischen dem und all dem anderen Monet-Rest, den ich gesehen habe, ich würde immer die nehmen. Wenn Beschränkung zu so etwas führt, gilt ist dann vielleicht was dran an “Not macht erfinderisch”?
(und überm Treppenaufgang hing ein für mich gräßlicher Alptraum-van Gogh, an dem ich immer erst vorbei mußte, um ins Hyperventilationsfreie Paradies des langsamen behutsamen “was sagt MIR das” zu gelangen.
PS:
wir wissen nicht, was Kafka geschrieben hätte, wäre er nicht zu allem Möglichen gezwungen worden, hätte er es ohne Dennochs tun können.
Wir wissen nicht, was Mozart geschrieben hätte, wäre da nicht die Zeit und der Vater gewesen, der da war.
Dann Schostakowitsch, der hat viel länger gelebt, und seine Konflikte sind gut dokumentiert. Dmiti Schostakowitsch hat 1926 eine geniale Symphonie geschrieben, und dann gleich die nächste. Als es noch ging, Beschränkungen waren (zumindest für Musik usf.) aufgehoben, er konnte ausprobieren, was noch keiner ausprobiert hatte. Später ging es nicht mehr: Schostakowitschs Modernismus ging Stalin schwerst gegen den Strich. Durch die folgenden Beschränkungen und Bedrohungen hat Stalin den Schostakowitsch über Jahre fertigmachen lassen – vergewaltigen. Was er konnte und wollte, lässt sich in seinen Streichquartetten anhören, sie sind ganz wunderbar, da musste er sich nicht diesen Zwang antun. Offiziell musste er jedoch Stalin zu Willen sein, der ihn kujonieren und zwingen ließ, bis er endlich patriotische Groß-Symphonien schrieb, eine nach der anderen, beständig in Angst…
Jedoch da handelte es sich um einen totalitären Staat und eine totalitäre Gesellschaft (…nu, wie im Iran!, wo man “Blasphemie!” schreit, wenn jemand dem Staat oder gar der Religion nicht zu Willen ist. Insofern ist der Vergleich nicht so arg verkehrt).
Bleiben wir aber mehr auf dem Boden, nehmen wir doch den Händel. Der wollte sich in Oratorien über’s alte Testament ausdrücken, die nichts von Opern unterscheidet, und überall zwängten ihn die Beschränkungen derart ein, dass er nach London ging – allein dort war es möglich.
Haben also irgend Beschränkungen daraufhin irgend Kunst dort gefördert, wo Händel den Bestimmungen unterworfen war? Nö… bloß die Freiheit in London hat seine Musik gefördert.
Und Gustav Mahler musste zum Christentum übertreten: Bloß weil man in Wien keinen Juden als leitenden Musiker wollte (sie fanden’s blasphemisch). Er hätte freilich Nein sagen können. Ich glaube, dieser halbe Zwangsübertritt gilt als einer der Gründe, weshalb Mahler so gebrochen war. Aha, die Beschränkung hat die Kunst gefördert…?
P.S.
, viel zu eng für die Bilder, viel zu beschränkte Räumlichkeiten. Degas Tänzerinnen hingen in einem engen, hohen, düsteren Raum, hast Du sie da so gesehen? Sie wirkten gespenstisch, aber so hatte Degas sie wahrlich nicht gemeint.
Yep, im Jeu de Paume war’s ganz grässlich
ich erinnere mich nicht weiter an die Degas – ich habe das unbequeme intime comme chez nous Jeu de Paume geliebt.
und nein, ich habe den Eindruck, daß Degas die Frauen nicht besonders mochte, aber vielleicht glaube ich das auch nur, weil ich seine Badenden so gar nicht mag oder viel mehr seinen Blick auf die Badenden.
…könntest damit Recht haben – ich war auch gern im schlimmen Jeu de Paume, man musste sich die Bilder erarbeiten, nicht?, die machten es einem nicht leicht, und man ging wirklich hin wegen der Bilder, nicht um mal im Louvre oder Prado usf. gewesen zu sein.
Welcher van Gogh hing über der Treppe?
Van Gogh find ich ja eher scary
Und Degas hat sich fast immer im Theater aufgehalten, so dicht bei den Balleteusen wie möglich, er wohnte praktisch dort, malte dort (Mühe und Momente der Frauen). Ich weiß nicht, ob er die Frauen gemocht hat. Habe mal eine Ausstellung randvoll mit Degas’ Tännzerinnenbildern gesehen. Er sah sie, aber sie ihn nicht, sie waren ihm unerreichbar und wohl unbegreiflich, das fand ich anrührend. Seine Badenden?, gibst Du mir ‘nen Tip, wo ich die finde? Habe grad nur Manets Badende im Kopf (déjeuner au parc), die mag ich nicht, denn sie räkelt sich merkwürdig nackt, aber die Herren dürfen formell gekleidet sein. Cézannes Badende meintest Du nicht?, (lässt sich unmöglich mit Degas verwechseln) er hat sie heroisch gelassen gemalt (mit so Blau drüber wie in einem Zelt)
Hm. Wie hat Degas die Badenden gemalt…? Geht mir jetzt nicht aus dem Kopf
der van Gogh war auch scary, sowas Wildbewegtes entweder Kornfeld oder Nachthimmel oder so, jedenfalls alle Götter in Hyperactive Mood und die ganze Zeit während ich die Treppe rauf ging, mußte ich dran vorbei gucken. Wenn Du Google Images Degas Badende sagst, kriegst Du ne ganze Menge. Es ist nicht, wie er sie gemalt hat. Es ist, daß ich so nicht angesehen werden möchte.
Ja Cézanne’s Badende finde ich ziemlich abartig. Ich mag den ganze Cézanne sowieso nicht, die Farben sind nicht mein Ding. Auch Manet muß ich nicht haben. Und bis vor ein paar Jahren dachte ich, Toulouse-Lautrec sei nicht mein Ding, bis ich in München auf der Barnes-Ausstellung war und da hing ein Bild von ihr, wie sie grad aus nem Toreingang tritt und die Frau neben mir sagte zu ihrem Mann, die sieht ja aus wie Michael Jackson und für mich sah sie aus wie meine Mutter und seitdem bin ich ihm verfallen.
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Henri_de_Toulouse-Lautrec_018.jpg
PS:
ja was Künstler alles geschaffen hätten, wären sie nicht beschränkt worden, doch was für ein Leben hätten all die anderen erst führen und was hätten sie vielleicht schaffen können, hätte man sie nicht in Fabriken und sonstwo verheizt. Tut mir leid, aber bei Jammern auf hohem aka sattem Niveau kriege ich zuverlässig den Klassenkampf.
Diese?, -> http://www.allposters.de/-st/Badende-Degas-Poster_c98228_.htm , also ich mag die, und mir scheint, die Badenden sind auf jedem der Bilder ganz ungestört und friedlich – kein Degas ist da, und wenn er da wäre, säße er halt da oder badete selbst. Denk ich so
Zu Deinem P.S.:
Das Jammern auf hochsattem nein höchstpappsattem Niveau nimmt uns schon der Herr Moseberg ab (oder war’s -bach?, ich weiß grad nicht), denn ihn erbittert nein empört diese ganze verseuchte, zersetzte Blasphemie der Moderne zutiefst, und ach diese leichtfertigen, ja ungezogenen Haufen Volks mit ihrem fehlenden Gottesbezuge, [hier fehlt jetzt 'ne Verbfolge], also nein.
- Es tät mich fast interessieren, was Moseberg über das Verheiztwerden in Fabriken vor hundert Jahren (und über’s jetzige Verheiztwerden gar nicht so weniger Working Poor) zu sagen hat. Ah wa, hat er nicht, das interessiert ihn nicht. Oder ist Mosebach je einem Maler verfallen? Es könnt’ ihn wohl interessieren, wie jemand Anderer einem verfällt (müsst’ schon ein ganz Moderner, Gottloser, Entsetzlicher sein, noch exaltierter als Jeff Koons, damit er Leserinnen kriegt), und dann würde er gemischte Buchstabenfolgen mit korrekter Grammatik in Kaskaden drüber verfassen, wie entsetzlich das alles so ist, dieses allgemeine Verfallen.
tja Händel, der arme, doch was wäre aus den Leutchen hier geworden, so er nicht hätte auswandern müssen/können?
http://www.historytoday.com/blog/2012/05/history-today-podcast-may-8th
…oj, wie schön!, das wusste ich ja gar nicht, und ich tät grad recht gern mit Dir justement jetzt in diesen Vauxhall Gardens sitzen, Händeln und Hogarth’n und auch den guten Jonathan Tyres (über den, wie Coke sagte, bis vor Kurzem noch Keiner was Genaues wusste) vorüberschreiten sehen, Portwein trinken und spekulieren, in welchem Maße blashemisch diesen bukolischen Ort in 250 Jahren wohl ein gewisser Herr Moseberg finden würde, nur weil er wahrscheinlich wegen der dortig getanen Usancen arme Moslems, die sich nicht wehren können, zutiefst religiösmoralisch verletzt, ja verletzen würde, verletzt haben können würde!, sofern und wodurch (urgh, dieser Moseburg wirkt ja stilbildend!, da muss man achtgeben) und insofern ein wahrer, großer, nein enormer Mensch wie Samuel Johnson ihn daraufhin auf den Topf zu setzen sich höchstwahrscheinlich mit größtem Vergnügen und gewaltiger Verpflichtung anheischig gemacht haben könnte.
Ich hab hier übrigens einen alten Stuhl, unter dessen späterer Lackschicht ich gestern Dellen entdeckt habe, die nur von ‘nem Säbel stammen können. Von vielen Säbeln (die Säbelscheiden immer links klack auf die Zarge drauf über Jahre!, eine Säbelscheide nach der anderen, so kommt’s zu diesen Dellen). Die sind da so 1750 reingekommen. Genau als wir da in Vauxhall Gardens anakreontisch unter alten Linden sitzend hätten sitzen können, dorten sitzend gesessen haben sitzenderweise wollen wollend!, und über einen dereinst drohenden dröhnenden Wust von ähm Dingen mit Namen Blasphemie, Verfall, Ungezogenheit, Siegesgeheul, ernsthaft Gläubige, Förderung des sozialen Klimas, lineare Effizienz und Grass nimmermehr einen blassen Schimmer der Andeutung eines halben futilen Gedankens jemals auch nur in entferntester Nuance einer gehauchten Andeutung gehabt zu haben hatten
*wird endlich mim’ Säbel betäubt und weggeschleift*
Den Prince of Wales in seiner Rolle als Attraktion sollte man nicht vergessen.
Yep, der wäre wohl ein guter vernünftiger König geworden später. Der hätte Dich vielleicht gemocht
?
Da in den Vauxhall Gardens ging Manches, die Briten waren dem Kontinent hundert Jahre voraus (ich lese grad Boswells Buch über Samuel Johnson, der war auch so, sie aßen manchmal beim Lord XYZ, dann beim Mr. Smith oder in einem Pub, meist in solcher Gesellschaft wie in diesen Gärten, und wenn Johnson dem König sein neues Buch schickte, schrieb der ihm ‘nen freundlichen Brief und sprach ihn mit Sir an. Undenkbar solches on the continent!, da ging erst Mitte des neunzehnten Jhs in Paris allenfalls was (wobei man dem dortigen Napoléon III nix schicken konnte, können wohl schon, mais sans résultat car il était tellement con)
Schade bloß, dass Samuel Johnson die Rolle der soeben unabhängig gewordenen USA falsch eingeschätzt hat. Boswell nicht, aber der war ohnehin ein Schotte, denen nahm man kollektiv den Aufstand von 1746 und die Fälschung des Ossian übel (die verbalen Prügeleien zwischen Johnson und Macpherson, ojojoj)
Zum Artikel. (Danke Gerd.)
„In diesem Zusammenhang will ich nicht verhehlen, dass ich unfähig bin, mich zu empören, wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern – wenn wir sie einmal so nennen wollen – einen gewaltigen Schrecken einjagen.“
„Einen gewaltigen Schrecken“? (*hihihi* wer hat Angst vor’m schwarzen mann???)
Nu, das geht vorbei, wenn der Mord vollstreckt ist. Ist ja nicht so, daß das was neues wäre?
„Muss ich dieses Wagnis eingehen, wenn ich mich weiter im Spiegel anschauen können will?“
Fragt sich dieser komische Mensch eigentlich auch, ob die Mörder und Aufrufer zu Mord sich noch gerne im Spiegel ansehen?
Nein? Vielleicht deshalb nicht, weil er damit schlicht sympathisiert? Und sich dabei sogar sehr gerne im Spiegel ansieht?
Das ist erschreckend brutaler Zynismus!
Isabel,
guter Kommentar, meine Zustimmung! Danke für Deine lautmalerische Umschreibung dessen, was ich empfand beim Lesen jener „Buchstabenkombinationen“ eines gewissen Martin Mosebach.
Aristobulus,
„Jaja, beschränkende Bedingungen… als ob’s nicht schon mühselig genug wäre, zu machen, was einer machen muss.“
Damit triffst Du auch einen Nagel auf den Kopf!
Kleines „OT“ noch,
hoffentlich liest dieser seltsame Martin Mosebach mal von dem „*hihihi* gewaltigen Schrecken“, der gläubige Menschen in ganz Europa erfaßt, und dafür brauchen sie nicht einmal Künstler zu sein, es reicht einfach jüdisches Kind zu sein…
Kleine Leseempfehlung zur aktuellen „Nachrichtenlage“ (für alle, die nicht die Nase voll haben von Juden), wie sie in „Massenqualitätsmedien“ (zB ‘FR’?) offenbar nicht gebracht wird, nicht?
http://frontpagemag.com/2012/06/12/the-last-days-of-jews-in-the-islamicized-europe/
Speziale l’Isabel!
Aaargh, sie singen über Kropotkin
Paul Berman über Kropotkin:
But his political program—variously called “scientific anarchism,” or “anarchist communist,” or “libertarian socialism”—was long on upper-case Ideals and short on lower-case practicalities.
http://www.tnr.com/article/politics/103944/magazine/revolutionary-road-chen-guangcheng
Sag mal, Aristobulus, Kropotkin ist doch dieser bärtige Typ, der sich in die Zeitreisemaschine setzte um in meiner Jugend zu erscheinen und mir meinen -ismus akzukupfern, den in seine Zeit zurücknehmend.
Soweit ich weiß, war nach seinem Tod diese Geschichte dann ziemlich gegessen in Rußland (und anderswo), und das, bevor ich überhaupt geboren wurde!
Das ist doch eine verrückte Welt!
Nu, di welt di is a drejdl…
…immerhin war Kropotkin (obwohl er immer mehr wie Edgar Allen Poe aussah) kein Judenhasser wie Bakunin mit seiner “Lust an der Zerstörung und noch mehr Zerstörung”
http://de.wikipedia.org/wiki/Bakunin
Also wenn man schon russische Libertäre mag, dann mag ich Lew Kopelew!, mit dem ich mich mal unterhalten habe, der war a mentsch.
Solange uns nicht die Fritten ausgehen,
sind uns die Libertären wohlgesonnen!
@ Isabel:
Der von dir inkriminierte Absatz …
“Entgegen der Forderung nach unbedingter Freiheit, die Künstler gern beanspruchen, ist in der Geschichte der Kunst die Beschränkung dieser Freiheit der Entstehung von Kunst höchst förderlich gewesen.”
… erinnert mich an die furchtbare Selbstrechtfertigungsrede Harry Limes’ in der Prater-Riesenradgondel. (“Der dritte Mann”, Carol Reed, UK 1949)
Aristobulus hat außerdem vollkommen recht: selbst wenn man die ach so grenzverletzenden blasphemischen Darbietungen selbst abscheulich findet oder fände (die Grenzen sind ja fließend), so ist deren Konsum ja immer eine Frage der selbstgetroffenen Entscheidung. Mehr ist nicht.
Auch ich stimme also dem Gerd zu, wenn er hier vom Frankfurter Ayatollah redet.
Allerdings muss ich auch sagen, dass z.B. unser deutsches Subventions-Regie-Theater an den jeweiligen städtischen Bühnen ein Skandal ist, und zwar ausschließlich deswegen, weil zwanghaft Pseudoskandale produziert werden, die die Zuschauer aus den Rängen vertreiben, statt Dramen zu inszenieren, die wieder auf ein breiteres Interesse stießen.
Die Tickets der letzten Geschmacksverirrten werden nämlich, was man nie vergessen darf, von allen Steuerbürgern bezahlt, und zwar mit Anteilen pro Eintrittskarte um die 80% .
Aus dieser Sicht also ein weiteres Hoch auf Gerd Buurmann!!! Free entertainer, free entrepreneur, free artist, free voice!
so ist deren Konsum ja immer eine Frage der selbstgetroffenen Entscheidung
Doch wie Du später sehr richtig bemerkst, so es staatlich (und/oder GEZ) subventioniert ist, muß man/frau es zwangsweise mitfinanzieren. Löhnen derfe mer, aber jammern nicht?
Kunst ist meines Wissens übrigens immer öffentlich finanziert worden, denn wenn ein Fürst was ausspuckte, was war das anderes. Man sollte also nie vergessen, daß die Einkommen der Starkünstler vermutlich aller Jahrtausende mit Hilfe der Steuern finanziert wurden, die der Großkotzerte nicht zuletzt den Bauern abpresste.
Wenn unsere Reichen heutzutage zu geizig oder nicht reich genug sind, ihrer Stadt ein Theater zu alimentieren, dann sitzen wir eben in einer dieser Jahrtausende alten Klemmen.
Eine andere ist z.B. Warum sollen gesundheitsbewußt sich verhaltende Bürger Krankenkassenbeiträge bezahlen, die Fußballverletzungen im Breitensport mit abdecken? (Fußball ist angeblich das verletzungsträchtigste Hobby.)
Silke, leider kann ich nicht ansatzweise so elegant und klug mit dir off-topic mäandernd parlieren wie der geschätzte Aristobulus.
Deshalb nur soviel zum Subventions-Theater: Meinetwegen kann das weg, und zwar sofort. Genau deshalb habe ich Gerd Buurmann gelobpreist. Weil der als freier Mann, freier Unternehmer, freier Künstler sein eigenes Ding macht.
Ich betrachte diese Sache nicht aus dem klassenkämpferischen, sondern aus dem liberalen Blickwinkel. Und selbstverständlich ist das Zwangsabdrücken von GEZ-Gebühren, selbst wenn man gar nie deutsches Verdummungs-TV sieht oder Verdummungs-Radio hört (und ja: damit meine ich das sog. öffentlich-rechtliche), ebenso ein Skandal. Aber das ist ja eine andere Geschichte.
Jedenfalls kann ich dem Satz über die Reichen, die kein Theater unterstützen wollen, nicht zustimmen. Das ist ja auch gar nicht ihre Aufgabe. Denn es verhält sich genau umgekehrt: es ist (oder besser: sollte sein!) die Aufgabe des Theaters, ein Programm zu bieten, das zugkräftig genug ist, die Armen, Mittleren und Reichen in ein Stück zu holen (ja, der Ärmere müsste vielleicht auf die “billigeren Plätze”, während der Reiche in der ersten Reihe – in der ich nicht sitzen wollte – ein extrateures Ticket bezahlt)! Vielleicht sogar so gut wäre, dass ein jeder nach seinen Möglichkeiten extra spendet. Was ja auch, zum Glück, Bestandteil urbaner Kultur ist.
In Mülheim/Ruhr gibt es ein Graphik-Museum (das im übrigen einige sehr wertvolle Kunstwerke besitzt, u.a. eine komplette “Suite Vollard” von Picasso), welches ausschließlich auf Bürgerinitiative existiert; von Bürgern verwaltet und durch deren Spenden finanziert wird. Und durch den eigenen, erstklassigen Museumsshop. Das sind gar nicht mal Reiche, diese Bürger, sondern Leidenschaftliche.
Zu einer echten Grenzüberschreitung, um zum Thema zurückzukommen, gehört übrigens ebenso die Leidenschaft. Und dabei denke ich nicht an auf städtischen Bühnen kreischend kopulierende Nackerte, sondern an Künstler wie z.B. Bettina Rheims (deren Werk “INRI” ich hier früher schonmal gewürdigt habe), welche sich bis an die eigene Schmerzgrenze mit ihrem Werk auseinandersetzen und das machen müssen, was sie machen müssen, AUCH WENN dann Grenzen überschritten werden. Nicht WEIL.
Aber es wäre ein Leichtes, Madame Bettina Blasphemie anhängen zu wollen.
Vielleicht ist ja die Leidenschaft die Klammer. Da braucht’s keine Borgias, Mussolinis oder Hilfsgefreite, damit gute Künstler gute Kunst machen.
Aristobulus weiß das besser als ich, aber ich vermute mal, daß wir dann auf große Oper verzichten müßten und das wollte ich nicht haben, auch wenn ich nie ins Theater gehe. Ohne daß die diese Spielwiese haben, würden die vermutlich schnell verschwinden. Es braucht nen Humus damit einer wie Pavarotti oder Quasthoff ne Weltkarriere machen kann. Und Weltkarriere machen können, bedeutet eben nicht zuletzt, mit den weltweit Besten zusammenarbeiten und wachsen zu können.
Das Frankfurter Städel soll auch mal von Bürgern geschaffen worden sein. Heute kommt es wohl ohne öffentliches Geld nicht aus und ich habe da mal ne Ausstellung von Bildern von deren “Akademie” für Kinder gesehen. Da wurden meine Steuergelder gut ausgegeben.
Was Theater in ihren Kleinen Häusern bieten, ist hingegen vermutlich bei den Buurmanns dieser Welt besser aufgehoben.
Daß Rotzen und Kotzen und sonstige Körpersäfte Absondern heutzutage dem Zeitgeist entspricht, das ist eben so. Ich habe gerade Yasmina Reza’s oh so hochgelobtes Gemetzel-Stück als Film gesehen. DAS soll ein gutes Stück sein? Das Kotzen brachte im Kontext nix, doch hatte “man” es mir voll Bewunderung angepriesen. Tiefste Provinz war das und sonst gar nüscht – Christoph Waltz hat mir gefallen, aber kein Anwalt, der bei Verstand ist, würde diese Gespräche führen, wo Fremde zuhören können.
Warum und wann wurde Geschichten erzählen unmodern? Weil es wirklich schwierig ist und sich nicht einfach so hinrotzen läßt?
Silke, Danny,
mir scheint, dass Europa im 20. Jahrhundert einfach mal wieder den Neuanfang verpasst hat. Theater waren hier seit den Griechen, den Römern und dem aufgeklärten Absolutismus auf ein Privilegium des Regierenden angewiesen (“avec privilège du Roy”, auch wegen der Zensur – und wegen der notwendigen Unterstützung der Schauspieler, Regisseure, Kulissenschieber & Autoren durch Aufführungen bei Hofe, weil man sonst so schnell Pleite ging wie Molière andauernd), und seitdem läuft das, läuft und läuft wie ein alter VW-Käfer.
Auch meine Eltern ab dem Winter 1945/46 (Opernaufführungen in Heidelberg) waren auf das Privilegium der Amerikaner angewiesen, wegen der Zensur!, und natürlich wegen Strom- und Kohlezuteilungen. Dieses Theater wurde später wieder staatlich und blieb beim Alten. Die Leute wollten dann halt ihre Stadttheater zurück, und sie mögen Trotz Geschimpfes ihr friderizianisches kgl. Theater, jetzt ihre Semper-Oper usf.
Oder sie gehen in unsubventionierte Musicals (und tun sich den Schmarrn an).
“…daß die Einkommen der Starkünstler vermutlich aller Jahrtausende mit Hilfe der Steuern finanziert wurden, die der Großkotzerte nicht zuletzt den Bauern abpresste” (Silke). Den Bauern, später mehr den Bürgern und dem Warenstrom, durch Zölle.
Oder sie gehen in unsubventionierte Musicals (und tun sich den Schmarrn an).
So weit ich es mitgekriegt habe, spucken die Städte ganz schön Geld aus, um so ein Musical zu kriegen. Wenn’s ein Erfolg wird, lohnt sich das wahrscheinlich unterm Strich, aber bei nem Flop wird’s wohl teuer für den steuerzahlenden Bürger.
Man hat mich mal in Tommy verschleppt. Es kann sein, daß das ein ganz gutes Stück war, doch erstens war die Akustik lausig und zweitens schrie und tobte das Publikum seine Begeisterung so raus, daß bestenfalls die ersten drei Töne zu hören waren. Und dann sangen die auf der Bühne alle mit Mikro … erstaunlich!
Falls man ne Ader dafür hat, ist das Aufgehen in der Menge sicher was, wo Oper einen a bisserl unbefriedigt zurück läßt. (früher war ich öfter mal in der Oper)
Ich staunte auch sehr, als ich kürzlich ein Video von nem Madonna-Konzert sah. Andererseits beruhigt es mich, daß ich nicht die einzige bin, die Vergnügungen nachgeht, die andere als Strafe empfinden würden.
Musicals waren immer richtungsweisende Kunstwerke, die als erstes die ganz heißen Eisen angefasst haben! Rent (Aids), Rocky Horror Show (sexuelle Identität), A Chorus Line (individuelle Selbstbestimmung in einer Massenkonsumgesellschaft), Nationalsozialismus (Cabaret), Armut und Moral (Dreigroschenoper), Rassismus (West Side Story), The Producers (Shoa-Buiseness)
kann ja sein, aber wie und wo hilft das kreischende Publikum der Diskussion auf die Sprünge? Kriegen die mehr mit als ich?
Gerd,
Hair hast Du vergessen, das war selbst musikalisch streckenweis’ nicht vom Übelsten. Rocky Horror Picture Show war schön ironisch (musikalisch nicht eben das Platteste), und Gershwin und Bernstein halt ich für ganz große Kunst.
- Jedoch sowas wie Mamma Mia, König der Löwen, gar Phantom der Oper? Ist doch grauenhaft. Einmal drin, muss man selon Silke wahrscheinlich dauerkreischen, ‘s bleibt einem nichts Anderes übrig
- Und ja, Standorte (grässliche Vokabel) von Musicals werden subventioniert wie wahnsinnig. Ich sehe immer die Busladungen mit Herden, die sich hineinkarren lassen (danach gehen sie lokale Biere trinken & übernachten, der Staat kassiert dann Mehrwertsteuer & Gewerbesteuer)
Porgy and Bess ist eine Oper!
König der Löwen ist ein Augenschmaus der Puppenkunst! Prädikat: Wertvoll! Dazu die Handlung: Hamlet von Shakespeare. Lass ich nichts drauf kommen.
…Porgy and Bess ist ganz groß.
Hab ich König der Löwen nu mit Cats verwechselt? (der allerletzte Pseudoglamour-Schmarrn). Keine Ahnung, habe den Löwen nicht gesehen, sehe nur die omipräsente Minimalkonsens-Reklame dafür, und seh die Leute, die da reinströmen. Es lebe mein Vorurteil
Der Ari sieht den Löwen nicht, nu, das nenne ich (Ver- ?) Peilung!
Im Großen und Ganzen stimme ich dem von Ihnen geschriebenen zu.
Allein ein kleiner Unterschied, den möchte ich erwähnt wissen:
Weder unser persischer Rapper noch Fazil Say oder eines der vielen anderen Beispiele hier ist in eine Moschee oder ein islamisches Heiligtum gegangen noch haben sie ihren Protest einem Publikum aufgezwungen, dass ihn gar nicht hören wollte.
Pussy Riot ist in eine der größten und beliebtesten Kirchen Russlands eingedrungen, in einen gesperrten Bereich und haben lautstark die anwesenden Gläubigen beschallt.
Das ändert nichts an ihrer berechtigten Kritik und den unhaltbaren Verstrickungen von Kirche und Staat untereinander und zum Unwohl seiner Bürger, es ändert auch nichts an den unverhältnismäßigen Reaktionen die nichts anderes als Demonstrationen einer diktatorischen Staatsgewalt sind.
Aber das bringt viele Menschen von sich aus gegen diese Protestler auf, die andernfalls mit wohlwollen oder ignorieren reagiert hätten. Und sollte stimmen, was die orthodoxen Bischöfe verbreiten, dass in Folge des Auftrittes und der medienwirksamen Verhaftung der Vandalismus an Kircheneigentum und -heiligtümern zugenommen habe, dann hatten Schiller und Goethe ihren Wandel von Stürmern und Drängern zu Klassikern nicht zu unrecht eingeschlagen.
In Byzanz, als dessen Nachfolger sich Moskau sieht, hat es zwar massenweise Machtkämpfe zwischen Kirche und Staat gegeben, doch letztendlich scheint immer der Staat gesiegt zu haben.
Es hat in deren Bereich zwar Streitereien um die wahre Lehre ohne Ende gegeben, doch etwas den Protestanten Vergleichbares ist nicht entstanden.
Falls die Berichte stimmen, ist Putin mit der Kirche aufs Engste verbandelt und der Kirche gefällt’s.
Drum würde ich mal annehmen, daß wir da nicht vergleichen können.
Ich glaube, ich habe auch keinen Vergleich mit Byzanz angeführt, von daher stimme ich Dir sehr gerne zu. Einzig: die große Zahl verschiedener orthodoxer Kirchen (griechisch, syrisch, aramäisch etc.) kann man durchaus vergleichen mit den Selbstfindungsspaltungen der Westkirche, wenn diese auch i.d.R. niemals so Gewaltsam ausgefochten wurden, wie in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh.
Einer, der so schreibt, ist stolz, das Lied der Mächtigen zu singen. Er gibt es nicht einmal zu: “…Wehrlose zu verletzen”. Nietzsche hätte seine helle Freude an ihm.
“…wenn ich mich weiter im Spiegel anschauen können will”. So ehrlich isser immerhin, wenngleich ihm die Verben wieder danebengehen. Können will? Kann er wollen? Wehe, wenn es ihm nicht gefällt, was er sehen zu können müssen darf.
Was war mit Thomas Mann? War das auch Blasphemie, dass er in Amerika Woche für Woche über Deutschland sagte, was Andere nicht sagten?
Was war mit Marlene Dietrich? War es Blashphemie oder gar Vaterlandsverrat, dass sie unmissverständlich klargemacht hat, was sie von Leuten hielt, die Abweichler mit dem Tod bedrohen?
Was war mit Klaus Mann, der die Emigration nicht ausgehalten hat? Wie “leichtfertig” war er?
Moslems provozieren ist keine Kunst.
Stimmt. Ich weiß noch nicht, ob es groß ist, was Najafi macht. Aber einer soll machen dürfen, bittschön.
Stimmt. Aber was Moslems (oder Christen, Hindus, Buddhisten, Spagettimonsterianer usw.) provoziert kann sehr wohl Kunst sein. Ob etwas provoziert ist für sich kein Kriterium dafür, ob etwas Kunst ist.
Moslems zu provozieren ist auf jeden Fall mutig. Mutiger als fast jede andere denkbare Provokation innerhalb westlicher Demokratien. Den Islam herauszufordern ist das Gegenteil davon, vor ihm zu kuschen. Den Islam zu provozieren ist Auflehnung gegen Unterdrückung, Einschüchterung und Totalitarismus.
Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird.
Ja, die Leute sind immer so schön friedlich und fügsam, wenn sie Angst haben müssen, dass man Ihnen bei einem falschen Wort den Hals abschneidet. Und die Religions- und Sittenwächter, gerade die bewaffneten, sind auch viel weniger unfreundlich, wenn man sich blasphemischer Äußerungen enthält.
Ja, die treten einem dann etwas später die Tür ein.
Genau. Und Leute, die das soziale Klima stören oder verderben, kann man sich dann immer noch ganz einfach per Denunziation vom Halse schaffen. Haben wir auch schon alles gehabt.
Es würde das soziale Klima mit Sicherheit fördern, ließe man die Apologeten, Täterversteher, Allesentschuldiger und anderen Nichtbetroffenen, hochmoralischen Gratismutler einfach mal etwas von dem spüren, demgegenüber sie als Nichtbetroffene solche großen Mengen Toleranz aufbringen.
Hmm,wenn ich das so richtig rekapituliere, dann ist Mosebach doch sowas, wie der Grass von der ganz Rechten? Also eher unfähig, so ignorant wie überschätzt und großmäulig und sich selbst als hochmoralische Instanz sehend?
nein, nein, ich glaube, wir verstehen das alles falsch – als ich es heute morgen zuerst im Perlentaucher las, dachte ich zuerst, daß wir da einen erneuten Ausbruch von Pataphysicienisme haben. Recht interessant auch, daß Navid Kermani ihn mit Cervantes verband – kleiner tun’s deutsche Großgeister anscheinend nimmer. – Armer Büchner, irgendwie glaube ich, so’n Brimborisieren wäre ihm nicht recht, dabei weiß ich fast nüscht von Büchner außer dem Hütten-Spruch und einmal Woyzeck im Theater.
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Mosebach#B.C3.BCchnerpreis-Verleihung_2007
Im Jahr 2007 erhielt Martin Mosebach den Georg-Büchner-Preis durch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Zur Begründung führte die Akademie aus: “Die Auszeichnung gilt einem Schriftsteller, der stilistische Pracht mit urwüchsiger Erzählfreude verbindet und dabei ein humoristisches Geschichtsbewusstsein beweist, das sich weit über die europäischen Kulturgrenzen hinaus erstreckt; einem genialen Formspieler auf allen Feldern der Literatur und nicht zuletzt einem Zeitkritiker von unbestechlicher Selbstständigkeit.”
als je besser ich mich an den Büchnerpreis-Bohai erinnere, desto mehr meine ich, daß am Beispiel Mosebach die Säkularen beweisen wollten, wie tolerant sie gegenüber den schwerst Religiösen sind.
…kann man ja machen. Wobei der schwerst Religiöse jetzt grad seine heilgsten Güter in Nebensätzen hoch- und höherhängt, um gegen ‘Blasphemie’ zu wettern. Wie viel ist Religiosität eigentlich Wert, indem sie sich so rechthaberisch gleich den Feind erfindet und nach Verboten und Beschränkungen ruft?
Überhaupt Büchner. Der war gegen Verbote. Und gegen Gesinnungsjustiz. Eine Lösung hatte er auch nicht, justement keine religiöse!, dafür war er zu ehrlich.
Man kann ja mal Folgendes so ins Leere fragen:
Gretchen Mosebach, wie hältst du’s außerhalb der Religion mit Büchnern? Oder hältst du’s doch lieber mit Goethen, dem höchst geehrten, liebefernen Alleswisser hoch zu Ross? (…der für Büchnern nichts getan hat, als der auf der Flucht war, nichts und wieder nichts)
Aristobulus.
„Wie viel ist Religiosität eigentlich Wert, indem sie sich so rechthaberisch gleich den Feind erfindet und nach Verboten und Beschränkungen ruft?“
Nichts! Und das ist genau der Punkt!
…also hat Gerd mit dieser genialischen Überschrift “Der Ayatollah von Frankfurt” voll ins Schwarze getroffen, Treffer mittschiffs. Was tat der Ayatollala Khomeini, der superreligiöse, der die Wahrheit gepachtet hatte, als er an die Macht kam: Hat Beschränkungen und Einschnürungen allerorten erlassen. Ich frag mich ja, welche Beschränkungen dem Mosebach so vorschweben. Hast Du mal die Aphorismen von Nicolás Gómez Dávila gelesen? Mosebach schätzt den Dávila überaus.
Dávila war Zeit seines Lebens (er lebte lang) von einer Version absoluter (katholischer) Theologie besessen, er verachtet deswegen Demokratie, weil sie die Herrschaft G”ttes in Frage stellt. (…was fällt einem da noch ein? G”tt hat den Pluralismus erfunden! Was sonst?!)
Dávila schrieb geschliffene Aphorismen unaufhörlich, wohl tausende, in denen sowas steht wie dieses hier:
The modernist object does not possess inner life; only internal conflicts.
The word “modern” no longer has an automatic prestige except among fools.
Individualism is the cradle of vulgarity.
The modernist thirst for originality makes the mediocre artist believe that the secret of originality consists simply in being different.
…
http://en.wikipedia.org/wiki/Nicol%C3%A1s_G%C3%B3mez_D%C3%A1vila
Dávila und seine Anhänger sind ein schärfste Gegner des zweiten vatikanischen Konzils, und so weit ich weiß, hielt er gern an der These fest, dass die Juden Gottesmörder seien.
Das ist so retro!, dem reichts nicht, in die Siebziger zurückzugehen, nein die 1670 müssen’s sein.
Der komische Mosebach mag den. Wie weit mag er ihn? Ziiiemlich, glaub ich.
Wenn so einer mal irgendwo die Macht übernimmt oder nur genug Zuhörer um sich schart – dann muss unsereins weit, weit weg emigrieren, aber prompt.
„aber prompt,“
erinnere ich gerade dann nochmal an den Artikel, den ich oben verlinkte.
http://frontpagemag.com/2012/06/12/the-last-days-of-jews-in-the-islamicized-europe/
(…ist nicht in jeder Hinsicht brandaktuell, allerdings heißt’s hier schon „nach Toulouse!“…)
Nochwas „Nettes“ von den Herren:
http://elderofziyon.blogspot.de/2012/06/north-carolina-democrats-propose-anti.html
Nu, zählen wir noch dies und das zusammen.
Die Schläger sind längst wieder unterwegs, der Wahnsinn rollt wieder an.
als harschen Kontrast zur Ayatollah-Denke verlinke ich hier ein Post eines weisen und gelehrten Mannes aus Jerusalem mit Neuigkeiten zum 6-Tage-Krieg und als Appetithappen das hier. Also mir ist vollkommen einsichtig, daß nur ein ungetestetes Heilmittel die Macht zum Allheilmittel haben kann.
Sometime in the 1980s the general perception of the conflict changed. No longer seen as Arab rejection of a Jewish State, the conflict was understood as a conflict between Israel and the Palestinians, which the Arab world would maintain only until the two central protagonists reached an accommodation. Since the Israelis and Palestinians have not yet reached accommodation this proposition has never been tested, a fact which contributes to its explanatory power. 1967, however, was before the 1980s, and participants and observers the world over saw the conflict as an Arab-Jewish conflict, with the local Arabs playing a subordinate role; they were not generally referred to as Palestinians.
http://yaacovlozowick.blogspot.de/2012/06/19th-june-1967-israels-peace-plan.html
19th June 1967: Israel’s Peace Plan
http://paxdiaboli.wordpress.com/2012/06/21/blasphemie/
Gegenmeinung – was sonst?
Nathan,
“Welchen ästhetischen Kitzel verspürt der Künstler, wenn er die Gefühle der wahren und einfachen Gläubigen verletzt, die in ihrer Einfalt an Gott glauben?”
Nu ergehst Du Dich gar in Rhetorik und bissele in Kitsch. So einfältig, wie Du sie darstellst, sind die Leute nicht. Und har so ästhetisch gekitzelt sind Künstler ja auch nicht (wenngleich Moseberg, nun ja).
Und indem einer “wahr und einfach” und gar “ein Gläubiger” sein soll, kann er ja nur verletzt werden. Das bedingt einander – allerdings nicht in der Realität, sondern um so freudiger auf edlem Papier.
“Selbstredend sind Religionen und ihre Anhänger intolerant. Dann gilt es, Intoleranz zu bekämpfen, nicht die Religion! Die Religion muss tolerant, nicht vernichtet werden.”
Du stehst damit im neunzehnten Jahrhundert, als manche ernsthaft diskutierten, ob Religion nun Opium sei oder nicht, oder ob sie vernichtet gehöre. Bleib lieber bei Pataphysique, die arbeitet nicht mit diesen ollen, luftigen Schwarzweiß-Erwägungen.
Deine Antwort ist nutzlos, wertlos.
pataphysizistisch mithin
a) Komischer Artikel, b) nutzwertlose Antwort, c) pataphysizistischer Dank auf ‘ne Kritik, d) Nagel aufn Kopf, also e) was will man mehr?
(die allerfilosofischste Frage jetzt vorm Schabbojs)
Aristobulus,
ich finde, wir bräuchten noch eine passende Stimme zu: “Deine Antwort ist nutzlos, wertlos”.
Drei Vorschläge:
a.) HAL aus Odyssee 2001
b.) Norman Bates (als seine Mutter)
c.) Klaus Kinski (als Klaus Kinski)
Wie würden Sie entscheiden?
Kleine Antwort zwischendurch zum Sammeln.
Nehm ich!
Ein Silberstreif am Horizont
anti hat die Antwort verpennt!
Oder
wer zu spät kommt,
)
den bestraft der Surfer
(nicht der Bestrafer, wohlgemerkt
Gut so. Der Bestrafer ist ne Wurst. Wer braucht schon Waffen…
Darth Vader (so geraunt wie “ich bin dein Vater, Luke”)
Die dunkle Seite der Macht stark in ihm ist
eine wertvolle, nützliche Erschütterung der Macht ich spüre.
apropos Erschütterung – gehört so was bei “Euch” auch zum Bibelunterricht ???
http://www.kindermusical-ende.de/media/video.php?name=Abraham%202011&file=Abraham-Kurzfilm.flv