Sylvia Löhrmann stellt richtig

Sehr geehrter Herr Buurmann,

Sie kritisieren, Frau Ministerin Sylvia Löhrmann habe gefordert, Unterricht nach Geschlechtern getrennt zu gestalten. Frau Ministerin Löhrmann hat diese Forderung nicht erhoben, vielmehr hat sie ein Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa geführt. Anlass war die Ankündigung ihrer alten Schule, des Mädchengymnasiums Congregatio Beatae Mariae Virginis (kurz B.M.V. genannt) in Essen, nach 360 Jahren erstmals Jungen aufzunehmen. Thema des dpa-Gespräches war die reflexive Koedukation. Die Nachrichtenagentur hat am Montag, 4. Juni, ein Themenpaket bestehend aus Korrespondentenbericht und dpa-Gespräch veröffentlicht.

In dem dpa-Gespräch hat Frau Ministerin Löhrmann gesagt – ich zitiere wörtlich: „Es kommt darauf an, dass wir dem unterschiedlichen Zugang von Jungen und Mädchen zum Lernen gerecht werden“. Weiter heißt es „Dies gehöre zum Anspruch individueller Förderung von Schülern dazu. … Eine komplette Trennung sei für eine gezielte Förderung von Mädchen und Jungen aber nicht nötig.“

Insofern hat Frau Ministerin Löhrmann gerade nicht für eine formale, dauerhafte Trennung der Geschlechter plädiert oder diese gar angeordnet. Gute Schulen praktizieren im übrigen schon heute, wie es geht: Punktuelle Trennung in einzelnen Fächern, je nach Situation der Lerngruppen für eine bestimmte Lernzeit oder geschlechtshomogene Gruppen an Experimentiertischen oder PC’s, ohne dabei die Klasse oder Lerngruppe insgesamt zu trennen.

Frau Ministerin Löhrmann hat in dem Gespräch betont, dass es um die individuelle Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler in genau diesem Sinne gehe. Dabei sind die jeweils eigenen individuellen Zugänge zum Unterrichtsstoff zu berücksichtigen.

Die Berichterstattung hat eine kontroverse Debatte und sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Dabei wurden die Aussagen und Anliegen von Frau Ministerin Löhrmann bedauerlicherweise teilweise verkürzt oder fehlinterpretiert.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Barbara Löcherbach
(Pressesprecherin)

***

Liebe Frau Löcherbach,

vielen Dank für Ihre Reaktion, aber nirgendwo in meinem Artikel “Der grüne Sexismus” habe ich geschrieben, Frau Löhrmann habe eine Trennung der Geschlechter angeordnet. Ich habe lediglich einige Aussagen von Frau Löhrmann untersucht und dabei erschreckende Ähnlichkeiten zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Sexisten entdeckt. Sowas kann passieren, auch wenn frau es gut meint. Ich sprach zudem lediglich davon, dass Frau Löhrmann zu einer temporären Geschlechtertrennung in gewissen Bereichen ermuntert. Ich denke nicht, dass ich da irgendwas aus dem Zusammenhang gerissen habe.

In diesem Sinne: Ich bedanke mich für Ihre Antwort, auch wenn sie keine Antwort auf mein Schreiben ist.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

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2 Antworten zu Sylvia Löhrmann stellt richtig

  1. Paul schreibt:

    Gerd,
    hast Du was anderes erwartet? Mal einen Politiker, eine Politikerin, die zugibt, dass sie im Eifer des Gefechtes mal was Falsches oder Missverständliches gesagt habe?
    Dann wäre er/sie ja ein Mensch wie Du und Ich.
    Ist sie aber nicht.
    Politiker haben immer recht. Ganz besonders dann, wenn sie mal nicht recht haben.

    Deshalb lieben wir sie doch so und die Wahlbeteiligung steigt von Wahl zu Wahl!. :lol:

  2. Danny Wilde schreibt:

    Löhrmann war in der BMV? Ich krieg mich kaum noch ein. Die BMV hat in Essen den Ruf einer elitären Schule. Nicht, weil’s bis anhin ein Mädelgymnasium war. Oder eine katholische Ordensschule. Sondern weil ganz einfach die Lernanforderungen (bisher) überdurchschnittlich hoch waren.

    Vor diesem Hintergrund, also voraussetzend, dass Löhrmann qua Schulbildung allein schon es besser wissen müsste, sind ihre ideologischen Allgemeinplätze umso peinlicher.

    Und wie passt ihre Ideologie zu der ihrer Genossinnen von der Quotenfront?

    Meine Gattin, durch Eigenleistung und knallharte Arbeit erfolgreiche Ärztin, sagt dazu immer: “Frauenquote? Geil. Aber zuerst in die Schützengräben und in die Straßengräben, in den Schienenbau und an die Hochöfen, in die Steinbrüche und unter Tage!”

    Mit Löhrmann wird daraus natürlich nix. Es sei denn, im Straßenbau genügte es zukünftig als Bauarbeiterin, nur gut auszusehen beim Schwitzen.

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