Warum haben sich eigentlich die Schmocks von “Boykott Israel” noch nicht zu Wort gemeldet bei der Debatte rund um das Urteil des Kölner Landgerichts, die religiös motivierte Beschneidung von Jungen unter Strafe zu stellen, eine Debatte, die Henryk M. Broder zurecht als “pornografische Debatte mit maximaler Erregung” bezeichnet?
Wenn Juden in Deutschland die Brit Mila verboten wird, dann gehen sie halt nach Israel und lassen die Beschneidung dort vornehmen. Das heißt aber, dass Dank des Verbotes der Beschneidung in Deutschland, Israel einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den rasanten Anstieg des Beschneidungstourismus erleben wird.
Muss sich da nicht “Boykott Israel” vehement gegen das Verbot der Beschneidung in Deutschland aussprechen? Sollten bei den “Israelkritikern” nicht sofort alle Alarmglocken läuten? Am Ende ist das Urteil zu Köln nichts anderes als eine ganz ausgeklügelte Taktik der Weisen von Zion, Israel mit Devisen zu versorgen? In Köln wurde schließlich die Flagge Israels entworfen und zwar von dem damaligen Kölner David Wolffsohn, der sie anlässlich des zionistischen Weltkongresses 1897 in Basel entwarf. Die Flagge Israels ist ne kölsche Jong! Das schreit doch nach Verschwörungstheorien!
Also, Ihr lieben Israelboykottierenden, Butter bei die Fische, was hasst Ihr mehr: Israel oder die Brit Mila?
Vielleicht findet sich ein gewiefter Geschäftsmann in Gaza, der dorten mit Krediten der Israel-Boykotteure die zukünftige, wunderbare, gloriose, noch nie dagewesene deutsch-exterritoriale Beschneidungsindustrie aufbaut und mit Dumpingpreisen alle überflügelt?
Reklamevorschlag:
“DER BESTE SCHNIPP: IM GAZA-SCHTRIPP!”
Der Beschneider muss doch Jude sein ;-(
wäre was für deren Alibijuden,
Neturei Karta oder ?
…genau, für die oder für die anderen siebeneinhalb völlig Meschiggenen.
Sind mir am Schabbojs noch paar Reklamesprüche eingefallen, denn aufstrebende Araber und freundliche Antizionisten muss man doch unterstützen!, damit da mal ordentlich was vorhaut:
JETZT AUF’S SCHNIBBELN STOLZ WIE BOLLE: AUCH HAMAS UND DIE HISBOLLE!
WENN IHR’S HABT IN GROSS UND BAR: WIR SCHNEIDENS AB!, SO WAHR ALLAH.
MOISCHE, JANKEL, WER AUCH KOMMT, BEFREIEN WIR VOM HÄUTCHEN, HURTIG, PROMPT!
IHR SCHMOCK WIRD UNTER ALLAHS MESSER: GLATTER, SCHEJNER, KOSCHER, BESSER!
HANÍJEH UND DAS BARGELD LACHEN, WENN WIR ZUM SCHMOCK DEN SCHNIESEL MACHEN!
NUR SCHNIPP-SCHNAPP, NIE MEHR *BOMB* UND *SCHIESS*:
IN GAZAS WIRTSCHAFTSWUNDERPARADIEs!
@Aristobulus
Hatte Heinz Erhardt eigentlich Schüler ? Bei deinen Zweizeilern denke ich ja .
Meisterschüler Aristobulus!!
Solange es Haare gibt,
liegen sich die Menschen in denselben.
H Erhardt
A Dank, Hansi
, yep, es soll ‘ne Hommage an Chajmele Erhardt sein, als man noch ranklotzte und in die Zukunft sah
Aso wenn ich noch eine Vorhaut hätte, würde ich sie tätowieren. Sorry Gerd. Heute nur ein extrem hohler Kalauer…
*Tusch* für Özgür. Und hier der Kalauer der Woche: “Sperma die Tür auf, bevor da jemand Vorhaut!”
Das erinnert mich an meine Schulzeit. Was ist die Jungfernhaut?
Die Jungfernhaut ist die Haut, die abhaut wenn die Vorhaut zuhaut.
Bisken viel Polemik drin in diesem Artikel. Und ich glaube kaum, dass eine sprichwörtliche Jüdische Mame mit einem fünf Tage altem Balg sich in den Flieger setzt, während sie sich selbst noch von der Geburt erholt.
Es wird weitergehen wie bisher auch: Ein Mohel wird eingeflogen und macht es im Hinterzimmer oder in einer geschlossenen Veranstaltung in der Synagoge oder ein jüdischer Chirurg macht es nach Feierabend in seiner Praxis.
Man muss am 8 Tag beschneiden. Das ist so wichtig, dass man dafür sogar Schabbat/Chag brechen muss. Verzögert werden darf die Brit nur, wenn das Kind krank ist oder wenn das Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen ist und der 8. Tag ein Schabbat ist. Dann wird nach Schabbat beschnitten.
Pingback: Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev
Darf ich mal etwas zitieren? (falls bereits geschehen, bitte ich um Nachsicht- habe es in den div. Threads hier hedenfalls noch nicht gelesen):
In Wiki lesen wir über die Vorhaut folgendes unter „Funktion“:
“Während des ganzen Lebens hält die Vorhaut die Eichel zart und feucht und schützt sie vor Verletzungen, Reibung und Austrocknung. Reibung (auch durch Kleidung) führt zu Verringerung der Reizbarkeit. Die Vorhaut enthält zahlreiche Meissnersche Tastkörperchen, die durch Dehnung stimuliert werden……” http://de.wikipedia.org/wiki/Vorhaut#Funktion
Und die Analogie zu EINER Art weiblicher Beschneidung:
“Klitorisvorhautreduktion (auch Klitorismantelstraffung) bezeichnet die Kürzung oder Entfernung der Klitorisvorhaut. Die Klitorisvorhautreduktion wird aus kosmetisch-funktionalen oder auch kulturellen Motiven durchgeführt. In seltenen Fällen kann eine medizinische Notwendigkeit vorliegen. Die Klitorisvorhautreduktion der Frau ist anatomisch vergleichbar mit der männlichen Zirkumzision. … Die Entfernung der Klitorisvorhaut wird traditionell bei verschiedenen Ethnien, insbesondere im afrikanischen und arabischen Kulturraum durchgeführt. Der Eingriff wird in diesen Fällen unter die Beschneidung weiblicher Genitalien eingeordnet“ http://de.wikipedia.org/wiki/Klitorisvorhautreduktion
Ergo: Weg mit dieser [i]Unsitte[/i]; wenn die Vorhaut von männlichen Säugetieren unnütz, störend oder gar gesundheitlich bedenklich wäre, hätte sie die Natur sicher nach und nach reduziert bzw. wegdarwininiert.
Im Übrigen wäre es ein falsches Signal an die Muslime, hier zurückzustecken, nur weil auch Juden betroffen sind.
Nun, der Appendix ist auch unnützt, entzündet sich oft und trotzdem hat ihn jeder von Geburt an.
Wart ab, gleich kommt einer und beweist Dir mit medizinischen Fachartikeln, dass der Appendix eine ähm zutiefst emotionale, hormonelle und physiologische Funktion hat, und dass es das Dünndarmsystem, die Darmnerven und gar die Darmflora irreversibel traumatisiere, wenn man den einfach wegschneidet.
Mormonal irgendwie, was hier in den Threads so geäußert wird – so weit ich weiß, waren die Mormonen früher striktest gegen lebensrettende Bluttransfusionen (wegen entsetzliche Traumatisierung des Kreislaufs und des Willen G”ttes), und sie wollten auch keine Blinddarmoperationen.
Ich wart ja noch auf einen Mormonen, der uns hier beweist, wie abartig die Beschneidung sei. Naturfreunde hatten wir ja schon zuhauf.
ich glaube hier verwechselst Du die Mormonen mit den Christian Scientists. (Mormonen sind die Church of Latter Day Saints – keine Ahnung was der Dichter mir damit sagen will;-)
http://www.religioustolerance.org/medical2.htm
…ah ja, die wurden mal Gesundbeter genannt, nicht?
Bei den Mormonen scheint es jetzt anders zu sein. Ich musste auf einer langen, langen, langen Schiffsüberfahrt mal eine alte Mormonin ertragen, die kein anderes Thema kannte als die Todsünde von Eingriffen in den menschlichen Körper und die Minderwertigkeit von Negern (ihre Wortwahl).
Seitdem hatten die Mormonen wohl ein Einsehen oder mehrere.
Der Appendix stellt aber ein anderes Problem dar. Seine chirurgische Entfernung ist mit einem so hohen Risiko verbunden, dass man es nicht einfach prophylaktisch machen kann: dieses Risiko stünde nämlich nicht im Verhältnis zu dem Nutzen, eine zwar absolut häufige, statistisch aber dennoch seltene Entzündung verhindert zu haben. Deshalb ist die Appendektomie auch nur ultima ratio. Anders z.B. bei erblicher Brustkrebs-Veranlagung. Hier hat sich eine unserer Patientinnen mit Ü40 zu einer Brust-Total-Entfernung durchgerungen, nachdem ihre jüngere Schwester an Mamma-CA erkrankt war und ansonsten Mutter, Großmutter, Tanten, alle weibl. Vorfahren Brustkrebs hatten.
Die humoristische Aufarbeitung in diesem Thread finde ich allerdings lustig (besonders, Aristobulus zu heinzerhardisieren).
Zu der Sache selbst habe ich eine private Meinung (Genitalbeschneidungen, welcher Art, welcher “Gründlichkeit”, bei welchem Geschlecht auch immer: archaisch!); die juristische Bewertung des vorliegenden Falles habe ich aber noch nicht gelesen.
Sollte es in die Richtung gehen, wie FreeIran weiter unten gestern um 10:26 p.m. kommentiert hat, dann sollte dieses Urteil im besten Falle der Ausgangspunkt dafür sein, die weibl. Genitalverstümmelungen stärker strafrechtlich zu verfolgen.
Da ich keiner der hier betroffenen Religionen angehöre, weiß ich auch nicht, wie ich als Jude oder Moslem darüber denken würde. Necla Kelek kommentierte aus muslimischer Sicht in der “Welt” am 28.6.12, die Beschneidung von Jungs sei ebenso archaisch und gehöre ebenso geächtet wie die bei Mädchen; “ein unnützes Opfer für Allah”. Zumindest im Islam scheint nach Kelek die Zirkumzision NICHT im Koran vorgeschrieben zu sein.
Als damals noch Kirchenmitglieder jedenfalls haben wir unserem Sohn die Entscheidung zur Taufe selbst überlassen, weshalb er nicht getauft war, bis er eines Tages sagte, jetzt wolle er es.
Wäre so etwas im Ermessensspielraum jüdischer, moslemischer Eltern? Wäre so etwas eine gangbare Alternative, welche das Individuum samt seiner selbstgetroffenen Entscheidungen in den Mittelpunkt stellte? Und nicht die Submission? Oder steht die Idee des Individuums als solche bereits in unauflöslichem Widerspruch zum Monotheismus?
Jedenfalls erscheint mir das Hyperventilieren in der Richtung, so habe das auch bei den Nazis angefangen, in diesem Zusammenhang a bisserl weit hergeholt, selbst angesichts des kommentatorischen Irrsinns etlicher Vollverstrahlter, den Kaufmann und Buurmann dokumentierten. Ich bin ganz sicher, dass gerade das nicht die Motivation der Kölner Richter war. Selbst wenn sie in Köln richteten.
Da gibt es jedenfalls ganz andere Anhaltspunkte für den europaweit anwachsenden Judenhass. Und der größte Judenhass kommt ja nicht zuletzt von den Angehörigen dieser anderen beschneidungsfrohen Religion.
A propos Taufe: Rainer Bonhorst hat auf der Achse sehr lustig darüber abgelästert: Körperverletzung wg. kalt, wg. nicht zertifizierten Taufwassers, das womöglich schon brackig ist, etc. pp. – dem durchregulierenden Gesetzgeber wäre sogar zuzutrauen, das Taufritual aus eben diesen satirisch gemeinten Gründen zu verbieten. So what? Macht man’s halt symbolisch!
Diese ganzen Überlegungen ändern aber nichts daran, dass praktizierende gläubige Juden jetzt ein Problem haben, so sie hier, in Deutschland, Eltern eines Jungen werden. Deshalb kann ich von Glück sagen, dass meine o.g. Meinung nur die meine ist. Und nur für mich gilt. Da bin ich fein raus, verglichen mit den Kölner Richtern (denn die hatten, angesichts des verhandelten Falles mit den mehrfachen postoperativen Komplikationen, möglicherweise gar keine andere Wahl).
Nein, es wäre kein gangbarer Weg. Kein unbeschnittener Jude dürfte seine Bar Mitzwa feiern, keiner dürfte zur Thora aufgerufen werden, keiner am Sederabend teilnehmen. Es hat Konsequenzen, daher ist es kein gangbarer Weg.
Letztendlich werden sich Juden, wenn das BVG auch so entscheidet, nicht mehr in Deutschland leben können.
http://www.cicero.de/salon/toleranz-gehoert-nicht-zu-deutschland-beschneidungsurteil/49859
“Mit seiner Entscheidung zum Beschneidungsverbot hat das Landgericht Köln eine Kontroverse ausgelöst. Der Staatsrechtler Hans Michael Heinig bezeichnete das Urteil als „rechtlich, kriminalpolitisch und religionspolitisch verfehlt“. Das Elternrecht zur religiösen Erziehung werde darin nicht hinreichend berücksichtigt, sagte Heinig. „Das Gericht bemüht antireligiöse Stereotype, etwa mit der These, die religiöse Zugehörigkeit entspreche nicht dem Kindeswohl; vielmehr könne erst der heranwachsende Junge selbst über die Beschneidung entscheiden.“
Als bedenklich bezeichnet es der Rechtswissenschaftler, dass in der Kölner Entscheidung die Beschneidung mit der Prügelstrafe gleichgesetzt werde. Damit trage das Landgericht dem Ausgleich der Grundrechte nicht hinreichend Rechnung.
Kriminalpolitisch sei es unsinnig, ausgerechnet den Arzt zu kriminalisieren, sagte Heinig, der Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Denn mit der Abdrängung der religiösen Beschneidung in die Illegalität drohe die Einschaltung von Pfuschern. Dann seien echte Gesundheitsrisiken für die Kinder zu befürchten.
Fragwürdig sei das Beschneidungsurteil auch aus religionspolitischer Sicht, sagte Heinig: „Welches Signal geht denn in Richtung Judentum aus, dass ausgerechnet in Deutschland nun ein strafrechtliches Beschneidungsverbot bestehen soll?“ Auch sei zu fragen, was dieser „Triumph antireligiöser Eiferer“ für jene Muslime bedeute, die in hohem Maße integrationswillig seien, aber bestimmte religiöse Traditionen doch pflegen wollten.”
http://www.ksta.de/politik/religionsfreiheit-scharfe-kritik-an-beschneidungs-urteil,15187246,16489174.html
Es wurde auch nicht gesagt, daß man den Wurmfortsatz prophylatisch entfernen solle, sondern das er auch ein Überbleibsel ist, der keinen Nutzen hat.
Reden wir doch mal Tacheles: Ich finds sehr erstaunlich: Dtl. ist eines der kinderfeindlichsten Länder überhaupt, keiner will Kindergärten, Spielplätze oder gar Kinder als Nachbarn haben, die Geburtsrate ist hier so niedrig wie in keinem anderen europ. Land. Und ausgerechnet beim Thema Beschneidungen entdecken viele Deutsche ihre Kinderliebe?!
Sry, aber ich nehme ihnen das nicht ab. Wenn nicht Moslems oder Juden ihre Jungen beschneiden würde, wäre das Geschrei nicht annähernd so groß. Darauf wette ich.
Das ist aber ein anderes Thema. Die Reaktionen des eifernden Publikums mögen da ansatzweise MITgetriggert sein durch den immer offener hervortretenden Judenhass (aka Israelkritik).
Ganz und gar widerwärtig und unerträglich.
Allerdings kinderfeindlich? Noch ein gaanz anderes Thema. Aber glauben Sie mir: Häuser in sogenannten “besseren” Wohngegenden, in denen eher jüngere Eltern leben mit eher ein bis mehreren Kindern, erzielen auf dem Immo-Markt bessere Preise.
Du willst doch nicht sagen, Dtl. wäre Kinderfreundlich?
ich meine, mal gelesen zu haben, daß Italiener noch weniger Kinder kriegen als wir
falsch, die Italiener scheinen aufgeholt zu haben, aber Monaco hat noch weniger als wir
http://www.indexmundi.com/map/?v=25&l=de
…die wollen halt nur rumspielen, die Monegassen
Schula, ja, ich sehe das doch genau wie Sie. Weshalb das Urteil selber sicher auch problematisch ist. Allerdings muss ich mich über des Staatsrechtlers Kommentar wundern, denn bislang hatte ich in dem Glauben gelebt, Gerichtsurteile in der Bundesrepublik seien NICHT politisch.
Bzw. wenn sie es denn wären, dass man nur diesen Umstand zu kritisieren hätte. Aber das sind ja Spitzfindigkeiten.
Dennoch hat das Urteil, da es nun ja rechtskräftig ist, möglicherweise eine politische Dimension. Denn um die diskriminierungsfreie Religionsausübung sicherzustellen, wäre der Gesetzgeber gefragt. Ich glaube, es war sogar Tobias Kaufmann selbst (oder David Harnasch?), der die Auffassung vertrat, dass eine klare gesetzliche Regelung über Zulässigkeit (medizinische, religiöse Gründe) und Durchführung einer Zirkumzision incl. medizinischer Details eine gute Lösung darstellen könnte.
Der von mir sehr geschätzte Zettel hat übrigens vor ein paar Tagen eine höchst lesenswerte “Marginalie” dazu geschrieben – und die Unmöglichkeit erwähnt, für sich selbst zu einem abschließenden Urteil zu kommen. So geht es mir eben auch.
Jedenfalls, um zum Schluss zu kommen: ja, auch das war mir klar, dass der Wurmfortsatz ein nutzloses Überbleibsel ist. Die Vorhaut jedoch – und das sage ich als Träger einer Halben (als Baby Phimose…) – kann ich ganz und gar nicht als nutzloses Überbleibsel bezeichnen! Der Vergleich jedenfalls hinkt wie ein Lahmer auf Krücken.
Für mich ist es ein großes Glück, hier diskutieren zu können. Und eine solche Frage nicht entscheiden zu müssen.
Danny, eben diese Ungleichheit der Ebenen, Unvergleichbarkeit der Kontrahenten scheint mir die Wurzel des Konflikts (nur jetzt für die Juden gesprochen, nicht für die Moslems, denn deren Beschneidung findet a) viel zu spät und b) deswegen unter völlig unnötigen Schmerzen statt): Also, da will ein deutsches Gericht mal so entscheiden, ob die Juden nun Beschneidung durchführen dürfen, und die Entscheidung lautet: Der’s tut, ist kriminell.
Wenn Du mich fragst: Unerträglich. Das Judentum hat den Individualismus erfunden und die Wissenschaftlichkeit, vom Judentum geht weder Gewalt noch Missionierung aus, und es geht dort Trotz merkwürdiger Bräuche (wer außer Juden/Jüdinnen weiß schon, warum man manchmal so mit einem Lulaw raschelt?, und was ist überhaupt eine Bessomimbüchse?) im Judentum seit je her zivilisiert, gesittet und amüsant zu, sogar bei so exotischen Juden wie Jemeniten oder den Bergjuden aus Mittelasien (gebildete Leute dabei, sogar bei den Falascha aus Äthiopien).
In Deutschland leben Juden seit spätestens dem vierten Jahrhundert. In Köln justement besteht seit tausendsiebenhundert Jahren eine jüdische Gemeinde – im vierten Jahrhundert lebten da noch nichtmal Ripuarier, die späteren Rheinländer, nur Kelten, Römer, paar Griechen – und eben Juden.
Und nun will ein deutsches Gericht, ja grad ein Kölner Gericht darüber befinden, dass die Beschneidung, für die im Judentum seit je her tausend Gründe sprechen (und keiner dagegen!), eine Straftat sei?!
So weit zu dieser Unverschämtheit. So weit über diese Entscheidungs-Sucht des Gerichts… ahnungslose Normierungssucht so aus der Lamäng, wenn mich einer fragt.
P.S.
Der General Ulyses S. Grant hat als Oberkommandierender der Nordstaatenarmee im amerikanischen Bürgerkrieg, bevor er später Präsident wurde, Juden deportieren lassen. Das gilt dort als Gräueltat, die absolut nicht zum amerikanischen Selbstverständnis passt – und sie ist das einzige major incident dieser Art im ganzen riesigen Land in über zweihundert Jahren. Grant hat es später sehr bedauert, hat sich für Juden eingesetzt, und er hat energisch dei Befreiung der Schwarzen im Süden weiter vorangetrieben und eine positive Indianerpolitik verfolgt. Trotzdem klebt ihm diese eine Judendeportation im Bürgerkrieg seitdem als hässlicher Fleck auf der Weste.
Vergleich diese Weste mal mit der Weste der Deutschen. Nu ja, kann man nicht machen… und weil man’s nicht machen kann!, fällt ein deutsches Gericht nun auch noch sone Entscheidung?!
@Ari
“Wenn Du mich fragst: Unerträglich. Das Judentum hat den Individualismus erfunden und die Wissenschaftlichkeit…..”
Du hast was vergessen: Das Judentum hat auch die Bescheidenheit erfunden
Bescheidenheit ist eine Zier,
doch weiter kommt man ohne ihr
(Rebbe Nachman)
Lieber Aristobulus, eine – wie fast immer von dir – erhellende und weiterführende Antwort.
Trotz der Hitzigkeit der Diskussion musste ich doch ziemlich grinsen, mit den eigenen – liberalen – Waffen geschlagen zu werden! Watt ne Frechheit und wohl leider nicht zu kontern…!!
Dennoch möchte ich es mir immer noch nicht antun, dieses Urteil als ein explizit gegen das Judentum gerichtetes zu sehen. Allerdings, wohl eher, als ein nicht zuende gedachtes. Und zwar, falls das stimmen sollte, grandios gescheitertes nicht zuende gedachtes Urteil.
“Also, da will ein deutsches Gericht mal so entscheiden, ob die Juden nun Beschneidung durchführen dürfen, und die Entscheidung lautet: Der’s tut, ist kriminell.
Wenn Du mich fragst: Unerträglich.”
Dito. Wenn es denn so gewesen wäre. Aber es war ja nicht so. Es lag bei dem mit erheblichen Komplikationen (Nachblutungen, Entzündung etc.) verbundenen Beschneidungsvorgang an einem 8-j. Jungen de facto und de jure eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit vor. Eine andere Sichtweise als eben diese würde nichts anderes bedeuten, als die ohnehin schon löchrigen Patientenrechte weiter zu minimieren.
Andererseits hast du recht mit deiner Interpretation, denn die drängt sich ja geradezu auf.
Was an meiner privaten Haltung zu dem Thema “Beschneidung” (und nicht etwa deren gesetzgeberische oder juristische Regelung) zwar nichts ändert, aber ich hatte ja schon zuvor darauf hingewiesen, dass mir klar ist, hier keine allgemeingültige Beurteilung abgeben zu können.
Hat eigentlich irgendjemand hier mal das Urteil präzise juristich abgeklopft? Ob es in dieser Konsequenz tatsächlich auch auf’s Judentum anzuwenden sei?
Beschneidung verbieten kann doch nur der Gesetzgeber!? Das letzte Wort ist sicher noch nicht gesprochen!
Danny,
es ist richtig, was Du schreibst – zumal Du den achtjährigen Jungen erwähnst, der Schmerzen, Nachblutungen usf. hatte. Danke dafür. Er war bereits in Vergessenheit geraten, und das kann ganz sicher keiner wollen.
Das Gericht schlug sich auf seine Seite, nicht? Völlig richtig, das muss man so tun.
Allerdings wurde das Urteil dann ein generell Beschneidungen abschaffend wollendes, und das macht es zu einem inadäquaten, voreiligen, fehlgegangenen (und zu dummen) Urteil.
Man hat sich nichts einfallen lassen, um a) dem Jugen Recht zu geben (hat er ja!, der hat verdient, Recht zu bekommen), UND um b) weder Juden noch Moslems (oder Eskimos) in ihrem So-Sein zu reglemtieren.
Aber wer weiß: Vielleicht war es kein Flüchtigkeits fehler, kein mangelndes Wissen oder fehlender Weitblick, sondern doch so gewollt.
Grad so.
Normierung aller Schwänze, die anders zu sein wagen, nach Brüsseler Vorbild für Käse usf. …
Wir werden ja sehen, wie’s weitergeht. Wegen dieses einen Landgerichts-Urteils könnte nun eine andere deutsche Staatsanwaltschaft jüdische Eltern anklagen, die ihren Sohn beschneiden ließen. Oder noch mehr moslemische Eltern. Oder Schulärzte werden in Zukunft ganz genau hinsehen – besonders bei Moslems und Juden? Beim Kleinkinderschwimmen werden BademeisterInnen ein sorgsames Auge drauf haben, wer “körperverletzt” sein könnte? Grässlich
@Interessent
Sie sollten Ihre Hausaufgaben machen. Die Beschneidung von Jungen ist viel älter als das Judentum. So wird es nix mit Ihren merkwürdig bemühten Kalauern.
@Schula
“Die Beschneidung von Jungen ist viel älter als das Judentum.”
Ich habe auch nirgends das Gegenteil behauptet.
Meine obige Bemerkung bezog sich auf Ari, der in seiner bescheidenen Art uns Unwissende nicht nur darüber aufklärt, dass der Individualismus und die Wissenschaftlichkeit vom Judentum erfunden wurden, ohne welches die Menschheit heute noch in finsterstem Aberglauben kollektivistisch dahindämmern würde,
sondern der darüber hinaus in seiner ihm eigenen Stringenz darlegt, warum es eine Unverschämtheit ist, dass ein Kölner Gericht gemäß deutscher Rechtsnormen befindet anstatt selbstverständlich nach jüdischem Recht: Schließlich sind die teutonischen Klotzköppe erst lange nach den schon seit dem 4. Jahrhundert in Köln ansässigen Juden in ebendieser Stadt aufgetaucht.
Um es also mit der ebenfalls vom Judentum erfundenen Großzügigkeit zu sagen: die Kölner sollten mal froh sein, dass sie sich überhaupt selbst verwalten dürfen. Und ein wenig mehr Demut zeigen.
Heya Schula, der Interessent hat aber watt janz anderes geschrieben….!! Beschneidung, Bescheidenheit….
Ob der Aristobulus dann auch gemeint hätte, ohne ihr käme man weiter…??
Ja, ja, Interessent so kann sich man auch Falschinfos im Nachhinein zurechtbiegen.
Woher kommt eigentlich Ihr falscher Nick? Interesse außer Besserwissen habe ich noch nicht bei Ihnen vernommen.
@Danni, ja richtig. Soll er´s vergessen, aber meine Frage nach dem Nick bleibt bestehen.
Im Grunde ist das auch alles egal. Denn es geht nur darum, dass diese Typen ihr Bashing gegen Religionen betreiben können. Etwas anderes haben die ja nicht zu tun. Wir wollen ja nicht, dass die sich zu tote langweilen.
Interessent,
was soll überhaupt Deine Maskerade? Laaangweilig und ganz schön eitel ist die. Schreib gefälligst als der, der Du bist, wenn ich bitten darf, sonst kann man Dich wohl kaum Ernst nehmen.
Ich habe nichts über gojische oder teutonische Klotzköppe geschrieben (aber Du. Was sagt uns das?)
Feststellen, wer schon sehr lange hierzulande ansässig ist (und alle, alle waren sie beschnitten über tausendsiebenhundert Jahre!) werd ich wohl noch dürfen, ohne dass Du die Nationalistenkeule rauskehrst.
Das Kölner Urteil ist nicht gegen Juden gerichtet, sondern einfach eine logische Folgerung aus der dt. Gesetzgebung. Grundsätzlich gilt jeder Eingriff in die körperliche Unversehrtheit definitionsgemäß als “Körperverletzung”. Dies gilt z.B. auch für
# Schönheitsoperationen
# Blutabnahmen
# ja sogar für einfache Berührungen!
Solche “Körperverletzungen” bleiben i.d.R. dann straffrei, wenn die Zustimmung des Betroffenen vorliegt. Bei medizinischen Eingriffen muß vor der Zustimmungserklärung zusätzlich eine Aufklärung über mögliche Folgen (Komplikationen) erfolgen. Beispiele: Wenn vor einer Berührung (z.B. um ein Haar auf der Kleidung zu entfernen) gefragt wird: “Darf ich Sie berühren?” bleibt das nach Zustimmung folgenlos.
Oder: Vor einer Blutentnahme müßte strenggenommen der Patient aufgeklärt werden, dass eine Infektion, eine Sepsis, eine Nachblutung etc. auftreten kann; anschließend muss der Patient der geplanten Blutabnahme zustimmen. In der Praxis wird das natürlich meist nicht so genaugenommen. Geht bei dem Eingriff alles gut, kräht ja auch kein Hahn danach. Gibt es aber Komplikationen und kommt die Sache vor Gericht, dann muss der Richter erstens prüfen, ob eine “Körperverletzung” erfolgt ist. Im zweiten Schritt muss er prüfen, ob vorher Aufklärung und Zustimmungserklärung erfolgt sind. Liegt kein eindeutiger Kunstfehler vor, dann hängt die Strafbarkeit des “Körperverletzers” einzig und allein davon ab: Wurde aufgeklärt und hat der “Verletzte” zugestimmt? Vielleicht konnte ich ein wenig zur rechtlichen Einschätzung beitragen.
Der oben verlinkte Broder schrieb allerdings:
“Es kann passieren, dass ein Mann, der im Jemen zwei Frauen geheiratet hat, beide bei der deutschen Sozialversicherung anmelden darf. Es wird sich aber kein Standesbeamter finden, der Polygamie oder Bigamie amtlich absegnen würde.
Und würden die in Deutschland lebenden Hindus – gehört der Hinduismus eigentlich auch zu Deutschland? – den Wunsch äußern, ihre Witwen verbrennen zu dürfen und dies mit dem Hinweis auf eine lange religiöse Tradition begründen, würde man ihnen umgehend die Grenzen der religiösen Toleranz klar machen.
Auch das Argument, die Beschneidung werde seit Tausenden von Jahren praktiziert, taugt nicht viel. Im Laufe der Jahrtausende sind viele Bräuche aus der Mode gekommen.
Zu sagen: “Das haben wir schon immer so gemacht, wo kämen wir denn hin, wenn wir jetzt damit aufhören würden?” ist so idiotisch wie das Argument: “Das haben wir noch nie gemacht und dabei bleibt es!”
ô ô
~~~
Böser, böser Broder!
Ach, der schon wieder.
Das ist doch wieder der Nathan (hurra, ein interessantes Zweitpseudonym).
Broder argumentiert liberal, kann man ja machen. Denn er will nicht, dass Andere analog auf alten Bräuchen bestehen, nur weil sie alte Bräuche sind.
Wer ist Nathan und was soll das Spiel?
Was das Spiel bedeuten soll, weiß nur dieser: http://paxdiaboli.wordpress.com/
Ist Anti3anti “I love Jews”, der hier manchmal sehr, manchmal weniger rumspukt. Ganz selten hat er sogar mal Charme.
Wenn es der ist, verstehe ich das noch weniger.
Yael,
dann will ich das mal ausklamüsier’n, wissend, dass ich das nicht kann.
- Es war dann gegen uns gemünzt, weil wir immer so schrecklich religiös argumentieren?
- Oder es war gegen Brodern gemünzt, weil er immer schrecklich unreligiös argumentiert?
- Oder es war für Brodern gemünzt, aus dem ersten Grund, oder auch aus dem zweiten und einem anderen?
- Oder böser Broder soll ein Anagramm von ‘Öse oder Brrr’ sein, und das bedeutet was, oder was Anderes?
…Tja, neulich hat er (nicht der Broder jetzt) das auch so gemacht, und als Folge entspann sich ein Kommentarstrang von über 200, der darum ging, was er nun womit gemeint haben könnte oder würde, wenn.
Man konnt’ da viel lernen. Über Pataphysik. Aber nicht von ihm! Obwohl er Pataphysiker ist.
Den Widerspruch von diesem und überhaupt von’s Janze jetzt, den ich eh nicht verstehe (vielleicht Du?), löst man vielleicht auf, indem man nochmal über obiges Rätsel für, gegen, mit oder neben Brodern als Öse für den Pilpul nachdenkt. Sofern.
Gut Nacht!
Dann sollte man den in Zukunft unter dftt ablegen.
Yeppesen, sollte man.
Den Nathan als solchen aber nicht, denke ich… denn der ist immerhin nicht doof, und er hat Spaß am Aufstacheln (wohl mim’ Akzent auf Spaß am Dawkesein), und er musste hier schon viel einstecken
das hier ist gerade bei meinen Abos aufgetaucht.
Einer der Diskutierenden ist dieser Putzke
ich glaube nicht,daß ich mir das antun werde, doch der Vollständigkeit halber, hier iss es
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-forum/rueckschau/-/id=660194/nid=660194/did=9761440/1w4ua5b/index.html
“Wenn Juden in Deutschland die Brit Mila verboten wird, dann gehen sie halt nach Israel und lassen die Beschneidung dort vornehmen. Das heißt aber, dass Dank des Verbotes der Beschneidung in Deutschland, Israel einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den rasanten Anstieg des Beschneidungstourismus erleben wird.”
Gerd, das ist eine falsche Schlussfolgerung. Es wird keinen Tourismus nach Israel geben, sondern Juden werden dieses Land vermehrt verlassen. Manchen hier wird das freuen.
Yael, Gerd hat gnadenlos gespottet, um zu zeigen, dass das alles Wasser auf die Mühlen deren ist, die lieber keine Juden hierhaben wollen (wie Du erwähnst), und dazu eine Stärkung von BDS-Gewaltigen, die weder Juden hier haben, noch sie in Israel haben wollen.
Früher hieß es: Juden ab nach Palästina!
Heute heißt es: Juden raus aus Palästina!
Für manche gilt sogar Beides. Ähm. Räusper. Hmm?! *kopfkratz*
- À propos, allen, denen es wichtig ist, ein großes Maseltov zum Forth of July!