Nachdem der Papst eine einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin Titanic erwirkt hat, weil er auf dem aktuellen Titelblatt mit Exkrementen beschmiert dargestellt wird, hat sich jetzt auch ein CSU-Politiker zu der Angelegenheit geäußert. Thomas Goppel sagt: “So geht man mit Menschen nicht um, mit dem Papst schon gar nicht.” Das sei eine dekadente Art und Weise des Umgangs mit Persönlichkeiten, unabhängig davon, um wen es sich handle. Goppel beklagte, Fischer wisse nicht, was sich gehöre und er beleidige nicht nur den Papst, sondern die ganze Kirche. Jemandem, der so handle, würde er persönlich “die Lizenz zum Schreiben entziehen.”
Schreibverbot? Zensur? Harte Worte! Thomas, ich glaub es goppelt! Die Zeitung WELT schreibt dazu: “Der Sprecher der Christsozialen Katholiken (CSK) in der CSU, Thomas Goppel, hat “Titanic”-Chefredakteur Leo Fischer wegen des aktuellen Papst-Titelbilds des Satiremagazins scharf attackiert.” Die Überschrift des Artikels lautet: “CSU-Politiker Goppel greift “Titanic”-Chefredakteur an.”
Angreifen und scharf Attackieren sind auch ziemlich harte Worte. Wenn ich jedoch diese Begriffe höre, dann muss ich nicht an Thomas Goppel denken, sondern zunächst an den Karikaturisten Kurt Westergaard, der in seiner Wohnung in Dänemark überfallen und mit einer Axt scharf angegriffen wurde, weil einem Gläubigen seine Zeichnung von Mohammed nicht gefallen hatte. Ich muss auch an Theo van Gogh denken, der auf offener Straße in den Niederlanden von einem Gläubigen angegriffen und ermordet wurde.
Aber wenn es die Christen eben nicht besser können mit dem Karikaturenstreit und einfach keine geilen Bilder liefern mit brennenden Titanic-Ausgaben, brennenden Leo Fischer Puppen, christlichen Axtmördern und marodierenden Massen auf den Straßen, dann muss die WELT eben ein bißchen übertreiben.
Soviel ist jedenfalls klar: Die CSU Fatwa für Arme gegen Leo Fischer hat schon jetzt für einen weit größeren Medienhype gesorgt als die mörderische Fatwa, die vor gut zwei Monaten gegen den in Köln lebenden Musiker Shahin Najafi verhängt wurde.
Es kommt eben immer auf die Maßstäbe an.
Ich zum Beispiel finde die Verächtlichmachung von lebenden Person deutlich schlimmer als geschmacklose Witze über Menschen, die schon lange tot sind, selbst wenn es sich bei den Figuren um Abraham, Jesus oder Mohammed handelt, und ja, liebe Christen, tut mir leid, ich weiß, Jesus lebt! Jedenfalls in Eurer Welt. Wir haben eben alle andere Maßstäbe, selbst was den Tod betrifft.
Es macht eben auch einen Unterschied, von wem es kommt.
Von iranischen Mullahs erwarten wir fast nichts anderes als Todesfatwas. Von muslimischen Terroristen sind wir Fanatismus gewöhnt.
Aber daß der Vertreter einer Regierungspartei in Deutschland sich im Streit zwischen einem ausländischen Staatsoberhaupt und einem deutschen Presseerzeugnis flugs auf die Seite des Ersteren schlägt, ist schon ein starkes Stück. Wird das jetzt Regierungspolitik? Und dieses Gefasel von der “Lizenz zum Schreiben” läßt jede Kenntnis von Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit vermissen – wobei leider auch das LG Hamburg diese Grundrechte wohl übersehen hat: http://mosereien.wordpress.com/2012/07/11/papst-benedikt-xvi-gegen-titanic/
Jede Darstellung eines Menschen, der die Kontrolle über seine/ihre Schließmuskulatur verloren hat, würde ich nicht gern sehen. Im Radio hat man mir erzählt, daß der Papst als persönlich Beleidigter geklagt hat und nicht als Papst – falls das stimmt bin ich voll und ganz auf seiner Seite.
Erstaunlich finde ich nur, daß ich, hätte Titanic den Papst beim Sex gezeigt, ich vermutlich lachen würde.
Hängt das damit zusammen, daß ich lese, daß im Fernsehen (ich habe keins) alle möglichen und unmöglichen Varianten von Sex freimütigst diskutiert werden, hingegen Gespräche über Ausscheidungsprobleme immer noch weitestgehendst nur gender-segregated im Privaten stattzufinden scheinen und selbst da noch mit Schamzonen gespicktes vermintes Gelände sind.
Falls Darstellungen von wie wir Ausscheiden wirklich unser letztes Schamrefugium sein sollten, würde ich selbiges gern behalten, denn eine Gesellschaft so ganz ohne Scham scheint mir, (vielleicht bin ich da irrational?), nu doch nicht wünschenswert. (Außer Sex entschämen, gab’s ja auch noch Greed is Good als erfolgreiches Beispiel.)
Die einzigen Bilder von “Inkontinenten”, an die ich mich erinnere, waren Bilder von Gefolterten und da hing es sehr von der Art des Blickes ab, ob “mein Bauch” sie zulässig fand oder nicht.
PS: Wie wär’s mit einer analogen Liste von sieben Tugenden, denen wir uns inmitten all der “Freiheit” befleißigen wollen? – (Liste lt. meinem ersten Google-Fund)
1. Stolz (Superbia),
2. Geiz (Avaritia),
3. Neid (Invidia),
4. Zorn (Ira),
5. Wollust – Unkeuschheit – (Luxuria),
6. Völlerei – Gefräßigkeit, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht – (Gula),
7. Faulheit (Acedia).
Silke,
finde ich auch. Die Titanic, so gut ich die sonst finde, hat es voll daneben getroffen. Wer kann über Darstellungen inkontinenter Alter lachen? Schulhofhumor. Dann lacht man unter seinem Niveau.
Schade, dass Thomas Goppels Kritik so dumm und falsch überzogen gewählt ist. Soll er sich aufregen, aber soll er nicht mit Entzug von irgendwas drohen. Er hat niemandem was zu entziehen.
Offtopic:
Lieber Gerd Buurmann,
es ist natürlich Ihre Sache, wen Sie verlinken, aber was bei der Mädchenmannschaft teilweise geschrieben wird, lässt mich rotierend kotzen und die haben mMn Ihre verlinkung nicht “verdient”:
“[W]ie die Jungle World ein erneutes Tief an propagandistischen Journalismus erreicht und die Kritik an Pinkwashing mit plumpen Lügen, bewussten Auslassungen und Manipulation von Fakten zum Verstummen zu bringen will”: Darüber haben Yossi und Liad für linksunten letzte Woche einen sehr guten Text geschrieben, in dem es um Pinkwashing geht.”
http://maedchenmannschaft.net/unsichtbare-sportlerinnen-und-das-natuerliche-rasierbeduerfnis-kurz-verlinkt/#comment-187453
https://linksunten.indymedia.org/de/node/63316
Schöne Grüße
Zara the Mysterious – kann mir einer übersetzen, was der Gute mitteilen will?
Oder will er gar nix mitteilen, sondern nur rumstänkern?
Liebe Zara,
Die Mädchenmannschaft ist ein Blog mit diversen politischen Ansichten, die sich aber im Feminismus trifft. Manche Artikel sind gut, andere schlecht. Einige AutorInnen der Mädchenmannschaft sehen sogar in mir einen Menschen, den man öffentlich verurteilen darf, ohne ihn zu Wort kommen zu lassen. Hier zeigt die Mädchenmannschaft ihre schlechteste Seite. Aber die Mädchenmannschaft hat auch sehr gute Seite. Daher lasse ich die Verlinkung stehen, denn ich versuche mich immer nach oben, also an die guten Vorbilder zu richten, statt mich nach unten, also an die schlechten Seiten zu orientieren. Wenn ich die Verlinkung löschen würde, wäre ich auch nicht besser als die Mädchenmannschaft in schlechten Zeiten. Ich bin lieber wie die Mädchenmannschaft in guten Zeiten.
Alles Liebe,
Gerd Buurmann
Danke für die Antwort.
Schöne Grüße
ich sehe gerade in dem Link, daß Dir Gerd hier einer der besseren Freud’schen gelungen ist oder war es gar Absicht, weil Du keinen Krach mit den Irakis wolltest?
Im Irak ist Homesexualität verboten,
PS: Bevorzugen sie interessantere Plätze und falls ja, welche?
LOL!
Sex ist im Irak nur auf Homepages erlaubt
Nur Homeboys mit Homeboys…
…mais seulement en dose homéopathique
OT
weil ja immer wieder behauptet wird, Juden sei es unter muslimischer Herrschaft soooo gut gegangen – 1826 war doch ein paar Jährchen NACHDEM Napoleon in Sachen Judenemanzipation tätig gewesen war??? “Meine” in Sderot lebende ex-MENA-Jüdin-Netz-Gewährsfrau Sylvia erwähnte hie und da Ähnliches und zwar noch im Jahr 2012.
William Schaller, US consul general in Algiers in 1826, had this to say about the Jews:
“Special punishments were reserved for Jews: burning at the stake, tearing the flesh from the skin, hanging with spikes, death by drowning for women. The numbers and wealth of Jews continue to dwindle and today I believe the Jews of Algeria are among the most wretched of Israel. Muslims and Christians who walk at night must carry an illuminated lantern, but a Jew must carry a naked flame, as they must always be humilated and treated differently.
“There is no outrage and abuse to which these miserable children of Israel are not exposed. They are prohibited from speaking or reading Arabic, lest they are able to read the divine Koran. They are not allowed to ride horses, only mules and donkeys; they must take their shoes off when passing a mosque; they dare not come close to a well or fountain while a Muslim is drinking thereof; they must never sit before a Muslim.”
Übrigens: Nachdem die Franzosen ab 1830 Algerien langsam in ein département d’outre mer verwandelten, hörten diese Diskmiminierungen mit sofortiger Wirkung auf. (Nach der algerischen Unabhängigkeit 1960 nahm man das dort den Juden wieder sehr übel…)
1840 hatte in Damaskus ein Pogrom gegen Juden stattgefunden (furchtbare Szenen haben sich abgespielt), die alte Beschuldigung (blood libel), dass Juden nichtjüdische Kinder wegen des Blutes schlachten, gab den Auslöser.
Nachdem die Franzosen ab 1830 Algerien langsam in ein département d’outre mer verwandelten, hörten diese Diskmiminierungen mit sofortiger Wirkung auf.
glaube ich nich, hie und da vielleicht in Städten, wo ein entsprechend Gepolter hinguckte und hingucken konnte, doch allüberall ist es wider alle Wahrscheinlichkeit.
Schau mal sogar in Deutschland gibt es No-Go-Areas und um die Schule in Berlin sollen Leute mit Maschinenpistolen zum Schutz drum-rum-laufen und diese Synagoge, von der die Wachendorff das Blättchen bezieht, läßt zum “Service” nur Vorangemeldete rein. Kann sein, daß Letzteres ist, weil Juden so exklusiv sind, glaube ich aber irgendwie nicht. Für mich hört es sich wie eine einfache bürokratische, doch vermutlich gegen viel schützende Sicherheitsmaßnahme.
Und wenn es real 130 Jahre aufgehört gehabt hätte, dann wäre es nicht 1960 wieder da gewesen. It takes 3 generations to make a lady sagen die Anglos und ich glaube, daß da was dran ist.
Ich glaube, daß “das” und die offenbar wundervollen Schulen, die die Franzosen unterhalten haben, parallel nebeneinander existierten.
Unter den Franzosen wurden zumindest keine diskriminierenden Erlasse publiziert, und sie haben Menschenrechte durchgesetzt (nu ja, halb und halb, es brach nicht das Paradies an, grad für moslemische Frauen auf dem Land nicht…)
Zum Bewachtwerden von Synagogen. Tja… ich war mal vor paar Jahren in einem kleinen Beetsaal irgendwo, der nicht bewacht wurde, zu abgelegen, kein Geld für Wachleute verfügbar. Es war Jojm Kiper, und plötzlich krachte es furchtbar an die Scheibe. Man ist ja routiniert, es gab keine Panik, man rannte sofort zur anderen Seite, weg von den Scheiben. Ein paar von uns nach draußen, hinter denen hergebrüllt, lokale Nazis, sie waren schon weg.
Das ist dieses Land – man ist nicht sicher.
Ich wollte darauf hinweisen, dass Mädchenmannschaft antisemitische Scheiße verlinkt, zumindest sehe ich die Pinkwashing-Kampagne so.
Mein Kommentar dazu: http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/06/12/wasche-waschen-in-israel-pinkwashing-greenwashing-brownwashing/
ich auch und Danke!
es ist eine typische Damned-if-you-do, damned-if-you-don’t PR-Masche
und da sie zu Lasten einer immer noch um Normalität zu kämpfen habenden Gruppe geht, besonders menschenverachtend.
“…dann muss die WELT eben ein bißchen übertreiben”
Das ist ja tatsächlich ein Ding. Wo doch der Qualitätsjournalist Broder häufig für die WELT schreibt. Ich bin erschüttert.
hm, besteht die welt wirklich nur aus broder? müssen sie denen unbedingt mal mitteilen.
lol.
Er kratzte an der Welt und fand Brodern. Wahrscheinlich kratzt er auch am Heuhaufen und findet niemals eine Nadel.
und noch ein OT-Link – dieses Mal einzig und allein in der Absicht, Aristobulus und/oder A.mOr damit eine Freude zu machen
http://jewishrefugees.blogspot.de/2012/07/how-blonde-bomb-blew-away-moroccan-king.html
Mon Dieu, was für ein Charmebolzen – unwiderstehlich – wie muß sie erst sein, wenn sie, wie in dem Artikel behauptet, in Jeans und T-Shirt auftritt – und falls sie tatsächlich mittlerweile so dick sein sollte, wie das Kleid andeutet (ihre Arme sind’s nicht), dann ist das Kleid entschieden attraktiver als was “unsere” Designer Dicken antragen
Yepp.
*freu*
Vielen Dank Silke!
„When a reporter once asked Raymonde why she sings in Arabic and not in Hebrew, she said, “Could I be like Chava Alberstein? No, I am Raymonde.”
And this is Chava Alberstein
Nu, finde beide wunderbar!
Ojweh!
wie gut sich Jiddisch singen läßt …
Dennoch KlampfistInnen sind nun mal nicht mein Ding.
doch nur immer weiter so, eines Tages wird mir dann klar, welch frühe Traumatisierung mich dahin gebracht hat.
Übrigens, ich glaube Raymonde meinte das nicht abwertend und es ist ja auch überhaupt nicht einzusehen, warum sie den Teil arabischer Kultur (oder arabisch/jüdischer?), den sie liebt, nicht weiter behalten und pflegen soll, besonders da Chava ja auch was Mitgebrachtes aus dem Vielvölkerpool in dem Video präsentiert.
PS: weil Geklampftes so oft so bedeutungsschwanger daherkommt?
Nu Silke, Klampfistisch betört am Meisten, wenn man dabei ist, mag ich behaupten.
Etwas „abwertendes“ habe ich bei Raymonde nicht im Mindesten erkannt, im Gegenteil! Aber wenn sie Chava schon mal erwähnt, nu, ein Beispiel kann nicht schaden! Daß Raymonde bei ihrem geliebten Stil bleibt, finde ich auch gut, besser für sie, besser für alle! Es wäe auch nicht wirklich „jüdisch“, wenn alle den „gleichen Marsch“ musizieren würden, 100% jüdisch und trotzdem so vielfältig wie Regenbogenfarben oder Paradiesblumen, na klar!
In dem Video ist es vor allem Chava selbst, die mir zusagt.
PS/ von bedeutungsschwanger
in der Musik verstehe ich nichts. Entweder es ist gut und schön, oder eben nicht… Wozu Sorge? Einfach genießen was gefällt…
Gutgut, doch, bedeutungsschwanger gibt’s auch, für mich auch.
ZB, wieder Chava, singt: „Sog nit kajnmol“ (sag niemals/das ist das Ende)
Das ist dann mehr, als nur ein Lied, wo selbst die Melodie nicht mehr soviel zählt. Andererseits, und gerade wegen, ist nicht das Leben selbst die Musik? Der Atem, das Schlagen des Herzens, das Rauschen des Windes, Deine Stimme…
nu das ist schlicht (in seiner Schlichtheit) wundervoll
und jetzt, wo ich weiß, daß Chava nicht hebräisch sondern jiddisch singt, läßt mich die Raymonde Aussage auf einmal auch eine Bemerkung von Sylvia (MENA-Jüdin aus Sderot) in mehr 3D verstehen.
Und das läßt mich in der Folge noch mehr bewundern, wie die Israelis es schafften und schaffen, das Ganze als Staat zum Funktionieren zu kriegen
ich fühle vielleicht milder gegenüber Klampfisten, wenn ich sie nicht so bedeutungsschwanger gucken sehe …
muß ich mal ausprobieren
und hier ist was zum Vergleich, was ich finde, ein Klampfist nur allzu oft nicht bringen (kann?).
YouTube hat mehr von diesem Nicht-Klampfisten, der’s für mich bringt, obwohl ich an einer Österreich-Akzent-Allergie leide.
Silke,
bin sooo müde, kann mich kaum auf den Text konzentrieren, möchte ich noch nachholen. Aber zum entspannteren (mir jedenfalls, hoffentlich Dir) auch schönen Hören etwas aus Marokko, wo wir da doch gerade herkamen.
Schabat schalom (ale.hem)!
ach gäbe es doch hierzulande Kneipen, wo man dazu tanzen könnte …
Liebe Silke,
als kleiner Luftikus mag ich mich probieren, hüpfend, leicht wie kitzelnd Feder, auf den Bäuchen von Schwangeren hin und her, zur Stelle, wo ich Dir noch eines schrieb, ohne Klampfe zwar, auch nicht mit Harfe, doch möge es Dir gute Saite sein, bedeutsam und →’schaumgeboren’←!
…die Beleidigung unseres kirchlichen Oberhauptes im Zusammenhang mit Meinungsfreiheit zu sehen ist wohl hier fehl am Platz und die Fatwa gegen Shahin Najafi mit CSU-Äußerungen in einen Vergleich zu bringen ist nicht nur haarsträubend sondern ich sehe hier auch die Situation von Shahin Najafi für eure Zwecke mißbraucht. “Tapfer im nirgedwo” landet sonst wirklich im nirgendwo…PS: Außerdem lassen sich auch Christen nicht gegen Moslems ausspielen, beide erwarten ein Grundmaß an Respekt.
Herr Rieger,
Sie nennen es Missbrauch und Ausspielung, ich nenne es ehrliche bis in den Bereich des Zorns vordringende Verwunderung über die Maßstäbe. Ich stimme Ihnen jedoch zu, dass die Verächtlichmachung von lebenden Personen schlimm ist, für mich sogar schlimmer als die Verächtlichmachung von lange toten historischen Figuren, auch wenn es sich dabei um Jesus, Abraham oder Mohammed handelt.
Danke Gerd für’s Aufspießen von Goppel’s Suada – das ist jenseitig und in meiner Wahrnehmung hat es mit der Regensburger Rede des Papstes angefangen, dieses Wittern von Morgenluft per Trittbrettfahren auf der muslimischen Respekt-Einforderungs-Kampagne.
(ich bekenne allerdings, daß ich für mich persönlich mit meiner persönlichen Balance noch nicht zufrieden bin, für auf der einen Seite, Deine Religion ist Deine Sache im persönlichen Bereich, für mich sozusagen Teil Deiner Intimsphäre, und dem Bestehen darauf, daß öffentliches Bashing der Institutionen und ihrer Vertreter weitestgehend erlaubt sein muß.)
Ich zum Beispiel liebe den Eurovision Song Contest, die Superbowl und die LNOTP. Das ist meine Religion. Wer es bashen will, soll es tun. Da muss ich drauf klar kommen!
a bisserl ernster, wichtiger und mit ihrem Leben verwoben ist uns allen und nicht nur den Religiösen Religion schon – Die Menschheit hätte nicht seit grauesten Vorzeiten an dem Konzept festgehalten, wenn es neben allen Nachteilen nicht doch genug Vorteile böte. Täte es das nicht, wäre es ausgestorben.
aus der lameng würde ich sagen, wenn ich über Dich als öffentliche Person öffentlich für Deinen Geschmack die Nase rümpfe, dann ist das OK, bei einem Bier würde ich Dich schwärmen lassen und wenn’s mir zu viel würde, bemerken, daß es not my cup of tea ist mit Ausnahme der Last Night of the Proms, habe ich einmal ein bißchen im Fernsehen gesehen.
nicht nur ihrem Leben verwoben, unserem auch
Silke,
. Er lässt einen da nicht aussi, der Gerd, wenn er sich erstmal aufbaut und losschwärmt, den Saal ausfüllt, sei er groß oder klein
es lässt sich mit Gerd sehr fein über und von Mitsing-Pop schwärmen, denn es bleibt einem gar nichts Anderes übrig
Pop muss auch irgend Vorteile im Leben bieten, habe ich von Gerd bei Gelegenheit gelernt, muss schon!, der ist richtig dafür.
für etwas schwärmen ist nicht glauben
und gerade weil mir glauben so fremd ist (bis auf einmal einen kleinen Moment, aber da bin ich sofort geflohen), weiß ich, daß es was anderes ist, als meine Verehrung und tiefe Bindung an Mozart und Kafka oder die Dankbarkeit, die ich für Robert Graves empfinde.
Und natürlich habe ich nix gegen Pop – weil ich unbedingt wissen wollte, was die da außer I am the great pretender noch sangen, habe ich mit dem Englisch-schulfern-selber-lernen angefangen und nein, auf das Lied bin ich nicht in ner Liebeskummer-phase angesprungen, das war mehr so allgemeiner Weltschmerz.
(war die B-Seite von Only-You und ich mußte nen Monat sparen, um die Single anzuschaffen und dann vor dem kleinen Plattenspieler sitzen und immer und immer wieder hören, mit nem Wörterbuch und nem Schreibblock in der Hand.)
Ist Woody Guthrie auch Pop? zu seiner Zeit war er’s doch bestimmt, oder?
Freitag nach ab 23:00 bei dradio Kultur oder Samstag ab 0.00 im Deutschlandfunk 3 satte Stunden lang und hier ist deren Radio-Recorder zum (kostenlosen) Runterladen.
http://player.phonostar.de/partner/dradio-recorder
Hoffentlich wird’s ne tolle Sendung mit ganz oft This Land is your Land
und für die Älteren uups Reiferen unter uns ist sein Sohn mit dem Unvergessbaren Alice’s Restaurant – mein Liebling ist “I wanna kill”
Und daß mir der derzeitige Pop nicht gefällt, dafür kann ich ja nix, sie erinnert mich einfach zu sehr an Bubble Gum Music und die konnte ich damals schon nicht leiden.
Man muss sich nur den richtigen derzeitigen Pop suchen.
Danke ist schön, aber reißt mich nicht vom Hocker, vermutlich weil ich mich generell, für Geklampftes nur ganz selten erwärmen kann, wie z.B. hier Und natürlich Woody Guthrie
Gegen Janis ist natürlich nie was einzuwenden, aber ich ärgere mich, dass ich anscheinend den falschen Song von Lisa Hannigan erwischt habe, denn die Frau ist der Hammer. One more chance, please:
ne Irin, die singt, was sich für mich wie Country anhört, und es fertig bringt, daß der Computer nach frisch gebackenem Apfelkuchen riecht.
Watt et nich allens jibt
Danke!
PS: das mit Janis und mir ist so, daß ich mal einen Mann kannte, dessen Ehefrau jemanden kannte, die ne Zeitlang mit Janis in der gleichen Schule war.
So was bindet …
Arme Sau
ich glaube, bis auf meine Platters hätte keine der von uns zur Pop-verteidigung verlinkten auf’m Eurovisiondingens ne Chance.
Naja vielleicht Yummy Yummy noch
(mir wird ganz zaghaft, bestimmt wird Gert gleich böse …)
Der Eurovisiowieso müsste vor dem ziemlich Himmlischen, das Ihr da verlinkt habt, wohl définément als unziemliche Hölle gelten (pardon, Gerd!, keine Schläge mim’ Glitzerstiefel bitte!, obwohl ich die nu verdient hab, aber gemeint hab ich’s nicht so)
Arme Sau,
mich haben Sie überzeugt.
Das freut mich sehr. Bei Silke scheints ja im 2. Anlauf auch geklappt zu haben. Ich habe die L. Hannigan vor 2 Monaten live gesehen und bin jetzt noch high davon.
Vielen Dank übrigens, Silke, für das D-radio-aufnehmdingsbums und den passenden Programmtipp – wird getestet.
Ich glaube, der Europäische Liederwettstreit (hey, Nazis, nich klauen ausm Weltnetz, diese Eindeutschung, da hab ich Kopierrecht drauf!) ist einfach was ganz anderes, apples and oranges und so. Mein Problem ist, dass ich samstags ordentlich zu arbeiten habe, und dann meistens nach fünf Liedern oder so fröhlich auf dem Sofa einpenne.
Was allerdings dieses Jahr das Einschalten gelohnt hat, war ein Interview zur Lage der aserbaidschanischen Nation mit der jungen aserbaidschanisch-deutschen Schriftstellerin Olga Grjasnowa – das ich leider online nicht finden kann, aber das mich dazu bewegte, sofort ihren Roman zu kaufen, und der ist unglaublich gut. Hier ein Interview zum Roman:
an alle RespektEinforderer für etwas ihnen Heiliges – entschuldigt Euch erst mal bei mir für all die vielen Male, als Eure Institutionen es an Respekt mir gegenüber haben fehlen lassen.
Ganz genau. Sogar im Judentum werden Chilonim (Säkulare, die höchstens am JojmKiper in die Synagoge gehen und sonst HoSchejm einen guten Mann sein lassen) religiöserseits etwas schief angesehen, als schlechtere Juden (sage ich, der ich selber absolut nicht Chiloni bin).
Christlicherseits werden säkulare Grad-noch-so-Christen oft als Heiden gebrandmarkt, als Gottlose (der Politiker Hohmann hat’s ihnen jahrelang gezeigt, hat den sog. Gottlosen alle Schuld am Elend der Welt gegeben).
Und moslemischerseits besteht fast überhaupt kein, um nicht zu sagen GAR kein Platz für Weltliche, die keine Religion praktizieren möchten.
Ich habe noch nie eine Stellungnahme oder Rede etwa eines Bischofs (oder Papsts) gelesen, in der etwa stände, dass Agnostiker oder Atheisten bittschön machen sollen, was sie zu machen haben, wegen notwendiger Kritik an Religion und an religiösen Institutionen. Vergessen werden die vielen Eingekerkerten, die für säkulare Staaten, für Bürgerrechte usf. gekämpft haben.
So weit zum andauernden Respekt Einfordern für religiöse Befindlichkeiten…
“Lizenz zum schreiben entziehen”
köstlich!
Das erinnert mich an einen Anrufer eines Bild-Lesers bei Titanic “…man sollte ihnen die Satire-Lizenz entziehen!”anlässlich der anti-titanic kampagne der Bilzeitung, nachdem Martin Sonneborn die WM nach deutschland geholt hatte. (dokumentiert auf der cd “Bild-Leser beschimpfen Titanic Redakteure live am Telefon”)
Pissekackehahaha, wer diesen Latrinenhumor der titanic lustig findet, ist echt eine arme Wurst.
Hach, “Ons Olaf” hat Feierabend und pisskackt wieder in die Threads. Für die, die ihn noch nicht kennen: Einfach vorbeigehen und aufpassen, dass man nicht hineintritt.
Dies Bildnis ist (auf seine Art) bezaubernd schön …
Ach, Silke…you made my day!
er scheint ausgang bekommen zu haben.
Hat seine Anti-Inkontinenztabletten wieder vergessen, der.
wie das, für Männer gibts gegen Tröpfeln Medikamente? Euch wird nicht so beknackte Beckenbodengymnastik aufgezwungen?
Fals ja, Diskriminierung!
Ich weiß nicht, ob die Prostata unbedingt unter Diskriminierung fällt.
ach stimmt, das habe ich vergessen, Ihr tröpfelt ja, wenn Ihr tröpfelt, ganz anders
Und somit können se Euch auch nicht den Beckenbodenquatsch verkaufen.
Silke
Solche Medikament-Männer sterben früher, “Beckengymnastik” ist sehr gesund!
Das ist euer Niveau, gelb-brauner Surfer.
Merkst du eigentlich, wie lächerlich du dich machst? Wohl nicht, denn sonst würdest du deine Peinlichkeit mal bemerken.
Silke ahoj,
fand zum Glück die Ballade noch schriftlich niedergelegt
http://www.handmann.phantasus.de/g_taucher.html
Das Zuhören finde ich (allgemein) etwas schwer.
Es ist ein trauriges Stück, der König spielt fahrlässig mit dem Leben, war’s möglicherweise nichteinmal so bedacht. Ein tapferer Jüngling riskiert’s, der dem König zuliebe, aber sicher auch, weil ihn der Hafer sticht, sich in dieses Risiko begibt und schließlich daran verdirbt, als der König noch das Leben seiner Tochter pfändet.
Alles nur zum eitlen Spiel, zu beweisen, was längst klar, dies junge ungestüme Leben der Langeweile des Königs geopfert…
Nu, warum sollte ein Klampfistiker solches nicht mit Saitenklang begleiten?
Die Harfe täte es wohl auch, vielleicht die Klarinette?
Das Schifferklavier, das wäre es doch!
Danke, Silke.
Wenn ich Dein Gesicht auch nicht sehe, und auch die Klampfe nicht in Deinen Händen, so sei gewiß, daß Du nicht nur mir von großer Bedeutung bist, schwanger oder nicht! 
Die Melodie indes, sie mag bleiben, was bleibt, wenn man des Schillers Ballade zu einem verschwendetem Leben zum eitlen Spiele liest.
Mögen wir mehr Besonnenheit und Rücksicht zeigen an jenen, die den Wert ihres Leben noch nicht gänzlich in jugendlichem Überschwang zu begreifen in der Lage sind.
~ * ~
→„muß ich mal ausprobieren“←
Klar, solltest Du, nicht so bedeutungsschwanger das bedeutungsschwangere suchen, nur um es als bedeutend weniger schwanger an Bedeutung zu deuten.
(Wie es sich noch zutrug…)
aufsetzend, so daß sein Schicksal fortan dem Auge des Königs, dessen Tochter und übrigem Gefolge, wie auch dem Schiller Friedrich entzogen ward.
Der Jüngling indes, wer mag’s bedeuten und auch nur ausdeuten, er ist längst Vater vieler Generationen, traf ihn da unten doch der Pfeil des Amor mitten ins Herz, als ihm beim Anblick einer Meerjungfrau die Sinne verließen.
Sie jedoch errettete ihn aus des kalten Naß Todesumarmung, indem sie ihre Umarmung erbarmend und vom Liebespfeil getroffen an des Todes Statt setzte, dem Jüngling einen Lufti-Kuß
Und in Liebe und Frieden ward ein neues Geschlecht schaumgeboren, von dem bis dato niemand weiß, dem Jüngling und („me ton“?) der Meerjungfrau…Massl tow!
Liebe Silke,
der geht gewissermaßen auf Deine Kappe. Da kannste’s sehn’, ist’s denn bedeutungsschwanger oder nicht vielmehr einfach schön? Davon Dir, meine Teure, ganz ganz viel!
ach A.mOr – die Meeresjungfrau wird ihm nix genützt haben, denn sein herz war schon vergeben
Da treibt’s ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,
Und stürzt hinunter auf Leben und Sterben.
Die Macht des Eros hat ihn vernichtet und der König ist ein ganz gemeiner ordinärer Dieb, er hatte dem Jüngling den Becher versprochen und hat ihm den geklaut und wieder reingeschmissen, aber so gehen eben die gehobenen Klassen gern mit dem Volke um und dafür hatte der gute Friedrich Schiller ein Ohr und einen sechsten Sinn.
So machen’s übrigens Arbeitgeber auch gern. Sie sagen z.B. wenn Ihr Euch besonders anstrengt, dürft Ihr z.B. ne eigene Firma sein, also klotzen alle ran, um den lästigen Verwaltungswasserkopf der Mama los zu werden und wenn sie’s geschafft haben, was macht die Mama? Richtig, sie verkauft den Laden.
Nu, der König ist ein mieser, das sehe ich auch so, und auch manche “Mama Arbeitgeber” mag nicht ein Ausbund an Menschenfreundlichkeit sein, aber zum Glück, dem Jüngling, dem das Herz doch gebrochen ward beim finalen Sprung, dem half eine Weisheit und Amor:
“Was hilft gegen alte Liebe? Neue Liebe!”