“Seit 2008 wird zurückgeritten!”

Soeben hat Deutschland Gold geholt im Vielseitigkeitsreiten und der Kommentator, Carsten Sostmeier, von der ARD rief dazu in sein Mikrofon: “Seit 2008 wird zurückgeritten!”

Besonders beachtlich ist der Kontext dieses Kommentars. Carsten Sostmeier erinnert an die Aberkennung der deutschen Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Griechenland 2004 und spricht aufgeregt:

“Aber dann kamen ja die Franzosen, die Briten, die Amerikaner und am grünen Tisch haben sie uns mit einer fragwürdigen Entscheidung die Goldmedaillen weggerissen. Und das haben sich die Deutschen gemerkt, denn seit 2008 wird zurückgeritten. Wir holen uns Gold zurück. Gnadenlos!”

Da sind ja wirklich alle westlichen Alliierten zusammen. Und jetzt wird zurückgeritten. Gnadenlos!

(Ich muss gestehen: Meine erste Reaktion war ein lautes fassungsloses Lachen.)

Nun kann dem Mann zu Gute gehalten werden, dass er im Taumel der Freude war. Auch ich habe bei dem vorletzten und entscheidenden Lauf meine Fingernägel zum Bett runtergeknabbert. Auch mir rollte nach dem fehlerfreien Lauf eine Träne der Freude über die Wange, aber was muss in einem Mann vorgehen, dass er brüllt: “Seit 2008 wird zurückgeritten!”

Mich erinnert dieser Ausrutscher an Katrin Müller-Hohenstein, die einmal in einer Halbzeitpause eines Spiels bei der Fußballweltmeisterschaft von einem “Inneren Reichsparteitag” sprach.

Jetzt wird also zurückgeritten! Seit 2008 übrigens, vier Jahre nach der Aberkennung der Goldmedaillen in Athen. Damals wurde die Disziplin allerdings noch Military genannt. Da “Military” aber zu kriegerisch klingt, hat man sich nun auf den wohlklingenderen Namen “Vielseitigkeitsreiten” geeinigt. Dafür sorgt jetzt aber Carsten Sostmeier für etwas Militär bei den Olympischen Spielen in London und zitiert indirekt einen deutschen Feldherrn, Diktator und Massenmörder, der nicht nur in England nicht gerade unbedingt beliebt ist. Hitler erklärte den Krieg gegen Polen 1939 mit diesen Worten:

„Diese Vorgänge haben sich nun heute Nacht abermals wiederholt. Nachdem schon neulich in einer einzigen Nacht Grenzzwischenfälle waren, sind es heute Nacht 14 gewesen, darunter drei ganz schwere. … Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen. Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten.“

Vielleicht hätte sich Carsten Sostmeier im Vorfeld lieber noch diese Folge von Fawlty Towers anschauen sollen: “Don’t mention the war!”

***

In einem Kommentar zu diesem Artikel heißt es:

“Das Schöne an dieser Diskussion ist doch, dass die meisten das misslungene Wortspiel erkannt haben. Allerdings finde ich die Aufregung über den Ausrutscher auch wieder typisch deutsch.
Da ist dem Sostmeier halt mal der Gaul durchgegangen. Das kann beim Reitsport ja mal passieren.”

Ich finde: Wenn es etwas gibt, das typisch deutsch ist, dann die Bezeichnung von unliebsamen Eigenschaften an Anderen als typisch deutsch!

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78 Antworten zu “Seit 2008 wird zurückgeritten!”

  1. Hessenhenker schreibt:

    Das IST ene Frechheit, wenn er es ohne Quellenangabe gesagt hat.
    Alles sinngemäß bei mir geklaut.

  2. name erforderlich schreibt:

    Der Kommentator wird genau noch 2 Stunden seinen Job behalten.

  3. alex schreibt:

    Wollte direkt bei der Sportschau kommentieren. Ist ein unglaublicher ‘Ausrutscher’!

  4. Hessenhenker schreibt:

    “aber was muss in einem Mann vorgehen, dass er brüllt: “Seit 2008 wird zurückgeritten!”

    Er durfte eben erstmals wieder oben liegen.

  5. Hessenhenker schreibt:

    Dem Mann muß aber doch strafmildernd zugute gehalten werden,. daß er keine Uhrzeit genannt hat,

  6. lol schreibt:

    Verstehe ich nicht… erklärung?

    • Interessent schreibt:

      @lol

      “Verstehe ich nicht… erklärung?”

      Hier ist sie, die Erklärung:
      *Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen* ist ein Zitat aus einer Rede Hitlers, mit welcher er den Polenfeldzug demagogisch vorbereitet hat.

      • Dante schreibt:

        *Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen* ist ein Zitat aus einer Rede Hitlers, mit welcher er den Polenfeldzug demagogisch vorbereitet hat.

        Vorbereitet hat er da gar nichts, sonst hätte er natürlich auch nicht “seit” gesagt. AFAIK übrigens unter kurzfristiger Einführug der Sommerzeit, denn der Überfall (es gab schließlich keine Kriegserklärung) begann eine Stunde zuvor.

  7. Hessenhenker schreibt:

    Ach so, es geht um Olympya?
    Nägelkauen bei Wettkämpfen ist ein nationalistischer Exzess, finde ich.
    Deshalb kaue ich nur, wenn gerade KEIN Sportereignis irgendwo ist.

  8. besucher schreibt:

    Alle hatte sich gegen die Militaries verschworen. Aber nun:
    The empire rides back.

    Was für eine Hohlbirne.

  9. Paul schreibt:

    Nein, nein, liebe Freunde von Tapfer im Nirgendwo, so geht das nicht!

    Mir fällt gerade auf, dass “Tapfer im Nirgendwo” bei:
    “Seit 2008 wird zurückgeritten”,
    eine ganz neue Bedeutung bekommt. Jedenfalls nach meiner Logik Denn wenn jemand nur lange genug ‘zurück’ reitet kommt er wo an?
    Richtig: IM NIRGENDWO
    Oder? :rin:

    Egal, lassen wir das. Das wollte ich auch eigentlich nicht schreiben.

    Ich denke jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir uns feierlich von unseren Plätzen erheben, so jemand einen Helm auf hat, darf er ihn auch gerne abnehmen,
    und dem Kommentator (wie heißt der Mann, den Namen sollte man sich merken)
    feierlich
    EINEN GODWINPUNKT
    verleihen.
    Wer nicht weiss, was das ist:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Godwin%E2%80%99s_law

  10. besucher schreibt:

    Wenigstens sind jetzt in Saudi-Arabien auch alle inklusive Papi glücklich.

    http://www.welt.de/sport/olympia/article108420545/Saudi-arabische-Judoka-gewinnt-den-Kopftuchstreit.html

    Läuft eigentlich ein/eine Papua auch irgendwo mit?
    http://media.lonelyplanet.com/lpimg/22666/22666-5/preview.jpg

  11. Uta Stolle schreibt:

    Ach, da rollt sie wieder die totsichere Ahndungsmaschinerie. Aber ich bin nicht dabei. Ich hab den Ritt auch gesehen und den Satz gehört und habe – mich kann niemand mehr entlassen – gelacht. Mich hat gefreut, daß einer mit dieser unheilsbringenden Satz spielerisch umgeht, wenn er sicher sein kann, daß es um Sport geht und nicht um Krieg. Ich hätt´es wissen müssen, es geht natürlich um Krieg der ewigen Bewältigungsarmee gegen Jux und Dollerei, wo immer sie ihr gefährliches Haupt erheben. Der Kopf des Übermütigen muß unbedingt rollen!

  12. Weg mit ihm schreibt:

    Haha, da kommen sie wieder mal aus ihren Löchern gekrochen und empören sich über einen Reporter, der im Überschwang der Gefühle seine Wortwahl für einen kurzen Moment nicht mehr im Griff hatte. Jetzt ist er natürlich ein Neonazi, der sofort wegradiert (darf man das so sagen oder wurde das auch schon mal irgendwo mit einem politischen Bann belegt?) gehört. Ja Ihr Bessermenschen, Ihr seid unfehlbar, oder?! Aber spätestens seit es Blogs gibt, darf sich eben jeder Wichtigtuer als moralische Instanz aufspielen.

    • Aristobulus schreibt:

      “wegradieren” geht gar nicht, da kann ja jeder kommen. Freuen Sie sich, nu gesagt zu haben, was man ja wohl nochmal sagen darf, im Überschwang der Gefühle, wenn die mal wieder aus den Löchern usw. usf.

  13. Danny Wilde schreibt:

    Lieber Gerd,

    auch wenn ich selbst als erstes an Katrin Müller-Hohensteins inneren Reichsparteitag denken musste (bzw. an dessen mediale Folgen), so existiert doch ein gravierender Unterschied. Zuvor möchte ich allerdings anmerken, dass ich das schon frivol finde, auf Niggemeier zu verlinken (Niggemeier, die Geistesgröße, der nichts anderes einfällt, als HMB permanent über eine – neidgesteuerte? – Sexschiene zu dissen – “Broders Kastrationsängste”, “… stolpert über seine Sexfixiertheit” – und sich nicht zu schade ist, bis hin zu ekelhaften antisemitischen Ausfällen zu greifen; ein intellektueller Leichtmatrose, dieses Stefanle, badend in Selbstgerechtigkeit).

    Obwohl ausnahmsweise dieser Beitrag von ihm vordergründig vernünftig daherkommt und Müller-Hohensteins Formulierung dort einordnet, wo sie hingehört, nämlich in die ganz normale Umgangssprache, kann er es nicht lassen, seine Medienkritik ausschließlich an seinem Privatfeind Springer-Verlag abzuarbeiten, Beispielzitat:

    “Die immer um billige Aufmerksamkeit heischenden Klickstreckenproduzenten von »Welt Online« begannen sofort zu hyperventilieren: (…)”

    Da mussten, 2010, erst seine Kommentatoren ihn darauf hinweisen, dass der Shitstorm durch sämtliche Medien ging, besonders laut, und gerade, durch die “linken” Medien, allen voran taz und SpOn.

    Natürlich hat die obige Rittmeister-Bemerkung doch einen ganz anderen haut-goût.

    Nett fände ich es, wenn statt ewiger Diskussionen über diese mehr als peinliche Fehlleistung (ob der Typ jetzt noch in seinem Job haltbar wäre, etc. pp. – falls es dazu überhaupt kommt, zu einer solchen Dreckauskübelung wie damals bei Frau Müller-Hohenstein), wenn also ein polnischer Olympia-TV-Berichterstatter live im (polnischen, gerne auch im deutschen) TV diesem deutschen Kommentator links und rechts eine runterhauen würde, das wäre lustig und gäbe den dazu passenden Soundtrack zu einer solch gewollt-originellen und unfassbar dummen Bemerkung ab.

    Eigentlich aber wollte ich auf einen kurzen Aufsatz von Lila verweisen, hier leicht off-topic, aber, da ja Olympia, vielleicht doch nicht! Bitte unbedingt lesen!!

    http://rungholt.wordpress.com/2012/07/28/et-jeht-loss/

    Das steht bei keinem Niggemeier, in keinem SpOn, in keiner taz! (oder doch?)

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Habe zur jetzt zur SZ verlinkt.

      • Danny Wilde schreibt:

        Das ist schade, denn erstens hatte ich im Stillen bei der Motivation zur Niggemeier-Verlinkung auf so ne Art ganz hinterfotzige, leise Ironie gehofft (was lustig gewesen wäre, einen Deppen mit mal was Schlauem zu zitieren), zweitens, weil ich das blöd finde, so einen Link wieder rauszunehmen, nur weil der Verlinkte auch (hauptsächlich) gequirlten Dünnpfiff von sich gibt.

        Andererseits ist das auch wieder nicht nicht ganz so schade, konnte ich also zum 2. Mal nach Niggemeier nun in dem ebenfalls notorisch juden- und israelfeindlichen “Intellektuellen”blättchen zumindest im Sportteil einen coolen Kommentar lesen.

        Als meist begeisterter Leser von suedwatch tatsächlich für SZ-Verhältnisse eine Offenbarung.

  14. Jürgen schreibt:

    Das Schöne an dieser Diskussion ist doch, dass die meisten das misslungene Wortspiel erkannt haben. Allerdings finde ich die Aufregung über den Ausrutscher auch wieder typisch deutsch.
    Da ist dem Sostmeier halt mal der Gaul durchgegangen. Das kann beim Reitsport ja mal passieren.

    Dass ein Reitsportbegeisterer die Entscheidung 2004 als fragwürdig empfindet, halte ich mindestens für legitim. Und tatsächlich geben die Reiter die richtige Antwort auf dem Platz bzw. Parcours. Die schon jetzt festzustellende Aufregung über das Zitat ist mindestens genauso lustig wie das Zitat selbst.

    Was lernen wir daraus? Zurückreiten ist wie Autobahn. Geht gar nicht.

    • Arme Sau schreibt:

      Klar, jedem kann mal der Gaul durchgehen. Das Interessante und Erschreckende ist jedoch, was dabei rauskommt, wenn dem deutschen Menschen aus dem Sportbereich das passiert – innere Reichsparteitage, Stahlhelme, italienische Fußballer, die als Straßenköter bezeichnet werden – das lässt doch irgendwie den Schluss zu, dass das deutsche Sportler, -reporter, -funktionärs-Hirn doch sehr atavistisch veranlagt ist.

  15. American Viewer schreibt:

    Allerdings finde ich die Aufregung über den Ausrutscher auch wieder typisch deutsch.

    Das sehe Ich auch so.

  16. Hessenhenker schreibt:

    Ihr seid doch alle Teil der bekloppten deutschen Gesellschaft.
    Da die Gesellschaft, wie wir 1968 gelernt haben, IMMER schuld ist, ist die Gesellschaft also schuld daran daß mir vor 15 Jahren zum Hitlergeburtstag das Haus angezündet worden ist.
    Da erzählt man mir aber seit 15 Jahren, das sei ja nicht so schlimm.
    Dafür regt Ihr (IHR von der Gesellschaft) euch aber alle über so einen unwichtigen Scheiss wie Olympia auf.
    Meinetwegen sollen die doch im Stechschritt ins Stadion einmarschieren, das geht mir alles am Arsch vorbei.

  17. Yael schreibt:

    “Ich finde: Wenn es etwas gibt, das typisch deutsch ist, dann die Bezeichnung von unliebsamen Eigenschaften an Anderen als typisch deutsch!”

    Das finde ich ganz und gar nicht, denn es gibt numal typisch deutsche Eigenschaften, wenn man es aber nur negativ besetzt, ist das eine andere Sachen. Negativ im Sinne von typisch deutsch ist die deutsche Besserwisserheit. Da kannst du noch dagegen sein, aber das sind viele, natürlich nicht alle. Aber die Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

  18. Eliyah schreibt:

    Hahahahahaaa hahahahaaaa! Hahahaaaaaa :rofl:

    (Mehr fällt mir zu dem Vorfall und auch zu einigen Kommentaren hier nicht ein)

  19. Andy B. schreibt:

    Muss nun jeder deutsche Sportreporter seine Wortwahl überdenken, wenn er von zurückschlagen spricht? ( z.B. Manchester United schlägt innerhalb von 2 Minuten zurück und dreht das Spiel?)

    Also für mich total übertrieben das Ganze. Ich oute mich und gebe zu dieses Hitler-Zitat gar nicht zu kennen. Wie muss ich jetzt mit dieser vertrackten Situation für mich umgehen?

  20. Pingback: Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgerudert! | Hessenhenker – der Galgenhumor-Blog

  21. Hessenhenker schreibt:

    Köpfe müssen rollen für den Olympiasieg.

  22. M. schreibt:

    Hitler war ein österreichischer Feldherr, Diktator und Massenmörder im “Dritten Reich”.

    • Aristobulus schreibt:

      Ein Feldherr als Gefreiter?, das dürfte Olympiaqualität haben, vertrackt nochmal.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Nein, war er nicht. Er hatte als Diktator schon die deutsche Staatsbürgerschaft. Er war sozusagen Führer mit Migrationshintergrund.

      • Silke schreibt:

        und die “Ehre” ihn migrationstechnisch ermöglicht zu haben, steht Braunschweig zu.

        (Aristobulus? es war doch Braunschweig, wo Stendhal als napoleonischer Beamter tätig war? Ob sich wohl das eine mit dem anderen verknüpfen läßt? Ich habe mal ne Lesung von Stendhal’s Beschreibung seiner Braunschweiger Zeit gehört und das erinnerte mich im Tonfall stark an das, was Amis zu unseren tempolimitfreien Autobahnen in meiner Jugend zu sagen hatten i.e. Zivilisation trifft Zurückgebliebene.)

      • M. schreibt:

        Von seiner Herkunft her war und bleibt er Österreicher, daran ändert ja auch die Staatsbürgerschaft nichts, und meines Wissens hatte er die österreicherische Staatsbürgerschaft auch nie aufgegeben, und die deutsche erst recht spät erhalten, also war er genaugenommen ein Deutsch-Österreicher.
        Wie auch immer, mir ging es da darum klarzustellen, dass das “Dritte Reich” und der Nationalsozialismus eine deutsch-österreichische Angelegenheit waren, und nicht nur eine deutsche. Mitllerweile wird die Rolle Österreichs, bzw. der Österreicher ja – wieder einmal – weitesgehend völlig ignoriert, und die NS-Herrschaft zu einer rein deutschen Angelegenheit, wie auch der leider in den letzten Jahren etablierte Begriff “Nazideutschland” sehr deutlich macht, der usprünglich aus dem Antifa-Milieu stammt, und alleine dazu dient ein ganzes Land zu diffamieren, und nicht nur dessen Regime und Mitstreiter, wobei Österreich ganz ausgeblendet wird.

        • Silke schreibt:

          Berlin war aber nun mal der Ort, an dem die Kreativen ihr Zeugs ausbrüteten oder zumindest vermarkteten.

          Merke: der Fisch fängt am Kopf zu stinken an

          wenn man Österreich nicht außen vor lassen will, muß man massenweise andere auch mit reinziehen, doch ohne Rattenfänger verlieren Ratten nun mal heftig an Flächenwirksamkeit

          • M. schreibt:

            Hitler war, wie gesagt, Österreicher, und nicht Berlin, sondern München war die “Haupstadt der Bewegung”, Gründungstadt der NSDAP, Sitz der Thule-Gesellschaft, Publikationsort des “Völkischen Beobachters”. Coburg wurde durch freie Wahlen die erste “NSDAP-Stadt”. Von Bayern aus wurde ganz Deutschland infiziert. Die Österreicher schlossen sich freiwillig dem 3. Reich an, und stellten Anteilsmäßig sogar die meisten SS-Offiziere. In Österreich war der Antisemitismus auch stets besonders weit verbreitet. Die Rolle der Österreicher ist nicht geringer als die der Deutschen.

          • Silke schreibt:

            Berlin war Regierungssitz

            Napoleon stammte aus Korsika

          • Silke schreibt:

            PS: Stalin aus Georgien

        • Yael schreibt:

          Er wurde 1932 Deutscher und hat sie österreichische Staatsbürgerschaft 1925 abgegeben. Bis 1932 lebte er als staatenloser in Deutschland.

          • M. schreibt:

            Für mich ist er damit Deutsch-Österreicher. Wie auch immer man das sehen will, man kann nicht so tun als hätte Österreich mit der ganzen Sache nichts zu tun, und sei eigentlich selbst ein “Opfer” gewesen.

          • Yael schreibt:

            Natürlich hat Österreich damit etwas zu tun. 40% der KZ-Aarbeiter waren Österreicher, 70% Österreicher haben in Eichmanns Stab gearbeitet.
            Aber rein rechtlich war er Deutscher, wenn er die Staatsbürgerschaft hatte. Man kann niemanden zum Nichtdeutschen erklären, weil er eine andere Herkunft hat.

          • Aristobulus schreibt:

            …als mein Vater 1938 in Wien die einfahrenden Deutschen erlebt hat, gerierten sich die Österreicher dorten noch viel urdeutscher als die hinterletzten Braunschweiger. In der Universität (die er dann verlassen musste, ganz schnell) rissen sich die österreichischen Studenten in die Höhe und salutierten, viele sogar mit dem Hitlergruß (1938!), wenn der Professor reinkam. Das war selbst im stramm NS-verseuchten Breslau bis 1937 so nicht üblich gewesen (sagte mein Vater, der hat genau darauf geachtet)

            Ob Adolf Böse höchstpersönlich nu Österreicher, Deutscher, Blähungsgeplagter oder Mercedesmitfahrer war, finde ich ohne jeden Belang. Die Millionen begeistert und/oder pflichteifrig ausführender Schaufelräder, Räder und Rädchen waren Deutsche, Österreicher, und die Sudetendeutschen (also auch Österreicher) zu fast 100%. Ferner die vielen, vielen Mitmacher in besetzten Ländern ab 1939.

  23. kingkenny7 schreibt:

    Wie man sich in so einen albernen “Sport” derart reinsteigern kann, finde ich eher bemerkenswert. Pferde sollte man in Ruhe auf der Wiese lassen oder sie zu leckerer Wurst verarbeiten. Bei Olympia haben sie für mich genau so wenig zu suchen wie irgendwelche Leute, die einfach nur rumstehen und mit dem Gewehr auf etwas schießen.

    Die Fawlty Towers Folge ist übrigens durchweg großartig.

  24. Roithamer schreibt:

    Meine erste Reaktion, als ich darüber im Internet las, war eine Frage: Wie soll denn das gehen, das Zurückreiten? Ist das auch ein Teil des Military, äh Vielseitigkeitsreitens?

    • Silke schreibt:

      sind rückwärts gehende Pferde nicht Teil der Dressur?

    • Paul schreibt:

      Den Gedanken hatte ich auch.
      Aber heute habe ich ganz kurz Rudern gesehen.
      Da habe ich direkt darauf gewartet, dass der Reporter sagt: “Ab heute wird zurückgerudert.”
      Hat er nicht, aber der Zweier ist nur fünfter geworden. Da hätte es sich doch angeboten. :lol:

      • Danny Wilde schreibt:

        Paul, du warst leider schneller!!! Aber doch nicht so ganz, denn der (doitsche!) Achter hat soeben die Joldmedallje geholt!

        Ab heute wird eben DOCH zurückgerudert!!!

        • Aristobulus schreibt:

          Danny, find’st Du englische Ruderer mit Pferdekinn und Oxford-Appeal nich’ irgendwie cooler, pardon, cosier? Oder norwegische Ruderer, die rudern doch dorten seit König Haraldr Blauzahns Zeiten von Schär’ zu Schär’

          • Danny Wilde schreibt:

            “… cooler, pardon, co-si-ärr” reimt sich auf “von Schär’ zu Schär’ “.

            DATT find ich mal cosy.

            Der Aristobulus reimte beim Buurmann
            zum Rudern was wie es nur er kann.
            vom britischen Achter
            als 2. nur kracht’ der
            ins Ziel nach Germaniens Buam, Mann!

            (Scherz beiseite, Olympia geht mir fast am A. vorbei; in der Schull bin ich selbst gerudert, nur nicht bei den Horsechins, sondern in Kölle, und heute tut’s mein Sohn, von daher…. ne gewisse Affinität…) (aber das Wortspiel war halt grad zu verlockend; “es wird zurückgerudert” – herrlich. Überhaupt ist dieser ganze Unsinn aus einer kurzen zeitlichen Distanz einfach zu lustig; der American Viewer hat schon bissi recht, dass wir uns hier so aufregen!) (z.B.: der Urlaub am Mittelmeer ist vorbei, sagt der Papa: “Morgen wird zurückgefahren!!” – nach betretenem Schweigen der Rest der Familie: “Never!!”)

  25. Karl Eduard schreibt:

    Die Einführung einer Sprachpolizei ist dringend erforderlich. Erst wurde “zurückgeritten” und plötzlich sind alle Juden ausgerottet, wie damals. Wehret den Anfängen! Das kommt aber davon, wenn der Hitler ständig im Fernsehen auftritt, dieses Faszinosum. Würde man 1933 – 45 die Aufmerksamkeit angedeihen lassen, wie dem 30 jährigen Krieg etwa, dann würden sich weniger Leute dieser Zitate bedienen. Aber weniger Aufmerksamkeit, das geht ja nun auch nicht. Viele priveligierte Opfergruppen – und Anwälte würden finanziell darunter leiden und ins materielle Elend stürzen und Deutschland stünde da, wie Frankreich mit seinem Napoleon. Diesem Blitzkriegsgenie. Nur gab es damals eben noch keine Kameras und kein Kino, um die Greuel seiner Kriege der Nachwelt unter die Nase zu reiben. Nur Bücher. Mit persönlichen Schilderungen.

    Es ist aber gut, wie diese verkappten Frontpropagandakorrespondenten entlarvt und angeprangert werden. Weil sonst die Anfänge und so.

    • Yael schreibt:

      Ihre antisemitische Mantra ist bekannt und langweilt nur noch.

      • Aristobulus schreibt:

        Wenn uns’ Karl-Eduard, bekanntlich Sudel-Edu mit nur einem einzigen Monothema, “priveligierte Opfergruppen” schreibt, möge er gefälligst , wenn schon denn schon, privilegiert richtig schreiben.
        We sollen diese Opfergruppen sein?, und welche Privilegien verortet der wo?
        Will man’s wissen? Ähm, nö.
        Oder will man wissen, wieso uns’ Sudel-Edu mal wieder nach seiner monatlichen Dosis des Geprügeltwerdens lechzt?
        Immer noch nööö.

        • Aristobulus schreibt:

          P.S.
          Und was wollte der wieder mit, nein gegen Napoléon?
          Manchen, der von der Vergangenheit und von Ressentiments besessen ist, wurmt es noch nach zweihundert Jahren, dass das deutsche Vaterland so schmachvoll von diesen kleinen Franzosen complètement überrannt worden ist.
          Unter Napoléon herrschten hierzulande erstmalig und urplötzlich Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, habeas corpus (steht alles schön im Code Civil drin, wie das zu sein hatte und bis heute zu sein HAT), und französisches Bürgerrecht galt für jeden unabhängig von der Religion: Ob Katholik, Protestant, Jude, Moslem (es lebten da ein paar), drüben Bretone, Korse, oder gar Ziganischer, oder Pole, gleiches Recht galt für alle. Keine Sondersteuer und kein Ghettozwang mehr für Juden hüben, keine Benachteiligung von Protestanten mehr drüben.
          Er hat’s versucht!
          Staatsangehörigkeit ward nicht mehr über genehme Gruppen definiert, sondern modern nach Individuum (‘bloß’ Frauen hatten noch minderes Recht, noch). Insgleichen Gewerbefreiheit!, keine Binnenzölle mehr, keine Zunftschranken. Davon konnte man in Deutschland bis zur Franzosenzeit nur sehnsüchtig träumen.
          Napoléon wollte das alles hinbauen. Er hatte kaum Zeit.

          Was passierte, nachdem die Franzosen 1813 besiegt waren: Alles wurde rückgängig gemacht. Metternich und die Fürsten kujonierten weiter das Volk.
          - Aber wos red i… sind ja bloß Tatsachen wider das Ressentiment.

          • Santiago schreibt:

            Das ist nicht ganz richtig, Pressefreiheit gab es unter Napoleon nicht, sondern er führte eine strenge Zensur ein. Außerdem war er ein Rassist, der schwarze Franzosen vergasen ließ. Napoleon zog ganz Europa unnötig in den Krieg, hat über fünf Mio. Tote zuverantworten, genauso, wie unendliches Leid und Elend, sowie die Zerstörung zahlloser, wertvoller Kulturgüter. Und warum sollten es sich die Deutschen und die anderen Europäer gefallen lassen, von einer fremden Macht besetzt zu sein? Napoleon war ein größenwahnsinniger Despot, sonst nichts weiter. Seine Eroberungszüge unterscheiden sich in nichts, von denen des Mittelalters, oder der Engländer, Spanie und Portugiesen in den künftigen Kolonien. Es war gewaltsame Landnahme.

          • Silke schreibt:

            … und unter Napoleon trug jeder den Marschallstab im Tornister

            Napoléon ist ein mixed bag

  26. The Editrix schreibt:

    Der Begriff *Military* wird schon seit Jahrzehnten nur noch umgangssprachlich verwendet. Man kann davon ausgehen dass jemand, der ihn benutzt, seine erste Jugend hinter sich hat. Er stammt aus der Zeit, als die Vielseitigkeit noch ein Offizierssport war. Frauen war lange die Teilnahme verwehrt und auch nach ihrer Zulassung tat sich erst einmal nicht viel. Bis in den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die englischen Mädchen allen weggeritten sind. Der schönste Sport der Welt. Dies nur zur Klarstellung.

  27. Steeevyo schreibt:

    Autobahn geht gar nicht

  28. Lwaxy schreibt:

    Oh Mann was sind doch alle dämlich. Der Satz war klasse und wir haben uns gekringelt vor Lachen. Nur Langweiler regen sich über sowas auf. Das war Humor. Kann man googeln :-)

    Politisch korrekter Nonsense ist jetzt aber wohl vorgeschrieben. Armes Deutschland, arme Welt.

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