Butler bei die Fische

Im Juni 2010 lehnte Judith Butler den Zivilcourage Preis ab, der ihr im Rahmen der Berlin Pride verliehen wurde. Butlers Begründung kann man sich hier anhören:

Das ist ja interessant. Ich habe mir mal die Freiheit genommen, die Rede von Judith Butler ein klein wenig abzuändern:

Liebe Judith Butler,

es tut mir Leid. Unter diesen Umständen kann Ihnen der Preis nicht verliehen werden. Wenn ich darüber nachdenke, was es heutzutage heißt, einen solchen Preis zu verleihen, so finde ich, dass das Kuratorium die Courage eher verlieren würde, wenn sie Ihnen unter den gegebenen politischen Bedingungen den Adorno-Preis einfach verleihen würde.

Einige der Veranstalterinnen der BDS Kampagne, die Sie unterstützen, haben sich explizit rassistisch und antisemitisch geäußert, beziehungsweise sich nicht von diesen Äußerungen distanziert. Die veranstaltenden Organisationen weigern sich antirassistische und anti-antisemitische Politiken als wesentlichen Teil ihrer Arbeit zu verstehen.

In diesem Sinne muss sich das Kuratorium von Ihrer Komplizenschaft mit Rassismus einschließlich antisemitischen Rassismus distanzieren. Wir haben gemerkt, dass homo bi lesbisch trans queer Leute benutzt werden können von jenen die Kriege führen wollen. Das heißt kulturelle Kriege gegen Israel, durch Israelkritik, die auch Sie forcieren und militärische Angriffe durch Hamas und Hisbollah, die Sie rein deskriptiv und ganz wertfrei zur globalen linken Bewegung zählen. Während dieser Zeit und durch diese Mittel werden wir rekrutiert für Fundamentalismus und Militarismus.

Gegenwärtig behaupten viele europäische Regierungen, dass unsere schwul lesbische queer Freiheit geschützt werden muss vor pinkwashing, und wir sind gehalten zu glauben, dass der neue Hass gegen Israel nötig ist, um uns zu schützen.

Deswegen müssen wir nein sagen zu einem solchen Deal, und wenn man nein sagen will unter diesen Umständen, dann nenne ich das Courage. Und wer sagt nein? Wer erlebt diesen Rassismus? Wer sind die queers, die wirklich gegen eine solche Politik kämpfen? Nicht Sie, Frau Butler. Wenn das Kuratorium also einen Preis in Erinnerung an Adorno an Sie vergibt, müssen Sie den Preis an jene weiterreichen, die wirklich Courage demonstrieren.

Damit dürfte eigentlich alles gesagt sein, aber ich möchte dennoch noch kurz Richard Allen Landes zu Wort kommen lassen:

“Liebe Judith, du denkst, deine Kritiker werfen dir Antisemitismus vor und jedem, der Israel kritisiert. Aber in Wirklichkeit besteht die Kritik nur darin, dass du und einige andere mit der Hyperkritik an Israel weit über das Ziel hinausschießt und dadurch die wirklichen Antisemiten stärkst. Wenn du den Preis bei der Berlin Pride aus Sorge abgelehnt hast, weil “homo bi lesbisch trans queer Leute benutzt werden können von jenen die Kriege führen wollen”, dann musst du dich auch fragen, ob anderen auch dieses Schicksal widerfahren kann. Du sagst, wir müssten Antisemitismus erkennen und in all seinen Formen bekämpfen. Beginne mit deinen eigenen Kameraden.”

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11 Antworten zu Butler bei die Fische

  1. Chris(o) schreibt:

    “Hyperkritik” scheint mir Butlers ambivalente Haltung zu Israel zwar nicht hinreichend zu beschreiben, aber auch mir fehlen die passenden Worte dafür, dass eine Frau von bemerkenswertem intellektuellem Format sich in gleichfalls bemerkenswerter Weise zu Israel positioniert.
    Was im rein “akademisch-philosophischen Diskurs” noch erträglich, da theoretisch zu rechtfertigen ist, wird unerträglich, wenn die “Philosophin” sich in die Niederungen des Aktivismus begibt.In Berlin hat sie diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit sehr klar gespürt und den Preis einer Organisation abgelehnt, die ihrem eigenen Maß nicht entsprach.
    In Frankfurt hätte Butler sich zu fragen, wo sie selbst hinter ihren Maßstäben zurückbleibt und wo sie sich zur Gallionsfigur missbrauchen ließ und noch lässt.”Aktivismus” ist niemals gerecht, der CSD nicht, der BDS auch nicht.Aber Israel und Palästina sollten von einer Judith Butler gerecht betrachtet werden können.Warum kann sie es nicht?

  2. OB schreibt:

    hallo, ich bestätige mich selbst, da ich gernegross bin.
    Also erkenne ich die Grösse des hier dargelegten Themas nicht.
    Also ducke ich mich weg in den Schatten.

    Soll Ihnen Frau Butler jetzt irgendwie Fische hinterhertragen, oder haben Sie ihren Namen nicht richtig gelesen? “Berlin Pride” klingt dabei nach gutem Ebenmass, nach würdigen, willigen Menschen, und nach echtem Interesse. Ich bin ebenfalls Organisator einer Non-Profit Organisation, sie hat nur noch keinen Namen. Es hat mit der Verteilung der Mittel und den Mitteln der Verteilung zu tun.

    Was, und in aller Welt, reitet Sie denn eigentlich, solches wie Obenstehendes zu schreiben? Ist es der Schwarm?
    Das könnte halt schon sein.

  3. Elisabeth B-G schreibt:

    Hilfe!! Wer kann mir helfen zu begreifen,warum immer Israelkritiker Preise bekommen und Israelfreunde nur dann, wenn es d politische Kalkül erfordert?

    • Hofterdingen schreibt:

      Weil der Adorno-Preis nicht für die Israelkritik vergeben wird, sondern für die Fähigkeit differenziert über Dinge nachzudenken, eine Meinung zu forumlieren und zu untermauern und auch zu verteidigen. Ich bin neu auf dem Blog hier, aber von diesem Beitrag und den Kommentaren hier ziemlich enttäuscht. Es ist schade, zu sehen wie wenig sich hier mit der Materie auseinandergesetzt wurde. Insbesondere Butler scheint nur mit dem halben Po zugehört worden zu sein. Um mal zu provozieren, könnte ich fragen ob die Ignoranz ihr gegenüber was damit zu tun hat, dass sie eine jüdische Frau ist. Wer Interesse daran hat sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen klicke da: http://www.berliner-zeitung.de/kultur/adorno-preis-an-judith-butler-selbstbehauptung-und-gerechtigkeit,10809150,17198138.html

      • tapferimnirgendwo schreibt:

        Kenn ich schon. Dennoch danke.

      • Chris(o) schreibt:

        “Gerechterweise” sollte Frau Butler sich dazu durchringen können, Hamas und Hisbollah als das zu bezeichnen,was sie de facto, d.h. nachgewiesenermaßen sind:Organisationen, die ihren eigenen Krieg gegen Israel führen,sowphl rhetorisch, als auch ganz praktisch.Dieses Gewaltpotenzial zu ignorieren, ist ist eben ignorant.Die Frage, die sich stellt ist die: Wie kann eine Judith Butler allein Israel der Gewalttätigkeit bezichtigen,was sind ihre Gründe dafür?Die banale Antwort schmerzt, angesichts solch intelligenter Power: Judith Butler fühlt sich ideologisch “verpflichtet”, als “Links-Intellektuelle” folgt sie der Programmatik der “Globalen Linken”.
        Traurig, wie Ideologie das klare Denken einzuschränken vermag, von “Jüdischer Ethik” ganz zu schweigen.

        • Aristobulus schreibt:

          Chris(o),
          genau so. Judith Butler ist eine verblendete Ideologin, die freilich anders könnte, wenn sie nur wollte. Ich habe mal eine Essaysammlung von ihr gelesen. Ein Essay handelte vom Gesicht, das jeder hat, das unendlich verletzbar ist (“das Antlitz”). Sie schrieb beeindruckend, sensibel und profund…

          Gleich der nächste Essay gefiel sich in eisigen Schuldzuweisungen gegen ‘Israel’. Sie hat ihn just 2002 geschrieben!, als die Welle der Selbstmordattentate auf dem Höhepunkt angelangt war. Bomben zerfetzten Pizzeriabesucher, Businssassen und Diskothekenbesucher, Menschen mit Bomben schlichen durch Jerusalem. Jedoch Butler ließ sich keine menschliche Regung anmerken, sondern hetzte gegen ‘Israel’. Erschütternd

  4. M. schreibt:

    Stellungnahme des Botschafters zur Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler
    Botschafter Yakov Hadas-Handelsman findet die Entscheidung, den Theodor-W.-Adorno-Preis 2012 an Professor Judith Butler zu verleihen, enttäuschend.

    „Wir sind nicht in der Position, die wissenschaftlichen Verdienste von Judith Butler zu beurteilen, aber wir können diese nicht unabhängig von ihren Ansichten gegenüber Israel betrachten,” so der Botschafter.

    “Professor Butler hat sich entschieden, an vorderster Front derjenigen zu stehen, die einen Boykott Israels befürworten.

    Im Zentrum ihrer Agenda steht es, Israelis zu boykottieren, weil sie Israelis sind.

    Es ist bestürzend, dass ein Preis, der in Erinnerung an ein Opfer des deutschen Nazi-Boykotts vergeben wird, an jemanden verliehen wird, der einen Boykott als legitimes Mittel ansieht.“

    (Botschaft des Staates Israel, 10.09.12)

    • Aristobulus schreibt:

      Botschafter Hadas-Handelsman bringt es in den kurzen Sätzen auf den Punkt.
      Er kämpft auf verlorenem Posten, sie bekommt den Preis und kriegt ‘ne Bühne für die schicke, modische, links-globalistische Attitüde, die Israel als jüdischen Staat abschaffen will.

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