Morgen geht es los:
“Dreck” von Robert Schneider
mit Dincer Gücyeter
in einer Inszenierung von Gerd Buurmann,
am Freitag, 28. September 2012 um 20 Uhr
im Arkadasch Theater, Bühne der Kulturen, Platenstr. 32 in Köln.
Ein Mann steht auf der Bühne und verkauft Rosen. Sein Name ist Sad. Er fängt an zu reden: “Ich bin beschnitten”, sagt er, “ich weiß, das ist barbarisch” und: “Ich bin der Dreck!” In einem großen Monolog erzählt Sad von sich und dem Land, aus dem er kommt, von seinen Erinnerungen, Träumen und Hoffnungen. Voller Poesie und doch provokant beschreibt er sein Leben in Köln, die Stadt, dessen Landgericht erst jüngst die religiose Beschneidung als Körperverletzung gewertet hat. Sad erzählt also von seinen Erfahrungen mit Fremdheit und Verachtung in einem Land zwischen “Der Islam gehört zu Deutschland” und “Beschneidung ist Körperverletzung”.
In dem Stück “Dreck” werden Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit aus der Perspektive des Migranten betrachtet und so wird klar, dass auch Sad ein Deutscher ist, wie wir alle, mit Stolz und Vorurteilen.
Dincer Gücyeter spielt nicht Sad. Er ist Sad. “In der englischen Sprache heißt Sad traurig.” Im Verlauf des Stückes zerfließen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Redet dort Sad? Oder Dincer? Oder doch der Regisseur? Ist das wirklich Spiel? Ist das ein Schauspieler? Oder ist der echt? Ist er Araber? Oder Türke? Oder Deutscher?
“Ich bin Sad. Einfach nur Sad!”
Bilder: Yavuz Arslan


der dreck ist doch seit jahren schon auf ihren seiten….
Hätte nicht Bastian Pastewka den Rosenverkäufer spielen können statt Aiman Mazyek?
Ob das 20 Jahre alte Stück nicht ein wenig überholt ist? Oder soll es als eine Reminiszenz an die guten alten schlechten Zeiten aufgeführt werden, als der “Ausländer” (heute: “Migrant”) der Gute und Arme war und die böse “Aufnahmegesellschaft” ihn nicht tolerierte und diskriminierte? Die Zeiten haben sich seit Anfang der 90er Jahre etwas geändert. Nach “rechtspopulistischer” Zählung wurden ca. 7500 Deutsche von Ausländern nicht toleriert, sondern diskriminiert und umgebracht. Aktuell stach ein “Migrant” seine Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt ab. Der musste allerdings nicht illegal Rosen verkaufen, sondern bezog seit Jahren mit seiner Familie Hartz IV.
Wie wäre es, statt der alten Gutmenschkamelle, mit einem neuen, frischen Stück, z.B. : “Kartoffelschlampe”?
Eine junge Frau steht auf der Bühne. Ihre Kleider sind zerissen. Ihr Name ist Sabine. Sie fängt an zu reden: “Ich wurde vergewaltigt”, sagt sie “ich weiß, das ist barbarisch” und: “Ich fühle mich wie Dreck!” In einem großen Monolog erzählt Sabine von sich und der Stadt, in der sie lebt, von ihren Erinnerungen, Träumen und Hoffnungen. Voller Poesie und doch provokant beschreibt sie ihr Leben in Köln, die Stadt, in der ca. 80% der Vergewaltigungen von türkisch-arabischen muslimischen Migranten begangen werden. Sabine erzählt also von ihren Erfahrungen mit Verachtung, Deutschenhass und Gewalt in einem Land zwischen “Der Islam gehört zu Deutschland” und “Islam ist Frieden”.
In dem Stück “Kartoffelschlampe” werden Deutschenhass und Deutschenfeindlichkeit aus der Perspektive einer Deutschen betrachtet und so wird klar, dass Sabine eine Deutsche ist, wie inzwischen viele, mit Angst und schlimmen Erfahrungen.
Nicht, dass man die “Rosenverkäufer” Geschichte nicht erzählen sollte, aber Ihre Variante als Kontrapunkt gefällt mir auch nicht schlecht. Vielleicht als
Parallelaufführung, mit sich abwechselnden Akten.
Komm erst mal in die Inszenierung bevor Du urteilst. Alles Liebe.
isch komm morgen auch in inszenierung, lieber digger.
Danke für die Einladung. Leider bin ich zu weit weg. Ich habe keinerlei Zweifel an der Qualität der Inszenierung und wünsche Euch gutes Gelingen und toi toi toi.
So ein Dreck.
Aber Abu Sheitan hat da einen ganz wichtigen Punkt angesprochen. Ich fühl mich auch immer mehr als Ausländer im ‘eigenen’ Land. Bei rund 20% Migranten Anteil ist das auch kein Wunder. In meiner Heimatstadt gibt es Zeiten (Abends) und/oder Viertel an/in denen ich mich nicht wohl fühle alleine zu gehen. Es gab auch Zeiten in denen ich sehr migrantenfreundlich war (meine Schul- und Studentenzeit hatte ich einige Freunde mit sogenanntem ‘Migrantenhintergrund’. Aber so nach und nach beginnt sich meine Einstellung zu ändern. So wie sich die Zeiten ändern.
Vielleicht wäre das auch mal eine Überlegung wert so etwas zu inszenieren. Ich hätte auch schon einen Titel:
‘Fremd im ‘Eigenen’ Land’.
Oder ist das nicht politisch korrekt genug?
(Vielleicht erst in 20 Jahren wenn die Deutschen mit nicht-migrationshintergrund in der Minderheit sind)