Die Lust am Bösen

Wen machen wir nicht alles verantwortlich, wenn wir mal wieder mit bösen Taten konfrontiert werden? Die Gesellschaft, die Eltern, die Politik, die Umstände? So viele Therapeuten, Psychologen und Soziologen sind sich so verdammt sicher, dass alles nur eine Frage der Erziehung ist. Aber was, wenn alles ganz anders ist? Was, wenn es das Böse einfach gibt?

Diese Fragen stelle ich mir jedes Mal, wenn ich wieder die Ehre habe, einen Shakespear’schen Bösewicht zu spielen. Der letzte Bösewicht, den ich spielen durfte, war Jago aus Shakespeares Drama “Othello”. In dem Drama gibt er Antwort auf meine Fragen:

“In uns selber liegts, ob wir so sind oder anders.
Unser Körper ist ein Garten und unser Wille der Gärtner,
so daß, ob wir Nesseln drin pflanzen wollen oder Salat bauen,
Tomaten aufziehn oder Thymian ausjäten,
ihn dürftig mit einerlei Kraut besetzen
oder mit mancherlei Gewächs aussaugen,
ihn müßig verwildern lassen oder fleißig in Zucht halten
- das Vermögen dazu und die bessernde Macht
liegt durchaus in unserm freien Willen.
Hätte der Waagbalken unsres Lebens nicht eine Schale von Vernunft,
um eine andre von Sinnlichkeit aufzuwiegen,
so würde unser Blut und die Bösartigkeit unsrer Triebe
uns zu den ausschweifendsten Verkehrtheiten führen;
aber wir haben die Vernunft, um die tobenden Leidenschaften,
die fleischlichen Triebe,
die zügellosen Lüste zu kühlen.”

Auch wenn es schwer fällt, einem Bösewicht zuzustimmen, aber er hat Recht! Was auch immer einem Menschen widerfährt, welche ganz persönlichen Schicksalsschläge er auch immer zu verkraften hat, der Grund für alle seine Entscheidungen, mögen es nun gute oder schlechte sein, liegt einzig und allein in seinem freien Willen. Othello selbst ist ein gutes Beispiel dafür.

Obwohl Othello als afrikanischer Mann in der venezianischen Gesellschaft nur allzugut wissen sollte, was es bedeutet, ein Außenseiter zu sein, obwohl er die Ketten der Sklaverei zu spüren bekam, ist er selbst nicht frei von Intoleranz und Rassismus. Othello brüstet sich damit in Aleppo einen Türken erstochen zu haben und wenn sich seine Untergeben mal nicht nach seinem Sinne benehmen, dann ruft er abwertend: “Sind wir denn Türken?” Jammern aber kann Othello. Jedesmal, wenn ihm Unrecht geschieht, dann platzt es aus ihm raus: “Weil ich schwarz bin?”

Ja, Othello, weil Du schwarz bist, wirst Du schlecht behandelt und diskriminiert. Das ist schlimm, sehr schlimm. Dein Anderssein ist die Entschuldigung der Xenophoben und Rassisten für ihren Hass. Aber was ist Deine Entschuldigung, wenn Du einen Türken diskriminierst und tötest? Er ist Türke! Was ist Deine Entschuldigung, wenn Du Desdemona erstickst? Sie ist eine Frau! Weißt Du, was Yoko Ono und John Lennon mal geschrieben haben? Natürlich nicht, sie waren noch nicht geboren, als Du tötetest, daher lass mich hier nun das Liebespaar zitieren: “Woman is the Nigger of the World!”

Othollo, Du bist zwar der Mohr von Venedig, aber Desdemona ist der Mohr der Welt. Und? Läßt sich Desdemona deshalb moralisch gehen? Nutzt sie ihr Schicksal und ihr Leid als Erklärungs- und Entschuldigungsmatrize für Zorn und Rache? Nein! Desdemona entscheidet sich trotz all ihrer Erfahrungen für das Gute! Shakespeare beschreibt die Tugend Desdemonas mit folgenden Worten und wieder einmal legt er sie dem Bösewicht Jago in den Mund:

“Die immer schön, doch nicht dem Stolz vertraut,
Von Zunge flink, doch niemals sprach zu laut;
Nicht arm an Gold, nie bunten Schmuck sich gönnte,
Den Wunsch erstickt und dennoch weiß: »ich könnte!«;
Die selbst im Zorn, wenn Rache nah zur Hand,
Die Kränkung trägt und ihren Groll verbannt;
Die nie von Überwitz sich läßt berauschen,
Für derben Salm den Gründling einzutauschen;
Sie, die viel denkt, die Neigung doch verschweigt,
Und keinen Blick dem Schwarm der Werber zeigt;
Die nennt’ ich gut, – wär’ sie nur aufzutreiben, –”

Desdemona will also Gutes schaffen, obwohl sie Opfer des Sexismus’ ist. Othello jedoch schafft Schlechtes! So wenig aber wie Desdemona vom Sexismus zum Schlechten verführt wurde, wurde Othello durch den Rassismus zum Bösen verführt. Es gibt für seine Taten nur einen Grund: Er hat sich dazu entschieden – wenn auch in tobender Eifersucht – aber er hat sich entschieden; oder, um es mit den Worten Jagos zu sagen:

“In uns selber liegts, ob wir so sind oder anders.”

Erinnert sich noch jemand an Nojoud Ali? Vermutlich nicht!

Nojoud Ali ist eine Heldin in Kindergestalt! Sie wurde als Kind im Jemen zwangsverheiratet, entführt, mehrfach vergewaltigt und ausgebeutet. Das Leben dieses Mädchens wurde in unvorstellbarer Weise geschändet! Sie lebt noch heute in Armut und ist in ihrer Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt. Der Reisepass wurde ihr entzogen und eine Teilnahme am Women’s World Awards 2009, der ihr verliehen wurde, wurde ihr verwehrt. Die einzige Einkommensquelle der 19-köpfigen Familie Nojoud Alis ist die Bettelei. Und, was macht Nojoud Ali? Zusammen mit der Rechtsanwältin Shada Nasser setzt sie sich dafür ein, dass Mädchen vor Zwangsheirat bewahrt werden.

Erinnert sich noch wer an Tim Kretschmer? Vermutlich schon.

Tim Kretschmer war Schüler an der Albertville-Realschule und schloß dort mit der Mittleren Reife ab. Sein Vater war Sportschütze und besaß 15. Im Alter von 17 Jahren wurde er als Amokläufer und Mörder von Winnenden bekannt.nWas immer als Erklärung für seine Tat herangeführt werden mag, eins kann nicht geleugnet werden: Nojoud Ali ist nicht Amok gelaufen! Das gleiche gilt für Othello. Was immer auch als Erklärung für seine Rache herangeführt werden mag, Desdemona hat nicht gemordet!

Und was ist Jago Entschuldigung? Jago, der Bösewicht, der Othello in die Eifersucht und Desdemona ins Verderben getrieben hat, erklärt sich selbst:

“Ich dien’ ihm, um mir’s einzubringen; wir können
Nicht alle Herrn sein, nicht kann jeder Herr
Getreue Diener haben. Seht Ihr doch
So manchen pflicht’gen, kniegebeugten Schuft,
Der, ganz verliebt in seine Sklavenfessel,
Ausharrt, recht wie die Esel seines Herrn,
Ums Heu, und wird im Alter fortgejagt. –
Peitscht mir solch redlich Volk! Dann gibt es andre,
Die, ausstaffiert mit Blick und Form der Demut,
Ein Herz bewahren, das nur sich bedenkt;
Die nur Scheindienste liefern ihren Obern,
Durch sie gedeihn und, wann ihr Pelz gefüttert,
Sich selbst Gebieter sind. Die Burschen haben Witz,
Und dieser Zunft zu folgen ist mein Stolz.”

Jago weiß, dass es keine andere Erklärung und Entschuldigung für menschliche Taten gibt, als der freie Wille. Jago fühlt sich seiner Karriere betrogen und rächt sich ganz vernünftig, ganz böse. Wenn man Othello etwas zu Gute halten will, dann, dass seine Vernunft vom Zorn benebelt wurde. Mit etwas gutem Willem kann Othello eine Unzurechnungsfähigkeit attestiert werden, aber Jago handelt im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Er hat sich voll und ganz bewußt für das Böse entschieden.

“Ja, hier liegt’s, noch nicht entfaltet; die Bosheit wird durch Tat erst ganz gestaltet.”

***

Auszug aus “Die Lust am Bosen” von Eugen Sorg:

“Wann immer wir mit Beispielen menschlicher Grausamkeit und Niedertracht konfrontiert werden, reagieren wir ratlos. Wir suchen nach einer rationalen Erklärung, die der Tat den Schrecken des Sinnlosen nehmen soll. Dass jemand einen anderen tötet aus reiner Freude am Töten, scheint uns undenkbar geworden zu sein. Seit rund einem halben Jahrhundert hat sich in den reichen westlichen Ländern die Auffassung durchgesetzt, dass das Böse eine Reaktion auf erlittenes Unrecht sei, gleichsam ein fehlgeleitetes Gutes, die Folge einer Ursprungskränkung aus der Vergangenheit. Je abscheulicher eine Tat, so die Universaldiagnose, desto weniger ist der Täter dafür verantwortlich. „Das Problem der bösen Leute“ sei, fasst der amerikanische Philosoph Richard Rorty die therapeutische Weltauffassung der kulturellen Eliten des Westens zusammen, „dass sie nicht so viel Glück gehabt haben wie wir selbst hinsichtlich der Umstände, unter denen sie aufgewachsen sind.“ (Rorty, Wahrheit und Fortschritt, Frankfurt a. M. 2000.)

In allen bekannten bisherigen Gesellschaften wurde das Böse als eigenständige Macht begriffen. Uralte Mythen erzählen davon, wie es in die Welt kam, die Legenden der Völker berichten von seiner vielgestaltigen Erscheinung, Religionen warnen vor dessen Verführungskraft. Die grundlegenden zivilisatorischen Erzählungen gehen vom selbstverständlichen Wissen aus, dass in der Fähigkeit zum Bösen die menschliche Freiheit begründet liegt, die ihn vom Tier unterscheidet, und dass das Böse letztlich ein Rätsel, eine „unbegreifliche Faktizität“ (Sören Kierkegaard) bleibt. Wahrscheinlich hat es dies noch nie gegeben, dass eine ganze Kultur, so wie die unsere, das Böse als im Prinzip vermeidbarer Betriebsunfall und nicht als wesentlicher Bestandteil der Conditio humana beurteilt hat. (…)

Das Böse begleitet die Humangeschichte. Es ist nicht heilbar, nicht umerziehbar, nicht wegfinanzierbar. Es ist die tragische Bedingung der menschlichen Freiheit, man kann es nur abschaffen, wenn man den Menschen abschafft. Seine Kraft ist gewaltig. Nicht nur weil es lähmende Angst verursachen kann, sondern auch weil es verführerisch ist. Es unterbricht die Monotonie des Alltags, bedeutet intensives Leben und verspricht die Befreiung von Grenzen und Zwängen. Die Existenz des Bösen zu verleugnen, ist der gerade Weg, sich ihm auszuliefern. Sich vor ihm schützen kann nur, wer es erkennt. Die allermeisten von uns verfügen über einen instinktiven moralischen Kompass. Der Mensch ist das moralische Tier. Einzig unsere Spezies steht jederzeit vor der Wahl, sich für das Gute oder das Böse entscheiden zu müssen. Ob wir diesem auch folgen, bleibt jedoch unvorhersehbar, denn dieser Entscheid unterliegt unserem freien Willen.”

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169 Antworten zu Die Lust am Bösen

  1. Robin Urban schreibt:

    Man ist eben nur so lange Opfer, wie man nicht zum Täter wird.

    • Aristobulus schreibt:

      Nein. Die schlimmsten Täter sehen sich als ärmste Opfer…

      • Robin Urban schreibt:

        Das eine schließt das andere nicht aus.

        • Aristobulus schreibt:

          Deins schloss aus, dass ein Täter noch Opfer sei, nicht?
          - Opferdasein als Haltung gehört zum Aggressivsten überhaupt. Ein Opfer muss für nichts verantwortlich sein, muss sich nicht vom Fleck bewegen, schiebt alles auf die bösen Anderen.

          • Robin Urban schreibt:

            Da kollidiert die persönliche Wahrnehmung mit der von Außen. Gerade ein “böser” Mensch sieht sich, denke ich, immer als Opfer, da er seine Bosheit ja irgendwie für sich selbst begründen muss. Keiner ist gerne böse. Die bösesten Menschen sind vielleicht einfach nur am erfolgreichsten darin, sich selbst zu belügen.

            Aber von Außen sieht das eben anders aus. Ich kann solange Mitleid mit einem Typen, der als Kind missbraucht worden ist und daraufhin pädophile Neigungen entwickelt hat haben, solange er diesen nicht nachgibt. Ab diesem Zeitpunkt tritt das Opfersein hinter seine neue Täteridentität zurück. Und ab da fällt das Mitleid etwas schwer. Man kann zwar in Hinblick auf seinen früheren Opferstatus seine Taten erklären und verstehen, aber es sollte dadurch niemals so etwas wie Toleranz für die Tat aufkommen.

          • Aristobulus schreibt:

            “Keiner ist gerne böse”
            Nanu. Woher weißt Du denn das?

            Selbstverständlich steckte Osama bin Laden äußerst gerne drin in seiner Haut, er war stolz auf seine Taten, sonnte sich in seinem Ruf. Tausende, die er hat umbringen lassen.

            Und etwa die Drahtzieherin des Bombenanschlags auf das Dolphinarium in Israel (bei dem viele Jugendliche zerfetzt wurden, geplant von dieser Frau) war GLÜCKLICH, als man ihr berichtete, dass es mehr Tote gegeben habe, als sie gewusst hatte.
            Bei YouTube existiert ein Mitschnitt. Was die Drahtzieherin antreibt, ist einfach die Lust am Bösen. Sie ist es GERN. Es bereitet ihr Freude.

            Oder das Lächeln des Mörders, eines von zwei, die die Familie Fogel mit Messern abschlachteten. Nu ja, sehr blühend sah der nicht aus. Aber er grinste wie ein ganz junger Arafat. Er war STOLZ auf seine Tat, die steigerte ihm das Leben.
            Die jüngste der Ermordeten war erst vier Monate alt, sie hieß Hadassah. Der Mörder, Amir mit Nachnamen, ist erst neunzehn Jahre alt, und er ist gerne böse.
            Ob man es nun wahrhaben möchte oder nicht.

          • kleines Südlicht schreibt:

            [keiner ist gerne böse]

            Doch. Das ist es nämlich, was “böse” von “schlecht” unterscheidet.
            “Schlecht” geht nach den Folgen: dem Mord, der Vergewaltigung, dem niedergebrannten Dorf voller unschuldiger Zivilisten. Und dann kanns an der Gesellschaft liegen, der Kindheit, dem Intensiv-Opfer-sein oder woran auch immer, das ist da erstmal egal. Im Grunde kann der Täter da garnichts dafür können, “schlecht” bewertet allein, was hinten rauskommt. (“Grausam” meistens auch, das ist so ein Zwischendings.) Und da kann man wirklich, richtig, nur noch schlecht sein, aber:
            “Böse” hat eine ganz andere Dimension und ist nicht einfach die Steigerung von “schlecht”. Genauso, wie man unendlich unterteilt weiterzählen kann bis dorthinaus (für die Mathematiker: bis Aleph-Plex) und trotzdem nie bei -i ankommt, kann etwas so schlecht sein, wie es will, und trotzdem sagt das über “böse” nichts aus. Böse muß man sein WOLLEN. Das beinhaltet, daß jemand eben schon anders KÖNNTE, aber das in vollem Bewußtsein NICHT ist, weil er/sie nicht anders WILL und SPAß dran hat. Idealerweise (wenn ich mich hier ein Bißchen verkanten darf) sogar OHNE einen Grund außer um seiner selbst willen. Das Böse ist sowas wie das -i der Moral; die Kehrseite einer Münze, bei der Gut und Schlecht gemeinsam die Vorderseite bilden; das, was übrigbleibt, NACHDEM alle Erklärungen fürs schlechtsein nichts taugen.

            Und das ist man gerne, oder zumindest zwingend freiwillig, sonst ist mans nicht. Sondern nur noch schlecht,.

          • Dante schreibt:

            @kleines Südlicht

            Doch. Das ist es nämlich, was “böse” von “schlecht” unterscheidet.

            Das sehe ich völlig anders. Zwar denke auch ich, dass das Böse in jedem Falle Intention voraussetzt, aber die müssen nicht unbedingt darin bestehen, böse zu sein oder Böses zu tun. Man kann im Gegenteil behaupten oder sogar der ehrlichen Meinung sein, man tue etwas Gutes.
            Das gilt, @Aristobulus, gerade für Leute wie Osama bin Laden oder Ahlam Tamimi. Und übrigens auch für Hitler, auch er meinte, der Menschheit (selbst den unterworfenen Völkern, die er eigentlich verachtete) einen Dienst zu erweisen – zumindest behauptete er es.

            Meiner Meinung nach zeichnet es unter denen, die anderen Menschen Schlechtes antun, gerade

            besonders

            böse Menschen als solche aus, dass sie eben gerade nicht “böse sein wollen”, weil sie nämlich ihre Opfer ganz besonders verachten und der Meinung sind, sie verdienten ihr Schicksal (das hat z.B. Goebbels ganz explizit über die Juden gesagt, und übrigens auch User auf Youtube über die Deutschen – nicht nur die Nazis – im Zusammenhang mit the big rape) oder sie seien eines besseren nicht würdig.

          • F schreibt:

            @kleines Südlicht:

            Hmm, interessantes Konzept. Nach diesem Erklärungsmodell – Wäre da Brejvik böse oder nur schlecht bzw. grausam? Soweit ich weiss haben einige Gutachter hunderte von Seiten verfasst, um Brejviks Welt verstehen zu lernen. Ich weiss leider keine Details, aber ich würde gerne Ihr Konzept besser verstehen. (Wenn mein IQ dafür ausreicht that is).

            Vertehe ich Sie richtig. Böse ist -unendlich? Bin leider kein Mathematiker. Wieso eigentlich -i? Ist Böse ausserhalb der normalen Definition von Gut und Schlecht? Sozusagen eine andere Dimension? *kratzt sich den Kopf*

          • Aristobulus schreibt:

            Dante,
            auch Stalin behauptete, er tue nur das Beste für die Russen. Eichmann hatte Mitleid mit den Juden, deren Todestransporte er in aller Voraussicht und Professionalität organisiert hatte, aber er befolgte ja nur Befehle – und ein Kindervergewaltiger redet gern von der Sinnlichkeit und den Lockspielen seiner Opfer.

            Manche sind verlogen, manche sind noch verlogener, und manche haben außer ihrer Lebenslüge gar nichts Anderes, nicht?

            Mir ist der Unterschied zwischen Böse und Schlecht nicht klar. Le mal et le mauvais? The bad and the evil? Sollen die Begriffe Steigerungen voneinander sein, oder bedeuten sie Verschiedenes?

            Es sind nur Begriffe, Worte.

            Oben ging es ums’s Empfinden, um’s Wohlfühlen – darum, ob jemand das Böse/Schlechte/Miese GERN tut, das er da tut.
            Man sehe sich solche Menschen bei ihren Aussagen vor Gericht oder vor der Presse an… auch Saddam Hussein vor Gericht, oder Milosevitch. Oder die besagte Frau Tamimi (danke für den Namen, Dante!, jedoch er möge ausgetilgt sein).

          • Dante schreibt:

            Mir ist der Unterschied zwischen Böse und Schlecht nicht klar.

            Schlecht ist ein Oberbegriff, böse heißt moralisch schlecht. Schlecht im Allgemeinen kann man auch in verschiedenen Disziplinen sein, in Mathe, Deutsch, Sport, Musik, im Kochen etc.. Wer böse ist, ist schlecht im Menschsein, genauer gesagt im Mitmenschsein.

          • Dante schreibt:

            … auch Saddam Hussein vor Gericht, oder Milosevitch. Oder die besagte Frau Tamimi (danke für den Namen, Dante!, jedoch er möge ausgetilgt sein).

            Ausgetilgt? Das ist doch die ägyptische, römische,…, sowjetrussische Variante, mit tatsächlichen und vermeintlichen Feinden umzugehen. Juden erinnern üblicherweise an die Feinde, die sie überlebt haben – mit einer Mehlspeise.
            Interessant übrigens, dass Sie Frau Tamimi nur wenige Worte von Milosevic entfernt erwähnt haben. Da möchte ich mal meiner Lust zum Bösen nachgeben und mir die Bemerkung erlauben, dass Tamimi das Lächeln schon vergangen wäre, wenn Milosevics Serben an Stelle der Israelis stünden. Die hätten womöglich kalkuliert, dass sie an der Ermordung von 8 Kindern beteiligt gewesen sei und dem serbischen Volk folglich 16 schulde… :twisted:

          • kleines Südlicht schreibt:

            @ Dante: das meine ich weiter unten mit “elitär” = Brejvik und Eichmann und die ganze Baggage meinen, sie stehen meilenweit über gewöhnlichen Menschen (oder zumindest über einer bestimmten Gruppe davon); was ihnen das Recht gäbe, alles mit ihnen zu tun, was sie für gut oder für richtig halten. (Entweder für richtig für diese anderen oder nur für richtig für sich selbst.)
            Die würden definitiv sagen, was sie tun ist außerhalb der “normalen” Definition von gut und schlecht, weil … [und dann folgt ihr Motiv].

            Ich sage auch übrigens nicht, etwas schlechtes zu tun sei in irgendeiner Weise weniger verdammenswert, als etwas böses. Es ist einfach nur erklärlicher, weil es außer der freiwilligen Entscheidung dazu noch andere, nachvollziehbare Ursachen oder Gründe haben kann.
            So ein Bißchen der Unterschied zwischen Totschlag im Affekt und berechnetem Mord.

            Wenn jemand geistig unzurechnungsfähig ist, und garnicht mehr weiß, was er tut, geschweige denn warum, steht das sowieso außen vor.

          • Dante schreibt:

            …das meine ich weiter unten mit “elitär” = Brejvik…

            Vergessen sie Merah nicht, wenn sie Breivik erwähnen. Für mich sind das Brüder im Ungeist. Übrigens stößt mir übel auf, dass über Breivik viel geredet und über Merah viel geschwiegen wird.

            …und Eichmann und die ganze Baggage meinen, sie stehen meilenweit über gewöhnlichen Menschen (oder zumindest über einer bestimmten Gruppe davon); was ihnen das Recht gäbe, alles mit ihnen zu tun, was sie für gut oder für richtig halten.

            Essatte. Übrigens passt das gut zu einer möglichen Verbindung des Wortes, das ursprünglich “gering, wertlos” bedeutete, zum Wort “aufgeblasen”, auch im Sinne von “prahlerisch”, die jedoch angezweifelt wird.

          • Robin Urban schreibt:

            @Aristobulus: Dante hat es ja eigentlich schon gesagt. Trotzdem nochmal:

            All die von dir aufgezählten Menschen dachten, sie hätten einen guten Grund für das, was sie tun. Wer glaubt, das Tiere irgendwie unwerter sind als Menschen, hat kein Problem damit, Fleisch zu essen. Und wer glaubt, dass gewisse Menschen unwerter sind als andere, hat auch kein Problem damit, diese zu töten. Oder betrachtet sie als Kollateralschaden, die zum Zweck irgendeines wie auch immer gearteten “höheren Wohls” geopfert werden müssen.
            Für den Rest der Welt mögen sie wie der leibhaftige Satan wirken, aber für sich selbst finden sie Gründe oder Ausreden, um ihr Tun “gut zu reden”.

            Wer das nicht kann, der wird durch sein schlechtes Gewissen auf ganz natürliche Weise vom Bösen abgehalten. Ausnahmen gibt es hier nur für Psychopathen, die kein Gewissen haben und daher durchaus gerne böse sind, aber da stellt sich die Frage, wie viele der genannten Massenmörder etc. Psychopathen waren. Es wäre erleichternd zu sagen: alle. Aber die Wahrheit ist wohl: kaum einer. Und das macht es so schlimm.

          • Aristobulus schreibt:

            …die Instanz des schlechten Gewissens mag ganz lobenswert sein. Aber es bereitet keinen Spaß, eins zu haben – Mohammed Merah, der drei Kindern in die vor deren Schule Köpfe schoss, war lieber stolz darauf bis zuletzt, und er fand Gründe.
            Kein Psychopath! Er war nicht krank.
            Die Frau Tamimi ist auch nicht krank. Sie ist stinknormal.

          • Dante schreibt:

            Merah ist jetzt in seinem Paradies. Sei ihm gegönnt, wir wissen ja, was Menschen über kurz oder lang so aus Paradiesen machen… :mrgreen:

            Ich gönne ihm auch seine 72 Jungfrauen. Sie sollten nur Strapon tragen und eine Vorliebe für Sambal Olek und andere Chilisaucen als Gleitcreme haben. :twisted:

          • kleines Südlicht schreibt:

            @ Robin: ich denke, ein Psychopath ist fundamental anders böse als jemand wie zum Beispiel Jago. Für Jagos Art der Bosheit braucht dieser nämlich Einfühlungsvermögen – der weiß eben, was Othello so richtig schön wehtut (und setzt es dann erst recht um) – und Einfühlungsvermögen widerum geht einem Psychopathen per definitionem ganz oder zumindest großteils ab.
            Gerade eben kein Psychopath zu sein ermöglicht ihm also, besonders grausam zu agieren?

          • Aristobulus schreibt:

            Dante,
            nach dem Tod bin Ladens (auch Osama-been-Gotten genannt) heulte die arabische Straße auf, dass die Marines ihm nichtmal ein heilig moslemisches Begräbnis bereitet hätten. Welche eine Kränkung…
            Er badet nun am Meeresgrund mit 72 Teufelsfischinnen herum. Die tragen Geißeln mit grüüünen Lämpchen und murmeln “itbach-al-blubb” :mrgreen:

          • Dante schreibt:

            Du läufst hier Gefahr, Dinge zu vermengen, die miteinander nichts zu tun haben, nämlich Opfer-sein und sich-als-Opfer-fühlen oder gar sich-als/Opfer-präsentieren.
            Ersteres ist grausame Realität für jeden, der einer Situation (muss nicht menschgemacht sein, es gibt auch Unfallopfer) mehr oder weniger wehrlos gegenübersteht. Letzteres ist eine Mentalität, das Schicksal oder Andere für Dinge verantwortlich zu machen, auf die die man jedoch Einfluss hat (auch für das eigene Verhalten).

          • Aristobulus schreibt:

            Dante,
            weiß nicht, auf welchen Kommentar Du Deinen bezogst.
            Also, nur meine zwei Cent: Ich glaube nicht ans Opfer-Sein. Weil jeder irgend ein Opfer ist, sei’s der Geldknappheit (Nestroy sagte, die Phönizier haben das Geld erfunden, aber warum so wenig?), sei’s ein Opfer der eigenen Mutter, die einen mal zu wenig liebhatte, sei’s Beziehungsopfer, usf.

            Ich glaube auch nicht an’s wehrlos Gegenüberstehen. Jemand, dem ein Unfall passiert ist, muss weitergehen, sich helfen lassen, muss WEG von dem Moment, als es krachte.
            Indem er von dem Moment nicht weggkommt, führt er weiter ein Opferdasein. Das geht nicht.

            Bei Opferdiskussionen denke ich sofort an meinen Vater: Als er aus den Lagern kam, wog er noch ca. 45 Kilo. Er saß in der Eisenbahn, und eine Bäuerin, entsetzt, bot ihm ein Brot mit Speck an. Er sagte: Danke sehr, ich hab schon gegessen. :D
            Ein Opfer hätte sich auf’s Speckbrot gestürzt… woanders gab es was ohne Speck, das hat ihn wieder hochgebracht. Er musste keine zufällige Gnade annehmen und ausgerechnet Speck essen. Ab dem Moment war er kein Opfer mehr

    • F schreibt:

      Oje. Immer diese Schwarz-Weiss Malerei. Es gibt nicht ‘das Böse’ oder ‘das Gute’.
      Das sind doch nur theoretische Konzepte. Es gibt so viele Spielarten des Bösen und des Guten wie es Motive und Eigenarten des Menschen gibt.

      Man kann Böse sein, ohne es zu wissen. Ebenfalls im vollen Bewusstsein darum. Aus einem Gefühl von Macht, Kontrolle, Reaktion auf Frustration und und und…. (ich will nicht klugscheissen, das wisst Ihr besser als ich)

      Aber als Mensch, der dem Bösen (freien Willen) auch ausgeliefert ist kann ich sagen:

      Diese Konzepte Gut und Böse sind nur theoretische Konzepte. Gegenpole. Ideal und Zerrbild. Um böse zu handeln (und dies auch zu wissen) muss man eine Vorstellung dieser Konzepte haben. Ich bin überzeugt, dass es Menschen gibt, die Böses tun und denken es ist Gut. Und umgekehrt. Ich bin kein Relativist – aber es kommt sehr wohl auf den Standpunkt an. Nehmen wir Brejvik als Beispiel. Dieser Typ ist überzeugt er hat Gutes getan mit seinem Morden. Für die europäische Gesellschaft. Für seine Ideologie.
      (Das ist nur ein Beispiel, es gibt hundert andere).

      Was ich damit sagen will: Es gibt so viele Spielarten des Bösen und so viele Gründe. Kleine böse Taten, große…. Man müsste erst den menschlichen Geist komplett verstehen, um “das Böse” entschlüsseln zu können.

      Da stellt sich mir noch eine Frage: Können Tiere böse sein? Haben diese einen freien Willen? Z.B. ein verstoßener Wolf, der zurück ins Rudel will. Hat der Wolf eine Vorstellung von Rache und verletzten Gefühlen?

      • Dante schreibt:

        Oje. Immer diese Schwarz-Weiss Malerei. Es gibt nicht ‘das Böse’ oder ‘das Gute’. Das sind doch nur theoretische Konzepte.

        Ich fürchte, Sie missverstehen den Thread. Es wird hier nicht in fundamentalistischer Manier dem einen Menschen eindeutig das Attribut “gut” und einem anderen das Attribut “böse” zugeordnet, sondern in erster Linie ausgesagt, dass der Mensch ein mit freiem Willen ausgestattet ist und es nicht für jede menschliche Verhaltensweise eine Entschuldigung gibt und erst recht kein Heilmittel für das, was traditionell als “das Böse” bekannt ist, man es nicht aus der Welt schaffen.
        Ich möchte ergänzen: Nicht auf nichttriviale Welse. Im Prinzip wäre es möglich, alles menschliche oder überhaupt höhere Leben auszulöschen, und wenn dies absichtlich getan würde, wäre das die letzte böse Tat. Das Böse erfordert nämlich einen Geist, der Pläne schmieden und Absichten haben kann.

        Da stellt sich mich noch eine Frage: Können Tiere böse sein? Haben diese einen freien Willen?

        Diese Fragen sind weder pauschal noch sicher zu beantworten. Die Frage “was unterscheidet uns denn vom Tier” ist m.E. völlig falsch gestellt, da es das Tier nicht gibt und alle Eigenschaften, die wirklich alle Tiere miteinander teilen und auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, auch dem Menschen zu eigen sind.
        Nun gibt es Tiere, bei denen wir starke Hinweise darauf haben, dass sie sozusagen “ich” sagen, also die Konzepte “ich” und “nicht-ich” unterscheiden können; sie verhalten sich vor einem Spiegel völlig anders als wenn sie eines Artgenossen ansichtig werden. Dies gilt nicht nur für unsere nächten Verwandten, sondern auch für andere Säuger (z.B. Delfine und Elefanten) und auch Vögel (z.B. Rabenvögel und den Graupapagei), deren Vorfahren diese Fähigkeit völlig unabhängig von unseren entwickelt haben müssen. Zumindest manche von ihnen können auch planen und haben anscheinend auch eine Vorstellung von den Gefühlen anderer. Das macht sie noch nicht böse, ist aber notwendige Voraussetzung dafür, es sein zu können.

        • F schreibt:

          Danke für die Ausführung, Dante. Jetzt ist es klarer.

          Was die Tierforschung anbelangt habe ich neulich eine sehr interessante Scobel Sendung gesehen. Schon beängstigend?/eindrucksvoll wie Nah verwandt wir gewissen Tieren sind. Was Sie sagen kann ich voll unterschreiben.

          Eines Tages finden wir wohl heraus, dass wir A) keinen freien Willen haben und/oder B) gewisse Tiere (Bsp. Menschenaffen) als Person gelten müssen. Mit Grundrechten und Menschenaffenwürde etc. Aber das ist ein anderes Thema, wenn es auch den freien Willen tangiert bzw. inwieweit wir determiniert sind.

          Da stellt sich noch eine Frage in mir: Was IST eigentlich böse? Diese Definition ist ja nur in einem gesellschaftlichen Rahmen zu stellen. Wenn mich ein Bär frisst ist der Bär ja nicht per Definition böse. Obwohl es böse für mich ausgeht ;) (Obwohl der Bär diese Tat planen kann und sich frei entscheiden kann)

          • Aristobulus schreibt:

            F.,
            mit den wirren Überlegungen willst Du Aufmerksamkeit erregen und davon ablenken, dass DU freilich für Dich abstreitest, einen freien Willen zu haben.
            Denn Du rastest lieber manchmal aus und gießt kleinere und größere Judenhassereien in irgend Blogs, wenn es Dich mal wieder zwackt.

            Natürlich suchst Du Dir das nicht frei aus – es überkommt Dich, ach, Du bist dem unterworfen, denn Du suchst Dich ja nur selbst, Dich und Deine verlorene Genialität, an die Du glaubst, wennn Du was im Fernsehen siehst oder Dich im Spiegel betrachtest.

            - Leute, hier haben wir einen, der weiß, wieviel Spaß es macht, böse zu sein. Fragt ihn, wenn Ihr was wissen wollt.

            Ich freilich frage ihn nichts – er pestet mich an in seinem widerlich banalen Sich-Gehenlassen und seiner verdorbenen Eitelkeit.

          • Dante schreibt:

            Wie gesagt, ich halte die Frage, ob wir einen freien Willen haben, für falsch gestellt und glaube eher, dass die Frage angebracht ist, wie frei der Wille ist.
            Natürlich wird niemand je beweisen können, dass sie nicht eindeutig mit “nein” beantwortet werden muss; sollte mein Wille komplett determiniert oder teilweise echt zufällig sein – Zufall bedeutet ebensowenig Freiheit wie Determiniertheit – werde ich das niemals merken. Wenn ich mich in Irgendetwas umentscheide, so kann gerade diese Umentscheidung ja Produkt blinden Zufalls (der natürlich nur zwischen den vorhandenen Möglichkeiten wählen kann) oder eben komplett determiniert sein. Es ist ein wenig Glaubensfrage wie die nach dem Solipsismus.

            Dass es elementare rechte auch für nichtmenschliche Wesen geben sollte, insbesondere das recht, nicht gequält zu werden, halte ich für selbstverständlich. Wenn Kirchenvertreter und sogar Menschenrechtler dagegen sind, fehlt mir dafür jedes Verständnis.
            Keinem Menschen fällt ein Zacken aus der Krone, wenn auch andere Wesen durch ein fundamentales Gesetz vor Quälerei geschützt sind, wenn Letzterer den Rang eines Verbrechens erhält, außer dem Tierquäler selbst vielleicht. Der Wert der Menschenwürde hängt gerade nicht davon ab, dass sie ein exklusives Privileg ist und andere Wesen ausgeschlossen sind.
            Übrigens würde ich diese keinesfalls an der Freiheit des Willens festmachen, sonst müsste man sie Menschen, deren Wille wegen Jugend (Säuglinge, Kleinkinder) oder Krankheit nur wehr wenig frei ist, praktisch explizit zusprechen.

          • F schreibt:

            @Aristobulus:

            Sie scheinen mich ja sehr gut zu kennen. Tatsache ist: Sie sind sehr clever. Sie verhackstücken Aussagen/Bemerkungen, die ich mal getroffen haben und machen eine Psychoanalyse von der Ferne, ohne mich je gekannt zu haben. Da sage ich Respekt.
            Schon mal überlegt Psychiater zu werden?

            Ich habe nie behauptet meine verlorene Genialität zu suchen. Ich bin nicht so talentiert. Wissen Sie wo Ihr Problem liegt? Sie stecken Personen zu schnell in Schubladen. Ich habe sehr wohl einen freien Willen. Zumindest nicht weniger als andere hier. Sie sind ausserdem sehr geschickt Leute zu verunglimpfem bzw. zu verleumden. Wo habe ich hier auf Gerds Blog Judengehässigkeiten verbreitet? Wo bin ich ausgerastet? Wo überkommt es mich?

            Ausserdem macht es keinen Spass etwas Böses zu tun. Ganz im Gegenteil. Man ist kurz berauscht ist wie unter Strom und danach fühlt man sich ziemlich miserabel.

            Ach das sollten Sie selber sehr gut wissen. Oder sind Sie perfekt Hr. Cohn? Wenn dem so ist können Sie mir ja sicherlich Tipps geben.

            Was den Schlamm im Hirn anbelangt oder den Schiss in meinem Herzen/Seele da hat A.mOr aka SilverSurfer den Nagel auf den Kopf getroffen. Von dem kannst Du noch was lernen Ari… der hat wenigstens Feingespür. Herz und Seele…. Ja die sind geschunden… Aber bevor ihr mir wieder unterstellt in Weinerlichkeit zu zerfliessen. Das werde ich nicht tun. Ist ja schliesslich nicht mein Blog…. Und ausserdem da sind Sie selber Experte Hr. Cohn… Wenn ich mir Ihre Gedichte so durchlese auf Ihrem Blog…

            Also erstmal vor der eigenen Haustür kehren, Sie Zyniker.

            Übrigens brauchen Sie mich nicht zu sehen, ich habe kein Konterfei so wie Sie.

          • Aristobulus schreibt:

            Na hundertmal lieber ein Zyniker da, wo’s nottut, als ein klebrig selbstbezogener Verantwortungsfeind.
            Das Geheule: “Wooo hier in diesem Blog?”, usf.
            Ob Sie nun im Keller oder in der Besenkammer mit Judenhasserei rumgeworfen haben, scheißegal. Sie kommen ins Wohnzimmer und behaupten, das war ja nur woanders.
            Verschwinden Sie

          • M. schreibt:

            er hat seine maske endlich fallen gelassen.

            o ton f.

            ” Der KZ Überlebende war mir tausendmal sympathischer als Ihr Kostümjuden.
            Ihr beschissenen Wohlstandsjuden die Ihr jammert obwohl es hier nix zu jammern gibt. Stolpersteine aufstellen ..Wofür? Um zu erinnern dass Ihr noch hier seid? Pfff… Es gibt noch hundert andere Minderheiten die auch in Deutschland leben und die kriegen keine solche Aufmerksamkeit. Lernt es endlich mal… Dieses Elitäre Getue… Das hat mich schon im Studium angekotzt. ”

            hau ab du mieses stück.

    • Dante schreibt:

      Das würde ich nicht sagen. Kennen sie die Geschichte des Roman Frister? Was würden Sie für ein Urteil über ihn fällen? Frister, Jahrgang 1928, wurde im Alter von 13 Jahren mit seinen Eltern zusammen verhaftet und verbrachte die nächsten Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern. In einem davon wurde er von einem Mitgefangenen erst vergewaltigt und dann seiner Mütze beraubt; der Vergewaltiger wollte den Zeugen beseitigen, denn dies wäre normalerweise dessen Todesurteil gewesen. Frister stahl in derselben Nacht einem ihm unbekannten Mithäftling die Mütze, im Wissen, dass dieser dann an seiner Statt getötet werden würde. Später überlebte er einen Todesmarsch und wurde befreit.
      Ist er nun in ihren Augen von dem Moment an, als er die Mütze stahl, kein Opfer mehr?

      • Robin Urban schreibt:

        Bei Fällen wie diesen passt das normale Muster nicht mehr.

        Der Junge war ein Kind, als er interniert wurde und obschon er nach heutigen Rechtsempfinden bei der Vergewaltigung und dem Mützenklau kein Kind mehr war, weil er zu dem Zeitpunkt über 14 war, neige ich zu der Ansicht, dass man eine normale geistige Weiterentwicklung nicht voraussetzen kann, wenn jemand im Kindesalter interniert wird. Er war also im meinem Empfinden immer noch ein Kind.
        Darüber hinaus tat er das, was er tat, um sein Leben zu retten. Moralisch mag das verwerflich sein, verstehen kann man es aber. Er war allein, er war kurz zuvor geschändet worden, er hatte Todesangst. Da setzt der Überlebenstrieb ein und normale moralische Maßstäbe greifen nicht mehr.
        Das sind so Fälle, bei denen ich sehr froh bin, nicht auf Gottes Richterstuhl zu sitzen. Oder um Jesus zu zitieren: “Das Thema würde ich nicht mit der Kneifzahne anfassen”.

        • Dante schreibt:

          Vorab: Meine Frage mag einen etwas agressiven Eindruck gemacht haben, war aber nicht so gemeint. Ich wollte ein (zugegebenermaßen extremes) Beispiel dafür liefern, dass man sehr wohl gleichzeitig Opfer und Täter sein kann. Dass man dem Jungen als Täter schwerlich einen Vorwurf machen kann, sehe ich auch so, die Alternative wäre gewesen, einfach zu sterben. Allerdings gibt es auch andere Situationen, in denen Menschen Täter und Opfer gleichzeitig sind; sowohl totalitäre Staaten als auch Kriege bieten jede Menge Gelegenheit dazu.

          • Robin Urban schreibt:

            Sehe ich genauso. Mein erster Beitrag bezog sich daher eigentlich auch nur auf “normale” Situationen fernab von Krieg und Diktatur. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Menschen zu erschießen, aber wer weiß ob ich nicht auch mit der Pumpgun durch die Straßen ziehen würde, wenn Krieg wäre und ich was zu essen suche…

            Ich glaube, in solchen Situationen gibt es nur Helden und normale Menschen.

          • Dante schreibt:

            Ich kann mir nicht vorstellen, einen Menschen zu erschießen, aber wer weiß ob ich nicht auch mit der Pumpgun durch die Straßen ziehen würde, wenn Krieg wäre und ich was zu essen suche… Ich glaube, in solchen Situationen gibt es nur Helden und normale Menschen.

            Nein, besonders böse gibt es auch. Es ist ja selbst dann noch ein Unterschied, ob man sich rücksichtslos nimmt, was man zum Überleben braucht, oder ob man gerade in solchen Situationen überhaupt erst aufblüht, weil sie einem die Gelegenheit bieten, das zu tun, was sie am liebsten tun: Anderen Leuten weh.

          • Aristobulus schreibt:

            Dante, genauuu, und Du wiederholst es, ich wiederhole es, Weitere auch. Wer es nicht verstehen will, versteht es nicht. Es geht darum ja nur beim Othello und im ganzen Shakespeare, immer nur darum, und in Eugen Sorgs Buch… aber es gibt ja noch Lessing und weitere, die lieber versichern, dass jeder eigentlich gut sei und sich beim Bösen dann komisch fühle.
            Kant rief: Aber wir ham doch aufgeklärt!

    • A.mOr schreibt:

      Othello, by the way,
      is it, black is fack?
      Wha’bout dis poor man?
      The BlackJackCrack! :cool:

      In the end he’s just a cutey sweety little big baby!
      All happy! :roll: Hope ya’ll like it! ;) Good Noyt!

  2. Aristobulus schreibt:

    Besten Dank für diesen exzellenten Artikel! Eugen Sorgs Buch über das Böse kann man gar nicht genug lesen, loben und empfehlen, zumal er nicht von einer Theorie ausgeht und nicht von einer Lieblingsidee, wie die Dinge zu sein hätten.
    Sorg sieht die Dinge, wie sie sind…
    Er war als Beobachter und Helfer des IRK im kriegszerstörten Ex-Jugoslawien und beschreibt beklemmend, was er dort erlebte.

    Ich würde sehr gern noch eine Passage von ihm hier zitieren, über Ruanda, aber finde in der Nacht das Buch unter lauter Büchern nicht. Oder es ist wieder verliehen… wenn einer das Buch hat, verleihe er es!, das muss man lesen. Und wenn einer das Buch noch nicht hat, leihe er sich’s.

    Sonst dort zum Bestellen:

    • kleines Südlicht schreibt:

      Au ja, Buchtipps!
      von mir einer zu dem Thema wäre:
      Terry Eagleton: On Evil; London 2010 (Yale University Press)
      (bzw. deutsche Übersetzung: Das Böse; Berlin 2011 ISBN 978-3-550-08830-8)

      • Silke schreibt:

        Terry Eagleton – da war doch was, da war doch was – wer zu sabbern anfängt, bei dem Gedanken, es den Israelis mal so richtig zu geben, ist der schlecht oder böse?

        The author is the kind of Middle Eastern specialist whom the state department can rely upon to suggest (as he does in his book) that the Israel-Palestine conflict gets the heated attention it does because Israel is an “open society” and is thus easier to report on. Israel, he thinks, is merely a convenient displacement of Arab wrath about their own governments. Readers who blink may miss a mention here of the establishment of the state of Israel. They will certainly look in vain for more than five words about Israel’s criminal treatment of the Palestinians.

        http://www.guardian.co.uk/books/2003/sep/06/highereducation.islam

        • kleines Südlicht schreibt:

          Sorry, anderes Buch. Das habe ich nicht gelesen. In dem 2010 erschienenen, welchen, das ich oben angebe, keine Erwähnung.

          Egal wie mans sieht, für die Israelis ist das Resultat (=der Terror) in jedem Fall schlecht. Ob die Nachbarn nun Spaß dran hätten oder sich gefrustet abreagieren würden, wird denen denke ich nicht so wichtig sein; wichtiger wäre ihnen wohl, die ließen es bleiben.

          • kleines Südlicht schreibt:

            P.S: stört ja nicht, daß “Leser [...in der Begründung der arabischen Gewalt...] einen Hinweis auf die Gründung des Staates Israel vermissen werden [...und...] vergeblich nach mehr als fünf Worten [=einer Erwähnung] über die israelische Behandlung der Palästinenser suchen…”. Das zeigt ja nur, daß der Rezensent (fälschlich) meint, es gehöre eigentlich zur Begründung der Terroranschläge dazu; daß das Buch es so aber nicht herleitet.

          • kleines Südlicht schreibt:

            P.P.S: man beachte meinen betonten und überzeugten Gebrauch des Wortes “fälschlich” – soll heißen, will sagen mir fehlt diese Begründung überhaupt nicht, weil ich sie für einen ausgemachten Schmarrn halte.

          • Silke schreibt:

            kriminell hast Du bei Deiner Übersetzung weg gelassen und meine Frage ist, ist die Etikettierung als “kriminell” in diesem Zusammenhang durch Herrn Eagleton nu schlecht oder böse??????

        • kleines Südlicht schreibt:

          Entschuldigung, das kriminelle ist mir schlicht durch die Lappen gegangen. Und auch wohl, das nicht das BUCH, sondern die REZESSION von T. Eagleton stammt.
          Oder ist garnicht die Frage, schlecht ist es in jedem Fall, und falsch außerdem. Wegen böse müßte man wissen, ob das ein linkes Vesatzstück ist, das nachgeplappert wird; oder ob (zudem noch) bekannt ist, daß das eine Fehlinformation ist – und diese dann absichtlich verbreitet wird (z.B. aus antisemitischen Motiven). Die böse Absicht machts dann aus wegen böse; die schlechten Folgen machen es aus, daß es so oder so schlecht ist, soetwas zu schreiben.

          • Silke schreibt:

            in der Zeit, als ich Eagleton hinterher las, habe ich festgestellt, daß er hervorragend informiert ist.

            IMHO ist “kriminell” in dem Zusammenhang ein versuchter Rufmord/ eine gewollte Verleumdung/ mithin Teil des Israel-Mobbing-Zirkus. Interessant wäre also, wie Eagleton solches Verhalten im Buch klassifiziert. Und nachgeplappert gilt bei einem Intellektuellen von Eagleton’s Kaliber nicht. Eagleton ist eine Führungsfigur, kein Hinterherläufer.

            Die Rezension war der erste Treffer, der kommt, wenn ich Eagleton Israel eingebe. Ich bin sehr sicher, daß es sich nicht um eine Ausnahme handelt, denn ich stelle Google solche Fragen nur für Leute, deren Namen ich mir schon mal gemerkt habe.

          • kleines Südlicht schreibt:

            Hmmm… jetzt isses halt die Frage:
            Steht eine Antwort quasi für sich selbst, egal wer sie gibt; sprich kann man das acht Jahre später erschienene Buch (das die Griff-ins-Klo-Ansichten des verlinkten Artikels mit keiner Silbe erwähnt) um seiner selbst willen trotzdem lesen? Und ganz unabhängig sagen: hier ist es gut, da ists schlecht, dasundas sehe ich genauso oder anders.
            Oder sollten immer sämtliche Meinungen und Ansichten des Autors (eben besonders der Griff ins Klo) in die Bewertung mit einfließen?
            Traut man es also quasi der Literatur und Kunst zu, etwas eigenständiges zu sein und von ihren Schöpfern unabhängig – oder nicht? Andere Beispiele wären die Musik von Michael Jackson (…Kinderschänder? Aber gefällt mir auch so nicht) oder die Laokoon-Gruppe (…Mörder? Aber ist auch so Kunst). Liegt das, mal so, mal so; am Niveau des Werks, oder an der Zeit, die die Künstler/Literaten schon tot sind?

            Ich bin da etwas uneins, wie sehen Sie das?

            Keine Frage dagegen ists beim verlinkten Artikel selbst – der zitierte Satz ist krimineller Schwachsinn, und bleibt es auch.

          • kleines Südlicht schreibt:

            P.S: und wie schaut es aus, wenn man (wie ich in diesem Fall) später erst entdeckt, daß da etwas war? Neubewertung – oder gleich weg mit?
            Das muß ja nicht immer Uninformiertheit sein, sondern könnte z.B. ja auch einem Kunsthistoriker passieren.

          • Silke schreibt:

            Eagleton hat doch wohl ein SACHbuch geschrieben oder? und das nicht über Tipps und Tricks beim Herstellen von Pappmaché-Figuren …

            Doch wenn Du Dir wirklich einen Standpunkt dazu bilden willst, bietet sich vielleicht der Name Carl Schmitt an. Bei dradio.de Essay und Diskurs gab’s kürzlich 2 Sendungen zu ihm. Und als weitere Meinungsbildungshilfeneinstieg kann ich noch das hier anbieten:

            http://www.city-journal.org/2012/eon1002td.html

            PS: das erst Hinterher-Merken ist mir mit Gore Vidal passiert – es ist ein mit äußerster Vorsicht zur Kenntnis zu nehmender Rest-Vidal übrig geblieben

    • Ich kenne dieses Buch. Es steckt viel Wahres darin. Sicherlich ist nicht alles nur eine Frage der Erziehung – VIELES ja, meiner Meinung nach, aber eben nicht ALLES. Es ist viel leichter, Böses zu tun, als Gutes, und das Einzige, was uns in vielen – nicht in allen – Fällen davon abhält, dem bequemen Weg zu gehen, ist eine Erziehung zu Mitgefühl und Nächstenliebe.

      • mike hammer schreibt:

        das was abhält ist die gesellschaftliche sanktion des bösen, die strafe.
        bricht recht und ordnung zusammen ist der mensch entfesselt
        und es geschehen die bösesten dinge.

        • kleines Südlicht schreibt:

          Würde ich so nun auch wieder nicht uneingeschränkt unterschreiben. Daß man das gerne-gut-sein immer nur als anerzogen und das gerne-böse-sein als ererbt sieht, wird der Sache, denke ich, nicht ganz gerecht.
          Wenn man sich nur mal unsere nächsten Verwandten anschaut, nämlich die Bonobo-Affen, kann man das schon nicht mehr so gelten lassen. Die haben nicht umsonst den Spitznamen “Hippie-Äffchen” weg, sind ziemlich entspannt, sehr gemeinschaftsbezogen (und treiben am liebsten … genau, es); Aggression ist ihnen eher fremd. Nun sind die Nächstverwandten nach denen zwar die Schimpansen, die sich wieder völlig anders verhalten, aber wenn wir so eng verwandt sind – daß wir da garnichts ähnliches geerbt haben sollen im Verhalten erschiene mir akut seltsam.
          Auch menschliches Verhalten kann also durchaus artgerechtes Verhalten der Spezies Mensch sein – daß sich der Mensch unter Stress dann eben nicht mehr immer artgerecht verhalten wird, ist davon natürlich unbenommen.

          • A.mOr schreibt:

            Nuja, der Mensch wird geboren mit beiden Anteilen – gut und böse.
            Welchen Anteil davon ein Mensch dann dem Vorrang gibt (Absichtspflege), das ist sicher von vielen Faktoren massiv beeinflußt.
            Am Ende aber ist der Mensch selbstverantwortlich. Der Mensch hat die Freiheit zu tun (nach Seinem Willen B”H), wie er mag (oder auch weniger), entscheidet er sich zu üblen Handeln, so ist es doch seine Entscheidung – andersherum ebenso.

            Die Fälle von sehr schwerer “Verletzung der Seele”, die gewissermaßen die “Anpassungsfähigkeit” eines Menschen bereits in früher Kindheit massiv beeinträchtigen (wenn denn solches einem Kind angetan wird/und solches wird getan!), die gilt es auch zu berücksichtigen. Soll nicht heißen, daß jedes Kind mit schwer traumatischer Erfahrung zum Übeltäter werden wird, vielleicht eher sogar das Gegenteil?
            “Gut & Böse” ist nicht immer so leicht auseinanderzuhalten.
            Es ist allerdings eine Taktik der “Böswollenden” zu zerstören, zum Beispiel die “zarten Seelen” von Kindern…

          • Dante schreibt:

            Nuja, der Mensch wird geboren mit beiden Anteilen – gut und böse.

            So würde ich das nicht formulieren. Gut und böse – im moralischen Sinne – m.E. sind keine “Urqualitäten”, nichts “Elementares”. Das gilt übrigens schon für Begriffe, die zwar nicht moralisch, aber dennoch werten: Die Aussage, der Mond verdanke seine Existenz einer Katastrophe, ist näher betrachtet Unsinn, denn als sich der Zusammenstoß zwischen der Proto-Erde und dem wohl etwa marsgroßen protoplaneten Theia ereignet haben soll, war noch niemand da, für den der Zusammenstoß eine Katastrophe hätte sein können. Aus Sicht des irdischen Lebens ist das Ereignis eher als ‘Anastrophe’ zu bezeichnen.
            Erst recht verhält es sich so mit Gut und Böse, wobei das Gute noch weitaus schwieriger zu beschreiben ist als das Böse, von dem es immerhin ein einfaches Modell gibt: Wenn ein hinreichend intelligentes Wesen ein anderes Wesen, von dem es weiß, das es leidensfähig ist, so fies quält, dass es lieber nicht existieren als weiter leiden würde, erfüllt es sozusagen das Ideal des absout Bösen. Ein derartiges Ideal des absolut Guten ist hingegen nicht vorstellbar, eine Symmetrie gibt es nicht. Es ist kein Zufall, dass Höllenvorstellungen ungleich bunter und plastischer sind als Himmelsvorstellungen.

            Es ist allerdings eine Taktik der “Böswollenden” zu zerstören, zum Beispiel die “zarten Seelen” von Kindern…

            Das tun sehr viele Leute, und nennen das Erziehung. Gott sei Dank sind Kinderseelen robuster als man meinen könnte, sonst liefen schon lange nur noch psychopathische Mörder herum.
            Der normale Mensch ist schon fies genug, wie man nicht nur am Milgrom-Experiment erkennen konnte, sondern auch an gewissen Gefängnis-Experimenten.

          • el zorro schreibt:

            Dante
            Mit „gut & böse“ wollte ich nicht so sehr auf Moral aus, als vielmehr auf die Möglichkeiten. Die Zweiteiligkeit -es paßt dann Dein Kollisionsbeispiel gut mit rein denk ich- ergibt sich für mich auch erst in der Nachbetrachtung, dem Thema wegen.
            Deine Beschreibung von ‘absolut böse’ finde ich gelungen. Habe mal was über das Krankheitsbild „Narzißmus“ gelesen, ein „Beziehungstäter“, daß Opfer in der Beziehung mit diesem „pathologischen Narzißten“ wird sich schließlich selbst „erlösen“ wollen (sich das Leben nehmen wollen).
            Der Narzißt sucht sich übrigens (im Gegensatz zu „Hinz und Kunz Unhold“) starke Persönlichkeiten aus. Trotzdem, schwer zu sagen, was ist absolut? Mindestens seeehr böse ist das!

            Und Mut tut gut! ;)

            Kinderseelen sind robust, da hast Du recht, aber es gibt nunmal schlimmes, und das hält eine Kinderseele nicht aus (eine erwachsene auch nicht, aber die weiß wenigstens richtig von falsch zu unterscheiden, ein großer Vorteil auf einem Weg der Genesung.)

          • A.mOr schreibt:

            Hoppa, schon wieder! :roll:

          • Dante schreibt:

            Was heißt in diesem Zusammenhang “schon wieder”?

          • A.mOr schreibt:

            :) Scusi Dante, das ging an el zorro, der schon wieder an meiner Statt antwortete. :roll:

          • A.mOr schreibt:

            …und komplett unbös sag ich für heut gut Nacht!

        • Dante schreibt:

          In der Tat, wenn Ordnung zusammenbricht, geschehen die schlimmsten Dinge bzw. werden die bösesten Raten begangen. Aber nicht nur. Ich nehme nicht an, dass einen die meisten Menschen nur aus Angst vor Strafe nicht einfach umbringen und ausrauben oder auch vergewaltigen, sondern irgendwo auch verinnerlicht haben, dass man das einfach nicht tut, vielleicht sogar reflektiert, etwa in Gedanken an die Goldene Regel.
          Umgekehrt wäre auch das Leben mit Rechtsordnung die rein Hölle, wenn jeder jede Gemeinheit beginge, die nicht strafbar ist.

          Aber Sie haben nicht Unrecht, ein starkes Eigeninteresse eines Menschen daran, sich keine Übergriffe zu leisten (weil es ihm selbst schadet), ist verlässlicher als sein Goodwill. Deshalb hat in Gesellschaften ohne verbindliche Rechtsordnung die Rache immense Bedeutung. Sie ist dort nicht Ausdruck einer irrationalen “Rachsucht”, sondern das einzig rationale Verhalten, weil der einseitige und bedingungslose Verzicht auf sie für ein Individuum, dem etwas zuleide getan wurde, geradazu selbstmörderisch wäre. Natürlich kann man auch vergeben, doch setzt dies voraus, dass der Andere öffentlich einsieht, dass er Unrecht begangen hat.

          • Silke schreibt:

            falls ich mich an E+ichmann in Jeru+salem richtig erinnere, war es gerade die fehlende Rechtsordnung oder der fehlende Respekt vor derselben, der es in Italien so vielen möglich machte zu helfen. In Rumänien scheinen dann lt. meiner Erinnerung an das gleiche Buch ähnliche Voraussetzungen genau die umgekehrte Handlungsbereitschaft in der Bevölkerung bewirkt zu haben.

          • Dante schreibt:

            @Silke

            …war es gerade die fehlende Rechtsordnung oder der fehlende Respekt vor derselben, der es in Italien so vielen möglich machte zu helfen.

            Die passendere Formulierung wäre: Die fehlende Unrechtsordnung hat das möglich gemacht. Natürlich könnte man rechtspositivistisch darauf beharren, dass gesetztes Recht eben nun mal gesetztes Recht sei, egal was es inhaltlich bedeute, aber diese Sichtweise lehne ich ebenso ab wie den völligen Kultur- oder Werterelativismus, der z.B. die “Rechtsauffassung” des Nationalsozialismus als der des GG irgendwie gleichwertig betrachtet, nach dem Motto: “Die einen sagen so, die anderen sagen so, mal setzt sich dieser durch, mal jener.” Diese Auffassung ist im Übrigen gar nicht so neutral, wie sie zu sein behauptet, sondern an sich schon sozialdarwinistisch.
            Dem gegenüber stehen im Persönlichen diverse Formulierungen der Goldenen Regel, hinter denen letztlich die Auffassung steht, dass man seinen Mitmenschen als Seinesgleichen anerkennen solle, und im Staatlichen Formulierungen wie die von Art.1 GG, die ich für besonders genial halte, da hier die Würde des Menschen als universell vorausgesetzt wird (“sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt”); die Bundesrepublik Deutschland nimmt das im Grunde als Selbstverständlichkeit zur Kenntnis und macht es ausdrücklich zur Grundlage des eigenen Rechts.
            In sofern war die Nazi-Ordnung nicht nur ein Zustand ohne Recht, sondern gleichsam das Gegenteil von Recht.

          • Silke schreibt:

            Dante
            schön, daß Du so sicher bist, welche Ordnung oder Un-Ordnung dem jeweiligen Verhalten von Italienern zuzuordnen ist.

            http://en.wikipedia.org/wiki/Military_history_of_Italy_during_World_War_II

          • Dante schreibt:

            Das hat nichts mit “sicher sein” im Sinne eines Schwarz-Weiß-Denkens zu tun, falls Du das meinen solltest. Ich meine nur, dass die Nazi-Ordnung eine Unrechts-Ordnung war und keine Rechtsordnung, die den Namen verdient hätte. Mangelnder Respekt vor dieser Ordnung ist notwendige, wenngleich nicht hinreichende Bedingung für moralisches Handeln.

          • Aristobulus schreibt:

            Dante,
            Dein Verweis auf den ersten Artikel GG trifft den Kern der Sache.

            Ich gehe mal einen Argumentschritt weiter:
            Wenn eine Rechtsordnung (im Sinne eines Gesetzbuchs, irgend eines) nicht auf der Sozialethik der zehn Gebote beruht, dann ist das keine Rechts-, sondern eine Unrechtsordnung.
            Weil die Würde des Menschen (des Menschen an sich, sei er Landarbeiter, Sklavin, Pharao oder Angestellter bei ‘ner Versicherung) genau da drinsteht und genau darauf basiert… alle anderen “Rechts”ordnungen sind ‘bestenfalls’ Scharia, schlimmstenfalls Nazismus.

          • Dante schreibt:

            @Aristobulus

            Wenn eine Rechtsordnung … nicht auf der Sozialethik der zehn Gebote beruht, dann ist das keine Rechts-, sondern eine Unrechtsordnung. Weil die Würde des Menschen … genau da drinsteht und genau darauf basiert…

            Ich würde sagen, umgekehrt. Einzelne Bestimmungen basieren immer auf Grundsätzlichem. Im Übrigen wird zumindest in gängigen Bibelübersetzungen in dem Gebot, das sich darauf bezieht, was man alles nicht begehren soll, die Ehefrau mit den Besitztümern des Nächsten (der dann offenbar ein Mann sein muss) in einem Atemzug genannt, und es werden explizit Sklavinnen und Sklaven erwähnt. Dies steht nicht unbedingt im Einklang mit dem heutigen Begriff von Menschenwürde, impliziert dieser doch, dass kein Mensch Eigentum eines anderen sein darf.

          • Silke schreibt:

            Dante
            ich denke, um “sicher zu sein”, welches Recht gerade gilt, muß man wissen, wer gerade die Macht hat – im Falle Italien während des WK2 läßt mich jeder, der das zu wissen scheint, vor Bewunderung in die Knie sinken.

            Doch die Frage war, warum in Italien ein Verhalten und in Rumänien ein anderes, wenn doch angeblich die Rechtssicherheit da so eine bestimmende Rolle für haben soll.

          • Dante schreibt:

            …um “sicher zu sein”, welches Recht gerade gilt, muß man wissen, wer gerade die Macht hat – im Falle Italien während des WK2 läßt mich jeder, der das zu wissen scheint, vor Bewunderung in die Knie sinken.

            @Silke, stehen Sie auf, ich weiß es nicht, und die Zeitgenossen dürften es noch viel weniger gewusst haben, deshalb spricht man ja von Kriegswirren. Ich war freilich aufgrund des ersten Beitrags zum Thema der Meinung, Du sprichst hier von Italien unter deutscher Besetzung, wobei sich viele Italiener eben nicht an das damit geltende deutsche Besatzungs’recht’ gehalten hätten.

          • kleines Südlicht schreibt:

            @ Silke, @ Dante,
            ich mag hier nicht den Ketzer geben, aber letztes Jahr habe ich wo gelesen, als es um die Definition von Würde ging: “‘Würde’ ist ein Konjunktiv!”

            Damit war nicht gemeint, man solle den Artikel eins gleich abschaffen, sondern dem Autor gings primär um “die nachfolgenden Grundrechte [...] als unmittelbar geltendes Recht”, das konkret zu schützen garnicht wichtig genug sein könne. Hat auch was für sich, im Gegensatz zu einer recht … definitionsoffenen … Würde konkret zu werden: Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit, sexuelle Selbstbestimmung, Gewissensfreiheit, und so weiter undsofort. Da ist es im Zweifel im konkreten Fall auch leichter zu sehen: ne, so aber gleich garnicht (weil das und das verletzt ist)!

          • kleines Südlicht schreibt:

            … im Falle der Nazi-Opfer eigentlich fast alle Grundrechte, die im Katalog stehen; merke ich grade.

          • Dante schreibt:

            Fast alle? Welches denn nicht?

          • kleines Südlicht schreibt:

            @ Dante (Vorsicht: Spontanantwort!):
            “Politisch Verfolgte genießen Asyl.”
            Das haben nicht die Nazis ver- bzw. gebrochen, sondern dann andere, die die von ihnen Verfolgten abgewiesen haben. :?

            Auch nicht besser.

      • Dante schreibt:

        Wenn man sich menschliche Gesellschaften anschaut, so könnte man auf den Gedanken kommen, dass schon viel gewonnen wäre, wenn man den Menschen das Mitgefühl und die Nächstenliebe nicht aberziehen würde.

        • mike hammer schreibt:

          F
          hahahaha, sozialkunde/etik ist eben doch schädlich!

        • Aristobulus schreibt:

          :D Und ham’mer nicht mal Mitleid mit dem GeFalteten, Haltlosen, oh so Geschädigten von allzuviel öffentlicher Erinnerung an Dachau, die er uns nie verzeihen wird. Der ist auch so’n Opfer.

          Dir, bester Hammer, eine gute Nacht

        • A.mOr schreibt:

          „Passt halt nicht ins Konzept von ‘Survival of the Fittest’.
          Nu, für die „Gewinnmaximierer“ gilt das (zumindest im „blabla“-Sinne) – Ergebnis: Ellbogengesellschaft/Rücksichtslosigkeit zB usw…

          „Die Jugendlichen“ sind schon in Ordnung, genauso wie wir, als wir Jugendliche waren. Aber sie sind, wie’s so ist, leicht beeindruckbar, leicht radikalisierbar… Welche Vorbilder gibt’s denn so? Fangen wir mal bei den Eltern an…
          Und, wie sieht’s wiederum aus mit einem Markt, der die Individualität der Kinder (für den Konsum) vereinnahmt? (Jepp, da kann man auch im soziologischen Sinne weiterreimen…/alleine für diesen Aspekt. Und überhaupt! :P )
          Will nicht falsch verstanden werden, funktionierende Wirtschaft ist wichtig! :lol: „Gewinnmaximierung“ jedoch ist Gier, und geht sprichwörtlich über Leichen.
          Die einen als „Verbrecher“ gebrandmarkt, die anderen ganz „legal“.
          Menschen bleiben auf der Strecke.
          Irgendwie böse :roll: im Ergebnis?

          Licht des Morgens allesamt!

          PS/ „Zeitgeist“?
          Mitgefühl und Nächstenliebe ist eine Stärke, das weiß man, wenn man es praktiziert. „Nehmerqualitäten“ muß man schon haben… Vielleicht auch wegen einem gewissen Zeitgeist, vielleicht aber war das auch immer schon so?
          Nein, „die Menschen“ sind nicht böse, aber die Bösen halten gewissermaßen gerne die Fäden in der Hand, und die dümmeren unter ihnen -die Mehrheit- die hauen einfach drauf und machen kaputt. Und wenn sie’s im Auftrag tun, so tun sie trotzdem das, was ihnen “Spaß” macht.

          Weiter oben war’s erwähnt, übersetze ich: Krieg ist das Paradies für Perverse und Sadisten.
          (…achja, sogar „Wirtschaftler“ ziehen daraus Vorteile :( )

        • Dante schreibt:

          Passt halt nicht ins Konzept von ‘Survival of the Fittest’.

          O doch. Es passt sogar hervorragend. Der Mensch ist ein sozial lebendes Wesen, und Mitgefühl und Nächstenliebe sind sozial förderliche Charakterzüge und verhelfen daher der gesamten Gruppe zu besseren Überlebenschancen, die jedes Mitglied als Einzelgänger niemals hätte. Gruppen, die asoziales Verhalten fördern, neigen zu Zerfall und Untergang und verdienen es auch nicht anders. Diese Gefahr besteht allerdings auch, wenn sie zu lieb ist und zu viel Verständnis für jeden Dreck hat, eben auch besagtes asoziales Verhalten toleriert. Und Teilgruppen, die dies fördern.

          Zeig mal bei den Jugendlichen heutzutage Mitgefühl. Da gilts Du gleich als ‘Opfer’.

          Sie beschreiben nicht Jugendliche generell, sondern eine bestimmte Macho-Unkultur. Aber ganz generell muss Mitgefühl nichts “Weiches” sein, keine Opfer-Haltung. Im Gegenteil, wenn jemand angegriffen wird, fordert das Mitgefühl ggf., dem Angreifer eine Visagenaufhübschung zu verpassen (es gibt Gesichter, die sehen mit blauen Flecken und unvollständigem Gebiss einfach schöner oder vielmehr weniger abstoßend aus).

  3. Dante schreibt:

    Erinnert sich noch jemand an Nojoud Ali? Vermutlich nicht.

    Selbstverständlich erinnere ich mich an sie. Ihr ist es gelungen, mit Hilfe einer Anwältin aus der Gewaltehe zu entkommen, sozusagen ihr ganz persönlicher arabischer Frühlung, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab.
    Ich habe damals einen Spiegel-Artikel gelesen, da hieß sie Noudschoud al-Ahdal. Dass man ihr den Reisepass entzogen hat, wusste ich nicht, das könnte man mit “Das Imperium schlägt zurück” überschreiben (sie ist in diesem Bild natürlich Luke).

  4. gebull schreibt:

    Ich finde es sehr gut, dass der Diskurs über “das Böse” mittlerweile häufiger auch außerhalb der Theologie geführt wird. Ich habe da noch keine abschließende Meinung, da ich Prägung auch niemals ganz verwerfen kann. Auch wenn der Mensch stark durch seine Umgebung und seine Erziehung geprägt ist, kann das niemals rechtfertigen, andere Menschen zu zerstören. Auf was für eine Weise auch immer.

  5. Möbel schreibt:

    Sie können einigermaßen sicher sein , werter Buurmann, dass Yago, heute
    in unserer Gesellschaft als Opfer des System präsentiert würde.
    Karrierefrust, emotionale Zurückweisung, Übererwartung des Elternhauses
    es konnte doch garnicht anders kommen
    Das System gebiert solche Täter. So oder ähnlich, stelle ich mir die Inhalte
    der `Jauch Sendung´ zum Thema: – “Der Fall Yago – ein unmenschliches System
    treibt einen Menschen in den Abgrund”

    • kleines Südlicht schreibt:

      Woraus man lesen könnte, Sie meinen, damit werden die Figur bzw. Shakespeares Absichten damit völlig verkannt?
      In dem Fall würden Ihnen wohl viele zustimmen, selbst ohne genau sagen zu können, warum eigentlich.
      (Achja, das habe ich oben noch vergessen: das ist nochwas, was das Böse ist, elitär nämlich – zumindest halten es die ganz großen Filmbösewichte dafür. Das ist von denen schon so beabsichtigt, daß das nicht einfach jeder versteht, was sie so tun. Und warum.)

      • F schreibt:

        Elitär im Sinne von ausserhalb des ‘normalen’ Wertekanons? Sozusagen eine eigene Moral. Oder komplett amoralisch, irrational? Wie das -i … irrational ist?

        Nochwas zum Thema wollen…. Kann es sein das zum Böse sein wollen ein gewisser Intellekt nötig ist? Die Filmbösewichte sind meist ziemlich gewitzt/schlau oder gar genial.

        • Dante schreibt:

          Das -i ist nicht irrational, jedenfalls nicht, wenn damit das gemeint ist, was in der Mathematik üblicherweise damit gemeint ist, das Negative der imaginären Einheit. Es ist imaginär. Übrigens ist -i der imaginären Einheit i absolut gleichwertig, denn wenn man beide Zahlen miteinander vertauscht, ändert sich an der Mathematik nichts. Es gilt (-i)²=i²=-1.
          Überinterpretationen mathematischer Begriffe in anderen Gebieten des Geistes bereiten mir Bauchschmerzen. Natürlich hat das Böse tatsächlich eine andere Qualität als alles (Unbeabsichtigte) Schlechte, und ebenso ist -i (oder auch i) kein noch so kleines oder großes reelles Vielfaches einer beliebigen reellen Zahl, aber da enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Moral ist m.E. zu komplex und zu wenig exakt, um sie mit Zahlengeraden -ebenen oder Vektorräumen zu beschreiben.

          Wo man imaginäre Zahlen ziemlich gut einsetzen kann, ist die Physik. Sie haben etwas Raumhaftes, da sie sich von ihren Gegenzahlen nicht grundsätzlich unterscheiden, im Gegensatz zu -1 und +1. Die reellen Zahlen spiegeln daher eher etwas Zeithaftes wider, es gibt eine eindeutig vorgegebene Richtung. Interessanterweise stellt sich heraus, dass sich für eine Struktur mit drei imaginären Einheiten i, j, k (also ebenso vielen wie Raumdimensionen) Additions- und Multiplikationsregeln definieren lassen, die bis auf das Kommutativgesetz der Multiplikation alle Eigenschaften der reellen oder komplexen Zahlen haben; sie heißen Quaternionen. Die Eigenschaften von Quaternionen werden auch durch eine beliebige Drehung nicht verändert, solange die reellen Zahlen bleiben, was sie sind.

          • Aristobulus schreibt:

            Aha.
            Fett, Dante, einfach nur fett :D

            -

            Zu der Bemerkung von weiter oben, ob ein Böser dann auch genialisch sein müsse: Unfug, welch eine romantische Filmvorstellung, wahlweise Spiegelbildfantasie. Irgend ein KZ-Wächter oder irgend ein x-beliebiger Selbstmordattentäter sind dumm wie Bohnenstroh. Sie machen Rumms auf jemanden und grinsen, oder sie lassen Rumms machen und versuchen grad noch zu zu grinsen, aus.
            Das Böse hat keinen Nimbus und keinen Mythos, keinen Glanz. Es hängt bloß mit der Freude zusammen, Anderen zu schaden.
            Das Böse ist banal…

          • Dante schreibt:

            Ich weiß nicht, wer behauptet hat, ein Böser müsse genialisch sein, ich jedenfalls nicht. Es setzt jedoch voraus, dass man weiß oder zumindest wissen kann, was man anderen Menschen (respektive anderen Geschöpfen) antut. Um aber dies zu können, braucht man nicht besonders intelligent zu sein.

          • kleines Südlicht schreibt:

            Stimmt schon, daß das Böse keinen Nimbus hat – es tut aber gerne so, als ob… :evil:
            Beziehungsweise, Film- und Krimiautoren tun das gerne.

            [Erst wollte ich "Buchautoren" schreiben, dann ist mir von wegen banal und Eichmann eingefallen: Hannah Arendt hat ja auch geschrieben. Die läuft bei mir aber unter "Philosophen" - eine der ganz großen!]

          • kleines Südlicht schreibt:

            Nachtrag: der hier :evil: sollte eigentlich grinsen.

          • Aristobulus schreibt:

            Südlicht,
            der ist gut ;)

            Dante,
            ich meinte keine Bemerkung von Dir!, sondern die des F. Den hab ich gefressen.

          • F schreibt:

            Hmm das erinnert mich an die komplexe Zahlenrechnung mit Skalarprodukten und Kreuzprodukten..Wird auch in der Optik benötigt. Ohje mein Studium ist lange her :P

            Ich gehe mal davon aus, Dante, daß Sie Naturwissenschaftler sind.

            Danke für die Erläuterung, wenn auch Mathematik nicht meine Stärke ist.

            @Ari: Ich hatte eigentlich nicht Sie gefragt aber auch Ihnen einen schönen Dank für Ihre freundliche Antwort. Wobei Sie mich aber trotzdem nicht überzeugt haben. Die besonders gefährlichen Bösen in der Geschichte der Menschheit waren meist auch recht clever. War Stalin und Hitler dumm? Nein. Da böse Taten schmieden planvolles Handeln erfordert. Aber so wie Sie es geschildert haben ist es natürlich auch richtig. Somit war meine Frage etwas unüberlegt ich geb’s zu.

          • F schreibt:

            @Ari: Wieso sind Sie eigentlich mir gegenüber immer noch so aggressiv? Ich dachte ich habe mich entschuldigt? Ist das eine persönliche Abneigung etwa? Oder sind Sie von Natur aus immer so abweisend? Ein Zyniker gar?

          • Aristobulus schreibt:

            Ihnen gegenüber auf jeden Fall, Sie Quartals-Judenhasser.
            Verpissen Sie sich…

            - Gerd, hier herrscht Trollpest, möcht’ ich mal meinen.

          • Dante schreibt:

            @Ari: Ich halte mich da raus. Trolliges habe ich hier von @F noch nicht gelesen, und dementsprechenden Aussagen auf anderen Threads sind mir entweder nicht bekannt oder ich habe sie nicht behalten; daher werde ich weiterhin normal und sachbezogen antworten. Na ja, eigentlich tue ich das sowieso meistens, selbst auf Klaus Frankes Äußerungen, sofern sie sich auf irgendeine Sache beziehen und nicht nur aus Koprolalie bestehen, etwa Dir gegenüber.

            @F: Zyniker? bestimmt nicht. Zyniker werden normalerweise nicht zornig, sie haben dies längst durch eine rationalisierte und eiskalte Verachtung für ihre Mitmenschen ersetzt.

            Da stellt sich noch eine Frage in mir: Was IST eigentlich böse? Diese Definition ist ja nur in einem gesellschaftlichen Rahmen zu stellen.

            Wenn dies bedeutet, dass immer die jeweilige Gesellschaft bestimmt, was böse ist, und sie der letzte Maßstab dafür darstellt, so stimme ich dem nicht zu. Menschliche Gesellschaften sind ja selbst mehr oder weniger böse, das “Dritte Reich” ist nur ein besonders Paradebeispiel dafür.
            In “1984″ unterbreitet o’Brien vor Winston Smith die Beschreibung der eigenen Gesellschaft,die auf Hass gegründet ist und in der es keine Freude außer der gibt, einen Feind besiegt zu haben und ihm Leid zuzufügen. Eine Gesellschaft, die sich durch einen Stiefel beschreiben lässt, der immer und immer wieder in ein menschliches Antlitz tritt. Eine Gesellschaft, in der alles, insbesondere auch Macht und Folter, Selbstzweck ist. Was o’Brien beschreibt, ist geradezu “idealböse”.
            Interessant übrigens, dass auch bei den Taliban und ähnlichen Gruppierungen praktisch alles verboten ist, was Freude macht, und die “heitersten” Volksfeste öffentliche Hinrichtungen sind, meist sehr grausame.

            Irgendwann las ich ein Buch mit dem Titel “Die Geschichte der Hölle” und war stark negativ beeindruckt über den (noch nicht einmal sexuellen) Sadismus fundamentalistischer Höllentheologen. Hier begegnete mir das “Ideal” des absoluten Bösen, übrigens in der Bedeutung von “absolut” ebenso im Sinne von “vollkommen” wie auch im Sinne von “losgelöst” (von jedem Zweck nämlich) – und zwar in Bezug auf die Höllentheologen selbst ebenso wie in Bezug auf das Bild, das sie von Gott zeichnen (es gibt im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Entweder diese Fundamentalisten haben vollkommen Unrecht, oder es besteht ohnehin keinerlei Hoffnung für irgendeinen Menschen, der ein Herz und keinen Stein im Leib hat und nicht so zynisch sind, zu sagen, die anderen sind mir egal, ich sitze lieber an Stalins Tafel als in einem seiner Lager).

  6. el zorro schreibt:

    Kleiner musikalischer Gruß zur Sache :twisted:

  7. Eitan Einoch schreibt:

    Eine bescheidene Frage am Rande: Was ist eigentlich der “freie Wille”?

    • Silke schreibt:

      vermutlich eine Illusion, so ich die Hirnforscher richtig verstehe.
      IMHO aber ein unverzichtbares so einem die eigene Menschenwürde lieb ist.

      • colchico schreibt:

        Silke, Du spielst vermutlich auf die Experimente an, in denen vor dem Zeitpunkt des bewussten Denkens relevante Impulse nachweisbar waren? Die Befunde dieser Experimente haben mit Recht Aufsehen erregt, auch wenn noch nicht fest steht, in wie weit man sie auf Bedingungen “in freier Wildbahn” übertragen kann. Ob sie uns von moralischer Verantwortung entbinden, darf man derzeit aber noch mit Grund bezweifeln. Soweit man heute weiß, verfügt ein erwachsener Mensch normalerweise durchaus über Impulskontrolle.

        • Silke schreibt:

          colchico
          und selbst wenn sich in freier Wildbahn erweisen sollte, daß das was die erzählen so ist, wie es ist, würde ich immer noch drauf bestehen wollen, daß die Verantwortung meine ist, daß ich mich als dafür verantwortlich sehe.

          Es gibt irgendwo ne Zeile von Byron, die mir gut gefällt: Mine were my faults, mine be their reward

          • colchico schreibt:

            :) Ich hänge auch sehr an der Vorstellung, ich sei “Herr in meinem Haus”. Aber wie sehr tatsächlich, das halte ich trotzdem für eine sehr, sehr spannende Frage.

          • Silke schreibt:

            oh ja, spannend finde ich die Frage auch sehr-stens, wie alles was unser Selbstbild, daß wir gaaanz anders als andere Tiere sind, erschüttert. Berichte wie erregt zu Zeiten Darwin’s auf die Zumutung reagiert wurde, höre ich oft nachhallen (der Mensch ist doch schließlich was anderes ;-) )

            Doch das Interesse und Vergnügen an “unserer” Entthronung läuft für mich ziemlich gut parallel dazu, daß ich für mich selbst in der Pflicht bin und das auch zu sein wünsche, egal was die Wissenschaft dazu meint.

      • Dante schreibt:

        Wirklich Bescheid wissen die Hirnforscher auch nicht. Sagt übrigens einer, der es wissen muss, weil er selbst einer ist. Das Verständnis vieler Forscher von bestimmten Gebieten der Wissenschaft, insbesondere etwa der Physik, soll erschreckend wenig ausgeprägt sein. Dass das Bewusstsein langsam ist, wissen wir so oder so schon. Die Forscher messen nicht wirklich den Willen des Probanden., sondern erst mal z.B. Potentiale, die sich verändern. Das alles will interpretiert sein, und das risiko, einzelne Befunde zu früh überzuinterpretieren, ist hoch. Ich persönlich glaube, dass schon aufgrund der Tatsache, dass das Bewusstsein langsamer ist als alles Unbewusste, der (bedingt, nicht absolut) freie Wille vor allem mittel- und langfristig zum Tragen kommt, wenn etwas geplanzt werden muss. Auf einen linken oder rechten Knopf zu drücken, wird nicht geplant, und es dürfte den Probanden ziemlich schnuppe sein, wann er welchen von beiden drückt.

        • kleines Südlicht schreibt:

          :D ich stelle mir das gerade ziemlich praktisch vor: daß mein Unterbewusstes nicht nur bei Entscheidungen, für die ich noch ein paar Sekundenbruchteile brauche, vorher weiß, was ich hinterher tue; sondern auch bei solchen, an denen ich noch Tage herumknabbern würde. Schade nur, daß es mir das nie mitteilt.

          Aber mal ernsthaft: (ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat – ich wars nicht) freiwillig bedeutet hauptsächlich, etwas nicht tun zu müssen, das man nicht möchte.

          • Dante schreibt:

            Die Freiheit, etwas tun zu können, was man tun möchte bzw. nichts tun zu müssen, was man nicht tun möchte, ist aber nicht die Willensfreiheit, sondern Handlungsfreiheit. In der kann man sehr eingeschränkt sein und könnte theoretisch dennoch einen freien Willen haben; in diesem Falle könnte er einfach wollen, was er ohnehin tun (oder über sich ergehen lassen) muss. An so eine Willensfreiheit müssen die Stoiker geglaubt haben.
            Interessanterweise spiegelt sich das sogar im Lateinischen wider; die Aufforderung, etwas zu unterlassen, beginnt oft mit “noli” (und das eigentliche Verb im Infinitiv), das heißt “wolle nicht”.

          • Aristobulus schreibt:

            Genau… Dein noli und auch Südlichts “etwas nicht tun zu müssen, das man nicht möchte” gilt ebenso ins Gegenteil gekehrt: Man muss Wollen wollen.

        • Yael schreibt:

          Das Gehirn ist eines der wenig erforschten Teile des menschlichen Körpers. Neueste Experimente sollen aufzeigen, dass unser Gehirn schon bevor es uns bewusst ist, entschieden hat, wie wir handeln.
          Wolfgang Prinz, Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, sagte es so: “Wir tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun.”

          • Dante schreibt:

            Ich kenne doch die These, und ich weiß ungefähr auch, wie sie zustande gekommen ist. Ich kenne aber eben auch einen Hirnforscher, der die Interpretation hinterfragt und dazu erst mal die Frage stellt, was genau da eigentlich gemessen wurde, was ganz generell überhaupt gemessen wird, und das sind erst mal Potentiale bzw. deren Differenzen. Was die zu bedeuten haben, steht auf einem anderen Blatt. Wenn ich das Auftreten der Spannungsänderung als Entscheidung des Probanden interpretiere, werde ich in der Tat zur Überzeugung kommen, dass diese schon fällt, ehe sie bewusst wird.
            Das ist aber nicht die einzig mögliche Interpretation, und das Potential als Willen des Probanden zu interpretieren, ist erst recht eine Überinterpretation.
            So ein Potential kann auch die Vorbereitung einer Entscheidung sein, die jedoch noch nicht getroffen wurde.
            Es kann auch sein, dass das Unterbewusstsein Vorentscheidungen trifft, etwa, wenn man einen fremden Menschen sieht. Vielleicht findet man ihn unbewusst sofort unsympathisch, weil man irgendeinen unfreundlichen Zeitgenossen assoziiert. Dennoch kann man sich sagen:”Stopp, das ist ein Vorurteil. Vielleicht stimmt’s, vielleicht auch nicht. Nicht davon leiten lassen, erst mal freundlich reagieren.”
            Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Manchmal wurde mir der Andere im Laufe der Zeit sympathischer, manchmal nicht, und manchmal hätte ich mich gleich auf den ersten Eindruck verlassen können. Man muss wissen, worauf dieser beruht, um sich ein Urteil über seine Vorurteile bilden zu können.
            Jedenfalls kann man einer unbewussten Vorentscheidung bewusst gegensteuern, und manche tun das u.U. zu oft bzw. an unpassender Stelle und verlieren wertvolle Zeit (jeder kennt das Bild von Säbelzahntiger).

          • Yael schreibt:

            Ich glaube auch nicht so sehr an die These. Oft genug überlegt man sehr genau, wie man handelt, wiegt das für und wider gegeneinander ab und entscheidet dann. Diese These ist meiner Meinung nach deshalb nicht bei jeder Entscheidung haltbar.

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Danke Yael für die Zusendung der IP-Adressen. Habe alle blockiert, sie allerdings nicht veröffentlicht, da eine Veröffentlichung Datenschutz-technisch problematisch ist.

          • Yael schreibt:

            Kein Problem Gerd. Hoffentlich hat dieser Mensch nicht noch weitere tausend IPs.

    • Dante schreibt:

      Die Frage ist alles andere als bescheiden, sie ist die schwierigste Frage überhaupt. Ich persönlich halte die Frage, ob der Wille frei sei, für falsch gestellt, man sollte eher fragen, wie frei er denn sei, und was das überhaupt bedeutet. Die Stoiker meinten, alles sei vom Schicksal bestimmt, verneinten aber den freien Willen nicht, ansonsten hätten sie niemandem raten können, das Schicksal zu akzeptieren (Seneca:volentem ducunt fata, nolentem trahunt), weil das inkonsistent gewesen wäre, da dies auch die Fähigkeit eines Menschen in Frage gestellt hätte, ihre Ratschläge zu befolgen oder nicht.
      Anscheinend stellten sich die Stoiker den Willen des Menschen sogar ausgesprochen frei vor, sozusagen absolut frei. Ich denke nicht, dass man seinen Willen einfach umswitchen kann, besonderes wenn starke Basisemotionen im Spiel sind.
      Allerdings habe ich mal experimentell festgestellt, dass man seine Emotionen durchaus beeinflussen kann: Ich war in der Vorweihnachtszeit mit einer Freundin in einem Einkaufszentrum, es war voll, laut und eng. Einfach nervig. Ich spürte einen Hang, mich in diese genervte Stimmung weiter hineinzusteigern, da entschloss ich mich, einfach mal gute Miene zum nicht gerade bösen, aber nervigen Spiel zu machen, und tatsächlich, es hat meine Stimmung positiv beeinflusst. Es war mir gelungen, mich nicht nerven zu lassen. So etwas gelingt mir nicht immer und in jeder Situation, aber insgesamt würde ich den Willen eines gesunden Menschen vorsichtig als bedingt frei bezeichnen, zumindest, wenn er nicht von seinen Emotionen überwältigt wird.
      Es ist im Übrigen von Vorteil, seine eigenen Emotionen zu kennen. Da kann wenig Schmeichelhaftes zum Vorschein kommen, zum Beispiel rassistische Vorurteile oder Empfindungen. Das macht einen noch nicht zum Rassisten, denn jemand, der sich eingesteht, dass er Vorurteile hat, unterliegt ihnen nicht passiv.

    • mike hammer schreibt:

      Eitan Einoch
      wenn alle machen was ICH möchte, ist es freier wille! LOL

  8. Heimchen am Herd schreibt:

    Jeder Mensch hat eine böse Seite in sich, jeder!

    Nur, der Eine kann sie besser beherrschen und der Andere nicht!
    Jeder hat schon mal böse Gedanken gehabt, der Eine beläßt es dabei und der Andere
    setzt sie in die Tat um!

    Wenn erst einmal die Hemmschwelle weg ist…. dann zeigt der Mensch seine tiefen Abgründe!
    Die tiefen Abgründe des Menschen faszinieren und erschrecken mich zugleich!
    Mich interessiert es zu wissen, was in einem kranken Hirn eines Mörders vor sich geht!

    PS. Bin ein großer Fan von Krimis…. liebe Profiling… weiß nach kurzer Zeit schon, wer
    der Mörder ist. :wink:

    • Ein kleines Gedankenexperiment. Stell dir folgendes Szenario vor: Ein durchschnittlicher Familienvater entwickelt plötzlich sexuelle Empfindungen für kleine Mädchen zu entwickeln. Er versteht selber nicht, was mit ihm los ist, spricht aus Scham mit niemandem darüber, kann diesen Drang allerdings auch nicht kontrollieren. Eines Tages begrapscht er seine kleine Tochter und landet daraufhin wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Kadi. Bei einer medizinischen Untersuchung stellt sich zufällig heraus: Er hat einen Hirntumor, der aber zum Glück entfernt werden kann. Nach dem operativen Eingriff sind seltsamerweise auch die pädosexuellen Empfindungen vollständig verschwunden.

      Ist der Mann deiner Meinung nach schuldig oder unschuldig?

      • Heimchen am Herd schreibt:

        U N S C H U L D I G !!!

      • Dante schreibt:

        Unschuldig. Er will nicht, was er tut. Er ist kein gesunder Mensch, sonst könnte er den Drang kontrollieren. Man kann ihm allenfalls vorwerfen, seine Scham nicht rechtzeitig überwunden zu haben, aber dies ist leichter gesagt als getan.
        Hier sorgt gerade das “Über-Ich”, wenn ich dieses Modell hier mal gebrauchen darf, dafür, dass es überhaupt zur Katastrophe kommt.

        • Heimchen am Herd schreibt:

          Gesunde Täter gibt es nicht… sie sind ALLE mehr oder weniger krank!
          Es gibt wohl intelligente und weniger intelligente Täter.
          Die Hemmschwelle ist bei jedem Menschen unterschiedlich angelegt!
          Der Eine braucht nur den geringsten Anlass und er rastet aus, der Andere
          hat sich besser unter Kontrolle bis zur Schmerzgrenze, doch dann rastet er
          auch aus!

          • Dante schreibt:

            Die Frage ist, ob jemand eine Chance hat, zu steuern, was er tut. Wenn sie sagen, alle Täter sind mehr oder weniger krank, nehmen sie somit generell an, dass sie ihre Übergriffe nicht begehen, weil sie es wollen, sondern weil ihnen die Krankheit dies diktiert. Damit verwischen Sie aber die Grenze zwischen einem zynischen Kindesvergewaltiger, der seine Machtstellung skrupellos ausnutzt, und dem von @schnagbeutelhabeldihm erwähnten Familienvater mit Tumor, der im Grunde nicht weiß, wie ihm geschieht.

          • Heimchen am Herd schreibt:

            Wer mehr oder weniger krank ist, entscheidet letztendlich ein Psychiater!
            Er stellt den Täter/Patienten auf den Kopf und durchleuchtet ihn!
            Der Psychiater kann nach seiner gründlichen Analyse sagen, ob der Täter
            in der Lage war, Herr über seinen Trieb zu sein, oder nicht.
            Das es da auch zu Fehldiagnosen kommt, kann man nicht ausschließen!

            Ich möchte hier dieses Buch empfehlen: IRRE wir behandeln die Falschen
            von Manfred Lütz

            Es macht richtig Spaß dieses Buch zu lesen!

          • Dante schreibt:

            Ich habe das Buch gelesen, es ist super. Meine Mutter hat ein Exemplar.
            A propos “normal”: Ich las einmal von einem niederländischen Psychiater, der recht erfolgreich Männer therapert, die Kinder sexuell missbraucht haben. Er zerstört erst mal die ganzen Selbstrechtfertigungsstrategien, das ist ganz wichtig. Wenn einer sagt “es kam über mich”, hält er ihm vor, dass er dem Opfer dafür schon ziemlich lange auf den Versen war und von einer spontanen Tat keine Rede sein kann.
            Diese Männer (die meisten von ihnen) wollen nicht böse sein bzw. (vor sich selbst und Anderen) als böse gelten, sie versuchen ihr Verhalten zu rechtfertigen und sich mehr oder minder als Opfer darzustellen, wie dies schon eingangs in anderem Zusammenhang geschildert wurde.
            In diesem Zusammenhang, also dem Interview mit dem Psychiater, meinte dieser mal, viele seiner Klienten seien “geradezu widerwärtig normal”. Das passt relativ gut zu Lütz’ Aussage, dass Menschen, die unter einer Psychose leiden, eher übersensibel als gewaltbereit sind.

          • Aristobulus schreibt:

            “geradezu widerwärtig normal” bringt die Sache mit dem Bösen doch treffgenau mittendrauf

          • Heimchen am Herd schreibt:

            Wie ich bereits erwähnte… die menschlichen Abgründe faszinieren und
            erschrecken mich zugleich! Dieses Thema hält mich in seinen Bann,
            nichts ist interessanter, als das BÖSE!

            Hierzu noch eine Buchempfehlung von mir:
            Zeitzeuge Tod. Spektakuläre Fälle der Berliner Gerichtsmedizin

            Berühmte Fälle des ältesten gerichtsmedizinischen Instituts in Deutschland. Archivbücher eines Instituts für Rechtsmedizin sind eine spannende Lektüre. In denen der Berliner Charit , im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts Leichenschauhaus genannt, stößt der Leser auf eine Reihe bekannter Namen wie Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Walther Rathenau oder Tote der Köpenicker Blutwoche 1933. Ebenso finden sich hier die Namen von Berliner Juden, denen nur der Freitod blieb, um der Deportation zu entgehen. Man begegnet auch den Opfern des 17. Juni 1953 oder denen der Berliner Mauer.

            http://www.amazon.de/Zeitzeuge-Spektakul%C3%A4re-F%C3%A4lle-Berliner-Gerichtsmedizin/dp/3861896052

            Schaurig….schön….. :wink:

          • Heimchen am Herd schreibt:

            Ich hatte mich einmal in einem anderen Blog, mit einem Mann unterhalten,
            der als Kind missbraucht wurde. Er wirkte auf mich sehr gefasst und ich
            hatte den Eindruck, er hätte dieses Trauma auch gut verarbeitet!

            Bis ich ihm dieses Lied… (es sollte eigentlich mein Mitgefühl ausdrücken)
            postete:

            Er weinte hemmungslos, alles kam wieder hoch… aber er dankte mir, es
            hatte etwas Befreiendes für ihn gehabt. Ich habe mit ihm geweint und
            auch mir tat es gut!

          • kleines Südlicht schreibt:

            @ Heimchen: Das Buch, das Sie hier anführen, kenne ich auch. Ist sehr spannend, wie die Details beschrieben werden, und was man daraus alles ablesen kann!

      • Silke schreibt:

        ich bin nicht sicher, er wertet seine Schamgefühle höher als das Wohl seiner Tochter.

        • Dante schreibt:

          Ich zweifle daran, dass er vorher weiß, wann er seine Tochter zum ersten Mal wirklich begrapschen wird.

          • Silke schreibt:

            allein die Tatsache, daß er solche Wünsche hat, sollten ihn schleunigst Hilfe suchen lassen, vorausgesetzt das Wohl seiner Tochter kommt zuerst.

            Da man Männern ansieht, wenn sie Phantasien haben, nehme ich an, daß diese selbst auch merken, daß sie sie haben.

            Du machst im Prinzip das Argument der Hirnforscher, daß wir lange beschlossen haben, was wir tun werden, bevor unser Bewußtsein davon weiß.

            Mag sein, mag nicht sein – ich möchte weiterhin für meine Taten verantwortlich sein.

          • Dante schreibt:

            Sie missverstehen mich. Ich denke keinesfalls der Mann merke selbst nicht, dass er pädosexuelle Neigungen verspürt; ich bin schließlich kein Idiot. Es war ja die Rede davon, dass er aus Scham nicht rechtzeitig um Hilfe ersucht, und wie sollte sich jemand einer Sache schämen, von der er nichts weiß?
            Nein, ich würde nicht ausschließen, dass er sich überschätzt hat, dass er so lange glaubt, seine Neigungen im Griff zu haben, bis es zu spät war. Anderernfalls würde ich ihn nicht von jeder Schuld freisprechen, sondern ihm grobe Fahrlässigkeit vorwerfen. Allerdings wäre mir für mein Urteil nicht egal, ob er wissen oder in Erfahrung bringen konnte, wie er an geeignete Hilfe kommt, ohne hinterher ausgegrenzt zu werden. Hätte er in einem Umfeld gelebt, das diesen Mut, Hilfe zu suchen, um nicht übergriffig zu werde, noch bestraft, so würde ich auch diesem eine Mitschuld geben, denn ich fordere von niemandem, ein Held zu sein und sozialen Selbstmord zu begehen.
            So oder so ist er ein vollkommen anderer Fall als ein Haustyrann wie Josef Fritzl oder diese Zyniker, die Haftstrafen als “staatliche Unterbrechung” (http://spiritsofsurvival.opfernetz.de/kischae1.htm) bezeichnen. Er will nicht, was er tut, und daher würde ich ihn anders beurteilen als jemanden, der es will. Ganz zu schweigen von jemandem, der danach noch dem Opfer die Schuld zuschiebt.

          • Möbel schreibt:

            Das hier besprochnen Beispiel hält natürlich den “Notausgang ” des Tumors bereit.
            Aber mit diesem Satz geben Sie vielen die keinen “Tumor” haben, sowas wie
            einen Freibrief.

            Zitat Dante
            “denn ich fordere von niemandem, ein Held zu sein und sozialen Selbstmord zu begehen.”

            Welches Handeln oder schuldhaftes Verharren kann damit nicht alles erklärt
            werden.

          • Aristobulus schreibt:

            …bei dem verlinkten Bericht geht mir das Messer in der Tasche auf.
            Wie konnte der Journalist solchen Menschen zuhören und ihnen keine Schreibmaschine über den Schädel ziehen?

          • Dante schreibt:

            Er wollte darüber berichten, und wenn er offen feindselig reagiert hätte, hätten die abgeblockt. man könnte sagen, er hat, obgleich selbst nicht Polizist, verdeckt ermittelt. Am Schluss schreibt er:

            Herbst 2003. Alle Mütter und Väter sind verständigt oder gewarnt worden, gegen viele Männer laufen Ermittlungsverfahren. Mein Handy, das ich nur für diese Recherchen benutzt habe, ist abgeschaltet. Aus. Endlich.

            Der Mann hätte wahrlich allen Grund, sich “Dante” zu nennen, weit mehr als ich ausgerechnet hier im Blog.

          • Aristobulus schreibt:

            …ja, der war mitten in der Hölle.
            Wie mag er es wegstecken, niemandem von denen etwas getan zu haben?

          • SilverSurfer schreibt:

            @Dante
            Wenn Sie “begrapschen” mit “vergewaltigen” ersetzen, würden sie die gleichen Überlegungen anstellen bzw. würden Sie seiner Scham einen ähnlich großen Stellenwert einräumen?

          • Dante schreibt:

            Ja. Das, was in diesem Fall anders wäre, liegt ja an anderer Stelle (immer vorausgesetzt, er hatte zur Tatzeit wirklich keine Kontrolle mehr über sein Handeln und war infolgedessen schuldunfähig). Selbstverständlich wären die erforderlichen Maßnahmen wesentlich strenger, weil er sich zu einem gewalttätigen und mithin besonders gefährlichen Menschen entwickelt hat, aber seine Schuld läge nach wie vor darin, nicht rechtzeitig Hilfe in Anspruch genommen zu haben.
            Auf der Stufe eines Mederake, Fritzl oder Garrido steht er für mich immer noch nicht; die wollten, was sie taten.

          • SilverSurfer schreibt:

            Dante,
            Vorweg:Er steht für mich auch nicht auf deren Stufe.
            Die Frage, ob er sein Handeln noch unter Kontrolle hatte, wirft aber wiederum neue Fragen auf:
            Ein 21 jähriger Bursche, völlig unbescholten, der zum ersten mal in seinem Leben Alkohol trinkt und Stunden später volltrunken einen anderen niederschlägt, ist mit jenem gleich zu verfahren?
            Spielt es dann eine Rolle, dass er den Alkohol freiwillig zu sich genommen hat?
            Spielte es dann auch eine Rolle, ob sich der Mann freiwillig einem erhöhten Risiko (bzgl. des Gehirntumors) z.B. durch Rauchen oder Trinken ausgesetzt hätte?
            Scheinbar ein Dilemma.
            Was für mich aber feststeht: In der Haut des Richters möchte ich nicht stecken.

          • Dante schreibt:

            Ich auch nicht – noch weniger jedoch in der Haut des Niedergeschlagenen. ;) Übrigens auch nicht in der des jungen Burschen selbst.
            Das Verhalten unter Alk würde ich im Prinzip danach beurteilen, wie der Betreffende es später im nüchternen Zustand einschätzt. Die tödliche Misshandlung eines Afrikaners im Suff wäre für mich, wenn die Täter das im nüchternen Zustand noch als “nationale Heldentat” feiern, glatter Mord ohne jeden Abstrich, denn ihre An- und Absichten wären ja offenbar nüchtern wie betrunken identisch.

      • mike hammer schreibt:

        SCHULDIG!

      • mike hammer schreibt:

        SCHULDIG :!:

        • Aristobulus schreibt:

          Aber der Hirntumor, Hammer?
          Auch Hirnverletzungen verändern einen Menschen bis zur Unkenntlichkeit. Macht sie das schuldig?

          • F schreibt:

            So wie Deinen Sohn….Und mich… Wir teilen ein ähnliches Schicksal. Ich hatte auch schwere innere Hirnblutungen…. Bin ich schuldig das mein Verhalten sich verändert hat? Denk mal drüber nach…. Vielleicht hat meine Empathie oder mein Sozialkompetenz auch gelitten… Mein Frontalkortex war auch betroffen…

            Und nein ich bin kein Troll…. Nur soviel: Man muss auch mal unbequeme Warhheiten ertragen können. Ich weiss ich habe Dich in der Vergangenheit angegangen wegen Deinem Sohn und Religion. War ein bisschen hart gebe ich zu…. Aber ich habe auch schwere Zeiten durchgemacht. Vielleicht nicht so schwer wie Du oder Dein Sohn Lukas…. Aber wer weiss das schon….

            Aber ein kleines bisschen Trost kann ich Dir geben: Stammzellforscher sind dabei Zellen zu programmieren… Vielleicht können Hirnverletzungen bald geheilt werden.

            Würde es Deinem Sohn gönnen. Und ich mir auch.

          • mike hammer schreibt:

            #Aristobulus
            es gibt kein hirntumor der päderatisch macht!
            genauso könnte mich ein exorzist fragen ob ein vater, besessen vom belzebub,
            kinder missbraucht und nach erfolgreichem exorzismus……..

            er ist SCHULDIG!
            du kannst mir versichern das der vater ungefährlich ist, wenn du dein wohl und weh
            als sicherheit hinterlegst, in form deiner organe! dann nur dann lass ihn frei!
            böse, da kenne ich mich aus.

            ad 100 keh 20 ;)

            #Gerd Buurman
            da die MSM das nicht oder verzerrt bringen, verlink ichs mal.
            ;)

          • SilverSurfer schreibt:

            F
            was mit Ihrem Hirn ist, weiß ich nicht.
            Man hat Ihnen aber scheinbar in Herz und Seele geschissen.

          • Aristobulus schreibt:

            Hammer,
            wir redeten ja über einen Tumor, der päderastisch macht. So war die Annahme, nicht?
            Ob es so eine Art Tumors wirklich GIBT, ist ‘ne ganz andere Frage.

            Silver Surfer,
            na mindestens… ich kann sein klägliches Switchen von Unterwürfigkeit über Weinerlichkeit zu Arroganz (und dann zum Judenhass) nicht mehr sehen.
            Der Typ hat nix ach so Unverschuldetes usf., denn er ist wahrlich verlogen ohne Ende. Der hat irre viel Schlamm im Hirn.

      • colchico schreibt:

        Schnagbeutelhabdeldihm (korrekt?), mal ganz unabhängig davon, ob ein Tumor bestimmte sexuelle Phantasien und Präferenzen anregen kann oder nicht: Damit der Mann in Deinem Beispiel die Lust am Begrapschen kleiner Mädchen tatsächlich nicht mehr kontrollieren könnte, müsste er debil sein. In einem Ausmaß, das seine Alltagskompetenz auffällig beeinträchtigen würde. Das ist er in Deinem Beispiel aber nicht, denn er spricht aus Scham nicht über seine Phantasien. (Scham für etwas zu empfinden, das man noch nicht getan hat, setzt einiges an kognitiver Leistungsfähigkeit voraus.) Er hätte sich also schuldig gemacht.

        • mike hammer schreibt:

          ist ein trauernder “ELTER”, dem die trauer zur verzweifelung führt und der
          daraufhin den vergewaltiger bestialischst kaputtmacht, schuldig oder unschuldig?

          ist ein gutachter der so eine bestie auf die menschheit loßlässt schuldig?
          ein richter der dem gutachter folgt schuldig?

          • Aristobulus schreibt:

            1) unschuldig (obwohl er keinen hätte bestialischst kaputtmachen müssen! Falls er es so getan hat, obwohl es anders ging, ist er schuldig.)
            2) Ja. Blind schuldig.
            3) Aber auf jeden Fall.

          • colchico schreibt:

            Das mit dem “Elter” ist eine Frage, die ich nur aus persönlicher Sicht beantworten kann, ich bin kein Jurist: Der Täter müsste sich vor mir sehr, sehr gut verstecken. Nicht, weil ich ihn töten würde, sondern weil ich dafür sorgen würde, dass er aus körperlichen Gründen nie wieder in der Lage wäre, ein Kind oder sonst jemanden auch nur anzufassen. Damit müsste er dann leben. Möglichst lange. Selbstverständlich wäre ich im “Erfolgsfall” schuldig, auch in meinen Augen. Aber ich vermute, ich könnte damit gut leben. Juristisch gäb’s vielleicht mildernde Umstände.

            Der Gutachter: in meinen Augen ja. Es gibt meines Wissens relativ wenige Langzeitstudien über sexuelle Gewalttäter, aber die, die ich las, zeichnen schlechte Prognosen. In meinen Augen rechtfertigen sie es nicht, die Freiheit des Täters über den Schutz potentieller Opfer zu stellen.

            Der Richter ist an die Gesetze gebunden. Ich weiß nicht, für wie lange er einen “Ersttäter” (also einen, den man zum ersten Mal erwischt) aus dem Verkehr ziehen kann.

          • mike hammer schreibt:

            @Aristobulus
            es sind fangfragen der sozioindustrie, die lernen das wie talmudschüler das
            argumentieren im PILPUL. ;)

      • colchico schreibt:

        Zur Verdeutlichung, was ich meine: Der Mann im Beispiel hätte sich nicht mal exponieren müssen, sondern einfach onanieren können – ohne reale Beteiligung kleiner Mädchen.

        • mike hammer schreibt:

          #colchico
          Nicht, weil ich ihn töten würde, sondern weil ich dafür sorgen würde, dass er aus körperlichen Gründen nie wieder in der Lage wäre, ein Kind oder sonst jemanden auch nur anzufassen.

          bingo!

  9. shaze86 schreibt:

    Sind wir nicht alle ein bisschen Jago? Ich finde böse Charaktere einfach interessanter als die Guten.

    • Dante schreibt:

      Natürlich sind eindimensional-gute Figuren langweilig, eindimensional-böse aber auch. Die Hauptperson einer Tragödie, der tragische Held, ist üblicherweise weder das Eine noch das Andere, er ist ein Mensch mit allen Schwächen und Fehlern, der sich im Laufe des Geschichte in Schuld verstrickt und daran zugrunde geht, wie hier eben Othello, aber eben auch Jago, der sehr wohl bewusst handelt, aber doch aus verletztem Stolz.

  10. shaze86 schreibt:

    Das Video sieht schon mal viel versprechend aus. Das würde ich mir gerne mal live ansehen. :)

  11. Dante schreibt:

    @tapferimnirgendwo
    Ich möchte an dieser Stelle mal etwas Allgemeines sagen. Jago sagt ja:

    Hätte der Waagbalken unsres Lebens nicht eine Schale von Vernunft,
    um eine andre von Sinnlichkeit aufzuwiegen,
    so würde unser Blut und die Bösartigkeit unsrer Triebe
    uns zu den ausschweifendsten Verkehrtheiten führen;
    aber wir haben die Vernunft, um die tobenden Leidenschaften,
    die fleischlichen Triebe,
    die zügellosen Lüste zu kühlen.”

    und Du gibst ihm darin Recht. Ich sehe das leicht anders und bin aus ähnlichem Grunde auch skeptisch gegenüber einer Idee, die hinter Dr. Jekyll und Mr. Hyde steckt, falls ich sie nicht grob missverstanden habe. In beiden Fällen scheint es mir, als werde die Gerade “gut-böse” mehr oder weniger mit der Geraden “zivilisiert-wild” bzw. “kontrolliert-triebhaft” zusammengelegt. Es gibt sowohl diese “Schule” als auch die, die im Gegenteil behauptet, der Naturmensch sei gut und die Zivilisation mache ihn böse. Ich stimme keiner der beiden Versionen zu (abgesehen davon, dass ich “den Naturmenschen” für nicht existent halte), sondern finde, dass dies völlig verschiedene Qualitäten sind.
    Ich denke, dass es keine Natur des Menschen gibt, die nicht irgendwie kulturell überformt wäre, und sei diese auch steinzeitlich. Umgekehrt denke ich nicht, dass Kultur jemals imstande gewesen wäre, moralische Begriffe wie Fairness oder Gerechtigkeit zu entwickeln, wenn so etwas nicht in der Natur des Menschen angelegt wäre, solche Konzepte zu verstehen.
    Manchmal handeln Leute ganz “triebhaft” gut, indem sie einem Induviduum, das durch einen Schrei kund tut, dass es in Gefahr ist, spontan und ohne jedes Nachdenken zur Hilfe eilen und erst später begreifen, in welche Gefahr sie sich selbst gebracht haben. Natürlich kann man auch “triebhaft böse” handeln, etwa indem man sich etwas, was einem gefällt, ohne Rücksicht unter den Nagel reißt – oder gar jemanden, wie es Sichem, der Sohn des Heviters Hemor mit Dinah gemacht hat.
    Die bösesten Handlungen jedoch sind von der “kontrollierten” Art, Folter etwa. Wohlüberlegt, mit der Absicht, einem anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Man kann nicht einmal von fehlender Empathie sprechen, denn der Peiniger weiß ja, was sein Opfer fühlt, und legt geradezu Wert darauf. Natürlich gehört auch der Holokaust zu dieser Kategorie böser Handlungen, viele der Täter waren sogar ganz besonders “kontrolliert” aufgewachsen, was natürlich nichts entschuldigt, aber diesen Menschen wahrscheinlich erst ermöglicht hat, alles (Mit-)Menschliche abzulegen – ja wirklich abzulegen, wie einen Mantel, den man dann am Abend, wenn’s zur Familie ging, wieder anzog und den lieben Papi gab.

  12. einsatyr schreibt:

    “Keiner ist gern böse”

    Was für ne gequirlte Scheiße ist das denn bitte? Die Mischung aus “Egoismus” und “böse sein” ist der Schlüssel zum Erfolg ihr Narren. So kann man ohne Gewissensbisse seine Profitgier befriedigen und immer weiter gehen.

    Cheeers, einSatyr!

    • F schreibt:

      Hmm ich weiss nicht, ist das nur ein Trollpost oder meinen Sie das Ernst? Ich habe Ihren Blog gelesen und entweder Sie lassen dort nur Ihren Frust aus oder Sie haben ein sehr einseitiges Weltbild. Wie definieren Sie Erfolg? Dickes Bankkonto? Andere rumschikanieren? Die nächste Alte ins Bett kriegen? Oder Ihre persönlichen Träume verwirklichen? Wenn Sie das letztere Ernst meinen. Niemand zwingt Sie einen Bürojob auf ewig zu machen. Sparen Sie etwas Kohle und machen Sie den Pilotenschein oder gehen Sie in eine Theatergruppe. Soll nicht herablasssend sein. Ich weiss sehr wohl wie übel Bürojobs sein können. War selber mal Bürosklave. Aber so wie Sie sich anhören sind Sie noch recht jung und haben noch genug Optionen.
      Der dümmste scheinen Sie auch nicht zu sein. Schon mal an eine Weiterführende Schule gedacht?

      Wobei… Mit Einem muss ich Ihnen Recht geben… In unserer Gesellschaft ist gesunder Egoismus ziemlich hilfreich. Aber zuviel davon… *kratzt sich die Nase*

      • Dante schreibt:

        In unserer Gesellschaft ist gesunder Egoismus ziemlich hilfreich. Aber zuviel davon… *kratzt sich die Nase*

        Gesunder Eigennutz, würde ich eher sagen. Egoismus verhält sich zum Eigennutz wie Habgier zum Gewinnstreben. Jeweils Letzteres ist völlig legitim, ohne diese Eigenschaften gäbe es uns vermutlich nicht, jeweils Ersteres bedeutet jedoch, dass man dem eigenen Nutzen bzw. Gewinnstreben alles andere und im Extremfall selbst Menschenleben unterordnet.

      • einsatyr schreibt:

        “Trollpost” – ein mittlerweile gesellschaftlich gängiger Begriff für Alles, was nicht der Norm entspricht.

        Ganz ruhig Mister Moral, so göttlich ich auf meinen Blog-Einträgen auch erscheine und so gerne ich soviel Inspiration habe um zu Schreiben, wäre es doch unklug, nur deshalb weiterhin ein Sklave von nach-Kaffee-stinkenden-Gutmenschen zu sein.

        Ich danke ihnen trotzdem recht herzlich für ihre aufmunternden Worte – ich werde beim nächsten langweiligen Blowjob darüber nachdenken.

        Herzlichste Grüße eines Egoisten,

        einSatyr.

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