Kennen Sie den Unterschied?

Kennen Sie den Unterschied zwischen diesen beiden Bildern?

Bild 1)
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Bild 2):

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Auf beiden Bildern sehen Sie einen Davidstern, jedoch ist er einmal gelb und einmal blau.

Die Farbe Blau symbolisiert im Judentum Gott, Glauben und Offenbarung. Die Farbe Gelb jedoch wurde über die Jahrhunderte genutzt, um Juden in Europa diskriminierend zu kennzeichnen. Im späten Mittelalter zum Beispiel kam der gelbe Ring auf. Seit dem 13. Jahrhundert mussten Juden in vielen Ländern und Regionen Europas ein Stoffstück in Kreis-, Ring- oder manchmal auch Rechteck-Form außen sichtbar – meist vorn in Brusthöhe – auf der Kleidung tragen. Diese sogenannte Judentracht diente der Ausgrenzung und Kontrolle der jüdischen Minderheit und erleichterte in Verbindung mit der Ghettoisierung ihre Auffindung, auch im Falle von Pogromen.

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Ähnliche Kleiderordnungen waren im Islam schon seit dem frühen 8. Jahrhundert für Juden üblich. Ihre Kennzeichnungspflicht begann 717 mit einem Befehl von Kalif Umar II. Die Art des Kennzeichens war anfangs nicht festgelegt und variierte. 807 befahl Kalif Hārūn ar-Raschīd in Persien für Juden dann einen gelben Gürtel.

Der blaue Davidstern ist somit ein Symbol des Stolz’ und der Liebe zum Judentum. Der gelbe Davidstern jedoch ist ein Symbol der Verachtung und des Hass’ auf Juden. Das Tragen des gelben Sterns für Juden wurde ab September 1939 im besetzten Polen und ab dem 1. September 1941 im Deutschen Reich und in weiteren von Deutschen besetzten Gebieten durch den Reichsinnenminister verordnet. Das Zeigen des blauen Davidsterns jedoch wird seit Januar 2009 in einigen Gebieten und Regionen Europas temporär verboten oder als in der Öffentlichkeit unerwünscht erklärt.

Januar 2009: Deutsche Polizisten stürmen eine private Wohnung, um eine unerwünschte Israelfahne zu entfernen, die im Fenster hängt.

September 2009: Eine Studentin wird für das Zeigen einer Israelfahne bei einer Demonstration in Bochum im Januar 2009 zu einer Geldstrafe von 300,- Euro verurteilt.

März 2010: In Kassel untersagt das Ordnungsamt das Zeigen der Israelfahne, da sich Passanten davon gestört fühlen könnten.

März 2011: Bei einer Demonstration vor dem Berliner Hauptbahnhof, auf der zu einem Boykott gegen Israel aufgerufen wurde, entfernt die Polizei eine Israelfahne und nimmt zwei Menschen in Gewahrsam, weil sie sich weigern, ihre friedliche Solidaritätsbekundung mit Israel zu unterlassen.

November 2012: Die Stadt Kopenhagen erklärt die Flagge Israels bei einem Fest der Kulturen zur einzigen Nationalflagge, die unerwünscht ist.

So war es übrigens an allen oben genannten Beispielen: Während das Zeigen von palästinensischen Flaggen oder das Zeigen von Fahnen der terroristischen Vereinigungen Hamas und Hisbollah, die für die Vernichtung Israels stehen und judenreine Staaten fordern, wurde das Zeigen der Israelfahne untersagt. Bei einigen Demonstrationen wurden sogar Rufe nach dem Mord und der Vergasung von Juden laut. Dennoch wurden nicht die Demonstrationen des Hass’ aufgelöst, sondern das solidarische Zeigen des blauen Davidsterns untersagt. Noch deutlicher kann es nicht gemacht werden: Judenhass ist freie Meinung, Solidarität mit Juden unter Umständen nicht! Wenn es also einen Unterschied gibt zwischen dem gelben und dem blauen Davidstern, dann diesen:

Zwischen 1939 und 1945 wurden Juden in einigen Regionen Europas gezwungen, den gelben Judenstern als Zeichen des Hass’ gegen Juden zu tragen, während es Juden seit 2009 in einigen Regionen Europas verboten oder abgeraten wird, den blauen Davidstern als Zeichen des Stolz und der Liebe zu tragen. Während Juden also damals gezwungen wurden, sich nur in Schande zu zeigen, so ist es ihnen heute verboten, sich stolz zu zeigen. Es hat sich wenig getan in der alten Welt. Europa! Europa!

Dieser Beitrag wurde unter Antisemitismus, Deutschland, Europa, Israel, Philosophie, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Kennen Sie den Unterschied?

  1. Andreas Moser schreibt:

    Genau deshalb habe ich mich so aufgeregt, als ich auf Malta bei einer Osterprozession gelbe Davidsterne sah: http://andreasmoser.wordpress.com/2012/04/06/malta-easter-anti-semitism/

  2. Hein schreibt:

    Danke Geert Buurmann für diese gute Zusammenfassung, die so viel aussagt über die schlechten Zustände in Europa.

  3. Eliyah schreibt:

    Es ist zum Heulen. Ich traue mich auch nicht mit meiner Nationalflagge in Europa auf die Strasse. Jeder Kanadier hat ein Ahornblatt an seinem Rucksack genäht, eine deutsche Flagge auf der Schulter der Bundeswehrjacke ist überall akzeptabel, egal ob rechts, links, dazwischen oder sogar in England. Der Union Jack wiederum ist schon so normal, dass er als Mode Accessoire genutzt wird und Autos damit lackiert werden. Nicht mal das stilisierte Christus-Kreuz, das an die Kreuzzüge erinnert auf der dänischen, der englischen, der norwegischen und der finnischen Flagge erzeugt Aufsehen, nicht mal bei den Muslimen. Aber eine Fahne, die an einen Gebetsschal erinnert, einen Davidstern hat und für die Hoffnung aller Juden auf Frieden steht, ist ein Problem.

    • Elisabeth B-G schreibt:

      Eine unendlich traurige Wahrheit sehr gut auf den Punkt gebracht. Aber wir haben viel gelernt aus den Jahrhunderen (und aus den letzten 70 Jahren). Man kann versuchen, unseren Stolz zu verbieten. Es wird nicht gelingen.

    • Krokodil schreibt:

      In der DDR geboren, habe ich nie eine Nation oder ein Land “gehabt”.
      Ich fühlte mich irgendwie als Deutscher, aber ein Deutschland gab es nicht.
      Ohne dieses Gefühl zu irgendetwas zu gehören kann man wunderbar zu sich selbst finden. Wenn man die nötige Kraft aufbringt. Auch die Kraft, konsequent zu bleiben.
      Bis man Gleichgesinnte trifft, und dort die Spreu vom Weizen zu trennen vermochte.
      Freie, liberale Geister, welche es schaffen nicht nur sich selbst zu sehen.
      Ich habe lieber nur drei echte Freunde,als hunderte buckelnde Idioten um mich herum.
      Und eine Familie, wie sie heutzutage leider immer seltener wird.

      Mein Stolz befindet sich in meiner Brust. Eine Fahne brauche ich nicht, weil mein Stolz sich nicht auf einem Stück Stoff darstellen lässt.

      Manchmal würde ich aber gern meinen Stolz zeigen.
      So wie Ihr Eure Fahne.

      Und wenn mir dies jemand verbieten will, so will ich ihn um so mehr zeigen.
      Und so solltet Ihr es mit eurer Fahne tun.

      Ich kann nur für mich und die bescheidene Zahl meiner Vertrauten sprechen. Wen ich mit Eurer Fahne sehe, der hat meine herzliche Unterstützung. Vielleicht versteht Ihr ja warum.

      • Eliyah schreibt:

        @Krokodil: Du ahnst nicht, wie sehr ich das nachvollziehen kann. Ich bin auch in der real existierenden DDR geboren, aber im Westen aufgewachsen. Ich hatte nie ein echtes Heimatland. In Israel habe ich es gefunden (oder es mich). Ich wohne hier seit knapp drei Jahren.

        • Krokodil schreibt:

          Israel ist wirklich ein sehr schönes Land. Ich durfte dieses Land als – sagen wir mal individual Reisender – kennenlernen.
          Nirgends fand ich bisher so viele interessante und offene Menschen wie dort. Dies ist auch der Hauptgrund dafür, warum ich mich (weniger unter dem religiösen Aspekt) für jüdisches Leben interessiere. Ihr habt eine sehr interessante Geschichte und (soweit ich sie kenne) sehr angenehme Vorstellungen vom Leben. Eine eiserne Gemeinschaft, hart (gegen widerliche Umstände) aber gerecht.
          Ein Antrieb für viele Reisen in viele Länder war dann für mich das Verlangen, nach einem “würdigen” Heimatland zu suchen. Die Erkenntnis, dass Heimat nicht an ein Land gebunden ist, war das einfache Ergebnis. Nach zwanzig Jahren Suche habe ich mich also entschlossen etwas viel anstrengenderes zu tun als eine neue Heimat zu finden und dorthin zu gehen, ich begann mir in meiner “vertrauten” Umgebung meine Heimat selbst zu gestalten. Nach den Regeln, welche mir das Leben gelehrt hat. Ich hoffe ich war ein guter Lehrling und bin auch schon ziemlich weit mit der Realisierung.

          Viele Grüsse aus Krokodils klitzekleinem Minikönigreich an Eliyah im sonnigen Israel

        • Aristobulus schreibt:

          Grüße an Euch beide. Und Dank für Eure Worte!
          Kommt mir alles äußerst bekannt vor ;) , ich glaube, man hat kein Zuhause, man muss sich eines schaffen, damit es eins sei. Kein materielles, das trägt nicht, ist nur eine Illusion. Ohne Tun & Prägen gibt es kein Zuhause.
          Eliyah, Du hast Aliah gemacht, und Du, Krokodil, hast Dir etwas aufgebaut.
          Ich könnte eigentlich überall leben wegen der Sprachen, die ich kann, aber überall würde ich sofort unter die Räder kommen, wenn ich 1) nichts schreibe oder 2) keine Mizwojss einhielte. Ohne 1) und 2) zieht sich der Boden unter den Füßen weg.
          - Schreiben ist etwas hervorzubringen, das bisher noch nicht da war., und aus blindem Geschiebe und Geschäume von Dingen und Ereignissen einen konsistenten Fluss zu machen, auf dem man selber in einem Boot segelt.
          - Die Mizwojss binden mich an den jüdischen Kosmos, ohne den es für mich gar nichts gibt.
          Ich bin ursprünglich aus Paris, aber dort haben sich alle menschlichen Zusammenhänge nach der Schule aufgelöst, ich bin dort heute bloß ein Tourist und Passant und kenne niemanden mehr. Trotzdem bin ich von da, einem imaginären Ort. Komisch!, dass die Welt sofort weder imaginär ist, noch sich auflöst oder unverständlich ist, indem ich darüber schreibe und die Mizwojss einhalte. Das geht, in Paris, in Patagonien, in St. Pauli, und wahrscheinlich auch hinter Damaskus oder auf dem Mond.

          • Eliyah schreibt:

            Aristobulus, dein Zuhause auf dem HH Berg kenne ich gut, allerdings nur im Dunkeln :D Wenn Du so gerne Mizwojss hältst, dann (und auch sonst) würde man sich über Deinen Besuch in der Hohen Weide ab und an freuen… Wenn Du magst, dann nutze ich die Kommunikationskanäle der jüdischen Weltverschwörung und besorge Dir einen Platz am Shabbattisch des Rabbis dort. Das Essen ist vorzüglich. Nur gegen Kinderlärm sollte man immun sein.

          • Eliyah schreibt:

            A propos hH Berg: Hier ein Song dazu, der mir gefällt und das Gefühl der Strasse gut wiedergibt: http://tildog.de/music/99centbar.mp3 (Achtung, Homestudio-Qualität)

          • Aristobulus schreibt:

            Lieber Eliyah, kol hakawod!, besten Dank!, das tät mir gefallen. Übrigens mag ich des Rebben Kinderlärm gerne ;) , zumal der ja reichhaltig ist.
            Ich schick Dir’n Mail wegen des Kontakts.

          • Eliyah schreibt:

            Alles klar, lass dir von Gerd meine Mailadresse geben, falls Du sie nicht schon hast und ich leite das in die Wege. :)

  4. abusheitan schreibt:

    Wie kann man ganz legal und gerichtlich abgesegnet ein Plakat mit einem Davidstern im öffentlichen deutschen Raum zeigen?
    Ganz einfach: Man malt ein Gleichheitszeichen und ein “blutiges” rotes Hakenkreuz dazu. Das ist dann freie Meinungsäußerung und keineswegs Volksverhetzung.
    Quelle:

    http://gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de/jportal/?quelle=jlink&docid=KORE230092010&psml=sammlung.psml&max=true&bs=10

    Einen anderen Weg gehen die Anhänger des Raelismus (Nicht Realismus!), die den Davidstern und das Hakenkreuz in ihrem Symbol vereinigen Auch dies wurde im Namen des Volkes von einem deutschen Gericht als legale Praxis angesehen.
    Quelle:
    .http://www.proswastika.org/e107_files/downloads/Judgment%20Marcel%20Hoffmann%20Raelian%20symbol%201988.pdf

    • Aristobulus schreibt:

      Der Irrsinn… und danke für das Wort Raelismus, das trifft’s mittendrauf.

      • Aristobulus schreibt:

        P.S.

        RA ist ein altägyptischer Götze, ein Versklaver par excellence.
        Ha’Ra = hebr. Das Böse.
        Und Irrsinn eines bayrischen Amtsgerichts, die Sache so wertfrei zu sehen. Anything goes. Wer kommt als Nächstes? Kannibalisten, die irgendwas von Göttern & Dämonen murmeln und von juristischen, äquidistanten Relativisten als zu schützende Gemeinschaft anerkannt werden?

  5. kleines Südlicht schreibt:

    Das wollte ich unbedingt noch erzählen – zwei mir heute aufgefallene Kleinigkeiten:

    Die Vorgeschichte: Heute war ich im Kino; gesponsort hatte die Karte eine sehr bekannte Pharmafirma (es geht auch im Geschäftsleben so langsam aufs Jahresende zu). Ergo mußte ich etwas tun für den unerwarteten Filmgenuss, nämlich mir statt Film-Vorschauen ein Werbefilmchen über besagte Firma ansehen. Bei welchem ich so ein Bißchen in den Gemüsemodus abgedöst bin (die Werbeagentur war gut, aber trotzdem, Werbung)… bis sie ein Bild von ihrer Firmenzentrale gezeigt haben. Dann kam

    die Überraschung!: Nachdem der Mutterkonzern in Israel sitzt, zeigt die Firma ziemlich riesig vierfach Flagge vor ihrer Zentrale und in ihrem Werbe-Portrait: nicht nur beide Unternehmensbanner, sondern selbstverständlich auch beide Nationalflaggen.
    (Danach habe ich mir den Rest vom Protrait auch in wachem Zustand angesehen; mir ist aufgefallen, daß der Firmenchef gerahmte Original-Plakate von Olympia ’72 im Büro hängen hat – ich meine eins mit schwarzem Band dran, bin mir aber nicht sicher – vor denen er sich hat Filmen lassen. Solidaritätsadresse im Hintergrund?)

    :D mich! daß es solche Beispiele auch noch gibt.

  6. abusheitan schreibt:

    2011 wurde ein neuer gelber Stern entworfen und in einer großen Demonstration erstmals der breiten schweizerischen Öffentlichkeit vorgestellt: Der Muslim-Stern. Er ist ebenfalls gelb, besteht aber aus zwei gegeneinander verdrehten Quadraten und zeigt die Aufschrift “Muslim”. Damit sollte auf die angebliche Diskriminierung der Muslime hingewiesen werden, die sich in Minarett-, Niquab- und Schächtverbot äußerte. Da man den Juden unterstellte, vom Holokaust zu profitieren, schien es eine grandiose Marketing-Idee, sich als die neuen Opfer von Rassenhass und Religionsfeindschaft zu stilisieren. Leider stieß dieser Werbegag überwiegend auf Ablehnung, wenn nicht blankes Entsetzen, so daß der gelbe Stern wieder in der Versenkung verschwand.

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