Veruntreuungsgeld

Peer Steinbrück hat angekündigt, dass er im Falle eines Sieges bei der Bundestagswahl 2013 das Betreuungsgeld umgehend wieder abschaffen wird. Dem Deutschlandfunk sagte er: “Mit einer SPD-geführten Bundesregierung wird es die kürzeste Halbwertszeit eines Gesetzentwurfes in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland haben.” Zudem betone er: “Ich glaube, dass es berechtigt ist zu klagen.” Das Betreuungsgeld bezeichnete er als “ein so unsinniges, um nicht zu sagen, schwachsinniges Gesetz”.

Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen. Gibt es etwas absurderes als ein Staat, der seine Bürgerinnen und Bürger dafür belohnt, staatliche Angebote nicht in Anspruch zu nehmen? Was kommt als nächstes? 451 Euro jährlich für alle, die nicht in öffentliche Bibliotheken gehen und lieber zu Hause bleiben und ARD und ZDF schauen? 99,99 Euro im Quartal für alle, die nicht in öffentliche Museen gehen und lieber zu Hause bleiben und Fensterbilder basteln? 37 Euro pro jeden Monat ohne “r” im Namen für alle, die keine öffentlichen Schwimmbäder nutzen und stattdessen in der eigenen Badewanne Kapitän spielen? 598 Euro für alle, die nicht zur Bundestagswahl gehen und stattdessen lieber die neue Voice of Germany wählen? 217,34 Euro Deppenprämie für alle, die nicht studieren, finanziert aus den Studiengebühren? 50 Euro Taschengeld pro Woche für jedes Kind, das nicht zur Schule geht und stattdessen für eine Hauptrolle in “Mitten im Leben” übt? 10 Euro täglich für alle, die nicht die Straßen nutzen, sondern querfeldein fahren? 1000 Euro pro Monat für alle, die auf Hartz IV verzichten?

Jetzt jedenfalls sollen alle Eltern, die eine Kindertagesstätte für ihren Nachwuchs nicht nutzen, 100 Euro im Monat pro Kind erhalten. Ab August 2014 sollen es sogar 150 Euro sein. Allerdings ist das Betreuungsgeld auf 22 Monate begrenzt. Das heiß also, mit jedem Kind, das nicht in eine Kita geht, verdient eine Familie ab August 2014 maximal 3300 Euro. 3300 Euro! Was man sich davon alles kaufen kann!

In Deutschland ist es Tradition, dass der Bundespräsident höchstpersönlich und auf Antrag der Eltern die Ehrenpatenschaft für das siebente Kind einer Familie übernimmt. Im Nationalsozialismus wurde das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter durch eine Verordung vom 16. Dezember 1938 von Adolf Hitler gestiftet. Eine Mutter, die damals acht Kinder zur Welt brachte, erhielt die Auszeichnung in erster Stufe. Heute kann eine Mutter, die ihre Kinder brav zu Hause erzieht, maximal 26400 Euro verdienen. 26400 Euro!

Von 26400 Euro kann sich eine deutsche Mutter doch tatsächlich einen Vortrag von Peer Steinbrück leisten! Im November 2011 ließ sich Peer Steinbrück eine Plauderstunde beim Atriumtalk in Bochum mit 25000 Euro bezahlen. Für 25000 Euro “plauderte er mit Sportmoderator Werner Hansch über Familie, Fußball und Europa.”

Also Ihr Mütter der Nation, wenn ihr acht Kinder brav zu Hause groß gezogen habt und das Betreuungsgeld spart, habt ihr genug Geld verdient, um mit Peer Steinbrück über Familie, Fußball und Europa zu plaudern. Das macht dann doch bestimmt Freude auf ein neuntes Kind, oder?

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5 Antworten zu Veruntreuungsgeld

  1. Aristobulus schreibt:

    Gnadenlos über den Jammer des Machens beliebiger Gesetze :mrgreen:

  2. Hein schreibt:

    Die staatliche Leistung Kinderkrippe (für Ein- bis Dreijährige) kostet 400 € bis 1000 € pro Monat. (Diese sehr divergierenden Zahlen habe ich gestern im Bayerischen Rundfunk und im Presseclub gehört) Wenn ich einen ausgeglichenen Haushalt wollte, hätte ich diese “Wohltat” den Kleinkindern erspart. (Kein Ausschlafen am Morgen – Mutti und Papi müssen ja zur Arbeit, wechselnde Bezugspersonen – Tante ist krank, auf Fortbildung – usw.) Planwirtschaft und Sozialismus verlangen staatliche Betreuung ab dem ersten Lebensjahr. Krippe- Kindergarten-Schule mit Ganztagsbetreuung: Bin ich froh, dass ich das nicht persönlich durchmachen musste.

    • besucher schreibt:

      Na, ist schon klar dass der Schein-Bück dagegen wettert: es geht ihm schließlich um die Lufthoheit über den Kinderbetten. Ich war z.B. Auch im Kindergarten und habe ausgeplaudert dass bei uns Westfernsehen läuft, dass fand die Kindergärtnerin nicht so witzig. Heutzutage hören die Kindergärtnerinnen wahrscheinlich wieder genau so gut hin ob im Elternhaus nicht irgendwelche “Vorurteile” und “falsche Meinungen” vorherrschen, aus England kennt man da so Geschichten z.B. Dass ein Kind indisches Essen nicht mochte und die Familie in der Folge pauschal unter Rassismusverdacht gestellt wurde.

  3. Yano schreibt:

    “Heute kann eine Mutter, die ihre Kinder brav zu Hause erzieht, maximal 26400 Euro verdienen. 26400 Euro!”

    Was ist das denn für eine Zahl? Ist das die Einkommensgrenze fürs Betreuungsgeld? Das sind immerhin 2200€/Monat!

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