Lieber Tim Bendzko,

seit ein paar Tagen hängen in Köln folgende Werbeplakate herum:

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“Frei” ist wirklich ein weiter Begriff. Es gibt Menschen, die bemessen die Freiheit eines Menschen an seinen Begierden und behaupten, je weniger Begierden ein Mensch habe, desto freier sei er. Es gibt aber auch Menschen, die definieren Freiheit mit der Abwesenheit von Sorgen. Die meisten Menschen werden sich jedoch auf diese einfache Gleichung verständigen können: Freiheit ist das Gegenteil von ungewollter Abhängigkeit. Der große Philosoph Kris Kristofferson allerdings hat einst behauptet: “Freedom is just another word for nothing left to lose!”

Es gibt aber auch Menschen, die definieren Freiheit an der Anzahl der Sklaven. Je mehr Arbeit ein Mensch auf andere Menschen zwangsverlagern könne, desto freier sei er. So ganz unwahr ist diese Aussage ja nicht. Die griechische Philosophie beginnt mit Sklavenhaltern. Sie hatten die notwendige Zeit zum Nachdenken, da sie Sklaven hatten, die ihnen die alltäglichen Lasten abnahmen. Die täglichen Mühen stören nun mal beim Philosophieren. Deshalb war ja auch des Patriarchat lange Zeit so erfolgreich. In ihrer Abhandlung “Justice Interruptus” legt Nancy Fraser dar, dass die Hausfrauen lange Zeit wie Sklaven die Arbeit jener Männer übernehmen mussten, die ihre Alltagsmühen oft auf ihre Frauen zwängten, um sich dann voll und ganz ihrer Verwirklichung widmen zu können. Die große Philosophin und Analytikerin Hedwig Dohm brachte diese Ungerechtigkeit schon vor über hundert Jahren auf den Punkt:

„Die Frauen haben Steuern zu zahlen wie die Männer, sie sind verantwortlich für Gesetze, an deren Beratung sie keinen Anteil gehabt; sie sind also Gesetzen unterworfen, die Andere gemacht haben. Das nennt man in allen Sprachen der Welt Tyrannei, einfache, absolute Tyrannei. Sie mag noch so milde gehandhabt werden, sie bleibt Tyrannei. Die Frau besitzt wie der Sklave Alles, was man ihr aus Güte bewilligt.“

Sie, Herr Bendzko, haben diesen Begriff der Freiheit nun voll und ganz übernommen. Sie erklären die ARD und das ZDF für frei, weil sie das Recht haben, von allen Besitzern eines Empfängers in Deutschland eine Zwangsabgabe zu verlangen und zwar unabhängig davon, ob sie die ARD oder das ZDF schauen oder nicht. Wer einen Fernseher in Deutschland auch nur besitzt ist ein Sklave der GEZ und muss für diese Institution einen Teil seines erarbeiteten Gelds abgeben. Stellen wir uns mal vor, andere Medien hätten das selbe Recht wie die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten. Stellen wir uns nur mal vor, jede Person, die ein Buch besitzt, müsste dadurch schon Geld an einen öffentlich-rechtlichen Verlag bezahlen oder eine Person, die eine Zeitung auch nur abonniert hat, wäre dadurch schon zu Gebühren an eine öffentlich-rechtliche Zeitungsanstalt verpflichtet. Es wäre ein Zwang, so ziemlich das Gegenteil von Freiheit. Aber wenn es um die GEZ geht, dann kommt der Herr Bendzko daher und muss nur eben kurz die Welt retten, indem er diesen Zwang nicht nur zur Freiheit erklärt, sondern zu einem verantwortungsbewussten Handeln. Herzlichen Glückwunsch, Tim!

Ich kann ja verstehen, dass Sie manchmal das Kotzen bekommen, wenn Sie den Fernseher einschalten. Es gibt da wirklich viel Schwachsinn. Die Antwort kann jedoch nicht sein, dass ein Erzoberosterhase des Qualitätsfernsehens institutionalisiert wird, der dann das Recht hat zu bestimmen, was Qualität sein soll. Qualität ist für diesen Erzoberosterhasen dann nämlich immer nur das, was er selber macht. Alles andere ist Schrott!

Während also die privaten Sender dazu verdammt sind, ihre Vorstellung von Qualität auf dem freien Markt zu behaupten, bekommen die ARD und das ZDF ein Schloss gebaut, damit sie dort dann ihre Vorstellung von einem guten Leben verwirklichen können und finanziert wird das Ganze von den Bürgerinnen und Bürgern, die auf dem Markt arbeiten. Zur Selbstvergewisserung lassen diese Adeligen dann auch noch den jungen Narren Tim für sich tanzen, damit er zu ihrer Freude unbeeindruckt behaupten kann, die Adeligen von ARD und ZDF seien im Gegensatz zum Pöbel auf dem freien Markt frei, sich für das Wahre, Schöne und Richtige zu entscheiden und die edlen Fürsten müssten nun mal für ihre Verteidigung des Elitären die Masse zwingen, Abgaben an sie zu zahlen.

Ach Tim, was für ein Narr Sie doch sind.

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16 Antworten zu Lieber Tim Bendzko,

  1. besucher schreibt:

    Auch Uli Hoeneß macht hier in Kölle Werbung für die ÖR: Da man in Ihnen “unbequeme Wahrheiten” ausdrücken könne.
    Zum Beispiel die unbequeme Frage: “Heute schon GEZahlt?”

  2. inna schreibt:

    Kaum zu glauben, …

  3. Inna schreibt:

    Ich denke, mein letzter Kommentar hatte weitaus mehr Gehalt, als der davor. Aber scheinbar kannst und willst du nicht mit Kritik und Meinungen umgehen, die nicht deine eigene bestätigen. Und das ist wahrhaftig leider traurig!

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Der zweite Kommentar war ein Lamento, dass der erste nicht veröffentlicht wurde. Keine substanzielle Kritik bis jetzt. Hier hört jetzt auch das Gespräch auf der Metaebene auf. Schreiben Sie etwas Gehaltvolles und Sie werden sich hier lesen können.

      • Aristobulus schreibt:

        Innas n-ter Kommentar “hatte weitaus mehr Gehalt”? LOL. Derdiedas scheint weitaus bescheiden zu sein

        • Inna schreibt:

          Und wer bist du, dass du dich hier in Dinge einmischt, die dich nichts angehen? ;-)

          • Fred vom Jupiter schreibt:

            @Inna: Das ist Ari, Gerd Buurmanns persönlicher Schosshund, der immer anfängt zu bellen, wenn sein Herrchen ‘angemacht’ wird. Ich dagegen bin nur ein ‘Troll’, der hier umhergeistert, um gewisse Dinge aus meiner Warte aufzuzeigen. Dass Ari sich immer einmischt, daran musst Du dich gewöhnen. Das ist eines seiner Lieblingsbeschäftigungen. Steht ja auch auf seiner Homepage. Da er aber einer von Gerd Buurmanns Groupies (wahlweise auch Claqueur oder ähnliche Synonyme) ist, kann er langweiliges und gehaltloses schreiben -so oft er mag- ohne Sanktionen des Blogbetreibers befürchten zu müssen.

          • M. schreibt:

            vorsicht, fred vom jupiter ist der bekannte f. der seinen zwang ausleben muß immer wieder blogs zu füllen, obwohl er schon mehrfach auf spam gesetzt wurde.
            das ist eines seiner lieblingsbeschäftigungen, blogs und deren gastgeber zu belästigen und mit judenhaß um sich zu werfen.

            “(Hinweis: Der Kommentar, auf den sich dieser Kommentar bezieht, musste wegen Unsäglichkeiten gelöscht werden.)

            ” Der KZ Überlebende war mir tausendmal sympathischer als Ihr Kostümjuden.
            Ihr beschissenen Wohlstandsjuden die Ihr jammert obwohl es hier nix zu jammern gibt. Stolpersteine aufstellen ..Wofür? Um zu erinnern dass Ihr noch hier seid? Pfff… Es gibt noch hundert andere Minderheiten die auch in Deutschland leben und die kriegen keine solche Aufmerksamkeit. Lernt es endlich mal… Dieses Elitäre Getue… Das hat mich schon im Studium angekotzt. ”

            F sagt:
            Oktober 10, 2012 um 12:30 vormittags

            http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/10/04/deutschland-ist-meine-heimat/#comments”

            http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/hassmails/

          • Aristobulus schreibt:

            Ja. Und Manche können und können es nicht vertragen, dass hier nun mal unter anderen Manchen diskutiert wird :D

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