Meine Unabhängigkeit, Dein Zwang

Gerade lief auf dem WDR in “Daheim und Unterwegs” ein Bericht über die neuen Gebührenordnung der GEZ. Die Rundfunkgebühr wird ab 2013 pro Haushalt und nicht mehr pro Gerät erhoben. Die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen 2012 in Berlin eine entsprechende Reform der Rundfunkfinanzieung.

Die Reform hat zur Folge, dass alle Bürger und Bürgerinnen in Deutschland, die nicht obdachlos sind, die Gebühr entrichten müssen und zwar unabhängig davon ob in den jeweiligen Wohnungen Empfänger stehen oder öffentlich-rechtliches Fernsehen geschaut wird. Der Bericht auf dem WDR ergab sich in eine einzige Lobhudelei der neuen Regelung. Verteidigt wurde die Zwangsgebühr mit der angeblichen Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Wenn die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ach so unabhängig sein sollen, wie wäre es dann mal mit einem abendfüllenden Bericht über die Unrechtmäßigkeit und Unmoral der Finanzierung der eigenen behaupteten Unabhängigkeit durch eine Zwangsgebühr? Meine Unabhängigkeit ist Dein Zwang. Eine wunderbare Philosophie der Freiheit!

Stellen wir uns nur mal vor, jede Person, die ein Buch besitzt, müsste dadurch schon Geld an einen öffentlich-rechtlichen Verlag bezahlen oder eine Person, die eine Zeitung auch nur abonniert hat, wäre dadurch schon zu Gebühren an eine öffentlich-rechtliche Zeitungsanstalt verpflichtet. Es wäre ein Zwang, so ziemlich das Gegenteil von Freiheit.

Während all die privaten Sender dazu verdammt sind, ihre Vorstellung von Qualität und Unabhängigkeit auf dem freien Markt zu behaupten, bekommen die ARD und das ZDF ein Schloss gebaut, damit sie dort ihre Vorstellung von einem guten Leben verwirklichen können. Finanziert wird das Ganze dann von jenen Bürgerinnen und Bürgern, die auf dem Markt arbeiten, dem sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht stellen wollen. Zur Selbstvergewisserung lassen diese Adeligen dann auch noch junge Narren wie Tim Bendzko für sich tanzen, damit er zu ihrer Freude behaupten kann, die Adeligen von ARD und ZDF seien im Gegensatz zum Pöbel auf dem freien Markt frei, sich für das Wahre, Schöne und Richtige zu entscheiden und die edlen Fürsten müssten nun mal für ihre Verteidigung des Elitären die Masse zwingen, Abgaben an sie zu zahlen.

Was für eine moralische Form von Freiheit und Unabhängigkeit. Marie Antoinette würde blass.

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26 Antworten zu Meine Unabhängigkeit, Dein Zwang

  1. Eliyah schreibt:

    “Stellen wir uns nur mal vor, jede Person, die ein Buch besitzt, müsste dadurch schon Geld an einen öffentlich-rechtlichen Verlag bezahlen”

    Wieso gleich ein ganzes Buch? Eigentlich reicht nach der neuen Regelung dafür schon ein leeres Bücherregal. Oder ein Platz in der Wohnung für ein eventuelles Bücherregal. Oder gar ein Nachttisch, auf dem man die Bettlektüre ablegen könnte. Ach, was sage ich: Man müsste (schriftlich) nachweisen, dass man Analphabet ist. Nein, das reicht auch nicht. Blind muss man sein, man könnte Bildbände kaufen. Blind und Braille-Analphabet.

    Müssen Menschen, die Taub und Blind sind auch GEZ bezahlen?

    • Silke schreibt:

      sofern sie wohnen, eindeutig ja, aber in der Praxis vermutlich nicht wegen Behindertenermässigungen, aber die gelten dann, so wie ich es verstand auch für erstklassig hörende und sehende Rollstuhlfahrer. JedeR, der wohnt muß löhnen, der große Fortschritt ist allerdings, daß Wohngemeinschaften ab sofort nur noch einmal löhnen müssen, während ich armes Tier, behördlich zugelassene Nicht-Fernseherin, ab sofort im Monat das werde bezahlen müssen, was ich derzeit im Vierteljahr bezahle, also eine Verdreifachung meiner festen Kosten erleiden werde.

      Ich überlege ernsthaft, die Einzugsermächtigung zu kündigen und im Extremfall zu Bareinzahlung der Gebühren zu wechseln. Das sichert dann wenigstens Arbeitsplätze bei der Bande.

  2. heplev schreibt:

    >>Stellen wir uns nur mal vor, jede Person, die ein Buch besitzt, müsste dadurch schon Geld an einen öffentlich-rechtlichen Verlag bezahlen<<
    Müsste heißen: Jede Person, die einmal eine Grundschule besucht hat…
    Denn damit setzt man voraus, dass die Person Lesen gelernt hat und damit ein potenzieller Leser eines Buches ist.

  3. heplev schreibt:

    Und damit man zu Benzko tanzen kann, holte man sich einen der erfolgreichsten Leute aus dem Privatsender-Bereich, der aus dem Pöbeln Gold macht und sich eine Nase verdient, von der selbst die Zwangsgebühren-Verschwender nur träumen können. Ob das genug der Ironie ist?

  4. DeEs schreibt:

    Ich denke, die Buchparallele ist stimmiger auf diese Weise: stellen wir uns vor, dass eine öffentlich-rechtliche Anstalt Geld dafür verlangen würde, dass in den Buchhandlungen Bücher zum Kauf angeboten werden. Somit wird jeder potenzielle Buchkäufer schon vorab zur Kasse gebeten dafür, dass er ein Buch kaufen könnte. Aber wie auch immer man das formuliert – es ist eine rechtmässige Schweinerei.

  5. Abwäger schreibt:

    Sie kritisieren in Ihrem Block unter anderem die einseitige Berichterstattung über Israel; gleichzeitig verteufeln Sie die GEZ-Gebühren ohne das Für und Wider abzuwägen. ZDF und ARD produzieren zugegeben viel Schrott, den ich mir im ganzen Leben nicht ansehen werde (z.B. Silbereisen & Co.), aber den Gebühren verdanken wir auch Report Mainz, Monitor oder Kulturzeit und einige andere rare Perlen des Journalismus. Wenn die Öffentlich Rechtlichen den gleichen Schrott senden würden wie die Privaten, dann würde ich meinen Fernseher sofort vor die Tür stellen. Einige sehr gute Radioprogramme gäbe es dann auch nicht mehr und damit keine Sender, die jugenen und unbekannten Künstlern eine Chance geben, sondern überall nur noch den Einheitsbrei aus den aktuellen Charts und dem Besten von gestern gemixt mit dem Werbesong des örtlichen Möbelmarkts im Viertelstundentakt. Na, vielen Dank auch!

    Ich zahle auch jeden Monat Rentenbeiträge. Bei der GEZ-Gebührt habe ich wenigstens gelegentlich das Gefühl, es würde etwas nützen.

    • besucher schreibt:

      So, so, ein Block. Ist Gerd dann hier der Blockwart?

      Sehen wir die Sache doch mal realistisch: Wieviel Geld bekommen Ihre Radioprogramme denn aus dem GEZ-Topf? Wahrscheinlich ein paar Rosinchen die man auch durch Eigenwerbung wieder locker reinholen könnte.
      Das große GEZ-Geld wird für die Champignons-League, Sendungen wie “Wahre Liebe” und Tatorte aus Bad Münstereifel und Gerolstein verbraten,

    • DeEs schreibt:

      Unter anderem werden die GEZ-Gebühren eben für die einseitige Berichterstattung über Israel ausgegeben – wenn das kein Grund ist, sie zu verteufeln!

      Wirklich “rare Perle des Journalismus” ist eine Sendung namens “Entweder Broder”. Schon davon gehört? Und solch eine Sendung entsteht nicht dank der GEZ, sondern trotz der GEZ. Und wird dementsprechend in die tiefste Sendezeit vergraben, so um Mitternacht….wenn keiner wacht…

    • Krokodil schreibt:

      @Abwäger

      “…aber den Gebühren verdanken wir auch Report Mainz, Monitor oder Kulturzeit und einige andere rare Perlen des Journalismus.”

      Soso. Wegen dieser Perlen habe ich keinen Fernseher mehr. Und Sie finden es natürlich gut, wenn ich gezwungen werde für Ihre Verblödung zu bezahlen. Können Sie sich das nicht selbst leisten? Stellen Sie sich bitte vor ich hätte ein hirnrissiges Hobby und Sie mussten es bezahlen. Dämmerts?

      “…und damit keine Sender, die jugenen und unbekannten Künstlern eine Chance geben, sondern überall nur noch den Einheitsbrei aus den aktuellen Charts und dem Besten von gestern gemixt mit dem Werbesong des örtlichen…”

      Die Gefahr die Sie sehen ist längst Realität. Ich will mit meinem Geld nicht einfach bekannte oder unbekannte “Künstler” fördern, sondern solche, die mir gefallen. Und darüber entscheide ich selbst. Nicht Sie, und auch nicht die ARD oder sonstwer.

      “Ich zahle auch jeden Monat Rentenbeiträge. Bei der GEZ-Gebührt habe ich wenigstens gelegentlich das Gefühl, es würde etwas nützen.”

      Nennen Sie mir einen Vernünftigen Grund dafür, einen Zusammenhang zwischen Ihren Gefühlen und meinem Geld herzustellen.

    • Yael schreibt:

      http://lizaswelt.net/2012/11/22/propaganda-mit-gebuehr/

      “Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland begleitet den Krieg der Hamas gegen Israel mit einer regelrechten Desinformationskampagne. Was Propaganda ist, wird von Redakteuren und Korrespondenten mit schlichtem Weltbild als sauberer Journalismus präsentiert – stets zum Nachteil des jüdischen Staates. Stefan Frank hat in seinem Gastbeitrag für Lizas Welt deshalb einen konstruktiven Vorschlag zu machen.”

      Kulturzeit ist übrigens ein Sender, der mehr als nur Desinformationen zu Israel bringt. Auf den kann ich am meisten verzichten. Man muss dafür zahlen, dass sie lügen, was das Zeug hält. Nein, danke.

  6. Möbel schreibt:

    DeEs schreibt:
    November 22, 2012 um 7:45 vormittags

    Unter anderem werden die GEZ-Gebühren eben für die einseitige Berichterstattung über Israel ausgegeben – wenn das kein Grund ist, sie zu verteufeln!
    ——
    Da sich beide Seiten empört über einseitige Berichterstattung (die derzeitige Auseinandersetzung betreffend) beschweren, scheint
    das ÖR in diesem Fall nicht allzuviel falsch gemacht zu haben.
    Ansonsten hat das Krokodil alles gesagt.

  7. Möbel schreibt:

    Das iranische und ägytische Fernsehen berichtet seinen Zuschauern
    wahrscheinlich auch in diesem Moment, dass ein Volk vernichtet wird.
    Damit es sich bloß nicht durch neutrale Berichterstattung auf der Seite der
    Vernichter positioniert.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Wobei das eine Lüge und das andere Wahrheit ist. Es ist wie der Unterschied zwischen den Protokollen der Weisen von Zion und der Wannsee-Konferenz. Sie kennen den Unterschied hoffentlich.

      • Möbel schreibt:

        Lieber Buurmann,
        meinen Sie das wirklich?
        Sie wollen Ihre persönliche Meinungsfindung deligieren?
        Oder möchten Sie Ihre persönliche Meinung als die Hochoffizielle
        in den diversen Medien wiederfinden?
        Das Krokodil, als ehemaliger Bürger der DDR, kennt solche Medien die
        “Wahrheiten” verkünden, zur Genüge,

        Bedenken Sie was Sie da einfordern.
        Gerade diese Ihre Forderung nach fertiger Meinung unter Ihrem Artikel von
        zwangsfinanziertem Staatfernsehen. Man, man, man!

        • tapferimnirgendwo schreibt:

          Ja meine ich wirklich. Jedes Medium hat Interesse. Deshalb hat auch die ARD Interesse. Dass dieses Interesse aber aus Zwangsgebühren finanziert wird ist der Skandal!

          • Möbel schreibt:

            Da, werter Buurmann, haben wir eben grundsätzlich andere Auffassungen von
            “Medien”.
            Denn nicht das “Medium” hat ein Interesse, sondern der Redakteur oder die
            Redaktion und deren Meinung oder Positionierung interessiert mich erst
            an zweiter Stelle. Was bei Ihrem Aufruf zur Positionierung heraus kommt
            beklagen Sie doch in Ihrem früheren Artikel.(Handelsblatt, Stern, etc..)
            Sollten Medien Interessen verfolgen sind sie vielleicht noch Medien
            aber ganz sicher keine Informationsmedien mehr. Aber die möchte ich.
            Information und zwar möglichst komplett.
            Gerade wenn Sie feststellen, dass immer ein Interesse bestünde, wie
            kommen Sie darauf das dieses Interesse immer im verkünden
            von Realität und Wahrheit besteht?

      • Aristobulus schreibt:

        Nee. Für den ist das Eine das Ding A/B und das Andere das Ding B/A.

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