10. Goldener Orwell für den Deutschlandfunk

In unregelmäßigen Abständen vergibt Tapfer im Nirgendwo den Goldenen Orwell.

Der Goldene Orwell wird an sogenannte Qualitätsmedien für Berichte verliehen, die dem Parteislogan aus George Orwells Roman “1984” alle Ehre machen: “Krieg ist Frieden!”

Unbedingte Vorraussetzung für den Goldenen Orwell ist die ideologische Verdrehung einer Nachricht in ihr genaues Gegenteil, zum Wohle des besseren Einfügens in ein gefestigtes Weltbild.

Der 10. Goldene Orwell geht an den Deutschlandfunk.

Am 19. August 2014 wurde die Waffenruhe mit Israel gebrochen. Binnen weniger Stunden wurden über hundert Raketen auf Israel abgefeuert. Als die ersten Raketen auf Israel niedergingen, verließen die israelischen Vertreter den Verhandlungstisch. Deutschlandfunk titelte daraufhin folgende Schlagzeile:

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Das Friedensgespräch wurde somit laut der Schlagzeile des Deutschlandfunks nicht durch den Beschuss auf Israel abgebrochen, sondern erst durch das darauf folgende Verlassen der Friedensverhandlung durch Israel.

Herzlichen Glückwunsch!

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Ein Notfall!

Dieses Interview mit mir fand vor über vier Jahren statt. Es hat sich seitdem nichts in Köln geändert, im Gegenteil: Der Antisemitismus vor dem Kölner Dom ist noch heftiger geworden. Mittlerweile wird vor dem Kölner Dom sogar der Holocaust verharmlost. Das Interview aus dem Jahr 2010 endet mit diesen Worten:

“Ich frage mich jedoch, warum es die jüdischen Medien und die Juden in Deutschland sein müssen, die sich dieses Themas annehmen. Juden sind in dieser Angelegenheit doch eh die gearschten. Warum sollen sie sich jetzt um den Dreck kümmern, der ihnen ins Gesicht geworfen wurde. Ich muss gerade an die Pogromnacht 1938 denken, bei der die betroffenen Juden sich um die Beseitigung der Verwüstung der Pogromnacht selbst kümmern und die Kosten tragen mussten. Warum sollen jetzt schon wieder Juden den antisemitischen Müll in Deutschland weg fegen? Ich denke, dass sich alle deutschen Medien und die Deutschen generell bewegen müssen in dieser Angelegenheit. Antisemitismus ist unser aller Problem!”

Vier Jahre ist das her. Bewegt hat sich seitdem nichts. Der Antisemitismus vor dem Kölner Dom lebt!

Ebenfalls im Jahr 2010 erschien ein Interview mit mir auf Lizas Welt. Das Interview endet mit diesen Worten:

“Antisemitismus ist immer ein Notfall, der es rechtfertigt, die 110 zu wählen, auch wenn die Polizei das vielleicht anders sieht.”

Vor über vier Jahren wählte ich die 110 Notrufnummer, weil ich vor dem Kölner Dom eine Tafel von Walter Herrmann sah, die ich für gefährlichen Antisemitismus hielt. Für mich war es ein Notfall, weil mit jeder weiteren Sekunde mehr Menschen auf der belebten Domplatte von dem antisemitischen Gift infiziert werden konnten. Was mittlerweile geradezu täglich vor dem Kölner Dom geschieht, ist nicht minder ein Notfall!

Der Platz vor dem Kölner Dom ist heute der öffentliche Ort in ganz Deutschland, wo am heftigsten und fast täglich gegen Juden gehetzt wird.

Köln ist eine der meist besuchten Städte Deutschlands. Ich hoffe daher, dass in Zukunft viele Menschen den Mut finden werden, die Polizei zu rufen, wenn sie antisemitische Plakate vor dem Kölner Dom zu Gesicht bekommen, besonders wenn sie von außerhalb kommen!

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“Auschwitz war gar nicht so schlimm!”

Es ist schon spannend, was alles vor dem Kölner Dom behauptet werden darf.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, die Nationalsozialisten hätten für Juden zwischen 1933 und 1945 Straßen, Schulen und Hospitäler gebaut.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, die Kindersterblichkeit unter Juden hätte sich dank den Nationalsozialisten in Deutschland deutlich verringert.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, die Lebenserwartung von Juden habe sich unter den Nationalsozialisten deutlich erhöht.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, Deutsche seien jahrzehntelang Opfer jüdischen Terrors gewesen.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, Deutschland sei über Jahre hinweg von Juden mit Raketen beschossen worden.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, deutsche Bürger seien in der Weimarer Republik ständig Opfer von jüdischen Sprengstoffanschlägen geworden.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, die Maßnahmen der Nazis gegen Juden von 1933 bis 1945 seien lediglich eine militärische Verteidigung gewesen.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, jüdische Verwundete seien zwischen 1933 und 1945 jederzeit in Nazi-Krankenhäusern behandelt worden.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, die jüdische Bevölkerung in Deutschland sei zwischen 1933 und 1945 von Nationalsozialisten Tag für Tag tonnenweise mit Hilfsgütern versorgt worden.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, die Nazis hätten mit den Juden über die Gründung eines jüdischen Staates verhandelt und sich zu einer friedlichen Konfliktlösung mit den Juden mehrfach bekannt.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, es hätte zwischen 1933 und 1945 in Deutschland rund 1,5 Millionen Juden mit deutschen Pässen gegeben, die im Besitz aller Bürgerrechte waren.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, Nazideutschland sei eine Demokratie gewesen mit Juden als Richter, Juristen, Politiker und Beamte.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, Juden hätten unterirdische Tunnel gegraben, um wahllos unter der deutschen Bevölkerung zu morden.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, das deutsche Militär hätte alle Länder vor den Bombenangriffen mit Flugblättern gewarnt und dabei zivile Opfer bewusst vermieden.

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, das Motto der NSDAP hätte wie folgt gelautet: „Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbständigen deutschen Volk in seiner Heimat auf. Das deutsche Volk ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Europas zu leisten.“

Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, die Juden hätten in der Weimarer Republik erklärt: „Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Juden nicht die Deutschen bekämpfen und töten, so dass sich die Deutschen hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: ‘Oh Jude, ein Deutscher ist hinter mir, komm und töte ihn!’“

Im Grunde behauptet Walter Herrmann nahezu täglich vor dem Kölner Dom: Die Nazis waren gar nicht so schlimm!

All dies behauptet Walter Herrmann nahezu täglich, weil er Israel ständig mit Nazideutschland vergleicht! Er zeigt sich vor dem Kölner Dom mit diesen Plakaten:

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Auf der Facebook-Seite der Dauerdemonstration werden noch deutlicherer Worte angeschlagen:

“Während die Holocaust Eisenbahnwagen rollen schaut Deutschland nicht einfach nur zu ! NEIN !
Sondern Deutschland schenkt den Mördern auch noch die Eisenbahnwagen und verspricht bedingungslose Unterstützung.

Der Holocaust findet seit 68 Jahren statt. In diesem Moment während ich diese Zeilen schreibe und in jedem Moment während der illegale Terrorstaat Israel existiert.
Der Holocaust findet jetzt gerade statt. Und was tust DU ?

Flyer verteilen ?
Oder einen Stand mit Informationen in der Fussgängerzone ?
Mit einem Plakat vor dem Büro des Oberbürgermeister demonstrieren ?
Alles was Du tust ist besser als nichts zu tun.

Erhebe deine Stimme gegen den Holocaust in Palästina !
Deine Stimme zählt !”

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Walter Herrmann behauptet nahezu täglich vor dem Kölner Dom, das Vernichtungslager in Auschwitz sei so wie Gaza heute gewesen. Hier ein paar Bilder aus dem Vernichtungslager Auschwitz nach Walter Herrmann:

Paragraf 130 StGB Absatz 3 besagt:

“Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.”

Ich bin kein Jurist, aber behaupte, die Verharmlosung nach §130 StGB hat Walter Herrmann mehr als begangen. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Köln sehen das jedoch anders. Die Kölner Polizei toleriert Walter Herrmann und die Kölner Staatsanwaltschaft legitimiert Walter Herrmann.

Wanderer, kommst Du nach Köln, lernst Du dort folgende Dinge:

Kölsch ist ein Bier,
Blutwurst ist Kaviar,
Der 1. FC Köln ist ein Fußballverein,
4711 ist ein Parfüm,
Die Tunisstraße ist die Avenue des Champs-Élysées,
und, so wird es jedenfalls vor dem Kölner Dom verkündet:
“Auschwitz war gar nicht so schlimm!”

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Polizeigewalt gegen Jeschiwastudenten

Ein Gastbeitrag von Eliyah Havemann

Heute waren wir, meine Frau, mein Sohn und ich, auf einem Ausflug ins “Merkaz”, ins Zentrum Israels. Wir haben auch Givat Shmuel besucht, der Ort neben Bnei Brak und der Coca-Cola-Kreuzung, in dem wir selbst bis vor einem Monat gewohnt haben. Inzwischen sind wir zurück nach Jerusalem gezogen.

Wir gönnten uns in Givat Shmuel noch Schuwarma im Laffa-Brotfladen als Abendessen und trafen dabei zufällig auf Freunde, die gerade ihren vierten Hochzeitjahresstag mit einem Essen im selben Lokal feierten. Satt und zufrieden setzten wir uns ins Auto und machten uns auf den Heimweg, den Berg hoch nach Jerusalem.

An der Coca-Cola-Kreuzung bildete sich in dem Moment ein großer Stau. Unser Navigationsgerät leitet uns daran vorbei und so kamen wir erst kurz nach dieser Kreuzung, eine Auffahrt später auf die Schnellstrasse 4. Was wir dort sahen, erschreckte uns. Ein paar Jugendliche in weissen Hemden, schwarzen Anzügen und mit Hüten, offenbar Studenten einer orthodoxen Jeschiwa, hatten mitten auf der Autobahnauffahrt, über die wir fuhren, brennende Kisten aufgestellt. Es waren noch halbe Kinder, die dort sich selbst und andere in Gefahr brachten. Wir fuhren langsam im Stau daran vorbei, als auf ein Mal ein Polizeimotorrad mit Blaulicht angefahren kam. Die Kids haben derweil schon damit begonnen, die Kisten wieder zu löschen.

In Israel hat die Polizei keine Motorräder wie in Deutschland. Die Verkehrspolizei fährt üblicherweise zahme Motorroller, jedoch die Motorradpolizei ist deutlich martialischer. Es sitzen immer zwei Polizisten in schwarzer Kluft und schwer bewaffnet auf einer ebenso schwarzen Enduro.

Ein solches Motorrad kam also angefahren. Der hintere von den beiden Polizisten sprang vom Motorrad und prügelte und tritt auf einen der Jungen ohne Vorwarnung los. Der versuchte sich zu retten, rannte weg und wurde verfolgt und gestellt und weiter geschlagen.

Wir waren sprachlos und hilflos im Auto. Wir wollten aber auch nicht den Stau verschlimmern, indem wir gaffend im Schritttempo an der Szenerie vorbeischleichen und daher konnten wir nicht sehen, was weiter passierte.

Ich sass am Steuer. Meine Frau surft mit dem Smartphone auf israelische News-Webseiten um zu sehen, was das gewesen sein könnte. Sie wurde schnell fündig: Die Coca-Cola-Kreuzung wurde durch eine Spontandemonstration, wie sie in vielen Orten Israels heute Abend stattfanden, von Charedim blockiert. Die Jungs waren wohl ein Aussenposten davon.

Die Demonstrationen richteten sich gegen die Inhaftierung eines Jeschiwa-Studenten, der einen Einberufungsbefehl der Armee ignoriert hat. Seit Neustem gibt es ein Gesetz das regelt, dass auch Ultra-Orthodoxe zur Armee müssen und dieser Student war wohl der erste, der seit dem Inkrafttreten des Gesetzes die Einberufung ignoriert hat.

Hier tobte bis vor Kurzem der Gaza-Krieg und wir alle hoffen, dass er so bald nicht wieder aufflammt. Im Angesicht dieses Krieges, der mal wieder so deutlich machte, dass unsere Soldaten zur Sicherung unseres Landes leider dringend gebraucht werden, waren die Charedim in besonderer Erklärungsnot, warum sie für sich zwar Ausnahmen vom Wehrdienst fordern, den Schutz der Armee aber gerne in Anspruch nehmen.

Deren Argumentation ist alt und schwach. Trotzdem hat einer der größten Torahgelehrten unserer Tage, Rabbiner Moshe Sternbuch, sie am 31. Juli 2014 in einem Kommentar mit dem Titel “Soldiers and armies: who is guarding who?” sehr unoriginell aufgewärmt und sich dann noch über die Soldaten selbstgefällig erhoben. In den ersten Zeilen schreibt er noch, dass wir für die Soldaten beten sollen und alle Gefallenen als “heilig” und “fromm” (chossid) bezeichnet. Danach endet aber die Empathie für die Israelische Verteidigungsarmee. G’tt und nur G’tt allein kann uns retten, sagt er und nur durch intensives Torah-Lernen wird G’tt dazu animiert, das auch zu tun.

Die Frage “Wer wacht über wen?” aus dem Titel beantwortet er also eindeutig: Ohne lernende Jeschiwa-Stundeten würde G’tt den Soldaten keinen Iron Dome und keinen militärischen Sieg geben.

Mein Chavruta, also mein Lernpartner, hat mir den Artikel von Rav Moshe Sternbuch weitergeleitet. Wir haben gerade die Torahstelle über den Angriff von Amalek auf das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten gelesen, übersetzt und Kommentare von Gelehrten diskutiert, sprich wir haben die Stelle gelernt. Dort steht das junge Volk Israel einer Vernichtungsdrohung gegenüber und muss sich wehren. Moshe Rabbeinu, der gute alte Moses also, schickt Jehoshua Ben Nun als Feldherren und mit ihm viele Junge Männer mit Waffen los, um Amalek zu schlagen. Er betet derweil für sie und wird dabei von seinen Nächsten unterstützt. So lange er seinen Arm zum Himmel hebt, ist das Volk Israel überlegen, wenn er den Arm fallen lässt, behält Amalek die Überhand.

Auf der einen Seite bestätigt diese Torahstelle Rav Moshe Sternbuchs Argumentation: Ohne Gebet und G’ttes Hilfe, verliert die Armee. Aber auf der anderen Seite sagt uns die Torah: Ohne Soldaten hilft auch kein Gebet. Sonst hätten sich die ganzen jungen Männer, die doch eigentlich 40 Jahre durch die Wüste ziehen sollten um die gerade erhaltene Torah zu lernen einfach weiter lernen und beten sollen, und sich nicht in die Schlacht begeben und ihr Leben im Kampf geben!

Ein Grundsatz des jüdischen Glaubens ist, dass man sich nicht auf G’tt alleine verlassen darf. Beispiel: Wer krank ist, soll sich schonen, Medizin nehmen und wenn es sein muss zum Arzt gehen und jede medizinische Hilfe annehmen, die es gibt. Einfach beten und hoffen, dass man von alleine, sprich nur durch G’ttes Hilfe gesund wird, ist keine Option. Geht man selbst den ersten Schritt, dann hilft uns G’tt von da an. Aber nur rumsitzen und beten, auch wenn es in einer angesehenen Jeschiwa ist, ist niemals genug. Und zu glauben, dass das eigene Gebet wertvoller ist als das Gebet eines anderen Juden, nur weil der eben zur Armee und nicht in die Jeschiwa gegangen ist, ist pure Überheblichkeit.

Aber diese Überheblichkeit ist kein Grund, einen wehrlosen Jungen brutal zusammenzuschlagen. Ich habe die Szene auf der Strasse nicht filmen können. Ich hoffe, jemand anderes hat es getan und der Polizist wird zur Rechenschaft gezogen.

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FAUST im GRETCHEN

“Faust – reloaded”
Eine Psychose nach J. W. Goethe,
mit Gerd Buurmann als Faust.
Regie: Burkhard Schmiester

Termine: 21. bis 24. und 28. bis 31. August 2014 um 21 Uhr im Hinterhof des GRETCHEN, Obentrautstr. 19-21, 10963 Berlin-Kreuzberg.

Kartenreservierung: sommerkarten@gmx.de
oder
(030) 74 924 329

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Weh! steck ich in dem Kerker noch?
Verfluchtes dumpfes Mauerloch,
Wo selbst das liebe Himmelslicht
Trüb durch gemalte Scheiben bricht!

Foto (oben): Viktoria Burkert
Fotos (folgende): Burkhard Schmiester

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Meine Ruh’ ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab’,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.

Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Meiner armer Sinn
Ist mir zerstückt.

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Heinrich, mir graut’s vor Dir!

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Ach! könnt ich doch auf Bergeshöhn
In deinem lieben Lichte gehn,
Um Bergeshöhle mit Geistern schweben,
Auf Wiesen in deinem Dämmer weben,
Von allem Wissensqualm entladen,
In deinem Tau gesund mich baden!

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Kölner Botschaft des Hasses

Vor dem Kölner Dom steht ein Mann mit einer Installation von der Polizei toleriert und der Staatsanwaltschaft legitimiert. Auf der Facebook-Seite der Installation findet sich dieser Eintrag:

“Während die Holocaust Eisenbahnwagen rollen schaut Deutschland nicht einfach nur zu ! NEIN !
Sondern Deutschland schenkt den Mördern auch noch die Eisenbahnwagen und verspricht bedingungslose Unterstützung.

Der Holocaust findet seit 68 Jahren statt. In diesem Moment während ich diese Zeilen schreibe und in jedem Moment während der illegale Terrorstaat Israel existiert.
Der Holocaust findet jetzt gerade statt. Und was tust DU ?

Flyer verteilen ?
Oder einen Stand mit Informationen in der Fussgängerzone ?
Mit einem Plakat vor dem Büro des Oberbürgermeister demonstrieren ?
Alles was Du tust ist besser als nichts zu tun.

Erhebe deine Stimme gegen den Holocaust in Palästina !
Deine Stimme zählt !”

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Der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters, erklärte einst, Walter Herrmann verbreite vor dem Kölner Dom eine “Botschaft des Hasses”.

Stellen wir uns mal vor, auf der Kölner Domplatte versammelten sich täglich Menschen zu einer Demonstration, auf der Muslime ausschließlich als Terroristen und Mörder dargestellt werden. Stellen wir uns weiter vor, diese Demonstration wäre mit Karikaturen versehen, auf der Muslime zu sehen sind, die kleine Kinder essen und sich an ihrem Blut laben. Die Bürger Kölns würden sich versammeln und dieser Feindlichkeit die rote Karte zeigen, alles unter dem wunderbaren Kölner Mottoe

Am 20. September 2008 gab es unter dem Motto “Köln stellt sich quer” eine Neuauflage der Aktion “Arsch huh, Zäng ussenander!” auf der Domplatte in Köln. Anlass war der Versuch der Wählergruppe Pro Köln, in Köln ein als „Anti-Islamisierungs-Kongress“ bezeichnetes europaweites Treffen von Rechten zu inszenieren. Zehntausende Menschen vesammelten sich in der Kölner Innenstadt, um dagegen ein Zeichen zu setzen. Das Treffen von Pro Köln wurde so erfolgreich verhindert.

Jene Zehntausende, die sich 2008 versammelten, um gegen eine einseitige Verurteilung des Islams und seiner Länder zu demonstrieren, die an einem Tag in Köln geplant war, jene Zehntausende schweigen seit Jahren überlaut zu der Tatsache, dass auf der Kölner Domplatte fast täglich gegen das Judentum und Israel agitiert wird.

Seit 2004 widmet sich die sogenannte “Klagemauer” unter Verantwortung von Walter Herrmann inhaltlich einer verzerrenden und einseitigen Darstellung des palästinensisch-israelischen Konflikts. Da allein die Bezeichnung “Klagemauer” für diese Dauerinstallation eine Beleidigung für all jene ist, denen die wahre Klagemauer in Israel etwas bedeutet. Durch eine einseitige Darstellung des Leides der Palästinenser und der Darstellung israelischer Politiker als Kriegsverbrecher verzerrt die Antiwand die Realität des Nahostkonflikts und schürt so antisemitische Ressentiments. Israel wird durchgehend als Aggressor dargestellt, während von den Terroranschlägen durch palästinensische Organisationen geschwiegen wird oder diese als verzweifelte Taten von Hoffnungslosen dargestellt werden. Von den Zielen der palästinensischen Hamas, die laut Artikel 7 der eigenen Gründungscharta die Vernichtung aller Juden fordert und der libanesischen Hisbollah, die ebenfalls für die physische Vernichtung aller Juden kämpft, erfährt man an der Antiwand nichts. Vertreter der Synagogen-Gemeinde Köln fordern schon seit 2005 nachdrücklich ein Verbot der Antiwand.

Nun solle man meinen, die Kölner würden für das Recht und die Sicherheit von Juden ebenfalls ihre Ärsche heben und die Zähne auseinander nehmen und sich zusammen mit der Synagogen-Gemeinde “quer stellen” – aber weit gefehlt. Obwohl die Kölner Antiwand am Kölner Dom für Juden und Israelis so ziemlich genau das darstellt, was der Anti-Islam-Kongress in Köln für Muslime und Araber war, allerdings täglich und nicht nur einmalig, herrscht gegenüber der Kölner Antiwand eisiges Schweigen im Kölner Wald.

Während Köln auf der einen Seite deutlich macht, dass Muslime zu Köln gehören und es nicht akzeptiert werden kann, wenn gegen Muslime einseitig Stimmung gemacht wird, zeigt eben dieses Köln auf der anderen Seite eine eiskalte Ignoranz gegenüber Juden, eine Ignoranz, die nur eins bedeutet: Juden gehören nicht zu uns! Was die Stadt Köln seinen muslimischen Nachbarn nicht mal einen einzigen Tag zumuten möchte, mutet die selbe Stadt Juden täglich zu. Noch deutlicher kann es Köln gar nicht sagen:

Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

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Ein aktuelles Beispiel für die Hetze vor dem Kölner Dom:

“Weltweites Entsetzen über die nazi-mäßige Brutalität der Israelis”

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Und wieder werde ich verklagt!

Vor ein paar Tagen fand ich diese Einladung in meinem Briefkasten:

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Wenn ich solche polizeilichen Einladungen erhalte, schaue ich immer erst auf meinem Blog nach, um zu schauen, ob dort irgendetwas steht, von dem sich eventuell irgendjemand beleidigt fühlen könnte. Ich fand nichts.

“Oh mein Gott,” dachte ich, “denk nach Gerd, wo warst Du am 1. August 2014 gegen Mittag? Erinnere Dich! Du warst doch nüchtern, oder?”

Mir fiel nicht ein, was ich an diesem Tag verwerfliches gemacht haben könnte und hatte daher keine Ahnung, was mich heute erwarten würde. Die letzten Tage waren ein wenig wie Adventszeit für mich. Ich war richtig gespannt darauf, wer mich diesmal verklagen will. Der Knechtel allein gegen die Rothschilds? Der Rentner mit den lustigen Vergleichen? Heute war ich bei der Polizei. Es war fast so schön wie Weihnachten! Eine wahre Bescherung!

Der Mann, der sich beleidigt fühlt und eine Anzeige erstattet hat, ist, Überraschung: Klaus Franke. Ho! Ho! Ho!

Der Grund für seine Anzeige ist folgender Kommentar, den ich unter meinem Artikel “Hamas schießt auf Kinder” verfasst hatte, nachdem Klaus Franke als “Nikolaus” (ja, er nennt sich Nikolaus) wieder einmal meinen Kommentarbereich mit seinen diversen Einlassungen zugemüllt hatte:

“Vielleicht sollten wir diesen Kommentarbereich hier mal als private Klagemauer nutzen. Ich fang an:

“Ist Klaus Franke noch zu retten?”

“Hitler war damals, Franke ist heute!”

“Franke übt am Kölner Dom den Judenpogrom”

Ich glaub, das drucke ich auf gelbe Pappe und stell mich vor den Dom!”

Klaus Franke hat Anzeige erstattet, weil ihn besonders der Vergleich mit Hitler schmerzt, wie er in seiner Anzeige betont. Seine Eltern hätten schwer im Zweiten Weltkrieg gelitten und seine Mutter sei in den letzten Jahres des Krieges gestorben. Nicht selten führt Klaus Franke Dokumente in alten Stofftaschen mit sich herum, die das Leben seiner Eltern dokumentieren sollen. Er fühlt sich von mir beleidigt!

Lieber Klaus Franke,

ich glaube, so langsam kommen Sie meiner Sache näher. Ich habe das Gefühl, es dauert nicht mehr lange und Sie sehen selber ein, warum Walter Herrmanns Installation vor dem Kölner Dom, die Sie so vehement unterstützen, als eine “Botschaft des Hasses” bezeichnet wird. Sie sind nur noch eine Ecke von meiner Kritik entfernt! Kommen Sie näher!

Lieber Klaus Franke,

Ich habe lediglich die Parolen genommen, die an der von Ihnen unterstützen Installation vor dem Köln Dom regelmäßig präsentiert werden. Ich habe nur das Wort “Israel” durch Ihren Namen ersetzt und den Inhalt ein wenig angepasst. Folgende Parolen posaunt die von Ihnen unterstützte Installation in die Welt:

“Ist Israel noch zu retten?”

“Hitler ist Vergangenheit, aber Israel ist Gegenwart”

“Israel probt im Gaza den Völkermord”

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Lieber Klaus Franke,

muss ich Ihnen wirklich das satirische Stilmittel erklären, das ich hier angewendet habe? Man sagt, jeder Sechsjährige kapiere das. Also, passen Sie auf.

Durch den Austausch der Worte mache ich auf die radikale Falschheit der Behauptungen der Installation vor dem Kölner Dom aufmerksam. Mein Kommentar ist wie das Titanic-Cover mit der Schlagzeile: “Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?” Natürlich leugnet die Titanic nicht, dass Hitler Juden gehasst hat. Das Cover entstand jedoch in einer Zeit, in der viele Journalisten und Intellektuelle in Deutschland die ungeheuerlichsten Dinge über Juden und Israel äußerten und dennoch die Bezeichnung der eigenen Aussagen als antisemitisch mit größter Empörung von sich wiesen. Die Titanic überspitze und machte deutlich! Meine Statements sind lediglich eine Entlarvung Ihres beleidigenden Verhaltens und eine Kritik daran.

Wenn Sie sich wirklich beleidigt fühlen, dann halten Sie dieses Gefühl kurz fest und denken Sie in dieser Emotion einmal an all die Juden und Israelis, die sich den ständigen Vergleichen der von Ihnen unterstützen Installation mit Hitler und dem Völkermord ausgesetzt sehen. Wie, glauben Sie, fühlt sich ein Israeli, der ein Überlebender des Holocaust sein kann oder sein Sohn, wenn er und das Land, das ihm und vielen anderen Überlebenden des Holocausts eine Heimat gewährt, mit Hitler verglichen wird? Wie mag es sich für ihn anfühlen, wenn die Installation, die Sie unterstützen, den Holocaust relativiert und verharmlost? Ich sage es Ihnen: Er wird sich mindestens so beleidigt fühlen, wie Sie und im Gegensatz zu Ihnen mit Recht!

Täglich beleidigen Sie das Andenken von Opfern des Nationalsozialismus. Wenn Sie jemanden anzeigen müssen, dann sich selbst!

Aber im Grunde haben Sie diese Selbstanzeige schon verfasst, denn sollte die Staatsanwaltschaft in Köln auch nur eine Sekunde daran denken, mich wegen Beleidigung zu verurteilen, dann wäre das das Ende der Installation vor dem Kölner Dom, da sie eine wahre Beleidigung ist und nicht eine Kritik an eine Beleidigung wie mein Kommentar.

Allerdings ist der Kölner Staatsanwaltschaft einiges zuzutrauen, denn ihr Urteil über eine Karikatur, die deshalb von der Kölner Staatsanwaltschaft als nicht antisemitisch und nicht volksverhetzend eingestuft wurde, weil der dargestellte ritualmordende, Kinder fressende und Blut trinkende Jude keine Krummnase hatte, ist in die Geschichte der abenteuerlichsten Begründungen der jüngeren deutschen Rechtsgeschichte eingegangen.

Mal schauen, wie es weiter geht mit der Klage.

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