Alle Jahre wieder

Wenn die Politik entscheiden kann, was auf Theaterbühnen gespielt werden darf und was nicht, sei es auch nur für einen einzigen Tag, ist das Zensur!

Morgen ist es wieder soweit! Für einen ganzen Tag wird in Deutschland die Zensur herrschen. Morgen entscheidet die Politik, was auf den Bühnen Nordrhein-Westfalens gezeigt werden darf und was nicht.

Heinrich Heine? Verboten!
Woody Allen? Verboten!
Hedwig Dohm? Verboten!
Kurt Tucholsky? Verboten!
Neil Simon? Verboten!
Felix Mendelssohn Bartholdy? Verboten!

Richard Wagner? Erlaubt!

Morgen ist Karfreitag! An diesem Tag nehmen sich einige Bundesländer in Deutschland das Recht hinaus zu entscheiden, was auf den Bühnen des Landes gezeigt werden darf! Richard Wagners “Parsifal” ist eines der wenigen Stücke, die an Karfreitag gespielt werden dürfen. Letztes Jahr zum Beispiel wurde das Werk in der Oper Köln gegeben, während allen anderen Theatern in Köln das Spielen unter Androhung empfindlicher Geldstrafen verboten wurde. Die Kölner Studiobühne zum Beispiel öffnete an dem Tag seine Tore nicht. Am 2. April 2010 jedoch öffnete sich der Vorhang in der Studiobühne und das obwohl Karfreitag war. Raten Sie mal, was an dem Tag gegeben wurde? Richtig! Wagners “Parsifal”.

“Parsifal” passt einfach zu Karfreitag in Deutschland. Nicht nur weil der letzte Aufzug der Oper an Karfreitag spielt, sondern weil das Stück so ungeheuer deutsch ist. In “Parsifal” gibt es eine Figur, die Kundry heißt und von Richard Wagner als eine Art “ewige Jüdin” angelegt ist. Kundry ist eine Frau, die Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung verspottet und ausgelacht hat und daher dazu verflucht wurde, in ständiger Wiederkehr durch die Welt zu wandern. Erlöst wird sie erst im dritten Akt an Karfreitag. Es ist der Tag, an dem sie Jesus erkennt und schließlich getauft wird. Mit der Taufe endet der Fluch und Kundry findet ihren Frieden.

Man kann zu der Handlung stehen, wie man will, ich erkenne dort einen gefährlichen Hang zum Antisemitismus, während ich Freunde habe, die das nicht so sehen, es ist jedoch eine Geschmacklosigkeit sondergleichen, dass gerade diese Oper zu den wenigen Stücken gehört, die an Karfreitag gezeigt werden dürfen. In der Geschichte des Christentums nämlich hatten es Juden besonders an Karfreitag schwer, wurden sie doch jahrhundertelang für den Tod von Jesus verantwortlich gemacht. Nirgends wurde dieser christliche Judenhass deutlicher propagiert, als während der Karfreitagsfürbitte für Juden, den die römischen Katholiken, Altkatholiken und manche Anglikaner über Jahrhunderte verwendeten und teilweise immer noch verwenden. Im 6. Jahrhundert tauchen die ersten Karfreitagsfürbitten auf, in denen Gott darum gebeten wird, Juden den „Schleier von ihren Herzen“ wegzunehmen, ihnen die christliche Erkenntnis zu schenken und so der „Verblendung ihres Volkes“ und „Finsternis“ zu entreißen. Ab 750 wurden Juden in den Karfreitagsfürbitten perfidis („treulos“) genannt und ihr Glauben als iudaica perfidia („jüdische Treulosigkeit“) bezeichnet. Eine zaghafte Kritik an der traditionellen Judenfürbitte wurde erst nach der Shoa formuliert, aber 2008 erlaubte Papst Benedikt XVI. eine abgeschaffte Karfreitagsfürbitte für die alte lateinische Messe schon wieder. Der Wortlaut lautet: “Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen.”

Im “Parsifal” erkennt Kundry Jesus als Retter und wird getauft. “Parsifal” darf an Karfreitag in Deutschland gespielt werden. Alles andere ist verboten. Da kennt Deutschland nichts! An Karfreitag ist man in Deutschland entweder Christ oder hält die Fresse! Wer an Karfreitag lacht, ist ein “ewiger Jude” wie Kundry! So einfach ist das.

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Brunei fordert Todesstrafe für Homosexuelle

Man kann vom Christentum, Buddhismus und Islam sagen, was man will, eins ist klar: Wenn es sein muss, tolerieren es alle drei Religionsgemeinschaften, homosexuelle Menschen lebenslänglich wegzusperren. In Singapur und Myanmar ist der Buddhismus die vorherrschende Religion, in Bangladesch, Pakistan und Sierra Leone der Islam und in Barbados und Guyana das Christentum, in allen Ländern jedoch droht eine lebenslange Haft auf homosexuelle Handlungen. Gerade bei dem Christentum verwundert diese Haltung, verkauft sie sich doch immer mal wieder als “Religion der Liebe”. Für eine “Religion der Liebe” zeigt sie sich in manchen Ländern ziemlich kalt gegenüber Menschen, die nichts weiter tun, als sich zu lieben. Erschreckend auch, dass in diesen beiden christlichen Ländern das Staatsoberhaupt niemand Geringeres als Queen Elizabeth II ist. Wäre sie eine Drag Queen, sie hätte in diesen Ländern schon längst Zepter und Krone hingeworfen. Lisbeth ist da eben etwas anders.

Das Sultanat Brunei hat beschlossen, muslimische Schwule und Lesben ab dem 22. April 2014 zu steinigen. Eine Änderung des Strafgesetzbuchs sieht vor, dass die islamische Scharia in Brunei eingeführt werden soll. Damit reiht sich Brunei ist die Liste der Länder ein, die Homosexualität mit dem Tod bestrafen. Unter diesen Ländern finden sich bisher ausnahmslos Länder, in denen der Islam die vorherrschende Religion ist. Kein Wunder. Der Islam nennt sich ja gerne selbst “Religion des Friedens”. Frieden ist ein sehr dehnbarer Begriff. Brunei jedenfalls steht bald für einen Frieden von Homosexuellen. Es gibt eben Menschen, die den Frieden schaffen wollen, indem sie alles vernichten, was ihrem Frieden stört. Sie wollen den totalen Frieden, den ewigen Frieden! Sie meinen es nur gut!

Unter diesen Umständen präsentiertTapfer im Nirgendwo eine Liste all der Länder, in denen Homosexualität bestraft wird. Brunei steht noch unter “10 Jahre Gefängnis”. Das wird nächste Woche wohl anders sein.

Land, Kontinent, Staatsform, vorherrschende Religion.

Bußgeld:

Liberia, Afrika, Republik, Naturreligionen (um 70%)
Russland, Europa und Asien, Föderale Republik, Russisch Orthododx (über 40%)

Nicht definierte Strafe:

Angola, Afrika, Republik, Christentum (+75%)
Bhutan, Asien, Monarchie, Buddhismus (Staatsreligion)
Ghana, Afrika, Republik, Naturreligionen (um 40%)
Irak, Asien, Republik, Islam (97%)
Lesotho, Afrika, Monarchie, Christentum (um 80%)

Gefängnisstrafe von unter drei Jahren:

Swasisland, Afrika, Monarchie, Christentum (um 70%)
Libanon, Asien, Republik, Islam (59,7%)
Burundi, Afrika, Republik, Christentum (62%)
Turkmenistan*, Republik mit einer Partei, Islam (um 90%)

3 Jahre Gefängnis:

Ägypten, Afrika, Militärregierung, Islam (Staatsreligion)
Algerien, Afrika, Republik, Islam (99%)
Äthiopien, Afrika, Republik, Christentum (62,8%)
Benin, Afrika, Republik, Christentum (42,3%)
Eritrea, Afrika, Republik mit einer Partei, Islam (55%)
Guinea, Afrika, Republik, Islam (90%)
Marokko, Afrika, Monarchie, Islam (Staatsreligion)
Oman, Asien, Monarchie, Islam (Staatsreligion)
Simbabwe, Afrika, Republik, Christentum (85%)
Somalia, Afrika, Republik, Islam (Staatsreligion)
Syrien, Asien, Diktatur, Islam (um 75%)
Togo, Afrika, Republik, Naturreligionen (um 50%)
Tunesien, Afrika, Republik, Islam (Staatsreligion)
Usbekistan*, Asien, Republik, Islam (89%)

5 Jahre Gefängnis:

Kamerun, Afrika, Republik, Christentum (um 50%)
Katar, Asien, Emirat, Islam (Staatsreligion)
Libyen, Afrika, Diktatur, Islam (Staatsreligion)
Malawi, Afrika, Republik, Christentum (um 80%)
Mauritius, Afrika, Republik, Hinduismus (um 50%)
Senegal, Afrika, Republik, Islam (+90%)

7 Jahre Gefängnis:

Botswana, Afrika, Republik, Christentum (52,2%)
Kuwait, Asien, Monarchie, Islam (65%)
Samoa, Ozeanien, Republik, Christentum (+90%)

10 Jahre Gefängnis:

Bahrain, Asien, Monarchie, Islam (81,2%)
Belize, Amerika, Monarchie, Christentum (+75%)
Brunei, Asien, Monarchie, Islam (um 67%)
Grenada, Amerika, Monarchie, Christentum (99,9%)
Jamaika, Amerika, Monarchie, Christentum (+70%)
Malediven, Asien, Republik, Islam (Staatsreligion)
Palau, Ozeanien, Republik, Christentum (+80%)
St. Kitts und Nevis, Amerika, Monarchie, Christentum (um 90%)
St. Luicia, Amerika, Monarchie, Christentum (um 90%)
St. Vincent, Amerika, Monarchie, Christentum (+91,5%)
Sri-Lanka, Asien, Republik, Buddhismus (69,1%)
Tonga, Ozeanien, Monarchie, Christentum (+95%)

14 Jahre Gefängnis:

Cookinseln, Ozeanien, Monarchie, Maori (87,7%)
Gambia, Afrika, Republik, Islam (um 90%)
Kenia, Afrika, Republik, Christentum (um 70%)
Kiribati, Ozeanien, Republik, Christentum (+95%)
Papua-Neuguinea, Ozeanien, Monarchie, Christentum (+66%)
Salomonen, Ozeanien, Monarchie, Christentum (um 90%)
Sambia, Afrika, Republik, Christentum (um 50%)
Tansania, Afrika, Republik, Christentum und Islam (um 35%)
Tuvalu, Ozeanien, Monarchie, Christentum (+98%)

15 Jahre Gefängnis:

Afghanistan, Asien, Republik, Islam (99,9%)
Antigua und Barbuda, Amerika, Monarchie, Christentum (88,9%)

20 Jahre Gefängnis:

Malaysia, Asien, Monarchie, Islam (Staatsreligion)
Uganda, Afrika, Republik mit einer Partei, Christentum (um 85%)

25 Jahre Gefängnis:

Sansibar, Afrika, Republik, Islam (98%)
Trinidad und Tobago, Republik, Christentum (um 60%)

Lebenslänglich Gefängnis:

Bangladesch, Asien, Republik, Islam (um 90%)
Barbados, Amerika, Monarchie, Christentum (+50%)
Guyana, Amerika, Republik, Christentum (57,8%)
Myanmar, Asien, Republik, Buddhismus (87,2%)
Pakistan, Asien, Republik, Islam (96,3%)
Sierra Leone, Republik, Islam (70%)
Singapur, Asien, Republik, Buddhismus (42,5%)

Todesstrafe:

Iran, Asien, Republik, Islam (Staatsreligion)
Jemen, Asien, Republik, Islam (Staatsreligion)
Mauretanien, Afrika, Republik, Islam (Staatsreligion)
Nigeria, Afrika, Republik, Islam (teilweise Staatsreligion)
Saudi-Arabien, Monarchie, Islam (Staatsreligion)
Sudan, Afrika, Republik, Islam (Staatsreligion)
Vereinigte Arabische Emirate, Emirat, Islam (Staatsreligion)

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Zwei Stücke von mir

Es ist soweit! Der wunderbare Trafo Verlag hat zwei Theaterstücke von mir verlegt. Sie sind unter anderem bei Amazon, Ravensbuch und Beck erhältlich.

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Für Theaterstücke einen Verlag zu finden, ist nicht leicht. Es ist sogar noch schwerer, als Bühnen dafür zu finden. Daher bin ich dem Trafo Verlag für seine Entscheidung unendlich dankbar. Wenn Sie bisher nicht wussten, wie Sie Ihrer Dankbarkeit für meinen Blog Tapfer im Nirgendwo Ausdruck verleihen können, so gibt es nun einen einfachen Weg: Kaufen Sie das Buch! Sollten Sie mich jedoch hassen, so nutzen Sie ebenfalls die Chance, kaufen Sie das Buch und verbrennen Sie es! Da hab ich kein Problem mit. Wenn Sie noch ein paar Entscheidungshilfen für den Kauf brauchen, so seien Ihnen die zwei folgenden Kritiken empfohlen.

Kritik von Henriette Westphal zu “Gehirne am Strand” aus der Theaterzeitung aKT:

“Gerd Buurmann schreibt mit „Gehirne am Strand“ ein Stück über das Vergessen

Warum eigentlich Neuseeland? Fragt sich Chris (Manuel Rittich) am Ende des Stücks. Aber da ist die Katastrophe schon vorbei, in Neuseeland ist ein Flugzeug in ein Hochhaus geflogen. Zwölf Monate vorher (die Regieanweisung steht auf seinem gelben T-Shirt) sitzen Chris und Sarah (Janina Schmulder), ein erwartungsvolles junges Paar, mit weißen Körpern in Liegestühlen am Strand. Dass ihre Beziehung trotzdem marode ist, spürt man schnell. Als Jüdin aus gutem Hause stört sie der Anblick seines unbeschnittenen „Lanzelot“. Er dagegen präsentiert sich als unbedarfter Surfer-Boy, streicht sich schleimig die wasserstoffblonden Haare zurück. Partnerin Sarah scheint für ihn austauschbar. Dann lernt das Paar Beate (Janett Bobel) und Eva (Johanna Cora Müllers) kennen, zwei Schwestern aus dem Schwarzwald, die in Neuseeland wohnen. Obwohl Eva schon 21 ist, glaubt sie, erst sieben zu sein: bei einem Tsunami verlor sie Eltern, Hund und Gedächtnis. Nur kurz nimmt sie ihre Umgebung wahr, dann ist sie wieder zurück an dem Punkt vor 14 Jahren, wo sie am Strand nach ihrem Hund sucht.

Autor und Regisseur Gerd Buurmann hat mit „Gehirne am Strand“ nicht nur einen grandios witzigen Titel gefunden, sondern auch Dialoge geschrieben, die authentisch sind, mühelos durch das Stück fließen und den Schauspielern gut im Mund liegen. Rhythmisch, mit klug eingesetzter Musik, sind die Szenen spannend aufeinander abgestimmt. Dabei spitzt sich die Erzählung immer weiter zu. Bei den vier Fremden am Strand verschwimmen die Grenzen der Moral: Darf man das hilflose Kind Eva mit der Wahrheit über ihren Hund quälen – auch wenn sie sie gleich vergessen hat? Ist Wahrheit wichtiger als glücklich zu sein? Was bei Chris als harmlose Spielchen beginnt („Das hat sie doch eh gleich wieder vergessen“), führt zu Sadismus: brutal schlägt er Eva nieder, fesselt sie mit Klebestreifen am Bühnenboden, schleppt ihren wehrlosen Körper schließlich hinter die Bühne.

Im Vorfeld hat sich Buurmann mit den Konsequenzen von Demenz und Gedächtnisverlust beschäftigt – die solide Recherche merkt man dem Stück an, das klug große Themen wie Religion, Politik, Liebe, Wahrheit und Krankheit streift. Vorzuwerfen ist ihm vielleicht nur, dass Chris als der Böse etwas zu eindeutig ist. Er wird von Manuel Rittlich mit großer Lässigkeit und Natürlichkeit als prolliger, unbedarfter Happy-Surfer gespielt – und atemlos sieht man zu, wie er sich in ein sadistisches Monster verwandelt. Auch die anderen Schauspieler überzeugen: Bobel als raue Tierpflegerin einer Vogelzucht, Schmulder als brave, aber starke Frau. Johanna Cora Müllers verwandelt sich in ein Kind, das sie mit Naivität, kindlicher Freude und Trauer wunderbar darstellen kann.

Besonders begeistern Buurmanns Regieeinfälle – das Ende wird mit einem Kurzfilm erzählt. Er endet spektakulär mit der Aufnahme des Flugzeuges, das direkt ins Zimmer fliegt, in dem Beate und Sarah über die Ereignisse vor 12 Monaten sprechen. Vergessen wird man dieses psychologisch genaue und gut gebaute Stück nicht so schnell.”

Kritik zu “Drinnen” aus dem Kölner Stadt-Anzeiger:

“Ganz anders das pfiffige „Drinnen“ von Gerd Buurmann. Da trifft eine Zicke auf eine Pedantin. Die eine hält die Bühne für eine psychologische Praxis, die andere für eine Bibliothek. Bald stellen sie fest: Dieser Raum hat vier Wände, keiner kommt hier lebend raus. Das Publikum wähnt sich in einem existenzialistischen Drama oder in einer sehr freien Adaption von „Warten auf Godot“. Nun müssen sich die beiden halt die Zeit vertreiben, meint man. Falsch gedacht. Auftritt „Deus ex Machina“ – ein Mann, der sich als Autor outet und die Fäden fest in der Hand hat. „Versuch doch mal, etwas zu sagen, das nicht in meinem Text steht!“ befiehlt er. Es geht nicht. Anschließend kritisiert er im Stück sein eigenes Stück, zerreißt es buchstäblich. Ein arglistiges Publikum wäre damit entwaffnet. „Drinnen“ ist eine schlaue Komödie. Aus-der-Rolle-Fallen im besten Brecht’schen Sinne und Screwball-Comedy treffen sich hier und hinterlassen ein überaus amüsiertes Publikum. Dieses Mal viel Applaus. Zu Recht.”

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Fundstück

Tapfer im Nirgendwo präsentiert einen wunderbaren Auftritt von einem Menschen, der zu beschäftigt, zu erfolgreich oder zu tot ist, um persönlich auf einer Bühne der Kunst gegen Bares zu stehen:

Das Theaterkonzept Kunst gegen Bares findet regelmäßig in den verschiedensten Städten statt. Für Termine in Ihrer Nähe schauen Sie einfach auf dieser Homepage nach:

http://kunstgegenbares.de

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Die Mauer in Jerusalem

Das Skandalöseste an der Mauer entlang der Grenzlinie zwischen Israel und dem Westjordanland ist die Apartheid, die damit Tag für Tag dokumentiert wird! Während nämlich die Mauer durchlässig ist für alle Menschen ohne jüdischen Glauben, ist sie fest verschlossen für alle Juden! Warum reißt Israel daher die Mauer nicht einfach nieder?

Weil es die Situation für Juden verschlechtern würde! Wäre die reale Mauer nämlich verschwunden, so stünde immer noch eine unsichtbare Mauer, die es Juden weiterhin verbieten würde, die Grenze zu überschreiten. Es ist schließlich erklärtes Ziel der arabischen Parteien Fatah und Hamas, nur ein “judenreines” Palästina zu akzeptieren. Im Gazastreifen zum Beispiel wurden im August 2005 alle Juden vertrieben. Am 15. August begann die Deportation der Juden aus dem Gazastreifen mit dem Erlass eines Einreise- und Aufenthaltsverbot für jüdische Zivilisten. Den Juden in den im Gazastreifen befindlichen Siedlungen wurde eine Frist von 48 Stunden gegeben, um das Gebiet zu verlassen. Danach begann die zwangsweise Räumung des Gebietes durch das israelische Militär.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Es war das israelische Militär, dass die Deportation mit Gewalt durchsetzte. Der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hoffte, durch den Kompromiss, der arabischen Seite “judenreine” Gebiete zuzugestehen, dem Frieden zu dienen. Bei einer Abstimmung im israelischen Parlament sprachen sich 60 Abgeordnete für seinen Plan aus und 47 dagegen. Die Mehrheit erhielt Scharon nur aufgrund von Stimmen der Opposition, da seine Partei in der Frage gespalten war und daher einige Abgeordnete gegen ihn stimmten.

Dabei mache ich Ariel Scharon keinen Vorwurf. Die internationale Gemeinschaft redete damals so sehr auf Israel ein und die Vereinten Nationen erklärten mit diversen Resolutionen so vehement, dass die pure Existenz von Juden in den sogenannten palästinensischen Gebieten ein Problem sei, dass Scharon schließlich die Vertreibung der Juden aus dem Gazastreifen nicht nur akzeptierte, sondern selbst durchführen ließ. So sehr sehnte er sich nach einen Frieden für Israel, dass er selbst diese Ungeheuerlichkeit schluckte.

Die Situation 2005 erinnert mich an heute, da immer noch eine Mehrheit glaubt, die pure Existenz von Juden im Westjordanland sei ein “Hindernis für den Frieden”. In einer Anfrage von Tapfer im Nirgendwo an deutsche Politiker gab es bei den Antworten bisher (Stand April 2014) keinen einzigen Politiker, der die Vertreibung von Juden kritisiert hat, sondern ausschließlich Bekundungen darüber, dass die pure Existenz von Juden ein Problem und “Friedenshindernis” sei. Dabei reicht ein Blick auf den Gazastreifen 2005, um zu sehen, wie blauäugig dieser Glaube ist!

Die Juden wurde 2005 aus dem Gazastreifen vertrieben. Der Frieden kam jedoch nicht! Im Gegenteil, die Situation wurde schlimmer, viel schlimmer! Nachdem alle Juden aus dem Gazastreifen vertrieben wurden, begann die neu gewählte Regierung des Gazastreifens mit einer brutalen Offensive gegen Israel. Seit dem Tag wird Israel ununterbrochen und teilweise täglich mit Raketen aus dem Gazastreifen beschossen. In der Charta der Regierungspartei in Gaza heißt es:

“Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!”

Währenddessen erklärt ein Minister der Regierungspartei:

“Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen!”

Wer glaubt, diesen Menschen geben zu müssen, was sie verlangen, um so dem Frieden zu dienen, ist wahrlich blauäugig. Blauäugig im Sinne von Nazi! Als die Deportation der Juden in Gaza begann, wurden innerhalb weniger Tage die jüdischen Siedlungen geräumt. Am Morgen des 12. September 2005 verließen die letzten Juden den Gazastreifen über den Grenzübergang Kissufim. Der Abzug wurde von Arabern teils frenetisch mit Freudenschüssen und Autokorsos gefeiert. Die verlassenen Synagogen wurden in Brand gesteckt. Es kam zu einer wahren “Gazakristallnacht”. Es folgten zudem heftige innerarabische Kampfhandlungen vereinzelter arabischer Klans und der Bewegungen Hamas und Fatah untereinander. Viele Hundert arabische Zivilisten starben. Mit der Vertreibung der Juden begann der Krieg. Das alles müssten wir eigentlich schon seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wissen, weil mit der Vertreibung der Juden in Europa dort auch der Krieg begann, aber stattdessen versucht es die internationale Gemeinschaft wieder mit Appeasement.

Die Mauer in Jerusalem ist ebenfalls ein Zeichen der Apartheid und ein Symbol für den mörderischen Judenhass, und so wie die Deportation der Juden 2005 von Israel selbst durchgeführt wurde, in der irrigen Annahme, so dem Frieden zu dienen, so wurde auch die Mauer von Israel selbst errichtet. Die Mauer von 2003 kann jedoch im Gegensatz zu der Deportation 2005 wirklich als friedensstiftende Maßnahme bezeichnet werden. Mit der Errichtung der Sperranlage ist nämlich die Anzahl der Selbstmordanschläge auf jüdische Einrichtungen deutlich zurückgegangen. Die Allgemeine Israelische Sicherheitsbehörde Shabak spricht von einer „signifikanten Reduzierung“ von Selbstmordanschlägen, seit mit dem Bau der Sperranlage begonnen wurde.

Und was macht die internationale Gemeinschaft? Sie kritisiert nicht etwa die Tatsache, dass die Grenze ob nun mit oder ohne Mauer dicht ist für Juden, sondern sie fordert, dass Juden aus dem Westjordanland zu verschwinden haben, da ihre pure Existenz ein “Hindernis für den Frieden sei”, und sie fordert sogar den Abriss der Mauer, damit Araber wieder ungehindert nach Israel gelangen können, was die friedensstiftende Maßnahme torpedieren würde, da sich dann die Selbstmordanschläge wieder vervielfachen und viele Juden in den Tod gerissen werden würden. So denkt es eben in den Vereinten Nationen: Nur ein toter Jude ist ein gutes Friedensangebot!

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An alle, die was an Ken Jebsen finden

von Robert Cohn

Sie kennen diesen Ken Jebsen.

Bitte lesen Sie sich das Folgende durch, es ist extra für Sie. Danach antworten Sie nicht gleich!, sondern DENKEN Sie bitte erstmal.

Mehr müssen Sie hier nicht, als etwas DENKEN.

Das ist nicht zuviel von Ihnen verlangt.

Also: Dieser Ken Jebsen kennt etwas, das Sie vielleicht nicht kennen. Er hat es hervorgekramt oder irgendwo aufgeschnappt, und nun redet er Sie damit voll. Was ist dieses Etwas?, das ist etwas Bestimmtes, ein bestimmter Komplex aus Bildern, Befürchtungen und aus Hass, der sich von je her in Wortschwälle kleidet, und der in diesem Jahrhundert noch keinen Namen hat.

Es gibt diesen Komplex jedoch schon sehr lange!, seit vielleicht tausend oder dreitausend Jahren. Vor hundert Jahren hieß dieser Komplex “die Judenfrage”. Die nicht als Frage gemeint war, sondern als Suche Zwecks einer Lösung derselben. Zwecks einer Endlösung. Jaja, das ist ein Reizwort – pardon bitte.

Die Endlösung der Judenfrage misslang halbwegs, denn es blieben noch Juden übrig. Weswegen die Judenfrage weiter besteht – jedoch immer noch nicht als Frage!, oder etwa als Ausruf, wie das bloß passieren konnte, nein, sie besteht weiter als Angst, dass die Juden in Israel rückfällig werden könnten, und als Wille, dieses Israel und diesen Zionismus zu zerstören.

Vorher wollte man nur die Juden endlösen. Da wurde gerufen, “Juden ab nach Palästina!” Jetzt, weil die Juden nicht gänzlich endgelöst sind, ruft man: “Juden raus aus Palästina!” Na was denn nun? Es geht nämlich seit der halbwegs misslungenen Endlösung nicht mehr gegen Juden, sondern gegen Zionisten. Warum: Weil Juden weiter überleben, so lange es den Zionismus gibt.

Auf genau diese Art und Weise hängen sie nämlich zusammen, die Juden und der Zionismus. Der Zionismus ist dafür da, damit keiner hingehen kann, um die Juden zum zweiten Mal endzulösen. Das verstehen Sie?

Verstehen Sie auch, weswegen er z.B. von diesem Ken Jebsen abgeschafft werden soll, der Zionismus?, weil nämlich der Zionismus *räusper!*, ich rede nun zu Ihnen in fremden Zungen!, ja?, das Folgende ist Rollenprosa!, ja?, das Folgende sagen Andere!, ja?, also die reden dem Ken Jebsen und Ihnen Folgendes ein:

Weil der Zionismus den ohnehin brüchigen Weltfrieden verhindert (der mit den Juden in der Welt einfach nicht anbrechen will), weil der Zionismus die Araber demütigt (die ohne die Juden bei sich zu Hause wie in der Schweiz leben würden), weil der Zionismus die Deutschen zu Wiedergutmachungszahlungen verpflichtet (an denen sie seit anno ’45 verhungern und ausbluten), weil der Zionismus die Deutschen an Auschwitz, das ewige Symbol unserer Schande, erinnert (Walsers Rede 1998), weil der Zionismus die USA beherrscht (klar, der kann alles, selbst das), weil der Zionismus Tsunamis verursacht (warum nicht?), weil der Zionismus die Hälfte der Weltbevölkerung und mehr ausrotten will, weil der Zionismus den nächsten Krieg vorbereitet, weil der Zionismus als ganz kleines Stückele Land mitten auf heilig arabischem Boden die arabische Seele unerträglich peinigt und zu tödlichem Hass und zu grässlicher Korruption und zu Despotismus und zu ewigem Opferdasein zwingt, weil der Zionismus auch manche Christen unerträglich (wenngleich still) peinigt, weil unabhängige Juden ja doch nimmermehr sein dürfen.

… Weil, weil weil.

Es ist kein Ende mit dem Weil.

Ebenso, wie vor hundert Jahren immer wieder begründet worden ist, weshalb dieses Ding Namens “die Judenfrage” existiere und gelöst nein endgelöst werden müsse, so wird heute eben jenes selbe Ding, das jedoch seit der halbwegs misslingenen Endlösung keinen Namen mehr hat, begründet und begründet und begründet. Verstehen Sie das?

Aber keiner kann begründen, warum immer die Juden. Was ist bloß mit diesen Juden immer?! Das sind 0,01% der Weltbevölkerung. Etwa. Also gibt es etwa so viele Juden weltweit wie etwa Holländer. Sind die Holländer ein Thema für irgend jemandes Politik, Meinung, sind sie gar Sorgen- und Angriffsziel für jemandes Alltag? Schert sich irgend wer um die Rolle der Holländer in der Welt? Stecken die Holländer hinter der Börsenpleite und hinter der Politik der USA? Manipuliert ein Mijnheer van der Gracht die Medien und verhindert den Weltfrieden? Steckt ein Mijnheer van Dijk hinter der permanenten Demütigung der Belgier und der Molukker? Erinnern die Holländer irgendwen an das Symbol der unauslöschlichen Schande, dass fast alle Windmühlen endgelöst wurden?

Nö.

Und das ist so aus vernünftigem Grund – weil die Holländer keinen in Atem halten, und weil es ja noch nie eine Holländerfrage gegeben hat!, aus vernünftigem Grund nicht!, verstehen Sie?, und weil keiner je fragt, ob diese Holländer überhaupt völkerrechtlich ein verdammtes Recht haben, überall im verpolderten und verdeichten Ijsselmeer zu siedeln und dort die Robben, Goldbrassen, Sprotten und andere Friesen zu vertreiben.

Es ist vernünftig, logisch und jedem klar, auch Ihnen!, warum es keine Holländerfrage gibt.
Warum gibt es aber immer noch die Judenfrage?

… Nein, bitte nicht antworten. Denken! Denken und drüber schlafen, und dann nochmal denken bittschön. Wenn Sie vor lauter Judenfrage und vor lauter Ken Jebsen noch dazu in der Lage sind.

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Ken Jebsen dreht am Rad und Jutta Ditfurth muss fegen

Eins muss man Nina Hagen lassen, sie hat eine wahnsinnig gute Stimme und einen unfassbaren Unterhaltungswert. Allerdings hat sie auch schon vor vielen, vielen Jahren den kleinen Zug nach Crazy Town genommen. Der Käse ist schon vor langer Zeit von ihrem Brötchen gefallen. Ich weiß nicht, wie ich ihren Geisteszustand sonst beschrieben kann. Am besten so: Der Hamster ist schon lange tot, aber das Rad dreht sich immer noch. Eins muss man Jutta Ditfurth lassen, sie kann im Angesicht des drehenden Rades unfassbar gelassen bleiben.

Seit einigen Tagen drehen auf Jutta Ditfurths Facebook-Seite so viele Räder, dass man damit eine Stadt wie Osnabrück für mindestens sechs Monate komplett mit Strom versorgen könnte. Wieder bleibt Jutta Ditfurth bemerkenswert gelassen und das obwohl sie unter der Überschrift “Ich trete ja auch in keinen Schützenverein ein” einst folgendes gesagt hat:

“Einige Leute meinen, ich solle mit allen, auch mit Nazis und Antisemiten reden. Wahrscheinlich sind die unsterblich. Ich bin bescheiden, mich freut es, wenn ich den Völkischen Unterstützung raube. Niemand redet mit allen, das ist Quatsch. Ich diskutiere mit Leuten von denen ich vermute, dass mir die Diskussion was bringt: Erkenntnis, Vergnügen, brauchbare Informationen, Training… Kurz und gut: Ich werfe auch weiterhin Nazis, Völkische, Antisemiten, Homophobe usw. raus! Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen und die Wege dahin bedeckt brauner Schlamm. Man trägt nur durch offene Auseinandersetzung zur Aufklärung bei. Ich führe keinen “Diskurs” mit Shitstürmer_innen, sondern mit Menschen, die tatsächlich an einer menschlicheren Welt, an Aufklärung und Emanzipation interessiert sind. Um die geht’s mir.”

Jutta Ditfurth tritt vielleicht keinem Schützenverein bei, wenn aber Ken Jebsen in einem offenen Brief an die Kanzlerin mit rhetorischen Salven um sich ballert, schießt auch Jutta Ditfurth zurück. Ken Jebsen fragte Angela Merkel öffentlich: “Warum ist folgendes antisemitisch? “Nationalzionisten haben Israel okkupiert wie Nazis 33 Deutschland okkupiert haben.“ Nun ist Jutta Ditfurth nicht Kanzlerin, dafür ist sie viel zu wenig Realpolitikerin, aber sie antwortete dennoch:

“Wer nicht begreift, dass diese Aussage die Shoah relativiert, den systematischen Mord an den deutschen und europäischen Juden verharmlost, der hat sehr viel historische und politische Bildung nachzuholen. Oder er oder sie steht auf der Seite der Inhumanität. Ken Jebsen und Jürgen Elsässer sind Journalisten der ANTI-Aufklärung und der braunen Vergiftung der Köpfe.
Daran ändert auch nichts, dass sie und ihre Anhänger_innen sich irgendwie widerständig fühlen oder sich manchmal vielleicht sogar einbilden, Linke zu sein. Manchmal.”

Es sind Stellungnahmen wie diese, die dafür gesorgt haben, dass sich Jutta Ditfurth seit Tagen einem Shitstorm von Ken Jebsen und seinen Fans ausgesetzt sieht. Bei diesem Sturm ist alles dabei, “Heil Hitler”-Rufe, Beleidigungen von “Pädo-Jutta” bis “Nutte” und Mord-Drohung. Ich kenne diese Leute, sie schreiben mich auch regelmäßig an und offenbaren ihren Hass. Auf der Seite Hassmails sammele ich die übelsten Schreiben.

Ken Jebsen ist ein wahrer Trollkönig. Dies musste ich schon 2011 feststellen, als ich die Reaktionen der Fans von Ken Jebsen las, nachdem der Vorstand des RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) von seinem verfassungsmäßig garantierten Recht auf Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit Gebrauch gemacht und Ken Jebsens Show KenFM abgesetzt hatte.

“Mensch ist das mal wieder zum aufregen!!! Ich kan diese Antisemitenheuchelei nicht mehr ertragen!!!!! Es kotzt mich an! Ein Grund mehr dieser Regierung und Co nicht zu trauen!!! Baue dir einen coolen Blog und leise Freeman schützenhilfe. Ken4President”

“Schade, dass KenFM nun Opfer der Zensur geworden ist. Mir fällt gerade keine einzige andere Sendung in den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten ein, die ähnlich aufklärerisch gewirkt hat.”

“Du bist unser Ai Weiei! Wir vergessen dich nicht.”

Ken Jebsen ist Ai Weiwei. Darunter machen es seine Fans nicht. Herzlichen Glückwunsch, RBB! Zehn Jahre konnte dieser Mann bei Euch “progressives Jugendradio” machen und eine Fanbase sammeln, die mit solchen Kommentaren glänzten:

“Pass auf dich auf alter denk an Möllemann !!!!!!!!”

“Ich hoffe, DIE schalten Ken jetzt nicht völlig aus :( siehe Möllemann!”

Wenn Ken Jebsen gerade nicht Ai Weiwei ist, dann ist er eben Jürgen Möllemann und muss aufpassen. Der Möllemann nämlich, wie der gemeine KenFM Fan weiß, ist das Opfer einer Verschwörung, die ihn in den Tod getrieben hatte. Wenn man nun wissen will, wer die Verschwörer waren, muss man nur die Kommentare bei Ken Jebsen lesen:

“Kann man leicht beantworten, ohne was du unter einer abschussliste verstehts. Die FDP wollte in rauswerfen und der Jüdische zentralrat hat in auch angeklagt”

Der Zentralrat der Juden also! Wer hätte es gedacht? Damals fiel der Shitstorm von Ken Jebsen und seiner Clique so über Henryk Broder her wie heute über Jutta Ditfurth. Broder war es nämlich, der den RBB auf die Inhalte der Radioshow KenFM, die zehn Jahre lang jeden Sonntag ausgestrahlt wurde, hingewiesen hatte. Die Programmdirektorin Claudia Nothelle sagt damals:

„Allerdings mussten wir feststellen, dass zahlreiche seiner Beiträge nicht den journalistischen Standards des RBB entsprachen. Daraufhin haben wir mit ihm verbindliche Vereinbarungen über die Gestaltung der Sendung „KenFM“ getroffen. Diese hat er wiederholt nicht eingehalten.“

Die Nothelle war wirklich eine ganz Schnelle und Helle ohne Not. Als Programmdirektorin erklärte sie, dass der RBB nur zehn Jahre und Henryk Broder brauchte, um festzustellen, was für einem Maximalspinner der Sender jeden Sonntag einen Platz in seiner öffentlich-rechtlichen Anstalt gegeben hatte. Zu einer Glanzstunde jebsen’schen Journalismus gehört eine Sendung, in der er behauptet hatte, dass von einst 1027 von Israel freigelassen palästinensischen Terroristen im Oktober 2011 „wahrscheinlich nur ein bis zwei Leute einen Menschen umgebracht“ hätten. Eine glatte Lüge, wie diese Liste beweist. Wo war die schnelle Not-Helle, als Jebsen zum Terrorismusleugner wurde? In einer anderen Sendung wusste Jebsen über den Diktator Muammar Muhammad Abdassalam Abu Minyar al-Gaddafi zu berichten: „Man vergisst immer, dass Gaddafi ja 40 Jahre lang Libyen geführt hat, also irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, um 40 Jahre lang teilweise von seinem Volk gemocht zu werden.“ Ob wohl auch folgender Spruch auf dem RBB möglich gewesen wäre:

„Man vergisst immer, dass Hitler ja 12 Jahre lang Deutschland geführt hat, also irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, um 12 Jahre lang teilweise von seinem Volk gemocht zu werden.“

Der RBB erfuhr von diesen Unsäglichkeiten nicht, weil irgendein Angestellter der Anstalt selbst das eigene Programm gehört hatte, sondern weil Henryk M. Broder mal nachgehört hatte, was denn da so alles zwangsgebührenfinanziert unters Volk gesendet wird. Und was bekam Broder als Dank für seine Leistung? Das selbe, was Jutta Ditfurth heute erhält: Liebesbriefe von Jebsen-Fans.

„Damit bestätigen Sie die jüdischen Klischees perfekt. Denn dem Juden wurde seit hunderten von Jahren ja nachgesagt, dass er einen hinterlistigen, nur zu seinem Vorteil bedachten Charakter hat, und wenn man nicht aufpasst sticht er einem von hinten das Messer in den Rücken – genau DAS haben Sie mit Ihrer Rufschädigung nun bestätigt – bravo, Sie tun den netten und ehrlichen Juden damit sicherlich keinen Gefallen!!“

„Der hinterlistige Jude, der sich grad die Hände reibt und dabei grinst, so stell ich mir Sie gerade vor.“

„Wenn Juden über Fernsehsender und über den Rest der Medienwelt in Deutschland herrschen, und bestimmen wer gefeuert wird und wer bleiben darf (Ken Jebsen), dann läuft hier gewaltig etwas schief.

Das ist wirklich traurig, denn genau deswegen wurden Sie vor 60 Jahren in diesem Land ja auch so gehasst! Ich bin vielleicht mit meinen 20 Jahren noch sehr jung, aber ich kann nun ohne Zweifel sagen, dass Hitler Recht hatte! Nicht mit dem Holocaust, dieses unmenschliche und widerwärtige Verbrechen, aber mit seiner Meinung zum Weltjudentum…

Hitler hätte damals man besser alle Juden ausweisen lassen sollen und gut is. Dann hätten doch Amerika oder Frankreich oder was weiß ich wer sie aufnehmen können (genug Geld hatten die Juden ja in Deutschland sowieso schon genug angehäuft…), aber wir Deutschen wären endlich wieder frei gewesen, ohne den Marionettenspieler im Hintergrund…“

Unter den Fans von Ken Jebsen gibt es Menschen, die zwar sagen, dass der Holocaust ein „unmenschliches und widerwärtiges Verbrechen“ war, aber dennoch ohne Probleme davon überzeugt sein können, „dass Hitler Recht hatte.“

Ich kann Jutta Ditfurth daher gut verstehen, wenn sie schreibt:

“ICH WAR NOCH VIEL ZU SANFT ZU DEN ANHÄNGER_INNEN KEN JEBSENS”

Die Arbeit bleibt dennoch an Jutta Ditfurth hängen:

“Ich kehre gerade mit einem groben Besen den braunen Shistorm von meiner fb-Seite.”

Danke, Jutta.

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