4. November 1995

Wo waren Sie, als Sie erfuhren, dass Jitzchak Rabin ermordet wurde?

„Ich war Zuhause, am Eingang von Jerusalem. Wir hatten Schabbat. Es war sehr schön. Doch ich hatte gewusst über die verantwortungslose Veranstaltung in Tel Aviv, da gerade am Schabbat solches Theater gemacht wird. Nach dem Schabbat hörte ich, was geschehen war. Und dann ein bis zwei Tage später sah ich die Autokolonne als er nach Jerusalem gefahren wurde.“

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„Ich kam gerade von einer Israelreise zurück und war völlig geschockt.“

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„Ich war zuhause und meine Eltern haben darüber gesprochen, aber ich war sechs und habe nur verstanden, dass ein Rabbi ermordet wurde.“

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„Ich war auf der Geburtstagsfeier von einem Freund. Die Szene hab ich noch genau vor Augen. Wir saßen an einem Tisch, haben uns vergnügt unterhalten und tranken ein paar Bierchen, als die Mutter des Freundes in das Zimmer kam und unter Tränen die Nachricht überbrachte.“

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„Ich saß 600 Meter vom Tatort entfernt und feierte mit einigen Freunden und Verwandten den letzten Urlaubstag. Ich war sehr sehr sauer auf Rabins Politik, sah die Dinge, die daraus erwuchsen, nicht ganz so Schwarz, aber man ist ja Optimist. Rabin war ein großer Mann, keine Frage, ein Held Israels und meiner Kindheit, ein Vorbild. Ich hatte ihn mal als kleiner Junge gesehen. Immer stehen mir seine großen Taten vor Augen, seine Leistungen. In seiner zweiten Amtszeit aber hatte ich den Eindruck, dass ihn Peres und Clinton vor sich hertreiben. Er reagierte nur noch auf Dinge, die unter Peres, Clinton und Arafat ausgemacht waren. Ja, Igal Amir hat ihn getötet, aber nicht nur er hing am Abzug. Nein, wir alle hingen daran, ICH, Peres, Clinton, die Friedensbewegung, Extremisten, seine kurzsichtige, sture Politik, EU. Wir alle hatten einen anteil daran und Igal hat sicher den Falschen ermordet!“

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„Ich war gerade mit Freunden in einem Bistro, als ein Bekannter zu uns kam und davon erzählte. Wir gingen dann zu einem Freund, der um die Ecke wohnte und sahen im Fernsehen, was geschehen war.“

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„Für ein halbes Jahr in Ecuador. Viele Israelis reisen nach ihrem Wehrdienst für einige Monate durch die Welt. Viele auch durch Lateinamerika und eben auch durch Ecuador. Ich war von der Nachricht geschockt und wußte nicht, wie ich mich gegenüber meinen israelischen Bekannten verhalten sollte, die ich am Abend treffen würde. Zu meiner großen Verwunderung sahen diese nicht sehr bedrückt und in tiefer Trauer aus. Barack, der mir aus der Gruppe am nahsten stand, erklärte mir, dass dies kein Zeichen despektierlichen Verhaltens gegenüber Rabin sei. Einige waren für, andere gegen seine Politik. Die Ermordung verurteilten jedoch alle. Die verhaltene Reaktion erklärte er mir sei eine Folge dessen, dass jeder Israeli im Laufe der Auseinandersetzungen mindestens einen Freund oder Verwandten verloren hätte. Es gehöre zu den traurigen Seiten des Alltags in diesem Land. Das ist mir bis dato nicht so klar gewesen. Später habe ich dann mit Barack noch einen nächtlichen Spaziergang durch die Altstadt gemacht, wo allen Ausländern geraten wurde, diese nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu betreten – es sei zu gefährlich. Er lachte nur laut und erzählte, dass er seinen Dienst in der Westbank absolviert hätte und die Altstadt von Quito nicht eine wirkliche Gefahr darstelle. In dieser Nacht hat es nicht einmal den Ansatz eines Versuchs gegeben, uns “Gringos” (westl. Ausländer) zu überfallen, weil Barack immer, wenn sich jemand auf uns zu bewegte, anfing laut auf hebräisch mit mir zu palavern. Ich verstand zwar kein Wort, aber es bewirkte, dass alle einen großen Bogen um uns machten. Die Gelegenheitsstrolche verbinden wohl den Klang des Hebräischen mit den Kostproben von Krav Maga, die hier einige gerade entlassene Soldaten mal abgeliefert haben müssen. Über Rabin erzählte er nicht mehr viel in dieser Nacht. Dessen Schicksal sei ein Teil von Israel. Es könne jeden treffen – jederzeit. (Dass der Attentäter ein Israeli gewesen sei, wäre dafür sogar relativ unbedeutend.) Von diesem Alltag wollten sie auf ihren Weltreisen Abstand finden.“

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8 Antworten zu 4. November 1995

  1. Thomas Welsch schreibt:

    Ich war zuhause und habe es über eine Fernsehsendung erfahren. Großer Schock, große Bestürzung, große Trauer. Rabins Politik schien mir damals die einzig sinnvolle zu sein; heute sehe ich das anders.

  2. Stefan schreibt:

    Für ein halbes Jahr in Ecuador. Viele Israelis reisen nach ihrem Wehrdienst für einige Monate durch die Welt. Viele auch durch Lateinamerika und eben auch durch Ecuador.
    Ich war von der Nachricht geschockt und wußte nicht, wie ich mich gegenüber meinen israelischen Bekannten verhalten sollte, die ich am Abend treffen würde. Zu meiner großen Verwunderung sahen diese nicht sehr bedrückt und in tiefer Trauer aus. Barack, der mir aus der Gruppe am Nähsten stand, erklärte mir, dass dies kein Zeichen despektierlichen Verhaltens gegenüber Rabin sei. Einige waren für, andere gegen seine Politik. Die Ermordung verurteilten jedoch alle. Die verhaltene Reaktion erklärte er mir sei eine Folge dessen, dass jeder Israeli im Laufe der Auseinandersetzungen mindestens einen Freund oder Verwandten verloren hätte. Es gehöre zu den traurigen Seiten des Alltags in diesem Land. Das ist mir bis dato nicht so klar gewesen.
    Später habe ich dann mit Barack noch einen nächtlichen Spaziergang durch die Altstadt gemacht, wo allen Ausländern geraten wurde, diese nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu betreten – es sei zu gefährlich. Er lachte nur laut und erzählte, dass er seinen Dienst in der Westbank absolviert hätte und die Altstadt von Quito nicht eine wirkliche Gefahr darstelle. In dieser Nacht hat es nicht einmal den Ansatz eines Versuchs gegeben, uns „Gringos“ (westl. Ausländer) zu überfallen, weil Barack immer, wenn sich jemand auf uns zu bewegte, anfing laut auf hebräisch mit mir zu palavern. Ich verstand zwar kein Wort, aber es bewirkte, dass alle einen großen Bogen um uns machten. Die Gelegenheitsstrolche verbinden wohl den Klang des Hebräischen mit den Kostproben von Krav Maga, die hier einige gerade entlassene Soldaten mal abgeliefert haben müssen.
    Über Rabin erzählte er nicht mehr viel in dieser Nacht. Dessen Schicksal sei ein Teil von Israel. Es könne jeden treffen – jederzeit. (Dass der Attentäter ein Israeli gewesen sei, wäre dafür sogar relativ unbedeutend.) Von diesem Alltag wollten sie auf ihren Weltreisen Abstand finden.

  3. Lebensumbau schreibt:

    Ich war gerade mit Freunden in einem Bistro als ein Bekannter zu uns kam und davon erzählte. Wir gingen dann zu einem Freund der um die Ecke wohnte und sahen im Fernsehen was geschehen war.

  4. uhgah schreibt:

    Ich saß 600 vom Tatort und feierte mit einigen Freunden und Verwandten den Lezten Urlaubstag, war sehr sehr sauer auf Rabins Politik, sah die dinge die daraus erwuchsen nicht ganz so Schwatz aber man ist ja Optimist.
    Rabin war ein großer Mann keine frage ein Held Israels und meiner Kindheit ein vorbild, ich hatte ihn mal als kleiner Junge gesehen und immer stehen mir seine Großen taten vor Augen, seine Leistungen….. In seiner zweiten Amtszeit aber hatte ich den Eindruck das ihn Peres und Klinten vor sich hertreiben, er reagierte nur noch auf Dinge die unter Peres Klinten und Arafat ausgemacht waren. Ja Igal Amir hat ihn
    getötet aber nicht nur er hing am Abzug nein wir alle hingen daran, ICH, Peretz, Klinton, die Friedensbewegung, Extremisten, sein Kurzsichtige, Sture Politik, EU……
    wir alle hatten nen anteil und Igal hat sicher den Falschen ermordet! 😦 😦 😦

  5. Melchior schreibt:

    Ich war auf der Geburtstagsfeier von einem Freund. Die Szene hab ich noch genau vor Augen. Wir saßen an einem Tisch, haben uns vergnügt unterhalten und tranken ein paar Bierchen, als die Mutter des Freundes in das Zimmer kam und unter Tränen die Nachricht überbrachte.

  6. Alexei schreibt:

    Ich war zuhause und meine Eltern haben darüber gesprochen, aber ich war 6 und habe nur verstanden, dass ein Rabbi ermordet wurde.

  7. Kerstin schreibt:

    … kam gerade von einer Israelreise zurück und war völlig geschockt

  8. Tiqvah Bat Shalom schreibt:

    ..ich war Zuhause… am Eingang von Jerusalem… Wir hatten Schabbat.. war sehr schön… Doch ich hatte gewusst über d verantwortungsloser Veranstaltung in Tel Aviv, da gerade am Schabbat solches Theater zu machen ist…..!

    Anch d Schabbat hörte ich was geschehen war.. und dann 1-2 Tag später sah ich d Autokolonne als er nach Jerusalem gefahren wurde…

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