Meine liebe Bundeskanzlerin,

bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie persönlich anschreibe, Sie haben wahrlich genug zu tun, aber was gerade einer deutschen Staatsbürgerin angetan wird, ist so unglaublich und rüttelt derart an den Grundfesten Deutschlands, dass eine sofortige Intervention von ganz oben nötig ist.

Sie haben einst gesagt, Sie wollten Deutschland dienen. Nun braucht eine deutsche Staatsbürgerin Ihre Hilfe. Reagieren Sie, helfen und dienen Sie ihr und mit ihr der ganzen Republik, denn mit ihrem Recht steht auch das Recht aller Deutschen auf dem Prüfstand.

Seit einigen Wochen wird eine 19-jährige deutsche Staatsbürgerin im Libanon als Geisel gehalten und die deutschen Behörden weigern sich, sich für die Freilassung der Geisel stark zu machen. Stattdessen arbeiten die deutschen Behörden mit dem Geiselnehmer zusammen.

Die 19-jährige Souikana heiratete 2008 einen Libanesen und bekam kurz danach mit ihm ein Kind. Die Ehe entwickelte sich schnell zu einer Gewaltherrschaft. Immer wieder wurde die Frau von ihrem Mann geschlagen. Als sie sich schließlich trennen will, bereitet ihr Mann einen gemeinsamen „Versöhnungsurlaub“ in Beirut vor. Eine Reise ohne Wiederkehr. Als die Frau das Land wieder verlassen will und am Flughafen ihren deutschen Pass vorzeigt, den sie zunächst erst wieder in der deutschen Botschaft beantragen musste, da ihr Mann ihren deutschen Pass entwendet hatte, wurde ihr erklärt, dass sie nicht ausreisen dürfe, da ihr Mann eine „Ausreisesperre“ für sie verhängt habe. Nach libanesischem Recht ist es offenkundig möglich, dass ein Mann seiner Frau die Ausreise verweigern darf.

Natürlich ging die Frau sofort zur deutschen Botschaft und bat um Hilfe. Da aber wurde ihr gesagt, die deutsche Botschaft sei nicht zuständig, da sie libanesische Wurzeln habe. Das muss man sich mal vorstellen: Eine deutsche Frau wird von einem Libanensen unter Mithilfe der libanisischen Regierung als Geisel genommen und die deutsche Botschaft hält es für unnötig zu intervenieren, weil die Deutsche libanesische Wurzeln hat.

Zur gleichen Zeit hockt der Libanese in der gemeinsamen Wohnung in Berlin und lässt es sich gut gehen. Die deutschen Behörden halten sich für machtlos. Das ARD-Magazin Panaroma berichtet:

„Universelle Menschen- und Freiheitsrechte scheinen gegen das schiitische Privatrecht nichts ausrichten zu können. Formal kann nur der Ehemann die Ausreisesperre schnell aufheben lassen. Bisher sieht er offenbar kein Motiv dafür – äußern wollte er sich gegenüber Panorama nicht.

Dabei hat der libanesische Ehemann seine Aufenthaltserlaubnis nur deshalb, weil er mit Soukaina, einer Deutschen, verheiratet ist und mir ihr ein Kind hat. Dass die Behörden sein befristetes Aufenthaltsrecht dennoch weiter gelten lassen, obwohl er seine Ehefrau im Libanon festhalten lässt, erstaunt und wirft Fragen auf. Strengere Nachfragen der Behörden zu seinem Aufenthaltsrecht hätten seine Motivlage durchaus beeinflussen können.“

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie entsetzt ich über das Verhalten der deutschen Behörden bin. Bitte sorgen Sie dafür, dass Souikana schnellstmöglich als das angesehen wird, was sie ist, nämlich eine deutsche Geisel im Libanon, die ihre Hilfe braucht.

Bitte reden Sie sich nicht damit heraus, dass Souikana eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. Die juritische Problematik der doppelten Staatsbürgerschaft ist mir bekannt und die CDU hat lange aber  erfolglos auf diese Probleme hingewiesen, aber all dies darf und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade eine deutsche Staatsbürgerin Ihre Hilfe braucht.

Helfen Sie.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

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Liebe Leserinnen und Leser,

bitte schreiben auch Sie unserer Bundeskanzlerin. Wenn die Zeit nicht reicht, dann einfach mit der wunderbaren Funktion des copy/paste. Kopieren Sie ruhig diesen Text.

Sie erreichen unsere Kanzlerin hier:

www.bundeskanzlerin.de

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Am 5. November 2010 erhielt ich folgende Antwort im Auftrag der Bundeskanzlerin:

Sehr geehrter Herr Buurmann,

vielen Dank für Ihre E-Mail zu einem Thema der Auswärtigen Politik an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

Leider ist es wegen der Vielzahl der an Frau Dr. Merkel gerichteten E-Mails und Schreiben nicht möglich, Ihnen individuell zu antworten. Ich würde mich freuen, wenn Sie dafür Verständnis haben.

Nach der Aufgabenverteilung innerhalb der Bundesregierung ist das Ministerium für die Bearbeitung von Anfragen und Stellungnahmen zuständig, in dessen Aufgabenbereich das Anliegen fällt.

Für viele Themenbereiche und Fragestellungen hat die Bundesregierung ein umfangreiches Informationsangebot entwickelt, das Ihnen einen schnellen Zugriff auf unser Wissen ermöglicht. In Ihrem Fall möchte ich Ihnen dazu den Internetlink http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Startseite.html empfehlen.

Sollten Sie hier die gewünschten Informationen bzw. Klärungen nicht finden, möchte ich Ihnen raten, sich mit Ihrem Anliegen direkt an das Auswärtige Amt (AA) zu wenden. Sie können das Ministerium per E-Mail über buergerservice@auswaertiges-amt.de erreichen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Armin Disput

Dem Vorschlag meiner Bundeskanzlerin komme ich natürlich gerne nach und bitte alle Leserinnen und Leser es mir gleich zu tun – und zwar hier:

Offener Brief an das Auswärtige Amt

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