Offener Brief an das Auswärtige Amt

Sehr geehrte Damen und Herren vom Auswärtigen Amt,

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mir in einem Schreiben von 5. November 2010 geraten, mich an das Auswärtige Amt zu richten, da die folgende Situation in Ihren Aufgabenbereich falle. Ich wende mich also im Anraten unserer Bundeskanzlerin an Sie, in der festen Überzeugung, dass Sie sich der Situation angemessen und schnell annehmen werden.

Seit einigen Wochen wird eine 19-jährige deutsche Staatsbürgerin im Libanon als Geisel gehalten und die deutschen Behörden weigern sich, sich für die Freilassung der Geisel stark zu machen. Stattdessen arbeiten die deutschen Behörden mit dem Geiselnehmer zusammen.

Die 19-jährige Souikana heiratete 2008 einen Libanesen und bekam kurz danach mit ihm ein Kind. Die Ehe entwickelte sich schnell zu einer Gewaltherrschaft. Immer wieder wurde die Frau von ihrem Mann geschlagen. Als sie sich schließlich trennen will, bereitet ihr Mann einen gemeinsamen “Versöhnungsurlaub” in Beirut vor. Eine Reise ohne Wiederkehr. Als die Frau das Land wieder verlassen will und am Flughafen ihren deutschen Pass vorzeigt, den sie zunächst erst wieder in der deutschen Botschaft beantragen musste, da ihr Mann ihren deutschen Pass entwendet hatte, wurde ihr erklärt, dass sie nicht ausreisen dürfe, da ihr Mann eine “Ausreisesperre” für sie verhängt habe. Nach libanesischem Recht ist es offenkundig möglich, dass ein Mann seiner Frau die Ausreise verweigern darf.

Natürlich ging die Frau sofort zur deutschen Botschaft und bat um Hilfe. Da aber wurde ihr gesagt, die deutsche Botschaft sei nicht zuständig, da sie libanesische Wurzeln habe. Das muss man sich mal vorstellen: Eine deutsche Frau wird von einem Libanensen unter Mithilfe der libanisischen Regierung als Geisel genommen und die deutsche Botschaft hält es für unnötig zu intervenieren, weil die Deutsche libanesische Wurzeln hat.

Zur gleichen Zeit hockt der Libanese in der gemeinsamen Wohnung in Berlin und lässt es sich gut gehen. Die deutschen Behörden halten sich für machtlos. Das ARD-Magazin Panaroma berichtet:

“Universelle Menschen- und Freiheitsrechte scheinen gegen das schiitische Privatrecht nichts ausrichten zu können. Formal kann nur der Ehemann die Ausreisesperre schnell aufheben lassen. Bisher sieht er offenbar kein Motiv dafür – äußern wollte er sich gegenüber Panorama nicht.

Dabei hat der libanesische Ehemann seine Aufenthaltserlaubnis nur deshalb, weil er mit Soukaina, einer Deutschen, verheiratet ist und mir ihr ein Kind hat. Dass die Behörden sein befristetes Aufenthaltsrecht dennoch weiter gelten lassen, obwohl er seine Ehefrau im Libanon festhalten lässt, erstaunt und wirft Fragen auf. Strengere Nachfragen der Behörden zu seinem Aufenthaltsrecht hätten seine Motivlage durchaus beeinflussen können.”

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie entsetzt ich über das Verhalten der deutschen Behörden bin. Bitte sorgen Sie dafür, dass Souikana schnellstmöglich als das angesehen wird, was sie ist, nämlich eine deutsche Geisel im Libanon, die ihre Hilfe braucht.

Bitte reden Sie sich nicht damit heraus, dass Souikana eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. Die juritische Problematik der doppelten Staatsbürgerschaft ist mir bekannt, aber all dies darf und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade eine deutsche Staatsbürgerin Ihre Hilfe braucht.

Meine Bundeskanzlerin hat mich zu Ihnen verwiesen. Enttäuschen Sie mich nicht. Helfen Sie!

Mit freundlichen Grüßen,
Gerd Buurmann

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Liebe Leserinnen und Leser,

bitte schreiben auch Sie an das Auswärtige Amt. Wenn die Zeit nicht reicht, dann einfach mit der wunderbaren Funktion des copy/paste. Kopieren Sie ruhig diesen Text.

Sie erreichen das Auswärtige hier:

buergerservice@auswaertiges-amt.de

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