Die Würde der Eizelle ist unantastbar!

Diesen Satz muss man vermutlich einmal aufgeschrieben haben, um zu erkennen, wie absurd es ist, in der Frage der PID mit dem philosophischen Begriff der Menschenwürde zu argumentieren.

Zur Zeit beschäftigt sich der deutsche Bundestag mit der Präimplantationsdiagnostik (PID), also mit der Möglichkeit, künstlich befruchtete Eizellen, vor der Einpflanzung in den Mutterleib zu untersuchen. In der Debatte hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel eindeutig für ein Verbot der PID stark gemacht und somit bekundet, dass sie sich mit der gleichen Würde versehen sieht wie eine befruchtete Eizelle und ein Zellhaufen.

Meine Bundeskanzlerin kann ihre Würde ja vergleichen wie sie will, aber ich fühle mich bei einer Gleichsetzung meiner Würde mit einem Zellhaufen verletzt. Ein Zellhaufen! Da kann man mich ja gleich mit einem Schwein oder einer Kakerlake gleichsetzen. Das würde mich sogar weniger beleidigen, denn im Gegensatz zu einem lebenden Schwein atmet ein Zellhaufen nicht einmal. Ein Zellhaufen hat nicht mal Angst zu sterben; ein Schwein schon! Da fühle ich mich rein empathisch dem Schwein schon näher als dem Inhalt einer Petrischale.

Was geht eigentlich in einer Person vor, die eben noch auf ein Reagenzglas geschaut hat und nun ihren Blick hebt, mich sieht und sagt: „Wenn es nach mir geht, dann bist Du auch nicht viel mehr wert!“ Wie tief muss ein Mensch in ein Reagenzglas geschaut haben, um so ein Urteil zu fällen? Vielen Gegnerinnen und Gegnern der PID ist die Absurdität dieser Gleichsetzung auch durchaus bewußt. Genau deshalb schicken sie ja auch lieber Menschen zur Rednertribüne in den Bundestag und stellen nicht einfach nur für 15 Minten eine Schale mit befruchteten Eizellen vor das Parlament. Ein Mensch vermag es einfach mehr zu binden.

Als in Deutschland darüber diskutiert wurde, ob im Falle der Gefahrenabwehr ein von Terroristen entführtes mit Passagieren besetztes Flugzeug, das geradewegs aus ein Hochhaus zusteuert, abgeschossen werden dürfe, da urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass ein solcher Abschuss nicht mit der Verfassung in Einklang gebracht werden könne. Menschliches Leben dürfe niemals instrumentalisiert werden, selbst dann nicht, wenn dieses Leben dem Tode geweiht sei. Andernfalls würde die Sprache der Terroristen übernommen werden, die schließlich auch kein Problem damit hätten, menschliches Leben zum Wohle ihrer Ideologie zu opfern. Jeder Mensch hätte vermutlich eine gewisse Hemmung, ein Flugzeug voller unschuldiger Passagiere abzuschießen, auch wenn dadurch unzählig viele andere Menschen gerettet werden würden. Ich möchte sogar behaupten, dass jeder Mensch selbst dann noch diese gewisse Hemmung verspüren würde, wenn er durch die Tötung eines einzigen unschuldigen Menschen, Millionen anderer Menschen retten könnte.

Das Leben eines Menschen kann eben nicht mit dem Leben eines anderen Menschen verrechnet werden und das Leid eines einzelner Menschen wird nicht durch das Leid Millionen anderer Menschen relativiert. In der Mischna findet sich eben folgendes Gebort: „Wer sagt dir, dass dein Blut röter ist als das Blut des anderen? Vielleicht ist das Blut der anderen röter d.h. kostbarer als das deine.“ Die Mischna spricht allerdings von Blut! Befruchtete Eizellen haben aber keinen Blutkreislauf.

Stellen wir uns deshalb einmal vor, nicht ein Flugzeug voller Menschen steuerte auf das Hochhaus zu, sondern eine Bombe voller befruchteter lebensfähiger Eizellen. Ich möchte behaupten, niemand würde auch nur eine Sekunde zögern und dieses Flugzeug vom Himmel holen. Ich bin mir sogar sicher, dass selbst dann niemand zögern würde, wenn im Hochhaus nur ein Mensch säße, aber in der Bombe eine Millionen befruchteter lebensfähiger Eizellen.

Ich kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, wo menschliches Leben beginnt, aber eins kann ich mit Sicherheit sagen: Die befruchtete Eizelle liegt weit jenseits der Grenze!

Eizellen, ob befruchtet oder nicht, haben keine Würde, würden sie eine haben, dann müsste in Deutschland auch der Schwangerschaftsabbruch unter allen Umständen verboten werden! Der Schwangerschaftsabbruch aber ist in Deutschland möglich. Ein Verbot der PID würde also bedeuten, dass die befruchtete Eizelle zwar nicht in der Schale untersucht werden darf, aber durchaus im Mutterleib.

Somit könnten wir auf Zeiten einer absurden Rechtsprechung zugehen, die es Frauen zwar verbietet, befruchtete Eizellen zu untersuchen, bevor sie sie einpflanzen lassen, um zu schauen, ob sie gewillt sind, daraus menschliches Leben werden zu lassen, es jenen Frauen aber erlaubt, die befruchteten Eizelle zu untersuchen, nachdem sie sie in ihrem Leib eingepflanzt haben, um sie dann gegebenenfalls abzutreiben, sollte ihnen irgendetwas nicht gefallen.

Ich kann nur hoffen, dass sobald PID verboten wird, die erste Mutter, die abtreiben muss, weil das Kind in ihrem Leib nicht lebensfähig ist und die Schwangerschaft ihr Leben gefährdet, sie den kompletten deutschen Bundestag auf Schadensersatz verklagt, da sie durch die von Bundestag geschriebene Gesetzgebung zur Abtreibung genötigt wurde!

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