Liebe Charlotte Roche,

in Ihrem neuen Roman „Schoßgebete“ sollen Sie nach eigenen Angaben „sehr viel von sich preisgeben“. Sie geben an, dass Ihr Roman stark autobiografische Züge trage und beginnen Ihre Erzählung mit einer ausführlichen Sexszene. In Interviews erzählen sie gerne von Ihrer Magersucht, Ihrer Alkoholabhängigkeit und Ihren Depressionen und erklären, dass es nur Ihrer Therapeutin zu verdanken sei, dass sie noch am Leben sind.

Da kann man Ihrer Therapeutin wirklich nur gratulieren, denn das Leben ist wirklich das größte Geschenk und es ist immer bedauerlich, wenn sich ein Mensch dazu entschließt, es einfach weg zu werfen. Sie haben sich für das Leben entschieden und Ihre Therapeutin hat Ihnen dabei geholfen. Das freut mich. Allerdings wird Ihre Therapeutin neben dem Lohn, ihr Leben gerettet zu haben, auch finanziell an Ihrem Heilungsprozess verdient haben. Genau da möchte ich nun ansetzen. In einem Interview haben Sie folgendes gesagt:

„Ich wollte immer die Mutigste sein, die Lauteste, die Krasseste. Es muss krass sein, sonst entsteht Langeweile (…) Vielleicht gibt mir die Öffentlichkeit etwas, was ich als Kind nicht hatte: Aufmerksamkeit, Liebe.“

Darf ich einmal bescheiden fragen, warum Ihre Leserinnen und Leser, die Sie nach eigenen Angaben im Grunde nur zu eigenen therapeutischen Zwecken brauchen, nicht das gleiche Recht auf angemessene Bezahlung haben, wie Ihre Therapeutin? Mit welchem Anspruch rechtfertigen Sie es, dass Menschen auch noch dafür bezahlen sollen, wenn sie für Sie da sind? Seit wann bezahlt die Therapeutin ihre Patientin?

Wenn Sie Ihre Leserinnen und Leser wirklich nur zur Bearbeitung Ihrer eigenen Probleme brauchen, wenn Ihnen kein anderer Grund einfällt, warum sie „Schoßgebete“ lesen sollten, ausser der Befriedigung Ihres eigenen Ego-Trips, dann hat Ihre Therapeutin vergessen, Ihnen eine wichtige Verhaltensweise näher zu bringen oder wenigstens zu erklären, nämlich dass man Menschen nicht für das eigene Ego missbraucht.

€ 16,99 soll Ihr neuer Roman kosten und ich hätte mich auch auf einen Kauf einlassen, wenn Sie mir nicht im Vorfeld um die Ohren gehauen hätten, dass der Roman nichts anderes sei als ein „Riesentherapiegespräch“.

In diesem Fall schlage ich einfach vor, Sie senden mir € 16,99 für den Roman und € 140,- für das Lesen, denn dann haben Sie ein Exemplar von „Schoßgebete“ mehr verkauft. Wenn Sie dann sogar noch mit mir reden wollen, dann würde ich Ihnen das sogar umsonst machen, wenn Sie nur für die Spesen, Reise und Übernachtung aufkommen. Wenn Sie allerdings wollen, dass ich Ihnen beim Sex mit unserem Bundespräsidenten zuschaue, dann müssten wir noch einmal über den Preis verhandeln.

Allerdings biete ich Ihnen gerne an, mit mir zu schlafen, wenn Sie nur endlich von Ihrem Ego-Trip runterkommen. Für eine bessere Welt bin ich nämlich sogar bereit, tief in Ihre „Feuchtgebiete“ einzutauchen – aber bitte safe. (Die Kondome zahlen Sie!) Außerdem verlange ich, dass Sie sich vorher waschen, denn nach der Lektüre Ihres Erstlingswerks, bin ich mir ob Ihrer Hygiene nicht ganz sicher. Natürlich müssen Sie auch für die Waschung selbst aufkommen! Ich sag es nur, denn so wie ich Sie einschätze, würden Sie selbst dafür noch Geld verlangen. Ja, wenn sich nicht bald was an Ihrem Verhalten ändert, dann wird die Zukunft wohl wie folgt aussehen:

In fünfzig Jahren wird Charlotte Roche mit Ihrem IPhone64 filmen, wie eine Altenpflegerin ihren wund gelegenen Arsch abwischt und dabei brüllen: „Was kriege ICH dafür?“

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