Oche Alaaf!

Laut Medienberichten hat am Samstag vor Rosenmontag der Vereinsvorsitzende der KG Richterich 1956 „Koe Jonge“e.V. bei einer Karnevalsfeier in einem Festzelt vor etwa 1000 Zuschauern einem ortsbekannten Rechtsextremen, der sogar in der Hooligan-Szene bekannt sein soll, den „Gesellschaftsorden“ der KG überreicht, aus Erleichterung und Dank dafür, dass die Session glatt und ohne rechte Pöbeleien über die Bühne gegangen ist, obwohl der diesjährige Prinz des Vereins Balam I. aus Afrika stammt.

Das ist Aachen: In einer Stadt, in der die Synagoge und der jüdische Friedhof mit Nazissymbolen beschmiert werden, in der die grüne Bürgermeisterin Juden nicht haben will, wenn sie eine andere Meinung haben als sie und in der Mitglieder der NPD auf den Straßen marschieren und “weltweit den Antizionismus vorantreiben” skandieren, wird ein rechtsradikaler Mann schon dann ausgezeichnet, wenn er nicht zur Gewalt greift.

Oche Alaaf!

Aachen ist eine Stadt, in der die grüne Bürgermeisterin einen Juden ausdrücklich nicht haben will, weil er ihr zuviel streitet, während ein Rechtsradikaler einen Preis bekommt, wenn er nur die „heldenhafte“ Tat begeht, keinen dunkelhäutigen Menschen zu verprügeln.

Oche Alaaf!

Ich kann nur noch Heinrich Heine zitieren,

der über die Menschen in Aachen einst folgendes zu berichten wusste:

Noch immer das hölzern pedantische Volk,
Noch immer ein rechter Winkel
In jeder Bewegung, und im Gesicht
Der eingefrorene Dünkel.

Sie stelzen noch immer so steif herum,
So kerzengerade geschniegelt,
Als hätten sie verschluckt den Stock,
Womit man sie einst geprügelt.

Oche Alaaf!

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11 Antworten zu Oche Alaaf!

  1. Paul schreibt:

    Zu der Ordensverleihung für etwas was man nicht getan hat fällt mir ein; man könnte doch mal einen Nobelpreis dafür vergeben, das jemand etwas nicht gemacht hat?

    Entschuldigung, hat es ja schon gegeben!

    Arafat hat den Friedensnobelpreis bekommen.
    Hat er Frieden gemacht?

    • anti3anti schreibt:

      Toller Kommentar!

    • Danny Wilde schreibt:

      Wäre glatt wert als Spiel auf S.o.E. (der Claudio hat ja oft ziemlich lustige Sachen dort) vorgeschlagen zu werden, coole Idee (oder halt hier). Und wo wir schon beim Nobelpreis sind, da hat doch ’99 Pfeifenkopp Günter G. den für Literatur gekriegt, und der hat ja bei seinem ganzen Links-Moralisieren auch etwas NICHT getan, nämlich die Wahrheit zu sagen.

      Na, fällt noch jemandem was ein?

  2. Silke schreibt:

    OT Frage

    ich habe gerade gehört, daß es den Behörden mittels des neuen BGH-Urteils erheblich erschwert werden wird, sich Netzklaradressen zu beschaffen.

    Bedeutet das, daß Anzeigen von Nazi-Kommentatoren dann überhaupt noch einen Sinn haben i.e. wird deren Verbrechen als so schwer eingestuft werden, daß ihr „Netzgeheimnis“ verletzt werden darf?

  3. Malte S. Sembten schreibt:

    Nun ja, Karneval ist halt die tolle Zeit der Jecken.

    Dennoch bin ich erstaunt, dass die Strategie des feigen Appeasement jetzt auch (bzw. erneut, könnte man sagen, weil es schon einmal so gut geklappt hat) auf Nazis angewandt wird.

    Falls das alles so stimmt … denn der Einwand von ‚Rechts der Isar‘ (Februar 24, 2012 um 9:28 pm) hat imho seine Berechtigung.

  4. Danny Wilde schreibt:

    Naja… die Soße schwappt halt in alle Richtungen. Ob nun Karnevalsorden in AC oder Bambi in Berlin, es trifft halt die, die gegen die (ansonsten ja stets verleugneten!!!!!) Erwartungen mal eine kurze Periode lang durch Nichtstun den Preisverleihern das schöne masochistische Glück beschert haben, wieder daran glauben zu dürfen, ihre (wie gesagt stets verleugneten) Erwartungen seien doch nur böse Vorurteile. Denn dann wäre ja alles supergut, ne? Zack, Orden.

  5. Rechts der Isar schreibt:

    Zitat derwesten.de:

    „Nach Darstellung von Anwesenden soll die Ordensverleihung an Jens B., dem eine Nähe zur Neonazi-Vereinigung „Kameradschaft Aachener Land“ nachgesagt wird und der in der Hooligan-Szene aktiv sein soll, „eine spontane Aktion des Vereinsvorsitzenden“ gewesen sein. Angeblich aus Erleichterung und Dank dafür, dass die Session glatt und ohne rechte Pöbeleien über die Bühne gegangen war.“

    Nähe nachgesagt?
    Aktiv sein soll?
    Angeblich?

    Hat irgend jemand Fakten? Dann könnte man den Betreffenden in Ruhe in der Luft zerreißen. Ansonsten ein Gestocher, wie es unseren Qualitätsmedien gut zu Gesicht stünde…

  6. Andreas Moser schreibt:

    Das ist wirklich krass.
    Ich habe zufällig auch gerade Heine zitiert: http://andreasmoser.wordpress.com/2012/02/24/bucherverbrennung-hier-und-dort/

  7. Pingback: Zitate! « abseits vom mainstream – heplev

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