Verständnis für Günter Grass

Günter Grass hat für sein neues Gedicht „Was gesagt werden muss“ viel Kritik einstecken müssen. Man muss Günter Grass aber auch verstehen. Hätte es in Deutschland niemals Nazis gegeben, so hätte Günter später keine Themen für seine Romane gehabt. Ohne Nationalsozialismus hätte er nie “Die Blechtrommel” schreiben können und der Literaturnobelpreis wäre an jemand Anderes gegangen. Er musste damals einfach schweigen und mitlaufen, schon aus karrieretechnischen Gründen!

Deshalb schweigt er wohl auch zum heutigen Iran und dem dort grassierenden Judenhass. Er betreibt damit lediglich Themensicherung für kommende deutsche Vergangenheitsbewältigungen. Was soll denn schon aus der deutschen Literatur werden, wenn der Nationalsozialismus immer mehr zur Geschichte wird und nichts neues nachwächst?

Günter will einfach sicher gehen, dass in ungefähr 60 Jahren ein neues Mahnmal für die ermordeten Israelis entstehen kann, damit ein deutscher Kanzler sagen kann, das sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“ und ein deutscher Historiker mit stolz geschwellter Brust tönen kann: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“

Günter Grass hat sein Gedicht für Deutschland geschrieben, damit es auch in Zukunft noch kraftvoll eine Vergangenheit bewältigen kann! All die Arbeitsplätze in den deutschen Lern-, Gedenk- und Dokumenationsstätten, in den Holocaustforschungsinstituten und Universitäten der Antisemitismusforschung müssen schließlich zukunftsorientiert gesichert werden. Nachhaltigkeit nennt man sowas in Deutschland! Wie soll Deutschland denn noch einen Oscar nach Hause holen, wenn es keinen Judenhass mehr gibt? Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ und Christoph Waltz’ Oscar (Waltz hat die deutsche und die österreichische Staatsbürgerschaft) für die Rolle eines Nazis in “Inglourious Basterds” haben wir einzig und allein der Existenz von Judenhass zu verdanken und der Tatsache, dass in Deutschland immer geschwiegen wurde, wenn es geschah. Ohne Holocaust gäbe es sogar beim ZDF immer noch genug Sendeplatz für das Testbild!

Weil sich Günter Grass vor gut 70 Jahren nicht gegen die SS entscheiden konnte und sogar Mitglied bei dieser nationalsozislistischen Terroreinheit wurde, die aktiv den Massenmord an sechs Millionen Juden ermöglichte, sah er vor etwas mehr als 20 Jahren in allen Deutschen genau solche Untertanen wie er selbst einer war und sprach sich vehement gegen die deutsche Wiedervereinigung aus.

Heute schweigt er aus dem selben Grund zu der Tatsache, dass der Iran vor allem durch Deutschland stark gemacht und gerüstet wurde. Er schweigt zu der üblen Diktatur, die Juden hasst und dies verbal so äußert wie die Nazis 1933. Er schweigt für Deutschland! Allerdings geht Günter Grass heute noch etwas weiter als damals bei der SS. Damals schwieg er nur. Heute bricht er den Stab über Juden, die es wagen, sich zu wehren. Damals hat er es noch nicht gewagt, die Juden im Warschauer Ghetto für ihren Aufstand zu tadeln. Er war wohl noch zu jung! Das traut sich Günter Grass erst heute, “gealtert und mit letzter Tinte”.

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