Ich habe Vertrauen in die Alte Feuerwache!

„Es ist eben nicht so einfach wie Sie in Ihrem Schreiben suggerieren.“

Dies schrieb mir Helmut Frangenberg in einer persönlichen Mail als Antwort auf meine Reaktion auf seinen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger. Bevor ich erwidere, möchte ich mich zunächst bei ihm für die Antwort und die Genehmigung bedanken, Auszüge aus seiner Mail veröffentlichen zu dürfen, da seine Kritik an mir an einigen Stellen berechtigt ist.

Frangenberg schreibt: „Polemik ist immer gut, aber manchmal ist es m.E. eben auch nötig, ein wenig zu differenzieren. Wir haben eben unterschiedliche Rollen im Meinungsbildungsprozess und so erlaube ich mir, bei meiner journalistischen Einschätzung zu bleiben.“

Da hat er Recht. Schon Shakespeare schrieb einst: „Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab.“ Er hat seine Rolle. Ich habe meine Rolle. Er schreibt weiterhin: „Man kann nicht das ganze Bürgerzentrum mit seinem für Selbstverwaltung und Vereinsstruktur typischen komplexen Geflecht, in dem eben sehr wohl die inhaltliche Auseinandersetzung mit Gruppen wie der Beschriebenen gehört, in Haftung für das Verhalten einzelner Vereinsmitglieder nehmen.“

Auch da hat er Recht. Dennoch bleibe ich dabei, dass es Situationen gibt, die so fundamental problematisch sind, dass ein einfaches Bedauern von Seiten des Vorstandes nicht mehr ausreicht. Mein Schauspielkollege Tobias Weber hat mich in einem Telefonat zurecht darauf hingewiesen, dass der Vorstand der Alten Feuerwache in seiner Stellungnahme geschrieben hat: „Wir bedauern es, wenn einzelne Mitglieder der Alten Feuerwache durch ihre Aktivitäten zur Unterstützung von Rechtsradikalismus, Antisemitismus und diffuser Verschwörungstheorien beitragen.“ Die Alte Feuerwache bedauert nur. Ein Bedauern ist ja löblich, aber rein semantisch reicht das nicht, da ein Bedauern „nicht mal notwendigerweise eine Entschuldigung mit einschließt“, wie Weber erklärt. Tobias Weber schreibt auf Facebook:

„Ein „schweres Geschütz“ provoziert oft das nächste, wobei ich hier nicht der Meinung bin, dass Gerd Buurmann zuerst aufgerüstet hat. Sein Vorwurf ist beileibe nicht milde, aber meiner Meinung nach durchaus berechtigt, denn auch für mich stellt sich die Frage, ob ein Vorstand sich nicht etwas mehr als „Bedauern“ in solch einer Situation leisten sollte. Eine klare Distanzierung, in dieser Sache m.E. nach angebracht, sieht absolut anders aus! Schade!“

Frangenberg schreibt: „Insofern empfinde nicht nur ich es als „schweres Geschütz“, wenn Sie öffentlich das Bürgerzentrum attackieren und dies mit der Falschaussage untermauern, hier seien Beiratsmitglieder gereist. Unjournalistisch würde ich es schlicht „unfair“ nennen.“

Da hat er leider auch Recht. Allerdings war ich nicht unfair von mir sondern fehlbar. Unterschied! Unter den Reisenden waren zum Zeitpunkt ihrer Reise tatsächlich keine Beiratsmitglieder der Alten Feuerwache, sondern nur zwei einfache Nutzer der Alten Feuerwache, wobei einer Gründungsmitglied ist. Diesen Fehler habe ich jedoch noch am selben Tag korrigiert und nicht nur bedauert, sondern mich sogar dafür entschuldigt, was ich an dieser Stelle noch einmal klar wiederhole:

Liebe Alte Feuerwache,
Entschuldigung!

Frangenberg fährt fort: „Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass Sie in Ihrer ersten öffentlichen Erklärung aus der Ironie eines Schreibens aus dem Umfeld des Vereinsvorstandes über die Iran-Reise eine Behauptung machen, so als wenn sich die Feuerwache über die Reise gefreut habe. Auch das finde ich eine sehr seltsame Form der Auseinandersetzung. Die Tatsache, dass sich ein Verantwortlicher der Feuerwache auf diese Weise von Vereinsmitglieder distanziert, zeigt ja gerade, dass die inhaltliche (Abgrenzungs-)Debatte intern läuft. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass Sie in Ihrer ersten öffentlichen Erklärung aus der Ironie eines Schreibens eines ehemaligen Vorstandsmitglieds über die Iran-Reise eine Behauptung machen, so als wenn sich die Feuerwache über die Reise gefreut habe. Auch das finde ich eine sehr seltsame Form der Auseinandersetzung. Die Tatsache, dass sich ein Verantwortlicher der Feuerwache auf diese Weise von Vereinsmitglieder distanziert, zeigt ja gerade, dass die inhaltliche (Abgrenzungs-)Debatte intern läuft. Die Wortwahl zeigt, dass mit durchaus harten Bandagen gekämpft wird. „

Er hat auch hier Recht. Bisher kam die Ironie der Mail in meinem Artikel nicht genau heraus. Ich habe es geändert, wie man hier in der aktuellen Fassung von „Blüh im Glanze dieses Führers“ nachlesen kann.

Frangenberg endet in seiner Mail mit den Worten: „Richtig ist aus meiner Sicht, dass die Feuerwache an einem Scheideweg steht. Wohin die Reise geht, ist dabei keineswegs entschieden.“

Auch da möchte ich ihm voll und ganz Recht geben. Die Alte Feuerwache steht wirklich an einem Scheideweg. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie sich nach langer Auseinandersetzung für den richtigen Weg entscheiden wird. Die FDP hat das Möllemanndesaster überstanden, die Piraten haben sich deutlich von der rechten Seite distanziert und auch die Grünen haben längst ihre rechte Strukturen der ersten Jahre überzeugend abgestreift. Es wäre doch gelacht, wenn das der Alten Feuerwache nicht gelingen würde. Ich kenne das Bürgerzentrum und weiß, dass da überwiegend gute Leute mit Herz und Verstand bei der Arbeit sind. Ich habe Vertrauen in die Alte Feuerwache!

Aber diese Debatte hier muss dennoch geführt. Und sie muss in aller Deutlichkeit geführt werden! Ich weigere mich einfach, nur aus Sympathien zu Kolleginnen und Kollegen der Alten Feuerwache, Milde wirken zu lassen. Dafür ist die Sache zu ernst. Ich lasse auch keine Milde bei mir zu. Im Gegenteil: Ich freue mich sogar, wenn ich hart kritisiert werde, denn nur so kann ich lernen. Allein die Mail von Helmut Frangenberg hat mir gezeigt, wo die Schwachstellen meiner Argumation sind. Ich habe sie bearbeitet. Meine Artikel sind dadurch besser geworden. Das verdanke ich dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Dennoch bleibt der Kern meiner Kritik erhalten: Wie schreibt es ein User auf Facebook, der dafür eine Menge Likes bekommen hat:

„Warum werden diese Mitglieder nicht ausgeschlossen. Ihr müsst hier ein deutliches Zeichen setzen und den Anfängen wehren!“

Ich denke, das kann man so stehen lassen!

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4 Antworten zu Ich habe Vertrauen in die Alte Feuerwache!

  1. anti3anti schreibt:

    „Die FDP hat das Möllemanndesaster überstanden, die Piraten haben sich deutlich von der rechten Seite distanziert und auch die Grünen haben längst ihre rechte Strukturen der ersten Jahre überzeugend abgestreift. Es wäre doch gelacht, wenn das der Alten Feuerwache nicht gelingen würde.“

    Die verbale Distanzierung vom Antisemitismus gelingt der Alten Feuerwache berieis jetzt. Die inhaltliche Distanzierung vom Antisemitismus gelang der FDP und den Grünen notwendigerweise weil sie an der bürgerlichen Macht partizipierten, die (noch) den Antisemitismus aus historischen, weniger aus moralischen Gründen ablehnt. Bei den Piraten ist der zukünftige Weg unbekannt, die verbale Distanzierung vom Antisemitismus hat stattgefunden, die inhaltliche Distanzierung ist vom Wahlerfolg abhängig,
    Bei der Alten Feuerwache ist die inhaltliche Distanzierung nicht überlebenswichtig, da keine Partei. Dass sich große Teile der Alten Feuerwache inhaltlich mit dem Antisemitimus identifizieren, ist seit Tapfer im Nirgendwo hinlänglich bekannt. Somit verlangt die Distanzierung vom Antisemitismus von der Alten Feuerwache eine moralische Kurskorrektur, deren innere Notwendigkeit nicht erkennbar ist und die ohne ausreichenden Druck niemals stattfinden wird.

    Es gibt keinen ausreichenden Druck. Die Verleumdungsmauer auf der Domplatte ist der „geronnene“ Beweis.

  2. Malte S. Sembten schreibt:

    Der Beitrag beweist Ehrlichkeit, die Fähigkeit zur Selbstkritik und doch Festigkeit in der Sache. Sympathisch!

  3. Malte S. Sembten schreibt:

    Ich denke, das kann man so steheh lassen!

    h=n

  4. Malte S. Sembten schreibt:

    Diese Basis, die sich dafür eingesetzt hat, die Entscheidung des Vorstandes, diesem „Botschafter des Hasses“ keine Unterstützung mehr zukommen zu lassen, meine ich!

    Da fehlen doch ein paar Wörter?

    Aber diese Debatte hier muss dennoch geführt.

    Hier fehlt ganz bestimmt eins!

Seid gut zueinander!

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