Liebe Judith Butler,

gestatten Sie mir, dass ich Sie auf deutsch anspreche. Ich habe Sie vor Jahren schon Mal bei einer Vorlesung in Frankfurt erleben dürfen und weiß daher, dass Sie der deutschen Sprache souverän mächtig sind. Ich wähle die deutsche Sprache, weil es die Sprache von Hedwig Dohm ist, eine Philosophin, die schon hundert Jahre vor Ihnen, die Natur als Konstrukt der Mächtigen bezeichnet hat.

„Eine Byzantinerin ist die Natur, redet dem, der gerade die Macht hat, zu Munde, oder gibt wenigstens immer die Antwort, die der Fragende erwartet. Was ist natürlich, was unnatürlich? Die meisten geistigen Errungenschaften sind Einbrüche in vermeintliche Naturgesetze.“

Am 11. September 2012 werden Sie in Frankfurt den Adorno-Preis verliehen bekommen. Schon vor einigen Monaten habe ich diese Entscheidung des Kuratoriums in meinem Artikel „Was für eine Parodie“ scharf kritisiert. Der Zentral der Juden in Deutschland findet sogar noch deutlichere Worte. Stephan Kramer schreibt:

„Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als „Halbjude“ in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten (…) Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen.“

Nicht selten wird argumentiert, sogar von Ihnen habe ich diese Behauptung schon vernommen, dass es für eine Jüdin besonders schwierig sei, Israel zu kritisieren, da es angeblich von einer Jüdin erwartet werde, sich kritiklos zu Israel zu verhalten. Glauben Sie mir, liebe Judith Butler, niemand verlangt von irgendjemanden, zu Israel zu schweigen, egal ob Jüdin oder nicht. Allerdings muss auch jeder Mensch, der Israel kritisiert, mit dem zum Teil vehementen Widerspruch leben, der sich dann regt, egal ob Jüdin oder nicht. Sie sind Jüdin und niemand kann Ihnen dieses Privileg nehmen.

Sie dürfen Israel kritiseren, wie Sie wollen, sie sind und bleiben eine Jüdin. Sie dürfen Israel sogar hassen, Sie sind und bleiben eine Jüdin. Sie können sogar Juden hassen, Sie sind und bleiben eine Jüdin. Sie können sogar mit lesbischen Nazis ficken und sich ein Hakenkreuz auf die Schulter tätowieren lassen, Sie brechen zwar ein biblisches Gebot mit der Tätowierung, aber Sie sind und bleiben eine Jüdin.

Daher: Sollten Sie jemals, und ich bete und hoffe, dass es niemals geschehen wird, verfolgt werden, weil Sie Jüdin sind, wird Israel Ihnen Asyl und Sicherheit bieten und zwar bedingungslos und unabhängig von dem, wie Sie sich heute verhalten.

Das ist Israel!

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