BDS: Selbst für Finkelstein zu heftig

Eine Polemik von Zahal.

Ich fange bei einem Hotel an. Das Hotel heißt Abrahams Herberge und liegt in Beit Jala. Die Herberge ist ein Knotenpunkt der christlichen BDS-Bewegung im Westjordanland. Diese Bewegung ist von einer handvoll hochgebildeter, reicher, palästinensischer Christen getragen, mit mehr oder weniger antizionistischen Einstellungen. Diese gebildeten Eliten haben oft in westlichen Universitäten studiert. Das Netzwerk um Abrahams Herberge ist ein hochsubventionierter Verein, der ein luxuriöses Hotel mit ausgesprochen westlicher Ausrichtung und professionellem westlichen Internetauftritt betreibt, welches selten belegt ist. Es ist ein ein luxuriöses Hotel vornehmlich für Europäer im “Westjordanland”. Von Einheimischen wird es selten gebucht. Meist kommen westliche friedensbewegte “Menschenrechtsbeobachter”. Die Bilder dieses Hotels sprechen für sich.

Dem Besucher der Herberge bietet sich ein Aktionsprogramm für den geneigten westlichen Antizionisten-Aktivisten: Grenze besuchen, arme Familien angucken, zu malträtierten palästinensischen Menschen gehen, die ihr Leid klagen, Friedensgebete – das volle Programm. Freitags gehen die harten Touristen mal kurz zum Steine gucken oder filmen es mit einer der verteilten Kameras. Dann gehts wieder nach Hause. Es ist ein wahres antizionkstisches Erlebnisprogramm für kleines Geld.

Und wer bezahlt das alles? Keine Ahnung. Auf jeden Fall nicht die “Aktivisten”. Nein, hier werden Multiplikatoren ausgebildet, notwendig für die Wohlfahrt.

Ein Freund dieses Hotels ist Albrecht Schröter, Oberbürgermeister von Jena. Er ist zufällig ein enger Freund des Hardcoreantisemiten-Muftis Scheich Taysir Tamimi, der gerne mal im öffentlichen Fernsehn folgende Phrasen drischt:

„Bezüglich der Juden sagt der Heilige Koran, dass ihnen das Wissen fehlt, sie keine Weisheit besitzen, nichts wissen, Vereinbarungen brechen, usw. Die Juden sind jedoch dafür bekannt – und man wusste das durch die ganze Geschichte hindurch, dass sie falsche Behauptungen aufstellen, lügen, fälschen, verleumden und Dinge frei erfinden, nur um ihre Aggression, ihren Landraub, die Schändung heiliger Stätten, die Aneignung von Land, die Zerstörung von Häusern, den Mord an Kindern, Frauen und alten Menschen zu rechtfertigen.“

Schröter fährt regelmäßig zu diesen Freunden und demonstriert fleißig mit den Chefs der Autonomiebehörde. Sind zwar nicht ganz lupenreine Demokraten, aber was soll’s. Es sind die alten Männer mit lustigen Mützchen und weißen Bärten. Außerdem ist Beit Jala seine Lieblingspartnerstadt. Schröter sagte über seine Beziehung zum Antisemitenscheich: „Wir haben uns bei der Demonstration eingehakt und wir haben uns gefühlt wie Brüder.“ (Quelle: Südwest Presse vom 16. November 2009)

Eines Tages kam Schröter zurück aus dem Urlaub, und aus seiner Freundschaft mit den Männern mit weißen Bärten entwickelte sich eine Idee. Man müsste doch eine Boykottkampagne in Deutschland veranstalten. Gedacht – getan – fertig war die Kampagne: “Besatzung schmeckt bitter”.

Wer ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, weiß ich nicht. Welche Intentionen er hatte, sich der BDS-Kampagne anzuschließen, möchte ich nicht mutmaßen. Was ich aber weiß ist, dass fast alle BDS-Funktionäre und Boykottwütigen, so auch Butler und Schröter, vorher Kontakte zu Regierungseliten oder mit dem akademischen Jetset der Autonomiebehörde hatten. Warum schildere ich hier dieses Beispiel? Damit Mensch einen ungefähren Eindruck bekommt, mit was für einem antizionistischen Netzwerk wir es hier zu tun haben. Boykotte sind der verlängerte Arm von unterdrückerischen Regierungeliten sowie den akademischen Eliten der Autonomiebehörde. Eine unheilige Allianz der Gebildeten, Reichen und Regierenden.

Ein weiser Klospruch besagt: “Man scheißt nicht dort, wo man isst.” Israelhass/-kritik und die daraus resultierende Wohlfahrt sind der einkommensstärkste Wirtschaftszweig der Autonomiebehörde. Diese akademischen und regierenden Eliten werden also kaum den Zustand ändern wollen, der ihnen so viel Geld bringt. So wurde 2005 eine pfiffige Idee geboren: die BDS-Bewegung, die scheinbar aus tausenden NGOs und Gewerkschaften und Vereinen und sonstewas besteht. Doch schauen wir uns (abgesehen von wenigen) diese NGOs einmal genau an, dann sehen wir, dass sie größtenteils Briefkasten-NGOs oder Ein-Mann-NGOs sind. Dadurch gibt es allein im kleinen Westjordanland mehr NGOs als in ganz Afrika.

Die BDS-Bewegung gibt sich nun alle Mühe, um so zu tun, als repräsentiere sie die palästinensische Zivilbevölkerung. Aber das tut sie nicht. BDS ist eher ein Elitenprojekt, gegründet von reichen, sehr intelligenten und gut gebildeten palästinensischen Eliten. Diese bekommen nicht mal ein paar hundert Mann auf eine Demo. BDS besteht vermutlich aus mehr NGOs als Sympathisanten in der Bevölkerung. Diese Taktik gaukelt vor, diese Bewegung spreche für die palästinensische Zivilbevölkerung. Diese bekommt aber gar nix ab vom Kuchen.

Allerdings finden sich immer ein paar verwirrte hundert westliche und sogar vereinzelt israelische Aktivisten, die für diese Bewegung auf die Straße gehen. Dabei hat die BDS-Bewegung ihre Forderungen so geschickt formuliert, dass diese für Israel gar nicht zu erfüllen sind. Welches Land lässt sich schon freiwillig auslöschen oder komplett isolieren und boykottieren? Zusätzlich boykottiert BDS auch jede Kooperation und Friedensbemühung der Palästinenser mit Israel. Warum? Wieder, weil Israelkritik der einkommensstärkste Wirtschaftszweig ist! Kein palästinensischer Führer mag auf das Geld verzichten, welches allein durch palästinensisches (inzeniertes oder auch wahres) Elend in die eigene Tasche fließt wie ein Strom.

Wenn die Bevölkerung elendig aussehen muss, damit Geld kommt, wird das Elend halt konserviert. Deshalb sind gerade jüdische Siedler der Inbegriff des Bösen, zahlen die doch dreimal so hohe Löhne bei weniger Arbeitzeit, und machen das schöne Elend, diese wichtige Einnahmequelle, kaputt. Am Ende würden diese noch für interkulturelle Freundschaften sorgen: Das wäre der Tod für das Wohlfahrtsgewerbe. Es geht dabei schließlich um Millionen und nicht um zwei Euro. Eine Hassindustrie stellt ein Produkt her. Der Westen kauft das Produkt, unter anderem auch vor kurzem wieder Sigmar Gabriel, Ruprecht Polenz, Günter Grass, Lady Ashton und viele andere, und bietet finanzielle Anreize für dessen weitere Produktion.

Bleibt nur noch anzumerken, dass diese unheilige Allianz aus Gebildeten, Reichen und Regierenden aus der Autonomiebehörde und NGOs nun in den westlichen Ländern um Multiplikatoren wirbt. Um Menschen, die das “Elend” an den Mann bzw. die Frau bringen. An Unis, in Kirchen, in Parlamenten, bei Konzerten, in Workshops und bei Fachtagungen finden wir diese Multiplikatoren, ausgeführt von Bürgermeistern, Pfarrern, Schreiberlingen, Politikern, Künstlern, Musikern, usw. Diese wirken in ihrer Funktion als Multiplikatoren im Westen, sie vermitteln Elend und notwendigerweise auch den Eindruck von Apartheid. Warum? Damit jeder meint, dass niemand helfe. Das gibt es eben für die alten Männer am meisten Geld.

Und nun kommen wir auf unseren Herrn Schröter und auf Frau Butler zurück. Sie sind genau solche Multiplikatoren. Wir erkennen sie daran, dass sie einseitig Israel an der Misere die Schuld geben. Dies ist sehr wichtig. Warum? Na, wenn die alten Männer mit den lustigen Mützchen und den grauen Bärtchen die Schuldigen wären, gäbe es keinen Geldsegen. Diese Multiplikatoren vermitteln ein verzerrtes Bild vom Zionismus, von Juden und von Israel. Dieses Bild führt dann zu manifesten Ausschreitungen, zu Hass und Gewalt, denn irgendwann kommt die letzte Phase, die weder Frau Butler noch Herrn Schröter bewusst ist: Der durch Antizionismus radikalisierte Mob greift zu Gewalt.

Wie in London, oder an der Universität von Berkeley, wo, nachdem Butler eine Kampagne an ihrer Universität im Jahr 2001 gestartet hatte, ein antisemitischer Mob Jagd auf jüdische Studenten machte. Diese Gewalt kann europaweit und deutschlandweit beobachtet werden.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Schröter und Frau Butler. Sie schaffen nun den Grundstein für einen gewalttätigen antizionistischen Antisemitismus im Westen – oder Sie legen den Grundstein dieser Gewalt frei, der nach 1945 einfach nur etwas verbuddelt gewesen ist. Und warum? Damit die Situation bleibt, wie sie ist, und damit das Geld dorthin gelangt, wo es immer hingelangt. In die Taschen der Männer mit den lustigen Mützchen und den weißen Bärten.

Dass die BDS-Bewegung mehrheitlich von radikalen, anti-israelischen Kräften geführt wird, hat sogar der ansonsten keineswegs zimperliche Israelhasser Norman Finkelstein erkannt. In einem bemerkenswerten Interview vom Februar dieses Jahres hatte er sich öffentlich von dieser Bewegung distanziert, weil sie seiner Meinung nach Israel das Existenzrecht abspricht. So sagte er in dem Gespräch, das man auf YouTube anschauen kann, dass die BDS-Bewegung Israel nicht akzeptiere. Und weiter führte er aus:

„Sie glauben, sie seien besonders clever. Sie nennen es ihren dreistufigen Plan: Wir wollen ein Ende der Besatzung, das Recht auf Rückkehr und wir wollen dieselben Rechte für Araber in Israel. Und sie meinen, sie seien besonders schlau, weil sie wissen, dass die Umsetzung dieser drei Bedingungen was bedeutet, zu was führt? Sie und ich wissen, was das Ergebnis ist: Es wird kein Israel mehr geben!“

Die Nichterwähnung Israels ist nach Finkelsteins Meinung nicht ein „zufälliges und unbeabsichtigtes Versäumnis“, sondern Kalkül, um die anti-israelische Mehrheit in der Bewegung zufrieden zu stellen. Für Finkelstein ist BDS eine Sekte.

„Ich bin durch diese Sektenphase gegangen. Ich war ein Maoist. Und jetzt, wenn ich zurückblicke, ich sage euch die Wahrheit: Es gab zwei alternative Möglichkeiten. Du konntest ein Maoist sein, ein Leninist, all dieser Art Mist, und du konntest 20 Jahre Deines Lebens verschwenden. Oder du hättest mit Leuten wie Ralph Nader arbeiten können, wie mein bester Freund Alan N. Du kennst Alan N.? Er arbeitete unter Nader. Und er brachte eine Menge Gesetze durch den Kongress, eine Menge gutes Zeug. Es ist schön, dass wir Sicherheitsgurte haben, das war Ralph Nader. Airbags, das war Ralph Nader. Tausend kleine Dinge, die Millionen Leben gerettet haben. Ich werde nicht wieder in eine Sekte gehen. Ich werde nicht noch einmal diese Phase durchmachen, mit den Gurus in Ramallah, die Marschbefehle ausgeben. Die, wenn du nicht einverstanden bist sagen: Zehn Millionen fünfhundert-sechsundsechzigtausend-vierhundert-vierundfünfzig palästinensische Zivilorganisationen haben das befürwortet.

Wer sind diese Organisationen? Es sind Nicht-Regierungs-Organisationen in Ramallah, Ein-Mann-Betriebe, und sie behaupten, dieses Ding zu repräsentieren, das sie palästinensische Zivilgesellschaft nennen. Wenn sie wirklich die palästinensische Zivilgesellschaft wären, wie sie es für sich in Anspruch nehmen, warum können sie dann keine Demonstration mit mehr als 500 Menschen organisieren? Wenn sie wirklich die palästinensische Zivilgesellschaft repräsentieren – ich höre das andauernd, hast du jemals ein Statement von BDS gesehen, das nicht als ersten Absatz sagt: “BDS, die größte zivile gesellschaftliche… organisiert… Protest in… Du weißt, tatatata… unterstützt von 26 Billionen fünfhundertfünfundfünzig Millionen, du weißt schon, Organisationen? Das sind nur Nichtregierungsorgansiationen in Ramallah, sie repräsentieren absolut nichts. Wo sind denn die Demonstrationen dort? (…)

Wenn ihr eine einheimische Organisation von Palästina seid, solltet ihr Euer Volk organisieren. Und es ist unser Job, von unserer Seite her zu organisieren. Ich bin durch viele Solidaritätsbewegungen gegangen. Die Vietnamesen haben uns nie Marschbefehle gegeben. Die Menschen aus Nicaragua, aus El Salvador, sie haben uns nicht gesagt, was zu tun ist. Sie organisierten ihre Leute. Und als Solidaritätsbewegung aus dem Ausland sollten wir beurteilen, wie wir uns am besten organisieren. Und es ist eine sehr seltsame Sache, wenn die Leute dort, die behaupten, die Anführer der Zivilgesellschaft zu sein, keine Demonstration von 500 Menschen unter sich organisieren können, aber allen anderen im Ausland sagen, was zu tun ist. Das ist eine bizarre Verdrehung.

Als ich mit dem Marsch der Freiheit involviert war, haben sie gesagt, sie würden 50.000 Menschen in Gaza auf die Straße bringen. 50.000 Menschen! Und weißt du, wie viele auftauchten? Sie brachten 300. Es ist eine Sekte. Man produziert Zahlen, man fantasiert, und alle Anhänger sollen nicken. Und wisst ihr was, ich bin 58 Jahre alt, ich war 30 Jahre daran beteiligt, ich habe mein Leben dieser Sache gewidmet – als Westlicher, nicht als Palästinenser – und ich werde nicht irgend jemandes Trottel sein. Ich werde keine Zeit mehr verschwenden, ich bin müde, ich bin es wirklich, ich habe die Geduld damit verloren. Ich bin der Gurus müde, ich bin der Sekten müde. Entweder wir ergreifen die Gelegenheit, Menschen zu erreichen, oder vergesst es einfach. Es ist Zeitverschwendung. Der Versuch, diese albernen kleinen Spielchen zu spielen, dieser dreischichtige Kuchen, ihr und ich wissen genau, wovon wir sprechen. Denn wenn wir die Besatzung beenden und 6 Millionen Palästinenser zurückbringen, die gleiche Rechte für Araber und Juden haben, dann gibt es kein Israel. Darum geht es wirklich.

Und ihr glaubt, ihr könnt jemanden an der Nase herumführen? Ihr denkt, ihr seid so clever, dass Menschen das nicht für sich selbst herausfinden können? Sie verstehen die Rechnung bestens (…) Ihr müsst zumindest ehrlich sein über das, was ihr wollt: “Wir wollen Israel verbannen, und das ist unsere Strategie, um es zu erreichen.” Okay, dann seid aufrichtig damit. Aber diese Art Doppelsprech, dieses einfallsreiche “oh, wir sind neutral wegen Israel”. Nein, ihr seid nicht neutral. Ihr wollt Israel nicht. Dann sagt es doch! Aber ihr wisst ganz genau, wenn ihr das sagt, habt ihr kein Gebet, das die breite Öffentlichkeit erreicht.“

Norman Finkelstein ist kein Freund Israels. Im Gegenteil: Er ist ein Feind des israelischen Staates mit Verbindungen zur Hisbollah. Er hat aber für einen kurzen Moment offenbart und gezeigt, wie viele Europäer, Amerikaner, und sogar Israelis den palästinensischen „Marschbefehlen“ folgen, während sie vorgeben, freie unabhängige westliche Vertreter von Wahrheit und ethischen Grundsätzen zu sein.

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