Ich wallraff mich auf!

Jetzt ist es auch mir passiert: Ich bin Teil einer Mohammed-Karikatur geworden, ohne es gewollt zu haben. Ich bin somit ein wenig wie Cindy Lee Garcia. Sie ist eine Schauspielerin aus dem Film „Innocence of Muslims“. Cindy Lee Garcia gab letzte Woche bei einem Gericht in Los Angeles an, dass sie über die mit dem Film verfolgten Absichten getäuscht worden sei. Konkret beklagt sie eine Verletzung ihrer Privatsphäre, Betrug, Verleumdung und eine Absicht, ihr zu schaden, wie aus der Klageschrift hervorgeht.

In meinem Fall heißt der Mann, der ist darauf angelegt hat, mir zu schaden Erhard Arendt. Er kommt aus Dortmund und hat die berühmte Mohammed-Karikatur von Kurt Westergaard genommen und das Gesicht von Mohammed mit meinem Gesicht ausgetauscht. Das Bild finden Sie hier. Erhard Arendt gibt Mohammed somit nicht nur irgendein Gesicht wie Kurt Westergaard, was vor ein paar Jahren einen mörderischen Karikaturenstreit ausgelöst hat, vergleichbar mit den Unruhen, wie wir sie heute im Umfeld des Films „Innocence of Muslims“ erleben, Erhard Arendt gibt Mohammed ein ganz spezifisches Gesicht: Meins!

Somit sind alle folgende Interpretationen des Bildes von Erhard Arendt möglich:

Mohammed ist ein Schauspieler.

Mohammed isst gerne Schweinefleisch.

Mohammed liebt Hunde.

Mohammed hat Männer gefickt.

Mohammed liebt ganz besonders die Länder Deutschland, Süd-Korea, Israel und die USA.

Mohammed findet es gut, wenn Frauen keinen Schleier tragen.

Mohammed feiert gerne Weihnachten.

Mohammed fastet nicht!

Mohammed ist Mitglied im Sylter Heimatverein.

Das sage nicht ich, sondern das sind mögliche Interpretationen der Karikatur von Erhard Arendt. All diese Eigenschaften treffen nämlich auf mich zu und wenn Erhard Arendt der Mohammed-Karikatur schon mein Gesicht gibt, so lässt er zu, dass all diese Eigenschaften auch Mohammed zugeschrieben werden können. Sowas passiert eben, wenn man sich ein Bild von Mohammed macht! Der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff hat übrigens dazu aufgerufen, weitere Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen.

„Solange sich nur einzelne Individuen oder Medien an dieser Demonstration von Freiheit beteiligen, wird nicht viel erreicht“, sagte Wallraff dem Tagesspiegel. Zeitungen, Illustrierte und Magazine müssten überschwemmt werden mit Karikaturen zu allen Religionen, so der Journalist. „Das wäre eine deutliche Botschaft.“ Sich angesichts der Proteste gegen Mohammed-Darstellungen „wegzuducken“, sei genau der falsche Weg. Damit würden diejenigen ermutigt, die mit „Drohungen, Einschüchterungen und mordlüsternen Aktionen Terrain gewinnen wollen.“

Ich bin der Meinung, Günter Wallraff hat Recht. Darum gebe ich jetzt hier bekannt, dass ich Erhard Arendt nicht verklagen werde, weil er ohne mich zu fragen eine Karikatur von Mohammed mit meinem Gesicht angefertigt hat. Im Gegenteil: Ich gestatte sogar jeder Person, diese Karikatur von Erhard Arendt zu veröffentlichen, auch wenn nicht wenige diese Karikatur mit Sicherheit als Schmäh- und Hetzbild aus Dortmund bezeichnen werden und ich so Gefahr laufe, bedroht zu werden. Günter Wallraff hat ganz einfach Recht. Wegducken ist genau das Falsche! Daher gilt für mich ein: Ich wallraff mich auf!

Aber bitte sorgen Sie bei der Vervielfältigung der Karikatur dafür, dass deutlich wird, dass ich diese Karikatur nicht selbst gemacht habe. Erhard Arendt hat die Karikatur gemacht und macht deutlich:

„vielleicht weisen sie ihre leser und „nieveauvollen“ schmutzkommentatoren auch noch auf die urheberrechte hin, die ich an meinen collagen besitze.“

Erhard Arendt erklärt somit, dass Sie zwecks der Veröffentlichung seine Zustimmung brauchen. Tapfer im Nirgendwo widerspricht dieser Erklärung selbstverständlich nicht.

Näheres finden Sie unten in der Kommentarspalte, wo Erhard Arendt sich auslässt. Er sieht mich schon im Knast und Schmerzensgeld blechen. Putzig.

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