Der WDR kritisiert „Allein unter Deutschen“

Gestern erschien bei Suhrkamp das Buch „Allein unter Deutschen“ von Tuvia Tenenbom. Dort berichtet der Autor von einer schier unglaublichen Beziehung des WDR mit einem Mann, der in einer Resolution, die vom Oberbürgermeister Kölns und allen Parteien im Kölner Stadtrat bis auf die LINKE unterzeichnet wurde, als Verbreiter einer „Botschaft des Hasses“ bezeichnet wird. Der WDR wiederum hat dieses Buch am gleichen Tag in der Sendung „Scala“ auf WDR 5 besprochen.

Kein Problem, werden manche denken, der WDR ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit einem Programmauftrag; mit Sicherheit wird die verantwortliche Redakteurin Maria Ott dafür sorgen, dass die tiefe Befangenheit des WDR ob der wahrhaft skandalösen Anschuldigungen in Richtung der Anstalt nicht verheimlicht wird und die problematische Verwicklung des WDR mit dem Buch zur Sprache kommt.

Nichts dergleichen. Der Kritiker Günther Ginzel lässt sich stattdessen darüber aus, dass der Autor Jude und amerikanische Israeli ist und dazu noch als „Sahnehäubchen“ Sohn eines Rabbiners, der das typische „jüdische Klischee“ bediene, immer witzig und sarkastisch zu sein. Wessen Klischee das ist, darüber schweigt sich Ginzel aus, sagt aber, das der Autor mit seiner „Selbstinszenierung, als des über allen Stehenden, der über alles seine Witzchen macht“ ihm „auf den Wecker“ gehe. Tenenbom sei nicht mehr lustig, sondern „peinlich bis dumm.“

Da hält es dann auch die Moderatorin Claudia Dichter nicht mehr, die fragt, ob man in dem Buch etwa das Bild des „hässlichen Deutschen“ erwarten könne. Ginzel verneint dies zwar, aber es ist schon spannend zu hören, dass der Moderatorin bei Ginzels Beschreibung von Tenenbom sofort dieses Bild und diese Suggestivfrage einfällt. Was soll man aber auch von einer Moderatorin erwarten, die sagt, Tuvia Tenenbom sei ein Mann, „dessen Vorfahren im Holocaust zum Opfer fielen.“ Im Holocaust wurden Juden nicht ermordet, am Ende gar von Deutschen, nein, sie „fielen zum Opfer“. Passiert schon mal in Deutschland. Da kann keiner was für.

Bei solchen Worthülsen und „jüdischen Klischees“ erscheint der Vorwurf Tenenboms, der WDR arbeite mit dem Betreiber einer antisemitischem Hasswand zusammen, recht angemessen.

Der WDR jedoch schweigt sich zu dieser Problematik aus und echauffiert sich lieber darüber, dass ein Jude sarkastisch ist.

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Eine Reaktion des WDR finden Sie hier: „WDR konnte nichts abschieben – ihn trifft keine Schuld“

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