Apokalypse Wow!

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Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine Liste der ausgebliebenen Untergänge:

Jesus: Schon der Junior-Chef der Christen war im Weltuntergangsgeschäft. Er sprach unter anderem: „Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft.“

Montanus: Er sah in sich selbst den von Christus verheißenen Messias. Aus ihm entstand etwa im Jahr 160 der Montanismus in Kleinasien. Die Mitglieder glaubten, Offenbarungen des Heiligen Geistes zu besitzen, die ihrem Gründer Montanus angesichts des nahen Weltendes eingegeben worden seien. Ihre strenge Ethik war auf eine Erneuerung und Vervollkommnung der kirchlichen Lebensordnung (Martyrium, Ehe, Fasten, Buße) ausgerichtet.

Hippolytus: Er war römischer Kirchenschriftsteller und wurde im Jahr 217 vermutlich erster Gegenpapst in der Geschichte des Christentums. Er ging davon aus, dass die Erde 5500 v. Chr. erschaffen wurde und insgesamt 6000 Jahre alt werden würde. Seinen Anhängern lehrte er: „500 Jahre werden nach der Geburt Christi noch vergehen, dann wird das Ende gekommen sein.“

Abbo von Fleury: Er war Mönch und lebte in zehnten Jahrhundert an der Loire. Er rechnete die Johannes-Offenbarung nach um kam zum Schluss, die Welt würde 979 untergehen.

Sylvester II: Er war erster französischer Papst ab dem Jahr 999. Er verkündete, dass um Mitternacht des 31. Dezember 999 die Welt untergehen würde. In der christlichen Welt brach eine Massenhysterie aus. Als die Welt am ersten Januar des Jahres 1000 jedoch noch stand, beruhigte sich das Volk wieder. Papst Sylvester II zog sich aus der Affäre, indem er einfach behauptete, nur seine Gebete hätten den drohenden Weltuntergang verhindert.

Radolf Glaber: Er war Mönch und Geschichtsschreiber aus Burgund und lehrte im Gegensatz zu vielen anderen seiner Zeitgenossen, dass die in der Offenbarung des Johannes erwähnten 1000 Jahre bis zur Apokalypse erst vom Tod Christi an zu zählen seien und somit das Jahr 1033 das Ende sei.

Johannes von Toledo: Er war Astronom und sagte im Jahr 1179 voraus, dass der Weltuntergang im Jahre 1186 mit verheerenden Erdbeben und Stürmen beginnen würde. Im September dieses Jahres standen nämlich sämtliche Planeten im Zeichen der Waage, was für Toledo ein sicheres Zeichen für das kommende Ende war. In Europa brach daraufhin wieder einmal eine Massenhysterie aus. Der Kaiser von Byzanz ließ alle Fenster seines Palastes vermauern. Der Erzbischof von Canterbury ordnete ein dreitägiges Fasten, um Britannien auf das jüngste Gericht vorzubereiten.

Joachim von Fiore: Er war katholischer Abt und lehrte, dass der Messias wieder erscheinen würde, wenn die Erde sieben Phasen durchlaufen hätte. Im Jahr 1200 waren nach seiner Lehrmeinung 40 Generationen seit Christus vergangen. Daraus leiteten seine Anhänger den Weltuntergang für das Jahr 1260 ab.

Girolamo Savonarola: Er war katholischer Priester und predigte seit 1490 die baldige Ankunft des Messias und das Strafgericht Gottes predigte. Er prophezeite den Weltuntergang für das Jahr 1500.

Martin Luther: Er ließ die Welt gleich mehrmals untergehen: 1532, 1538 und 1541. Nachdem er sich ein drittes Mal verrechnet hatte, hängte er seinen Job als Weltuntergangsprophet an den Nagel und gab er sich ganz seinem Judenhass hin, stiftete zum Bauernmord an und wurde Religionsstifter des Glaubens, aus dem noch viele evangelikale Propheten kriechen sollten.

Michael Stifel: Er war im 16. Jahrhundert Professor für Mathematik an der Universität Jena und Pfarrer in der kleinen kurfürstlichen Residenz Lochau. Am Neujahrsabend 1533 verkündete er in seiner Gemeinde, dass er aus bestimmten Wortrechnungen, die auf die Gleichsetzung der Buchstaben mit den aufeinanderfolgenden Dreieckzahlen fußen, den Weltuntergang für den 19. Oktober 1533 um 8 Uhr früh datieren könne. Und jetzt raten Sie mal, wer diesen Pfarrer eingeführt hat. Bingo! Martin Luther! Die Worte des Pfarrers waren fatal. Viele Bürger bestellten ihre Äcker nicht mehr und beteten stattdessen. Beten war bei den Nachfolgern von Martin Luther immer schon eine gern gegebene Antwort auf Probleme. Später sollte zum Beispiel Pfarrerin Margot Käßmann das Beten mit der Taliban als gebotene Reaktion auf den Terrorismus verkünden.

Sabbatai Zevi. Er wurde im Jahr 1665 von vielen jüdischen Gemeinden in Europa und im mittleren Osten als der Messias anerkannt. Als er jedoch ein Jahr später zum Islam konvertierte folgte ihm kaum noch jemand.

Christoph Kolumbus. Ja, auch er! Der genuesische Seefahrer vertraute weniger auf „die Vernunft, die Mathematik und die Weltkarten“ als auf Berechnungen von Kardinal Pierre d’Ailly, wonach „noch etwa 155 Jahre fehlen, bis die 7000 voll sind, nach denen das Weltende kommt“. Kolumbus entschied sich für das Jahr 1666, weil die drei Sechsen ja irgendwie teuflisch sind. Seine Reise begriff er übrigens als eine Etappe auf dem Weg ins endzeitliche Paradies und unterschrieb seine Briefe mit „Christoferens“ was soviel heißt wie: „Bringer Christi“.

Pierre d’Ailly: Er war Kardinal und sagte 1419 das Weltende zunächst für 1692 voraus und dehnte später den Zeitraum bis 1789 aus. Sicher ist sicher.

Joanna Southcott. Sie prophezeite den Weltuntergang für 1814. Schon über 60 Jahre alt, behauptete sie mit dem wahren Messias schwanger zu sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich eine größere Zahl von Anhängern, auch der besitzenden Schichten, um sie versammelt. Deren Spenden ermöglichten ihr ein gutes Auskommen. Die wohl vorgetäuschte Schwangerschaft fand bei Tausenden Glauben, der selbst dadurch nicht bei allen Anhängern erschüttert wurde, als sie starb, ohne überhaupt schwanger gewesen zu sein. 100.000–140.000 Personen führten nach ihrem Tod den Kult weiter und glaubten, dass Joanna 1874 wiedergeboren würde. Sie warteten auf ihre Reinkarnation und die angekündigte Geburt des Messias. 1817 kam es in London zu Tumulten, als Tausende ihrer Anhänger in weißen Gewändern durch die Straßen rannten und religiöse Parolen riefen. Mittlerweile ist der Kult ausgestorben. Schade.

William Miller. Er war amerikanischer Babtistenprediger und verkündete den Weltuntergang im Jahre 1818. Es gab an den Termin aus den Wörtern und Zahlen der Bibel errechnet zu haben: 22. März 1844. Viele Anhänger verkauften daraufhin all ihr Hab und Gur. Nachdem der ‚Doomsday-Termin‘ verstrichen war, gab Miller bekannt, sich geirrt zu haben. Uppps. Er hätte vielmehr Beginn der ‚Reinigung durch Christus‘ gemeint. Seitdem gibt es die Sekte der Adventisten.

Edward Irving: Er war britischer Prediger und sagte den Weltuntergang für das Jahr 1864 voraus. Aus seiner Anhängerschuft ging später die Neuapostolische Kirche hervor.

Zeugen Jehovas. Im Jahre 1874 sollte für die Zeugen Jehovas nach Aussagen ihres Gründers Charles Taze Russell die Welt zum ersten Male untergehen. Aber da sie sich gegen Ende des Jahres noch immer drehte, verlegte er den Weltuntergang rasch auf den 1. Oktober 1914. Das Datum berechnete er aus dem Buch Daniel, Kapitel 4. In diesem ist von „sieben Zeiten“ die Rede. 7 Zeiten zu 360 Tage, das macht insgesamt 2520 Tage. Diese wurden wiederum als 2520 Jahre ausgelegt. Logisch. Gemessen wurde dann von 607 vor Christus, ist doch klar. Als die Erde auch an den Tag nicht unterging, verkündeten die Oberen, dass Christus unsichtbar gekommen war und nur von wahren Gläubigen gesehen werden konnte. Der nächste Termin für den Weltuntergang war dann 1925. Im Jahre 1975 schließlich ging für die Zeugen Jehovas die Welt dann zum vierten Male unter. Live dabei war die Zeitschrift Erwachet, Nr.8 22.4.1967.

Jesus, Martin Luther, die Adventisten, die Neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas, wo immer jemand einen neuen religiösen Laden aufmacht, gibt es den Weltuntergang im Sonderangebot. Wer fehlt noch? Richtig! Die Mormonen!

Joseph Smith. Der Gründer der Mormonen predigte am 14. Februar 1835 auf einer Versammlung: „Das das Kommen des Herrn ist nahe, es sollen noch 56 Jahre bis dahin vergehen.“ Es war übrigens Valentinstag.

Michael Baxter. Er war Pfarrer und Herausgeber des „Christian Herald“ und verkündete, dass 1896 hundertvierundvierzigtausend gläubige Christen entrückt werden und fünf Jahre darauf die Welt untergehen würde.

Das 20. Jahrhundert war voll von Weltuntergangsexperten. Im Mai 1910 näherte sich der Halleysche Komet zum 27. Male seit seiner ersten Beobachtung der Erde. Eine wahre Hysterie brach aus. Tausende von Menschen in Europa versammelten sich in Kirchen und beichteten ihre Sünden. Hunderte begingen Selbstmord. Andere wiederum verschenkten Haus und Habe oder gaben sich einem Vergnügungstaumel hin. In Oklahoma mußte die Polizei ein Mädchen vom Altar der Select Flowers retten, die den Allmächtigen mit einem Menschenopfer zu besänftigen versuchten. Es folgen hundert Jahre des Untergangs.

1953 sollte die Welt untergehen laut dem Buchautor David Davidson.

1957 wiederum errechnete der kalifornische Pastor Mihran Ask.

Am 22. April 1959 erwarteten Hunderte von Anhängern der Davidianer auf ihrer Farm in Waco, Texas, vergeblich auf die Ankunft des Messias.

1960 Piazzi Smyth untergehen. Der schottische Astronom hatte dies 1860 durch Abmessung der Pyramiden ermittelt. Im selben Jahr warteten auch die Mitglieder der Sekte des Bruder Emman am Fuße des Montblanc vergeblich auf das prophezeite Ende der Welt.

Am 4. Februar 1962 sollte die Welt untergehen laut Sybille von Prag, einer Wahrsagerin aus dem 17. Jahrhundert.

1969 war das Jahr des Untergangs für Charles Manson. Er behauptete, die Beatles wären „Engel der Apokalypse“ und ihre Songs wie „Helter Skelter“ oder „Revolution Number 9“ enthielten Botschaften über die Zukunft.

1973 erklärte David Moses, der Gründer von „The Children of God“, zum Jahr, in dem ein Komet die Erde treffen und alles Leben in den Vereinigten Staaten vernichten würde. 1986 dann sollte die Welt ins Chaos fallen und 1993 Jesus kommen, um die Scherben aufzuwischen.

Am 28. Juni 1981 ging die Welt unter laut der Lighthouse Gospel Tract Foundation aus Arizona. Auch der Fernsehprediger Arnold Murray tippte auf 1981. Der Evangelist Bill Maupin wusste es sogar ganz genau: 30. Juni 1981. Wim Malgo erklärte 1982 zum letzten Jahr.

1988 war dann richtig Untergangsstimmung. Charles Taylor riet seinen Gläubigen, im Jahr 1988 in das Heilige Land zu reisen, denn wenn sie sich ein Zimmer am Olivenberg nehmen würden, könnten sie die Rückkehr des Herrn aus nächster Nähe beobachten. Der christliche Fernsehkanal Trinity Broadcasting Network legte den Weltuntergangstermin auf den 10./11. September fest. Der Kanal unterbrach sein reguläres Programm und sendete den ganzen Tag Instruktionsvideos für Ungläubige, welche Verhaltensmaßnahmen bei einer plötzlichen Himmelfahrt der Angehörigen zum Inhalt hatten. Der Vorsitzender der Christian Communications, Hart Armstrong, errechnete den 29. September 1988. Wim Malgo, der schon mal das Jahr 1982 zum Ende erklärt hatte, rief allerdings mit Norbert Lieth schon den Mai 1988 zum Ende aus. Paul Kuhn, nicht der Klavierspieler sondern der Leiter der Michaelsvereinigung, errechnete den 8. Mai 1988 und sprach:

„Bald ist die Zeit da, wo euere Kinder geholt werden – all diese reinen, unschuldigen Geschöpfe Gottes sollen gerettet werden – sollen nicht diesen Heuschrecken und Skorpionen ausgesetzt werden, die euch quälen werden – fünf Monate lang. Die Auserwählten unter euch, die mit den Kindern geholt werden, werden mit unseren Helfern für sie sorgen. Es wird ihnen an nichts fehlen – glaubt mir, sie werden es wunderbar haben. Einige Zeit werden sie auf unseren Mutterschiffen zubringen. Später werden sie an einen wunderschönen Ort gebracht werden.“

In den 90er Jahren gab es schließlich High Life in allen untergehenden Gassen. Der Führer der südkoreanischen Dami Mission Church, Lee Jang Rim, legte den Weltuntergang auf denn 28. Oktober 1992. Vier von seinen 20.000 Jüngern brachten sich daraufhin aus Angst um. Hunderte verließen Familie und Arbeitsplatz. Der Sektenführer mußte anschließend ein Jahr ins Gefängnis.

1993: Wieder Waco. Wieder die Davidianer. In Erwartung des nahen Weltuntergangs verschanzen sich die Mitglieder der Davidianer auf der Ranch Apokalypse des Gurus David Koresh. Als Polizisten das Anwesen nach mehrwöchiger Belagerung stürmten, gingen 85 Sektenmitglieder in den Feuertod.

Der 24. November 1993 war das Date für Marina Tsvigun. Sie war Führerin und selbsternannte MessiasIn der Großen Weißen Bruderschaft. Die Anhänger sahen mit ihren weißen Gewändern, dem spitzen Hut und dem Schäferstock zwar ein wenig so aus wie Apokalypse in Disney-Land, aber nicht weniger als 500.000 Sektenmitgliedern planten den organisierten Massenselbstmord, der durch das rechtzeitige Eingreifen der russischen Behörden jedoch verhindert werden konnte.

1994 waren es nur 53 Gläubige die in Anbetracht des Weltuntergangs in den Freitod gingen. Jo Di Mambro und Luc Jouret waren Führer der Sonnentempler und erklärten, nach dem Freitod sollten die 53 Seelen in feinstofflicher Form durch den Kosmos zum Planeten Sirius fliegen, wo sie zu christusähnlichen Sonnenwesen werden würden. Die Erde solle währenddessen den apokalyptischen Bach hinunter gehen. Da 38 von den 53 Opfern den Transit zum Planeten Sirius nicht freiwillig machen wollten, halfen mitfühlende Glaubensgeschwister nach. „Die Stunde der Offenbarung ist gekommen, es ist die Stunde der Apokalypse“, verkündete der ehemalige Truppenarzt und Obermotz der Sonnentempler Luc Jouret kurz vor dem dramatischen Ende. Am 15. Dezember 1995 wurden dann auch in einem Waldstück bei Grenobel die Leichen von 16 weiteren Sonnentemplern gefunden. Sie brachten sich um, weil sie maßlos darüber enttäuscht waren, beim ersten Transit zum Sirius übergangen worden zu sein. Am 22. März 1997 schließlich fand die Feuerwehr in einem Landhaus im kanadischen Québec fünf verkohlte Leichen. Drei verstörte Kinder, die sich in einem Nebengebäude aufhielten, erklärten gegenüber der Feuerwehr, dass sich ihre Eltern auf dem Weg zum Planeten Sirius gemacht hätten. Dies sei bereits der zweite Versuch gewesen, da es beim ersten Transit einige Pannen gegeben hätte. Da die Kinder nicht noch einmal einen misslungen Transit erleben wollten, bettelten sie dieses Mal um ihr Leben. Nach einer langen Auseinandersetzung betäubte sie ihr Vater, bevor er sich zum Sirius aufmachte.

Den September 1994 erklärte der amerikanische Fernsehprediger Harold Camping vor Millionen von Zuschauern zum Monat des Weltuntergangs.

1996 war das Jahr, dass schon im Jahr 1659 vom irischen Erzbischof James Ussher, nicht der Rapper, zum Jahr des Untergangs errechnet wurde. Der Erzbischof rechnete allerdings auch in die andere Richtung und konnte den Tag der Schöpfung genau bestimmen: „Unsere Welt wurde im Jahre 4004 v. Chr. erschaffen, und zwar am 26. Oktober um 9 Uhr in der Früh.“ Was war das wohl für ein Wochentag?

Das Jahr 1996 erklärte eine Deutschlehrerin und Anhängerin der Sternengeschwister zum Weltuntergangsjahr: Es kämen zu einem Atomkrieg und ein Überleben auf der Erde sei ausgeschlossen. Allerdings gäbe es einen Notausgang im „lichtdurchfluteten Universum“. Tausende von Raumschiffen seien für die Evakuierung von allen Kindern und den Anhängern der Sternengeschwister im Anflug. Lehrer, die ihre Schüler mit Angst erziehen, gab es schon immer. Früher waren es Hexen und Teufel, heute ist es das Waldsterben, obwohl beim Waldsterben mittlerweile bewiesen ist, dass es ihn nicht gab!

Den 10. April 1997 ermittelten die Kanadier Dan Miller und Bob Wadsworth vom Biblischen Astronomischen Nachrichtenblatt durch das Lesen der Zeichen am Himmel.

Mitte der 90er Jahre hatten schon viele Menschen die Klimawissenschaft verlassen und eine Klimareligion gegründet. Aus einer wissenschaftlichen Theorie wurde ein Dogma. Was darf bei einem Dogma nicht fehlen? Richtig: der Weltuntergang! Die Internationale Hellsehervereinigung erklärte den Zeitraum zwischen Ende 1997 und Anfang 1998 zum Anfang vom Ende. Die Meere würden kleiner werden, die Wüsten expandieren. Die Welt unter Missernten und Hungersnöte leiden und das Wetter völlig verrückt spielen. Geisteskrankheiten und Gewalt würden sprunghaft zunehmen, die Naturgesetze außer Kraft treten und Dämonen erscheinen. Plagen würden sich mit ungebremster Kraft über den Erdball ausbreiten. Spätestens im Jahr 2001 sollte die Menschheit endgültig vernichtet werden.

Der 25. Juli 1998 war der „X-Day“ für Bob alias J.R. Dobbs. Er war Führer und Hohepriester der Curch of the SubGenius und sah für den Sommer 98 Außerirdische vom Planeten XISTS kommen, um die auserwählten SubGenii auf die Raumschiffe eines Sex-Gottes zu beamen. Der Rest der Bevölkerung würde sehr langsam vernichtet werden. „Und es war Sommer!“ Als der Herbst dann kam, war der Hohepriester nicht um eine Antwort verlegen: Leider seien das Artefakt, auf dem das Datum stand, auf den Kopf gestellt worden – nicht 1998, sondern 8661 sei das richtige Datum! Da haben wir ja noch etwas Zeit. Ficken?

Oktober 1998 war dem House of Yahweh zufolge der Beginn des Weltuntergangs. Bis zum Jahre 2001 sollen 80% der Weltbevölkerung aufgrund von Atomkriegen hinweggerafft worden sein. Na dann: „HOY, HOY, HOY!“

Im November 1998 sollte nach Natalia de Lemeny Makedonovas Meisterwerk „Ewige Gesetze – neue Menschheit – spirituelle Transformation“ (erschienen vermutlich im Missing Tasse Verlag) Immanuel, der Sohn des Schöpfers und Herrscher des tausendjährigen Reiches, in Slowenien geboren werden. Als Zeichen seiner Geburt sollte ein Stern am Himmel erscheinen, der von jedem Punkt der Erde gesehen werden kann. Mit seiner Geburt sollte dann die Reinigung der Erde eingeleitet werden. Diese Frau hat bei Putzen mit höchstätzenden Mitteln offenkundig keine Handschuhe benutzt.

Einige Zahlenmystiker errechneten das Jahr 1998. In der Offenbarung des Johannes heißt es schließlich: „Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres“ Na dann mal los: Die Zahl des Teufels ist 666. Gott aber ist dreifaltig. 3 mal 666 ist? Wahnsinn! Das ist Wissenschaft. Pure Mathematik!

1999 war der späteste Termin für die Ashtar-Command-Vereinigung. Das Ende der Zeit hätte aber auch schon zwischen 1984 und 1996 kommen sollen. Alle Gläubigen sollten von Ausserirdischen rechtzeitig über TV, Radio und Telepathie über eine Evakuierung informiert werden. Im Jahr 2000 erklärte dann die Vereinigung, den Außerirdischen um Ashtar sei es gelungen, die Reinigung der Erde ohne Weltuntergang vorgenommen zu haben. Glück gehabt!

Für das Jahr 1999 erwartete die Führerin von Fiat Lux und selbsternanntes Sprachrohr Gottes, Uriella, die unter anderem in ihrer Badewanne Heilwasser anrührte, den Einschlag eines Planetoiden. Ganze Erdteile sollten dabei verschwinden, aber dafür im Bermuda-Dreieck der versunkene Kontinent Atlantis wieder erscheinen. Ein Polsprung würde die Erde aus der Achse kippen und weitere Naturkatastrophen nach sich ziehen. Währenddessen würden China, die USA, Russland und Europa Krieg führen. Nur ein Drittel der Menschheit sollte die Katastrophen überleben.

Der österreichische Geologe und Politiker der Vereinte Grüne Österreichs, Alexander Tollmann, war davon überzeugt, dass im September 1999 ein Komet auf die Erde einschlagen würde. Als Folge sollte ein 600 Grad heißer Sturmwind und ein gigantisches Erdbeben mehrfach um die Erde gehen. Dadurch würde ein Weltenbrand entstehen, durch dem es zu einer weltweiten Verdunkelung durch Staub u. Wolkenschichten kommen sollte. Einen Monat später sollte dann der Dritte Weltkrieg beginnen. Die Endschlacht vermutete er in Köln. Wo sonst? Er war übrigens überzeugter Nostradamusforscher.

Apropos Nostradamus: Der Herr der Propheten sagte für 1999 folgendes im Vers 10/72 voraus: „Jahr Neunzehnhundert Neunundneunzig, im siebten Monat wird vom Himmel der große Schreckenskönig kommen.“ Im Juli 1999 gewann Lance Doping Armstrong seine erste Tour de France. Ich sag es nur.

Apropos Frankreich: Der Pariser Stardesigner und Hobbyprophet Paco Rabanne war sich ganz sicher, dass am 11. August 1999, dem Tag der Sonnenfinsternis, die russische Raumstation Mir auf die Erde stürzte und dabei Paris zerstörte. Als die Katastrophe ausblieb entschuldigte er sich in den Medien und kündigte an, nie wieder eine Prophezeiung abzugeben.

Die Wende 1999/2000 war dann eine Fest der Apokalyptiker. Aus allen Ecken erklangen die Rufe: „Apokalypse Wow!“

Eine nicht näher benannte Indonesische Sekte auf Java erklärte der 9. September 1999 um 9 Uhr zum Weltuntergang. Der selbsternannte Bibelexperte Dotson Meade errechnete aus den Qumran-Rollen vom Toten Meer jedoch den 19. Dezember 1999. Der Stadtdirektor der neuseeländischen Stadt Christchurch, Mike Richardson, öffnete die städtischen Schwimmbäder für Massentaufen, da er am 31. Dezember 1999 Besuch von Jesus erwartete. Auch Joseph Kibweteere, der Anführer der Bewegung für die Wiedereinsetzung der Zehn Gebote Gottes in Uganda legte den 31. Dezember 1999 als Termin für den Weltuntergang fest. Im Januar 2000 verlegte er den Untergang dann auf den 17. März 2000. An dem Tag sollte die Jungfrau Maria erscheinen und alle Gläubigen in den Himmel führen. Am Stichtag versammelten sich seine Anhänger in der Kirche des Dorfes Kanungu, sangen stundenlangem geistliche Lieder, übergossen sich dann mit Benzin und zündeten sich an. Die meisten der 560 Toten, darunter auch viele Kinder, verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Nach dem Massaker fanden sich in Uganda noch zahlreiche Massengräber mit Toten, die ihren Anführer nicht freiwillig folgen wollten und deshalb von Glaubensgeschwistern getötet wurden.

Der 1945 verstorbene amerikanischer Prophet und Wahrsager Edgar Cayce sah im Jahr 2000 das Ende der Welt. Die französische Laienschwester Jeanne Le Royer wusste das allerdings schon im 18. Jahrhundert, die 2000 das Ende des Papsttums erwartete und danach den Untergang der Welt. Der Bischof von Oxford, Hugh Latimer, war noch schneller. 1552 schrieb er: „The world was ordained to endure, as all learned men affirm, 6000 years. Now of that number there be passed 5552 years, so that there is no more left but 448.“ Was macht 1552 plus 448? Richtig! Das Jahr 2000 war ebenfalls Weltuntergangsjahr für die Fernsehastrologin Elizabeth Tessier, Vater Gobbi von der Marienbewegung, Hal Lindsey mit seinem Buch „The Late Great Planet Earth“, Norbert Lieth, der unermüdliche Verkünder von Weltuntergangsterminen und Überraschung: manche Zeugen Jehovas.

Der deutsche Untergangsprophet Hans Jürgen Ewald wusste es ganz genau: Im Jahr 2000 sollte ein schwarzes Loch in unser Sonnensystem vordringen und den Merkur zerstören. Ein Trümmerstück des Merkur sollte dann die Erde treffen und eine 400 Meter hohe Flutwelle auslösen.

Reverend J.S. Malan aus Kapstadt sah im Jahr 2002 die Welt untergehen.

In der Nähe von Atlanta hatten sich achtzig Amerikaner unter der Führung eines selbsternannten Häuptlings mit dem Namen Black Eagle Malachi York einen religiösen Zufluchtsort geschaffen, den sie Tama-Re nannten. Im Ort stand eine zwölf Meter hohen Pyramide. Dort warteten sie darauf, dass die Prophezeiungen ihres Führers Wirklichkeit werden. Black Eagle Malachi York behauptete in der Galaxy Illyuwn geboren worden zu sein und lehrte, dass im Jahr 2003 ein Raumschiff landen würde um 144.000 ausgesuchte Menschen mitzunehmen. Mittlerweile sitzt der Häuptling im Knast wegen Kindesmissbrauch. Sein Entlassungstag ist der 15. Dezember 2119. Vielleicht geht aber vorher die Welt unter. Guten Chancen hat der Häuptling im Jahr 2012. Da sehen viele das Ende nahen.

Michael Drosnin, der Autor des Buches „Der Bibelcode“, gibt an, in der Thora eine geheime Botschaft entdeckt zu haben, aus der hervorgehen soll, dass im Jahr 2012 ein Komet auf der Erde einschlagen und alles Leben vernichten wird. Auch die Seherin Sakina Blue Star kommt auf das selbe Jahr. Allerdings interpretierte sie die Sagen der Hopi-Indianer, nach denen die Menschheit schon dreimal vernichtet worden sein soll. Das erste Mal, als sich die Erdachsen verlagerten; das zweite Mal in der Eiszeit und das dritte Mal während der Sintflut. Nun soll das Ende der 4. Welt gekommen sein. Der Klassiker aber ist der Maya-Kalender. Er endet heute am 21. Dezember 2012 und das soll auch das Ende der Welt sein. Wenn das stimm, fällt Weihnachten aus und Jesus hat sich nur um runde 2000 Jahre vertan. Für einen Gottessohn nicht schlecht.

Sollte 2012 die Welt nicht untergehen, müssen wir uns auf einen der berühmtesten Wissenschaftler der Menschheitsgeschichte verlassen. Sir Isaac Newton errechnete den Untergang der Welt auf das Jahr 2060.

Sollte Newton wider Erwarten Unrecht haben, bleibt noch Beda Venerabilis Er war christlicher Theologe im 8. Jahrhundert und errechnete, dass Jesus 3942 Jahre nach Erschaffung der Welt geboren wurde. Da die große Woche 6000 Jahre dauere, sei somit das Ende im Welt im Jahr 2076 zu erwarten.

Sollte auch der ehrwürdige Beda sich verrechnet haben, liegen die letzten Hoffnungen wohl auf Helen Exeter. Sie ist die Gründerin der Panacea Society. Die Panacea Society wurde gegründet, um die Schriften und Überzeugungen von Joanna Southcott, eine Seherin im London des frühen 19. Jahrhunderts zu verbreiten. Helen Exeter legte die Rückkehr des Messias auf das Jahr 1914 fest, nachdem der Termin im Jahre 1814 geplatzt war. Ihren Irrtum erlebte sie nicht mehr, sie ertrank im Frühjahr 1914. Nun legt die Panacea Society alle ihre Hoffnungen in eine verschlossene und versiegelte Kiste aus Ms. Southcotts Nachlass, die das Datum der Rückkehr enthüllen soll. Dummerweise darf diese Kiste nur im Beisein aller Bishöfe der Kirche Englands geöffnet werden. 1997 schaltete die Panacea Society eine Serie von Zeitungsanzeigen, um diese zu versammeln.

Es besteht also noch Hoffnung für den Untergang!

Zum Schluss präsentiert Tapfer im Nirgendwo jetzt noch einen kleinen Ausschnitt aus Ghostbusters II.

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