Bereit zur Zerstörung

Am Rande des Gipfeltreffens islamischer Staaten in der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat der iranische Diktator Ahmadinedschad folgendes gesagt:

“Das iranische Volk ist bereit zum Marsch auf Israel um es zu zerstören, wenn Israel das Abenteuer eingeht und einen Angriff gegen den Iran startet. Die Zionisten glauben den Iran angreifen zu können, aber sie haben Angst vor der iranischen Reaktion und den Folgen eines solchen Angriffs. Unsere Kräfte können jeden Aggressor abschrecken und ihn Lehrgeld zahlen lassen.”

Es ist müßig, darauf hinzuweisen, dass von israelischer Seite, trotz brutaler und anhaltender Erklärungen von Vernichtungsabsichten, noch niemals der Ruf der Zerstörung einer ganzen Nation erklungen ist. Müßig auch, darauf hinzuweisen, dass Israel in dem Krieg, der ihnen erklärt wurde, stets versucht hat, die Schäden bei den Feinden gering halten. Müßig auch, darauf hinzuweisen, dass Israel selbst in Kriegszeiten auch Menschen aus den verfeindeten Gebieten auf Staatskosten behandelt hat. Als das ist jetzt müßig. Wichtig ist nur noch eins:

Der iranische Diktator hat angekündigt, Israel zerstören zu wollen, wenn ein Angriff von Israel ausgeht.

Der Iran will also einen möglichen Angriff nicht abwenden, oder sich verteidigen, so wie es Israel seit der Gründung tun muss, nein, im Falle einen Angriffs, will der Iran ganz Israel zerstören. Das ist die Logik der Nazis: Sympathien und Verständnis schaffen für eine totale Vernichtung von Israel. Jetzt braucht Ahmadinedschad nur noch einen Angriff. So wie ich Ahmadinedschad kenne, wird er sich dafür von Hitler inspirieren lassen. Er hat schon so oft bewiesen, dass er von Hitler gelernt hat. Ahmadinedschad braucht jetzt einen Reichstagsbrand oder besser noch einen Angriff auf den Sender Gleiwitz.

Der Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939 war eine von der SS fingierte Aktion mit dem Tarnnamen Unternehmen Tannenberg. Er ist der bekannteste einer Reihe von Vorfällen, die als propagandistischer Vorwand für den Polenfeldzug, den Beginn des Zweiten Weltkrieges, dienten.

Ahmadinedschad hat einst angekündigt, ganz transitiv, Israel müsse von den Seiten der Zeiten verschwinden. Das Verschwinden von Israel ist somit für Ahmadinedschad keine Verhandlungssache sondern ein erklärtes Ziel. Verhandelt werden muss nur noch über die Art und Weise der Vernichtung. Und da hoffe er nun auf Sympathien und Verständnis der Welt.

Ich fürchte, er wird auf viel Verständnis stoßen und zwar nicht nur bei Günter Grass, der schon als junger Bub nicht nur keinen Widerstand gegen die Nazis leistete, sondern Mitglied bei der SS war und selbst heute noch, in reiferen Jahren, mit letzter Tinte schreibt, Israel gefährde den „ohnehin brüchigen Weltfrieden“. Mit dieser Überzeugung ist er ganz auf Ahmadinedschads Linie. Auch Ahmadinedschad findet, Israel gefährde den „ohnehin brüchigen Weltfrieden“ und wenn die Gefahr zu groß wird, dann ist er bereit für die „Endlösung“.

Als „Endlösung der Judenfrage“, kurz „Endlösung“, bezeichneten die Nationalsozialisten seit Juli 1941 ihr Ziel, alle von ihnen als Juden definierten Personen in Europa und darüber hinaus zu ermorden. Dieser Euphemismus sollte den Holocaust nach außen tarnen, nach innen ideologisch rechtfertigen. Ahmadinedschad ist in diesem Sinne ein typischer Nazi. Er tarnt nach außen und rechtfertigt nach innen.

Ab jetzt muss sich jeder Mensch auf der Welt darüber im klaren sein, dass wenn er behauptet, Israel plane einen Angriff auf den Iran, er dadurch Ahmadinedschad die Rechtfertigung zur totalen Vernichtung gibt. Günter Grass hat vor ein paar Monaten Israel vorgeworfen, mit dem Gedanken zu spielen, den Iran vernichten zu wollen. Grass schrieb:

„Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.“

Diese Unterstellung war und ist nichts weiter als die Phantasie eines Mannes, der sich von Israel nur das Schlimmste vorstellen kann, so wie sich die Nazis einst nur Horrorgeschichten von Juden ausmalen konnten. In der Propagada der Nazis planten die Juden die Unterwanderung und Zerstörung der Welt. Nichts davon war wahr! Stattdessen planten die Nazis am Wannsee die Vernichtung der Juden. Das war wahr! Heute faseln Ahmadenedschad und Grass von einem Vernichtungswillen Israels. Nichts davon ist wahr. Dafür hat der Iran nun von der Vernichtung Israels gesprochen. Das ist wahr!

Jahrhundertelang wurden Juden angeklagt, die Welt vernichten zu wollen, damit man sie dann vernichten konnte. Die Unterstellungen waren immer erstunken und erlogen. Warum sollen diese Lügen auf einmal wahr sein? Weil es Israel gibt? Mit Israel sollen sich Juden auf einmal gewandelt haben zu den Unmenschen, als die sich die Judenhasser sie über die Jahrhunderte vorgestellt hatten? Wer das glaubt, hat den Wesen des Judenhass‘ nicht einmal im Ansatz verstanden.

Die „Israelkritik“ in ihrer dämonisierenden, delegitimierenden und doppelte Standards nutzenden Art ist nichts weiter als die alte Propaganda, die die Judenhasser immer schon brauchten, um Juden vernichten zu können. Ahmadinedschad hat angekündigt, Israel vernichten zu wollen, wenn es einen Angriff auf den Iran plane. Jakob Augstein hat nicht nur letztes Jahr gesagt:

„Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: “Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.” Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“

Grass hat es also auf sich genommen, den Satz zu sagen, von dem Augstein behauptet, dass er wahr sei und den Ahmadinedschad braucht, um Israel vernichten zu können.

Aber Antisemiten sind sie selbstverständlich alle drei nicht.

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