Der neue Papst

Stellen Sie sich vor, sie treffen an einer Bar einen Mann und kommen mit ihm ins Gespräch. Während des Gesprächs stellt sich sehr schnell heraus, dass der Mann Mitglied in der NPD ist. Vermutlich würden sie das Gespräch sofort abbrechen. Jetzt stellen Sie sich aber vor, der Mann an der Bar ist schwarz und nicht nur Mitglied in der NPD sondern Spitzenkandidat!

Momentchen mal, werden Sie wahrscheinlich denken, wie rechtsradikal muss der Mann eigentlich sein, damit selbst die Nazis über seine Hautfarbe hinwegsehen? Ein schwarzer Mann, der es geschafft hat, Spitzenkandidat der NPD zu werden, muss schon ein echter Super-Nazi sein, wenn überzeugte Rassisten ihn gewählt haben.

Natürlich ist dieses Beispiel mehr als unwahrscheinlich, aber ich möchte damit eine Frage klären: Warum glauben so viele Menschen, ein schwarzer Papst wäre auch gleich ein fortschrittlicher Papst?

Ist es nicht sehr viel wahrscheinlicher, dass gerade in einer Religionsgemeinschaftlich, die als durchaus eurozentristisch bezeichnet werden kann, da sie ihre Wurzeln in Europa hat und nicht selten am Imperialismus in Form von brutalen Missionierungen teilgenommen hat, ein Rassismus zu finden ist, der vermuten lässt, dass ein schwarzer Mann schon erzkreuzkatholischkonservativ bis hinten gegen sein muss, um in dieser Kirche eine Karriere bis zum Spitzenamt hinlegen zu können?

Ein schwarzer Papst ist kein Obama!

Obama ist Mitglied der Demokratischen Partei. Auch in der Demokratischen Partei gibt es Rassismus! Wir dürfen nicht vergessen, dass Lincoln Republikaner war und die Gegner der Sklaverei bei den Republikanern und nicht so sehr bei den Demokraten zu finden waren. Die ersten afro-amerikanischen Senatoren waren allesamt Republikaner: Sen. Hiram Revels, Rep. Benjamin S. Turner, Robert DeLarge, Josiah Walls, Jefferson Long, Joseph Rainey und Robert B. Elliott; allerdings wechselte Hiram Revels 1874 zu den Demokraten.

20130221-182930.jpg

Zudem wurden die sogenannten „Jim Crow Laws“, die in den USA in den Jahren 1876 bis 1964 eine Rassentrennung vorschrieben, auch von Demokraten eingeführt. Obama musste also schon ein erzdemokratischer Senator sein, um Präsident werden zu können. Auch die Republikaner hatten bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 2012 einen schwarzen Spitzenkandidat: Herman Cain. O Wunder, er hatte eine erzrepublikanische Agenda! Auch bei den Republikanern gibt es schließlich Rassismus.

Warum sollte es bei der katholischen Kirche anders sein? Auch dort gibt es Rassismus. Ein Kardinal, der es bis zum Papstamt schaffen will, muss vermutlich erzkatholisch sein.

Jedenfalls kann nicht automatisch angenommen werden, ein schwarzer Papst sei allein schon wegen der Hautfarbe besser als ein weißer Papst. Die Möglichkeit des guten und gerechten Handelns ist nicht an der Hautfarbe gekoppelt. Wer was anderes behauptet, ist ein Rassist! Die Möglichkeit einer Karriere jedoch ist aber leider immer noch und nicht selten an der Hautfarbe gekoppelt und da komme ich zum Ausgangsbeispiel zurück: Ein schwarzer Spitzenkandidat der NPD muss schon verdammt rechtsradikal sein, um an so eine Position zu kommen.

Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentieren Sie!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s