Neues Video von ‏شاهین نجفی‎

Shahin Najafi hat ein neues Video produziert und ich habe die Ehre, ein Teil des Ganzen zu sein! Ab Minute 3:13 kommt mein kleiner aber feiner Auftritt. Es ist übrigens die einzige Szene, in der Shahin Najafi selbst zu sehen ist. Er ist der Mann mit der Sonnenbrille hinter mir.

Shahin Najafi ist ein iranischer Musiker mit derzeitigem Wohnsitz in Deutschland. Ich lernte ihn im letzten Jahr kennen, als eine Fatwa vom Großayatollah Lotfollah Safi Golpayegani, ein Todesurteil, über ihn gesprochen wurde. In seinem Lied “Naqi” hatte er für Frauen- und Männerrechte und für die sexuelle und politische Befreiung gesungen und dabei den 10. Imam um Hilfe gebeten. Die staatlich kontrollierten Medien Irans verbreiteten daraufhin einen Tötungsbefehl gegen ihn. Ich veröffentlichte daraufhin eine Solidaritätserklärung!

Das ist ein Jahr her. Es ist gut zu wissen, dass sich Shahin Najafi nicht hat einschüchtern lassen, sondern einfach weiter macht. Shahin ist eben ein Künstler. Jetzt ist ein neues Video von ihm raus. Hervorragend! Und ich bin dabei. Großartig!

Eat this haters!

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18 Antworten zu Neues Video von ‏شاهین نجفی‎

  1. DeSerebrjanik schreibt:

    Verstehe nur Bahor. Heißt „Frühling“, wenn ich mich noch richtig an das usbekische Äquivalent erinnere. Frühling…
    Tolles Lied und tolles Video!

  2. Schum schreibt:

    Korrektur: Leichen werden nicht erstickt.

    PS. Bin selbst darauf gekommen.

  3. abusheitan schreibt:

    Nachdem ich auf der „Achse des Guten“ folgende Geschichte gelesen hatte, wusste ich, wer die Hakenkreuze gemalt hatte! Vor meinem geistigen Auge sah ich eine nächtliche Prozession den Hügel hinanziehen, Männer mit komischen Fellhüten und komischen Locken, die Schalen voller Blut (christlicher Kinder?) trugen, um damit das Denkmal rituell zu besudeln!

    Jewish Marketing

    Two beggars are sitting side by side on a street in Rome , Italy .
    One has a Cross in front of him; the other one is holding the Star of David.
    Many people go by, look at both beggars, but only put money into
    the hat of the beggar sitting behind the Cross

    The Pope comes by. He stops to watch the throngs of people giving money to
    the beggar who holds the Cross while none give to the beggar holding the Star of David.

    Finally, the Pope approaches the beggar with the Star of David and says,
    “My poor fellow, don’t you understand? This is a Catholic country; this city is the Seat of Catholicism.
    People aren’t going to give you money if you sit there with a Star of David in front of you, especially when you’re sitting beside a beggar who is holding a Cross. In fact, they would probably give more money to him just out of spite.”
    The beggar with the Star of David listened to the Pope, smiled, and turned to the beggar with the Cross and said, “Moishe, look who’s trying to teach the Goldstein brothers about marketing!”

    Muss unbedingt der Hausfrau aus dem hinteren Kandertal, dem Rentner, dem Walter und auch dem Ken und all den andern „Israelkritikern“ Bescheid geben! 😈

  4. Schum schreibt:

    Danke Ihnen zunächst, lieber Gerd Buurmann, für diese Nachricht von Shahin Najafi. Gut zu wissen, daß er wohlauf ist und nicht daran denkt, innerhalb seines Verstecks auch noch in der Versenkung zu verschwinden. Sie gehören mit Matthias Küntzel und Günther Wallraff zu den wenigen, die dem Verfolgten beigestanden haben. Verfolgte zu schützen, ist außer Mode gekommen, es sei denn ein Unglücklicher wird von Fatwas aus dem Simon-Wiesenthal-Zentrum bedroht.

    Ein packendes Video mit suggestiven Bildern, ja. Das wiederkehrende Wort (ein Name?) nozli ähnelt zufällig dem Hebräischen nasil bzw. nosel (flüssig, Flüssigkeit) und scheint auf die weiße Flüssigkeit hinzuweisen, die sich über den Bildschirm ergießt.

    Über das unmittelbar Berührende hinaus möchte man natürlich verstehen, in welcher Welt sich die junge Frau bewegt.

    Zum Iran würde die als Sperma (Zwangsheirat, Besudelung), als Erbrochenes, als Grabenkalk fließende Masse passen. Doch wir sind offensichtlich nicht im Iran, und dies nicht nur, weil der leibhaftige Buurmann darin vorkommt. Es ist Deutschland mit seinen Schlägern, seinen unverhüllten Weibern, mit Grau und Graus. Doch Deutschland ist kein Land, in dem Frauenleichen in Plastikhüllen erstickt werden, und grau-grausig ist es nur, glaube ich, für einige wenige.

    Wer ist also diese Frau, in welchem Alptraum lebt sie?

    Shahin Najafi ist ein politischer Künstler, er wird keine existentialistischen Bilder um ihrer selbst willen produzieren.

    Am ehesten stellt man sich vor, daß die Abfolge Sperma/ Erbrochenes/ Grabenkalk – wenn man die weiße Flüssigkeit denn so deuten will – das Los muslimischer Mädchen wiedergibt, die wegen „Verwestlichung“ von ihren Angehörigen ermordet werden. Man denkt an die 18-jährige Arzu Özmen, die am 1. November 2011 von ihren männlichen Verwandten erschossen wurde, weil sie einen ungläubigen Deutschen geliebt hatte. Man denkt an die 17-jährige Sohane Benziane aus Vitry-sur-Seine, die 2012 von ihrem ehemaligen Freund und zwei seiner Kumpel lebendig verbrannt wurde. Man denkt an die 23-jährige Ghofrane Haddaoui aus Marseille, die im Oktober 2004 von zwei Typen gesteinigt wurde, weil sie den einen abgewiesen hatte. Dann fügen sich die Video-Bilder zusammen: Die geilen, brutalen oder satt-gleichgültigen Männer sind in dieser Lage ebenso wenig eine Hilfe wie die kurzberöckten Zicken, die das Fremde, Einsame geradezu riechen und sich darüber erheben.

    Wie wunderbar Persisch klingt, wenn es nicht von Ahmadinejad gesprochen wird.

    Ein ergreifendes Video. Ein Kunstwerk. Danke Shahin Najafi, danke Gerd Buurmann.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Danke. Vielen Dank für die lieben Worte.

    • kleines Südlicht schreibt:

      Wunderschönes Video. Wunderschönes, tieftrauriges Lied!

      Auch wenn ich mich dem Wunsch nach einer Übersetzung mit anschließe. Ich denke zwar, die hört sich nicht halb so gut an – aber Schum hat recht, wer das Video sieht will wissen, wer die Frau „ist“, wie sie ist.

      Die weiße Farbe verhält sich in allem wie Blut (manchmal auch Tränen) – außer daß sie nicht rot ist – erinnert mich aber auch an die Reaktion auf einen anderen Toten [ http://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Giuliani ], besonders wenn die Hauptperson einen Handabdruck damit hinterlässt: dort gab es tagelange Demonstrationen sehr vieler Leute, die sich zum Zeichen ihrer gewaltfreien Demonstration die Hände weiß angemalt hatten. Hier sieht es niemand außer der Frau, wenn sie schließlich erschossen wird – nichtmal derjenige, der durch die Farbpfütze läuft. Und / oder es kümmert keinen.

      Insofern würde ich entweder „Tränen“ raten oder „Blut“ wg. dem Titel-Wort und bin gespannt auf die richtige Übersetzung…

    • Aristobulus schreibt:

      Schum, in der englischen Interlinearübersetzung, die ich bekam, steht Nazli als Name der Frau, um die es in dem Gedicht geht.
      Vielleicht hängt der Name mit Nasr zusammen?, bedeutet also ca. Queenie. Leider heißt sie aber NAZLI.
      Ich habe dann mal nachgesehen, wer alles Nazli heißt und hieß, um eine Idee zu kriegen. Es ist ein arabischer Vorname, den ich einfach nur furchtbar finde ;), pardon!, arghh. Nazli.
      So heißt man nicht. Natalie ging auch nicht, weil zu dicht an Jacques Brel und überhaupt zu unorientalisch und zu unpassend, und eine ägyütische Prinzessin, die ich beim Wikipedia fand, hieß in der Tat Nazli Fasl, so heißt man doch doppelt nicht! :D, pardon. Zumal deren Mutter véritablement Fawzika hieß. Auch das noch! Ein Mann just Namens Fawzi ist ein großer Unterstützer des Muftis al-Husseini gewesen, hat zig Juden ermordet, dafür steht dieser Name, und so klingt auch sein Name fast wie Nazli. Ach ungut 😉

      Man kann Nazi nein Nazli aber auch Naslee schreiben, so wird endlich ein Name draus.

      – Zur Farbe Weiß fiel mir etwas ein. Die weiße Flüssigkeit ist das einzige Element dieses Films, das nicht in dessen Welt gehört. Ein schwarzweißer Film!, Straßen und Menschen und Gegenstände in Abstufungen aus Grau übersetzt, graue Gesichter dunkelgrau schattiert, fast schwarze Augen, und eine bizarre Maske aus schwarzweißgrauen Rastern. An der dann diese weiße Farbe hinuntertropft. Da taucht sie zuerst auf.

      Jeder Gegenstand und jedes Détail des Films sind eine Übersetzung aus der Wirklichkeit, nur diese weiße Flüssigkeit nicht. Kandinsky schreibt in „Über das Geistige in der Kunst“ (1912) über Schwarz und Weiß, dass es keine Farben sind, sondern Ausdrücke: Schwarz ist vor dem Anfang aller Farben, weil alle Farben aus dem Schwarz stammen, und Weiß ist das Ende, die Undurchdringlichkeit. Weiß sei der Tod, so schreibt Kandinsky.

      Blut lässt sich in einem schwarzweißen Film nur grau darstellen. Shahin Najafi stellt den Tod weiß dar, als weiße undurchdringliche Flüssigkeit ohne Rückseite, die es in der realen Welt nicht gibt, nur als seelisches Bild, weil es der Tod ist, was er da darstellt, kein Blut.

      Blut ist äußerst lebendig. Blut als Farbe schreit einen an. Die weiße Flüssigkeit im Film jedoch ist undurchdringlich, und so bald sie rinnt, ist es schon der Tod.
      – Ein realer Blutstrom lässt sich stillen!, und vielleicht gibt es dann ein Überleben. Nicht aber beim Auftritt der weißen Flüssigkeit dort im Film.

      • Schum schreibt:

        Danke für Deine stoffreiche Bemerkung, Aristobulus.
        Natalie zu dicht an Jacques Brel? Pauvre Bécaud! Wo doch die Wahrscheinlichkeit, daß Gilbert seine Natascha durch die Champs-Élysées würde führen dürfen, ohnehin gering war. Jetzt verliert er sie noch an Jacques.
        Gute Woche!

        • Aristobulus schreibt:

          Oj, nein hélas, stimmt!, es war nicht die Lerche, es war die Nachtigall!
          Indem man Bécaud wohl einst verdrängte ;), kommt’s eines Tages doch raus, wer mit wem wo ging.

          Schawua tov far Dich

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  6. Roger schreibt:

    Ich bin jedem Menschen dankbar, der den Hatern, egal ob aus Teheran, Dortmund oder Köln, die Stirn zeigt.

    Danke Shahin Najafi, danke Gerd Buurmann!

    PS: an einer Übersetzung wäre ich auch interessiert 😉

    • Aristobulus schreibt:

      Bitte sehr:

      Naslees Tod
      ( von Shahin Najafi. Übersetzung: Robert Cohn )

      Naslee!, der Frühling lacht in Blüten hell und blau.
      Jasminduft weht dir ins Fenster zu Hause.

      Was soll dir der Zweifel, Naslee?
      Was sollen dir Ringkampf und Tod?
      Werden!, aber Vergehen ist nichts jetzt,
      wenn es blüht!

      Naslee sagt mir kein Wort. Beißt sich die Lippen mit Groll,
      bleibt wund,
      geht stolz aus der Tür.

      Naslee!, sag mir ein Wort!
      Ein Vogel brütet und schweiget im Baum,
      brütet und wartet,
      das Küken im Ei,
      das Küken das stirbt.

      Naslee sagt mir kein Wort.
      Hell wie die Sonne erhebt sie sich,
      bricht durch den Horizont,
      dann
      erstickt sie an Blut und an Nacht,
      und sie geht.

      Naslee sagt mir kein Wort.
      Naslee, der Stern.
      Dann
      im Sickerlicht
      leuchtet sie auf,
      sie springt auf.
      Sie geht.

      Naslee sagt mir kein Wort.
      Naslee das Veilchen.
      Sie blüht, sie weht mit den Dolden:
      „Der Winter ist aus!“
      Und sie geht.

  7. abusheitan schreibt:

    Eine Übersetzung wäre gut! 😉

  8. Malte S. Sembten schreibt:

    Hab’s mir angeseh’n. Gratulation, dass Sie dabei sind, Herr Buurmann!

    Und Gratulation an Shahin Najafi.

  9. Bergstein schreibt:

    Herr Buurmann haben Sie in dem Video den Herrn Arendt gespielt?

Seid gut zueinander!

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