Veronika, der Benz ist da!

Ich möchte zunächst mit einer klugen Aussage von Prof. Dr. Wolfgang Benz beginnen:

„Wirkliche Kritik setzt Sachkenntnis voraus. Verallgemeinerung hingegen ist das Kochrezept aller Vorurteile.“

Prof. Dr. Wolfgang Benz ist Antisemitismusforscher in Deutschland. Er forscht worunter andere leiden. Nur scheint es ihm nicht zu gefallen, dass Juden unter dem Antisemitismus leiden. Wäre ja noch schöner, wenn Juden sich nun auch noch als Opfer des Antisemitismus bezeichnen würden. Für Benz leiden nicht Juden unter dem Antisemitismus sondern Muslime!

Anfang 2012 ermordete ein islamistischer Attentäter in Frankreich gezielt drei jüdische Kinder und einen jüdischen Vater. Ein Unbehagen mit Israel brachte den Mörder dazu. Kinder morden, weil sie Juden sind, ist eine Tat, wie wir sie von den Nazis kennen. Dahinter steckt nichts weiter als die brutale Ideologie des Judenhass. Prof. Dr. Benz aber sagte dazu:

„Ich erkenne bisher trotz der Brutalität der Tat keine neue Dimension eines Antisemitismus in Europa. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob die Morde wirklich ein antisemitisches Motiv hatten, oder die Opfer von einem Terroristen zufällig ausgewählt worden sind.“

Der Benz unter den Antisemitismusforschern ist sich also nicht ganz sicher, ob es Antisemitismus ist, wenn Kinder ermordet werden, weil sie Juden sind. Eins aber weiß er ganz genau: Am 16. Mai 2013 erklärte er in der Bibliothek des Deutschen Bundestages, dass das „Feindbild der Juden durch Muslime ersetzt“ worden sei. Dabei stört es Benz überhaupt nicht, dass die meisten Menschen, die zur Zeit Juden morden, sich selbst als gute Muslime verstehen.

Muslime haben ein Antisemitismusproblem, sagt Benz, aber nicht, weil viele Muslime Juden hassen, sondern weil Muslime, laut dem Benz unter den Antisemitismusforschern, die neuen Opfer des Antisemitismus‘ sind. Da muss man erst mal drauf kommen!

„Gemeinsam ist diesen Vorurteilen die Einteilung in Gut und Böse sowie das Phänomen der Ausgrenzung. Oftmals dient eine solche Denkweise der Anhebung des eigenen Selbstbewusstseins, auch um soziale Frustrationen zu lindern.“

Nun könnte Benz natürlich darauf hinweisen, dass auf Schulhöfen und Straßen das Wort „Jude“ wieder als Schimpfwort gebraucht wird, nicht selten von Jungs und Mädels, die sich selbst als Muslime sehen, aber die neuen Opfer des Antisemitismus‘ sollen ja die Muslime sein.

Muslime in Deutschland haben es schwer, das ist überhaupt keine Frage. Sie haben unter Rassismus, Ausgrenzung und Xenophobie zu leiden wie viele andere Gruppen leider auch. Wolfgang Benz hat Recht, wenn er folgendes sagt:

„Dabei ist die Muslimfeindschaft in der Bloggerszene besonders infam. Morde an Muslimen werden dort zum Teil freudig begrüßt.“

Im Internet findet sich haufenweise widerlicher Hass, aber „Muslimfeindschaft“ mit Antisemitismus zu vergleichen, hinterlässt einen ganz bitteren Beigeschmack. Wenn es nämlich um Antisemitismus geht, sind viele Muslime nicht Opfer sondern Täter! Als ich eines Mitternachts Facebook nach antisemitischen Einträgen durchsuchte, war der Anteil von Muslimen, die sich judenfeindlich positionierten, beängstigend hoch.

Es sind natürlich nicht die und noch weniger alle Muslime, die ein Problem mit Juden haben, aber die größte Gefahr für Juden geht zur Zeit von Menschen aus, die sich als Kämpfer Allahs sehen. Im letzten Jahrhundert versuchte in Europa ein wahnsinniges Regime, Deutschland „judenfrei“ zu machen. Das Regime wurde 1945 gestürzt. In anderen Gebieten der Welt ist Adolf Hitlers Ansinnen jedoch realisiert worden. Die Länder Algerien, Saudi-Arabien, Jordanien und Libyen erklären stolz, dass keine Juden mehr in ihrem Land leben. In den Regionen Ägypten, Irak, Libanon, Syrien und Jemen ist in den letzten siebzig Jahren durch gezielte Vertreibung die jüdische Bevölkerung von 850.000 auf unter 10.000 reduziert worden. Es handelt sich bei allen Ländern um islamistische Regime. Noch heute sind in der arabischen Welt die Werke “Mein Kampf” und “Die Protokolle der Weisen von Zion” auf den Bestsellerlisten zu finden.

Heute sind es Minister, Wissenschaftler und Journalisten der muslimischen Welt, die Juden zu Ungeziefer und Bakterien erklären, die ausgerottet gehören. Ein Minister der Hamas erklärt sogar:

„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen!“

Währenddessen werden im Kinderprogramm der muslimischen Welt Kinder dazu ermutigt, Juden zu hassen und zu töten.

Aber auch in Deutschland wird ein großer Teil der judenfeindlichen Taten von Menschen begangen, die sich selbst als muslimisch bezeichnen. In Hannover wurden Juden von Menschen des muslimischen Glaubens mit Steinen beworfen. In Frankfurt forderten Muslime bei einer Demonstration die Vergasung von Juden. In Duisburg wurde ein Fenster mit einer Israelfahne so lange von Demonstranten mit muslimischen Glauben mit Steinen beworfen, bis die Polizei in die private Wohnung stürmte und die Flagge entfernte.

„Es gibt keine Weltverschwörung der Muslime“, betont Wolfgang Benz. „Mit ihren Verschwörungstheorien tingeln einige Autoren durch die Talkshows und bemühen sich, als Experten wahrgenommen zu werden – allerdings als Experten für Dinge, die nicht existieren: Es gibt schlicht keine Weltverschwörung der Muslime, wie sie mancher dieser zweifelhaften Autoren ausgemacht haben will. Nichtsdestotrotz verkaufen sich solche Thesen glänzend.“

Natürlich gibt es keine muslimische Weltverschwörung, genauso wenig wie es eine jüdische Weltverschwörung gibt und gab. Dennoch ist dieser Vergleich infam, da erstens die judenfeindliche Schmähschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“, die von einer jüdischen Weltverschwörung phantasiert, gerade in der muslimischen Welt reißenden Absatz findet; und zweitens: Weil es zwischen dem Islam des 21. Jahrhunderts und dem Judentum des 19. Jahrhunderts einen klaren Unterschied gibt!

„Das Feindbild der Juden wird heute durch das Feindbild der Muslime ersetzt“, sagt der Benz unter den Antisemitismusforschern.

Ich aber frage: Wann wurden jemals im Namen des Judentums Hochhäuser mit tausenden von Bewohnern in die Luft gesprengt? Wann wurden im Namen des Judentums Anschläge auf Züge verübt und Botschaften angezündet. Wann hat ein Jude in Europa das letzte Mal muslimische Kinder ermordet? Wo also sind die Parallelen, Herr Benz? Viel eher muss der Satz so lauten:

„Das Feindbild der Juden wird heute von Muslimen besetzt.“

Prof. Dr. Wolfgang Benz aber kam am 16. Mai 2013 in der Bibliothek des Deutschen Bundestages zu einem anderen Schluss: Es sei „höchste Zeit“. Die Deutschen müssten endlich aus ihrer Geschichte lernen.

„Denn was ist die Kultur der Erinnerung, auf die wir in Deutschland so stolz sind, wert, wenn wir die Diskriminierung der Juden heute bei einer anderen Gruppe wiederholen?“

Der Benz unter den Antisemitismusforschern ist also stolz auf seine Erinnerungskultur, so stolz, dass er dagegen ist, die Diskriminierung der Juden bei einer anderen Gruppe zu wiederholen. Er schaut aber weg, wenn heute eine andere Gruppe in Deutschland die Diskriminierung der Juden an Juden wiederholt! Da ist Benz deutscher Traditionalist.

Ich möchte daher zum Schluss das erste angeführte Zitat von Prof. Dr. Wolfgang Benz wiederholen:

„Wirkliche Kritik setzt Sachkenntnis voraus. Verallgemeinerung hingegen ist das Kochrezept aller Vorurteile.“

Prof. Dr. Wolfgang Benz lässt einen großen Mangel an Fachkenntnis erkennen und wird so Opfer eines fatalen Vorurteils. Er kann Muslime nur als Opfer wahrnehmen, nicht aber als Täter. Das ist einer der gefährlichsten Vorurteile!

Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.