Licht und Sterben

Darf man einer Frau dabei zuschauen, wie sie stirbt?

Diese Frage wird sich bald vielleicht jeder Mensch fragen müssen, denn eine Frau aus Seattle mit dem Namen Navenna Shine plant, ihren eigenen Tod live im Internet zu übertragen. Obwohl, technisch gesehen plant sie nicht ihren Tod zu filmen, sondern ihren Sieg über die Körperlichkeit. Navenna Shine plant ein Experiment, in dem sie versucht, für bis zu sechs Monaten auf nichts anderes zu leben als auf Sonnenlicht.

Shine ist Gründerin der Sekte Living on Light und glaubt fest an die Möglichkeit der Lichtnahrung. Die sogenannte Lichtnahrung wurde vor allem durch die Australierin Ellen Greve, die sich selbst Jasmuheen nennt, bekannt. Sie behauptet, seit 1993 keine Nahrung im herkömmlichen Sinne mehr zu benötigen. Ihre pseudowissenschaftlichen Werke sollen bereits direkt verantwortlich sein für den Tod von mehreren Personen.

Nun will Navenna Shine beweisen, dass Lichtnahrung möglich ist. Für über vier Monate will sie sich rund um die Uhr von acht Kameras überwachen lassen, um zu beweisen, dass sie nur auf Licht überleben kann. Auf Ihrer YouTube-Seite läuft das Experiment nun schon seit über 30 Tage. Sie hat mittlerweile mehr als 10 Kilo verloren. Wie ich es jedoch sehe, nimmt sie immer noch Wasser und gelegentlich etwas Tee zu sich. Sie sagt jedoch, das sei nur dafür um die „Giftstoffe des Lebens“ aus ihrem Körper zu spülen. Auf Ihrer Facebook-Seite schreibt sie:

„Ich habe das Gefühl, dass mein Körper einen Punkt erreicht hat, wo er alle seine gespeicherten Fette verbraucht hat und nun auf der Suche ist, was er als nächstes konsumieren kann. Ich vermute, der Punkt ist gekommen, wo mein Körper bereit ist zu entscheiden, sich an die Quelle des Lichts zu koppeln, um auf Licht zu leben. Ich tue alles, was ich kann, um mein Bewusstsein dafür zu öffnen, auf Licht zu leben.“

Viel Glück dabei Frau Shine!

Auf ihrer Homepage wird der Versuch währenddessen als „großer Moment in der Geschichte“ gefeiert, der „vielleicht sogar eine neue Evolution der Menschheit“ einleitet. Für mich aber ist dieses ganze Experiment nichts weiter als ein Crossover von Germanys Next Top Model, Big Brother, The Biggest Loser und Mitten im Leben.

Bleibt nur die Frage vom Anfang: Darf man ihr beim Sterben zuschauen oder ist ein Wegzappen Pflicht?

***

Hervorragender Kommentar dazu von Malte S. Sembten:

„Endlich begreife ich die letzten Worte Goethes: „Mehr Licht!“ – Der Dichterfürst ist verhungert!“

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13 Antworten zu Licht und Sterben

  1. Dante schreibt:

    Ist ihr Nachname eigentlich ihr bürgerlicher oder ein Künstlername?

  2. robinmcbeth schreibt:

    Ein nutjob bringt sich um und filmt sich dabei. Wer den snuff braucht, soll glücklich werden.

  3. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Das kann doch wohl nicht wahr sein!
    Seit Monaten warten wir auf Sonnenschein und jetzt, wo er endlich da ist, frisst die Olle ihn weg.

  4. abusheitan schreibt:

    Dass man eine These viel schneller falsifizieren kann als in wochenlanger Selbstquälerei, bewies bereits 1912 Franz Reichelt in 4 Sekunden:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Reichelt

  5. abusheitan schreibt:

    Erinnert an Timothy Leary, der schon 1996 sein Sterben gerne übers Internet mit aller Welt geteilt hätte: „Die Mutter aller Parties“
    😉

  6. Spiessbratenbrötchen schreibt:

    Um Ihre Frage zu beantworten: Machen Sie doch, was Sie wollen! Egal, was Sie tun, diese Frau wird ihren Blödsinn sehr wahrscheinlich trotz allem druchziehen.

    Im Grunde eine gute Kanditatin für einen Darwin Award.

  7. Danny Wilde schreibt:

    Die, die an den Käse glauben, können ihr doch gern beim Verdünnisieren zuschauen, why not. Damit sie wissen, dass nicht nur „Luft + Liebe“ nie klappt, sondern „Wasser + Licht“ ebensowenig.

    Vielleicht könnte man der Dame bissl Brecht ans Ledersofa bringen („erst kommt…. dann…“), dieser Wohlstandspervertierten.

    Und die, die so’n Schiet nicht interessiert, können ja auch dabei zukucken. (laaangweilig.)

    Möglicherweise wäre ich bereit zu wetten, dass die nicht verscheidet, sondern munter weiter lebt.

    Entweder, weil sie grad wegen der achtkameraigen Vollüberwachung trotzdem pfuscht, oder weil irgendein Doc und irgendein Richter sich ihrer erbarmt und ihr ein Krankenhauszimmer besorgt.

    So wird’s kommen, oder so. Aber nicht urrggss.

    • Spiessbratenbrötchen schreibt:

      „Verdünnisieren“ ist das richtige Wort zur richtigen Zeit 😀

      • Aristobulus schreibt:

        Wahrscheinlich ist sie so unfassbar verfressen, dass das bloße Ansehen von Licht ihr nicht reicht – sie will es sich einverleiben.
        Geht es eigentlich noch banaler grobmaterialistischer? 😉

        Lustigerweise gibt die Dame jedoch vor, eine Anhängerin des feinstofflichsten aller Dinge zu sein, des so unstofflichsten von allen, wie nur Photonen das sein können. Die halten niemals an, haben’s immer so eilig, wie es nur eilig sein kann, denn eiliger als die Lichtgeschwindigkeit ist bekanntlich nichts und niemand je und nirgends.

        Diese Dame ist so geistig, geistiger geht’s nicht mehr. Schon gespenstisch, dass es sie anmacht, im Hellen zu verhungern.

        – Hm, kriegt so jemand eigentlich Sonnenbrand auf der Zunge?
        Und was ist mit Mondlicht? Wird man ein Werwolf, wenn man das frisst?

        Über andere, aber ganz ählich vollspinnerte, noch vollspinnertere und die allervollstspinnertsten Ideen manch älterer Frauen, an denen alles, aber auch wirklich alles vorbeigegangen ist, schreibt Akif Pirincci Feinböses dorten:
        http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/gender_geldstreaming

  8. Malte S. Sembten schreibt:

    Endlich begreife ich die letzten Worte Goethes: „Mehr Licht!“ – Der Dichterfürst ist verhungert!

Seid gut zueinander!

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