Ken Jebsen geht nicht wählen!

Zehn Jahre moderierte er für das öffentlich-rechtliche Jugendradio des rbb. Jetzt hat Ken Jebsen auf seiner Facebook-Seite angekündigt, am 22. September 2013 nicht zu wählen und fordert all seine Leser auf, ebenfalls nicht zur Wahl zu gehen!

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Tapfer im Nirgendwo sagt dazu: Danke, Ken Jebsen! Kaum etwas finde ich gruseliger als den Gedanken, dass Ken Jebsen und Co wählen gehen. Direkt unter der Erklärung, nicht zu wählen, findet sich nämlich ein Artikel, in dem die Frage aufgeworfen wird, ob die jüdische Verschwörung aka Lobby den amerikanischen Präsidenten im „Würgegriff“ hält und die Antwort fällt mehr als eindeutig aus: Natürlich! Bebildert wird der Artikel wirksam mit einem amerikanischen Präsidenten, der eine Kippa trägt.

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Natürlich gibt es Lobbys in Amerika, die für Israel wirken, aber es gibt dort eben auch Lobbys, die für Palästina arbeiten. In beiden Lobbys sind Juden vertreten. Warum soll die eine Lobby jüdischer sein als die andere? Noam Chomsky, Judith Butler und Norman Finkelstein sind Juden und extrem israelkritisch. Warum bezeichnet Ken Jebsen sie nicht als jüdische Lobby? Kann es sein, dass „jüdisch“ für Ken Jebsen eine Beleidigung ist? Für die Fans von Ken Jebsen auf jeden Fall, denn unter dem Artikel finden sich klare Kommentare:

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So langsam wird mir klar, warum Ken Jebsen nicht wählen geht: Weil die NSDAP in Deutschland verboten ist! Ken Jebsen kritisiert auf seiner Facebook-Seite ganz offen das Gebot, nur Parteien zuzulassen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung akzeptieren:

„Ich bin NICHTWÄHLER. Wahlkabinen haben die Form von DIXI-Klos. Das ist kein Zufall. Am 22. September fährt DAS SYSTEM einen Routinetest. Zur Wahl stehen ausschließlich Parteien, die DAS SYSTEM zugelassen hat. (…) Wähle. Aber wunder dich nicht, dass dir dieses System dennoch um die Ohren fliegt. Wer seine Verantwortung glaubt, abgeben zu können, irrt allerdings. Spitzenpolitiker sind wie Straßenkinder, die eine Kiste Schnellfeuergewehre gefunden haben. Was ihnen fehlt, ist die Munition. Jede Stimme ist eine Patrone. (…) 22. September. Der Tag, an dem du dich zum Opfer machen kannst. Du hast die Wahl. Es sei denn, du verstehst diese Botschaft eben nicht. Dann hattest du nie die Wahl. Dann bleibst du auf der Strecke. „

Ken Jebsen hat generell eine Schwäche für Diktaturen. An anderer Stelle erklärt er ganz frei, dass die DDR und die BRD in etwa gleich demokratisch sind, mit einem vermutlich kleinen Vorteil auf der Ostseite:

„Aber muss man wirklich am 22. September an einer Wahl teilnehmen, die industriell organisiert wurde, die von der Industrie gesponsert wird, die Industrie-Lobbyisten als politische Entscheidungsträger zur Wahl stellt, und die nichts anderes ist, als eine gelenkte Demokratie? In etwa so demokratisch ist wie die DDR – die immerhin das Wort „Demokratisch“ im Titel trug.“

So spuckt Ken Jebsen allen Opfern der DDR-Diktatur ins Gesicht und verhöhnt die Heldinnen und Helden, die gegen das Regime kämpften oder versuchten, ihm zu entfliehen und dafür verhaftet, gefoltert und getötet wurden.

Aber zum Glück geht Ken Jebsen nicht wählen und seine Fans hoffentlich auch nicht. Ich wundere mich allerdings, dass er immer noch mit der Facebook-Lobby zusammenarbeitet. Er ist offensichtlich auch nur ein Mensch, allerdings ein Mensch, bei dem der Hamster schon längst gestorben ist, das Rad sich aber immer noch dreht.

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