Ken Jebsen dreht am Rad und Jutta Ditfurth muss fegen

Eins muss man Nina Hagen lassen, sie hat eine wahnsinnig gute Stimme und einen unfassbaren Unterhaltungswert. Allerdings hat sie auch schon vor vielen, vielen Jahren den kleinen Zug nach Crazy Town genommen. Der Käse ist schon vor langer Zeit von ihrem Brötchen gefallen. Ich weiß nicht, wie ich ihren Geisteszustand sonst beschrieben kann. Am besten so: Der Hamster ist schon lange tot, aber das Rad dreht sich immer noch. Eins muss man Jutta Ditfurth lassen, sie kann im Angesicht des drehenden Rades unfassbar gelassen bleiben.

Seit einigen Tagen drehen auf Jutta Ditfurths Facebook-Seite so viele Räder, dass man damit eine Stadt wie Osnabrück für mindestens sechs Monate komplett mit Strom versorgen könnte. Wieder bleibt Jutta Ditfurth bemerkenswert gelassen und das obwohl sie unter der Überschrift „Ich trete ja auch in keinen Schützenverein ein“ einst folgendes gesagt hat:

„Einige Leute meinen, ich solle mit allen, auch mit Nazis und Antisemiten reden. Wahrscheinlich sind die unsterblich. Ich bin bescheiden, mich freut es, wenn ich den Völkischen Unterstützung raube. Niemand redet mit allen, das ist Quatsch. Ich diskutiere mit Leuten von denen ich vermute, dass mir die Diskussion was bringt: Erkenntnis, Vergnügen, brauchbare Informationen, Training… Kurz und gut: Ich werfe auch weiterhin Nazis, Völkische, Antisemiten, Homophobe usw. raus! Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen und die Wege dahin bedeckt brauner Schlamm. Man trägt nur durch offene Auseinandersetzung zur Aufklärung bei. Ich führe keinen „Diskurs“ mit Shitstürmer_innen, sondern mit Menschen, die tatsächlich an einer menschlicheren Welt, an Aufklärung und Emanzipation interessiert sind. Um die geht’s mir.“

Jutta Ditfurth tritt vielleicht keinem Schützenverein bei, wenn aber Ken Jebsen in einem offenen Brief an die Kanzlerin mit rhetorischen Salven um sich ballert, schießt auch Jutta Ditfurth zurück. Ken Jebsen fragte Angela Merkel öffentlich: „Warum ist folgendes antisemitisch? „Nationalzionisten haben Israel okkupiert wie Nazis 33 Deutschland okkupiert haben.“ Nun ist Jutta Ditfurth nicht Kanzlerin, dafür ist sie viel zu wenig Realpolitikerin, aber sie antwortete dennoch:

„Wer nicht begreift, dass diese Aussage die Shoah relativiert, den systematischen Mord an den deutschen und europäischen Juden verharmlost, der hat sehr viel historische und politische Bildung nachzuholen. Oder er oder sie steht auf der Seite der Inhumanität. Ken Jebsen und Jürgen Elsässer sind Journalisten der ANTI-Aufklärung und der braunen Vergiftung der Köpfe.
Daran ändert auch nichts, dass sie und ihre Anhänger_innen sich irgendwie widerständig fühlen oder sich manchmal vielleicht sogar einbilden, Linke zu sein. Manchmal.“

Es sind Stellungnahmen wie diese, die dafür gesorgt haben, dass sich Jutta Ditfurth seit Tagen einem Shitstorm von Ken Jebsen und seinen Fans ausgesetzt sieht. Bei diesem Sturm ist alles dabei, „Heil Hitler“-Rufe, Beleidigungen von „Pädo-Jutta“ bis „Nutte“ und Mord-Drohung. Ich kenne diese Leute, sie schreiben mich auch regelmäßig an und offenbaren ihren Hass. Auf der Seite Hassmails sammele ich die übelsten Schreiben.

Ken Jebsen ist ein wahrer Trollkönig. Dies musste ich schon 2011 feststellen, als ich die Reaktionen der Fans von Ken Jebsen las, nachdem der Vorstand des RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) von seinem verfassungsmäßig garantierten Recht auf Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit Gebrauch gemacht und Ken Jebsens Show KenFM abgesetzt hatte.

“Mensch ist das mal wieder zum aufregen!!! Ich kan diese Antisemitenheuchelei nicht mehr ertragen!!!!! Es kotzt mich an! Ein Grund mehr dieser Regierung und Co nicht zu trauen!!! Baue dir einen coolen Blog und leise Freeman schützenhilfe. Ken4President”

“Schade, dass KenFM nun Opfer der Zensur geworden ist. Mir fällt gerade keine einzige andere Sendung in den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten ein, die ähnlich aufklärerisch gewirkt hat.”

“Du bist unser Ai Weiei! Wir vergessen dich nicht.”

Ken Jebsen ist Ai Weiwei. Darunter machen es seine Fans nicht. Herzlichen Glückwunsch, RBB! Zehn Jahre konnte dieser Mann bei Euch „progressives Jugendradio“ machen und eine Fanbase sammeln, die mit solchen Kommentaren glänzten:

“Pass auf dich auf alter denk an Möllemann !!!!!!!!”

“Ich hoffe, DIE schalten Ken jetzt nicht völlig aus 😦 siehe Möllemann!”

Wenn Ken Jebsen gerade nicht Ai Weiwei ist, dann ist er eben Jürgen Möllemann und muss aufpassen. Der Möllemann nämlich, wie der gemeine KenFM Fan weiß, ist das Opfer einer Verschwörung, die ihn in den Tod getrieben hatte. Wenn man nun wissen will, wer die Verschwörer waren, muss man nur die Kommentare bei Ken Jebsen lesen:

“Kann man leicht beantworten, ohne was du unter einer abschussliste verstehts. Die FDP wollte in rauswerfen und der Jüdische zentralrat hat in auch angeklagt”

Der Zentralrat der Juden also! Wer hätte es gedacht? Damals fiel der Shitstorm von Ken Jebsen und seiner Clique so über Henryk Broder her wie heute über Jutta Ditfurth. Broder war es nämlich, der den RBB auf die Inhalte der Radioshow KenFM, die zehn Jahre lang jeden Sonntag ausgestrahlt wurde, hingewiesen hatte. Die Programmdirektorin Claudia Nothelle sagt damals:

„Allerdings mussten wir feststellen, dass zahlreiche seiner Beiträge nicht den journalistischen Standards des RBB entsprachen. Daraufhin haben wir mit ihm verbindliche Vereinbarungen über die Gestaltung der Sendung „KenFM“ getroffen. Diese hat er wiederholt nicht eingehalten.“

Die Nothelle war wirklich eine ganz Schnelle und Helle ohne Not. Als Programmdirektorin erklärte sie, dass der RBB nur zehn Jahre und Henryk Broder brauchte, um festzustellen, was für einem Maximalspinner der Sender jeden Sonntag einen Platz in seiner öffentlich-rechtlichen Anstalt gegeben hatte. Zu einer Glanzstunde jebsen’schen Journalismus gehört eine Sendung, in der er behauptet hatte, dass von einst 1027 von Israel freigelassen palästinensischen Terroristen im Oktober 2011 „wahrscheinlich nur ein bis zwei Leute einen Menschen umgebracht“ hätten. Eine glatte Lüge, wie diese Liste beweist. Wo war die schnelle Not-Helle, als Jebsen zum Terrorismusleugner wurde? In einer anderen Sendung wusste Jebsen über den Diktator Muammar Muhammad Abdassalam Abu Minyar al-Gaddafi zu berichten: „Man vergisst immer, dass Gaddafi ja 40 Jahre lang Libyen geführt hat, also irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, um 40 Jahre lang teilweise von seinem Volk gemocht zu werden.“ Ob wohl auch folgender Spruch auf dem RBB möglich gewesen wäre:

„Man vergisst immer, dass Hitler ja 12 Jahre lang Deutschland geführt hat, also irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, um 12 Jahre lang teilweise von seinem Volk gemocht zu werden.“

Der RBB erfuhr von diesen Unsäglichkeiten nicht, weil irgendein Angestellter der Anstalt selbst das eigene Programm gehört hatte, sondern weil Henryk M. Broder mal nachgehört hatte, was denn da so alles zwangsgebührenfinanziert unters Volk gesendet wird. Und was bekam Broder als Dank für seine Leistung? Das selbe, was Jutta Ditfurth heute erhält: Liebesbriefe von Jebsen-Fans.

„Damit bestätigen Sie die jüdischen Klischees perfekt. Denn dem Juden wurde seit hunderten von Jahren ja nachgesagt, dass er einen hinterlistigen, nur zu seinem Vorteil bedachten Charakter hat, und wenn man nicht aufpasst sticht er einem von hinten das Messer in den Rücken – genau DAS haben Sie mit Ihrer Rufschädigung nun bestätigt – bravo, Sie tun den netten und ehrlichen Juden damit sicherlich keinen Gefallen!!“

„Der hinterlistige Jude, der sich grad die Hände reibt und dabei grinst, so stell ich mir Sie gerade vor.“

„Wenn Juden über Fernsehsender und über den Rest der Medienwelt in Deutschland herrschen, und bestimmen wer gefeuert wird und wer bleiben darf (Ken Jebsen), dann läuft hier gewaltig etwas schief.

Das ist wirklich traurig, denn genau deswegen wurden Sie vor 60 Jahren in diesem Land ja auch so gehasst! Ich bin vielleicht mit meinen 20 Jahren noch sehr jung, aber ich kann nun ohne Zweifel sagen, dass Hitler Recht hatte! Nicht mit dem Holocaust, dieses unmenschliche und widerwärtige Verbrechen, aber mit seiner Meinung zum Weltjudentum…

Hitler hätte damals man besser alle Juden ausweisen lassen sollen und gut is. Dann hätten doch Amerika oder Frankreich oder was weiß ich wer sie aufnehmen können (genug Geld hatten die Juden ja in Deutschland sowieso schon genug angehäuft…), aber wir Deutschen wären endlich wieder frei gewesen, ohne den Marionettenspieler im Hintergrund…“

Unter den Fans von Ken Jebsen gibt es Menschen, die zwar sagen, dass der Holocaust ein „unmenschliches und widerwärtiges Verbrechen“ war, aber dennoch ohne Probleme davon überzeugt sein können, „dass Hitler Recht hatte.“

Ich kann Jutta Ditfurth daher gut verstehen, wenn sie schreibt:

„ICH WAR NOCH VIEL ZU SANFT ZU DEN ANHÄNGER_INNEN KEN JEBSENS“

Die Arbeit bleibt dennoch an Jutta Ditfurth hängen:

„Ich kehre gerade mit einem groben Besen den braunen Shistorm von meiner fb-Seite.“

Danke, Jutta.

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