Die Trennungslinie

„Die Trennungslinie verläuft bei uns nicht zwischen links und rechts, sondern zwischen freiheitlich und autoritär.“

An diesen Satz aus den Wiesbadener Grundsätzen der FDP musste ich denken, als ich heute eine mehr als erhellende Auseinandersetzung mit einer erklärten Kommunistin auf Facebook hatte. Alles fing damit an, dass sie einen Beitrag von mir kommentierte, in dem ich mich auf die FDP bezogen hatte:

Sie: Die FDP ist so weit vom Liberalismus entfernt wie die NPD von der Menschlichkeit.

Ich: Ist das nicht eine leicht geschmacklose Verharmlosung der NPD?

Sie: Etwas radikal überspitzt, aber doch eine Einladung zum Gespräch.

Ich: Etwas.

Sie: Ich habe schon öfters gelesen, dass Personen, die sich zu der FDP zugehörig fühlen, einen IQ Mangel aufweisen. Entweder einen Jahresgehalt von über 70.000 Netto oder IQ unter 70 oder auch beides. 🙂

Ich: Die Linke ist so weit von Links entfernt wie …

Sie: Ich finde es überaus traurig, dass Du so radikal geworden bist. Aber typisch FDP. Ich habe nicht angefangen, (Ach nein?) Dich zu beleidigen, jedoch ist es für dich ein Grund, mich zu beleidigen. Denk mal darüber nach, wer hier unmenschlich und antiliberal ist?

Ich: Ich Dich beleidigt? Wo? Ich unmenschlich? Geht es eine Nummer kleiner? Radikal? Ich? Allein Deine Mail ist radikaler als alles, was ich Dir je geschrieben habe.

Sie: Du hast mich persönlich angegriffen, anstatt sachlich zu argumentieren.

Ich: Wo?

Sie: Die Linke ist so weit von Links entfernt wie die …

Ich: Warum jammerst Du jetzt über eine Waffe, die Du selbst abgefeuert hast? Du kritisierst einen Satz, der nur eine abgemilderte Form eines Brutalokommentars von Dir ist.

Sie: Wenn du dich mit Deiner Partei identifizierst, dann bist du wirklich nicht weit vom Faschismus. BIST DU nicht ein Individuum? Interessante Gruppendynamik.

Ich: Eine deutlichere Relativierung des Faschismus bekommt man vermutlich nur beim Vorstandstreffen der Neofaschisten zu hören. Heute sagt eine Kommunistin: Der Faschismus ist nicht viel gefährlicher als ich. Glückwunsch! Außerdem: Du identifizierst Dich mehr mit der Partei als ich.

Sie: Mit welcher?

Ich: Der FDP. Du brauchst sie als Feindbild, eine sehr perfide Form der Identifikation. Wie sagte einst Heinrich Böll: „Ich mag keine Atheisten, sie reden mir zu oft von Gott.“

Sie: Das ist Ideologiekritik.

Ich: Du kritisierst keine Ideologie. Du lebst eine.

Sie: Du solltest Psychoanalytiker werden. Nun, gut. Wenn Du der Ansicht bist, dass Du Recht hast, dann ist es halt so. Ich beanspruche nicht die Wahrheit gepachtet zu haben.

Ich: Ich schon. Gerade jetzt zum Beispiel bin ich von meiner Ansicht sehr überzeugt.

Sie: So überzeugt, dass andere Ansichten schlichtweg falsch sind? Wenn das nicht dogmatisch ist.

Ich: Natürlich! Ich stehe zu meiner Meinung. Nennt sich Individualismus, Aufklärung, Liberalismus.

Sie: Aufklärung? Warte mal. Voltaire hat da was gesagt: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen können.“

Ich: Das war nicht Voltaire. Das war Evelyn Beatrice Hall.

Ein paar Minuten später fand ich diese Statusmeldung auf der Facebookseite der Frau:

„Weshalb, verdammt nochmal, sind FDP’ler so radikal? Entspricht es nicht dem Liberalismus, sich auch mit anderen politischen Ansichten zu befassen und sachlich darüber zu diskutieren? Aber Liberalismus ist sicherlich kein Merkmal der FDP. So, wie sich die Anhänger Verhalten ist es ein Faustschlag gegen den Liberalismus.“

Ich verstehe es auch nicht.

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