Da freuen sich die Naziis

Der 60. Eurovision Song Contest wird voraussichtlich vom 12. bis 16. Mai 2015 in Österreich stattfinden, nachdem Conchita Wurst den Wettbewerb 2014 gewinnen konnte. Die Chancen, dass 2015 mehr Länder am Eurovision Song Contest teilnehmen als 2014, könnte steigen, denn die Teilnahme von Israel ist ungewiss.

Bisher (Stand 12. Mai 2014) haben Irland, Schweden, Weißrussland, Finnland und Österreich ihre Teilnahme bestätigt. Ob eine Bestätigung von Israel kommt ist noch ungewiss. Nach lokalen Quellen plant die israelische Regierung nämlich den austragenden Fernsehsender IBA zu schließen, so dass eine Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest 2015 fraglich bleibt.

Dies könnte den Ländern Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Jordanien und Ägypten gefallen, da sie zwar alle für den Eurovision Song Contest teilnahmeberechtigt sind, aber sich bisher geweigert haben, beim Eurovision Song Contest mitzumachen. Der Grund ist schlicht wie brutal: Sie wollen sich nicht mit Juden aus Israel eine Bühne teilen.

Eine solche Haltung ist von den Nationislamisten (Naziis) bekannt. Im Jahr 2008 zum Bespiel weigerte sich der Iraner Mohammad Alirezaei bei den Olympischen Spielen am 100 Meter Brust der Männer teilzunehmen, weil der Israeli Tom Beeri ebenfalls teilnahm. Alirezaei wollte einfach nicht in ein Schwimmbecken springen, in dem auch ein israelischer Jude war.

Ähnliches ist auch im Fußball zu beobachten. Da möchte manch ein Naziisspieler auch nicht mit Juden auf einem Feld spielen. Im Jahr 1974 mussten die israelischen Fußballer nach neun Jahren Mitgliedschaft im Asiatischen Fußballverbandes (AFC) auf Druck der arabisch-muslimischen Mitglieder aus dem AFC ausgetreten. Die Internationale Föderation des Verbandsfußballs (FIFA) hätte zwar sagen können, dass sie ein Spiel gegen Israel, bei dem sich der Gegner weigert, das Spielfeld zu betreten, als Sieg für Israel wertet, weil es die Regeln der Föderation eigentlich genau so vorsehen, aber bei Juden ist das halt fast immer etwas anders. Israel wurde einfach verbandslos!

Israel wurde so verbandslos wie alle Juden vor Israel heimatlos waren. Erst im Jahr 1994 bekam der Israelische Fußballverband (IFA) wieder eine Heimat und wurde vollwertiges Mitglied des Europäischen Fußballverbands (UEFA). Der Sportjournalist Alex Feuerherdt hat zu der Geschichte Israels im Weltfußballs einen hervorragenden Artikel geschrieben, der hier zu lesen ist.

Der Eurovision Song Contest (ESC) war von Anfang an ein besseres Beispiel als die FIFA. Dort wurde einfach klar gesagt, wer ein Problem mit Israel hat, soll fern bleiben. Niemals wurde auch nur die Stimme laut, Israel so aus dem ESC auszuschließen, wie Israel vom AFC ausgeschlossen wurde. Beim ESC darf schlicht und einfach jeder mitmachen, der Mitglied der European Broadcasting Union (EBU) ist.

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Die EBU richtet seit 1956 den ESC aus. Gegründet wurde die EBU am 12. Februar 1950 im englischen Seebad Torquay. Unter Führung der Britischen Sendeanstalt (BBC) taten sich damals 23 Rundfunkanstalten zusammen, um ihre Zusammenarbeit bei der Nachrichtenberichterstattung zu verbessern. Die EBU trat damit die Nachfolge der bereits 1929 gegründeten International Broadcasting Union (IBU) an. Während des Krieges war die Organisation jedoch von den Nationalsozialisten (Nazis) zur Überwachung des europäischen Rundfunks missbraucht worden und besaß somit kein Vertrauen mehr bei den Siegermächten. Zwar war als Alternative 1946 die International Broadcasting Organisation (IBO) gegründet worden, jedoch stand der Kalte Krieg vor der Tür und die IBO hatte ihren Sitz im Osten, nämlich in Prag. Daher traten die westeuropäischen Staaten der neu gegründeten EBU bei, die osteuropäischen verblieben in der IBO, die sich später in Internationale Rundfunk- und Fernsehorganisation (OIRT). Unglaublich, so viele Abkürzungen (Abk)!

Beinahe wäre Deutschland nicht Mitglied der EBU geworden. Auf Drängen der niederländischen Delegation waren Vertreter der Bundesrepublik Deutschland (BRD) nicht eingeladen worden. Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) wurde jedoch 1952 in die EBU aufgenommen. Ebenfalls aufgenommen wurden Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen Ägypten, Libanon und Syrien. Der Grund dafür ist in den sogenannten „Radio Regulations“ der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) zu finden. Die ITU ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen (UN). Die ITU besteht seit 1865 und regelt seit 1927 völkerrechtlich verbindlich die technischen Aspekte der weltweiten Telekommunikation.

Die ITU hat die Welt in drei Funkregionen aufteilt. Die Grenze der europäischen Rundfunkzone verläuft im Westen entlang einer künstlich gezogenen Linie quer durch den Atlantik, wobei Island mit eingeschlossen wird, im Osten am 40. Längengrad Ost und im Süden am 30. Breitengrad Nord. Damit gehören große Teile Russland, der Nahe Osten und die Nordküste Afrikas zu der Europäischen Funkregion (EBA). Allein schon deshalb gehören viele Länder zur EBU, die nicht wirklich zum Kontinent Europa gehören. Es kommt aber noch besser. Bei der Gründung der EBU 1950 hatten viele Mitglieder der EBU noch Kolonien. Aufgrund der Zugehörigkeit zu einer europäischen Kolonialmacht wurden sie auch alle automatisch Teil der EBA. Dank Frankreich und dem Vereinigten Königreich (UK) kann somit eigentlich fast jedes Land beim ESC teilnehmen. Es sei denn, man hat ein Problem mit Israel. Aber das könnte sich ja für das Jahr 2015.

Die Frage ist jetzt allerdings, wie wird die EBU reagieren, wenn sich mit dem Fernbleiben Israels erstmals Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Libanon und Syrien bewerben würden?

Was macht die EBU, wenn sich mit dem Fernbleiben Israels die Naziis freuen?

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