Keine Toleranz

Ich will keine Toleranz! Toleranz ist nämlich ein Herrschaftsmoment. Der Philosoph Henryk M. Broder bringt es auf den Punkt:

„Toleranz ist ein Begriff der im 16., 17., 18. Jahrhundert eine Rolle gespielt hat. Zu der Zeit, als Gesellschaften noch vertikal organisiert waren. Es gab ein Oben und es gab ein Unten. Und diejenigen, die oben waren mussten gelegentlich dazu gezwungen werden, diejenigen, die unten sind, zu tolerieren. Heute haben wir horizontale Gesellschaften. Wir haben Gruppen, die weitgehend gleichberechtigt sind. Und es geht nicht darum, sich zu tolerieren. Es geht darum, verbriefte Rechte zu nutzen.“

Das Wort „Toleranz“ kommt von dem lateinischen Begriff „tolerare“, was „erdulden“ und „ertragen“ im Sinne einer Nachsichtigkeit und Großzügigkeit bedeutet. Wer dulden kann, besitzt die Macht zu dulden und wer diese Macht besitzt, hat jederzeit die Möglichkeit, die Großzügigkeit zu beenden.

Wer die Mittel der Toleranz besitzt, hat ebenfalls die Möglichkeit zu vernichten! Henryk M. Broder fasst es in einem Satz zusammen:

„Wenn ich jemanden dulde, dann ist das ein Gnadenakt.“

Ich will die Gnade der Toleranz nicht! Ich bin ein Mensch. Ich habe Rechte. Sie sind unveräußerlich! Ich will auch keine ungefragte Akzeptanz. Das lateinische Wort „accipere“ bedeutet „gutheißen“ und „billigen“. Ich brauche niemanden, der mich ungefragt billigt und für gut erachtet. Ich entscheide, wessen Urteil mir was wert ist!

Ich träume von einer Welt, in der niemand mehr die Macht hat, einen anderen Menschen zu erdulden. Wenn jemand kommt und sagt: „Ich toleriere Dich“, dann sage ich:

„Ich will Deine Toleranz nicht! Wenn Du unbedingt was tolerieren willst, toleriere Dein Gesicht. Da hast Du schon genug zu tolerieren!“

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