Lieber Henryk Broder,

in Deinem hervorragenden Artikel „Entwarnung. Alles gut mit dem Islam in Deutschland“ hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Du schreibst: „Der Kölner Dom bleibt ein katholisches Gotteshaus“. Das stimmt so nicht ganz. Der Kölner Dom ist nicht nur nicht im Besitz der katholischen Kirche, sondern seit 1965 auch eine Moschee.

Du bist aber nicht der Einzige, der das nicht weiß. Sogar der letzte Kardinal Kölns hatte keine Ahnung, dass er regelmäßig in einer Moschee betete. Als das Richter-Fenster von Gerhard Richter im Südquerhausfenster des Kölner Doms am 25. August 2007 im Rahmen einer Messfeier eingeweiht wurde, da dauerte es nicht lange, bis sich Kardinal Meisner zu dem neuen Fenster äußerte.

“Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen”, ließ der Kardinal in einem Interview mit der Express verlauten und fand sogar noch deutlichere Worte. Das Fenster passe “eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus” als in die gotische Kathedrale.

Kardinal Meisner wusste nicht, dass in den 1960er-Jahren der Kölner Dom seine beiden nördlichen Seitenschiffe auch islamischen Gottesdiensten türkischer Arbeitsmigranten zur Verfügung stellte. So breiteten beispielsweise zum Ende des Ramadans 1965 um die 400 Muslime ihre Gebetsteppiche im Kölner Dom aus, um mit Gebeten und religiösem Gesang das Ende des Fastenmonats zu feiern. Die ZEIT titelte damals: „Muselmanen beten im Kölner Dom“

Wer sich etwas im islamischen Glauben auskennt, weiß, dass jedes Gotteshaus, in dem Allah angebetet wurde, zur Moschee wird, nämlich zum „Ort der Niederwerfung“ und dies dann auch auf ewig bleibt, ein Ort an dem Muslime sich in Gemeinschaft vor Gott niedergeworfen haben. Deshalb warfen in den 60er Jahren auch jene Muslime, die im Kölner Dom zu Allah beteten, stets Geld in den Opferstock. Das gehört sich nämlich so für einen gemeinschaftlichen Ort der Niederwerfung, einer Moschee! Das Richter-Fenster hängt somit am richtigen Platz!

Die damalige Dompropstei betonte Journalisten gegenüber, dass das Bereitstellen von Möglichkeiten für die Gottesdienste Andersgläubiger in Kölner Kirchen durchaus „nichts Ungewöhnliches“ sei. Das ist damit zu erklären, dass der Kölner Dom nicht im Besitz der katholischen Kirche ist. Der Kölner Dom ist stattdessen als Person anerkannt und gehört sich selbst. Eigentümer des Domgebäudes ist die juristische Person mit dem offiziellen Namen Hohe Domkirche zu Köln.

Die Kölner Muslime haben nun jedoch beschlossen, ein exklusives Gotteshaus in Köln zu bauen. In Ehrenfeld steht die Baustelle. Die Kölner Christen brauchten über 600 Jahre für die Vollendung des Kölner Doms. Mal schauen, ob es die Kölner Muslime schneller schaffen. Ich vermute nicht, denn die Kölner lieben Baustellen, sie hegen und pflegen sie, egal an welchen Gott sie glauben.

Als sich im 19. Jahrhundert zum Beispiel ein Dombauverein gründete, um genug Geld für die Vollendung des Kölner Doms zu sammeln, gab es in Köln direkt Ausschreitungen. Die Kölner gingen auf die Straße. Köln 19 hätte man aus heutiger Sicht dazu sagen können. Dabei wollte der Dombauverein den Kölner Dom gar nicht unterirdisch verlegen. Sie wollten den Dom nur vollenden, aber genau das wollte die Mehrheit der Kölner nicht. Sie wollten lieber den Baukran behalten, der über 300 Jahren auf einem unvollendeten Turm des Kölner Doms gestanden hatte und zum Wahrzeichen der Stadt geworden war. Es war die Zeit, in der gar nicht mehr am Kölner Dom gearbeitet wurde. 300 Jahre stand im Herzen der Stadt Köln eine Baustelle unter Baustopp!

Zur Zeit wird Köln von den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) mit den schönsten und längsten Baustellen versehen. Allein der Bau der Linie 5 hat Köln wunderbare Baustellen beschert. In der Nacht des 29. September 2004 neigte sich der Turm der Kirche St. Johann Baptist, nachdem am Vortag ein Versorgungsschacht unter der Kirche vorgetrieben worden war. Im November 2004 wurden in der Kirche St. Maria im Kapitol Schäden an einem romanischen Rundbogen und der Gewölbedecke festgestellt. Der Rathausturm des Historischen Rathauses senkte sich im August 2007 Dank der KVB um sieben Millimeter. Der Turmkeller, in dem Risse auftraten, wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt. Im Sommer 2007 beschädigte ein Baggerfahrer am Kurt-Hackenberg-Platz eine 30 cm große Gasleitung. Im Umkreis von 1 km musste bis zur Behebung des Lecks der Strom abgeschaltet werden. Schließlich, am 3. März 2009, brach Erdreich in die Baugrube des Gleiswechsels am Waidmarkt ein. In den entstehenden Krater stürzte um 13:58 Uhr das Historische Stadtarchiv und riss zwei Menschen mit in den Tod.

Im Januar 2013 wurde zudem bekannt, dass es durch den U-Bahnbetrieb im neueröffneten Teilstück zu Vibrationen und Erschütterungen im Kölner Dom kommt. Es seien in der Kathedrale „Vibrationen und minimale Schallübertragung“ feststellbar. Mit etwas Glück bekommen die Kölner ihre sechshundertjährige Baustelle wieder zurück und der Kölner Dom stürzt ein. Dann wäre der Kölner Dom endlich wieder in seinem ursprünglichen Zustand.

Die Kölner Liebe zu Baustellen geht zurück bis in die Antike. Kaiser Neros Mutter war Kölnerin. Ihr Name war Agrippina. Es ist nicht überraschend, dass ausgerechnet ihr Sohn in Rom für eine der größten Baustellen der Antike gesorgt hat. Im glaube, es ist daher kein Zufall, dass man im ganzen Land mittlerweile dazu übergegangen ist, alle Baustellen in den Stadtfarben Kölns zu markieren. Wenn immer irgendwo eine Baustelle errichtet wird, sofort rot-weißes Flatterband drum herum, damit jeder weiß, da wird gebaut.

Das nächste Mal schreibe also nicht, dass der Kölner Dom eine katholische Kirche bleibt, sondern schreibe stattdessen: „Köln bleibt eine Baustelle.“ Damit hast Du dann 100% Recht!

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