Abhaken und vergessen? Mein persönlicher Jahresrückblick

Der WDR fragte am Ende des Jahres 2014 in der Sendung „Daheim und Unterwegs“ nach den ganz privaten Jahresrückblicken seiner Konsumenten. Eine besonders bemerkenswerte Antwort kam von Irina Korotkina. Sie hat ihre Antwort auch an Tapfer im Nirgendwo geschickt. Da ich vermute, dass der WDR diese Antwort unter den Tisch fallen lassen wird, erscheint die Antwort sicherheitshalber auch Tapfer im Nirgendwo:

Sie haben nach meinem Jahresrückblick gefragt … Und jetzt kommt´s.

Jetzt wird´s den verehrten Lesern und Leserinnen langweilig: Deutschland, ein Sommermärchen – ja, natürlich auch in NRW – Essen, Köln, auch woanders.

Der Gaza-Krieg hat als Antwort auf den ständigen Beschuss Israels angefangen, verstärkt durch die Entführung der drei Jugendlichen. Sie waren Religionsschüler, beim WDR natürlich mit dem Schimpfwort „Siedler“ bezeichnet. (Sind Siedler keine Menschen?)

Die Berichterstattung, natürlich auch im WDR, hat sich im Jahr 2014 selbst übertroffen. Es wurde ständig nur über die armen Gaza-Bewohner berichtet, die selbstverständlich alle friedlich sind und gar keine Hamas-Kämpfer kennen, geschweige denn selbst welche sind. Dabei wussten alle, die sich nicht damit abspeisen lassen wollten, auch ohne aufwendige Recherche, dass aus Gaza nur die Informationen rausgelassen wurden, die der Hamas passten, d. h. die Tatsachen wurden verdreht oder einfach nicht erwähnt.

Und die „Nahostexperten“ kamen scharenweise, um immer wieder zu betonen: Das sind die Juden wieder, die schuld und schlecht sind. Ein Traumberuf – Nahostexperte! Man muss nur gegen Juden sein, dann ist man schon populär. Und das war erst der Anfang! Denn dann sind Tausende Muslime auf die Straße gegangen, um „Juden ins Gas!“ und ähnliches zu schreien.

„Alles hier verläuft friedlich“, wusste vielversprechend der Journalist Stefan Göke zu berichten. (Sorry, arbeitet er noch beim Fernsehen?)

Die Demonstration lief nicht nur „friedlich“, sie wurde auch seitens der Polizei unterstützt. Die Megafone wurden den Demonstranten bereitwillig überlassen, damit ja niemand die Aufschreie überhörte. Auch in Berlin und vielen anderen Städten ging es so zu. Und das ganze Land übte sich in Toleranz.

Angst ist kein ehrenwertes Gefühl, Toleranz klingt besser. Da hatten die guten Menschen, die Toleranz predigen, plötzlich ein Problem. Weil sich „alles, was rechts ist“, plötzlich mit Linken und Islamisten vereinigte, (ich hätte beinahe wieder „Moslems“ gesagt, aber wir werden wiederholt aus dem Fernsehen des Besseren belehrt, das Ganze habe mit dem Islam nichts zu tun, und es seien die Islamisten, die böse sind, genau wie Neonazis), um gegen den gemeinsamen Feind – den Juden – zusammen aufzutreten. Man muss gleichzeitig blind und taub sein, um hier nicht die Juden, sondern „nur“ die Israelische Politik als Feind zu sehen.

Nicht vergessen: Neonazis sind böse. Aber die Moslems doch nicht! Zum Beispiel die armen Palästinenser, die unter der Besatzungsmacht leiden! Zumindest, wenn man den Medien glaubt. Weil, wenn Israelis mit Messern und Steinen angegriffen werden, wenn sie mit den Autos auf den Haltestellen getötet werden, sind sie ja selbst schuld. Sie haben die armen Palästinenser dazu gebracht, ihnen nichts als schwere Kindheit angeboten.

(Aus aktuellem Anlass: Ich gehe nicht zu Kögida, denn so fängt es immer an. Wir wissen das am Besten. Das sind die Selben, die gegen das Jüdische Museen in Köln sind – aber auch die, die Arsch Huh und Zäng ussenander gegen Pegida kriegen, kriegen den Arsch nicht „huh“, um gegen „Juden ins Gas“ auf die Straßen zu gehen. Selbst nicht bei der Demo in Berlin, die von oben organisiert wurde, als das Land aus der Ohnmacht dieses Sommers erwachte.)

Wir haben demonstriert! Ein paar Hunderte standen am WDR-Gebäude, es wurden Reden gehalten – unter anderem von Volker Beck und Gerd Buurmann, der mit seinem Blog „Tapfer im Nirgendwo“ unermüdlich gegen Heuchelei und Lügen gegenüber Israel kämpft. Sonst waren es fast ausschließlich „die jüdischen Mitbürger“, die sich dort versammelt hatten, um gegen die voreingenommene Berichterstattung zu demonstrieren.

Vertreter des WDR wurden auch eingeladen. Keiner hat sich bemüht. Das ist eine Position!

Der 9. November 2014 ist vergangen. Überall wurde gesagt: „Wir tolerieren es nicht; Neonazis haben keinen Platz in unserer Gesellschaft“, etc. Und was ist mit alle den Anderen, die heute diese Parolen rezitieren? Ich bin auch für Toleranz, aber nur, wenn sie an der richtigen Stelle angewendet wird.

Natürlich gab es auch schöne Momente in diesem Jahr. Aber es gibt Dinge, die sind halt nicht zum „abhacken und vergessen“, oder? Die kommen offenbar doch immer wieder, wenn auch in etwas modifizierter Fassung. Wer hätte es gedacht?

Dann guten Rutsch an Alle! Kommt übrigens aus dem Hebräischen, von „Rosch“, was „Kopf“ bedeutet, hier – „Kopf des Jahres“: „Rosh hashana“.

Ein passendes Geschenk an die ganze Redaktion, insbesondere an Herrn Tom Buhrow.

Mit besten Grüßen
Irina Korotkina

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10 Antworten zu Abhaken und vergessen? Mein persönlicher Jahresrückblick

  1. Pingback: Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

  2. Winnie schreibt:

    Nichts Neues unter der Sonne. Auch 2015 wird Mohamett-Anhängern gehuldigt und Juden jegliches Leid auf Erden in die Schuhe geschoben. Al Bundy , der Weise unter Weisen, sprach schon vor Jahrzehnten:“Alle in die Nacktbar“. So lasset uns auch fürderhin „allahuakbargegröhle“ dorthin verorten, wo es aufgehoben gehört!

  3. schum74 schreibt:

    Danke, Irina!
    Hier eine Illustration zu Ihrem Artikel: Kinder in Sderot besingen Rettungsschritte, Angst und Erleichterung.

    Code Red (Tzeva Adom) Song – Helping Children Deal with Terror:

  4. Hein schreibt:

    Zum Jahreausklang brachte Arte dann noch ein exellent gemachtes antijüdusches, anti-israelisches Machwerk: Gelobtes Land. Dieser vierteilige Film fängt moderat an und steigert sich bis zur letzten Folge zu einem die „Palästinenser“ glorifizierenden Propagandastreifen. Die ständige Wiederholung von Halbwahrheiten beeinflusst natürlich die Stimmung der Bevölkerung, die durch Wissen nicht „belastet“ ist.

Seid gut zueinander!

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