„Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.“

Es gibt eine Stelle im Evangelium des Markus, die ich besonders spannend finde. Es ist Kapitel 5:

„Als er aus dem Schiff trat, lief ihm alsbald entgegen aus den Gräbern ein besessener Mensch mit einem unsaubern Geist, der seine Wohnung in den Gräbern hatte; und niemand konnte ihn binden, auch nicht mit Ketten. Denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen, und hatte die Ketten abgerissen und die Fesseln zerrieben; und niemand konnte ihn zähmen. Und er war allezeit, Tag und Nacht, auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und schlug sich mit Steinen. Da er aber Jesum sah von ferne, lief er zu und fiel vor ihm nieder, schrie laut und sprach: Was habe ich mit dir zu tun, o Jesu, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, dass du mich nicht quälest! Denn er sprach zu ihm: Fahre aus, du unsauberer Geist, von dem Menschen! Und er fragte ihn: Wie heißt du? Und er antwortete und sprach: Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.

Der Teufel ist dort, wo sich der Mensch in einer kollektiven Ideologie auflöst, wo das Individuum in einem Mob verschmilzt, wo das Ich in der Legion der Vielen aufgeht.

Es ist nahezu unmöglich, mit einem Menschen zu reden, der von einer Ideologie besessen ist.

Kaum etwas fürchte ich mehr als die Dynamik der Gruppe, da sie schnell zum Mob werden kann.

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15 Antworten zu „Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.“

  1. Eala Frya Fresena schreibt:

    Der Witz daran ist doch, dass diese Aussage für alle Gruppen gelten kann. Also von Pegida bis Sharia4Belgium. Von evangelikalen Christen bis zu radikalen jüdischen Siedlern. Von Anders Breivik über Jigal Amir bis hin zu Arid Uka. Von den Jüngern Maos, die zu Zeiten der Kulturrevolution mit ihrer roten Bibel über die chinesische Provinz herfielen bis zu den Kindersoldaten der SS-Division Hitlerjugend, die mit flatternden Fahnen in der Normandie verheizt wurden. Von den Schlächtern der Boko Haram bis zu den Attentätern der Omu Shinrikyo. Wenns um die Finanzierung geht, zeigen sich solche fanatischen Leute übrigens nicht besonders prinzipientreu. Sowohl die Farc als auch die Taliban bezahlten ihren Kampf auch mit Drogengeldern. In puncto der Organisation der Geldströme geht und ging, dann waren Banken in Steueroasen wie der Schweiz gerne behilflich. Denn die Religion des Marktes erlaubte und erlaubt natürlich das Geschäftemachen mit Potentaten, Mördern und Warlords, egal welcher Religion oder Ideologie. Ob nun Lord Resistance Army oder Nasionale Party. Wahabiten als Koranverteiler in deutschen Innenstädten? Gefährlich. Wahabiten als Großinvestoren in Industrie und Handel? Gern gesehen. Hauptsache „die Märkte“ werden nicht verunsichert.

    Wenn man sich als Individuum sieht, ist man selbst verantwortlich für sein Handeln. In der Masse kann man die Verantwortung abgeben. Menschen neigen dazu, die Verantwortung abzugeben und kein selbstbestimmtes Leben zu führen. In gewisser Weise ist dies notwendig. Wir alle verlassen uns auf andere. Wir alle sollten aber unser Gewissen nicht ausschalten.
    Ich bin selbst einigermaßen religiös. Der Kern der Religiösität liegt bei mir gerade darin, dass es eine „höhere Macht“ gibt, die erhaben und perfekt ist. Diese Erhabenheit ist ein eine Inspiration, aber ich kann sie als Mensch nie erreichen. Deswegen ist Kritiklosigkeit und pures Nachfolgen einer vorgegebenen menschlichen Meinung ja gerade gefährlich. Erst wenn Kritik von anderen Menschen ohne Wirkung an mir abprallen würde, wäre die Religion tatsächlich Opium für mich.

    Jesus wurde laut Bibel übrigens gefragt, welches das wichtigste Gebot sei. Er nannte das Vertrauen zu Gott (Gottesliebe) und gleichrangig dazu die Nächstenliebe. Im dazugehörigen Gleichnis muss sich ein Mensch ausgerechnet von einem Feind helfen lassen. Man kann sich seinen „Nächsten“ nicht aussuchen. Christliche Fundamentalisten verstehen diesen Ausgleich zwischen „Liebe zu Gott“ einerseits und Nächstenliebe andererseits oft nicht und fühlen eine Art „Überlegenheit“ gegenüber Menschen anderen Glaubens oder Nichtglaubens. Damit führen sie aber das verlangte Gottvertrauen ad absurdum indem sie selbst an Gottes Stelle richten. Die Bibel kennt übrigens auch die Ausspache von Jesus zu Trennung von Staat und Glauben: Markus 12,17. Gerade „nationale“ Christen wie man sie mit in deutschen Farben (!) angemalten Kreuzen auf Pegida-Spaziergängen sieht – haben meiner Meinung – nach diese Botschaft nicht verstanden. Gerade viele christlich freikirchliche „Israelfreunde“ stehen besonders messianischen Juden nahe und möchten eigentlich nur die Juden bekehren. Dieses ganze Gelaber von christlich-jüdischem Abendland ist nur Fassade.

    Ich bin übrigens auch Teil einer nationalen germanischen Minderheit in Deutschland (spreche nicht nur hochdeutsch, sondern auch zwei andere alte germanische Sprachen fließend!). Mich kotzen solche kritiklosen national erweckten Pseudo-Germanen tierisch an, weil sie meine Herkunft und Tradition mißbrauchen.

    Das Gerede der Anhänger der Selaffiya vom armen muslimischen Opfern und bösen nicht-muslimischen Tätern als Ausrede ist um – quasi in Notwehr – andere Menschen zu unterdrücken, kotzt mich aber genauso an. Man kann sehr gut erkennen, dass die Fußtruppen dieser angeblich rechtgeleiteten oftmals aus kriminellen und psychopathischen Versagern bestehen (siehe Anschläge von Paris, Anschläge von Kopenhagen, Hoofdstadgroep Den Haag, Sharia4Belgium), die ihr individuelles Scheitern durch die Zugehörigkeit zu einer höherwertigen Masse/Religion aufwerten möchten.

    • Aristobulus schreibt:

      Weia, was für eitle Satzkaskaden und welch ein naseweiser Pseudorundumschlag, pardon, und immer so stakkatoartig und kapitalismuskritisch und so religionsignorant und alles über Beides und was Drittes vollwissend, und so verpackt, wie es die Mode aus schicklinken Frauenzeitschriften grad befiehlt.

      Unangenehmster Denk- und Wertungsfehler: „Selbstbestimmtes Leben“ (waaah, was für ’ne abgebrauchte Floskel) mit Verantwortung gleichzusetzen.
      Warum ist das Mist: Weil das Eine halt die kläglichste Art von Wichtigst-Egozentrik ist, das Andere aber sein Gegenteil.
      (Na, welches nu welches??, dieses festzustellen überlasse ich Ihrer Fantasie).
      Wer jedoch sowas mit sowas gleichsetzt, der hält auch Dihydrogenmonoxid für ein fieses Essensgift von Monsanto, und der hat von Verantwortung noch nix begreifen wollen und muss wohl erstmal die Dreißig überschreiten, um bittschön langsam auf einen geringfügig besseren Geschmack kommen.

      – Nicht allzu bös gemeint von mir, aber a klein bissele schon, halten zu Gnaden.

      • Eala Frya Fresena schreibt:

        @Aristobulus: „relgionsignorant“, „eitle Satzkaskaden“ „stakkatoartig“.
        Naja stimmt schon etwas. Sehen Sie es als einen Wutausbruch, ich habe ich es einfach satt von der Bachmanie-Sekte auf der einen und der Salafiya-Fraktion auf der anderen Seite gesagt zu bekommen, was denn nun der „wahre Glaube“ sei. Haben Sie schonmal mit denen diskutiert? Ich habe es mittlerweile aufgegeben!

        PI-News führt an, gegen jede PC zu sein und setzt dann seine eigene PC vom bösen Moslem dagegen. Und die „wahre Religion“ eines Abou Nagie verspricht jedem die Befreiung, gemeint ist aber vor allem die Befreiung des obersten Koranverteilers vom Joch seiner irdischen Schulden. Vom (Ex-)Goldhändler und Kanadaliebhaber Popp, den Ulfkottes und Elsässers will ich gar nicht ma reden. Nur der Jebsen, der ist was besonderes, biederte der sich ja schon überall an: z.B. bei Dehm und Wagenknecht oder bei Pegida, nach Charlie Hebdo aber vor allem bei den rechtgelittenen Vogel-Anhängern.

        Ist das jetzt schicklinke Mode sich darüber aufzuregen? Keine Ahnung. Dann bin ich eben „schicklink“.

        Wie auch immer: Sehen Sie meinen Kommentar als Dampfablassen über die Irren und Rechtgläubigen der Youtube-Universität. Hatte sich auch mit über 30 bei mir angestaut. Eigentlich ist es aber eher zum Lachen, wenn man den weinerlichen Fettsack Falk klagen hört , dass es keine Niqab-Trägerin bei ihm aushält. No offense! It bêste!

      • Eala Frya Fresena schreibt:

        Achso: eins noch. Wenn sie ne gute Tat vollbringen wollen, dann melden Sie doch einfach folgendes Profil den Behörden, auf das diese ein wachsames Auge haben. Noch bevor der angeblich rechtgelittene Löwe für als dummes Schaf auf der Schlachtbank in Sham verreckt. Ist nur ein Beispiel von vielen.

        https://www.facebook.com/tariks.tarik.9

  2. mike hammer schreibt:

    • winnie schreibt:

      Meine Güte. Millionen Irre haben diesem medieninszenierten Hype gehuldigt und vor dem Brandenburger Tor dem Messias gehuldigt. Das Nobelpreiskommitee, berüchtigt für Vergaben an Terroristen ala Arafat, entblödete sich nicht, einem Nichtsleister im voraus den Friedensnobelpreis für nachträgliche Nichtleistungen zu vergeben. Prophetisch motiviert! Wusste das Kommitee damals mehr als unsereins? Ahnte unsereins mehr als das damalige Kommitee? Der Friedensnobelpreis ist derart verkommen, dass sich Herr Nobel tausendmal per Sekunde im Grabe umdreht. Durch seine Rotationsenergie könnte ganz Skandinavien auf ewig mit Strom versorgt werden.

    • ceterum censeo schreibt:

      Und ich muß es wieder sagen: wenn man ihn genau anschaut, bräuchte man den Text auch nicht. Man kann die abgrundtiefe Bosheit sehen.
      Der wird noch viel Schaden anrichten, bevor man ihn zurück in die Hölle schickt.
      Aber das meiste hat er schon geschafft.

  3. winnie schreibt:

    Sorry, ich suche verzweifelt ein fehlendes „n“ im pic. …und der Legion werden mehr als 1,2 Mrd…

  4. quer schreibt:

    Immerhin hat die Legion eine Mannstärke von ca. 1,2 Mrd.

  5. Akrophobie schreibt:

    Wenn mich jemand fragt, wie ich heiße, antworte ich absofort:“1.Legion, 3.Kohorte, 2.Manipel, 1.Zenturie“ (Asterix als Legionär)

  6. American Viewer schreibt:

    „We are Legion“ ist das Motto von Anonymous. Warum wundert mich das nicht?

  7. Sophist X schreibt:

    „Und er war allezeit, Tag und Nacht, auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und schlug sich mit Steinen.“

    Siehe da, die Bibel kannte schon den typischen Grünlinkswähler. Wie prophetisch.

  8. Gebull schreibt:

    gerd dreht den hobbie-theologen-swag auf. sehr coole gedanken. hast du theologisch versierte freundInnen die das vllt unter historischen gesichtspunkten beleuchten können?

  9. mike hammer schreibt:

    Markus Markus, das muß hartes zeug gewesen sein das dich inspirierte. 😉

Seid gut zueinander!

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