5 Jahre Tapfer im Nirgendwo (und ein bißchen mehr)

Am 25. April 2010 gründete ich meinen Blog Tapfer im Nirgendwo auf WordPress. Vorher schrieb ich 16 Monate auf Blogspot. Einige Artikel aus der Zeit habe ich auf WordPress übernommen. Den ersten Blog-Artikel meines Lebens veröffentlichte ich am 14. Dezember 2008: „Was ist Theater?“

Seit fünf Jahre blogge ich auf WordPress. Im April 2010 lasen lediglich ein paar hundert Leute im Monat meinen Blog. Heute sind es ein paar hundert Klicks in der Stunde. Ich danke allen Leserinnen und Lesern. Je mehr es werden, desto mehr Leute kommentieren, und je mehr kommentieren, umso deutlicher wird eins: Für die meisten Rechten ist jeder Mensch mit Verstand links und für die meisten Linken ist jeder Mensch mit Verstand rechts.

Vor vielen, vielen Jahren, irgendwann im Jahre Achtzehnhundertnochwas in der sogenannten Julimonarchie Frankreichs saß die Monarchie rechts im Parlament und die Republikaner und Liberalen in der Opposition links. Wie kann sich ein einigermaßen vernünftiger Mensch des 21. Jahrhunderts ernsthaft politisch positionieren, indem er sich der Sprachreglung einer monarchischen Sitzordnung aus dem 19. Jahrhundert bedient?

Fragen Sie mal einen Linken, was rechts bedeutet und Sie werden die schroffesten Urteile hören. Fragen Sie mal einen Rechten, was links bedeutet und das Ergebnis wird ähnlich vernichtend ausfallen. Was bedeutet rechts? Was bedeutet links? Ernst Jandel sagte einst:

„manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum“

Vermutlich ist das die genaueste Definition von links und rechts, die es jemals gab.

Mittlerweile bin ich dazu übergangen, jede Lektüre abzubrechen, sobald Zuschreibungen wie „rechtspopulistisch“ oder „linksdeutsch“ auftauchen. Ich bewerte Menschen nicht danach, wie andere sie politisch verorten, sondern danach, was sie sagen.

Ich befinde mich Tapfer im Nirgendwo. Ich habe Respekt vor Menschen, nicht unbedingt aber vor ihren Ideologien, Religionen und Überzeugungen. Wenn ein Christ oder Moslem oder sonst wer glaubt, ich beleidige ihn, nur weil ich hart über den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed oder Jesus spreche, so soll er sich beleidigt fühlen. Er soll mir aber nicht absprechen, dass ich ihn nicht als Mensch respektiere.

Ich werde nie auf das Lachen, Zweifeln, Kritisieren und Verarschen von Ideen verzichten. Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze über seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch aber ist mehr als seine Ideen!

Es gibt auch Ideen, an denen ich hänge. Weihnachten ist so eine Idee. Meinetwegen kann aber jeder Witze über den Weihnachtsmann machen! Jeder soll glauben, woran er will.

Wenn ein Mensch wegen seiner Herkunft kritisiert wird, nennt man das Rassismus. Wenn ein Mensch jedoch für seine Überzeugung kritisiert wird, nennt man das Aufklärung. Für die Herkunft kann niemand was, für die Überzeugung jedoch schon! Das Gegenteil von Herkunft ist nämlich Zukunft! Mit jedem Schritt, den ich gehe, entscheide ich die weitere Richtung. Ich kann mich mit nichts anderes herausreden, als mit meiner Entscheidung, eben diesen Schritt gemacht zu haben! Religionen und Ideologien sind Überzeugungen. Sie dürfen jederzeit verarscht werden!

Wenn zwei Menschen eine Beziehung miteinander eingehen, mag sie nun privater oder geschäftlicher Natur sein, sollten sie es so frei und unabhängig wie möglich tun können, ohne das ihre Beziehung einer anderen Beziehung gegenüber bevorzugt wird. Wenn Peter und Achmed sich lieben, warum sollte ihre Liebe staatlich anders behandelt werden als die Beziehung von Peter und Maria? Wenn ein Franzose und eine Deutsche miteinander geschäftlich handeln, warum sollten sie es schwerer haben als wenn ein Franzose mit einer Französin handelt? Wenn Kim etwas anbaut und Ill-Young auch, warum sollte Kim Geld vom Staat bekommen, Ill-Young aber nicht? Jede Freiheit eines Individuums, die eingeschränkt wird, muss gut begründet sein.

Der Staat schenkt mir Freiheit nicht! Ich habe die Freiheit in mir, wie jeder Mensch! Ich erlaube dem Staat lediglich Einschränkungen in meine Freiheit. Wenn die Einschränkung keinen Sinn (mehr) macht, sage ich: Fort damit! Freiheit ist eine stete Kritik an herrschenden Konventionen. Leider wird viel zu oft die Autorität der Freiheit vorgezogen.

Die freie Meinung ist eines der höchsten Güter. Veränderungen kamen immer, weil jemand damit begonnen hatte, anders zu denken und zu sprechen. Das Recht auf eine eigene Meinung hat jeder! Dummheit muss nicht verboten werden. Dummheit entlarvt sich von selbst. Freie Meinung ist für die Dummheit wie das Licht für die Vampire. Verbieten wir dummen Leuten ihre Meinung, gehen sie in den Untergrund und werden dort erst richtig gefährlich. Man setze die Dummen dem Licht der freien Meinung aus. So werden sie zu Staub!

Im Grunde bin ich ein Romantiker, weil ich an das Gute im Menschen glaube. Ich kritisiere den Staat nicht, weil ich glaube, es braucht keinen Staat, sondern weil ich den Menschen schlicht mehr zutraue. Der Mensch ist besser als sein Ruf!

Der Staat ist dafür da, ein Netz zu spannen, das jene auffängt, die vom Seil fallen. Der Staat ist aber nicht dafür da, sich darum zu kümmern, dass man gar nicht erst vom Seil herunter fallen kann. Ich will nicht festgebunden werden. Ich will tanzen! Die Möglichkeit des Fallens gehört zum Seiltanz des Lebens!

Ich brauche keinen Staat, der mir vorschreibt zu welcher Musik ich zu tanzen habe. Ich brauche keine Vorschriften über die Geschwindigkeit meines Tanzes. Ich brauche keine Gesetze über die Abstände meiner Schritte. Ich will nicht, dass der Staat mir die Mindestlänge meiner Balancierstange vorschreibt. Ich brauche keine Einmischung in die Wahl meiner Mitartisten. Ich kann selber entscheiden, an welchen Tagen und zu welchen Stunden ich tanze. Lasst mich einfach nur tanzen, mit all den Gefahren und spannt ein Netz für den Notfall. Sollte ich das Netz jedoch als Hängematte missbrauchen, so schmeißt mich raus! Das Netz wird schließlich von der Gemeinschaft bezahlt, durch Steuern.

Wer Steuern zahlt, wird dadurch jedoch nicht gleich solidarisch. Steurn zahlen hat nichts mit Solidarität zu tun, sonst wäre ja jeder durch Robin Hood Beraubte, im Moment des Raubs solidarisch geworden. Solidarität kann nur freiwillig als Geschenk gespendet werden. Steuern jedoch sind ein Zwang! Robin Hood hat den Reichen genommen und es den Armen gegeben. Robin Hood war eine Privatisierung des Sozialstaats – und er nahm mit Gewalt, wie der deutsche Staat heute, der jetzt ein Monopol auf die Gewalt hat.

Mit jedem Euro, den der Sozialstaat nimmt, sagt er: „Ich halte Dich für zu egoistisch, um anderen zu helfen. Ich mache das für Dich!“ Im Grunde ist ein Armutszeugnis für eine Gemeinschaft, wenn ein Staat oder Robin Hood das Teilen erzwingen muss! Wer sich nämlich zu sehr auf Robin Hood verlässt, hat damit aufgehört, selber solidarisch zu sein. Dann heißt es: „Was willst Du von mir? Geh zu Robin Hood, der hat mein Geld!“

Meine Empathie für Andere entspringt meinem kritischen Wesen. Für mich gilt nämlich: Wenn es der Staat, Robin Hood oder Gott nicht kann oder will, muss ich eben ran!

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