Die Dreizehnte

Heute findet in Berlin die „13. Konferenz der Palästinenser in Europa“ statt. Das erinnert mich daran, dass ich vor vier Jahren bei der Neunten war. Damals schrieb ich darüber diesen Beitrag:

Am 7. Mai 2011 befand ich mich in der Uni-Halle in Wuppertal und nahm an der „9. Konferenz der Palästinenser in Europa – die Generation der Rückkehr kennt ihren Weg“ teil.

Mir wäre eine bisschen mehr Tanz und etwas weniger Rache auf der Konferenz lieber gewesen. Was ich dort erleben musste, war eine radikale Einschwörung der Anwesenden auf grenzenlosen Hass gegen Israel. Auf deutschem Boden fand eine Veranstaltung statt, auf der das Existenzrecht Israels in Frage gestellt wurde.

Kein Recht auf Existenz bedeutet Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung von Millionen jüdischer Menschen in Israel. Dafür haben wir in der westlichen Welt einen Begriff: Holocaust.

Wer das Existenzrecht Israels verneint und eine Zerstörung des Staates wünscht, plant nichts anderes als einen Holocaust. Der Holocaust mag mit der Frage nach dem Existenzrecht in noch so milden Worten daher kommen, er bleibt ein Holocaust und eben dies wurde am 7. Mai 2011 in der Uni-Halle in Wuppertal besprochen.

Pausenlos wurden Filme, Vorträge und Theaterstücke gezeigt, in denen Juden ausnahmslos als böse und verachtenswerte Menschen dargestellt wurden.

Für viele Palästinenser in und um Israel sind Juden Tiere, die vernichtet gehören. In brutalst möglicher Form werden arabische Kinder in den Ländern und Gebieten rund um Israel darauf eingeschworen, dass Juden nur Abschaum sind. Im 7. Artikel der Hamas-Charta heißt es ganz deutlich:

Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm, – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!

In Israel jedoch werden selbst die Feinde als Menschen gesehen und jedes zivile Opfer auf allen Seiten beklagt. Ein israelischer Soldat, der auch nur in den Verdacht gerät, Hassverbrechen im Mantel der Verteidigung zu begehen, darf sich der innerisraelischen Kritik und einer Verantwortung vor israelischen Gerichten gewiss sein. In der Unabhängigkeitserklärung von Israel finden sich ganz klare Worte:

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbstständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

Die 9. Konferenz der Palästinenser in Europa fand nicht im Nahem Osten statt sondern im Bergischen Land in Deutschland. Ein Theaterstück an dem Tag endete mit einer Erklärung von Kindern, die ihren Vätern und Müttern versprachen, Israel zu bekämpfen. Wäre ich ein Kind gewesen und hätte diese Show gesehen, dann wäre wohl auch für mich klar geworden, dass Israel bekämpft und vernichtet gehört.

Als ich diese Veranstaltung sah, wurde mir klar, dass die Kinder und Jugendlichen an diesem Tag auf deutschen Boden auf einen Krieg eingeschworen wurden. An diesem Tag gingen der Welt eine Vielzahl Kinder für den Frieden verloren und die Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens von Juden und Palästinensern rückte in weitere Ferne. Statt auf Integration setzte diese Veranstaltung voll und ganz auf die Verteufelung.

Während in Wuppertal die Verteufelung von Juden betrieben wurde, wurde in Essen der Vorstand der Alten Synagoge dafür kritisiert, einen Vortrag über „Antisemitismus im Islam“ zu halten. Nur weil in der Alten Synagoge über Antisemitismus im Islam referiert wurde, warf der Chef des Integrationsbeirats Essen, Muhammet Balaban, dem Vorstand eine Herabsetzung des Islams vor und behauptet, die Forschung über den Antisemitismus im Islam sei eine Beleidung des Islams und fügt hinzu: „Das treibt uns doch nur auseinander.“

Man stelle sich mal vor, Angela Merkel hätte die Forschung über „Antisemitismus in Deutschland“ als Beleidigung Deutschlands bezeichnet. Ein Aufschrei wäre durch die Nation gegangen. Balaban ist es gelungen, die Antisemitismusforschung in Deutschland in Verruf zu bringen, da er mit seiner Kritik Unterstützung beim Oberbürgermeister von Essen, Reinhard Paß, fand. Paß bezeichnete den Ankündigungstext der Alten Synagoge als „unglückliche Formulierung“ und schrieb in einem Brief an Balaban:

„Ich bedauere sehr, dass bei Ihnen der Eindruck entstanden ist, dass die Alte Synagoge islamfeindlichen Tendenzen Anschub leistet und Rückhalt bietet und bin der Auffassung, dass ein solcher Eindruck nicht entstehen darf.“

Für Paß war somit nicht der Antisemitismus das eigentliche Problem und eine Gefährdung der Sicherheit, sondern die Antisemitismusforschung und somit der Versuch der Opfer des Antisemitismus‘, die Bedrohung zu analysieren. So wie in der Türkei die Forschung an dem Massenmord an den Armeniern als „Beleidigung der türkischen Nation“ gelten kann, so sorgte auch Essen dafür, dass Antisemitismusforschung zur entarteten Forschung erklärt wird.

Paß erwartete sogar, „dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht als dies bisher der Fall war.“

Während in Essen der Versuch von (potentiellen) Opfern, ihre Feinde zu analysieren, bereits als Integrationshemmnis galt, genoss in Wuppertal die Dämonisierung von Juden und der Aufruf zur Rache als in Deutschland zu tolerierende kulturelle Eigenart.

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Dass es auch anders geht als auf der 9. Konferenz der Palästinenser in Europa, zeigte am 12. Mai 2011 der Israeltag in Köln. So wie sich am 7. Mai 2011 Menschen in Wuppertal für Palästina versammelten, so versammelten sich am 12. Mai 2011 Menschen in Köln für Israel. Während der ganzen Veranstaltung wurde nicht auch nur eine Sekunde dazu aufgerufen, Palästinenser zu hassen, im Gegenteil: alle Menschen waren herzlich eingeladen zu kommen.

Es war sogar erlaubt, die Veranstaltung zu kritisieren, denn auch das gehört zu einer Veranstaltung dazu, die auf dem Boden eines freiheitlichen Rechtsstaats stattfindet.

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