Die fünf Säulen des Islams laut Tomas Avenarius

Ich habe schon viel krasses Zeug über den Islam gehört, aber was Tomas Avenarius in der Süddeutschen Zeitung behauptet, ist schon besonders bemerkenswert. In dem Artikel „Möchtegern-Reformatorin Ayaan Hirsi Ali. Eine Nicht-mehr-Muslima erklärt den Islam“ beschreibt er die Politikwissenschaftlerin und Feministin Ayaan Hirsi Ali wie folgt:

„Die bekennende Nicht-mehr-Muslima trägt den eineinhalb Milliarden Noch-Gläubigen vor, was sie am besten zu tun hätten, und sie stellt dabei en passant das Gesamtgebäude dieser Religion in Frage.“

Das ist ja spannend! Immer wieder wurde mir gesagt, den Islam gäbe es nicht, aber jetzt kommt Tomas Avenarius und erklärt mir doch die Grundfesten des Gesamtgebäudes Islam. Selten habe ich eine radikalere und fundamentalistischere Auslegung des Islams gelesen. Wenn das der eine Islam ist, dann ist er in Deutschland verfassungswidrig!

Hier die fünf Behauptungen Alis, die laut Avenarius die Säulen des Islams in Frage stellen:

Erstens: „Der Koran sei nicht von Gott verkündet worden, sondern von Menschen geschrieben und müsse daher historisch verortet werden.“

Wer nicht glaubt, der Koran sei von Gott persönlich verkündet, soll kein echter Muslim sein? Ich kenne viele Christen, die nicht glauben, Gott persönlich habe das Evangelium verkündet. Auch die meisten Juden, die ich kenne, sind sich sicher, dass es keine sprechenden Schlangen gibt und die Welt etwas älter ist als 5775 Jahre.

Zweitens: „Der Prophet Mohammed sei kein inoffizieller Heiliger, sondern gehöre als Religionsstifter und Mensch so richtig kritisiert.“

Die Hauptfigur des Evangeliums ist ein Hippie, der mit Huren, Sündern und Trinkern abhing, dem kaum eine Droge fremd war und der sich weigerte, zu sehr in die weltliche Politik einzugreifen. Die Hauptfigur des Korans ist ein Feldheer mit Vorliebe für Ehefrauen unter 10 Jahren, der kriegerisch ins politische Weltgeschehen eingriff und im Namen Gottes erklärte, wie man sich am besten unterwirft. Warum soll man den Feldherren nicht kritisieren dürfen, auch als Moslem.

Ich bin katholisch. Ich habe das volle katholische Programm durchlaufen: Taufe, Kommunion, Beichte, Firmung, Missbrauch. Ich bin sowas von katholisch und kann dennoch oder gerade deswegen Jesus kritisieren. Diese Aussagen von Jesus zum Beispiel sehe ich sehr kritisch:

“Glaubet nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit der Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.” (Mt 10, 34-35)

“Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.” (Lukas 14, 25)

“Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.” (Lukas 9, 23-25)

“Wenn deine Hand dich zum Bösen verführt, dann hack sie ab! Es ist besser, du gehst verstümmelt in das ewige Leben als mit beiden Händen in das unauslöschliche Feuer der Hölle. Wenn dich dein Fuß auf Abwege führt, dann hack ihn ab! Es ist besser für dich, mit nur einem Fuß zum ewigen Leben zu kommen, als mit beiden Füßen geradewegs in die Hölle zu marschieren. Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, dann reiß es heraus. Es ist viel besser, einäugig in Gottes neue Welt zu gelangen, als mit zwei gesunden Augen schließlich ins Feuer der Hölle geworfen zu werden. Dort wird die Qual nicht enden und das Feuer nicht verlöschen.” (Markus 9, 43-49)

Ich finde, es sollte auch einem Moslem ein Leichtes sein, Mohammed dafür zu kritisieren, wen man seiner bescheidenen Soldatenmeinung nach hassen soll und wem man wann was wo abhacken soll.

Ich bin Christ und glaube nicht mal daran, dass Jesus der Messias ist und auferstanden ist. Ja, das geht. Fragt mich nicht wie, aber es geht. Ich habe kein Problem, dass Jesus in Pisse ausgestellt wird, wie in diesem Kunstwerk, oder als Schwein am Kreuz dargestellt wird, wie in diesem Kunstwerk. Ich erwarte, dass man Mohammed ähnlich verarschen darf. Mohammed war nur ein Soldat vor ungefähr 1400 Jahren. Jeder heutige Bäcker aus Mekka bekommt von mir mehr Respekt als ein vor 1383 Jahren verstorbener Soldat. Hier mal ein Beispiel aus dem schier unergründlichem Schatz der Weisheiten Mohammeds, die irgendwie nett anfangen, aber in absoluter Gewalt enden:

“Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einen Menschen das Leben hält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach beginnen viele von ihnen Ausschreitungen im Lande. Der Lohn derer, die gegen Allah und seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden und dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil.”

Das steht so in der fünften Sure des Korans. Ich übesetze mal:

“Wir haben den Juden verordnet, wer tötet, tötet eine ganze Welt. Für Euch aber gilt, wenn jemand ein Unheil im Lande anrichtet, dann hackt ihnen die Hände und Füße ab.”

“Unheil im Lande”, na das ist ja mal etwas, wie soll ich sagen, vage, um nicht zu sagen, durchaus interpretationsfähig und auslegungsbedürftig. Weniger vage, ja geradezu konkret wird der Koran, wenn es darum geht, was mit jenen Leuten geschehen soll, die “Unheil im Lande” anrichten: Vertreibung, Kreuzigung oder wechselweise Hände und Füße ab, je nach Stimmungslage und ortsüblicher Tradition. Gerade deshalb finde ich Avenarius dritte Säule besonders bedenklich:

Drittens: „Das koranische Recht, die Scharia, müsse samt aller Zusatztexte dem weltlichen Recht untergeordnet werden.“

Laut Avenarius ist es eine Grundfeste des Islams die fünfte Sure des Korans mit dem Handabhacken und Fußabhackem über das Grundgesetz zu stellen? Das ist so extrem, das kann ich gar nicht mehr kommentieren. Ich bin sprachlos. Die nächste Säule lässt befürchten, dass sogar der fünfte Artikel im Grundgesetz für ihn weniger wert als die fünfte Sure im Koran:

Viertens: „Das Gerede vom Dschihad, dem „Heiligen Krieg“, müsse aufhören.“

Genau! Der „Heilige Krieg“ gehört zu Islam, denn schließlich weiß jeder, Islam bedeutet …

Fünftens: „Und vor allem sei dem diesseitigen Leben endlich der Vorrang vor dem Jenseits einzuräumen.“

Das also sind die fünf Säulen des Korans laut meinem Verständnis der Süddeutschen Sure des Avenarius:

1. Gott hat den Koran persönlich geschrieben!
2. Kritik an Mohammed ist verboten!
3. Die Scharia steht über das Grundgesetz!
4. Islam bedeutet „Heiliger Krieg“
5. Der Tod ist wichtiger als das Leben!

Auch Ruprecht Polenz scheint von Avenarius Auslegung in der Süddeutschen Zeitung ganz begeistert zu sein und postet auf seiner Facebook-Seite: 

Diese ganz speziellen fünf Säulen decken sich ziemlich genau mit der Auslegung des Kalifen des Islamischen Staats, Abu Bakr al-Baghdadi. Ich weiß nicht, wer den Islam nun besser verstanden hat, ob nun Tomas Avenarius, Ruprechts Polenz und Abu Bakr al-Baghdadi oder Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek und Hamed Abdel-Samad, aber ich weiß eins: Menschen, die einem Kulturkreis von außen erklären und diktieren wollen, was ihre eigene Kultur bedeutet, nennt man Kulturimperialisten! Ich kann mir vorstellen, Abu Bakr al-Baghdadi würde Polenz und Avenarius köpfen lassen, für manch eine Zote, die sie ab und an mal raushauen.

Was der “Islamische Staat” bedeutet, ist mir egal. Weder ein Mann vom IS, noch von der CDU oder SZ soll mir erklären, was der Islam bedeutet. Schon gar nicht sollen mir Christen erklären, Islam bedeute Frieden und mir dann eine Auslegung des Islams präsentieren, die verdammt exakt nach der christlichen Theologie von Nächsten- und Feindesliebe riecht. Christen, die dies tun, betreiben eine Christianisierung des Islams. Abu Bakr al-Baghdadi lässt nicht nur Christen mit so einer Meinung hinrichten.

Ich fürchte jedoch, die Auslegung Avenarius ist nicht allzu weit von der Realität entfernt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 glauben in Pakistan und Jordanien über 80% aller Muslime, die Scharia sei Gottes direkter Wille, in Afghanistan, Ägypten und Gaza über 70%. In Russland sind es nur 56% aller Muslime. In Afghanistan und im Irak bevorzugen über 90% die Scharia über ein bürgerliches Gesetz, in Malaysia, Bangladesh, Marokko, Gaza, Niger und Dschibuti über 80%. In Russland sind es “nur” 42%. Die Todesstrafe für Diebstahl finden in Afghanistan und Pakistan über 80% angemessen, in Gaza und Ägypten 70% aufwärts. In Ägypten, Gaza, Pakistan und Afghanistan sprechen sich über 80% für das Steinigen von EhebrecherInnen (mit ganz großem I) aus. Ungefähr die gleiche Anzahl von Muslimen in diesen Ländern fordert die Todesstrafe für den Abfall vom Glauben.

Ob diese Muslime den Islam richtig oder falsch verstanden haben, ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal! Der Islam ist eine Glaubensrichtung, die mich nicht interessiert. Der Ruf des Islams ist mir völlig schnuppe. Wenn mir jemand erklärt, die Terroristen hätten den Islam nur falsch interpretiert, dann sage ich:

“Nimm es mir nicht übel, aber das geht mir am Arsch vorbei! Dir aber scheint der Ruf des Islams nicht egal zu sein. Daher gebe ich Dir einen Rat: Wenn Du dem Ruf des Islams dienen möchtest, dann sorge dafür, dass die Terroristen mir nicht im vermeintlichen Namen des Islams an den Kragen wollen! Mich interessiert der Koran nicht und meine Motivation, den Islam zu verstehen, wird nicht dadurch befördert, dass einige durchgedrehte Muslime sich und unzählige Unschuldige in die Luft jagen!”

Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek und Hamed Abdel-Samad machen mir den Islam tausend Mal sympathischer als alle verschleierten und bärtigen Frauen und Männer der Welt zusammen, die statt zu zweifeln, lachen und kritisieren, den Koran immun machen wollen, gegen das, was eine Religion menschlich machen kann: Aufklärung!

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