Post vom Büro des Kölner Oberbürgermeisters

Das Büro des Oberbürgermeisters hat mir geantwortet.

„Sehr geehrter Herr Buurmann,

vielen Dank für Ihre Anregung. Ich kann Ihnen versichern, dass dem Beschluss durch die Bezirksvertretung Innenstadt eine sehr gründliche historische Recherche vorausgegangen ist. Die Benennung des Platzes vor dem künftigen jüdischen Museum wurde mit verschiedenen Historikern aus Verwaltung, Gesellschaft und Politik kritisch diskutiert. In der Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt vom 11.12.2014 hat auch Herr Professor Werner Eck von der Universität zu Köln dazu referiert.

Schließlich hat sich die Bezirksvertretung entschieden, der Empfehlung des Oberbürgermeister zu folgen und hat in der Sitzung vom 29.01.2015 beschlossen, die Platzfläche, die bei der Errichtung der Archäologischen Zone und des Jüdischen Museums zwischen den Straßen Unter Goldschmied, Obenmarspforten und Judengasse neu entstehen wird, in Augustusplatz zu benennen.

Freundliche Grüße
Im Auftrag
Ralf Droske
Stadt Köln – Der Oberbürgermeister“

Die Antwort erhielt ich, nachdem ich den Oberbürgermeister auf dieses kleine Detail aufmerksam gemacht hatte:

„Sehr geehrter Jürgen Roters,

Das Jahr 6 war ein schlechtes Jahr für Juden im Römischen Reich. In dem Jahr nämlich hob Kaiser Augustus das Recht der Juden auf, eine “zugelassene Religion” zu sein und gestattete die Hetze gegen Juden und die Beraubung ihres Eigentums! Ein paar Jahre später baute Kaiser Tiberius darauf auf und verfügte im Jahr 19 die Vertreibung der Juden aus Rom. Einige von ihnen fanden ihren Weg nach Köln!

Das Jüdische Museum wird an der Stelle errichtet, wo Juden jahrhundertelang ihr Viertel hatten, bis sie im 15. Jahrhundert aus Köln vertrieben wurden. Erst mit den Franzosen durften sie zum Ende des 18. Jahrhundert zurückkehren. Diesen Ort, wo kölsche Juden seit dem Römischen Reich lebten, bis sie im 15. Jahrhundert vertrieben wurden, möchte die Stadt Köln nun ausgerechnet dem römischen Kaiser widmen, der die Judenverfolgung im Römischen Reich zur Staatsräson erklärt hatte.

Wollen Sie das nicht noch mal überdenken?“

Offenkundig nicht! Ich frage mich allerdings, was Professor Werner Eck wohl vorgebracht haben mag, um die Bedenken zu zerstreuen. In der Mail steht nur, dass kritisch diskutiert wurde, aber nicht, was schließlich die Überzeugung gebracht hat. Da frage ich doch gleich noch mal nach:

„Sehr geehrter Herr Droske,

vielen Dank, dass Sie mir versichern, dass dem Beschluss durch die Bezirksvertretung Innenstadt eine sehr gründliche historische Recherche vorausgegangen ist. Ich finde es auch sehr vorbildlich, dass die Benennung des Platzes vor dem künftigen jüdischen Museum mit verschiedenen Historikern aus Verwaltung, Gesellschaft und Politik kritisch diskutiert wurde. Beeindruckend auch, dass in der Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt vom 11.12.2014 sogar Herr Professor Werner Eck von der Universität zu Köln dazu referiert hat.

Aber, wären Sie bitte so freundlich, mir auch mitzuteilen, welche Erkenntnisse genau Sie zu der Überzeugung gebracht haben, dass es eine gute Idee ist, den Platz vor dem jüdischen Museum in Köln nach eben jenem Kaiser zu benennen, der damit angefangen hat, in seinem Reich das Judentum zu einer nicht zugelassenen Religion zu erklären und zur Hetze gegen Juden sowie zum Raub auf jüdisches Eigentum aufgerufen hat? Kaiser Augustus ist der Wegbereiter zur Vertreibung der Juden aus Rom unter seinem direkten Nachfolger Tiberius.

Was also genau waren die Argumente der Überzeugung? Ich bin gerne bereit zu lernen.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann“

Mal schauen, wie auf meine Nachfrage geantwortet wird. Bisher weiß ich nur, es war die Empfehlung des Oberbürgermeisters.

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11 Antworten zu Post vom Büro des Kölner Oberbürgermeisters

  1. Kanalratte schreibt:

    R.I.P. Philipp Mißfelder

    Die Guten gehn zuerst!

  2. caruso schreibt:

    „Überall in der Welt wird geheuchelt. D aber ist Weltmeister.“
    Stimmt leider. Ich frage mich schon seit längerem, was die Deutschen aus der Geschichte
    gelernt haben – außer dsß man andere Länder nicht angreift. Das ist viel, aber beiweitem nicht genug. „Nie wieder Krieg“ klingt sehr schön, ist aber leider nur ein Wunschtraum. Denn manchmal muß es sein, z.B wenn man selbst angegriffen wird. Wer sich nicht verteidigen will, der verdient das, was er dann bekommt.
    D belügt sich selbst und (damit) auch andere. Ich verstehe eigentlich nicht, warum D so
    beliebt ist, sogar bei den jüdischen Israelis. Auch ich mochte D, denn ich glaubte, was ich immer wieder las:D ist eine gefestigte Demokratie, es hat die Vergangenheit aufgearbeitet usw., Danach, was ich seit sehr vielen Jahren aus Printmedien + Leserbriefe erfuhr, änderte sich meine Meinung langsam und leider immer mehr.
    Die Anständigen die es ja auch gibt und nicht einmal wenige, hört man viel zu wenig. Ich nehme an, daran haben nicht nur sie schuld sind, sondern genauso wenn nicht viel mehr die Medien.
    lg
    caruso

  3. yoyojon schreibt:

    Da fällt mir doch ein toller Kompromiss ein. Der Platz wird nicht nach einem Juden heißen und auch nicht nach Augustus. Vielmehr nehmen wir etwas Neutrales aus der deutschen Geschichte. Aus AKTUELLEM ANLASS wird es der Lettow-Vorbeck-Platz. Und alle freuen sich.

  4. abusheitan schreibt:

    Augustus hat doch für die weltweite Verbreitung des Judentums die Grundlage geschaffen.
    Dafür gebührt im Dank und Respekt!
    Bestimmt wird er noch in die „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen!

    • yoyojon schreibt:

      Ja, legen wir doch zusammen und spenden für ein Bäumchen für Augustus in Yad Vashem. Obwohl… die paar Euro kann auch der Oberbürgermeister von Köln aufbringen.

  5. yoyojon schreibt:

    Ärgere mich immer noch…. Beispiel: Im ehemaligen jüdischen Viertel von Cordoba sieht man ein Denkmal des großen jüdischen Denkers Moses Maimonides. Was stünde dort, wäre es in Deutschland? Na? Und? Wer? Genau! Natürlich. Ein Denkmal des Großinquisitors Torquemada.

  6. yoyojon schreibt:

    Nachdem die politisch korrekte Meinung heißt: „Man muss doch auch Israel mal kritisieren dürfen…“ und nachdem dabei herausgekommen ist, dass Israel ein Apartheidsstaat ist und nichts Besseres im Sinn hat, als die armen unschuldigen Palästinenser zu plagen und sogar Apartheidsbusse einführen will, wäre es ja noch schöner, den Platz vor dem jüdischen Museum nach einem Juden zu benennen. „Augustus“ ist dagegen ein deutliches Signal für alle Juden, was ihnen blüht, wenn Israel weiter existiert und sich nicht der Hamas übergibt.
    Aber der Herr Eck hat sicher eine geschicktere Bemäntelung gefunden, als mir es hier gelungen ist. Dafür ist er schließlich Professor und hat viel Zeit, nachzudenken.

    • Ulrich Elkmann schreibt:

      Iwo. Torkedingens kennt hier doch keiner. Martin Luther reicht doch.

      • yoyojon schreibt:

        Recht hast Du. Etwas Schöneres als eine Lutherstatue vorm jüdischen Museum kann es gar nicht geben. Bei dieser Vorstellung bin ich vollkommen überwältigt („overawed“).

  7. anti3anti schreibt:

    Das Argument, warum der Platz nachdem ersten Kaiser benannt wird, steht im 2. Absatz des Antwortschreibens:

    Schließlich hat sich die Bezirksvertretung entschieden, der Empfehlung des Oberbürgermeisters zu folgen …

    Noch Fragen?

Seid gut zueinander!

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